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  • Sophie Pflughaupt

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Sophie Pflughaupt
    Geburtsname: Sophie Čepin
    Lebensdaten:
    geb. in Dünaburg, Russland (heute Daugavpils, Lettland)
    gest. in Aachen, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Die Pianistin Sophie Pflughaupt aus Weimar gab zwei Konzerte [...]. Feuer und Energie hoben den Ausdruck ihrer Leistungen; Correctheit und künstlerisches Leben stempelten das Zeugniß ihrer Bildung.“


    („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 18. Februar 1859, S. 94)


    Profil

    Sophie Pflughaupt studierte bei Anton Gerke und Adolf von Henselt in St. Petersburg Klavier und setzte ab 1854 ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar fort. Obwohl sie ab Mitte der 1850er Jahre bis zu ihrem Tod 1867 im deutschen Musikleben wie auch international als herausragende Pianistin anerkannt war, sind z. Zt. nur wenige Spuren ihrer künstlerischen Tätigkeiten aufzufinden. Sophie Pflughaupt war besonders für ihre Interpretationen der Werke Frédéric Chopins, Robert Schumanns und Franz Liszts bekannt (vgl. Fétis 1880).

    Orte und Länder

    Sophie Pflughaupt wurde in Dünaburg (damals Russland, heute Daugavpils in Lettland) geboren. Sie studierte ab ca. 1850 in St. Petersburg Klavier und kam 1857 nach Weimar, um bei Franz Liszt ihr Studium fortzusetzen. Ab 1862 lebte sie in Aachen. Dort starb sie 1867.

    Biografie

    Sophie Pflughaupt wurde am 15. März 1834 in Dünaburg (damals Russland, heute Daugavpils in Lettland) als Sophie Čepin (Stschepin) geboren; ihr Vater war ein russischer General. Über ihre weitere Herkunft sowie ihre erste musikalische Ausbildung ist bislang nichts bekannt.


    Sophie Pflughaupt studierte Klavier bei Anton Gerke und Adolf von Henselt am Konservatorium St. Petersburg. Im Jahr 1854 heiratete sie den deutschen Pianisten und Komponisten Robert Pflughaupt (ca. 1830-1871) und kam gemeinsam mit ihrem Mann 1857 nach Weimar, wo beide ihr Studium bei Franz Liszt fortsetzten und bis 1862 in seinem Umfeld blieben.


    Während ihrer Studienzeit bei Franz Liszt begann Sophie Pflughaupt regelmäßig zu konzertieren und unternahm gemeinsam mit ihrem Mann größere Konzertreisen (vgl. Fétis 1880). Dennoch lassen sich ihre Konzerte bislang nur sehr vereinzelt nachweisen. Das Ehepaar Pflughaupt hielt sich z. B. im März 1858 gemeinsam mit Franz Liszt in Wien auf und kehrte von dort Ende März nach Weimar zurück (vgl. Brief von Franz Liszt an Caroline von Sayn-Wittgenstein vom 29. März 1858, in: Liszt 1902, Bd. 4, S. 422). Im Dezember 1858 sollte Sophie Pflughaupt in einem Berliner Hofkonzert auftreten, konnte jedoch nicht rechtzeitig nach Berlin kommen und wurde von Hans von Bülow vertreten (vgl. Brief von Hans von Bülow an Franz Liszt vom 28. Dezember 1858, in: Liszt/Bülow 1898, S. 238). Sie gab jedoch Ende 1858 zwei eigene Konzerte in Berlin, bei denen sie u. a. Robert Schumanns Klaviersonate g-Moll (op. 22), eine der Klaviersonaten D-Dur Ludwig van Beethovens, Franz Liszts zweites Klavierkonzert A-Dur sowie Ludwig van Beethovens Klavierkonzert C-Dur (op. 15) spielte. Ein Rezensent der „Neuen Zeitschrift für Musik“ schrieb: „Die Pianistin Sophie Pflughaupt aus Weimar gab zwei Konzerte; sie spielte außer der G moll-Sonate von R. Schumann und D dur-Sonate von Beethoven fast nur Liszt’sche Compositionen, worunter auch das zweite Concert A dur (mit Begleitung eines zweiten Klaviers) und erwies sich bei der schwierigen Aufgabe als recht wackere Spielerin. Feuer und Energie hoben den Ausdruck ihrer Leistungen; Correctheit und künstlerisches Leben stempelten das Zeugniß ihrer Bildung.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 18. Februar 1859, S. 94) Selbst die „Gazette musicale de Paris“ nahm in ihrer „Chronique étrangère“ Notiz von den beiden Konzerten und berichtete aus Berlin: „Mme Sophie Pflughaupt a donné son deuxième concert; c’est une excellente pianiste; elle l’a prouvé en jouant un concerto de Liszt; elle a de plus exécuté avec beaucoup de vigueur et d’intelligence le concerto de Beethoven en ut majeur.” („Mme Sophie Pflughaupt hat ihr zweites Konzert gegeben; sie ist eine hervorragende Pianistin; sie bewies es mit ihrem Spiel eines Liszt-Konzerts, und auch Beethovens Klavierkonzert C-Dur interpretierte sie spannungsreich und verständig.“; „La Gazette musicale de Paris“ vom 26. Dezember 1858, S. 435) Zwei Jahre später, im Dezember 1860, konzertierte Sophie Pflughaupt mit dem Berliner Domchor (vgl. Brief von Hans von Bülow an Franz Liszt vom 18. Dezember 1860, in: Liszt/Bülow 1898, S. 301) und hielt sich auch im Sommer 1862 in Berlin auf. Sie stattete am 10. Juni 1862 Giacomo Meyerbeer einen Besuch ab und wirkte am 24. Juni 1862 in einem Berliner Hofkonzert mit. Dort spielte sie Werke Johann Sebastian Bachs sowie die erste Fassung von Franz Liszts „Ernani. Paraphrase de Concert“ (vgl. Meyerbeer 2006, S. 345 und Kommentar, S. 779; „Neue Berliner Musikzeitung“ vom 9. April 1862, S. 117).


    Parallel zu ihrer Konzerttätigkeit wirkte Sophie Pflughaupt in der Weimarer Zeit auch als Musikpädagogin und hatte dort vermutlich einen größeren Kreis von Schülerinnen. So heißt es in einer Notiz der „Neuen Zeitschrift für Musik“ aus Weimar: „Frau Sophie Pflughaupt hat öffentliche Prüfungen mit ihren zahlreichen Schülerinnen angekündigt, denen wir mit Spannung entgegensehen.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 17. Februar 1860, S. 71) Der Kontakt zu Franz Liszt blieb vermutlich zeitlebens bestehen. Noch 1881, etliche Jahre nach ihrem Tod, nahm Franz Liszt Sophie und Robert Pflughaupt in die eher klein gehaltene Liste seiner „Befreundeten und Schüler“ auf, die er an Ludwig Nohl für dessen geplante Biografie über Franz Liszt schickte (vgl. Brief von Franz Liszt an Ludwig Nohl vom 29. September 1881, in: Jung 1988, S. 281). Zum Abschluss ihres Weimarer Aufenthaltes wurde Sophie Pflughaupt im März 1862 zur Herzoglich Sachsen-Meiningschen Hofpianistin ernannt (vgl. Meyerbeer 2006, Kommentar, S. 779).


    Im Jahr 1862 ließ sich Sophie Pflughaupt mit ihrem Mann Robert Pflughaupt in Aachen nieder und trat weiterhin als Konzertpianistin auf. Ein vereinzelter Bericht in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ lässt das Repertoire und das künstlerische Umfeld Sophie Pflughaupts erahnen. Demnach gab sie am 4. März 1863 ein Konzert in Erfurt und trat anschließend am 10. März 1863 in Gotha auf. Die beiden Konzertprogramme enthielten: Ludwig van Beethovens Klaviersonate C-Dur (op. 2 Nr. 3), das Scherzo h-Moll von Frédéric Chopin (op. 20), eine Tarantelle ihres Mannes Robert Pflughaupt, eine Etüde von Adolf von Henselt sowie Werke von Franz Liszt, darunter das „Sonetto del Petrarca“ (Nr. 104), die Ungarische Rhapsodie Cis-Dur, den „Faust-Walzer“ sowie das „Spinnerlied“. An den Konzerten waren auch die Sängerin Rosa von Milde und der Weimarer Musikdirektor Eduard Lassen beteiligt („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 17. April 1863, S. 137). Im Sommer 1864 trat Sophie Pflughaupt mit Frédéric Chopins Klavierkonzert f-Moll (op. 21) in den Aachener städtischen Konzerten auf (vgl. „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 5. Oktober 1864, S. 680). In einem Brief an Gustav Barth vom 25. Februar 1864, in dem sie ihn um ein Konzert-Engagement in Wiesbaden bat, nannte Sophie Pflughaupt als ihre bislang wichtigsten Auftrittsorte die Städte Leipzig, Berlin, Prag, Wien, Dresden und Weimar (vgl. Brief von Sophie Pflughaupt an Gustav Barth vom 25. Februar 1864, Universitätsbibliothek Frankfurt a. M., Mus. Autogr. S. Pflughaupt A 2).


    Eine Komposition von Sophie Pflughaupt ist in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar als Reinschrift erhalten. Es handelt sich dabei um eine Mazurka für Klavier, die „Son Altesse Impériale Madame la Grande Duchesse de Saxe-Weimar, Marie Pawlowna, Grande Duchesse de Russie“ gewidmet ist (vgl. Links). Daher wäre zu vermuten, dass Sophie Pflughaupt auch komponierte, zumindest – wie in dieser Zeit üblich – Werke für ihre eigenen Konzerte.


    Sophie Pflughaupt starb am 10. November 1867 im Alter von 34 Jahren in Aachen.

    Würdigung

    Sophie Pflughaupt gehörte zum Weimarer Schüler- und Freundeskreis Franz Liszts. Sie ließ sich bereits während ihrer Studienzeit gemeinsam mit ihrem Mann Robert Pflughaupt in Weimar nieder und wirkte dort als anerkannte Pianistin und Musikpädagogin. Vermutlich litt sie zeitlebens an einer chronischen Krankheit, durch die eine internationale Karriere als Pianistin verhindert wurde (vgl. Nachruf in: „Signale für die musikalische Welt“ vom 21. November 1867, S. 959).

    Eine angemessen Würdigung der Tätigkeiten Sophie Pflughaupts ist jedoch erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Sophie Pflughaupts werden derzeit (Februar 2009) lediglich in Zusammenhang mit Forschungen über ihren Lehrer Franz Liszt rezipiert.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Mazurka für Klavier. A Son Altesse Impériale Madame la Grande Duchesse de Saxe-Weimar, Marie Pawlowna, Grande Duchesse de Russie. Digital verfügbar unter: http://ora-web.swkk.de/digimo_online/digimo.entry?source=digimo.Digitalisat_anzeigen&a_id=3002 (Stand: 9. September 2010)

    Repertoire

    Eine Repertoireliste Sophie Pflughaupts kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Zu den von ihr gespielten Werken gehörten u. a.:


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate D-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate C-Dur, op. 2 Nr. 3

    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert C-Dur, op. 15


    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert f-Moll, op. 21

    Chopin, Frédéric. Scherzo h-Moll, op. 20


    Henselt, Adolf von. Etüde (keine Präzisierung möglich)


    Liszt, Franz. Klavierkonzert A-Dur

    Liszt, Franz. Sonetto del Petrarca No. 104

    Liszt, Franz. Ballade und Spinnerlied aus „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner

    Liszt, Franz. Transkription des Walzers aus Charles Gounods „Faust“

    Liszt, Franz. Ernani (Giuseppe Verdi). Paraphrase de Concert (verm. 1. Fassung als „Fantasie“)

    Liszt, Franz. Ungarische Rhapsodie Nr. 2 Cis-Dur


    Pflughaupt, Robert. Tarantelle


    Schumann, Robert. Klaviersonate g-Moll, op. 22

    Quellen

    Dokumente


    Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt a. M.: Brief von Sophie Pflughaupt an Unbekannt vom 10. Mai 1862, Mus. Autogr. S. Pflughaupt A 1; Brief von Sophie Pflughaupt an Gustav Barth vom 25. Februar 1864; Mus. Autogr. S. Pflughaupt A 2.



    Literatur


    Artikel „Pflughaupt, Sophie“. In: Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Hermann Mendel; August Reissman (Hg.). Bd. 8. Berlin: Verlag von Robert Oppenheim, 1877, S. 67.


    Artikel „Pflughaupt (Robert). Mme Sophie Pflughaupt“. In: Fétis, François-Joseph. Biographie universelle des musiciens. Supplément et complément. Arthur Pugin (Hg.). 2 Bde. Paris 1880.


    Artikel „Pflughaupt, Robert“. In: Musik-Lexikon. Hugo Riemann, Alfred Einstein (Hg.). 9. Auflage. Berlin: Max Hesses Verlag, 1919.


    Artikel „Pflughaupt, Sophie“. In: Lexikon der Frau. Bd. 2. Zürich: Encyclios Verlag AG, 1954 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Liszt, Franz. Franz Liszt in seinen Briefen. Franz Rudolf Jung (Hg.). Frankfurt a. M.: Athenäum, 1988.


    Liszt, Franz/Bülow, Hans von. Briefwechsel. La Mara (Hg.). Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1898.


    Liszt, Franz. Briefe. La Mara (Hg.). 8 Bde. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1902.


    Meyerbeer, Giacomo: Briefwechsel und Tagebücher. Bd. 8: 1860-1864, herausgegeben und kommentiert von Sabine Henze-Döring, Berlin/New York: de Gruyter, 2006.


    Möhlmann, Nadine. Artikel „Pflughaupt, Sophie“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon, hg. v. Freia Hofmann, online zugänglich unter: http://www.sophie-drinker-institut.de, Stand: 9. September 2010.


    Niemann, Walter. Meister des Klaviers. Die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit. 9. bis 14. völlig umgearbeitete Auflage. Berlin: Schuster & Loeffler, 1921.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine musikalische Zeitung vom 5. Oktober 1864, S. 680.


    La Gazette musicale de Paris vom 26. Dezember 1858, S. 435.


    Neue Berliner Musikzeitung vom 9. April 1862, S. 117.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 18. Februar 1859, S. 94.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 17. Februar 1860, S. 71.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 17. April 1863, S. 137.



    Links


    http://ora-web.swkk.de/digimo_online/digimo.entry?source=digimo.Digitalisat_anzeigen&a_id=3002 (Stand: 21. Januar 2009)

    Das Online-System „Monographien Digital“ der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek Weimar und der Stiftung Weimarer Klassik stellt eine Reinschrift der Mazurka von Sophie Pflughaupt digital zur Verfügung.


    www.kalliope-portal.de

    Das Verbundsystem Nachlässe und Autographe Kalliope-Portal weist mehrere Briefe in der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt a.M. nach.

    Forschung

    Sophie Pflughaupt war mit dem Pianisten und Komponisten Robert Pflughaupt (ca. 1830-1871) verheiratet.

    Es liegen keine weiteren Forschungsinformationen zu ihr vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Sophie Pflughaupt umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 25347148
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116186208

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 9. September 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 28.09.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Sophie Pflughaupt“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 28.9.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Sophie_Pflughaupt