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  • Sophie Dulcken

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Sophie Dulcken
    Ehename: Sophie Louise Radziwill
    Varianten: Sophie Radziwill, Sophie Dulken, Sophie Dülken, Sophie Louise Auguste Dulcken, Sophie Louise Auguste Radziwill, Sophie Louise Auguste Dulken, Sophie Louise Auguste Dülken, Sophia Dulcken, Sophia Radziwill, Sophia Dulken, Sophia Dülken, Sophia Louise Auguste Dulcken, Sophia Louise Auguste Radziwill, Sophia Louise Auguste Dulken, Sophia Louise Auguste Dülken
    Lebensdaten:
    geb. in London, England
    gest. nach

    Die Sterbedaten Sophie Dulckens sind nicht bekannt. Der vorliegende Artikel befasst sich mit der Pianistin Sophie Dulcken (geb. 1835), deren Wirkungszeit zwischen 1846 und 1855 lag.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin
    Charakterisierender Satz:

    „Frl. Sophie Dulcken ist eine vom Hauche des ächten, wahren Genius beseelte Künstlerin, wie wir durch eigenes Anhören in einem Privatkreise uns zu überzeugen Gelegenheit hatten. Die Sicherheit und Eleganz, mit der sie die schwierigsten Bravourstücke spielt, der tändelnde Humor, den sie in kleinen pikanten Salon-Piecen entwickelt, das tiefe Verständniss und die künstlerische Begeisterung beim Vortrage Bach’scher Fugen und anderer klassischer Meisterwerke – wahrlich, wir wussten nicht, welchen von allen diesen der Künstlerin eigenen Vorzügen wir am meisten bewundern sollten.“


    („Süddeutsche Musik-Zeitung“ vom 10. Oktober 1853, S. 164)


    Profil

    Die Pianistin Sophie Dulcken trat bereits ab dem Alter von zehn Jahren in nahezu allen Musikmetropolen Europas auf. Bis 1854 lebte sie als reisende Musikerin und konzertierte ab 1848 gemeinsam mit ihrer Schwester, der Concertina-Spielerin Isabella Dulcken, u. a. in Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen, Russland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Im Jahr 1857 heiratete Sophie Dulcken einen Fürsten Radziwill und zog sich aus dem öffentlichen Konzertleben zurück.

    Orte und Länder

    Sophie Dulcken wurde in London geboren. Ab dem Alter von zehn Jahren unternahm sie zahlreiche Konzertreisen, u. a. durch Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen, Russland, die Niederlande, Belgien und Frankreich; 1854 ließ sie sich in Paris nieder. 1857 heiratete Sophie Dulcken einen Fürsten Radziwill. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Biografie

    Sophie Dulcken wurde am 6. März 1835 als Tochter von Auguste Dulcken, geb. Burghaagen, und Heinrich bzw. Henry Dulcken in London geboren. Sie wuchs in einem musikalischen Umfeld auf und wurde vermutlich ausschließlich privat ausgebildet. Ihr Vater war Komponist, Musiklehrer und Organist, ihre Tante Louise Dulcken eine international angesehene Pianistin und Musikpädagogin (zur Herkunft vgl. Herold [2012]).


    Bereits 1845/46, im Alter von zehn Jahren, trat Sophie Dulcken öffentlich auf. Gemeinsam mit ihrem Vater unternahm sie eine Konzertreise durch Deutschland und konzertierte dabei u. a. in Darmstadt (November 1845), Frankfurt a. M. (Januar 1846) und Leipzig (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 15. Februar 1846, S. 56; vom 15. März 1846, S. 87). Auf den Programmen standen vor allem Virtuosenstücke wie Sigismund Thalbergs Fantasie op. 20 über die „Hugenotten“ von Giacomo Meyerbeer. Allerdings wurden ihre Auftritte als „Wunderkind“ teils scharf kritisiert. So heißt es z. B. in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ über das Darmstädter Konzert: „Sie spielt recht artig Pianoforte, aber Vieles war ihr zu schwer, wie z. B. die Phantasie von Thalberg über die Hugenotten, weshalb sie oft daneben griff. Talent mag das Kind haben, der Vater sollte aber nicht so blind oder gewissenlos sein, die Kleine schon jetzt der Welt vorzuführen, um von den noch unreifen Früchten einen augenblicklichen pecuniären Vortheil zu ziehen.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 15. März 1846, S. 87; vgl. auch Herold 2012)


    Von 1848 bis mindestens 1855 trat Sophie Dulcken nahezu ausschließlich mit ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Isabella Dulcken, einer Concertina-Spielerin, auf. Anfang des Jahres 1848 unternahmen die beiden Schwestern eine weitere Deutschlandreise und konzertierten u. a. in Frankfurt a. M. (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 8. Februar 1848, S. 72). Auch in ihrer Heimatstadt London gaben Sophie und Isabella Dulcken Konzerte. So traten die Geschwister im Mai 1850 in einem Privatkonzert einer Mrs. Bethel in deren Salon am Bryanstone Square auf. Das Programm Sophie Dulckens bestand dabei fast ausschließlich aus so genannten „Salonstücken“ des 19. Jahrhunderts. Es umfasste Sigismund Thalbergs „Grand Fantasia on Lucia di Lammermoor“ op. 44, Charles Mayers Grand Etude de Concert „La Fontaine“ op. 61 Nr. 1, zwei Etüden Stephen Hellers, Alexandre Philippe Billets Etude de Concert „Margaret“ (o. op.), Adolf Henselts „Si oiseau j’étais“ op. 2 Nr. 6, Frédéric Chopins Impromptu As-Dur op. 29 sowie „La Bonne Humeur“ ihres Vaters Henry Dulcken. Zudem übernahm Sophie Dulcken den Klavierpart in Johann Nepomuk Hummels Klaviertrio Nr. 8 Es-Dur op. 96 an der Seite des Geigers Karl Deichmann und des Violoncellisten Hausmann (Vorname unbekannt) (vgl. „The Musical World“ vom 18. Mai 1850, S. 312). Die „Musical World“ berichtete über das Spiel von Sophie Dulcken: „The matinée took place, by permisson of Mrs. Bethel, at her residence, in Bryanstone-square. A select and elegant audience assembled. Madlle. Sophie Dulcken, the young pianiste, possesses all the requisites for a first-rate executant, which may in due time qualify her to assume the honourable position in which her lamented aunt, the late Madame Dulcken, shone for so many years. A glance at the programme of the pianoforte pieces selected by Madlle. S. Dulcken shows her versatility in different styles. [...] Madlle. S. Dulcken succeeded in all her performances. She took also part in Hummel’s Sixth Trio, Op. 96, excellently supported by MM. Deichmann and Hausmann.“ („Die Matinée fand mit der Erlaubnis von Frau Bethel in ihrem Domizil in Bryanstone Square statt. Ein erlesenes und elegantes Publikum versammelte sich dort. Fräulein Sophie Dulcken, die junge Pianistin, verfügt über alle Voraussetzungen für eine ausübende Künstlerin ersten Ranges, die sie zu gegebener Zeit dazu qualifizieren können, die ehrenwerte Position anzunehmen, in der ihre betrauerte Tante, die späte Frau Dulcken, über so viele Jahre glänzte. Ein Blick auf das Programm der von Fräulein S. Dulcken ausgewählten Klavierstücke verrät ihre Vielseitigkeit in verschiedenen Stilen. […] Fräulein S. Dulcken gelangen all ihre Vorstellungen. Sie nahm, herausragend unterstützt durch die Herren Deichmann und Hausmann, auch an Hummels sechstem [recte: achtem] Trio op. 96 teil.“; „The Musical World“ vom 18. Mai 1850, S. 312)


    In den folgenden Jahren lebten Sophie und Isabella Dulcken fast ausschließlich als reisende Musikerinnen und konzertierten in Deutschland, Polen, Russland, Österreich, Ungarn, Belgien, den Niederlanden und in Frankreich.


    Im Januar 1851 gaben die Geschwister mehrere Konzerte in Wien, u. a. im Kärnthnerthor-Theater („Rheinische Musik-Zeitung“ vom 18. Januar 1851, S. 230; „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 3. Januar 1851, S. 7), und reisten anschließend weiter nach Prag, wo sie drei eigene Konzerte veranstalteten und in Privathäusern spielten. Der Korrespondent der „Neuen Zeitschrift für Musik“ schrieb über Sophie Dulcken: „Zuerst nenne ich die Schwestern Sophie und Isabella Dulken, welche sich hier dreimal öffentlich und in einigen vornehmen Privatzirkeln mit großem Beifalle hören ließen. Sophie, die Pianistin, 16 Jahre alt, hat eine äußerst deutliche Technik, glänzt mehr in Allegro als in Adagio, und bedarf um Künstlerin ersten Ranges zu werden, noch einer ruhigen Selbstbeherrschung.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 23. Mai 1851, S. 224) Am 17. und 20. September 1851 traten Sophie und Isabella Dulcken im Weimarer Hoftheater auf, jeweils im Anschluss an das Lustspiel „Der Liebesbrief“. Sophie Dulcken spielte dabei Julius Schulhoffs „Fantasie über böhmische Lieder“ op. 10 sowie eine Fantasie über das Thema „La Cracovienne“ von William V. Wallace (vgl. Theaterzettel des Weimarer Hoftheaters vom 17. und 20. September 1851): „Dahin ist vor Allem die liebenswürdige Erscheinung der Schwestern Dulken aus London zu rechnen, deren sicheres, geschmackvolles und selbstständiges Spiel sich zweimal im Theater den ungetheiltesten Beifall des Publikums errang.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 24. Oktober 1851, S. 177) Weitaus verhaltener reagierte die Musikkritik auf das Konzert der Geschwister im Leipziger Gewandhaus, das am 12. Oktober 1851 stattfand. Sophie Dulcken spielte dabei Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 sowie wiederum mehrere „Salonstücke“. Eben jene Ausrichtung auf populäre Stücke wurde in den Rezensionen – insbesondere jenen des Gewandhauskonzertes – kritisiert. So hieß es z. B. in der „Rheinischen Musik-Zeitung“ über den Auftritt Sophie Dulckens: „Fräul. Sophie Dulcken entwickelte eine für ihre Jugend sehr anerkennenswerthe Technik auf dem Pianoforte: – nur scheint uns das Es dur-Concert von Beethoven keine ganz glückliche Wahl gewesen zu sein, da Fräul. Dulcken bei ihrer Jugend weder die hinreichende physische Kraft zur Ausführung, noch die geistige Reife zur Auffassung eines so gewaltigen Werkes besitzten kann [...]. Auch die Wahl der Schulhoff’schen Variationen über böhmische Lieder konnte uns nicht gefallen, da diese durch ihre Trivialität uns in die Zeiten des Abbé Gelireck und Henri Herz zurückführen. Die Ausführung derselben gelang der jungen Künstlerin allerdings besser als die des Es dur-Concertes, und errang ihr auch im Auditorium Beifall.“ („Rheinische Musik-Zeitung vom 1. November 1851, S. 558) Die „Neue Zeitschrift für Musik“ verwies in ihrer Rezension zudem auf das Problem der „Wunderkinder“ im Konzertwesen der Zeit: „Die classischen Pianoforteconcerte sind so ausgezeichnet gehört, daß jede nachfolgende, auch tüchtige Leistung einen schweren Stand hat, geschweige eine mangelhafte, wie die eben besprochene. Salonstücke allein aber will das Publikum auch nicht. Besser also in der That, das Pianofortespiel eine Zeit lang ganz ruhen zu lassen, sobald es noch nicht an der Zeit sein sollte, eine Reform des Concertwesens von Grund aus zu versuchen.“ (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 17. Oktober 1851, S. 169). Am 10. Dezember 1851 wirkten die Geschwister bei einem Hofkonzert in Berlin mit, das von Giacomo Meyerbeer geleitet wurde. Während die Musikkritik bis dahin überwiegend verhalten reagiert hatte, notierte Meyerbeer in seinem Tagebuch: „Das Hofkonzert ... fiel sehr gut aus [...] Die beiden Kinder Demoiselles Dülken spielten auf dem neuen Instrumente, Concertina genannt (ein vervollkommnetes Akkordeon) und dem Pianoforte ausgezeichnet schön.“ (Eintrag vom 10. Dezember 1851, zit. n. Meyerbeer 1999, S. 469)


    1852 folgte eine erste Konzertreise durch Polen, Estland, Russland und Rumänien, wo Sophie und Isabella Dulcken u. a. in Dorpat (heute Tartu), Sankt Petersburg, Gattschina, Moskau, Nischni-Nowgorod und Kronstadt (heute Braşov) konzertierten (vgl. Herold 2012). Nach einer zweiten zehnmonatigen Tournee durch Polen und Russland 1853 traten die Geschwister im Oktober 1853 in Mainz auf, wie die „Süddeutsche Musik-Zeitung“ meldete: „Ich spreche von einem liebenswürdigen Schwesternpaar, den beiden Frl. Sophie und Isabella Dulcken aus London, welche von den Anstrengungen einer zehnmonatlichen Kunstreise in Polen und Russland eine kurze Zeit hier [in Mainz] ausruhten, um sich dann von hier aus direkt nach Paris zu begeben; von dort wollen sie sich nach Belgien und Holland wenden, wo wir ihrem Auftreten im Voraus den schönsten Erfolg versprechen zu können glauben.“ („Süddeutsche Musik-Zeitung“ vom 10. Oktober 1853, S. 164) Über das Auftreten von Sophie Dulcken hieß es im Weiteren: „Sophie, die ältere der beiden Schwestern, ist Claviervirtuosin. Das will anscheinend nicht viel sagen, denn wer spielt heut zu Tage nicht Clavier, oder glaubt wenigstens zu spielen? [...] Frl. Sophie Dulcken ist eine vom Hauche des ächten, wahren Genius beseelte Künstlerin, wie wir durch eigenes Anhören in einem Privatkreise uns zu überzeugen Gelegenheit hatten. Die Sicherheit und Eleganz, mit der sie die schwierigsten Bravourstücke spielt, der tändelnde Humor, den sie in kleinen pikanten Salon-Piecen entwickelt, das tiefe Verständniss und die künstlerische Begeisterung beim Vortrage Bach’scher Fugen und anderer klassischer Meisterwerke – wahrlich, wir wussten nicht, welchen von allen diesen der Künstlerin eigenen Vorzügen wir am meisten bewundern sollten.“ („Süddeutsche Musik-Zeitung“ vom 10. Oktober 1853, S. 164)


    Noch im Dezember 1853 traten Sophie und Isabella Dulcken in Brüssel auf (vgl. „Neue Berliner Musikzeitung“ vom 28. Dezember 1853, S. 351) und veranstalteten anschließend mehrere Konzerte in Paris, u. a. im Théâtre Italien. Das französische Publikum wie auch die dortige Musikkritik reagierten ausnahmslos begeistert: „A la représentation extraordinaire donnée mercredi dernier au Théâtre-Italien, les deux jeunes virtuoses Dulcken ont obtenu un succès d’enthousiasme qui s’est traduit par trois rappels successifs. Cette nouvelle ovation place ces deux jeunes sœurs, aussi intéressantes par leur talent que par la grâce de leur personne, au rang des artistes qui seront les plus recherchés cet hiver dans nos salons.“ („Bei dem Sonderkonzert, das am Mittwoch im Théâtre Italien stattfand, haben die beiden jungen Virtuosinnen Dulcken einen begeisterten Erfolg erlebt, der sich u. a. in drei aufeinanderfolgenden Hervorrufen manifestierte. Diese wiederholten Ovationen erheben die beiden jungen Schwestern, die sowohl mit ihrem Talent als auch mit ihrer Anmut begeistern, in den Rang von Künstlerinnen, die diesen Winter in unseren Salons überaus gefragt sein werden.“; „Le Ménestrel“ vom 29. Januar 1854, S. 4) Auch in der „Société des concerts des Jeunes Artistes“ konzertierten sie im März 1854. Dabei spielte Sophie Dulcken eine Fantasie über Themen aus Carl Maria von Webers „Freischütz“, die sie selbst komponiert hatte (vgl. „Revue et Gazette Musicale“ vom 12. März 1854, S. 84). Wenige Tage später traten Sophie und Isabella Dulcken nach einer Aufführung der Opéra Comique „Pepito“ von Jacques Offenbach auf, gemeinsam mit Offenbach selbst und dem Sänger Gustav Hippolyte Roger, wiederum mit großem Erfolg: „Aussi, vers neuf heures, mardi dernier, la plus élégante société de Paris était-elle à la recherche de l’ancien 19, passage Saulnier [...]. En entrant, vous receviez un programme mentionnant pour 1re partie: pas de prologue; pour 2e partie, un concert par Roger, Offenbach et les sœurs Dulcken (grand succès!) pour 3e partie, la reprise [...] de ‚Pepito’“ („[...] gegen neun Uhr am vergangenen Dienstag war die eleganteste Gesellschaft von Paris auf der Suche nach der alten Nr. 19 in der Passage Saulnier [...]. Eintretend, erwartete sie ein Programm, das für den 1. Teil vorsah: keinen Prolog, für den 2. Teil ein Konzert mit Roger, Offenbach und den Schwestern Dulcken (großer Erfolg!), für den 3. Teil die Reprise [...] von ‚Pepito’“; „Le Ménestrel“ vom 2. April 1854, S. 2) Im Dezember 1854 meldete die „Neue Zeitschrift für Musik“, dass sich Sophie und Isabella Dulcken dauerhaft in Paris niedergelassen hatten (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 15. Dezember 1854, S. 274).


    Im Januar 1855 bereisten Sophie und Isabella Dulcken die Bretagne, wo sie u. a. in Le Mans, Laval, Rennes und Nantes auftraten. Dabei spielte Sophie Dulcken u. a. drei Stücke von Félix Godefroid, eine Fantasie über Gaetano Donizettis „Lucrezia Borgia“ o. op., die „Gouttes de rosée“ op. 54 und die „Danse Indienne“ op. 57 (alle drei original für Harfe), sowie die Cracovienne und einen Galop von Antonin Kontski. Die Zeitschrift „Le Ménestrel“ stellte anschließend einen Pressespiegel zusammen und zitierte dabei u. a. die „Union Bretonne“, deren Rezensent explizit die Schwestern dem Status von „Wunderkindern“ enthob: „Elles sont charmantes dans leur fraîcheur et leurs sourires de jeunesses, ces deux jolies sœurs. Quand elles vous arrivent en se tenant par la main et que, pour saluer toute cette assemblée attentive, elles s’inclinent avec une simplicité empreinte d’une grâce adorable, vous voilà séduits à première vue. Nul ne saurait résister à ce charme: d’ailleurs il est si naïvement imposé que personne n’essaie de s’y soustraire. Mlle Sophie Dulken, l’ainée, est pianiste. C’est un talent sérieux et ferme, ce qui n’exclut certainement ni l’élégance, ni l’expression. Artiste d’une valeur acquise et tout-à-fait digne du grand empressement dont on l’entoure, Mlle Sophie Dulken met dans son exécution autant d’énergie que de finesse, d’ampleur dans l’ensemble que de délicatesse dans les détails.“ („Sie sind bezaubernd in ihrer Frische und mit ihrem jugendlichen Lächeln, die beiden hübschen Schwestern. Wenn sie auftreten, eine die andere an der Hand haltend, um das erwartungsvolle Publikum zu begrüßen, verbeugen sie sich mit einer eindrucksvoller Natürlichkeit und mit einer reizenden Anmut, so dass man von ersten Moment an angetan ist. Nichts könnte diesem Charme widerstehen: gleichzeitig gibt er sich unschuldig, dass sich niemand ihm entziehen kann. Mlle Sophie Dulken, die ältere, ist Pianistin. Sie besitzt ein ernsthaftes und konzentriertes Talent, was sicherlich weder Eleganz noch Ausdrucksstärke ausschließt. Als jene sichere Künstlerin, die sich der großen Begeisterung, die sie umgibt, absolut würdig erweist, legt Mlle Sophie Dulken in ihre Ausführung ebenso viel Energie wie Feinsinn, Weite im Gesamten wie Feinheit im Detail.“; „Union bretonne“, zit. n. „Le Ménestrel“ vom 4. Februar 1855, S. 3; vgl. auch „La France Musicale“ vom 11. Februar 1855, S. 47)


    Im Herbst 1857 meldeten mehrere Zeitschriften, dass Sophie Dulcken einen der polnischen Prinzen Radziwill heiraten werde (vgl. u. a. „Le Dimanche“ vom 15. November 1857, S. 8). Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Würdigung

    Sophie Dulcken gab als Kind und Jugendliche unzählige Konzerte in nahezu allen Musikmetropolen Europas. Den Konzertrezensionen zufolge standen dabei scheinbar vor allem populäre Werke wie Bravourstücke und so genannte Salonmusik im Vordergrund ihres Repertoires, ein Repertoire, das möglicherweise auch den gemeinsamen Auftritten mit ihrer Schwester geschuldet war. Ein wesentlich anderes Bild Sophie Dulckens, das anscheinend nur selten an die Öffentlichkeit gelangte, zeichnete allerdings der Musikjournalist Henri Blanchard 1853 in der Pariser „Revue et Gazette Musicale“: „Sophie a dix-huit ans et joue du piano comme nos plus habiles virtuoses: elle dit Mozart, Beethoven et Weber comme elle interprète Liszt et Thalberg, dans l’esprit et la manière et le style de ces illustres pianistes. Demandez-lui une fugue de Bach ou un caprice de Chopin: elle vous dira cette première chose de manière à faire saillir les beautés compliquées et cependant claires du vieux maître allemand; puis elle vous exécutera d’une façon brillante l’étude plus compliquée encore du virtuose polonais que la France, ou plutôt l’Europe musicale, a perdu trop tôt; et cela, de souvenir, sans le froid cahier devant les yeux, avec une verve, un brio de trait, une chaleur d’exécution qui a peut-être tort de ne pas se réserver pour la péroraison, de s’épandre dès le début, et partout et toujours.“ („Sophie ist 18 Jahre alt und spielt Klavier wie unsere fähigsten Virtuosen: sie spielt Mozart, Beethoven und Weber ebenso wie sie Liszt und Thalberg interpretiert, im Geist und in der Art und im Stil dieser herausragenden Pianisten. Fragen Sie sie nach einer Fuge von Bach oder einer Caprice von Chopin: sie wird Ihnen erstere in einer Weise spielen, dass die komplexe und zugleich klare Schönheit des alten deutschen Meisters hervorsticht; dann spielt sie Ihnen auf brillante Weise die noch schwierigere Etüde des polnischen Virtuosen, den Frankreich oder vielmehr das musikalische Europa viel zu früh verloren hat; und all dies auswendig, ohne das kalte Heft vor den Augen, mit einer Energie, einer Brillanz, einer Wärme in der Ausführung, die möglicherweise zu Unrecht nicht für später aufgehoben, sondern von Beginn an verstreut wurden, überall und zu jeder Zeit.“; Blanchard 1853)

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Première Pensée musicale „The Canary“. Morceau de Salon für Klavier op. 1. London 1850 (unter dem Namen Sophia Dulcken).


    Fantasie über Themen aus Carl Maria von Webers „Freischütz“ für Klavier.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Sophie Dulcken kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen folgender Werke:


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73


    Billet, Alexandre Philippe. Etude de Concert „Margaret“ (o. op.)


    Chopin, Frédéric. Impromptu As-Dur op. 29


    Dulcken, Henry. „La Bonne Humeur“


    Godefroid, Félix. Fantasie über Gaetano Donizettis „Lucrezia Borgia“ o. op. (original für Harfe)

    Godefroid, Félix. „Les Gouttes de rosée“ op. 54 (original für Harfe)

    Godefroid, Félix. „Danse Indienne“ op. 57 (original für Harfe)


    Heller, Stephen. Etudes (keine Präzisierung möglich)


    Henselt, Adolf. „Si oiseau j’étais“ op. 2 Nr. 6


    Hummel, Johann Nepomuk. Klaviertrio Nr. 8 Es-Dur op. 96


    Kontski, Antonin. Cracovienne

    Kontski, Antonin. Galop


    Mayer, Charles. Grand Etude de Concert „La Fontaine“ op. 61 Nr. 1


    Schulhoff, Julius. Caprices sur des airs bohémiens op. 10


    Thalberg, Sigismund. Fantasie über „Les Huguenots“ von Giacomo Meyerbeer op. 20

    Thalberg, Sigismund. Andante de Final de „Lucia di Lammermoor“ op. 44 („Grand Fantasia on Lucia di Lammermoor“)


    Wallace, William V. Fantasie über das Thema „La Cracovienne“

    Quellen

    Dokumente


    Theaterzettel des Weimarer Hoftheaters vom 17. und 20. September 1851, Thüringer Hauptstaatsarchiv, digital veröffentlicht unter http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00005950?jumpback=true&maximized=true&page=/008921.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048206; http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00027554?jumpback=true&maximized=true&page=/008920.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048207 (Stand: 11. Januar 2013)



    Literatur


    Blanchard, Henri. „Isabelle et Sophie“. In: Revue et Gazette Musicale de Paris vom 23. Oktober 1853, S. 374.


    Herold, Anja: Artikel „Dulcken, Familie“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker Institut, hg. v. Freia Hoffmann, http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 5. Dezember 2012).


    Meyerbeer, Giacomo. Briefwechsel und Tagebücher, hg. und kom. von Sabine Henze-Döring unter Mitarbeit von Hans Moeller, Bd. 5: 1849-1852, Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1999.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    La France Musicale vom 11. Februar 1855, S. 47.


    Le Dimanche vom 15. November 1857, S. 8.


    Le Ménestrel vom 29. Januar 1854, S. 4.

    Le Ménestrel vom 2. April 1854, S. 2.

    Le Ménestrel vom 4. Februar 1855, S. 3.


    Neue Berliner Musikzeitung vom 28. Dezember 1853, S. 351.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 15. Februar 1846, S. 56.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 15. März 1846, S. 87.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 8. Februar 1848, S. 72.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 3. Januar 1851, S. 7.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 23. Mai 1851, S. 224.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 17. Oktober 1851, S. 169.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 24. Oktober 1851, S. 177.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 15. Dezember 1854, S. 274.


    Revue et Gazette Musicale vom 12. März 1854, S. 84.


    Rheinische Musik-Zeitung vom 18. Januar 1851, S. 230.

    Rheinische Musik-Zeitung vom 1. November 1851, S. 558.


    Süddeutsche Musik-Zeitung vom 10. Oktober 1853, S. 164.


    The Musical World vom 18. Mai 1850, S. 312.



    Links


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 5. Dezember 2012).

    Das Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts stellt einen lexikalischen Artikel über Sophie Dulcken von Anja Herold online zur Verfügung.


    http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00005950?jumpback=true&maximized=true&page=/008921.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048206; http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00027554?jumpback=true&maximized=true&page=/008920.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048207

    Das digitale Archiv des Thüringischen Hauptstaatsarchivs stellt zwei Konzertprogramme von Sophie und Isabelle Dulcken online zur Verfügung.

    Forschung

    Zu Sophie Dulcken liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Sophie Dulcken umfasst ihre Biografie sowie ihre künstlerischen Tätigkeiten und Kontakte. Über ihr Leben nach ihrer Heirat ist bislang nichts bekannt.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 3216824
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 11624433X

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Sophie Dulcken“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Sophie_Dulcken