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  • Rosa Tamarkina

    von Marina Lobanova
    Die Pianistin und Klavierpädagogin Rosa Tamarkina (1937)
    Namen:
    Rosa Tamarkina
    Lebensdaten:
    geb. in Kiew, Sowjetunion (heute: Ukraine)
    gest. in Moskau, Sowjetunion
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    "В игре Тамаркиной гармонично сочетались естественность и простота замысла, безукоризненная техническая отделка, безупречный вкус и то свойство, которым обладают только особенно одаренные натуры: способность одинаково неотразимо воздействовать на широкого слушателя и на слушателя высококвалифицированного."


    [„In Tamarkinas Spiel vereinigten sich in harmonischer Weise die Natürlichkeit und Schlichtheit des Vortrags, technische Perfektion, ausgezeichneter Geschmack und die Eigenschaft, über die nur besonders begabte Persönlichkeiten verfügen, und zwar unwiderstehlich sowohl aufs breite Publikum als auch auf höchst qualifizierte Zuhörer zu wirken."


    (Alexander Goldenweiser, zit. nach: Maksim Tav'ev. Žizn' i sud'ba Rozy Tamarkinoj [Das Leben und das Schicksal von Rosa Tamarkina]. http://www.newswe.com/index.php?go=Pages&in=view&id=623).


    Profil

    Rosa Tamarkina war eine der herausragendsten und bekanntesten sowjetischen Pianistinnen ihrer Generation, deren große Karriere durch eine tödliche Krankheit abrupt beendet wurde.

    Orte und Länder

    Rosa Tamarkina wurde in Kiew geboren, wo sie auch als Pianistin ausgebildet wurde. Sie setzte ihre Ausbildung in Moskau fort, wo ihre kurze, aber steile Karriere begann. Bekannt wurde sie vor allem durch ihren sensationellen Auftritt beim 3. Internationalen Chopin-Klavierwettbewerb in Warschau. Bis zu ihrer Erkrankung führte eine intensive Konzerttätigkeit Rosa Tamarkina in viele Städte der Sowjetunion (Moskau, Leningrad, Alma-Ata, Nowosibirsk, Swerdlowsk, Frunse usw.).

    Biografie

    Rosa Wladimirowna Tamarkina wurde am 23. März 1920 in Kiew geboren; ihre Eltern, Anna Tamarkina und Wladimir Tamarkin, waren Angestellte. Von 1928 bis 1932 erhielt sie Klavierunterricht bei N. M. Goldenberg in der Kinderabteilung des Kiewer Konservatoriums und anschließend bei Anna Danilowna Artobolewskaja (1905-1988) an der von Alexander Borissowitsch Goldenweiser (1875-1961) organisierten "Sonderkindergruppe" des Moskauer Konservatoriums (heute Zentrale Musikschule beim Moskauer Konservatorium). 1933 nahm Tamarkina am Ersten All-Union-Musikinterpreten-Wettbewerb teil und erhielt den Spezialpreis (weil sie noch zu jung war, konnte sie nicht als reguläre Teilnehmerin behandelt werden). 1936 gewann sie den Zweiten All-Union-Musikinterpreten-Wettbewerb. Von 1935 bis 1940 studierte Tamarkina Klavier bei Alexander Goldenweiser am Moskauer Konservatorium. Ihr Studium schloss sie mit der Goldmedaille ab. Ab 1941 studierte sie Klavier an der Aspirantur des Moskauer Konservatoriums unter Goldenweiser und von 1943 bis 1953 bei Konstantin Nikolajewitsch Igumnow (1873-1948).


    Mit 16 Jahren nahm sie in aufsehenerregender Weise beim 3. Internationalen Chopin-Klavierwettbewerb teil, der im Februar und März 1937 in Warschau stattfand. Ihr Auftritt wurde zur Sensation: Sie wurde sowohl von den namenhaften Jurymitgliedern Emil von Sauer, Wilhelm Backhaus, Heinrich Neuhaus, Józef Turczyński, Józef Śmidowicz und Jerzy Żurawlew als auch vom Publikum höchste Bewertungen. Tamarkina erhielt den zweiten Preis, Gewinner war der sowjetische Pianist Jakow Israilewitsch Sak (1913-1976). In der polnischen Presse („Kurjer Warszawski“, „Ilustrowany Kurjer Calzienny“, „Express Poranny“ usw.) wurden insbesondere die bedeutende künstlerische Individualität und die erstaunliche Reife der jungen Pianistin betont. Das polnische Auditorium begeisterte sich für Tamarkinas tiefes Verständnis des Chopinschen Tons sowie für ihren sanglichen Stil (S.: Maksim Tav'ev. Žizn' i sud'ba Rozy Tamarkinoj [Das Leben und das Schicksal von Rosa Tamarkina], http://www.newswe.com/index.php?go=Pages&in=view&id=623).

    Im Anschluss an den Chopin-Wettbewerb gastierte Tamarkina erfolgreich in mehreren polnischen Städten und in der Sowjetunion. Praktisch alle ihre Konzerte waren ausverkauft. Von 1946 an unterrichtete sie dann selbst Klavier am Moskauer Konservatorium.


    Die Erkrankung an Lymphogranulomatose, die damals unheilbar war und deren erste Anzeichen sich Anfang der 1940er Jahre zeigten, führte zum frühzeitigen Tod der Pianistin. Rosa Tamarkinas letzter Konzertauftritt fand im Februar 1950 statt. Tamarkina verstarb am 5. August 1950 in Moskau und wurde auf dem Moskauer Wwedenskoje-Friedhof begraben.


    Von 1940 bis 1943 war Rosa Tamarkina mit dem Pianisten Emil Grigorjewitsch Gilels (1916-1985) verheiratet.

    Würdigung

    Rosa Tamarkina galt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des lyrisch-romantischen Stils. Zwar verfügte diese Künstlerin über perfekte pianistische Qualitäten und absolvierte ihr Klavierstudium bei Meisterinnen und Meistern wie Anna Artobolewskaja, Alexander Goldenweiser und Konstantin Igumnow, doch setzte sie ihre Virtuosität nicht als Selbstzweck ein. Obschon Ihr Spiel von feinster Klangkultur, ausgezeichnetem Geschmack und architektonischer Perfektion gekennzeichnet war, wirkte es nie kühl, rational oder berechnend: Ihr Stil hatte emotionale Tiefe und begeisterte sowohl das breite Publikum als auch die Musikkenner. Sehr anziehend wirkte auch die Erscheinung der attraktiven jungen Frau und ihr subtiles Gebaren am Instrument.

    Im Mittelpunkt von Tamarkinas Repertoires standen die Werke Chopins: Die Pianistin galt als eine der hervorragendsten Interpretinnen seiner Musik. Auch andere Komponisten der Romantik wie Liszt, Rachmaninow und Schubert spielte Tamarkina häufig und mit großer Kompetenz.


    Rosa Tamarkina erhielt 1937 den Orden "Zeichen der Ehre". 1939 wurde sie zur Deputierten des Moskauer Rats ernannt.

    Rezeption

    Rosa Tamarkina genoss große Popularität in der Sowjetunion und in Polen. Ihr tragischer Tod verstärkte das romantische Image dieser Pianistin, die als "ewig jung" in die Musikgeschichte einging. Heutzutage, insbesondere durch die Verbreitungswege des Internets, erlebt das Wirken Rosa Tamarkinas eine Renaissance.


    Dem Wirken Rosa Tamarkinas wurde ein Zyklus von vier Sendungen der russischen Hörfunkreihe "Orfej" ("Orpheus") gewidmet, die vom 15.5. bis zum 5.6.2013 stattfand:

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4182/;

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4231/;

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4232/

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4233/

    Repertoire

    Im Mittelpunkt von Rosa Tamarkinas Repertoires standen die Kompositionen Chopins; sie spielte auch zahlreiche Werke von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Johann Brahms, César Franck, Franz Liszt, Sergei Rachmaninow, Franz Schubert, Robert Schumann, Sergei Tanejew usw.


    Diskographie


    I. Schallplatten


    "Melodija": 78D—00919-20 (1952);


    "Melodija": D—02733-34 (1956);



    II. CDs


    "Vista Vera" (Wiederherstellung): VVCD-00092 (2006);


    "Vista Vera" (Wiederherstellung): VVCD-00095 (2006);


    "Vista Vera" (Wiederherstellung): VVCD-00101 (2006).

    Quellen

    Sekundärliteratur


    Zak, Jakov Izrailevič. "O Rose Tamarkinoj" [Über Rosa tamarkina], "Sovetskaja muzyka" 1950, Nr. 10


    Vospominanija o Rose Tamarkinoj. Cbornik statej [Erinnerungen an Rosa Tamarkina. Sammlung der Aufsätze] hrsg. von Ja. I. Mil'štejn. Moskau 1989


    Černikov, Oleg. Koroleva čarujuščich zvukov [Die Königin der bezaubernden KLänge]. "Muzyka i vremja" 2002, Nr. 1


    Vicinskij, Aleksandr. Besedy s pianistami [Gespräche mit Pianisten]. Moskau 2007


    Roza Tamarkina. Materialy tvorčeskogo puti, vospominanija, dokumenty [Rosa Tamarkina. Materialien des schöpferischen Wegs, Erinnerungen, Dokumente] hrsg. von E. A. Tav'eva. Moskau 2010


    Černikov, Oleg. Rojal' i golosa velikich [Der Flügel und die Stimmen der Großen]. Rostow am Don 2011


    Tav'ev, Maksim. Žizn' i sud'ba Rozy Tamarkinoj [Das Leben und das Schicksal von Rosa Tamarkina]. http://www.newswe.com/index.php?go=Pages&in=view&id=623)



    Links


    Maksim Tav'ev. Žizn' i sud'ba Rozy Tamarkinoj [Das Leben und das Schicksal von Rosa Tamarkina]. http://www.newswe.com/index.php?go=Pages&in=view&id=623);


    Über Rosa Tamarkina:

    http://1-9-6-3.livejournal.com/98731.html;

    http://1-9-6-3.livejournal.com/99024.html;

    Vier Sendungen der russischen Hörfunkreihe "Orfej" ("Orpheus"):

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4182/;

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4231/;

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4232/

    http://www.muzcentrum.ru/orfeus/programs/issue4233/

    Forschung

    Das Leben und das Wirken von Rosa Tamarkina werden in verschiedenen Aufsätzen, Artikeln, Erinnerungen und Internetpublikationen reflektiert. Es fehlt jedoch an eingehenderer Grundlagenforschung zu dieser Pianistin.

    Das Buch "Roza Tamarkina. Materialy tvorčeskogo puti, vospominanija, dokumenty" [“Rosa Tamarkina. Materialien zu ihrem schöpferischen Weg, Erinnerungen, Dokumente“], Moskau 2010, wurde von der Nichte der Pianistin, Jewgenija Alexandrowna Tawjewa herausgegeben. Laut Internet verfügen sie und ihr Sohn Maxim Tawjew (Maksim Tav'ev) über ein Familienarchiv mit zahlreichen Materialien zu Rosa Tamarkina (Maksim Tav'ev. Žizn' i sud'ba Rozy Tamarkinoj [„Das Leben und das Schicksal von Rosa Tamarkina“]. http://www.newswe.com/index.php?go=Pages&in=view&id=623; http://1-9-6-3.livejournal.com/98731.html;

    http://1-9-6-3.livejournal.com/99024.html).

    Forschungsbedarf

    Es steht noch aus, das Leben und Wirken dieser Pianistin genauer zu erforschen. Viele Lebensumstände bleiben bislang unklar, auch der historisch-kulturelle Kontext ihres Klavierstils und ihre Interpretationsprinzipien bedürfen noch detaillierterer Forschungen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 64807059
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 11895024X
    Library of Congress (LCCN): nr91026404
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Marina Lobanova


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 21.08.2014


    Empfohlene Zitierweise

    Marina Lobanova, Artikel „Rosa Tamarkina“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 21.8.2014.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Rosa_Tamarkina