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    von Elisabeth Zeisner
    Senta Benesch. Undatiertes Foto
    Namen:
    Senta Benesch
    Lebensdaten:
    geb. in Wien, Österreich
    gest. in Wien, Österreich
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin, Pädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Ein Leben mit dem Cello, ein Leben für die Musik.“ (Senta Benesch in einem Interview für Radio Steiermark, im Gespräch mit Michael Aggermann, 1970-75)


    Profil

    Senta Benesch stand Anfang des 20. Jahrhunderts noch in einer historischen Tradition, in der es für eine Frau sehr schwierig war, als professionelle Instrumentalistin, vor allem als Violoncellistin akzeptiert zu werden und damit auch den Lebensunterhalt zu verdienen. Anfänglich im Sonderstatus des „Wunderkindes“ bejubelt, hat es Senta Benesch als damals einzige berühmt gewordene Cellistin Österreichs geschafft, darüber hinaus als ernstzunehmende Solistin und Kammermusikerin eine beachtliche internationale Karriere zu verfolgen. Mit insgesamt 4000 Konzerten führte sie ein intensives und künstlerisch erfülltes Leben.

    Ihr enormes Können am Instrument, die virtuose Technik und tief empfundene Musikalität, verbunden mit ihrer natürlichen und liebenswürdigen Persönlichkeit machten sie zu einem Liebling des Publikums und auch der Kritik, wie viele Originalschriften im Nachlass bezeugen.

    Senta Benesch bezeichnete ihre Spielweise selbstbewusst als eine weibliche und setzte sich neben der gängigen Celloliteratur für zeitgenössische Komponisten und Komponistinnen ein, sie hob viele Stücke aus der Taufe, sowohl in Konzerten als auch in Rundfunkaufnahmen.

    Orte und Länder

    Senta Benesch wirkte hauptsächlich in Österreich, vor allem in Wien, aber konzertierte regelmäßig im Ausland (jährlich zwei große Tourneen (Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Holland, Dänemark, Schweden, Belgien, England, Polen, Ungarn, Tschechien), Konzertreisen und Meisterkurse auch in den USA (Dallas, New York), Tournee nach Japan.

    Biografie

    Senta Benesch wurde am 22. November 1913 in eine Wiener Künstlerfamilie geboren. Ihre Mutter war Sängerin und Pianistin, ihr aus Napajedl (einem Ort an der mährischen Grenze) stammender Vater war anerkannter Violinvirtuose und Privatlehrer. Dieser hatte in Prag bei Antonín Dvořák (Harmonielehre) und Otakar Sevcik (Violine) studiert, in Wien unter Johann Strauß im Theater an der Wien gespielt und war Konzertmeister im Orchester der Wiener Volksoper und der Wiener Urania, als auch Substitut („Aushilfe“) bei den Wiener Philharmonikern.


    Senta Benesch wuchs in einem musikalisch-künstlerisch geprägten Umfeld auf; den ersten Cellounterricht bekam sie im Alter von fünfeinhalb Jahren. Sie hatte ausschließlich privaten Unterricht in Wien, ihre Cellolehrer waren die philharmonischen Cellisten Ferdinand Hellmesberger, Wilhelm Jeral und Friedrich Buxbaum. Auch ihre allgemeine Schulbildung erwarb sie privat. Daneben studierte Senta Benesch auch privat Klavier – ihr eigentliches Lieblingsinstrument, bei Kurt Zahradnik (einem Cousin, der sie immer wieder bei Sonatenabenden begleitete). Im Mai 1933 absolvierte sie an der Akademie für Musik die Klavierstaatsprüfung samt Nebenfächern. Ihre erfolgreiche private Celloausbildung ist durch zwei Zeugnisabschriften (der Professoren Jeral und Buxbaum) dokumentiert.


    Senta Beneschs erster öffentlicher Auftritt erfolgte im Alter von sechseinhalb Jahren mit einem Kindertrio bei einem Schülerkonzert der Eltern in der Wiener Urania. Daran schlossen sich weitere Konzerte an, u.a. mit Gretl Koller (Klavier) und Lissy Siedek (Violine) als „Jüngste Kammermusikvereinigung“ im Wiener Konzerthaus in der Konzertreihe „Das Kind in der Kunst“. Parallel dazu machte sie eine solistische Karriere als „Wunderkind“: Sie trat in verschiedenen Konzerten mit virtuoser Celloliteratur auf und wirkte bei Chorkonzerten und Kammermusikabenden (privat und öffentlich), auch gemeinsam mit ihren Eltern (vor allem mit dem Vater Maurice Benesch) mit. Unzählige Kritiken, die chronologisch vom Vater geordnet wurden, zeugen von der besonderen Begabung und dem reifen Können von Senta Benesch bereits in jugendlichen Jahren.


    Ihr erster eigener Soloabend fand am 10. November 1926 unter Mitwirkung des Pianisten Kurt Zahradnik und der Sängerin Gerda Halden im kleinen Konzerthaussaal in Wien statt (Programm: Sonate Nr. 1 von G. F. Händel, Konzert in B-Dur von L. Boccherini, dann einige Gesangsnummern und zum Abschluss kurze Stücke, in denen die junge Künstlerin ihren vielgelobten schönen Ton und ihre bravouröse Technik zeigen konnte: Joseph Haydn: Adagio, Wilhelm Jeral: Sérénade viennoise, Emile Dunkler: La Fileuse, David Popper: Vito, Gaspar Cassado: Danse du Diable vert; als Zugabe spielte Senta Benesch „Guitarre“ von Moritz Moszkowski und „Tarantella“ von David Popper, wie sie in ihren Tagebuchaufzeichnungen vermerkt hat).


    Ein weiterer Höhepunkt am Beginn der solistischen Karriere ereignete sich mit einem Konzert am 28. Dezember 1927 im gleichen Wiener Konzerthaussaal mit der „Arpeggione“- Sonate von Franz Schubert und dem Konzert in D-Dur von J. Haydn, danach wieder virtuose Stücke von Wilhelm Jeral, David Popper und César Cui. Die Kritiken waren ausnahmslos euphorisch: der jungen Künstlerin wurde eine große Zukunft vorausgesagt, ein Kritiker verglich sie sogar mit Pablo Casals (1876-1973) nach einem Konzert, bei dem Senta Benesch das Cellokonzert von A. Dvořák spielte.


    Die Wunderkindkarriere von Senta Benesch ist in den Sammelalben „Was d’Leut über mi reden“ durch Programme, Fotos, Kritiken und Zeitungsartikel genau belegt, wie überhaupt ihre Konzerttätigkeit umfassend dokumentiert ist. Persönliche authentische Zeugnisse über das private Leben existieren dagegen kaum (abgesehen von einem Tagebuch aus der Zeit zwischen dem 9. November 1926 und dem 12. Januar 1927, zwei Stammbüchern und einigen Gästebüchern).


    Der Tod der Mutter 1933 war sicher ein großer Einschnitt im Leben der nunmehr zwanzigjährigen Senta Benesch. Sowohl künstlerisch als auch privat blieb der Vater bis zu seinem Tod 1965 eine prägende Autorität im Leben der Künstlerin. Er war für sie Manager, Berater, Begleiter und Kammermusikpartner, er trug seiner Tochter immer das Cello, auch auf Reisen. Durch dieses symbiotische Vater-Tochter- Verhältnis war es für Senta Benesch schwer möglich, ein eigenes Privatleben zu führen. Auf die Frage nach einem Mann in ihrem Leben antwortete Senta Benesch lächelnd: „Ich bin mit meinem Cello verheiratet – glückliche Ehe seit Jahren, keine Enttäuschung“.

    Senta Benesch widmete tatsächlich ihr Leben nur dem Cellospiel und der Musik. Neben ihren Konzerten in Wien und Österreich unternahm sie jährlich zwei große Tourneen, die sie in fast alle Länder Europas führten, später auch nach Amerika (Dallas, New York) und nach Japan. Sie konzertierte mit verschiedenen Orchestern in Österreich und im Ausland und hatte zahlreiche KlavierbegleiterInnen. Im Wiener Konzerthaus-Archiv sind einige Pianisten des Öfteren dokumentiert. Darunter Kurt Zahradnik (1924-1931), Otto Schulhof (1935-1954), John Guthrie Luke (1965, 1973) und Erika Dichler-Sedlacek. Mit Letztere konzertierte Senta Benesch sehr häufig.


    Als Kammermusikerin trat Senta Benesch zunächst mit dem Conrad-Haldenwang-Quartett auf (Jenny Conrad-Kichler und Judith Szava, Violine, Annie Haldenwang, Viola) und später mit dem „Steinbauer-Quartett“, wo sie die vormalige Cellistin Frieda Litschauer-Krause beerbte (Edith Steinbauer, Lotte Selka, Violine, Herta Schachermeier, Viola). Ebenso spielte sie mit der Geigerin Jenny Conrad-Kichler und der Pianistin Emmy Zopf in der „Wiener Trio-Vereinigung“. Nach Auflösung des Steinbauer-Quartetts ab 1962 spielte Senta Benesch mit Edith Steinbauer und Guthrie Luke im Klaviertrio.


    1969 folgte sie einem Ruf an die Wiener Musikhochschule und es entstanden neue künstlerische und freundschaftliche Kontakte. Auf diesem Wege kam es zur Gründung des „Wiener Streichtrios“ mit Wolfgang Poduschka, Violine und Karl Stierhof, Viola (beide Wiener Philharmoniker).


    Die Kammermusik hatte neben der solistischen Tätigkeit für Senta Benesch immer einen besonders hohen Stellenwert: Ihrer Ansicht nach hat sie charakterbildende Funktion: „[…] man muss die Größe haben, auch zurücktreten zu können, wenn der Andere etwas zu sagen hat“ (Zitat Senta Benesch, im Radio-Interview mit Michael Aggermann, zw. 1970-75).


    Zwar reduzierte Senta Benesch infolge der Hochschulstelle ihre Konzerttätigkeit, doch trat sie bis zu ihrer schweren Krankheit 1984 regelmäßig im In- und Ausland auf und gab Sonaten- und Kammermusikabende vor allem in Schlössern, Palais, Stiften oder Kirchen. Insgesamt beträgt die Anzahl ihrer dokumentierten Konzerte über 4000. Häufig spielte Senta Benesch am Tag nach ihren Konzerten in der Provinz vor Schulklassen, die sie als ein besonders liebenswertes und auch wichtiges Publikum empfand.


    Einen großen Stellenwert haben auch die zahlreichen Rundfunkaufnahmen, die Senta Benesch seit dem Bestehen des Radios einspielte, darunter viele Erst- und Uraufführungen.

    Die Künstlerin erkrankte 1984 an Darmkrebs und kämpfte zwei Jahre gegen dieses heimtückische Leiden. Sie musste sich mehreren Operationen unterziehen und spielte dazwischen immer wieder Konzerte – zwar deutlich geschwächt, doch immer noch auf höchstem technischem und musikalischem Niveau.


    Senta Benesch starb am 3. April 1986 im Wiener Rudolfsspital und wurde auf dem Döblinger Friedhof in Wien begraben.


    Alle Zitate und Daten sowie Personennamen stammen aus dem Nachlass von Senta Benesch (vgl. Forschungsinformation).

    Würdigung

    Senta Benesch hatte als Musikerin, vor allem als Violoncellistin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen besonderen Stellenwert: als Wunderkind in einer Musikerfamilie aufgewachsen, wurde sie bereits als junge Künstlerin gefeiert und wurde in Österreich die zu dieser Zeit einzige berühmte konzertierende Cellistin.


    Ihre Verdienste um Erst- und Uraufführungen der zeitgenössischen (meist österreichischen) Musik und deren Einspielungen in verschiedenen Rundfunkanstalten sind groß, sowohl solistisch als auch als Kammermusikerin (mit dem „Steinbauer-Quartett“).


    Als Pädagogin wurde sie 1969 an die Wiener Musikhochschule berufen und hat bis zu ihrer Emeritierung 1984 junge Cellisten und Cellistinnen mit viel Liebe und Hingabe unterrichtet und ausgebildet.


    Ihre Besonderheiten, für die sie in unzähligen Kritiken gerühmt wurde, waren unter anderem der feine, warme Ton, die natürliche Phrasierung, die perfekte und lockere Technik der linken Hand, die saubere Intonation und die sanfte, edle Ausstrahlung. Senta Benesch selbst legte großen Wert auf positive Anerkennung einer „weiblichen Spielästhetik“ und bekräftigte immer wieder. „Ich bin stolz, eine Frau zu sein und wie eine Frau zu spielen“.


    Entsprechend der Praxis der Programmgestaltung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts (meist wurde ohne Rücksicht auf Werktreue und historisch authentische Musizierpraxis stilistisch gemischte Programme gespielt) weisen auch die Konzertprogramme von Senta Benesch eine bunte Mischung aus Originalliteratur, Bearbeitungen von Werken für andere Instrumente oder beliebter Opern- oder Operettenmelodien, virtuose Musik und Genrestücke, die heutzutage nur mehr als „Zugabestücke“ gespielt werden, auf.


    Neben ihren Solokonzerten wirkte Senta Benesch häufig als „Cellovirtuosin“ bei Chorkonzerten verschiedenster Gesangsvereine mit. Diese Vielfältigkeit behielt Senta Benesch bis zuletzt bei. So spielte sie z.B. auch zyklische Aufführungen von Sonaten eines Komponisten (z.B.: Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms) oder widmete ganze Konzertabende eignes zeitgenössischen Komponisten. Zyklische Aufführungen der gesamten Kammermusik von Brahms, Schumann und Chopin Auch spielte Senta Benesch auch mit dem Steinbauer-Quartett.

    Rezeption

    Im Nachlass von Senta Benesch befinden sich chronologisch geordnete Kritiken und Zeitungsausschnitte über ihre Konzerte, die die Rezeption der Künstlerin sowohl aus Sicht des Publikums als auch aus Sicht der Presse belegen.

    Senta Benesch wurde bereits in jungen Jahren als „Wunderkind“ sowohl in kammermusikalischen Besetzungen (wie z.B. dem „Kindertrio“, der „jüngsten Kammermusikvereinigung“), als auch bei ihren solistischen Auftritten in der Wiener Presse rezensiert und als großes Talent und musikalisch vielversprechende junge Künstlerin in den Kritiken dargestellt.

    Das besondere Augenmerk in der Rezeption lag an der schönen Tongebung, der eleganten Phrasierung, der virtuosen Technik und der reifen, beseelten Interpretation der stilistisch sehr vielseitigen Werkauswahl. Bei den ersten solistischen Auftritten, die Senta Benesch des öfteren mit ihrem Vater, dem Violinvirtuosen Maurice Benesch gestaltete, will die Presse „des Rätsels Lösung“ für ein so begabtes, musikalisches Wunderkind auch in der Herkunft aus einer Musikerfamilie sehen. Doch in späteren Jahren wird Senta Benesch als anerkannte eigenständige Musikerpersönlichkeit, als „die“ Wiener Cellistin, berühmte Cellovirtuosin und Kammermusikerin, als musikalische Botschafterin für ihre rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland von der Presse in überschwänglichen Kritiken gerühmt. Immer wieder wird das besonders gelungene Zusammenwirken von Virtuosität, makelloser Intonation, schöner, sanfter Bogenführung und stilsicherer, musikalisch-natürlicher Interpretation betont, die fern war von jeder vordergründigen, bloßen Zurschaustellung ihres Könnens. Nicht zuletzt betonten die Zeitungen die Tatsache, dass es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch eine Besonderheit war, wenn eine Frau nicht nur Cello spielte, sondern darüber hinaus professionell konzertierte. So hebt die „Deutsch-Österreichische Tageszeitung“ (Wien) am 19. Dezember 1927 hervor: „Jugendliche Geigerinnen und Pianistinnen sind verhältnismäßig nicht selten. Eine Cellistin, die den Kinderschuhen eben entschlüpft ist, aber jedenfalls ein Ereignis…“. In gleicher Weise spricht die „Dresdner Zeitung“ am 20. April 1943 von: „Frauenhände[n] am Cello“ und die „Österreichische Neue Tageszeitung“ konstatiert am 31. Mai 1959, dass „Musik […] auch unter Frauenhänden“ erblühe. Das gleiche Journal berichtet am 8. August 1960: „Wiener Botschafterin mit dem Cellobogen – Gespräch mit der von ihrer Tournée heimgekehrten Cellistin Senta Benesch“, „Das Kleine Volksblatt“ am 24. Februar 1962: „Made in Austria: Senta Benesch – Die Pianisten drängen einander vom Klavier. Geiger gibt’s schon weniger. Cellisten sind rar. Da können wir doppelt stolz sein auf ‚unsere’ Senta Benesch: Einmal, weil sie ein echt österreichischer Musikertyp ist, zum andernmal, weil sie – soweit mir bekannt ist, als einzige Solistin in ihrem Fach – weit über die Grenzen unseres Landes hinaus geschätzt und anerkannt ist…“. Die folgenden Pressezitate geben einen sehr ähnlichen Eindruck, etwa die „Wiener Zeitung“ am 28. April1965: „Im vielschichtigen Akkord unseres Musiklebens kommt der Violoncellistin Senta Benesch eine wesentliche Stimme zu. Das Besondere an ihr ist das ausgesprochen Wienerische ihrer Kunst: ein Ton groß, warm und rund, der alles charmant zu sagen weiß, auch das Tiefe, Spröde oder Leidvolle, so beredt… Die menschliche Persönlichkeit, klug, ruhig-heiter und nobel, steht dahinter, gibt der Erscheinung Format…“, „Kulturberichte Klagenfurt“, 16. Oktober 1970: „Beethoven in weiblicher Schau – Celloabend Senta Benesch. Frau Benesch zeichnet sich durch sicheres und intonationsreiches Spiel aus. Der von ihr produzierte Ton ist weich und schön. Was den gebrachten Werken dagegen fehlte, ist das hart Zupackende, Leidenschaftliche. So erlebte man denn einen Beethoven ungewohnt lyrischer Art, mit wunderschöner Kantilene und vornehmen Vortrag…“.


    Im privaten Nachlass befinden sich einige Sammlungen verschiedener Kritiken, die als „musikalische Visitenkarten“ und Empfehlungen für Konzertagenturen gedient haben (Auszüge aus Kritiken der Jahre 1926-1928, z.B.: „Neue Freie Presse“ (Wien) am 10. Dezember 1928: „Auf Senta Benesch, die junge Cellistin, machen wir nicht zum erstenmal nachdrücklich aufmerksam. Hier ist ein verheißungsvolles Talent zur Reife gelangt. Energische Tongebung und nebengeräuschlose Tonentwicklung bei tadelloser Reinheit der Intonation sind die sichersten Kennzeichen einer fundierten Technik, der sich nun das gesellt, was nicht erlernt werden kann: Musikalität und Empfindung“. Die „Volkszeitung Innsbruck“ (undatiert) schrieb: „Man horcht und staunt über dieses Musikphänomen. Ihr Spiel ist ein Erlebnis, ihre Auffassung Andacht […]“. Weiter gibt es gesammelte Presseberichte anlässlich des 2000. Konzertes am 8. März 1953 im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses. Z.B. das „Wiener Tagblatt“: „S[enta] B[enesch] ist die hervorragendste Cellistin Österreichs“. „Musikleben Wien“: „[…] ihr Spiel erinnert an größte Vorbilder, vor allem – man kann es ohne Übertreibung sagen – an Casals“). Ein Pressebericht aus New York vom 25. Dezember 1950 schreibt: „Die berühmte Wiener Cellistin ist soeben von einer Tournee, die sie durch England und in die Schweiz führte, nach Wien zurückgekehrt. Die Presse der beiden Länder hatte sie übereinstimmend als die größte Cellistin der Gegenwart bezeichnet…“.


    In den persönlichen Sammelalben von Senta Benesch (von ihrem Vater begonnen) sind nahezu alle Konzerte chronologisch dokumentiert und zum Großteil mit Programmankündigungen, Zeitungsausschnitten und Kritiken versehen. Erst im letzten Lebensjahr fehlt eine chronologische Sammlung und Programmzettel und weitere Dokumente sind nur lose eingefügt.


    Im Überblick betrachtet, hatte Senta Benesch ihre Blütezeit als Solisten in den Jahren 1926-1965, wobei sie zwischenzeitlich auch immer Kammermusik in verschiedenen Formationen spielte. Mit dem „Steinbauer-Quartett“, dem sie am längsten angehörte, spielte sie nicht nur die gängige klassische und romantische Quartettliteratur, sondern darüber hinaus besonders viele Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer, meist österreichischer Komponisten. Eine anonyme Rezension auf dem Vorstellungsprospekt des Quartetts beschreibt dies deutlich:


    “In der Reihe der führenden Quartettvereinigungen Wiens nimmt das Steinbauer-Quartett einen besonderen Platz ein. Es ist nicht nur das einzige Frauen-Ensemble dieser Art, sondern durch sein umfassendes, am weitesten reichendes Repertoire ausgezeichnet. Langjährige Tradition und Spielgemeinschaft haben hier neben allen kammermusikalischen Tugenden und dem großen Plus solistischer Fähigkeiten an allen vier Pulten eine eigene Note zur Reife und Vollendung gedeihen lassen, die, gestützt auf die glückliche Voraussetzung raschen, sicheren und grundmusikalischen Studiums, die Künstlerinnen zu den wichtigsten, ja unentbehrlichen Helfern im Dienst zeitgenössischer Musikpflege werden ließ. Daß die ihre Klassiker im ‚kleinen Finger’ haben, ist selbstverständlich, und man gedenkt da der großen Schubert- oder Brahms-Gesamtzyklen, deren Werke sie besonders innig, warm und wienerisch spielten. Stets unter den Ersten, wenn es um Pfitzner, Schmidt oder Joseph Marx ging, stellen die vier Frauen auch zu jeder Stunde ihren Mann, holt man sie für einen Apostel, Hauer; Jelinek, für Krenek, Marckhl oder Schönberg in einen der fortgeschrittenen Zirkel oder vor das Mikrophon. Unschätzbar sind ihre Verdienste, handelt es sich um Ur- oder Erstaufführungen von Autoren, die in jüngster Vergangenheit oder Gegenwart eine Rolle im österreichischen Musikleben spielen und nun, von den Steinbauers in eigener Sache ins Programm genommen, sowohl ihrer engeren Heimat wie auch auf Auslandstournéen bekannt gemacht wurden. Wenn hier Berger und David, Hochstetter und Kaufmann die Reihe eröffnen, die sich über Kornauth, Lechthaler, Pless und Reidinger zu Schiske, Siegl und Skorzeny fortsetzt, wenn Litschauer, Robert Wagner, Erik Werba, Uhl und Uray ebenso vertreten sind wie die beiden Komponistinnen S. C. Eckhardt-Grammaté und Frida Kern , so stehen damit noch lange nicht alle Namen hier, die mit den Novitätenabenden des Steinbauer-Quartetts eng verbunden sind. Wenn das Ensemble draußen in der Provinz vor Schulkindern spielt, so erscheint ihm diese Aufgabe genau so wichtig wie sein Auftreten vor einem exklusiven Kreis von Fachleuten und verwöhnten Liebhabern. Stets ist es ein Musizieren voll Hingabe und bester Wiener Tradition, wie es in ähnlich umfassender und uneingeschränkter Art vielleicht wirklich nur die Heimatstadt dieser Künstlerinnen, ihr alter Kulturboden und ihre Überlieferung hervorzubringen und darzubieten haben.“


    Auch Richard Strauss würdigte das Damenquartett: „Das Steinbauer-Quartett ist wärmstens zu empfehlen. Jede der einzelnen Damen beherrscht ihr Instrument auf das beste, das Zusammenspiel ist vortrefflich. Den jungen Künstlerinnen ist eine gute Zukunft zu prognostizieren.“ (Zitat auf der Rückseite des Folders des Steinbauerquartettes)


    Die Originalzitate zeigen, wie bekannt und beliebt Senta Benesch zu Lebzeiten war. So galt die österreichische Künstlerin nicht nur als angesehene Hochschulprofessorin und begabte Kammermusikerin, sondern ebenso als die „Grande Dame“ des Violoncellos. In späteren Jahren nahmen ihre solistischen Auftritte mit Orchester ab und Senta Benesch spielte bevorzugt in kleineren Konzerträumlichkeiten (Palais, Kirchen, Schlösser), wo ihr feiner und im Vergleich zu den jungen CellistInnen eher zarter Ton gut zur Geltung kam. Einige Kritiken weisen darauf hin, dass Senta Benesch die intimen, nach innen gekehrten Stücke am Besten lagen.


    Im Allgemeinen waren die Kritiken hinsichtlich einer Stilistik der Werke, die Senta Benesch aufführte, wenig differenziert. Das mag vor allem daran gelegen haben, dass bei Aufführungsrezensionen die Beurteilung der Künstlerpersönlichkeit im Vordergrund stand.


    Ebenso gibt es Rezensionen, die bescheinigen, dass Senta Benesch sämtliche Gattungen unterschiedlicher Stilrichtungen und Besetzungen adäquat bedienen konnte. Ihre Interpretation schien sowohl in kammermusikalisch wie in solistisch angelegten Werken stets gelungen und überzeugend gewesen zu sein. Mehrere Rezensionen zufolge besaß Senta Benesch die Fähigkeit, virtuose Stücke, kleine Genrestücke und Zugaben, die stets einen festen Platz in ihren Programmen einnahmen, mit besonderer Hingabe und Liebe zum musikalischen Detail sowie mit sensiblem Ausdruck ohne virtuose Effekthascherei zu interpretieren.

    Repertoire

    Das gesamte Cellorepertoire: Barocksonaten (auch Bearbeitungen), Johann Sebastian Bach: Suiten für Violoncello solo, klassische Konzerte (Luigi Boccherini, Joseph Haydn) und Sonaten (Wolfgang Amadeus Mozart: Bearbeitung einer Violinsonate und der Sonate für Fagott und Violoncello), Ludwig van Beethoven (Variationen und Sonaten), romantische Celloliteratur (Konzerte von Antonin Dvořák, Camille Saint-Saëns, Robert Schumann, Peter Iljitsch Tschaikowsky: Variationen über ein Rokoko-Thema, Sonaten von Franz Schubert („Arpeggione“-Sonate), Johannes Brahms, Frédéric Chopin, Sergej Rachmaninoff, Sergej Prokofieff, Richard Strauss, Robert Schumann: Fantasiestücke, Franz Schmidt: Fantasiestücke Salonstücke und virtuose Stücke: z.B. Fritz Kreisler, David Popper, Karl Davidoff, Enrique Granados, Gaspar Cassado, Jean Baptiste Bréval, Gabriel Fauré, Gabriel Marie, Moritz Moszkowski, Wilhelm Jeral, Josef Suk, Camille Saint-Saëns etc.

    Zeitgenössische österreichische Musik des 20. Jahrhunderts (zahlreiche Uraufführungen): z.B. Egon Kornauth, Ernst Ludwig Uray, Karl Etti, Fritz Skorzeny, Ferdinand Grossmann, Josef Dichler, Erik Werba, Armin Kaufmann, Hans Gal, Josef Bittner, Jean Huré.

    Kammermusik (Streichquartett-, Klaviertrio- und Streichtriorepertoire), ebenfalls Ur- und Erstaufführungen (z.B. u.a. der Komponistinnen Sophie Eckhardt-Grammaté und Frida Kern mit dem Steinbauer-Quartett)

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    Im Nachlass von Senta Benesch gibt es eine gedruckte Repertoire-Liste, die einen genauen Überblick gibt (undatiert), die ich im Folgenden in der originalen Reihenfolge wiedergebe:


    SENTA BENESCH/Wien XVIII, Sternwartestraße 14 (Wohnadresse der Künstlerin)


    REPERTOIRE

    SONATEN für CELLO und KLAVIER:

    L. v. Beethoven, J. Brahms, G. F. Händel, L. Boccherini, J. B. Bréval, H. Eccles, R. Strauss, B. Asioli, J. Haydn, W. A. Mozart, C. M. v. Weber, F. Mendelssohn, F. Schubert, E. Kornauth, S. Rachmaninoff, G. Cassado, S. Bortkiewicz, C. Franck, J. Marx, E. Grieg, A. Dvořák


    KONZERTE für CELLO und ORCHESTER:

    L. Boccherini D-Dur und B-Dur, Ph. E. Bach D-Dur, G. F. Händel, J. Haydn, A. Dvořák, S. Bortkiewicz, C. Saint-Saëns, E. d’Albert, E. Lalo, E. Elgar, R. Salmhofer, J. Chajes, R. Schumann, L. v. Beethoven (Tripelkonzert), J. Brahms (Doppelkonzert),

    P. Tschaikowsky: Rokoko-Variationen, L. Boellmann: Symphonische Variationen, F. Mendelssohn: Violinkonzert (für Cello übertragen von Senta Benesch)


    VIRTUOSE MUSIK

    Quellen

    Primärquellen

    Archiv des Österreichischen Rundfunks

    Archiv der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien

    Archiv des Wiener Konzerthauses

    Privat-Nachlass von Senta Benesch (Tagebuch, Briefe, Dokumente, Stammbücher, Gästebücher, Programme, Kritiken, Bilder, Zeitungsausschnitte), Audio-Kassetten mit Live-Aufnahmen und Konzertmitschnitten, Kopien von Radiosendungen (zwei Rundfunkinterviews: Radio Wien 1964, Gespräch mit Edith Worschitz in der Sendung „Für die berufstätige Frau“

    Radio Steiermark, aufgenommen zwischen1970-1975, Gespräch mit Michael Aggermann)



    Sekundärliteratur

    Benesch, Senta. „Anstelle eines Nekrologes für Alfred Cortot“. In: Österreichische Musikzeitschrift. 1962. S. 373-374.


    Hauer, Georg. „Der Club der Wiener Musikerinnen. Frauen schreiben Musikgeschichte“. Wien: Vindobona-Verlag, 2003.


    Hoffmann, Freia. „Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur“. Frankfurt am Main und Leipzig: Insel Verlag, 1991.


    Steinbauer, Edith. „Das Quartettspiel“. In: Österreichische Musikzeitschrift. April 1958. S. 163-164.

    Forschung

    Quellenmaterial zu Senta Benesch wird u.a. in folgenden Archiven aufbewahrt:


    Archiv des Österreichischen Rundfunks

    Archiv der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien (Akt Senta Benesch)

    Privater Nachlass von Senta Benesch bei Ronald Fuchs in Mürzzuschlag, Kontakt: Österreichische Johannes Brahms – Gesellschaft, Wienerstrasse 4, A-8680 Mürzzuschlag am Semmering, Tel. und Fax: 03852/3434, E-mail: brahms.museum@netway.at


    Überliefert sind zwei von Senta Benesch selbst verfasste Lebensläufe (im Privat-Nachlass sowie im Archiv der Musikuniversität Wien) zwei Radiointerviews (Archiv des ORF), persönliche Aufzeichnungen sowie Sammlungen von Programmen und Presserezensionen (im Privat-Nachlass) Den Nachlass habe ich als Grundlage und Primärquelle für meine Diplomarbeit, vor allem für den biografischen Teil benutzt.

    Forschungsbedarf

    Die weitere Erforschung von Leben und Wirken von Senta Benesch, vor allem auch im privaten Bereich wäre wünschenswert. Auch steht das Auswerten der zeitgenössischen Rezeption, von zeitgenössischen Berichten im Allgemeinen und Recherchen in ausländischen Rundfunkstationen (Repertoire, Spielpartner) bislang noch aus.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 28168501
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 130100838
    Library of Congress (LCCN): no93002632

    Autor/innen

    Elisabeth Zeisner, Die Grundseite wurde im Mai 2007 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 31.05.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Elisabeth Zeisner, Artikel „Senta Benesch“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 31.5.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Senta_Benesch