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  • Rosy Wertheim

    von Mathias Lehmann
    Namen:
    Rosy Wertheim
    Lebensdaten:
    geb. in Amsterdam, Niederlande
    gest. in Laren, Niederlande
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Musiklehrerin, Pianistin, Chorleiterin
    Charakterisierender Satz:

    „Tijdens de oorlog zijn er composities van mij hier in het land uitgevoerd, di ik natuurlijk niet kon bijwonen; ook in Amerika wird ik gespeeld. De Duitsers hebben mijn bezitting en al mijn boeken gerooft – maar nu zijn zij weg en ik tracht van mijn leven terecht te brengen war er nog van te maken is.“


    „Während des Krieges fanden in diesem Land noch Aufführungen meiner Kompositionen statt, bei denen ich natürlich nicht anwesend sein konnte, auch in Amerika wurde ich gespielt. Die Deutschen haben meinen ganzen Besitz und alle meine Bücher geraubt – aber nun sind sie weg und ich versuche von meinem Leben in Ordnung zu bringen, was davon noch übrig geblieben ist.“

    (Rosy Wertheim 1948 in einem Interview mit Kate de Ridder in „De vrouw en haar huis“, 1948, S. 254. Mathias Lehmann/Sophie Fetthauer)


    Profil

    Als Deutschland im Mai 1940 die Niederlande besetzte, war die Komponistin Rosy Wertheim 52 Jahre alt. Sie hatte viele Jahre in Paris, Wien und New York gelebt und gearbeitet. Ihr Werkverzeichnis umfasste zu diesem Zeitpunkt bereits annähernd 100 Kompositionen, die nicht nur aufgeführt, sondern zum Teil auch verlegt wurden. Ihre Familie gehörte seit Generationen zu den wohlhabendsten und angesehensten Familien Amsterdams. Nie war Rosy Wertheim bis zu diesem Zeitpunkt in Bezug auf ihre jüdische Herkunft, die für sie und ihre Familie ohnehin eine sehr untergeordnete Rolle spielte, diskriminiert worden.

    Obwohl sie, um der Deportation in die Vernichtungslager der Nazis zu entgehen, 1943 untertauchte und bis zur Befreiung durch die Alliierten im Versteck leben musste, war ihr die unmittelbare Gefahr, der sie sich in diesen Jahren auch aufgrund einer gewissen Sorglosigkeit immer wieder aussetzte, wohl nie wirklich bewusst. Allein die Vorstellung, jemand könne einzig aufgrund seiner Abstammung nicht nur diffamiert, sondern verfolgt, deportiert und umgebracht werden, schien für Rosy Wertheim undenkbar. - Sie war eine der wenigen aus ihrer Familie, die die Verfolgung durch die Nazis überlebten.

    Orte und Länder

    Rosy Wertheim arbeitete zunächst als Musiklehrerin in Amsterdam. Sie lebte mehrere Jahre in Paris, wo sie Schülerin von Louis Aubert u.a. war und als Komponistin und als Korrespondentin wirkte. Nach Aufenthalten in Wien und in den USA ging sie 1937 zurück nach Amsterdam. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande musste sie untertauchen. Sie überlebte die deutsche Besatzung im Versteck in Laren, wo sie 1949 starb.

    Biografie

    Rosy Wertheim, geboren am 19. Februar 1888 in Amsterdam, wuchs in einer wohlhabenden und gesellschaftlich angesehenen Familie assimilierter Juden auf und erhielt früh Klavier- später auch Kompositionsunterricht. Sie studierte an der Königlich Niederländischen Tonkünstlervereinigung (Koninklijke Nederlandse Toonkunstenaars Vereniging) in Amsterdam zunächst Klavier und schloss daran - als eine der ersten Frauen in den Niederlanden überhaupt - ein Kompositionsstudium bei Bernard Zweers (1854-1924) und Sem Dresden (1881-1957) an. Durch ihre Familie finanziell abgesichert, konnte sie 1929 ihre nach dem Studium aufgenommene Arbeit als Musiklehrerin aufgeben, um sich ausschließlich dem Komponieren zu widmen. Zwischen 1929 und 1935 lebte sie in Paris, wo sie u.a. Unterricht bei Louis Aubert nahm und Kontakte und Freundschaften zu zahlreichen Komponisten und Musikern in Paris schloss. Anschließend führten sie Studien und Konzertätigkeit nach Wien und in die USA. 1937 kehrte sie wieder nach Amsterdam zurück.

    Als die Niederlande 1940 von Deutschland besetzt wurde, hatte Rosy Werthein an die 100 Werke komponiert, von denen viele mit großem Erfolg aufgeführt wurden und einige sogar in gedruckter Form vorlagen. Trotz der drohenden Verfolgung und Deportation durch die deutschen Besatzer entschloss sie sich erst sehr spät (1943) unterzutauchen. Als eine der wenigen ihrer Familie überlebte sie im Versteck in Laren die Verfolgung durch die Nazis. Ihrer kompositorischen Laufbahn wurde aber ein jähes Ende bereitet. Im Versteck war sie zu Untätigkeit verurteilt. Bald nach dem Krieg erkrankte sie an Krebs und starb am 27. Mai 1949 in Laren. Nach ihrem Tod gerieten ihre Werke lange Zeit in Vergessenheit. Erst in den letzten zehn Jahren ist – vor allem in den Niederlanden – wieder eine gewisse Rezeption ihrer Werke zu beobachten.

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    Rosy (eigentlich Rosalie Marie) Wertheim wurde am 19. Februar 1888 in Amsterdam geboren. Sie war das erste von vier Kindern von Johann Gustaaf Wertheim und Adriana Roza Wertheim (geb. Enthoven). Ihr Vater leitete ein Geld- und Wertpapiergeschäft, das er bereits von seinem Vater übernommen hatte. Die Familie gehörte zum Großbürgertum Amsterdams, und Rosy Wertheim wuchs in sehr wohlhabenden und behüteten Verhältnissen auf. Kunst- und Musikunterricht gehörten zu den für eine „höhere Tochter“ üblichen Beschäftigungen und wurden auch der jungen Rosy Wertheim zuteil (vgl. Bosland 1988, S. 14).

    Seit jeher war die Familie Wertheim im sozialen Bereich aktiv und stand mit ihrem Engagement in der bei den Amsterdamer Juden seit dem 19. Jahrhundert sehr stark ausgeprägten Tradition der jüdischen „Zedaka“, der religiös motivierten Wohltätigkeit mit dem Ziel eines engeren Zusammenhalts der jüdischen Gemeinde. Rosy Wertheim kümmerte sich seit ihrer Jugend in besonderem Maße um die Kinder aus den Armenvierteln Amsterdams, bezog ihr Engagement dabei aber nie allein auf jüdische Kinder. Obwohl sie nach dem Abschluss der Mädchenoberschule gerne eine Schule für Sozialarbeit besucht hätte, wurde ihr dies von ihrer Familie untersagt - nicht zuletzt aus dem Grund, „weil […] man dort solch elende Sachen zu hören kriegte!“, wie Rosy Wertheim später berichtete (vgl. De Ridder 1948, S. 253). Statt dessen wurde sie auf ein Internat in Neuilly in der Schweiz geschickt.

    Dort entstand der Wunsch, Musikerin zu werden. Nach Beendigung ihrer Internatszeit setzte sie diesen Wunsch in die Tat um: Sie studierte an der Königlich Niederländischen Tonkünstlervereinigung (Koninklijke Nederlandse Toonkunstenaars Vereniging) in Amsterdam Klavier bei Ulfert Schulz und machte dort 1912 ihr Diplom. Dass Rosy Wertheim danach ihre Ausbildung mit einem Kompositionsstudium bei Bernard Zweers (1854-1924) fortsetzte, ist bemerkenswert. In den konservativ eingestellten Niederlanden war es für eine Frau noch sehr unüblich, sich in dieser „Männerdomäne“ zu bewegen. Rosy Wertheim gehörte zu der ersten Generation niederländischer Komponistinnen überhaupt. Dennoch nahm Bernard Zweers sie bereitwillig als Schülerin auf, und es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass sie sich als Frau während ihres Kompositionsstudiums diskriminiert fühlte. Nach einigen Studienjahren wechselte Rosy Wertheim zu Sem Dresden (1881-1957), bei dem sie ihr Studium abschloss.

    Nach dem Ende ihres Kompositionsstudiums Anfang der zwanziger Jahre nahm sie eine Arbeit als Lehrerin am Amsterdamer Muzieklyceum auf. Sie gab Unterricht in elementarer Musiklehre und im Klavierspiel. Daneben leitete sie mehrere Chöre, so etwa den Chor des Religiösen sozialistischen Verbandes (Religieus Socialistisch Verbond – R.S.V.) oder auch einen Chor, der aus sogenannten Inselkindern (Kindern, die aus den ärmsten Wohnvierteln Amsterdams stammten) bestand. Sie unterstützte zu dieser Zeit auch mehrere Familien finanziell und gab Kindern mittelloser Eltern kostenlos Klavierunterricht.

    Acht Jahre arbeitete Rosy Wertheim am Musiklyceum als Lehrerin. Aufgrund ihrer Arbeit und ihres sozialen Engagements kam zu ihrem großen Bedauern ihre Kompositionstätigkeit in dieser Zeit viel zu kurz. Während sie allein zwischen 1914 und 1919 noch an die dreißig Kompositionen vollendet hatte, waren es zwischen 1920 und 1928 nur noch sieben. Um sich als Komponistin weiterzuentwickeln, entschloss sie sich 1929, ihre Lehrtätigkeit aufzugeben und die im Bereich der modernen Musik immer noch rückständigen Niederlande für ein halbes Jahr zu verlassen, um sich ausschließlich auf das Komponieren zu konzentrieren (vgl. De Ridder 1948, S. 253). Finanziell unterstützt wurde sie in diesem Vorhaben von ihrer Familie, so dass sie sich trotz der Aufgabe ihrer Arbeit als Lehrerin um ihren Lebensunterhalt keine Sorgen machen musste. Wohl vor allem aufgrund ihrer Vorliebe für den französischen Impressionismus wählte sie Paris als Auslandsaufenthalt. Statt sechs Monate blieb sie sechs Jahre. Sie nahm Unterricht bei dem Komponisten Louis Aubert (1877-1968), einem Schüler Gabriel Faurés. Am bestimmendsten für diese Zeit waren aber die vielen persönlichen Kontakte zu zahlreichen bedeutenden Musikern und Komponisten. Ihr Haus in Paris war ein sehr angesehener Treffpunkt. Vor allem niederländische Künstler, aber auch so bekannte französische Komponisten wie Jacques Ibert, André Jolivet, Olivier Messiaen und Darius Milhaud zählten oft zu ihren Gästen. Eine enge Freundin wurde ihr die französische Komponistin Elsa Barraine (1910-1999), mit der sie auch noch lange nach den Pariser Jahren einen intensiven Briefwechsel aufrecht erhielt.

    1935 verließ Rosy Wertheim Paris, um in Wien bei Karl Weigl (1881-1949) Kontrapunkt zu studieren. Auch wollte sie die deutsche und österreichische Musik von Bach, Mozart, Mahler, aber auch der Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg genauer kennen lernen. Den Höhepunkt ihrer internationalen Anerkennung als Komponistin erfuhr Rosy Wertheim wohl in den Vereinigten Staaten, die sie 1936 für ein Jahr besuchte. Sie wurde in das Programm des Composers’ Forum Laboratory aufgenommen, eine Organisation, die sich um die Förderung junger Komponistinnen und Komponisten sowie um die Verbreitung ihrer Werke bemühte. So wurden Kompositionen von Rosy Wertheim in New York, aber auch in Philadelphia und Washington aufgeführt. Es fanden zahlreiche Gesprächskonzerte statt, in denen sie ihre Werke vorstellte.

    1937 kehrte Rosy Wertheim wieder nach Amsterdam zurück. Sie engagierte sich in der neugegründeten Vereinigung für Zeitgenössische Musik (Vereeniging van Hedensdaagse Muziek) und veranstaltete selbst zahlreiche Hauskonzerte mit zeitgenössischer Musik. Zwischen dem holländischen Komponisten Daniel Ruyneman (1886-1963), dem Präsidenten der Vereeniging van Hedensdaagse Muziek, und Rosy Wertheim bestanden enge Kontakte, weshalb bis in die 1940er Jahre hinein Konzerte dieser Vereinigung in ihrem Haus stattfanden. Öffentlichen Erfolg hatte u.a. ihr 1940 in Utrecht mit dem Pianisten Wolfgang Wijdeveld unter der Leitung von Willem van Otterloo uraufgeführtes Klavierkonzert.

    Mit dem 10. Mai 1940, dem Tag, an dem Deutschland die Niederlande überfiel, und nach der nur vier Tage später erfolgten militärischen Kapitulation änderte sich die Situation grundlegend. Unter den in den Niederlanden lebenden Juden kam es vielerorts zu panikartigen Reaktionen. Viele versuchten nach England oder über Belgien nach Frankreich zu fliehen. Zahlreiche Juden, vor allem aus gebildeten Kreisen, begingen unmittelbar nach der Kapitulation Selbstmord.

    In den ersten Jahren der Besetzung versteckte Rosy Wertheim noch selbst verfolgte Menschen in ihrem Keller. Als im Jahre 1943 aber auch in Amsterdam die Deportationen zunahmen, musste sie selbst untertauchen. Sie wurde zusammen mit zwei ihrer Nichten von einem Cousin versteckt, der als sogenannter „Halbjude“ nicht von den Nazis registriert worden war. Die Situation des Verstecks, die räumliche Eingeengtheit, die ständige Furcht vor Entdeckung, die Untätigkeit gerade in künstlerischer Hinsicht und vor allem die Einsamkeit müssen für Rosy Wertheim nur schwer erträglich gewesen sein. Eine ihrer Nichten, die einige Zeit mit ihr zusammen im Versteck verbrachte, berichtet, dass sie sich dort so einsam und verängstigt fühlte, dass sie nicht mehr komponieren konnte. Zwar unterrichtete Rosy Wertheim, soweit es im Versteck möglich war, ihre Nichten im Gesang und machte sie mit den Werken Schuberts, Schumanns und des französischen Impressionismus bekannt. Mit ihrer aufgezwungenen Isolation aber, dem plötzlichen Fehlen jeder künstlerischen Öffentlichkeit, konnte sie sich nicht abfinden. Da sie mit ihrem blonden Haar und ihren blauen Augen viel mehr dem nationalsozialistischen Bild einer „Arierin“ als dem einer „Jüdin“ entsprach, verließ Rosy Wertheim das Versteck, wann immer es ihr möglich war. Sie war dabei aber zu sorglos und machte – wie ihre Nichte Leonora Broekstra-Gomperz 1998 in einem Brief mitteilte – den Fehler, zu offen von ihrer Verstecksituation zu berichten. Dadurch brachte sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Nichten und die Familie ihres Cousins ernsthaft in Gefahr. Eine weitere Nichte, die zu dieser Zeit in einer Widerstandsgruppe aktiv war, suchte Rosy Wertheim ein neues Versteck außerhalb Amsterdams in Laren.

    Durch viel Glück blieb sie bis zur Befreiung durch die Alliierten unentdeckt. Die Nichte, die ihr das neue Versteck besorgt hatte, wurde dagegen bei einer Razzia entdeckt und nach Theresienstadt deportiert, wohin auch deren Mutter bereits gebracht worden war. Über das Schicksal von Rosy Wertheims Verwandten ist wenig bekannt, von ihrer näheren Verwandtschaft überlebte wahrscheinlich neben ihren Nichten nur ihre jüngere Schwester.

    Rosy Wertheim blieb nach dem Krieg in Laren. Es gab für sie auch kaum Gründe, zurück nach Amsterdam zu ziehen, da während des Krieges ihr gesamter Besitz von den Nazis geraubt oder zerstört worden war (besonders bedauerte sie den Verlust all ihrer Bücher). Sie arbeitete als Lehrerin an der Musikschule in Laren und unterrichtete daneben begabte Kinder unentgeltlich in Harmonielehre. In dieser Zeit hat Rosy Wertheim nicht mehr komponiert. Zunächst blieb ihr aufgrund ihrer Lehrtätigkeit zum Komponieren keine Zeit. 1947 erkrankte sie an Krebs. Nach zwei qualvollen Jahren, die sie die meiste Zeit im Krankenhaus zubrachte, starb Rosy Wertheim am 27. Mai 1949 in Laren.

    Würdigung

    Rosy Wertheim ist eine der ersten Frauen in den Niederlanden, die sich als Komponistin einen Namen gemacht hat. Ihre Musik ist zwar nie avantgardistisch zu nennen, sie zeichnet sich aber - vor allem in den Kompositionen ab 1933 - durch eine individuelle, ihre impressionistischen Vorbilder deutlich modifizierende Klangsprache aus. Während ihre frühen Kompositionen noch ganz der musikalischen Romantik verpflichtet sind, bekam im Laufe ihres Kompositionsstudiums die Musik des Impressionismus eine große Bedeutung für ihre musikalische Entwicklung. Zu datieren ist diese musikalische Neuorientierung mit ihrem Wechsel von Bernard Zweers zu Sem Dresden. Zu ihrer musikalischen Entwicklung äußerte Rosy Wertheim einmal in einem Interview:


    „Auf Dauer fühlte ich mich mehr angezogen von neueren Klängen und Klangfarben und variierten Rhythmen. Debussy, Ravel und später Strawinsky waren eine Offenbarung für mich, und natürlich wurden meine Kompositionen damals für einen gewissen Zeitraum von ihnen beeinflusst.“ (De Ridder 1948, S. 253)


    Zu ihren herausragenden Kompositionen kann man vor allem das Streichquartett von 1933 sowie das Klavierkonzert von 1940 zählen. Speziell in den Kompositionen ab 1933 hat Rosy Wertheim den impressionistischen Stil nicht lediglich adaptiert, sondern für sich persönlich weiterentwickelt und zu einer originären und individuellen Musik- und Klangsprache geformt.

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    Rosy Wertheims erster größerer Erfolg als Komponistin fällt bereits in den Anfang ihrer Studienjahre. Im Jahre 1914 komponierte sie ein Lied auf einen Text von François Pauwels mit dem Titel „Neutraal“. Dieses anlässlich des sich ausweitenden Ersten Weltkrieges komponierte Marschlied idealisiert sowohl in seinem Text als auch durch den teilweise hymnischen Charakter der Musik die Neutralität der Niederlande. In „Neutraal“ wird die Neutralität, aufgrund derer die Niederlande es erreichten, nicht in den Krieg hineingezogen zu werden, als eine heroische Tat proklamiert, die „Kraft“, „Eifer“, „Lust“, „Stolz“ und „Mut“ der Niederländer erfordert. Es fand während des Ersten Weltkrieges in den Niederlanden eine große Verbreitung. Vor allem aber ist es die erste Komposition Rosy Wertheims, die durch den Amsterdamer Verlag Alsbach & Co. veröffentlicht wurde. Rosy Wertheim hat während ihrer Studienjahre sehr viel komponiert, vorwiegend Lieder und Chormusik, aber auch kleinere Klavier- und Kammermusikwerke. Einige Ihre Liedkompositionen dieser Zeit wurden nach dem großen Erfolg mit „Neutraal“ von Alsbach & Co. veröffentlicht.

    In ihrer Zeit in Paris ab 1929 ließen die zahlreichen Kontakte und der Austausch mit anderen Komponisten und Komponistinnen auch Rosy Wertheims eigene kompositorische Ausdrucksweise reifen. Während sie in Amsterdam vorwiegend kleine Formen und Besetzungen bevorzugt hatte, wagte sie sich nun auch an mehrsätzige Werke und Kompositionen für Orchester heran. So vollendete sie zum Beispiel in Paris eine dreisätzige Sonate für Violine und Klavier, komponierte 1933 ein Streichquartett und ein Jahr später ein Divertimento für Kammerorchester. Diese Werke zeigen deutlich, wie Rosy Wertheim sich in ihren Kompositionen künstlerisch weiter entwickelt hatte. Das Streichquartett hatte sie für das Weisz-Quartett geschrieben, ein international bekanntes Ensemble, das dieses Stück in den nächsten Jahren mehrfach zu Gehör brachte. Die Musiksprache dieses Quartetts belegt eindrücklich, dass Rosy Wertheim nicht mehr den impressionistischen Stil einfach nur für ihre Kompositionen übernommen, sondern dass sie auf dessen Grundlage eine ganz eigene Ausdrucksform entwickelt hat. Die dreisätzig angelegte Komposition ist geprägt durch zahlreiche Taktwechsel und eine sehr offene Harmonik, die über weite Passagen kein einheitliches tonales Zentrum mehr aufzuweisen scheint. Die Ecksätze stehen ganz im Zeichen harmonischer und satztechnischer Entwicklungen. Ihr energischer vorwärtstreibender Charakter beruht weniger auf dem thematischen Material, das für diese Sätze ohnehin von untergeordneter Bedeutung ist, als vielmehr auf den zahlreichen Steigerungen, polyphonen Engführungen und einer zunehmend schärfer werdenden Harmonik. Ruhendes Zentrum des Streichquartetts ist der Mittelsatz. Ein sehr elegisches Thema, das auf volksmusikalische Idiome Bezug nimmt, bestimmt diesen Satz, der auch durchgehend leiser und zarter in seinen Klängen ist als die teilweise recht orchestral anmutenden Außensätze. Damit weist dieses Quartett bereits diejenigen Merkmale auf, die für Rosy Wertheims spätere Kompositionen bestimmend werden sollten: teilweise von der Volksmusik beeinflusste Themen, eine ausgefeilte Harmonik, die häufig die Grenzen der Tonalität auslotet - ohne aber je atonal zu werden - sowie eine Vorliebe für komplexe Rhythmen und Metren in einem oftmals polyphonen Satz.

    Nach ihrer Rückkehr in die Niederlande komponierte sie vor allem Kammermusik, aber auch Vokal- und Orchesterwerke, die auch aufgeführt wurden. Nach der Besatzung durch die Deutschen komponierte Rosy Wertheim jedoch kaum noch. Zu den wenigen in dieser Zeit vollendeten Werken zählt das Lied „Miserere, Domine, miserere“. Sie schrieb es 1941, also zu einem Zeitpunkt als die Niederlande bereits von Nazi-Deutschland besetzt waren und die Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung immer weiter zunahmen. Man kann also davon ausgehen, dass der Text von D. de Vries, in dem die Hoffnung auf die Hilfe und den Frieden Gottes für die Unterdrückten thematisiert wird, auch in Hinblick auf ihre aktuelle Situation gewählt wurde. Die sehr melodiöse, zum Teil sehr elegische Gesangsstimme in „Miserere, Domine, miserere“ weist fast kein tonales Zentrum mehr auf, erinnert in ihren Wendungen aber immer wieder an die Moll-Tonarten. Die zweiteilig angelegte Komposition (tranquillo – animato) steckt auch in der Begleitstimme voller überraschender harmonischer Wendungen und reizvoller Klangverbindungen.

    In den darauf folgenden Jahren, speziell in ihrer Zeit im Versteck, entstanden fast keine neuen Kompositionen mehr. Ein „Kerstliedje“ auf einen Text von E. B. A. Poortmaan vollendete Rosy Wertheim 1944. Anschließend komponierte sie eine Ouvertüre für Orchester, deren Klavierfassung 1945 fertiggestellt wurde - ob es Rosy Wertheim noch gelang, eine Orchesterfassung zu erstellen, ist ungewiss. Vermutlich ist auch die „Toneelmuziek bij De Vrede van Aristophanes“ für Harfe, Streichquartett, Kontrabass, Klavier und Triangel in den Kriegsjahren oder den Jahren des Versteckes entstanden.

    Rezeption

    Bereits Rosy Wertheims 1914 komponiertes Lied „Neutraal“ war ein großer Erfolg und fand speziell während des Ersten Weltkrieges in den Niederlanden große Verbreitung. Unter anderem wurde es im Mai 1915 in einer Fassung für Kinderchor von 600 Kindern im Großen Saal des Concertgebouw in Amsterdam aufgeführt.

    Ihr größter kompositorischer Erfolg zu ihren Lebzeiten war aber zweifellos das 1933 komponierte Streichquartett. Die für das Weisz-Quartett geschriebene Komposition wurde u.a. in Paris, Wien, Amsterdam und New York aufgeführt. Speziell in den USA wurden während ihres Aufenthaltes 1936/37 mehrere Kompositionen in New York, aber auch in Philadelphia und Washington aufgeführt. Es fanden zahlreiche Gesprächskonzerte statt, in denen sie ihre Werke vorstellte. Ihre Kompositionen wurden, wie Rosy Wertheim später in einem Interview bemerkte, in den USA sehr geschätzt (vgl. De Ridder 1948, S. 253).

    Die Rezeption ihrer Werke brach erst mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht abrupt ab und hat bis heute nicht wieder an die Zeit vor 1940 anknüpfen können. Nach dem Krieg bemühte sich Rosy Wertheim weitgehend erfolglos um Aufführungen ihrer eigenen Kompositionen. In einem Interview von 1948 äußerte sie noch die Hoffnung, dass demnächst Ihre Ouvertüre aus dem Jahre 1945 uraufgeführt werden würde. Tatsächlich aber wurden kaum noch Werke von ihr gespielt. Der Krieg und die Jahre im Versteck führten dazu, dass sie im Bewusstsein des holländischen Musiklebens weitgehend in Vergessenheit geriet. Nach Rosy Wertheims Tod versuchte ihre Nichte Leonora Broekstra-Gompertz noch zusammen mit ihrem Mann, einem Pianisten, Rosy Wertheims Werke zur Aufführung zu bringen, und eine weitere Nichte sang gelegentlich auch einige ihrer Lieder. Eine darüber hinausgehende künstlerische Resonanz erfuhren die Werke Rosy Wertheims aber viele Jahre nicht.

    Nur ganz allmählich setzte wieder ein Interesse an ihrer Musik ein: 1975 nahm der Niederländische Donemus-Verlag einige Kompositionen von Rosy Wertheim in sein Programm auf, und es werden gelegentlich auch wieder Kompositionen von ihr aufgeführt. 1995 ist eine CD mit Kompositionen von Rosy Wertheim erschienen. Auf der CD mit dem Titel „Dutch Jewish Composers“ sind neben Werken von Ignace Lilien und Leo Smit drei Kompositionen Rosy Wertheims eingespielt: Die Sonatine für Violoncello und Klavier, die „Trois Morceaux“ für Flöte und Klavier (1939) und die „Trois Chansons“ für Mezzosopran, Flöte und Klavier (1939). Dies ist bis heute die einzige Aufnahme mit Kompositionen Rosy Wertheims.

    Wissenschaftlich ist Rosy Wertheim bisher kaum untersucht worden. Neben kürzeren biographischen Artikeln in Lexika oder im Internet gibt es lediglich zwei etwas umfassendere Arbeiten zu Rosy Wertheim und ihrem Werk: 1988 erschien in den Niederlande ein „doktoraalscriptie muziekwetenschappen“ von Elisabeth Bosland über Rosy Wertheim. Neben dieser etwa 40 Seiten langen unveröffentlichten Arbeit ist 2000 im Rahmen des Forschungsprojektes der Arbeitsgruppe Exilmusik Hamburg über „Lebenswege von Musikerinnen im „’Dritten Reich’ und im Exil“ ein Artikel von Mathias Lehmann über Rosy Wertheim entstanden (siehe „Literatur und Quellen“).

    Werkverzeichnis

    A. Vokalmusik


    1. Lieder


    a) datierbare Kompositionen (chronologisch)


    Liedjes: Menuet ancien, Trio, De kapel, Lommer, Canson du pâtre, Zefier, für Singstimme und Klavier, 1908


    Bruiloftszang (A. C. Wertheim), für Singstimme und Klavier, 1912

    Il bambino nella culla, für Alt und Klavier, 1912


    Wat bloemen… (A. C. Wertheim), für Singstimme und Klavier, 1912


    Bergerette (H. Heineken Daum), für Singstimme und Klavier, 1913


    Puisque l’on ne s’aimera jamais (Paul Fort), für Singstimme und Klavier, 1913


    Eens meiens morgen vroeg (Hertog Jan van Braband, 1219), für Alt und Klavier, 1914


    Herfstliedje (Truus Salomons), für Alt und Klavier, 1914


    Neutraal (François Pauwels), für Singstimme und Klavier, 1914 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam)


    In ‘t diepste ik (Nanda Sandbergen), für Alt und Klavier, 1915


    Kerslied (Prosper van Langendonck), für Alt und Klavier, 1915 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1919)


    Ballade (A. Salomons), für Singstimme und Klavier, 1916


    Het lied van den wind (J. A. van Droogenbroeck), für Singstimme und Klavier oder Orchester, 1916


    Le tsigane dans la lune (Jean Lahor), für Sopran, Violine und Klavier, 1916 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1917)


    Oud lied (Ada Gerlo), für Singstimme und Klavier, 1916 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1918)


    Im Volkston (Erwin Weill), für Singstimme und Klavier, ca. 1916 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1918)


    Herftsliedje (A. Salomons), für Singstimme und Klavier, 1917 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam)


    Zang van Salomé (A. Salomons), für Singstimme und Klavier, 1917 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam)


    Brederoliedjes, für Singstimme und Klavier, ca. 1918 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1920)


    Twee liederen (A. Gerlo), für Singstimme und Klavier, ca. 1918 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1918)


    Invocatio (A. Salomons), für Singstimme und Klavier, 1920


    Verlaten straat (Hélène Swarth), für Singstimme und Klavier, 1920


    Zwei Lieder (A. Ritter), für Singstimme und Klavier, ca. 1924 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1924)


    La chanson déchirante (Li Tai Po), für Mezzosopran, Flöte und Klavier, 1926/27


    Les deux flûtes (Li Tai Po), für Mezzosopran, Flöte und Klavier, 1927


    Une derniere fois, für Singstimme, Flöte und Klavier, 1927


    Hymne (Thomas à Kempis), für Singstimme, Geige und Orgel (oder Harmonium oder Streichquartett), 1929 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam 1929)


    Scherzo (Antonie Donker), für Singstimme und Klavier, 1934/35 (veröffentlicht bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam)


    De Middeleeuwen (G. Kamphuis), für Sopran, Alt und Kammerorchester, 1936 (veröffentlicht bei Donemus, Amsterdam 1995)


    Het Narrenschip, für Singstimme und Klavier, 1937 (veröffentlicht bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam)


    Trois chansons (Li Tai Po), für Mezzosopran, Flöte und Harfe (oder Klavier), 1939 (veröffentlicht bei Donemus, Amsterdam)


    Miserere, Domine, miserere (D. de Vries), für Alt und Klavier, 1941


    Kerstliedje (E. B. A. Poortman), für Singstimme und Klavier, 1944


    b) Werke ohne Jahreszahl (alphabetisch)


    Abendgebet (Schüller), für Singstimme und Klavier


    Am Holz, für Singstimme und Klavier


    De regen valt (J. Schürman), für Singstimme und Klavier


    Die Insel der Vergessenheit (Anna Ritter), für Singstimme und Orchester (oder Klavier)


    Drie blinde zusjes, für Singstimme und Klavier


    Er rauscht und rauscht (Anna Ritter), für Singstimme und Orchester (oder Klavier)


    Es fiel ein Reif, für Singstimme und Klavier


    Gebed, für Singstimme und Klavier


    Je marchais sur le boul’vard, für Singstimme und Klavier


    Moed (Jacqueline van der Waals), für Singstimme und Klavier


    Musette, 1735 (J. J. Rousseau), für Singstimme, Flöte und Klavier


    Over alle... für Singstimme und Klavier


    Van twee konigskinderen, für Singstimme und Klavier


    Vieille ballade (Paul Fort), für Alt und Klavier


    Wij dragen de schuld onzer tijden (J. Thomson), für Singstimme und Klavier


    Zu spät (Detlev von Liliencron), für Alt und Klavier


    2. Chormusik


    a) datierbare Kompositionen (chronologisch)


    Luit het uit (G. W. Lovendaal), für Kinder- oder Frauenchor, 1914/15


    Bloemenliedje (A. Wertheim-Enthoven), für Kinderchor, 1915


    D’ou viens tu, bergère, für Sopran und Chor, 1915


    Esprit vivant… (A. Wertheim-Enthoven), für Frauenchor, 1916


    Gods zegen… (A. Wertheim-Enthoven), für gemischten Chor, 1916


    Mijn land (G. Lovendaal), für Kinderchor und Orchester, 1916


    Lied voor de Russische kinderen (Jacoba F. D. Mossel), für Kinderchor, 1921 (veröffentlicht bei Alsbach & Co., Amsterdam)


    Hymne (Emmy Frensel-Wegener), für Sopran, Frauenchor, Klavier und Kammerorchester, 1940


    b) Werke ohne Jahreszahl (alphabetisch)


    De drie Konigen, für Chor


    Het Gemeensame, für Singstimme oder gemischen Chor und Klavier

    Meiliedje, für Kinderchor


    Offermuziek, für Frauenchor und Kammerorchester


    Toekomstdroom; Oud-Nederlands lied (Ine van Dillen), für Frauenchor

    Wij groeten u… für Frauenchor


    B. Instrumentalmusik


    1. Orchestermusik


    a) datierbare Kompositionen (chronologisch)


    Variaties op een Oud-Hollandsch liedje, für Orchester, 1916


    Ouvertüre, für Orchester, 1918/19


    Divertimento, für Kammerorchester, 1934 (veröffentlicht bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam)


    Concert voor pianoen orkest, für Klavier und Orchester, 1939/40 (veröffentlicht bei Donemus, Amsterdam)


    Ouvertüre, für Orchester, 1945


    b) Werke ohne Jahreszahl (alphabetisch)


    Jubileum Marsche, für Streichorchester, kleine Trommel und Klavier


    2. Kammermusik


    a) datierbare Kompositionen (chronologisch)


    Vogels in het bosch (piano & vioolstukjes), für Violine und Klavier, 1913


    Berceuse, für zwei Violinen und Klavier, 1915


    Streichquartett, 1933 (veröffentlicht bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam)


    Trois morceaux, für Flöte und Klavier, 1939 (veröffentlicht bei Donemus, Amsterdam 1995)


    Trio voor fluit, clarinet en fagot, für Flöte, Klarinette und Fagott, 1942


    b) Werke ohne Jahreszahl (alphabetisch)


    Ouverture De Vrede, für Harfe, Streichquartett, Kontrabass, Klavier und Triangel


    Rondo for viool, für Violine und Klavier


    Scherzo, für Violine und Klavier


    Sonate, für Violine und Klavier, (veröffentlicht bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam)


    Sonate, für Violoncello und Klavier (veröffentlicht bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam)


    Sonatine, für Violoncello und Klavier


    Suite, für Flöte, Klarinette und Fagott


    Toneelmuziek bij De Vrede van Aristophanes (Aristophanes), für Harfe, Streichquartett, Kontrabass, Klavier und Triangel


    3. Klaviermusik


    a) datierbare Kompositionen (chronologisch)


    Andante con variationi, für Klavier, 1911


    Turbillon, für Klavier,1913


    Capriccio, für Klavier, 1916


    Prelude (zee-impressie), für Klavier, 1917


    Dix variations sur un thème de César Franck (Chant de la creux), für Klavier, 1918


    Sonatine, für Klavier, 1918


    b) Werke ohne Jahreszahl (alphabetisch)


    Danse champêtre, für Klavier


    De Levensbron (La source de vie), für Klavier


    De poppen aan’t dansen, für Klavier


    Petite valse, für Klavier


    Six Morceaux pour piano, für Klavier (veröffentlicht bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam)


    Twee fuga’s, für Klavier


    Twee stukjes voor kinderen Volksdans, für Klavier


    Uitvaart, für Klavier


    Vlindervlucht, für Klavier

    Quellen

    Literatur


    Bosland, Elisabeth. Op zoek naar Rosy... doktoraalscriptie muziekwetenschappen. Rijksuniversiteit Utrecht (maschinengeschrieben, unveröffentlicht), 1988.


    Lehmann, Mathias. „Rosy Wertheim“. In: Lebenswege von Musikerinnen im „Dritten Reich“ und im Exil. Arbeitsgruppe Exilmusik Hamburg (Hg.). (= Musik im „Dritten Reich und im Exil, Bd. 8). Hamburg: von Bockel, 2000. S. 65-85.


    Metzelaar, Helen. Artikel „Wertheim, Rosy M.“ In: The New Grove Dictionary of Women Composers. Julie Anne Sadie und Rhias Samuel (Hg.). London, New York 1994. S. 491-492. Neuveröffentlicht in The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Second Edition. Stanley Sadie (Hg.). Bd. 27. London 2001. S. 302


    O., R. v. „Rosy Wertheim 60 jaar“. In: De Groone, 14. Februar 1948.

    Ridder, Kate de: „Rosy Wertheim“. In: De vrouw en haar huis. 1948. S. 252-254.


    „Rosy Wertheim †“. In: Mens en melodie 4 (1949). S. 219-220.


    „Wertheim, Rosy“. In: International Encyclopedia of Women Composers. Aaron Cohen (Hg.). New York, London, 2. Aufl. 1987. S. 749.


    Verlage


    Rosy Wertheims Kompositionen wurden von folgenden Musikverlagen publiziert (siehe auch das Werkverzeichnis):


    Alsbach & Co., Amsterdam

    Broekmans & van Poppel, Amsterdam

    Donemus, Amsterdam


    Archive


    Rosy Wertheims Nachlass (vor allem Noten, aber auch einige Artikel) liegt im Haags Gementemuseum, Muziekarchief, Postbus 72, 2501 CB Den Haag: Inventarislist Archief Rosy Wertheim. Amsterdam 19-2-1888 - Laren 27-5-1949. Archief 142 (60 E 1-6).


    Diskographie


    „Dutch Jewish Composers 1928-1943. Rosy Wertheim. Ignace Lilien. Leo Smit“. (= Channel Classics Records [CCS 7995]). Amsterdam 1995. Auf dieser CD finden sich von Wertheim die „Trois Morceaux“ (1939), die „Sonatine für Violoncello und Klavier“ und die „Trois Chansons“ (1939).


    Links


    http://www.muziekgroep.nl/english/composer.php?zknm=WERTHEIM,%20ROSY (Stand: 11.11.2004)

    Internetseite des „Donemus-Verlages“ zu Rosy Wertheim


    http://www.leosmitstichting.nl/nl/org/tijdgenoten/joods/index.htm (Stand: 11.11.2004)

    Internetseite der Leo Smit Foundation zu Komponistinnen und Komponisten im Umfeld Leo Smits

    Forschung

    Obwohl der Nachlass von Rosy Wertheim im Haags Gementemuseum gut erschlossen ist (siehe „Quellen“) gibt es zu Rosy Wertheim kaum wissenschaftliche Forschung. Neben einigen biographischen Artikeln in Lexika und auf Internetseiten (z.B. vom Donemus-Verlag oder der Leo Smit Foundation, siehe „Links“) gibt es nur wenige weitere Arbeiten zu Rosy Wertheim und ihrem Werk. 1988 ist an der Rijksuniversiteit Utrecht/Niederlande ein etwa vierzigseitiges „doktoraalscriptie muziekwetenschappen“ zu Rosy Wertheim entstanden. Im Band „Lebenswege von Musikerinnen im ‚Dritten Reich’ und im Exil“ der Arbeitsgruppe Exilmusik Hamburg wurde Rosy Wertheim ein Essay gewidmet.

    Forschungsbedarf

    Forschungsbedarf zu Rosy Wertheim gibt es in allen Bereichen: Eine ausführlichere Betrachtung von Rosy Wertheims kompositorischem Werk steht ebenso aus wie eine genauere biographische Arbeit zur Rosy Wertheim und speziell den Umständen ihrer Verfolgung während der NS-Zeit. Es gibt weder Arbeiten zu ihrer Einbindung in die Pariser Musikszene und ihre Rezeption in Frankreich und den USA noch zu ihrer Rolle in der niederländischen Musikszene und ihren Beziehungen zu anderen niederländischen Komponistinnen und Komponisten.

    Obwohl die Autographe der Kompositionen Rosy Wertheims im Haags Gementemuseum gut erschlossen vorliegen, sind nur wenige ihrer Kompositionen verlegt.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 38638439
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 174029950
    Library of Congress (LCCN): n96042942
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Mathias Lehmann, Die Grundseite wurde im Oktober 2004 erstellt.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Sophie Fetthauer
    Zuerst eingegeben am 22.12.2004


    Empfohlene Zitierweise

    Mathias Lehmann, Artikel „Rosy Wertheim“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 22.12.2004.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Rosy_Wertheim