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  • Sophie Bohrer

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Sophie Bohrer
    Ehename: Sophie von Bönninghausen
    Varianten: Sophie Bönninghausen, Sophie Bonninghausen, Sophie Marie Sophie Barbara Sophie von Bohrer, Sophie Marie Sophie Barbara Sophie von Bönninghausen, Sophie Marie Sophie Barbara Sophie von Bonninghausen, Sofie Bohrer, Sofie Bönninghausen, Sofie Bonninghausen, Sofie Marie Sofie Barbara Sofie von Bohrer, Sofie Marie Sofie Barbara Sofie von Bönninghausen, Sofie Marie Sofie Barbara Sofie von Bonninghausen, von Bohrer, von Bönninghausen, von Bonninghausen, von Marie von Barbara von von Bohrer, von Marie von Barbara von von Bönninghausen, von Marie von Barbara von von Bonninghausen
    Lebensdaten:
    geb. in Pamplona, Spanien
    gest. in Darup, Deutschland

    Der vorliegende Artikel befasst sich mit der Pianistin Sophie Bohrer, deren künstlerische Wirkungszeit zwischen 1835 und 1850 lag. Die Lebensdaten Sophie Bohrers sind derzeit nicht exakt zu bestimmen. Der Entwurf für einen Adoptionsantrag von 1857 nennt als Geburtsdaten den 12. Januar 1838, Pamplona, Spanien; das Geburtsjahr 1828 kann jedoch als gesichert gelten. Auftritte Sophie Bohrers sind ab 1836 belegt (s. Biografie). Bislang wurde vermutet, dass Sophie Bohrer um 1850 starb. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde sie jedoch nach einer schweren Krankheit 1850 in die Obhut der Homöopathin Mélanie Hahnemann gegeben und heiratete 1857 den Arzt Carl von Bönninghausen. Sophie von Bönninghausen, geb. Bohrer, starb am 7. Februar 1899 in Darup. Ob Sophie Bohrer, geb. 1828, identisch ist mit der Komponistin und Pianistin Sophie Bohrer, deren Lieder und Klavierstücke zwischen 1856 und 1874 veröffentlicht wurden, ist bislang unklar.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Man denke sich ein pures Kind, einige Spannen hoch, das mit Mühe seinen Clavierstuhl erklettert; ein Kind, das mit seinen Händchen noch lange keine Octave spannt, mit seinen Füßchen kein Pedal erreicht; ein Kind, das in heiterer Unschuld zu seinem Griffbrette läuft wie zu der Puppe; und man denke dabei den Anschlag eines Mannes in seiner besten Kraft, die Passagen eines Herz und Kalkbrenner, perlend, rund und nett, die Accorde tief und voll, die Sprünge tändelnd sicher [...]; kurz, man denke sich ein Kind, das mit einem Ausdrucke tiefer Empfindungen spielt, und man hat ein treues Bild der Sophie Bohrer.“


    (Ernst Ortlepp über ein Konzert Sophie Bohrers 1837 in Frankfurt a. M., in: ders. (Hg.): Großes Instrumental- und Vokal-Concert. Eine musikalische Anthologie. Stuttgart: Köhler, 1841, S. 127 f.)


    Profil

    Die Pianistin Sophie Bohrer war ab Ende der 1830er Jahre international als ein so genanntes „Wunderkind“ bekannt. In eine Musikerfamilie geboren, wurde sie ausschließlich von ihren Eltern, der Pianistin Fanny Bohrer und dem Geiger Anton Bohrer, musikalisch ausgebildet. Von frühester Kindheit an konzertierte sie öffentlich, u. a. in München und Frankfurt a. M., und bereiste ab dem Alter von zehn Jahren Frankreich, England, Österreich, Ungarn, die Niederlande und Russland. Dabei wurde sie von ihrem Vater begleitet, der 1844 sogar seine Anstellung als Konzertmeister in Hannover aufgab, obwohl Sophie Bohrer bereits zu dieser Zeit Symptome einer psychosomatischen Erkrankung zeigte. In allen Ländern löste „die kleine Sophie Bohrer“ ein begeistertes Presseecho aus. Von Seiten der Musikkritik wurde Sophie Bohrers außergewöhnlich umfangreiches Repertoire, das sie auswendig beherrschte und aus dem die Konzertbesucher beliebige Stücke auswählen konnten, immer wieder hervorgehoben. So wurde z. B. bei ihren Pariser Konzerten 1845 eine Auswahlliste mit über 80 Werken verteilt, in der u. a. sämtliche Etüden Frédéric Chopins und Johann Sebastian Bachs gesamtes „Wohltemperiertes Klavier“ enthalten waren. Anfang der 1850er Jahre verschwand Sophie Bohrer aus dem internationalen Musikleben und wurde in der Öffentlichkeit für tot erklärt (vgl. z. B. Mendel 1871, S. 118). Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde sie jedoch nach einer schweren Krankheit 1850/51 von der Pariser Homöopathin Mélanie Hahnemann als Pflegetochter aufgenommen und heiratete 1857 den Arzt und Gutsbesitzer Carl von Bönninghausen, der in Paris die Praxis des verstorbenen Mannes Mélanie Hahnemanns, Samuel Hahnemann, übernommen hatte. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 ließen sich Sophie Bohrer und ihr Mann auf dessen Gut in Darup bei Coesfeld nieder.

    Orte und Länder

    Sophie Bohrer verbrachte ihre Kindheit in München und Hannover, wo der Vater, Anton Bohrer, 1834 eine Stelle als Konzertmeister erhalten hatte. Ab 1840 bereiste sie als Konzertpianistin u. a. Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich, England, die Niederlande und Russland. Ab dem Jahr 1851 lebte sie vermutlich bei Mélanie Hahnemann in Paris, wo sie 1857 Carl von Bönninghausen heiratete, der dort eine homöopathische Praxis führte. Nach dem Krieg 1870/71 ließ sich das Ehepaar auf dem Gut Bönninghausen in Darup bei Coesfeld (Münsterland) nieder. Dort starb Sophie Bohrer im Jahr 1899.

    Biografie

    Sophie Bohrer wurde 1828 in eine Musikerfamilie geboren. Ihr Vater, der Geiger und Komponist Anton Bohrer (1783-1852), war von 1835 bis 1844 Konzertmeister in Hannover, ihre Mutter, Fanny Bohrer, geb. Dülken (auch Dulcken, 1805-1872) war eine bekannte Pianistin.


    Sophie Bohrer erhielt ihre musikalische Ausbildung ausschließlich von den Eltern. Bereits im Alter von sechs Jahren, 1835, trat sie in den Münchner „Philharmonischen Konzerten“ als Solistin auf (vgl. „Bohemia: oder Unterhaltungsblätter für gebildete Stände“ vom 29. April 1842, o. P.) und gab im August 1837 im Frankfurter Cäcilienverein ein eigenes Konzert, das innerhalb kürzester Zeit ihren Ruf als ein so genanntes „Wunderkind“ begründete. Ernst Ortlepp schrieb 1841 rückblickend über diesen Frankfurter Auftritt Sophie Bohrers: „Diese kleine Fee gab im August 1837 im hiesigen Saale des Cäeilienvereins Concert. Das Publikum war klein, und bestand, außer der Familie des Herzogs von Cambridge und einiger Honoratioren, meistens aus Künstlern. Aber diesen stand der Verstand still von dem, was sie sahen und hörten, und jetzt noch, nachdem auch ich nüchterner geworden, traue ich kaum noch meiner Erinnerung. [...] Man denke sich ein pures Kind, einige Spannen hoch, das mit Mühe seinen Clavierstuhl erklettert; ein Kind, das mit seinen Händchen noch lange keine Octave spannt, mit seinen Füßchen kein Pedal erreicht; ein Kind, das in heiterer Unschuld zu seinem Griffbrette läuft wie zu der Puppe; und man denke dabei den Anschlag eines Mannes in seiner besten Kraft, die Passagen eines Herz und Kalkbrenner, perlend, rund und nett die Accorde tief und voll, die Sprünge tändelnd sicher, dabei nie eine unreine Note, auch nicht in den Doppelgriffen; daß es macht, was es doch nicht machen kann, denn man hört dennoch die Octavengänge, die es bewunderungswürdig schnellt, man hört das Pedal (horizontal getreten); kurz, man denke sich ein Kind, das mit einem Ausdrucke tiefer Empfindungen spielt, und man hat ein treues Bild der Sophie Bohrer.“ (Ortlepp 1841, S. 127f.)


    Ab 1838 bereiste Sophie Bohrer in Begleitung ihres Vaters als Pianistin die musikalischen Hauptstädte Europas. Zwischen 1838 und 1850 konzertierte sie u. a. in Paris, Den Haag, Hannover, Leipzig, Dresden, Berlin, Pest, Wien, Prag, St. Petersburg, Odessa und London. Zu ihrem Repertoire, das sie auswendig beherrschte, gehörten zunächst vor allem so genannte „Bravourstücke“: Fantasien und Paraphrasen von Franz Liszt, Henri Herz, Friedrich Kalkbrenner und Sigismund Thalberg. Darüber hinaus spielte sie Etüden von Frédéric Chopin, Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie das gesamte „Wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach. Ab 1842 wurden in ihren Konzerten Listen mit teilweise bis zu achtzig Werken verteilt, aus denen das Publikum nach Belieben jene auswählen konnte, die es zu hören wünschte.


    Im Sommer 1838, im Alter von neun Jahren, debütierte Sophie Bohrer in Paris und Versailles und wurde auch von der französischen Musikpresse innerhalb kürzester Zeit als „Wunderkind“ ausgerufen. So schrieb z. B. die Zeitschrift „Le Ménestrel“ über ihre ersten Pariser Auftritte: „Nous avons déjà entendu bien des célébrités précoces, mais aucune ne peut être comparée à Sophie Bohrer. Jamais nous n’avions vu d’aussi merveilleuses facultés réunies dans une âme de jeune fille: elle a exécuté les plus savans morceaux de nos grands maîtres avec un goût, une énergie, un sentiment musical bien remarquables à un âge où l’on a tout juste assez de goût pour habiller une poupée: car Sophie Bohrer n’a que neuf ans.“ („Wir haben schon viele frühreife Berühmtheiten gehört, aber keine von ihnen kann mit Sophie Bohrer verglichen werden. Niemals zuvor haben wir derart viele wunderbare Fähigkeiten in der Seele eines jungen Mädchens vereint gefunden: sie hat die schwierigsten Stücke unserer großen Meister mit Geschmack, Energie und bemerkenswerter Musikalität ausgeführt, in einem Alter, in dem man gerade einmal ausreichend Geschmack hat, um eine Puppe anzukleiden: denn Sophie Bohrer ist erst neun Jahre alt.“; „Le Ménestrel“ vom 1. Juli 1838, S. 1) Am 2. August 1838 trat Sophie Bohrer gemeinsam mit ihrem Vater und der Sängerin Sophie Bodin in den Salons Charpentier in Versailles auf und spielte dabei u. a. eine Fantasie von Friedrich Kalkbrenner über Themen aus Vincenzo Bellinis „Il Pirata“, ein Nocturne von Frédéric Chopin und Variationen von Henri Herz über einen Chor aus Giacomo Meyerbeers „Il Crociato in Egitto“. Die „Gazette musicale de Paris“ bemerkte: „[...] un nouveau phénomène est venu charmer le monde élégant de Versailles: Mlle Sophie Bohrer […]. Non-seulement elle se joue des plus grandes difficultés, mais encore sait-elle donner à son jeu une énergie qui étonne et qui émeut, ainsi qu’un cachet d’originalité tout particulier: aplomb imperturbable, sentiment de la mélodie, sentiment de l’harmonie, tout est réuni.“ („... eine neue Erscheinung hat die elegante Welt von Versailles entzückt: Mlle. Sophie Bohrer [...]. Nicht nur bewältigt sie spielend die größten Schwierigkeiten, sondern sie kann darüber hinaus ihrem Spiel sowohl eine erstaunliche und bewegende Energie geben als auch eine besonders originelle Prägung verleihen: unerschütterliche Ausgewogenheit, Gefühl für Melodie und Harmonie, alles ist miteinander vereint.“; „La Gazette Musicale de Paris“ vom 12. August 1838, S. 324 f.) Auch in Deutschland wurde über die Pariser Erfolge Sophie Bohrers berichtet. So notierte z. B. die „Neue Zeitschrift für Musik“ am 14. August 1838 aus Paris: „Die kleine Sophie Bohrer hat hier viel Aufsehen erregt. In ihrem Concert war auch [Luigi] Cherubini zugegen, der das Kind nach dem Spiel freundlich umarmte.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 14. August 1838, S. 54)


    In den Monaten April bis Juli 1840 unternahm Sophie Bohrer, wiederum gemeinsam mit ihrem Vater, eine Konzertreise durch Deutschland und Österreich und trat dabei in Berlin, Dresden und Wien auf. In Berlin gab sie ein eigenes Konzert und spielte mehrfach im königlichen Opernhaus. Auf den Programmen standen u. a. Sigismund Thalbergs „Fantaisie sur ‚Moisé‘ von Rossini“ (op. 33), Klaviervariationen von Henri Herz sowie Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Es-Dur (op. 73), das sie auswendig vortrug. Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ schrieb über die Pianistin: „Denselben Abend liess sich die 11jährige Pianofortevirtuosin Sophie Bohrer [...] mit einer Fantasie von Thalberg und Variazionen von Herz beifällig hören. Das talentvolle Mädchen zeigte schönen Anschlag, für das zahrte Alter bewunderswerthe Kraft, Präzision und Ausdruck, wenn gleich der eigentliche Geist des Vortrages, so wie die tiefere Empfindung noch nicht vorhanden sein kann. Späterhin hat sich Sophie Bohrer noch zwei Mal im königl. Opernhause, sogar in dem, aus dem Gedächtniss mit Sicherheit vorgetragenen Pianofortekonzert von Beethoven in Esdur, hören lassen. Am vorzüglichsten führte die junge Spielerin die modernen Klavierstücke, so z. B. die schwere Fantasie von Thalberg auf Motive aus Rossini’s Moses, aus.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 27. Mai 1840, Sp. 464) Die „Neue Zeitschrift für Musik“ berichtete ebenfalls über die Berliner Konzerte und hob dabei besonders Sophie Bohrers Ruf als „Wunderkind“ hervor: „Ein schwarzlockiges, höchstens zwölfjähriges, schlankes Mädchen tritt mit leichtem, natürlichem Anstande vor uns hin, setzt sich an den Flügel und spielt auswendig Beethoven’s ganzes Es-Dur-Concert mit einer Kraft, Sicherheit, Feinheit der Nuancen, – daß man wahrhaftig mit offenen Augen zu träumen glaubt. Außerdem hörten wir Compositionen von Thalberg, Herz, Chopin von diesem genievollen Kinde, alles, wenn man Alter und geistige Ausbildung in Anschlag bringt, mit einer Vollendung, daß man sich ohne Weiteres zu dem Ausspruch berechtigt glaubt: Sophie Bohrer ist die erste lebende Clavierspielerin ihres Alters.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 16. Juni 1840, S. 195f.) Am 18. Mai konzertierte Sophie Bohrer im Theater in Dresden (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 29. Mai 1840, S. 176) und reiste anschließend weiter nach Wien. Dort spielte sie am kaiserlichen Hof in Schönbrunn und gab am 17. Juni 1840 ein eigenes Konzert im Wiener Hofoperntheater (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 4. Juli 1840, S. 8).


    Eine weitere Konzertreise führt Sophie Bohrer von Februar bis Mai 1842 nach Pest, Wien und Prag (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 3. Dezember 1841, S. 180). Ende Februar und Anfang März 1842 gab sie zwei Konzerte im Pester Redoutensaal sowie im dortigen Casinosaal, bei denen sie u. a. Frédéric Chopins Etüde Ges-Dur, op. 10 Nr. 5, Sigismund Thalbergs ein Jahr zuvor komponierte „Grande Fantaisie sur la Sérénade et le Menuet de Don Juan“ (op. 42), eines der Klavierkonzerte von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie mehrere Kompositionen von Franz Liszt spielte. Ein Pester Korrespondent der „Wiener allgemeinen musikalischen Zeitung“ schrieb über die Pianistin: „Sophie Bohrer versteht, was sie spielt; sie empfindet so rein, und hat die einzelnen Theile ihrer Productionsstücke so ausgeprägt, was Correctheit und Nuancierung anbetrifft, daß ich bei so bewandten Umständen gern zugebe, die Wahl der Compositionen [...] sei hier nur zu billigen [...], als wunderbarerweise die kleine Bohrer eine physische Kraft entwickelt, die ans Fabelhafte gränzt. [...] Was die Ausführung der Don Juan-Phantasie von Seiten unserer lieben Concertgeberin anbetrifft, so war dieselbe meisterhaft. Enorme Fertigkeit, Kraft, Energie, mit einem Worte eine ritterliche Haltung beseelte das Ganze; das Publicum war hingerissen und erklärte einstimmig, seit Liszt nichts Vollkommeneres öffentlich gehört zu haben [...].“ („Wiener allgemeine musikalische Zeitung“ vom 8. März 1842, S. 115) Anschließend reiste Sophie Bohrer weiter nach Wien und gab dort im März 1842 insgesamt vier Konzerte, das letzte am 29. März 1842 im Saal der Gesellschaft der Musikfreunde. Dabei spielte sie u. a. nochmals eines der Klavierkonzerte von Felix Mendelssohn Bartholdy und Sigismund Thalbergs „Don Juan-Fantasie“ (vgl. „Wiener allgemeine musikalische Zeitung“ vom 26. März 1842, S. 152). Weitere Konzerte folgten im April 1842 in Prag. Auch hier standen zunächst die bereits erwähnten „Bravourstücke“ im Vordergrund der Programmabfolge, wie z. B. die Zeitschrift „Bohemia“ über eines von Sophie Bohrers Konzerten am 26. April 1842 berichtete: „Dieses reichbegabte Talent wird mit jedem Auftreten entschiedener der Liebling des Publikums. Am 26. überschüttete die zahlreiche Versammlung die zwölfjährige Pianistin mit wohlverdientem Beifall. Die beiden größeren Nummern waren zwei Phantasien von Thalberg (über Motive aus Oberon und aus Moses). [...] Dem. Bohrer hat bisher von umfangreicheren Sachen nur sogenannte Phantasien und zwar — mit Ausnahme einer einzigen Liszt’schen — alle von Thalberg gespielt. Der zum Staunen brillante und zweckmäßig nuancirte Vortrag der Dem. Bohrer konnte des glänzendsten Erfolges nicht verfehlen.“ Während dieser Konzerte konnte das Publikum zudem Teile des Programms aus einer vorgegebenen Anzahl an Stücken selbst bestimmen: „Die interessanteste Nummer in den Concerten der Dem. Bohrer sind durch ihre Mannichfaltigkeit jedesmal einzelne Musikstücke, die das Publikum aus einer großen Zahl von gegebenen wählt.“ („Bohemia: oder Unterhaltungsblätter für gebildete Stände“ vom 29. April 1842, o. P.) Zusammenfassend berichtete der Korrespondent der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ über Sophie Bohrers Prager Aufenthalt: „Die zwölfjährige Pianistin Sophie Bohrer wollen wir kein Wunderkind nennen, weil dieser Ausdruck durch den vielen Gebrauch und Missbrauch verdächtig geworden ist; aber auf jeden Fall ist sie ein Kind, das Wunder wirkt, und wir bewundern an ihr nicht allein das ausserordentlich frühzeitig entwickelte Kunsttalent, das mit seltener Unerschrockenheit das Schwierigste in voller Klarheit und Besonnenheit überwindet, oder das ungeheure musikalische Gedächtniss, da sie Alles aus dem Gedächtniss spielt, wie die für ihr Alter kaum begreifliche physische Kraft und Ausdauer, die Energie in Kraftstellen, die mit dem trefflichen Pianissimo Licht und Schatten des brillanten Vortrages bilden, sondern zugleich die seltene Gabe, sich in die verschiedensten Gattungen zu fügen, und in jeder Rühmliches zu leisten, wenn ihr gleich bisher Chopin, Henselt und vor Allen Thalberg am Meisten zuzusagen scheinen [...]. Sophie Bohrer eröffnete ihr erstes Concert mit der Liszt’schen Fantaisie dramatique (Reminiscences de Lucia di Lammermoor) [...] und spielte dann noch die Fantasie über die Serenade und die Menuett aus Don Juan von Thalberg mit dem brillanten Schluss. Als dritte Nummer jedes Concertes bot die kleine Künstlerin mehr als 50 Piecen aus alter und neuer Zeit von Liszt und Bach, Thalberg und Mozart, Chopin und Beethoven u. s. w. zur Auswahl dar, aus welchen die nahe sitzenden Damen, mitunter auch Stimmen aus dem entfernten Publikum, diese oder jene wählten. [...] In den drei letzten dieser Concerte bewies sie, dass es ihr gar keine Schwierigkeit macht, mit Orchester-Accompagnement zu spielen, indem sie zwei Concerte von Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy (das letztere auf Verlangen wiederholt) vortrug.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 29. Juni 1842, Sp. 532f.)


    In der zweiten Jahreshälfte 1844 konzertierte Sophie Bohrer in den Niederlanden, wo sie u. a. im niederländischen Königshaus spielte und Konzerte in Den Haag, Utrecht und Amsterdam gab (vgl. „Journal des débats“ vom 29. Dezember 1844, S. 1). Anschließend reiste sie weiter nach Paris und wurde dort im Februar 1845 von Hector Berlioz empfangen, der ihr Kommen begeistert ankündigte: „La famille Bohrer est enfin arrivée, malgré toutes les offres qu’on lui faisait pour rester en Hollande. [...] Le mérite d’Antoine Bohrer comme violiniste et celui de Mme Bohrer comme pianiste, y [à Paris] ont été déjà souvent appréciés; mais on y connait à peine la jeune Sophie, leur fille, dont j’ai plusieurs fois cette année entretenu mes lecteurs, et dont le talent sur le piano surpasse en force, en profondeur, en ugilité et en puissance tout ce qu’on peut attendre non seulement d’une jeune fille de son âge, mais même de la plupart des femmes, sans parler de sa mémoire prodigieuse, qui lui permet de jouer sans musique et au choix des auditeurs plus de quatre-vingts morceaux de maîtres anciens et modernes, depuis S. Bach jusqu’à Liszt.“ („Die Familie Bohrer ist endlich angekommen, trotz aller Angebote, die man ihr machte, damit sie in Holland bleibt. Die Verdienste von Anton Bohrer als Geiger und die von Mme [Fanny] Bohrer als Pianistin wurden hier [in Paris] schon oft gerühmt; aber man kennt hier kaum Sophie, ihre Tochter, von der ich meinen Lesern dieses Jahr mehrmals berichtet habe, und deren pianistische Fähigkeiten an Tiefe, Geläufigkeit und Kraft alles übertrifft, was man nicht nur von einem Mädchen ihres Alters, sondern von den meisten Frauen erwarten kann, ganz zu schweigen von ihrem begnadeten Gedächtnis, das es ihr erlaubt, mehr als 80 Werke alter und neuer Meister von S. Bach bis Liszt auf Zuruf zu spielen.“; Hector Berlioz, in: „Journal des débats“ vom 1. Februar 1845, S. 1) Sophie Bohrer gab ein erstes Konzert in der Pariser Opéra, bei dem sie u. a. eines der Klavierkonzerte von Carl Maria von Weber spielte und dem Publikum – wie von Hector Berlioz angekündigt – eine Auswahl aus achtzig Stücken anbot, darunter beide Bände von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ (BWV 846-893), Frédéric Chopins 24 Etüden (opp. 10 und 25) und weitere Kompositionen von Ludwig van Beethoven, Franz Liszt, Sigismund Thalberg und Stephen Heller. Hector Berlioz rezensierte, wiederum im „Journal des débats“ das Konzert: „Sophie Bohrer est une grande artiste [...]. Dès le premier morceau (le concerto de Weber), elle a prouvé qu’elle était une pianiste de première force, et de plus une musicienne consommée. Il est impossible de mieux entrer dans l’esprit de cette admirable composition, dont Liszt a rendu l’abord si redoutable. L’agilité, la grâce, la force, l’aplomb rhythmique, une ardeur peu commune, l’inspiration enfin, rien n’a manqué à cette entraînante exécution.“ („Sophie Bohrer ist eine große Künstlerin [...]. Bereits mit dem ersten Stück (dem Konzert von Weber) bewies sie, dass sie eine erstrangige Pianistin ist und zudem eine reife Musikerin. Es ist kaum möglich, den Geist dieser wunderbaren Komposition, die Liszt zuvor so zweifelhaft wiedergegeben hatte, besser zu erfassen. Beweglichkeit, Grazie, Kraft, rhythmische Genauigkeit, ein seltenes Feuer, schließlich auch Eingebung, nichts fehlte dieser mitreißenden Ausführung.“; Hector Berlioz, in: „Journal des débats“ vom 4. März 1845, S. 1; vgl auch „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 26. März 1845, Sp. 232) Einen Monat später trat Sophie Bohrer im Pariser Théâtre Italien auf und spielte dort u. a. Ludwig van Beethovens Klaviersonate cis-Moll (op. 27 Nr. 2), eine Fuge von Johann Sebastian Bach, „La chasse“ (op. 29) von Stephen Heller, Sigismund Thalbergs Fantasie über „Le Moisé“ von Rossini und eine „Fantaisie dramatique“ eigener Komposition (vgl. „Journal des débats“ vom 29. April 1845, S. 2). Ein Rezensent der Zeitschrift „Le Ménestrel“ schrieb ihr nach diesem Konzert sogar die Nachfolge der bekannten Pianistin Marie Pleyel zu: „Cette toute jeune personne [...] possède, en dehors de sa mémoire unique, un talent de premier ordre. Son nom, déjà illustré par son père et son oncle, les frères Bohrer, [...] promet de devenir plus illustre encore. A notre sens, la jeune Sophie Bohrer est destinée dans un temps donné à recueillir l’héritage artistique de Mme Pleyel.“ („Diese sehr junge Person [...] besitzt, abgesehen von ihrem einzigartigen Gedächtnis, ein Talent ersten Ranges. Ihr Name, bereits durch ihren Vater und ihren Onkel, die Gebrüder Bohrer, berühmt, [...] verspricht noch bekannter zu werden. Unserer Ansicht nach ist die junge Sophie Bohrer dazu bestimmt, zu gegebener Zeit das künstlerische Erbe von Mme. Pleyel anzutreten.“; „Le Ménestrel“ vom 20. April 1845, S. 1; vgl. auch „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 7. Mai 1845, Sp. 330)


    Ende des Jahres 1845 konzertierte Sophie Bohrer wiederum in Prag und trat dort am 7. und 8. Dezember 1845 im Städtischen Theater auf. Dabei spielte sie u. a. Franz Liszts Fantasie über Motive aus Vincenzo Bellinis „Norma“, Ludwig van Beethovens Klaviersonate cis-Moll (op. 27 Nr. 2) sowie wiederum etliche vom Publikum ausgewählte Stücke. Nach zwei weiteren Konzerten in Reichenberg gab sie am 6. Januar 1846 ein Benefizkonzert für entlassene Häftlinge im Prager Städtischen Theater, wo sie u. a. Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Es-Dur (op. 73) und eine „Fantaisie dramatique“ eigener Komposition vortrug (vgl. „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 18. Februar 1846, S. 116f.; vgl. auch „Bohemia“, vom 9. Dezember 1845, o. S.). Anschließend reiste Sophie Bohrer weiter nach Wien und trat dort im Frühjahr 1846 in mehreren Konzerten auf (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 29. März 1846, S. 104).


    Vom Sommer 1847 bis zum Sommer 1848 bereiste Sophie Bohrer gemeinsam mit ihrem Vater Russland. Sie spielte im September 1847 in Odessa und gab dort zeitgleich mit Franz Liszt mehrere Konzerte, wie die „Allgemeine musikalische Zeitung“ berichtete: „In Odessa hat Franz Liszt im Monat Juli eine Reihe von Concerten gegeben und den stürmischsten Beifall geerntet. [...] Gleichzeitig und abwechselnd mit ihm concertirte die junge Pianistin Sophie Bohrer, von ihrem Vater, dem bekannten Violinvirtuosen Max [r. Anton] Bohrer durch Begleitung auf dem Pianoforte unterstützt. Man erkannte ihr glänzendes, elegantes und verhältnissmässig kraftvolles Spiel an, vermisste jedoch das Seelenvolle so wie die Einheit des Styles. Dass Liszt’s Nachbarschaft ihr manchen Eintrag that, ist sehr natürlich.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 22. September 1847, Sp. 661). Am 14. April 1848 konzertierte Sophie Bohrer in St. Petersburg (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 13. Juni 1848, S. 288). In der Mitte des Jahres 1848 kehrte Sophie Bohrer nach Mitteleuropa zurück und blieb auch in den folgenden beiden Jahren im internationalen Musikleben präsent. In der zweiten Jahreshälfte 1848 gab sie sechs Konzerte in Riga (vgl. Rudolph 1890) und trat mehrfach in Prag auf. Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ berichtete über ihre Prager Konzerte: „Anders, als mit Herrn Batta, verhielt es sich mit Fräul. Bohrer [...]. Da ihr Ruf noch nicht bis hierher gedrungen war, so deckte ihr erstes Conzert kaum die Kosten. Aber ihr wirklich ausserordentliches Talent fand bald die allgemeinste Anerkennung und Bewunderung und ihre späteren Conzerte (sie gab deren im Ganzen sechs) waren die glänzendsten der Saison. Fräulein Bohrer besitzt unstreitig von allen weiblichen Pianisten am meisten Energie und Ausdauer und eine Bravourvollendung, welche schwerlich von irgend einem anderen Pianisten, wie berühmt sein Name auch sein möge, erreicht, aber gewiss nicht übertroffen werden kann. Sie ist noch in dem Alter der Ueberschwänglichkeit, und folglich dem Romantischen, ja Barocken ganz besonders zugethan. Deshalb ist ihr am wohlsten, wenn sie kühn mit allen Fingern in die Tasten greifen, die gewaltigsten Schwierigkeiten mit vollen Händen um sich herstreuen und ihr Genie mit wild flatternden Locken einherstürmen lassen kann. Natürlich muss sie sich zu Liszt’schen Kompositionen ganz besonders hingezogen fühlen. Diese spielt sie denn auch vorzugsweise, aber sie erscheint doch keineswegs als eine Nachahmerin Liszt’s. Denn gerade in dem Vortrage dieser Kompositionen offenbart sie eine solche Eigenthümlichkeit ihres Talentes und bringt eine von der Liszt’schen so ganz verschiedene Wirkung hervor – eine zwar nicht so mächtig erschütternde, dagegen aber anmuthigere und wohlthuendere, so dass man wohl eine entschiedene Verwandtschaft dieser beiden Genie’s erkennen muss und Sophie Bohrer einen in’s Weibliche übertragenen Liszt nennen kann, die Idee einer Nachahmung aber auf das Bestimmteste ablehnen muss. [...] Frl. Bohrer war die Heroine dieser Saison, ihre Conzerte waren die einzigen, zu denen unser von so manchen anderen Interessen erfülltes Publikum sich noch einfand. Auch hat sie mehrere Male vor dem kaiserl. Hofe gespielt.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 12. Juli 1848, Sp. 455f.) 1849 konzertierte Sophie Bohrer wieder in Russland, u. a. in St. Petersburg, und 1850 trat sie in Warschau, St. Petersburg, London, Berlin und Paris auf (vgl. „Zeitung für die elegante Welt“ 1850, Nr. 18, S. 143; „The Musical world“ vom 1. Juni 1850, S. 344; Münster 2000, Sp. 265). Ende des Jahres 1850 meldete die „Neue Zeitschrift für Musik“: „Sophie Bohrer erntete in zwei Concerten, welche sie in Boulogne sur mer gab, großen Beifall“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 20. Dezember 1850, S. 276).


    Der weitere Lebensweg von Sophie Bohrer wurde bislang ausgesprochen verwirrend dargestellt und kann nach wie vor nicht mit letzter Sicherheit rekonstruiert werden. Im 1871 erschienenen „Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften“ heißt es, Sophie Bohrer habe sich 1848 in St. Petersburg niedergelassen und sei dort bereits 1849 verstorben (Mendel 1871, S. 118). Von diesen Angaben ausgehend gelangte das Sterbejahr 1849 in zahlreiche Lexika, u. a. in die „Allgemeine deutsche Biographie“ (vgl. „Allgemeine deutsche Biographie“ 1912, Generalregister). Ihre Auftritte im Jahr 1850 zeigen jedoch, dass diese Angaben unrichtig waren. Robert Münster vermutete in jüngster Zeit anhand der Auftrittsdaten Sophie Bohrers (Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Ausg.), dass sie möglicherweise um 1850 verstarb (Münster 2000, Sp. 265). Es gibt jedoch vergleichsweise sichere Anhaltspunkte dafür, dass Sophie Bohrer um das Jahr 1851 ein „zweites Leben“ begann. Bereits 1939 äußerte eine frühe Biografin von Anton und Nikolai Rubinstein, Catherine Drinker Bowen, berechtigte Zweifel. Sie schrieb: „There was Sophie Bohrer, the girl pianist who was a year younger than Anton. Daughter of the famous musical family [...], Sophie was to be the heroine of a romantic, tragic story and was to disappear from earth so mysteriously that forty years later, musicians would still be asking, ‚Where is Sophie Bohrer – does she no longer play the piano?’“ („Da gab es Sophie Bohrer, eine kindliche Pianistin, die ein Jahr jünger war als Anton. Als Tochter einer bekannten Musikerfamilie [...] wurde Sophie zur Heldin einer romantischen tragischen Geschichte und verschwand so geheimnisvoll aus der Welt, dass Musiker vierzig Jahre später immer noch fragten ‚Wo ist Sophie Bohrer – hat sie das Klavierspiel aufgegeben?’“; Bowen 1939, S. 38, dort ohne weitere Nachweise)


    Mittlerweile verdichten sich die Hinweise, dass die Darstellung des Lexikographen Erich Pauer aus dem Jahr 1895 zumindest weitgehend den Tatsachen entspricht: „After travelling for several years, she [Sophie Bohrer] married, 1846, M. Borninghausen [recte: 1857, Bönninghausen], proprietor of an estate in Westphalia. On account of nervous debility, she was treated in Paris by a magnetiser; for reasons unknown she separated from her husband and married, later, an assistant of the magnetiser [d. i. Carl von Bönninghausen]. Any information about her further life or career is entirely wanting; neither her Munich nor Stuttgart relations are able to give it.“ („Nachdem sie [Sophie Bohrer] mehrere Jahre auf Reisen gewesen war, heiratete sie 1846 M. Borninghausen [recte: 1857, Bönninghausen], einen Gutsbesitzer aus Westphalen. Aufgrund nervöser Erschöpfung wurde sie in Paris von einem Magnetiseur [Behandlungsmethode der Homöopathie] behandelt; aus unbekannten Gründen trennte sie sich von ihrem Ehemann und heiratete später einen Assistenten des Magnetiseurs [d. i. Carl von Bönninghausen]. Jegliche Informationen über ihr weiteres Leben oder ihre künstlerische Laufbahn werden dringend gesucht; weder ihre Münchner noch ihre Stuttgarter Beziehungen können darüber Auskunft geben.“; Pauer 1895, S. 13). An jenen gesundheitlichen Problemen hatte Sophie Bohrer bereits in früheren Jahren gelitten, und auch im „Wunderkind“-geprägten 19. Jahrhundert war Kritik am Vorgehen ihres Vaters laut geworden. So schrieb z. B. die „Berliner Musikalische Zeitung“ 1844 über eine geplante Tournee: „Der Violinist Anton Bohrer […] wird mit seiner Tochter nach Paris gehen, um dort eine vollständige Klaviervirtuosin aus ihr zu erziehen, obgleich das talentvolle junge Mädchen, wahrscheinlich in Folge der Virtuosenerziehung, schon Jahre lang an einem sehr heftigen Nervenübel litt, ja sogar im lethargischen Zustand sich befand.“ („Berliner Musikalische Zeitung“ 1844, Nr. 29, zit. n. Herold 2010)


    Dokumenten des Robert Bosch Instituts für Geschichte der Medizin zufolge erkrankte Sophie Bohrer Ende des Jahres 1850 schwer und befand sich zu dieser Zeit mit ihrer Familie in Versailles. Dort wurde sie von der Homöopathin Mélanie Hahnemann, Witwe des Begründers der Homöopathie Samuel Hahnemann, behandelt. In dieser Zeit entwickelte Mélanie Hahnemann eine mütterliche Beziehung zu Sophie Bohrer. Im Nachlass der Homöopathin befinden sich mehrere an Sophie Bohrer gerichtete Gedichtentwürfe aus dieser Zeit, u. a. „A Sophie presque convalescente“ (Versailles, 21. November 1850), „A Sophie malade“ (Versailles, 27. November 1850) und „A Sophie“ (Versailles, 5. Juli 1851) (s. Institut für Geschichte der Medizin, Nachlass Mélanie Hahnemann, Nr. 204-206). 1851 nahm Mélanie Hahnemann Sophie Bohrer in ihrem Pariser Haus auf und widmete sich ihrer Pflege. Am 9. April 1851 schrieb Sophie Bohrers Großmutter mütterlicherseits, Sophie Dulcken, aus München an Mélanie Hahnemann (in leicht gebrochenem Französisch): „[...] mon coeur me dit de vous exprimer ma reconnaissance, mes tendres remercïmens de m’avoir, par votre grande science conservé ma petite fille chérie. Les lettres de ma fille Bohrer [Fanny Bohrer, Mutter von Sophie Bohrer] sont remplies de vos louanges Madame; elle m’y parle des soins plus que maternels que vous prodiguates nuit et jour à cette pauvre enfant à qui vous avez rendu la vie. J’en suis profondément touchée, les expréssions me manquent et ces caractères froids ne répondent nullement à ce que je sens pour vous. O si je pouvais vous voir Madame! Vous remercier verbalement. Vous lisiez du moins dans mes yeux tout ce que ma bouche ne saurait exprimer. Je devrais peut-être même à votre extrème bonté de vouloir garder Sophie encore près de vous, le bonheur de revoir ma fille après plus de cinq ans d’absence. La malade étant entourée de son ange gardien, sa mère pourra la lui abandonner sans risque.“ („[...] mein Herz befiehlt mir, Ihnen meine Dankbarkeit und meinen zärtlichsten Dank auszusprechen, dass Sie mit ihrer großen Wissenschaft meine geliebte Enkelin am Leben erhalten haben. Die Briefe meiner Tochter Bohrer [Fanny Bohrer, Mutter von Sophie] sind voller Lobeshymnen über Sie, Madame; sie erzählt mir darin von der mehr als mütterlichen Pflege, die Sie Tag und Nacht diesem armen Kind, dem Sie das Leben zurückgegeben haben, zukommen lassen. Ich bin tief bewegt, mir fehlen die Worte, und diese kalten Buchstaben entsprechen in keiner Weise dem, was ich für Sie empfinde. Oh, wenn ich Sie nur treffen könnte, Madame! Ihnen persönlich danken könnte. Sie läsen wenigstens in meinen Augen all das, was mein Mund nicht auszusprechen weiß. Vielleicht verdanke ich Ihrer enormen Güte, mit der Sie Sophie noch bei sich behalten, sogar das Glück, meine Tochter nach mehr als fünf Jahren wiederzusehen. Da die Kranke von ihrem Schutzengel umgeben ist, kann ihre Mutter sie bedenkenlos ihm überlassen.“; Brief von S.[ophie] Dulcken an Mélanie Hahnemann vom 9. April 1851, Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart, Nachlass Mélanie Hahnemann, Nr. 422) In einem weiteren Brief vom 10. Juni 1851, in dem Sophie Dulcken für ein Gedicht über Sophie Bohrer dankte, heißt es: „[...] n’a-t-elle [Madame Hahnemann] pas des droits à mon éternelle reconnaissance pour les soins maternels rendus à ma petite fille, et pour les grands sacrifices qu’elle lui a fait et lui fait encore journellement?“ („[...] hat sie [Madame Hahnemann] nicht das Recht auf meinen ewigen Dank für die mütterliche Pflege, die sie meiner Enkelin zukommen hat lassen, und für die großen Opfer, die sie ihr erbracht hat und immer noch täglich erbringt?“; Brief von S.[ophie] Dulcken an Mélanie Hahnemann vom 10. Juni 1851, Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart, Nachlass Mélanie Hahnemann, Nr. 421)


    In den folgenden Jahren arrangierte Mélanie Hahnemann gemeinsam mit Clemens von Bönninghausen – einem Schüler ihres Mannes – die Heirat zwischen dessen Sohn Carl Anton Hubert Walburgis von Bönninghausen (1826-1902) und Sophie Bohrer (vgl. Handley 2002, S. 204ff.). Carl von Bönninghausen besaß ein Gut im westfälischen Darup nahe Coesfeld, das Haus Darup, und praktizierte gleichzeitig als homöopathischer Arzt. Am 18. Mai 1857 notierte die „Allgemeine homöopathische Zeitung“ aus Paris: „Der junge Dr. v. Boenninghausen [hat sich] bereits hier [in Paris] niedergelassen und sich in diesen Tagen mit der Adoptivtochter Hahnemann’s, Fräulein Sophie Bohrer, verlobt. Er wird bei der Wittwe Hahnemann’s wohnen [...].“ („Allgemeine homöopathische Zeitung“ vom 18. Mai 1857, S. 95). Das Paar heiratete am 29. Juli 1857 in Paris (vgl. „Der Briefwechsel zwischen Samuel Hahnemann und Clemens von Bönninghausen“, S. 160).


    Mélanie Hahnemann ging jedoch in ihrem ärztlichen und persönlichen Engagement noch weiter: Stetig bemühte sie sich um die Adoption der Pflegetochter und stellte im Jahr 1859 einen offiziellen Antrag. In diesem Kontext beschrieb sie auch die Geburtsumstände Sophie Bohrers. Aus dem Dokument geht hervor, dass Sophie Bohrer mit ganzem Namen Marie Sophie Barbara Bohrer hieß und das rechtmäßige Kind von Fanny und Anton Bohrer war. In dem Schreiben verlegte Mélanie Hahnemann zudem das Geburtsjahr Sophie Bohrers um zehn Jahre vor auf den 12. Januar 1838, und führte aus, dass über die Geburt des Kindes keine juristischen Unterlagen vorhanden seien: „Madame Françoise Romana Dulken, 2me. [épouse] de M. Antoine Bohrer, demeurant ci-devant à Paris rue Royale St Honoré no 12, & présentement à Munich (Baviere), Jagerstrasse no 4. // Madame Marie Sophie Barbara Bohrer, Epouse de Mr. Charles Antoine Hubert Walburgis Baron de Bonninghausen, Docteur en médecine [...], demeurant ensemble à Paris rue du Faubourg St Honoré no. 54 // Ayant Mr Estienne pour avoué // ont l’honneur de vous Exposer // Que Madame Marie Sophie Barbara Bohrer [...] est née du légitime mariage de M. Antoine Joseph Bohrer, compositeur de musique avec Francesca Romana Dulken, à Sanguesca, près de Pampelune en Navarre (Espagne) le 12 janvier 1838; sans qu’aucune déclaration jurisciptive ou mention ait été faite sur aucune registre d’état civil ni devant aucune autorité [...].“ („Madame Françoise Romana Dulken, zweite [Ehefrau] von M. Antoine Bohrer, vormals wohnhaft in Paris, rue Royale St. Honoré Nr. 12 und derzeit in München (Bayern), Jägerstrasse Nr. 4 // Madame Marie Sophie Barbara Bohrer, Ehefrau von Mr. Charles Antoine Hubert Walburgis Baron de Bonninghausen, Doktor der Medizin [...], gemeinsam wohnhaft in Paris, rue du Faubourg St. Honoré Nr. 54 // vertreten durch den Familienanwalt Mr. Estienne // haben die Ehre, Ihnen darzulegen // Daß Madame Marie Sophie Barbara Bohrer in der rechtmäßigen Ehe von M. Antoine Joseph Bohrer, Komponist, mit Francesca Romana Dulken, in Sanguesca, nahe Pamplona in Navarra (Spanien), am 12. Januar 1838 geboren wurde, ohne dass irgendeine rechtskräftige Erklärung oder Erwähnung in irgendeinem staatlichen Register oder vor irgendeiner [offiziellen] Autorität gemacht worden wäre.“; Entwurf eines Adoptionsantrags von Mélanie Hahnemann, Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart, Nachlass Mélanie Hahnemann, Nr. 111).


    Die Adoption scheiterte, doch Carl von Bönninghausen übernahm mit der Heirat die ehemalige Pariser Praxis von Samuel Hahnemann in der Straße Faubourg St. Honoré und führte sie gemeinsam mit Mélanie Hahnemann weiter. Das Ehepaar von Bönninghausen ließ sich in Paris nieder. Im Zuge des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 verließen Sophie von Bönninghausen, geb. Bohrer, und ihr Mann Paris und kehrten ins Haus Darup bei Coesfeld zurück. Sophie von Bönninghausen starb am 7. Februar 1899 und wurde auf dem Bültskamp in Darup in der Familiengruft beigesetzt (vgl. Pellengahr 2005, S. 140).


    Zwei Nachbemerkungen:

    1) Ein letzter, kleiner Zweifel bleibt bestehen, ob die Pianistin Sophie Bohrer tatsächlich identisch ist mit der Pflegetochter Mélanie Hahnemanns, auch wenn zweifelsfrei feststeht, dass in beiden Fällen Fanny und Anton Bohrer die Eltern sind. Dennoch wäre denkbar, dass die Pflegetochter Mélanie Hahnemanns tatsächlich ein 1838 geborenes Kind von Fanny und Anton Bohrer war – und somit eine Schwester der Pianistin Sophie Bohrer. In diesem Fall blieben jedoch die identischen Rufnamen der Schwestern rätselhaft, ebenso die Gleichzeitigkeit von einem Ende der pianistischen Laufbahn Sophie Bohrers und der Erkrankung der späteren Adoptivtochter Mélanie Hahnemanns. Schließlich deutet auch die Darstellung des zeitgenössischen Lexikographen Erich Pauer darauf hin, dass die Pianistin Sophie Bohrer nach einer schweren, vermutlich durch ihr Leben als „Wunderkind“ verursachten Krankheit im Jahr 1851 tatsächlich ein „zweites Leben“ begann.


    2) Zwischen 1856 und 1874 wurden Lied- und Klavierkompositionen einer Sophie Bohrer in verschiedenen Verlagen veröffentlicht, darunter eine Mazurka für Klavier, op. 1 (St. Petersburg: Büttner und Hamburg: Cranz, 1856) sowie zwei Sammlungen mit Liedern für eine Singstimme mit Klavierbegleitung (u. a. Stuttgart: Ebner 1864 und Stuttgart: Stürmer 1874). Die Kompositionen könnten ganz oder teilweise von einer anderen Sophie Bohrer der weitverzweigten Musikerfamilie komponiert worden sein, von der sich ein Teil in Stuttgart niedergelassen hatte (vgl. Pauer 1895, S. 13).

    Würdigung

    Sophie Bohrer gehörte zweifelsfrei zu den bekanntesten und am meisten bewunderten „Wunderkindern“, die das 19. Jahrhundert hervorgebracht hatte, und die Begeisterung, die sie bereits in Kinderjahren in der europäischen Presse auslöste, war nahezu beispiellos. Mit Bravourstücken und dem auswendigen Spiel zahlloser Klavierkompositionen auf Zu- bzw. Abruf, darunter das gesamte „Wohltemperierte Klavier“ Johann Sebastian Bachs und sämtliche Etüden Fréderic Chopins, überzeugte Sophie Bohrer von klein auf ihr Publikum. Zudem wurde sie von Hector Berlioz und anderen namhaften Musikern protegiert und schließlich sogar als Nachfolgerin Marie Pleyels proklamiert.

    Über die pianistischen Erfolge Sophie Bohrers hinaus ermöglicht die heutige Quellenlage ein nur selten zu rekonstruierendes Bild der Schattenseiten so genannter „Wunderkinder“: Im Alter von 22 Jahren erkrankte Sophie Bohrer schwer und verzichtete daraufhin auf eine weitere Laufbahn als Konzertpianistin. Sie wurde von der Homöopathin Mélanie Hahnemann als Pflegetochter aufgenommen, die ihr in den folgenden Jahren einen zweiten Lebensweg eröffnete.

    Rezeption

    Sophie Bohrer wird derzeit im Rahmen der Frauenforschung wahrgenommen. Studien zu den Homöopathen Mélanie und Samuel Hahnemann befassen sich mit der Bedeutung Sophie Bohrers für das Leben Mélanie Hahnemanns und die weitere Entwicklung der Homöopathie. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Manuskripte und Drucke der Kompositionen Sophie Bohrers gelten derzeit als verschollen. Unklar ist ferner, ob die beiden Liedsammlungen tatsächlich von der Pianistin Sophie Bohrer oder von einem anderen Mitglied gleichen Namens aus der weitverzweigten Bohrer-Familie stammen.


    Fantaisie dramatique für Klavier (Druck unbekannt; von Sophie Bohrer, geb. 1828)


    Mazurka für Klavier, op. 1. St. Petersburg: Büttner und Hamburg: Cranz, 1856 (möglicherweise von Sophie Bohrer, geb. 1828)


    Sechs Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, Stuttgart: Ebner, 1864 (auch London, Leipzig, Wien u. a.: Bosworth, o. J.)

    1. Mädchen mit dem roten Mündchen – 2. Ich hab’ im Traum geweinet – 3. So laßt mich blühen still allein – 4. Die Bächlein, die fließen – 5. Seit ich ihn gesehen – 6. Wenn sich zwei Herzen scheiden.


    Drei Lieder mit Klavierbegleitung. Stuttgart: Stürmer, 1874 (auch Leipzig: Rühle, o. J.)

    Gondoliera: „O komm zu mir, wenn durch die Nacht“, op. 7 – Wiegenlied: „Alles still in süßer Ruh“, op. 8 – „O schneller mein Roß“, op. 9.

    Repertoire

    Das Repertoire Sophie Bohrers hatte zwar eine große Breite, war jedoch vorwiegend auf ihren Status als „Wunderkind“ ausgerichtet. Im Mittelpunkt standen so genannte „Bravourstücke“, darunter Fantasien und Paraphrasen von Franz Liszt, Henri Herz, Friedrich Kalkbrenner und Sigismund Thalberg sowie Publikumslieblinge wie z. B. „La Chasse“ von Stephen Heller. Darüber hinaus spielte sie Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven (Es-Dur, op. 73), Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Maria von Weber, das gesamte „Wohltemperierte Klavier“ Johann Sebastian Bachs sowie alle 24 Etüden Frédéric Chopins. Als eine Besonderheit von Sophie Bohrers Konzerten galten Wunschlisten mit bis zu 80 Werken, die dem Publikum ausgehändigt wurden und aus denen die Zuhörer Teile des Programms auf Zuruf selbst bestimmen konnten. Zu den von ihr aufgeführten Werken gehörten u. a.:


    Bach, Johann Sebastian. Das Wohltemperierte Klavier, BWV 846-893


    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Klavier und Orchester Es-Dur, op. 73

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate cis-Moll, op. 27 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate d-Moll, op. 31. Nr. 2


    Chopin, Frédéric. 24 Etüden, op. 10 und op. 25

    Chopin, Frédéric. Nocturne (keine Präzisierung möglich)


    Heller, Stephen. La chasse, op. 29


    Herz, Henri. Variationen für Klavier über einen Chor aus Giacomo Meyerbeers „Il Crociato in Egitto“


    Kalkbrenner, Friedrich. Fantasie über Themen aus Vincenzo Bellinis „Il Pirata“


    Liszt, Franz. Fantasie über Motive aus Vincenzo Bellinis „Norma“

    Liszt, Franz. Galop chromatique

    Liszt, Franz. Fantaisie dramatique (Reminiscences de Lucia di Lammermoor)

    Liszt, Franz. Paraphrase von Franz Schuberts „Der Erlkönig“


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Konzert für Klavier und Orchester (keine Präzisierung möglich)


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Gigue (keine Präzisierung möglich)


    Thalberg, Sigismund. Grande Fantaisie sur la Sérénade et le Menuet de Don Juan, op. 42

    Thalberg, Sigismund. Fantaisie sur „Moisé“ de Rossini, op. 33

    Thalberg, Sigismund. Fantasie über Carl Maria von Webers „Oberon“


    Weber, Carl Maria von. Konzert für Klavier und Orchester (keine Präzisierung möglich)

    Quellen

    Dokumente


    Institut für Geschichte der Medizin Stuttgart, Robert Bosch Stiftung, Homöopathie-Archiv, Nachlass Mélanie Hahnemann, Bestandsverzeichnis unter: http://www.igm-bosch.de/content/language1/downloads/NachlassM.pdf (Stand: 6. Juni 2010)



    Literatur


    Artikel „Bohrer [Familie]“. In: Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Hermann Mendel; August Reissman (Hg.). Bd. 2, Berlin: Verlag von Robert Oppenheim, 1872, S. 117 f.


    Artikel „Bohrer (Antoine)“. In: Fétis, François-Joseph. Biographie universelle des musiciens. Arthur Pugin (Hg.). 1. Bd. Deuxième Edition. Paris 1873, S. 477 f.


    Artikel „Bohrer, Familie“. In: Musik-Lexikon. Hugo Riemann, Alfred Einstein (Hg.). 9. Auflage. Berlin: Max Hesses Verlag, 1919, S. 130.


    Baschin, Marion. Carl von Bönninghausen. Ein vergessener Homöopath und seine Lernzeit. In: Medizin, Gesellschaft und Geschichte. Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung. Robert Jütte (Hg.), Band 28. Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2009, S. 237-280.


    Bowen, Catherine Drinker. The Story of Anton and Nicholas Rubinstein, New York: Random House, 1939.


    Eintrag „Bohrer, Sophie“. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Herausgegeben durch die historische Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften. München [et al.]: Duncker & Humblot, 1912, Bd. 56: Generalregister.


    Göthel, Folker. Artikel „Bohrer“. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Friedrich Blume (Hg.). Bd. 15: Supplement, Kassel u. a.: Bärenreiter, 1973, Sp. 902-904.


    Handley, Rima. Eine homöopathische Liebesgeschichte: Das Leben von Samuel und Melanie Hahnemann, München: Beck, 2002.


    Hanslick, Eduard. Geschichte des Concertwesens in Wien. Wien: Wilhelm Braumüller, 1869.


    Herold, Anja. Artikel „Bohrer, Familie“. In: Instrumentalistinnenlexikon., hg. v. Freia Hoffmann, online verfügbar: http://www.sophie-drinker-institut.de (Stand: 18. November 2009)


    Hoffmann, Freia. Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur. Frankfurt a. M., Leizpig: Insel, 1991.


    Münster, Robert (Göthel, Folker). Artikel „Bohrer [Familie]“. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite, neu bearbeitete Ausgabe. Ludwig Finscher (Hg.), Personenteil Bd. 3. Kassel: Bärenreiter und Stuttgart: Metzler, 2000, Sp. 263-265.


    Ortlepp, Ernst (Hg.). Großes Instrumental- und Vokal-Concert. Eine musikalische Anthologie. Stuttgart: Köhler, 1841, S. 127-128.


    Pauer, Ernst. A dictionary of pianists and composers for the pianoforte. With an appedix of manufacturers of the instrument. London/New York: Novello, 1895.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.


    Pellengahr, Christian Schulze. Zur Geschichte des Hauses Darup zu Darup und seiner Besitzer. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 155 (2005), S. 93-160.


    Stahl, Martin (Hg.). Der Briefwechsel zwischen Samuel Hahnemann und Clemens von Bönninghausen, Heidelberg: Haug, 1997.



    Konzertkritiken und Zeitschriftenartikel


    Allgemeine homöopathische Zeitung vom 18. Mai 1857, S. 95.


    Allgemeine musikalische Zeitung vom 29. April 1840, Sp. 384.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 27. Mai 1840, Sp. 464.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 31. März 1841, Sp. 279.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 29. Juni 1842, Sp. 532 f.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 26. März 1845, Sp. 232.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 7. Mai 1845, Sp. 330.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 14. Januar 1846, Sp. 28 f.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 18. Februar 1846, S. 116 f.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 22. September 1847, Sp. 661.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 12. Juli 1848, Sp. 455 f.


    Bohemia: oder Unterhaltungsblätter für gebildete Stände vom 29. April 1842, o. P.

    Bohemia: oder Unterhaltungsblätter für gebildete Stände vom 9. Dezember 1845, o. P.


    Journal des débats vom 29. Oktober 1844, S. 1.

    Journal des débats vom 29. Dezember 1844, S. 1.

    Journal des débats vom 1. Februar 1845, S. 1 (von Hector Berlioz).

    Journal des débats vom 4. März 1845, S. 1 (von Hector Berlioz).

    Journal des débats vom 29. April 1845, S. 2.


    La Gazette Musicale de Paris vom 12. August 1838, S. 324 f.


    Le Ménestrel vom 1. Juli 1838, S. 1.

    Le Ménestrel vom 20. April 1845, S. 1.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 14. August 1838, S. 54.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 17. April 1840, S. 127.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 29. Mai 1840, S. 176.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 16. Juni 1840, S. 195 f.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 4. Juli 1840, S. 8.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 3. Dezember 1841, S. 180.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 29. März 1846, S. 104.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 13. Juni 1848, S. 288.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 20. Dezember 1850, S. 276.


    The Musical World vom 1. Juni 1850, S. 344.


    Wiener allgemeine musikalische Zeitung vom 8. März 1842, S. 115.

    Wiener allgemeine musikalische Zeitung vom 26. März 1842, S. 152.


    Zeitung für die elegante Welt 1850, Nr. 18, S. 143.



    Links


    http://www.igm-bosch.de/content/language1/html/10318.asp (Stand: 6. Juni 2010)

    Das Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung verfügt über den Nachlass der Homöopathin Mélanie Hahnemann, in dem sich zahlreiche Dokumente zu Sophie Bohrer befinden.


    http://www.sophie-drinker-institut.de (Stand: 6. Juni 2010)

    Das Instrumentalistinnenlexikon des Sophie Drinker Instituts bietet einen Artikel zu Sophie Bohrer von Anja Herold.


    http://www.westfalen-adelssitze.de/Burgen_Schloesser_Herrenhaeuser/Darup/Index-ABC.html (Stand: 6. Juni 2010)

    Die Internetseite westfälischer Adelssitze hat auch eine eigene Seite über das Haus Darup, in dem Sophie Bohrer mit ihrem Mann Carl von Bönninghausen ab 1871 lebte.

    Forschung

    Der Nachlass Mélanie Hahnemanns, der sich im Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart befindet, wurde für den vorliegenden Artikel nur rudimentär ausgewertet. Eine systematische Sichtung könnte weiterführende Ergebnisse zu Tage bringen.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Sophie Bohrer umfasst Teile ihrer Biografie sowie ihrer Tätigkeiten, vor allem in ihrer zweiten Lebenshälfte. Darüber hinaus enthält ihre Biografie zahlreiche übergreifende Aspekte, die für eine eingehendere Untersuchung interessant wären, beginnend mit ihrem Status als so genanntes „Wunderkind“ bis hin zur Geschichte der Musiker-Medizin.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 15514670
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116233249

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 7. Juni 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 17.08.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Sophie Bohrer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.8.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Sophie_Bohrer