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    von Cornelia Bartsch
    Sara Levy. Lithographie von P. Rohrbach.
    Namen:
    Sara Levy
    Geburtsname: Sara Itzig
    Varianten: Sara Levi, Sara Löwy
    Lebensdaten:
    geb. in Berlin,
    gest. in Berlin,
    Tätigkeitsfelder:
    Cembalistin, Auftraggeberin, Musiksammlerin, Musikförderin, Organisatorin musikalischer sowie musikalisch-literarischer Geselligkeit
    Charakterisierender Satz:

    „Sie hatten einst alle ‚à la tête de la jeune phalange’ an der Spitze der Bewegung gestanden. Diese hinfälligen Frauen waren es gewesen, deren Geist und Bildung die Schranken des Kastengeistes durchbrochen, die aus eigener Machtvollkommenheit in Berlin die Gewalt der Vorurteile besiegt; diese Greisinnen und ihre Gesinnungsgenossinnen, diese Jüdinnen waren es gewesen, welche, sich aus dem Pariatume ihres Volkes erhebend, die Bildung als den höchsten gültigen Adel zu vertreten, und so eine Befreiung und eine Kultur der Geistes in ihrer Vaterstadt herbeizuführen gewußt hatten, welche der geringere Sinn ihrer Nachkommen nicht zu behaupten verstanden hat.“


    (Fanny Lewald, die in den 1840er Jahren bei Sara Levy zu Gast war, über die damals über 80jährige Gastgeberin und ihre Tischgesellschaft. In: Fanny Lewald, Meine Lebensgeschichte, Bd. 3, Befreiung und Wanderleben, hg. von Ulrike Helmer, Frankfurt/Main 1989, S. 90 f.)


    Profil

    Sara Levy gehörte zu den wichtigsten Förderern der Berliner Bach-Pflege. Sie legte eine der bedeutendsten Musikaliensammlungen ihrer Zeit an, die vornehmlich Instrumentalmusik Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne aber auch älterer Komponisten umfasste, und setzte damit einen Grundstein für die Entstehung musikalischen Geschichtsbewusstseins. Als Subskribentin insbesondere anspruchsvoller Klavier- und Kammermusik förderte sie zeitgenössische Komponisten, wie den mit ihr bekannten Carl Philipp Emanuel Bach, an den sie auch Kompositionsaufträge vergab. Sie organisierte musikalische Geselligkeiten, mit denen sie repertoirebildend wirkte. Als Cembalistin trat sie in Konzerten der Berliner Singakademie auf, der sie bereits zu Lebzeiten Material aus ihrer umfangreichen Notensammlung zur Verfügung stellte und der sie diese nach ihrem Tod vermachte. Aus ihrer Sammlung stammte vermutlich auch die Abschrift der Matthäuspassion Johann Sebastian Bachs, die ihr Neffe Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Schwester Fanny (später verh. Hensel) 1823 von ihr oder ihrer Schwester Bella Salomon zu Weihnachten geschenkt bekamen – ein Geschenk, das mit der Aufführung der Passion durch die Berliner Singakademie unter der Leitung Felix Mendelssohn Bartholdys im April 1829 die Bach-Renaissance des 19. Jahrhunderts einleitete.

    Orte und Länder

    Sara Levy lebte und wirkte in Berlin. Ihre umfangreiche Musikaliensammlung wurde nach ihrem Tod in alle Welt verstreut.

    Biografie

    Als Tochter des „Finanzentrepreneurs“ Friedrichs des Großen wurde Sara Levy 1761 in eine Familie hineingeboren, die unter den jüdischen Familien die ranghöchste Stellung im preußischen Staat innehatte. Zugleich war das Haus ihrer Eltern Daniel Itzig (1723–1799) und Miriam, geb. Wulff (1727–1788), ein Ort der Haskalah, der jüdischen Aufklärung, was sich nicht zuletzt in einer herausragenden Bildung für die 16 Kinder niederschlug. Insbesondere die Musikpflege im Hause Itzig befand sich auf höchstem Niveau. Durch mehrere Quellen ist belegt, dass die Musik Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne, insbesondere Carl Philipp Emmanuel Bachs, dabei im Mittelpunkt stand. Zu Sara Levys Klavierlehrern gehörte möglicherweise Johann Philipp Kirnberger (1721–1783), mit großer Wahrscheinlichkeit Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784). Ab 1779 ist Sara Levy als Subskribentin vornehmlich anspruchsvoller Klaviermusik von Vertretern der Bach-Familie nachgewiesen. Im Laufe ihres Lebens legte sie eine der zu ihrer Zeit umfangreichsten Sammlungen von Musikhandschriften und -drucken an. Vermutlich nach ihrer Heirat 1783 begann sie selbst musikalische Geselligkeiten zu organisieren, für die sie sehr wahrscheinlich auch Werke in Auftrag gab. Sie gehörte zu den ersten Mitgliedern der 1791 von Carl Friedrich Fasch (1736–1800) gegründeten und nach dessen Tod von Carl Friedrich Zelter (1758–1832) übernommenen Berliner Singakademie und wirkte in der dazugehörigen Ripienschule als Cembalistin mit. In den 1890er Jahren trat Sara Levy mehrfach als Solistin im so genannten „Fliessischen Konzert“ – organisiert von ihrer Schwester Hannah, verh. Fliess (1748–1801) – sowie in Konzerten der Singakademie auf. Noch zu Lebzeiten stellte Sara Levy der Singakademie große Teile ihrer Musikaliensammlung zur Verfügung. Die übrigen Bestände ihrer heute weltweit verstreuten Sammlung gingen durch testamentarische Verfügung an Justus Amadeus Lecerf, August Wilhelm Bach und den Zelter-Nachfolger Carl Friedrich Rungenhagen. Sara Levys langes Leben umfasste die Zeitspanne von der zweiten Hälfte der Regierungszeit Friedrichs des Großen bis nach der Revolution von 1848. Sie überlebte ihren Großneffen Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) und seine Schwester Fanny Hensel (1805–1847). Bis zu ihrem Lebensende pflegte Sara Levy Geselligkeiten. Sie starb 1854 im Alter von 92 Jahren in Berlin.

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    Sara Levy wurde am 19. Juni 1761 als zehntes von sechzehn Kindern und sechste von zehn Töchtern, Daniel Itzigs (1723–1799) und seiner Frau Miriam, geb. Wulff (1727–1788) geboren. Ihr Vater war der Finanzentrepreneur Friedrichs des Großen und bekleidete damit das höchste für einen Juden zu erreichende Amt im preußischen Staat. 1797, zwei Jahre vor seinem Tod, erhielt Daniel Itzig sogar die vollen Bürgerrechte, und zwar für sich selbst, seine Kinder und Kindeskinder. Damit galt diese innerhalb der jüdischen Gemeinde außergewöhnliche Stellung auch für seine Tochter Sara, die zur preußischen Staatsbürgerin wurde, ohne deshalb ihren jüdischen Glauben aufgeben zu müssen. Die Stellung des Finanzentrepreneurs ging einerseits mit einem sehr engen Kontakt zum Hof einher, zum anderen aber blieb Daniel Itzig eng mit der jüdischen Gemeinde verbunden. So gab es im Itzigschen Haus in der Burgstraße 6 – in unmittelbarer Nähe zum Berliner Stadtschloss – eine eigene Synagoge sowie eine für das Laubhüttenfest ausklappbare Deckenkonstruktion (Nicolai S. 852). Wie die Häuser der übrigen „Schutzjuden“, unter denen es eine herausragende Stellung einnahm, wurde das Haus Daniel Itzigs im 18. Jahrhundert ein Ort der Haskalah, der jüdischen Aufklärung. Wie ihr christliches Pendant suchte diese nach einer Vereinbarkeit von Vernunft und Religion. Verbunden mit der Hoffnung auf ein gleichberechtigtes Nebeneinander der christlichen wie der jüdischen Religion, wurde die Haskalah zugleich zum Ausgangspunkt der jüdischen Akkulturation. Die Nähe des Elternhauses von Sara Levy zum Hof einerseits und die privilegierte Stellung innerhalb der jüdischen Gemeinde andererseits schlug sich in einer außerordentlichen Kulturförderung nieder, die den Gedanken der Toleranz transportierte. Sinnbildlich hierfür ist Friedrich Nicolais Beschreibung der umfangreiche Gemäldesammlung Daniel Itzigs, die jüdische wie christliche Motive umfasste (Nicolai, S. 839).

    Neben einer hervorragenden allgemeinen Bildung gehörte zum aufgeklärten Kulturverständnis im Hause Daniel Itzigs und Miriam Wulffs auch eine musikalische Bildung auf höchstem Niveau. So berichtet Johann Friedrich Reichardt, der in den frühen 1770er Jahren in das Itzigsche Haus kam: „Musik wurde im reinsten, edelsten Sinne getrieben, Sebastian und Emanuel Bach mit einem Verständniß vorgetragen, wie sonst nirgends. Der beste Clavierlehrer wurde, wie auch andere treffliche Lehrer mit einer jährlichen Pension belohnt, damit die schönen, zahlreichen Kinder der Familie ganz nach Trieb und Gefallen jeden Unterricht in allen guten und wünschenswerthen Gegenständen nehmen konnten.“ (zit. nach Schletterer, Johann Friedrich Reichardt, 1865, S. 99 f.). Auch Adolf Weissmann schreibt nachträglich von einem „förmlichen Sebastian und Emanuel Bach-Kultus“ im Hause Itzig (Weissmann, Berlin als Musikstadt, S. 36). Möglicherweise hatte Sara Levy ebenso wie ihre ältere Schwester Bella, die Großmutter Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdys, Unterricht bei Johann Philipp Kirnberger (vgl. Werner, Felix Mendelssohn Bartholdy in neuer Sicht, S. 26) , ein weiterer Lehrer war sehr wahrscheinlich Wilhelm Friedemann Bach. Es ist zwar nicht nachweisbar, durch die Nähe des Itzigschen Hauses zum preußischen Hof aber anzunehmen, dass Sara Levy sowohl in den Soireen als auch in der Sammlerinnen-Tätigkeit der Prinzessin Anna Amalie von Preußen ein Vorbild für ihre eigene Musikpflege sah. So war Sara Levys Musikaliensammlung – mit dem Unterschied, dass sie aus nahe liegenden Gründen kaum geistliche Vokalmusik enthielt – derjenigen der preußischen Prinzessin sehr ähnlich (vgl. Wollny, ‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’. 1999, S. 220). Schwerpunkte der heute in Bibliotheken der Welt verstreuten Sammlung Sara Levys bildete anspruchsvolle Instrumentalmusik Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne, sowie von Komponisten aus dem Umkreis der Berliner Hofkapelle, darunter Johann Gottlieb Graun (1703–1771) und Carl Heinrich Graun (1703/1704–1759), Johann Gottlieb Janitsch (1708–1763) sowie von weniger bekannten Berliner Komponisten und von Johann Adolph Hasse (1699?–1783). An Kammermusik besaß sie neben Werken der bereits genannten Komponisten auch Musik von Georg Friedrich Händel (1885–1759) und Giovanni Battista Pergolesi (1710–1736). Ab 1779 ist Sara Levy auf Subskriptions- bzw. Pränumerationslisten anspruchsvoller Klaviermusik zu finden (vgl. Wollny, „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’. 1999, S. 242). Dieses Verfahren, Musikdrucke gleichsam „vorzufinanzieren“, war insbesondere im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts sehr verbreitet und gehörte zu den Förderinstrumenten für zeitgenössische Komponisten (vgl. Hortschansky).

    Sara Levys musikalische Gesellschaften sind für das 19. Jahrhundert rückblickend aus der Erinnerungsliteratur überliefert. Über die frühen musikalischen Geselligkeiten in ihrem Haus gibt es keine Berichte, es ist jedoch anzunehmen, dass sie spätestens seit ihrer Heirat mit dem Bankier Samuel Salomon Levy am 2. Juni 1783, für die Wilhelm Friedemann sehr wahrscheinlich sein Hochzeitslied „Cantilena nuptiarum consolatoria“ („Herz, mein Herz, sey ruhig“) komponierte (Falck, Thematisches Verzeichnis, S. 30, Fk 97; vgl. Wollny, „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’. 1999, S. 230), eigene musikalische Gesellschaften pflegte. Vorbildfunktion hierfür hatten wahrscheinlich auch die musikalischen Gesellschaften ihrer älteren Schwester Hanna, verh. Fliess (1748–1801), für die Sara Levy auch als Pianistin nachgewiesen ist („Berlinische Musikalische Zeitung“, 1793, vgl. Wollny, „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’. 1999, S. 221). Während das „Fliessische Koncert“ jedoch Eintritt kostete, wurde man zu Sara Levy gebeten bzw. gehörte zu ihrem „Kreis“. Vermutlich gehörte die Wiener Pianistin und Komponistin Maria Theresia Paradis (1759–1824) zu den Gästen von Sara Levys frühen Geselligkeiten, als sie während ihrer großen Kunstreise von Hamburg aus nach Berlin reiste, um dort zu konzertieren – dass sie bei der Familie Itzig Aufnahme fand, geht aus ihrem Stammbuch hervor (vgl. Ullrich, Maria Theresia Paradis, S. 136). Zu den regelmäßigen Gästen ihrer Gesellschaften im 19. Jahrhundert zählten unter anderen Henriette Herz, die Schriftsteller E.T.A. Hoffmann und Ludwig Börne, Karl August Varnhagen und Rahel Varnhagen, Bettina von Arnim, Carl Friedrich Zelter, der Historiker Gustav Droysen, Paul Heyse, höchstwahrscheinlich Wilhelm Friedemann Bach, die Frau des Stadtrats Uhden, Sara Levys Nichte Lea Mendelssohn und später ihr Großneffe Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Schwester Fanny (vgl. hierzu Wilhelmy-Dollinger, Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert, S. 720–722, sowie dies., Musikalische Salons, S. 20–22, und Wollny, „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’. 1999, S. 218).

    Rückschlüsse auf die frühe Zeit ihrer Gesellschaften lassen ihre Musikaliensammlung sowie einige sehr wahrscheinlich in Auftrag gegebene Werke zu. So ist auf Grund des teilweise umfangreichen Stimmenmaterials in ihrem Besitz anzunehmen, dass sie bei ihren musikalischen Gesellschaften nicht nur Kammermusik, sondern auch Konzerte aufführte. Die große Anzahl an Werken für zwei Cembali in ihrer Sammlung, darunter auch Bearbeitungen der Orgeltriosonaten von Johann Sebastian Bach, lässt auf eine entsprechende musikalische Praxis schließen. Als zweite Solistin ist in diesen Fällen eine ihrer Schwestern zu vermuten. Bei Besuchen von Elise und Sophie Reimarus – der Tochter und Stieftochter des berühmten Hamburger Philosophen Hermann Samuel Reimarus – machte Sara Levy offenbar persönlich die Bekanntschaft von Carl Philipp Emanuel Bach, der seit 1768 Musikdirektor in Hamburg war. Aus einem Brief, den Johanna Marie Bach kurz nach dem Tod ihres Mannes an Sara Levy schrieb, geht hervor, dass diese bei Carl Philipp Emanuel Bach Werke in Auftrag gegeben hatte, die sie bei ihren Gesellschaften musizierte und musizieren ließ, darunter sehr wahrscheinlich die drei 1788, im Todesjahr des Komponisten, entstandenen Quartette für Flöte, Bratsche, Bass und Cembalo (Wq 93–95) und das Doppelkonzert für Cembalo und Hammerklavier (Wq 47).

    Sara Levy gehörte zu den ersten Mitgliedern der von Carl Friedrich Fasch (1736–1800) 1791 gegründeten und von dessen Schüler Carl Friedrich Zelter (1758–1832) weitergeführten Berliner Singakademie und wirkte als Cembalistin bei Aufführungen der Zelterschen Ripienschule mit. Nachgewiesen ist sie in den Jahren 1807 und 1808 als Solistin des Cembalokonzerts in d-Moll, BWV 1052, und des Brandenburgischen Konzerts Nr. 5, BWV 1050, von Johann Sebastian Bach (Schünemann, Bachpflege, S. 144). Die Leipziger „Allgemeine musikalische Zeitung“ berichtet weiterhin von einem Auftritt mit einem „Flügel-Concert von Ph. E. Bach, letzteres von Mad. Levy gespielt“ („Allgemeine musikalische Zeitung“, Jg. 13, 1811, H. 12, Sp. 204) beim Jubiläumskonzert des Patzigschen Instituts im Jahr 1811.

    Aus ihren Beständen stammte sehr wahrscheinlich die Abschrift der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, die Felix und Fanny Mendelssohn Bartholdy 1823 zu Weihnachten geschenkt bekamen und deren Aufführung unter der Leitung des 20jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy die Bach-Renaissance des 19. Jahrhunderts einleitete. Schon zu Lebzeiten stiftete Sara Levy einen großen Teil ihrer Musikaliensammlung der Berliner Singakademie und wirkte auch auf diese Weise repertoirebildend.

    Sara Levy wohnte an der Berliner Adresse „Hinter dem Packhof 3“, auf der heutigen Museumsinsel. Ihre Ehe blieb kinderlos, sie erzog jedoch drei verwaiste Neffen. Ihren Mann überlebte sie um viele Jahre. Noch zu ihren Lebzeiten wollte Friedrich Wilhelm IV. auf ihrem Grund das neue Museum errichten lassen und beanspruchte dazu auch einen Flügel ihres Hauses. Sie bestand jedoch auf ihrem Besitz und gab nur einen Teil ihres Gartens her. Bis kurz vor ihrem Tod lud Sara Levy Gäste zum Tee und zum Diner ein. Erst nach 1854, als sie im Alter von fast 93 Jahren starb, wichen ihr Haus und ihr Garten ganz den Berliner Museumsbauten.

    Würdigung

    Sara Levy war nicht nur eine hervorragende Cembalistin, die mit anspruchsvollen Werken von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen in privat organisierten Konzerten auftrat. Sie legte auch eine der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen von Musikhandschriften und -drucken des 18. und frühen 19. Jahrhunderts an und beschäftigte hierfür mehrere Kopisten. Den Schwerpunkt ihrer heute in die Bibliotheken der Welt verstreuten Sammlung bildete anspruchsvolle Instrumentalmusik Johann Sebastian Bachs und seiner Söhne sowie Johann Adolph Hasses (1699?–1783) und auch Musik Berliner Komponisten. So besaß sie zahlreiche Sinfonien Carl Philipp Emanuel Bachs und weiterer Komponisten aus dem Umkreis der Berliner Hofkapelle, darunter Johann Gottlieb Graun (1703-1771), Johann Gottlieb Janitsch (1708–1763), Klavierkonzerte von Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel Bach, Violin-, Viola- und Viola da Gamba-Konzerte von Johann Gottlieb Graun und Flötenkonzerte von Johann Joachim Quantz (1697–1773), des Flötenlehrers Friedrich des Großen. Ihre Kammermusiksammlung umfasste neben Werken der bereits genannten Komponisten auch Musik von Georg Friedrich Händel (1685–1759) und Giovanni Battista Pergolesi (1710–1736). Sie besaß kostbare Autographe der selten gespielten Werke Wilhelm Friedemann Bachs und es gelang ihr, die Instrumentalmusik Carl Philipp Emanuel Bachs fast vollständig zusammenzutragen. Als Subskribentin anspruchsvoller Klavier- und Kammermusik förderte sie zeitgenössische Komponisten wie Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach. Sie beschränkte ihre Musikpflege jedoch nicht nur auf das Bewahren und Sammeln vorhandener Musik, sondern sie griff auch aktiv ins Musikgeschehen ein, indem sie Werke in Auftrag gab. So gehören die drei Quartette für Flöte, Bratsche, Bass und Cembalo (Wq 93–95), die Carl Philipp Emanuel Bach in seinem Todesjahr 1788 komponierte und die Sara Levy mit großer Wahrscheinlichkeit bei ihm bestellt hatte, um sie bei ihren Gesellschaften zu musizieren und zu diskutieren, zu den hintergründigsten und subtilsten Kammermusikwerken des Komponisten (vgl. hierzu Krummacher, Kontinuität und Experiment). Dasselbe gilt für sein Doppelkonzert für Cembalo und Hammerklavier in Es-Dur (Wq 47). Auch dieses war vermutlich ein Auftragswerk und von Carl Philipp Emanuel Bach gewissermaßen an die Autraggeberin adressiert. Es knüpft an das ebenfalls in Sara Levys Sammlung befindliche Konzert Wilhelm Friedemann Bachs für zwei Cembali in derselben Tonart an und stellt sowohl in seiner „neuartigen“ Besetzung als auch in seiner Machart eine Verbindung zwischen dem „Alten“ und dem „Neuen“ her, die für die Auftraggeberin charakteristisch war. Auch Joseph Haydn gehörte zu den Komponisten, bei denen Sara Levy Werke in Auftrag gab.

    Mit ihren musikalischen Geselligkeiten wirkte sie prägend auf den Berliner Musikgeschmack ihrer Zeit. Als Bewahrerin der „alten Musik“, die zeitgenössische musikalische Entwicklungen an den höchsten Ansprüchen des 18. Jahrhunderts maß, wurde Sara Levy zu einer Schlüsselfigur der Bach-Renaissance des 19. Jahrhunderts (vgl. Wollny, „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’, 1999).

    Rezeption

    Die Musikpflege, für die das Elternhaus Sara Levys prägend war, setzte sich in Gestalt musikalischer Geselligkeit in der nächsten Generation fort. Ihre drei Jahre ältere Schwester Fanny, die 1776 Nathan Arnstein, den Sohn des Wiener Finanzentrepreneurs, heiratete, wurde berühmt für die glänzenden Geselligkeiten, die sie um die Jahrhundertwende in Wien zu organisieren begann und die zum Ausgangspunkt für die Gründung der Wiener Gesellschaft der Musikfreunde wurden. Fanny von Arnstein besuchte ihre Berliner Verwandten oft und unter ihren Musikalien sind Exemplare nachgewiesen, die aus den Beständen ihrer Schwester Sara Levy stammen. Zu nennen sind weiterhin die Geselligkeiten von Sara Levys Nichte Lea Mendelssohn ab 1821 und die Sonntagsmusiken ihrer Großnichte Fanny Hensel in der Leipziger Straße 3 ab 1831. Obwohl alle diese Geselligkeiten jeweils ganz unterschiedliche Ziele verfolgten und verschiedene Akzente setzten, standen sie in der Tradition „privat-öffentlicher“ Musikpflege im Hause Daniel Itzigs und seiner Frau Miriam Wulff, die von Sara Levy am nachhaltigsten fortgesetzt und ausgeprägt wurde. Nicht zuletzt auf Grund der schwierigen Quellenlage geriet das Musikleben in den privaten Häusern, über das nur in Ausnahmefällen Rezensionen geschrieben wurden, mit der Ausbreitung des öffentlichen Musikwesens im Verlauf des 19. Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit. Sara Levys Einfluss auf das Repertoire der Berliner Singakademie ist – möglicherweise auf Grund der dort herrschenden antisemitischen Tendenzen – lange Zeit unerwähnt geblieben. Auch der wohl wenig ausgeprägte Ordnungssinn Carl Friedrich Zelters hat dazu geführt, dass ursprünglich zur Sammlung Sara Levys gehörige Musikalienbestände nicht mehr als solche erkennbar waren. Ein Hinweis auf die außergewöhnliche Musikaliensammlung Sara Levys findet sich erst 1931 bei Ernst Fritz Schmid (Schmid, Carl Philipp Emanuel Bach, 1931). Nach 1945 kam als Schwierigkeit hinzu, dass das während des Krieges ausgelagerte Archiv der Berliner Singakademie jahrzehntelang als verschollen galt, bis es im Jahr 2001 in der Ukraine wieder auftauchte und der Berliner Staatsbibliothek übergeben wurde. Erst 1986 wurde Sara Levys große Bedeutung für die Berliner Bachpflege sowie ihr Einfluss auf die Repertoirebildung durch Peter Wollnys Rekonstruktion ihrer heute in die Bibliotheken der Welt verstreuten Musikaliensammlung bekannt (Wollny, Sara Levy and the Making of Musical Taste, 1993). 2002 organisierten das Leipziger Bach-Archiv und die Internationale Mendelssohn-Stiftung e. V. eine Ausstellung über Sara Levy und ihre Tätigkeit als Musikaliensammlerin.

    Repertoire

    Sara Levys umfangreiches und anspruchsvolles Repertoire als Cembalistin ist an ihrer Musikaliensammlung abzulesen, zu der Klavierkonzerte Carl Philipp Emanuel Bachs, Wilhelm Friedemann Bachs sowie der Berliner Komponisten Christoph Schaffrath (1709–1763), August Kohne und Carl Gottlieb Richter gehörten. Aus der großen Anzahl von Werken in entsprechender Besetzung in ihrer Sammlung ist zu schließen, dass Sara Levy – wahrscheinlich gemeinsam mit einer ihrer Schwestern – mit Vorliebe Musik für zwei Cembali spielte. Hierzu gehören das Konzert für zwei Cembali von Wilhelm Friedemann Bach in Es-Dur (Fk 46) ebenso wie Arrangements der sechs Orgeltriosonaten (BWV 525–530) von Johann Sebastian Bach für zwei Cembali. Nachgewiesen ist Sara Levy als Solistin des Cembalokonzerts in d-Moll, BWV 1052, und des Brandenburgischen Konzerts Nr. 5, BWV 1050, in Konzerten der Singakademie. Auch an Aufführungen zahlreicher Kammermusikwerke ihrer Sammlung, wie den vermutlich eigens für sie komponierten Quartetten für Flöte, Bratsche, Bass und Cembalo von Carl Philipp Emanuel Bach (Wq 93–95), dürfte sie beteiligt gewesen sein. Dasselbe gilt für dessen ebenfalls von ihr in Auftrag gegebenes Konzert für Cembalo und Hammerklavier (Wq 47).

    Quellen

    a) Quellen, in denen die Kultur- und Musikpflege im Hause Daniel und Miriam Itzigs erwähnt wird:


    Gumbinner. S. Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Berlins im 18. Jahrhundert 2. Teil. In: Vossische Zeitung, 9. Juli 1876 (Nr. 158, Sonntags-Beilage Nr. 28)


    Nicolai, Friedrich. Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten und der umliegenden Gegend, Berlin: Nicolai, 3. Auflage, 1786 [Neudruck, Berlin: Haude & Spencer, 1968]


    Reichardt, Johann Friedrich. „Autobiographische Notiz“. In: Schletterer, Hans Martin, Johann Friedrich Reichardt. Sein Leben und seine musikalische Thätigkeit, Augsburg: Schlosser, 1865, S. 99–100


    Weissmann, Adolf. Berlin als Musikstadt, Berlin/Leipzig: Schuster & Löffler, 1911



    b) Quellen, in denen Sara Levy und ihre musikalischen Gesellschaften erwähnt werden. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich dabei um Erinnerungsliteratur des späteren 19. Jahrhunderts.


    Allgemeine musikalische Zeitung, Jg. 13, 1811. H. 12, Sp. 204 [Bericht über den Auftritt Sara Levys im Patzigschen Konzert mit einem Klavierkonzert von Carl Philipp Emanuel Bach]


    Bach, Johanna Maria. Nach dem Tode Carl Philipp Emanuel Bachs geschriebener Brief an Sara Levy. In: Bach, Carl Philipp Emanuel. Briefe und Dokumente. Kritische Gesamtausgabe, hg. von Ernst Suchalla. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1994, S. 1309–1316


    Bardua, Wilhlemine. Die Schwestern Bardua, Bilder aus dem Gesellschafts-, Kunst- und Geistesleben der Biedermeierzeit. Aus Wilhelmine Barduas Aufzeichnungen gestaltet von Johannes Werner, 3. Auflage, Leipzig: Köhler und Amelung, [1929]


    Berlinische Musikalische Zeitung, Fünftes Stück vom 9. März 1793, S. 18 [Erwähnung Sara Levys als Cembalistin im „Fliessischen Konzert“]


    Davidson, Wolff. Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden. Berlin: Felisch, 1798, [Nennung Sara Levys und ihrer Schwester Zippora Wulff auf S. 109]


    Erman, Wilhelm (Hg.). Paul Erman. Ein Berliner Gelehrtenleben 1764–1851, Berlin: Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, 1927


    Heyse, Paul. Jugenderinnerungen und Bekenntnisse. Bd. 1: Aus meinem Leben. 3. Auflage, Berlin: Hertz, 1900, S. 37 f.


    Hürlimann. Martin (Hg). Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Autobiographische, musikalische und vermischte Schriften. Zürich: Atlantis, 1946


    Klein, Hans-Günter, und Elvers, Rudolf (Hg.). Fanny Hensel, Tagebücher, Wiesbaden, Leipzig, Paris: Breitkopf & Härtel, 2002


    Schwarz, Walter. Jugendleben der Malerin Caroline Bardua. Nach einem Manuscript ihrer Schwester hg. von Walter Schwarz [=Wanda von Dallwitz, geb. von Graefe], Breslau: Hoffmann, 1874


    Lazarus, Nahida Ruth (Remy, Nahida). Das jüdische Weib, 1. Auflage 1891, 3. Auflage, Berlin: Cronbach, 1896, S. 250–256


    Lewald, Fanny. Meine Lebensgeschichte. Bd. 3: Befreiung und Wanderleben, hg. von Ulrike Helmer. Frankfurt/Main: Ulrike Helmer Verlag, 1989


    Morgenstern, Lina. Die Frauen des 19. Jahrhunderts. Biographische und culturhistorische Zeit- und Charaktergemälde. Bd. 1, Berlin: Verlag der deutschen Hausfrauenzeitung, 1888, S. 100–102

    Varnhagen von Ense, Karl August. Ludwig Achim von Arnim und Moritz Itzig. Biographien, Aufsätze, Skizzen Fragmente. In: Feilchenfeldt, Konrad und Wiedenmann, Ursula (Hg.). Karl August Varnhagen von Ense. Werke in fünf Bänden. Bd. 4, Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker-Verlag, 1990, S. 674–680


    Rellstab, Ludwig. Aus meinem Leben. Bd. 1, Berlin: Guttentag, 1861


    Schottländer, Carl Friedrich (Hg.). Carl Friedrich Zelters Darstellungen seines Lebens. Zum ersten Male vollständig nach den Handschriften hg. von Johann-Wolfgang Schottländer. Weimar: Verlag der Goethe Gesellschaft, 1931


    Sekundärliteratur


    Bach-Archiv Leipzig, Internationale Mendelsohn-Stiftung (Hg.). „‚Bach-Kultus’ in Berlin um 1800. Sara Levy und ihr musikalisch-literarischer Salon“. In: Katalog zur Ausstellung im Gartenhaus des Mendelssohn-Hauses Leipzig vom 30. Oktober bis 15. Dezember 2002


    Falck, Martin. Wilhelm Friedemann Bach. Sein Leben und seine Werke (=Leipziger Studien zur Musikgeschichte 1), Leipzig: Kahnt, 1913 [Reprint Hildesheim: Olms, 1977]


    Geiringer, Karl. Die Musiker-Familie Bach. Leben und Wirken in drei Jahrhunderten. München: Beck, 1958


    Henzel, Christoph. „Die Musikalien der Sing-Akademie zu Berlin und die Berliner Graun-Überlieferung.“ In: Jahrbuch des staatlichen Instituts für Musikforschung preussischer Kulturbesitz 2002, Mainz [u.a.] Schott, 2004, S. 60–106


    Hortschansky, Klaus. „Pränumeranten- und Subskriprionslisten in Notendrucken deutscher Musiker des 18. Jahrhunderts“. In: Acta musicologica Jg. 1968, H. 40, S. 154–174


    Klein, Hans-Günter. Werke Carl Philipp Emanuel Bachs in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin: Neuerwerbungen von Handschriften nach 1945. In: Marx, Hans-Joachim (Hg.). Carl Philipp Emanuel Bach und die europäische Musikkultur des mittleren 18. Jahrhunderts. Bericht über das internationale Symposion der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften, Hamburg, 29. September – 2. Oktober 1988 (= Veröffentlichungen der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg 62). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1990, S. 465–466


    Krummacher, Friedhelm. Kontinuität und Experiment: Die späten Quartette von Carl Philipp Emanuel Bach. In: Carl Philipp Emanuel Bach und die europäische Musikkultur des mittleren 18. Jahrhunderts. Bericht über das internationale Symposion der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften, Hamburg, 29. September – 2. Okotober 1988 (= Veröffentlichungen der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg 62). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1990, S. 245–267


    Schmid, Ernst Fritz. Carl Philipp Emanuel Bach und seine Kammermusik. Kassel: Bärenreiter, 1931, [S. 42–44]


    Schünemann, Georg. „Die Bachpflege der Berliner Singakademie.“ In: Bach-Jahrbuch, Jg. 1928, Nr. 28, S. 138–171


    Spiel, Hilde. Fanny von Arnstein oder Die Emanzipation. Ein Frauenleben an der Zeitenwende 1758–1818. Frankfurt/Main: Fischer, 1962


    Uldall, Hans. Das Klavierkonzert der Berliner Schule mit kurzem Überblick über seine allgemeine Entwicklungsgeschichte und spätere Entwicklung (= Sammlung musikwissenschaftlicher Einzeldarstellungen, Bd. 10), Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1928, [S. 112]


    Ullrich, Hermann. „Maria Theresia Paradis’ große Kunstreise (1783-1786): Die Heimkehr. Berlin und die Berliner“. In: Beiträge zur Musikwissenschaft, Jg. 1964 (6), H. 2, S. 129-142


    Werner, Eric. Mendelssohn, Leben und Werk in neuer Sicht, Zürich, Freiburg: Atlantis, 1980 (englische Originalausgabe: Mendelssohn, A new Image of the Composer and His Age Life and Works, [New York]: Free Press of Glencoe u. a., 1963)


    Wilhelmy-Dollinger, Petra. „Musikalische Salons in Berlin 1815–1840“. In: Klein, Hans-Günter (Hg.). Die Musikveranstaltungen bei den Mendelssohns – Ein musikalischer Salon? Die Referate des Symposions am 2. September 2006 in Leipzig. Klein, Hans-Günter (Hg.). (= Leipzig – Musik und Stadt – Studien und Dokumente, Bd. 2), Leipzig 2006, S. 17–34


    Wilhelmy-Dollinger, Petra. Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert (1780–1914), Berlin: de Gruyter, 1989


    Wilhelmy-Dollinger, Petra. „Emanzipation durch Geselligkeit: Die Salons jüdischer Frauen in Berlin zwischen 1780 und 1830“. In. Awerbuch, Marianne und Jersch-Wenzel, Stefi (Hg.). Bild und Selbstbild der Juden Berlins zwischen Aufklärung und Romantik. Berlin: Colloquium, 1992, S. 121-138


    Wolff, Christoph. Carl Philipp Emanuel Bach und Wien. Zum Kontext der Orchestersinfonien mit zwölf obligaten Stimmen. In: Carl Philipp Emanuel Bach und die europäische Musikkultur des mittleren 18. Jahrhunderts. Bericht über das internationale Symposion der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften, Hamburg, 29. September – 2. Okotober 1988 (= Veröffentlichungen der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg, Bd. 62). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1990, S. 119–131


    Wollny, Peter. Artikel Sara Levy. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Allgemeine Enzyklopedie der Musik begründet von Friedrich Blume, zweite neubearbeitete Ausgabe, hg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 11, Kassel [u.a.]: Bärenreiter, und Stuttgart, Weimar: Metzler, 2004, Sp. 44-45


    Wollny, Peter. Artikel Sara Levy. In: New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2. Auflage, hg. von Stanley Sadie und John Tyrell, London: Macmillan Publishers Ltd., 2001, Bd. 14, S. 615


    Wollny, Peter. „Sara Levy and the Making of Musical Taste in Berlin“, In: The Musical Quarterly, Jg. 77, 1993, S. 651–688


    Wollny, Peter. „‚Wie ein Denkmal aus alter Zeit’: Sara Levy und ihr musikalischer Salon“. In: Bach-Tage Berlin 1994 (Programmbuch), S. 9-13


    Wollny, Peter. „‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’. Sara Levy, geb. Itzig und ihr literarisch-musikalischer Salon“. In: Anselm Gerhard (Hg.). Musik und Ästhetik im Berlin Moses Mendelssohns, Tübingen; Max Niemeyer, 1999 (= Wolfenbütteler Studien zur Aufklärung, Bd. 25, hg. v. der Lessing-Akademie), S. 217–255



    Links


    http://amacad.org/publications/bulletin/spring2005/wolff.pdf


    http://www.sophie-drinker-institut.de/

    (Das Lexikon der Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts enthält einen Artikel von Hanna Bergmann über Sara Levy.)

    Forschung

    Die Sammlung Sara Levys befindet sich heute über die Welt verstreut in verschiedenen Bibliotheken. An ihrem Namenszug bzw. für die in die Bestände der Singakademie gekommenen Musikalien auch an einem Stempel (der allerdings nicht immer vergeben wurde) ist die Zugehörigkeit zu ihrer Sammlung erkennbar. Übersichten über die verschiedenen Bibliotheken und über die Bestände der Sammlung finden sich in Wollny, Sara Levy and the Making of Musical Taste, 1993 und in Wollny ‚Ein förmlicher Sebastian und Philipp Emanuel Bach-Kultus’, 1999 sowie (für die ins Archiv der Singakademie gekommenen Teile der Sammlung) bei Henzel, Die Musikalien der Sing-Akademie, 2002.

    Forschungsbedarf

    Zu den Forschungsdesideraten gehört Sara Levys Kontakt zum Salon Anna Amalias von Preußen und die Frage, inwieweit dieser sowie die Musikpflege der preußischen Prinzessin für sie tatsächlich Vorbildfunktion hatten. Die frühe Zeit ihrer musikalischen Geselligkeit lässt sich bisher nur anhand ihrer Sammeltätigkeit und ihrer Aufträge an Komponisten erschließen, die späte Zeit ist weitgehend aus der Erinnerungsliteratur des späteren 19. Jahrhunderts überliefert – weitere Quellenfunde bzw. eine Auswertung bereits zugänglicher Quellen beispielsweise aus dem Umkreis der Familie Mendelssohn wären hierfür wünschenswert.

    Interessant wäre eine Analyse der von Sara Levy insbesondere bei Carl Philipp Emanuel Bach in Auftrag gegebenen Werke unter dem Aspekt der Adressiertheit.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 98005420
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 124505937
    Library of Congress (LCCN): nb2011001449
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Cornelia Bartsch, Januar 2009

    Übersetzung: David Babcock


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 22.02.2009
    Zuletzt bearbeitet am 29.06.2014


    Empfohlene Zitierweise

    Cornelia Bartsch, Artikel „Sara Levy“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 29.6.2014
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Sara_Levy