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  • Seraphine Tausig

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Seraphine Tausig
    Geburtsname: Seraphine Vrabélÿ
    Lebensdaten:
    geb. in Pressburg,
    gest. in Dresden,
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Mlle Vrabely est une jeune pianiste hongroise, dont le talent précoce a mûri sous la direction de Liszt. Elle est imbue des meilleurs principes de cette féconde et grande école; pour elle le clavier n’a point de secrets ni de difficultés dont elle ne se joue, et au brillant de l’exécution elle joint tous les charmes de l’expression. En un mot, Mlle Vrabely fait chanter le piano de façon à réhabiliter cet instrument dont on a beaucoup médit.“


    „Mlle Vrabely ist eine junge ungarische Pianistin, deren frühreifes Talent sich unter der Führung von Liszt entwickelte. Sie ist durch die besten Grundsätzen dieser fruchtbaren und großen Schule gebildet worden; für sie hat die Klaviatur keine Geheimnisse oder Schwierigkeiten, denen sie sich nicht gewachsen fühlen würde, und zu ihrer brillanten Ausführung gesellt sich der Charme des Ausdrucks. In einem Wort, Mlle. Vrabely bringt das Klavier auf eine Art und Weise zum Singen, dass sie den Ruf dieses Instruments, von dem man so viel Schlechtes gesagt hat, rehabilitiert.“


    („Le monde illustré“ vom 10. März 1860, S. 171)


    Profil

    Die Pianistin und Musikpädagogin Seraphine Tausig wurde von Alexander Dreyschock in Prag und vermutlich zeitweise auch von Franz Liszt in Weimar ausgebildet. Von 1859 bis Ende der 1860er Jahre konzertierte sie öffentlich, allerdings verhinderte ein Tremor eine Laufbahn als Pianistin. In den folgenden Jahrzehnten wirkte Seraphine Tausig vorrangig als Musikpädagogin in Berlin und Dresden und trat nur noch vereinzelt auf. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts stand Seraphine Tausig in regem Kontakt mit Max Reger, der ihr 1906 seine Sechs Klavierstücke zu vier Händen op. 94 widmete.

    Orte und Länder

    Seraphine Tausig wurde in Pressburg, damals Ungarn, heute Bratislava (Slowakei), geboren und wuchs dort auf. Sie studierte das Fach Klavier in Prag und Wien und setzte möglicherweise um das Jahr 1858 für kurze Zeit ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar fort. Nach ihrer Heirat 1864 ließ sie sich mit ihrem Mann, dem Pianisten und Musikpädagogen Carl Tausig in Berlin nieder und kehrte nach dessen Tod 1871 vorübergehend nach Pressburg zurück. 1877 eröffnete Seraphine Tausig ein Klavierschule in Berlin, ließ sich jedoch in den folgenden Jahren endgültig in Dresden nieder.

    Biografie

    Seraphine Tausig wurde als Franziska Seraphina Vrabélÿ am 26. Juli 1840 im ungarischen Pressburg (heute Bratislava, Slowakei) geboren. Der Vater Karóly von Vrabélÿ war königlicher Rat und Postdirektor, die Mutter Seraphina Vrabélÿ, geb. Szlemenics, eine bildende Künstlerin und Schriftstellerin, die zudem – als Tochter eines Juristen – 1850 zur Doktor der Rechte promoviert worden war (vgl. Marx 2001, S. 404). Die Familie hatte vier Kinder: Paul (geb. 1838), Seraphina (geb. 1840), Anna Paulina (geb. 1843) und Stephana Josepha (geb. 1849). Neben Seraphine Tausig schlug auch ihre jüngste Schwester Stephanie eine professionelle Laufbahn als Pianistin und Komponistin ein und ist heute unter dem Namen Stefanie Gräfin von Wurmbrand-Stuppach bekannt.


    Ihre erste pianistische Ausbildung erhielt Seraphine Tausig bei Eduard Pirkert in Wien und bei Alexander Dreyschock in Prag (vgl. Slovensky biograficky slovník 1994) und fiel dabei bereits früh als außergewöhnliche Begabung auf. Ein anonymer Autor berichtete 1882 rückblickend in der „Allgemeinen Musikzeitung“ über einen Aufenthalt 1853/54 im Haus Vrabélÿ: „Ich kam öfters in die Familie des Postdirectors Vrabely. Das sehr talentirte 13jährige Töchterlein, eine vielversprechende Clavierspielerin, für die ich einen Ländler componirte, Serafine mit Namen, wurde nach 11 Jahren die Gattin des Claviervirtuosen Tausig, von dem sie sich jedoch bald wieder trennte. Mit einem erstaunlichen Gedächtniss begabt, stand jedes Stück, das sie sich zu eigen gemacht, fest in ihrem Gedächtnisse für immer, ohne dass sie einer Repetition bedurft hätte.“ (Anonym, in: „Allgemeine Musikzeitung“ vom 8. Juni 1881, Sp. 358f.) Franz Liszt, der Seraphine Tausig als Sechzehnjährige 1856 hörte, verglich sie mit zwei herausragenden Pianistinnen der Zeit, mit Wilhelmine Clauss und Rosa Kastner, und bot ihr an, sie in Weimar zu unterrichten, wie aus einem Brief vom 2. September 1856 aus Buda an Caroline von Sayn-Wittgenstein hervorgeht: „Vers 6 heures, nous avons été au Volksfest, et plus tard nous avons fait le tour de l’illumination avec mes deux cousins et une très jolie personne de 16 ans de Presbourg, la fille du directeur de poste, qui est une espèce de Clauss ou Rosa Kastner en espérance. La Csse Bánffy a offert de la prendre chez elle, et vous la verrez probablement à Weymar.“ („Gegen 6 Uhr waren wir auf dem Volksfest und haben später das Lichtfest besucht, gemeinsam mit meinen beiden Cousins und einer sehr hübschen 16jährigen Person aus Pressburg, die Tochter des Postdirektors, die eine Art zukünftiger Clauss oder Rosa Kastner ist. Die Comtesse Bánffy hat angeboten, sie zu sich zu nehmen, so dass Sie sie möglicherweise in Weimar sehen werden.“; Brief von Franz Liszt an Caroline von Sayn-Wittgenstein vom 2. September 1856, Liszt, La Mara, Bd. 4, S. 329) Vermutlich war Seraphine Tausig um 1858 bei Franz Liszt in Weimar, um dort ihr Studium fortzusetzen.


    In den folgenden Jahren trat Seraphine Tausig in mehreren Städten als Konzertpianistin auf. Sie spielte 1859 Ludwig van Beethovens Klavierkonzert c-Moll op. 37 in Prag, veranstaltete in Bratislava und Budapest eigene Konzerte und unternahm 1860 eine Tournee, bei der sie u. a. in Belgien und in Paris konzertierte (vgl. Slovensky biograficky slovník 1994) Bei einem Konzert, das Seraphine Tausig am 11. Dezember 1859 im Convict-Saal in Prag gab, standen Ludwig van Beethovens Violinsonate c-Moll op. 30 Nr. 2, die „Consolations“ von Franz Liszt, Robert Schumanns Novelette op. 21 Nr. 7 sowie eine „Valse de Concert“ von Frédéric Chopin und das Schlummerlied op. 121 von Alexander Dreyschock auf dem Programm (vgl. Konzertprogramm, in: Gärtner 2009). Im März 1860 gab Seraphine Tausig ein eigenes Konzert in der Salle Erard in Paris und „Le monde illustré“ berichtete: „Mlle Vrabely est une jeune pianiste hongroise, dont le talent précoce a mûri sous la direction de Liszt. Elle est imbue des meilleurs principes de cette féconde et grande école; pour elle le clavier n’a point de secrets ni de difficultés dont elle ne se joue, et au brillant de l’exécution elle joint tous les charmes de l’expression. En un mot, Mlle Vrabely fait chanter le piano de façon à réhabiliter cet instrument dont on a beaucoup médit. Mlle Vrabely se dispose à retourner en Allemagne où l’on aime beaucoup son talent; mais elle a promis de revenir à Paris l’hiver prochain.“ („Mlle Vrabely ist eine junge ungarische Pianistin, deren frühreifes Talent sich unter der Führung von Liszt entwickelte. Sie ist durch die besten Grundsätzen dieser fruchtbaren und großen Schule gebildet worden; für sie hat die Klaviatur keine Geheimnisse oder Schwierigkeiten, denen sie sich nicht gewachsen fühlen würde, und zu ihrer brillanten Ausführung gesellt sich der Charme des Ausdrucks. In einem Wort, Mlle. Vrabely bringt das Klavier auf eine Art und Weise zum Singen, dass sie den Ruf dieses Instruments, von dem man so viel Schlechtes gesagt hat, rehabilitiert. Mlle. Vrabely bereitet sich auf die Rückkehr nach Deutschland vor, wo man ihr Talent sehr zu schätzen weiß; aber sie hat versprochen, nächsten Winter wieder nach Paris zu kommen.“; „Le monde illustré“ vom 10. März 1860, S. 171) Etwas verhaltener reagierte die „Revue et Gazette musicale de Paris“ auf das Konzert: „Mlle Vrabely s’est fait entendre dans les salons Erard. Sans s’élever au-dessus des talents estimables qu’on applaudit chaque jour, elle a comme eux toutefois un mérite incontestable. Elle dit la musique allemande sérieusement, clairement et, il nous faut ajouter, un peu froidement. Telle est du moins l’impression qu’elle a produite sur un public trop exigeant peut-être, parce qu’il entend partout des virtuoses qui font naître dans son esprit des comparaisons peu obligeantes. Mais, sous peine d’être injuste, il faut tenir compte des efforts et des talents qui, sans atteindre bien haut, n’arrivent pas moins à des résultats très-satisfaisants et relativement très-heureux. Ils méritent, ce nous semble, d’être encouragés; car, après tout, ils ne sont stériles ni pour l’art, ni pour les plaisirs des dilettantes.“ (Mlle Vrabely hat sich in den Salons Erard hören lassen. Ohne sich über die schätzbaren Talente zu erheben, denen man täglich applaudiert, besitzt sie wie jene in jedem Fall unbestreitbare Verdienste. Sie spielt die deutsche Musik ernsthaft, klar und, wir müssen es hinzufügen, ein bißchen kühl. Dies ist zumindest der Eindruck, den sie auf das möglicherweise zu erwartungsvolle Publikum gemacht hat, das überall Virtuosen hört, die in den Köpfen wenig freundliche Vergleiche herausfordern. Aber, selbst auf die Gefahr hin, ungerecht zu sein, muss man den Bemühungen und den Talenten Achtung zollen, die, auch wenn sie nicht wirklich nach oben kommen, dennoch sehr zufriedenstellende und vergleichsweise glückliche Ergebnisse erreichen. Sie verdienen es, so scheint uns, ermutigt zu werden: denn trotz allem sind sie nicht gleichgültig, weder für die Kunst noch für das Vergnügen der Dilettanten.“; „Revue et Gazette musicale“ vom 18. März 1860, S. 99)


    Am 8. November 1864 heirateten Seraphine Tausig, geb. Vrabélÿ, und Carl Tausig in Pressburg (Bratislava); die Trauzeugen waren Johannes Brahms und Peter Cornelius (vgl. Federhofer/Oehl 1977, S. 59; Gellen 2011, S. 220). Bereits ein halbes Jahr zuvor waren Carl Tausig, Johannes Brahms und Peter Cornelius nach Pressburg zur Familie Vrabélÿ gereist, wo Seraphine Tausig und ihre Schwester Stephanie den Gästen „Les Préludes“ von Franz Liszt in dessen Bearbeitung für zwei Klaviere vorgespielt hatten (vgl. Gellen 2011, S. 220). Das Ehepaar ließ sich in Berlin nieder, wo Carl Tausig eine „Schule für das höhere Klavierspiel“ eröffnete. Die Ehe wurde jedoch nach wenigen Jahren geschieden; Carl Tausig starb 1871 im Alter von 29 Jahren an Typhus.


    1867 konzertierte Seraphine Tausig gemeinsam mit ihrer Schwester Stephanie Vrabélÿ im Wiener Redoutensaal im Rahmen eines Konzertes des Wiener Männergesangvereins. Auf dem Programm standen Frédéric Chopins Rondo C-Dur op. 73 für zwei Klaviere sowie ein Walzer von Johannes Brahms. Brahms hatte eigens für diesen Anlass fünf seiner vierhändigen Walzer aus op. 39 – vermutlich die Walzer Nr. 1, 2, 11, 14 und 15 – für zwei Klaviere arrangiert (vgl. Gellen 2011, S. 224). An Jakob Rieter-Biedermann schrieb er am 8. März 1867, er habe die Walzer „expreß für die hübschen [Schwestern] gesetzt“ (zit. n. Gellen 2011, S. 224), die die Walzer – dem Konzertprogramm zufolge – aus dem Manuskript spielten (vgl. McCorkle 1984, S. 139). Ein Wiener Korrespondent berichtete in der „Neuen Berliner Musikzeitung“ über das Konzert: „Das zweite Concert des Wiener Männergesangvereins fand am verflossenen Sonntage im grossen Redoutensaale statt und war überaus zahlreich besucht. [...] Eine interessante Beigabe dieses Concertes war das Spiel der beiden Pianistinnen Frau Tausig-Vrabely und Fräulein Vrabely. Die liebenswürdigen Schwestern spielten das Rondo von Chopin für zwei Claviere mit sehr viel Bravour und Eleganz und errangen damit wie mit dem später brillant executirten Walzer von Joh. Brahms rauschenden Applaus.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 27. März 1867, S. 101)


    In den folgenden Jahrzehnten trat Seraphine Tausig aufgrund eines Tremors nur selten öffentlich auf. Der bereits zitierte anonyme Autor schrieb 1881 in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“: „Schade, dass ihre Künstlerlaufbahn in der Folge durch ein leidiges Trema beeinträchtigt wurde, wovon sie als Kind keine Spur verrieth, so dass sie jetzt nur als Lehrerin ihre Existenz fristen kann, ansonst sie unter unsere grössten Pianistinnen gezählt werden könnte.“ (Anonym, in: „Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 8. Juni 1881, Sp. 358f.) Dennoch versuchte sie auch in späteren Jahren als Pianistin Fuß zu fassen. So notierte z. B. die englische Zeitschrift „The Academy and literature“ 1875: „Mdme. Seraphine Tausig, the widow of the late distinguished virtuoso Carl Tausig, and herself an excellent pianist, intends this winter to reappear in public, and to give concerts.“ („Mdme. Seraphine Tausig, die Witwe des verstorbenen angesehenen Virtuosen Carl Tausig, und selbst eine herausragende Pianistin, plant, diesen Winter wieder öffentlich aufzutreten und Konzerte zu geben.“; „The Academy and literature“ 8 [1875], S. 566) 1895 berichteten die „Signale für die musikalische Welt“ von einer Aufführung der ihr gewidmeten „Ungarischen Zigeunerweisen“ (o.op.) von Carl Tausig, in einer Bearbeitung für Klavier und Orchester von Albert Eibenschütz: „Frau Seraphine Tausig, selbst eine hochbedeutende Pianistin, hat jüngst Gelegenheit gehabt, dem Andenken ihres verstorbenen Gatten, des berühmten, so früh verstorbenen Karl Tausig, neue Ehren zuzuführen. Die Künstlerin spielte jünst in Bad Landeck die ihr von Tausig gewidmeten ‚Ungarischen Zigeunerweisen’ mit Orchesterbegleitung, letztere von Albert Eibenschütz arrangirt, und hatte die Freude eines stürmischen Applauses.“ („Signale für die musikalische Welt“ 53 [1895], S. 743)


    Der weitere Lebensweg von Seraphine Tausig ist nur bruchstückhaft zu rekonstruieren. Nach dem Tod ihres Mannes plante Seraphine Tausig eine Rückkehr nach Pressburg bzw. Bratislava, um dort eine Klavierschule zu eröffnen, wie das „Musikalische Wochenblatt“ berichtete: „Verschiedenen Zeitungen zufolge beabsichtigt die Wittwe des der Kunst so unerbittlich früh entrissenen Carl Tausig, Fr. Seraphine Tausig, in Pressburg eine Clavierlehranstalt für Damen in der Art der von ihrem verstorbenen Gatten in Berlin geleiteten Schule für höheres Clavierspiel zu errichten.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 8. September 1871, S. 590) 1877 hatte sich Seraphine Tausig als Musikpädagogin in Berlin niedergelassen (vgl. Mendel 1878, S. 121).


    Spätestens ab den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts lebte Seraphine Tausig in Dresden und stand ab 1905 in regem Kontakt mit Max Reger, dessen Kompositionen sie überaus schätzte und förderte. Am 11. Oktober 1905 schrieb Max Reger an seine Familie: „Apropos: wenn Ihr von Frau Tausig demnächst Brief erhaltet, in dem sie Euch ersucht, irgendwohin Noten zu senden von mir, so bitte ich Euch dringendst, alle diese Noten dahin zu senden, da Frau Tausig nur solche Namen nennt, die für uns sehr gut sind!“ (zit. n. Schreiber 1973, S. 54) Im September 1906 widmete ihr Reger seine Sechs Stücke für Klavier zu vier Händen op. 94 und war im November 1906 bei ihr in Dresden, in der Hübner Str. 1, zu Gast. An seine Frau Elsa Reger schrieb er von dort am 29. November: „Ich bin hier entzückend aufgenommen; Du machst Dir keinen Begriff von der rührenden Liebenswürdgkeit der Frau Tausig!“ (zit. n. Hase-Koehler 1928, S. 152) Und am 30. Mai 1913 schrieb ihm Seraphine Tausig aus Dresden: „Verehrtester Meister! Welche Freude: Eine Karte von Ihnen aus Straßburg, und mit der herrlichen Kathedrale, die wie eine Komposition von Reger ist! Ja, ja, Sie werden uns die neuen Bahnen weisen! Ich war doppelt glücklich über Ihre Karte, weil ich nach deren Stempel, gerade um diese Zeit gestern nachmittag in Tränen zerfloß, als ich wieder etwas von Ihnen spielte. Das Motiv von zwei Takten – und eine andere Welt!“ (zit. n. Hase-Koehler 1928, S. 268) Im Juni 1915 war Seraphine ihrerseits zu Gast bei Elsa und Max Reger in deren neuer Villa in Jena (Reger 2005, S. 255).


    Seraphine Tausig starb am 2. September 1831 in Dresden.

    Würdigung

    Constant von Wurzbach würdigte in seinem 1885 publizierten „Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“ die Pianistin Seraphine Tausig wie folgte: „Da Seraphine Talent für Musik zeigte, kam sie, genügend geschult, um die letzte Hand an ihre künstlerische Ausbildung legen zu können, nach Prag, wo sie unter der Leitung des berühmten Clavierspielers Alexander Dreyschock es zur Virtuosin auf dem Piano brachte. Hierauf unternahm sie Kunstreisen, ließ sich in ihrem Vaterlande, dann 1861 in Prag öffentlich hören, wo die Trefflichkeit ihres Spiels volle Würdigung fand und man ihr nachrühmte, daß sie sich die Vorzüge der gediegenen Schule ihres Meisters im hohen Maße zu eigen gemacht habe, wobei vor Allem die Eleganz ihres elastischen Anschlages hervorgehoben und ausdrücklich bemerkt wurde, wie die talentvolle Pianistin, unterstützt von einer im hohen Grade ausgebildeten Technik, vertraut mit den Geheimnissen des Instruments, mit vollem Verständniß in die Kunstwerke eindringe und dieselben mit Klarheit und poetischem Feuer, heiße der Meister Chopin oder Stephan Heller, Liszt oder Paganini oder anders, zu Gehör bringe.“ (Wurzbach 1885)

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Seraphine Tausig kann aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Klavier und Ochester c-Moll op. 37

    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate c-Moll op. 30 Nr. 2


    Brahms, Johannes. Walzer, aus op. 39, arrangiert für zwei Klaviere

    Chopin, Frédéric. Rondo für zwei Klaviere C-Dur op. 73

    Chopin, Frédéric. Valse de Concert (keine Präzisierung möglich)


    Dreyschock, Alexander. Schlummerlied op. 121.


    Liszt, Franz. Consolations


    Schumann, Robert. Novelette op. 21 Nr. 7


    Tausig, Carl. Ungarische Zigeunerweisen (o. op.), in einer Bearbeitung für Klavier und Orchester von Albert Eibenschütz

    Quellen

    Literatur


    Anonym. Memoiren eines Opernsängers. In: Allgemeine Musikalische Zeitung vom 8. Juni 1881, Sp. 357-359.


    Artikel „Tausig Carl und Seraphine“. In: Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Hermann Mendel; August Reissman (Hg.). Bd. 10, Berlin: Verlag von Robert Oppenheim, 1878, S. 121.


    Artikel „Vrábély, Seraphine“. In: Wurzbach, Constant. Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 51. Theil, Wien 1885 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Vrábelyová-Tausigová, Serafína“. In: Slovenky biograficky slovník. Bd. 6, 1994 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Federhofer, Hellmut/Oehl, Kurt Hellmut. Peter Cornelius als Komponist, Dichter, Kritiker und Essayist: Vorträge, Referate und Diskussionen. Regensburg: Bosse, 1977.


    Gärtner, Markus. Artikel „Vrabély, Serafina“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts, online verfügbar: http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=vrabely-serafina (2009, Stand: 25. Februar 2012).


    Gellen, Adam. Brahms und Ungarn. Biographische, rezeptionsgeschichtliche, quellenkritische und analytische Studien. Tutzing: Schneider, 2011.


    Hase-Koehler, Elsa von (Hg.): Max Reger. Briefe eines deutschen Meisters. Ein Lebensbild. Leipzig: Hase & Koehler, 1928.

    Liszt, Franz. Briefe, hg. v. La Mara. 8 Bde. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1893ff.


    Marx, Eva. Artikel „Wurmbrand-Stuppach, Stefanie Grfn von“. In: 210 österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Biographie, Werk und Bibliographie, hg. v. Eva Marx und Gerlinde Haas. Salzburg u. a. 2001, S. 404-408.


    McCorkle, Margit. Johannes Brahms: Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis, München: Henle Verlag, 1984.


    Reger, Max. Briefe an den Verlag N. Simrock, hg. v. Susanne Popp. Stuttgart: Carus-Verlag, 2005.


    Schreiber, Ottmar (Hg.): Max Reger. Briefe zwischen der Arbeit. Neue Folge (= Veröffentlichungen des Max-Reger-Institutes, Sechstes Heft), Bonn: Dümmler, 1973.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Allgemeine musikalische Zeitung vom 8. Juni 1881, Sp. 358f.


    Le monde illustré vom 10. März 1860, S. 171.


    Musikalisches Wochenblatt vom 8. September 1871, S. 590.


    Neue Berliner Musikzeitung vom 27. März 1867, S. 101.


    Revue et Gazette musicale vom 18. März 1860, S. 99.


    Signale für die musikalische Welt 53 (1895), S. 743.


    The Academy and literature 8 (1875), S. 566.



    Links


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=vrabely-serafina (2009, Stand: 25. Februar 2013).

    Das Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts stellt online einen Artikel über „Vrabély, Serafina“ von Markus Gärtner zur Verfügung.


    www.kalliope-portal.de (Stand: 25. Februar 2013)

    Das Verbundsystem Nachlässe und Autographe „Kalliope“ verweist auf Briefe von Seraphine Tausig u. a. an Max Kalbeck, Elsa Reger und Peter Cornelius.

    Forschung

    Das Verbundsystem Nachlässe und Autographe „Kalliope“ verweist auf Briefe von Seraphine Tausig u. a. an Max Kalbeck, Elsa Reger und Peter Cornelius. Die Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlin, Preußischer Kulturbesitzt verwahrt 24 Briefe und Postkarten von Max Reger an Seraphine Tausig aus den Jahren 1907 bis 1916.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Seraphine Tausig umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre künstlerischen und persönlichen Kontakte.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 17994863
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117247758

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Seraphine Tausig“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Seraphine_Tausig