Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (95%)
  • Deutsch
  • Rosa Schindler

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Rosa Schindler
    Lebensdaten:
    geb. in Gleiwitz, heute Gliwice, Polen
    gest. unbekannt

    Sterbedatum und Sterbeort von Rosa Schindler sind bislang nicht bekannt (vermutlich nach 1908).
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin
    Charakterisierender Satz:

    „Wir glauben, daß sie ein bemerkenswerthes, vielleicht sogar hervorragendes Talent für die Kunst besitzt, denn sie hat nicht blos warme Empfindung [...] sondern auch, wenn es darauf ankommt [...], ein feuriges Temperament.“


    („Vossische Zeitung“ vom 21. Oktober 1889, zit. n. Prante 1999, S. 59)


    Profil

    Die Geigerin Rosa Schindler wurde in Berlin von Hans Hasse, Johann Kruse und Joseph Joachim ausgebildet. Noch vor Beginn ihres Studiums an der Königlichen Hochschule für Musik debütierte sie als Solistin mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und konnte sich in den folgenden Jahren (bis 1894) im Berliner Musikleben als Geigerin etablieren. Nach ihrer Heirat zog sie sich vorübergehend aus dem öffentlichen Musikleben zurück, plante jedoch 1908 eine Tournee durch die USA.

    Orte und Länder

    Rosa Schindler wurde 1874 in Gleiwitz (damals Oberschlesien, heute Gliwice in Polen) geboren und wurde dort sowie möglicherweise in Breslau in Violine unterrichtet. Mitte der 1880er Jahre kam sie nach Berlin und studierte ab 1889 Violine an der Königlichen Hochschule für Musik. Bis 1894 blieb sie im Berliner Musikleben präsent und konzertierte im Sommer 1894 auch in London. Über ihren weiteren Verbleib ist kaum etwas bekannt. Im Jahr 1908 plante sie eine Tournee durch die USA.

    Biografie

    Rosa Schindler wurde am 2. September 1874 in Gleiwitz (damals Oberschlesien, heute Gliwice in Polen) geboren. Über ihre Herkunft ist bislang nichts Näheres bekannt.


    Ab dem Alter von acht Jahren erhielt Rosa Schindler Violinunterricht in Gleiwitz, zunächst von einem Militärmusiker, später von Prof. Slavitzki (Vorname unbekannt). Auf eine Empfehlung des Joseph Joachim-Schülers Richard Himmelstoß hin – zu dieser Zeit Konzertmeister in Breslau –, kam Rosa Schindler Mitte der 1880er Jahre nach Berlin. Dort wurde sie die ersten Jahre privat von Hans Hasse, einem königlichen Kammermusiker, unterrichtet und erhielt kurzzeitig auch Unterricht von Pablo de Sarasate (vgl. Morsch 1893, S. 195). Mit 15 Jahren, im Oktober 1889, bestand Rosa Schindler die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Hochschule für Musik Berlin. Den Jahresberichten zufolge wurde sie 1889/1890 von Johann Kruse unterrichtet und anschließend in die Klasse von Joseph Joachim aufgenommen, wo sie bis zum Ende des Sommersemesters 1892 studierte. Im selben Jahr bewarb sich Rosa Schindler um das Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Staatsstipendium, das in der Regel einer freien Fortsetzung des Studiums diente. Dabei spielte sie Präludium und Fuge aus Johann Sebastian Bachs Sonate für Violine solo g-Moll (BWV 1001) und Heinrich W. Ernsts „Fantaisie brillante“ für Violine und Klavier (op. 11). Joseph Joachim notierte in seinen Unterlagen über Rosa Schindler: „zeigte viel Virtuosität; auch Vortragstalent“ (Archiv der Universität der Künste Berlin. Bestand 1. Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung, Specialia Nr. 5146 [1892]; vgl. Prante 1999, S. 60); Rosa Schindler erhielt eine Zuwendung von 200 Mark.


    Rosa Schindler konnte sich bereits während ihres Studiums als Solistin im Berliner Musikleben etablieren. Am 19. Oktober 1889, noch vor Studienbeginn an der Hochschule für Musik, debütierte sie mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Gustav F. Kogel (vgl. Prante 1999, S. 59v). Dabei spielte sie Max Bruchs Violinkonzert g-Moll (op. 26), eine der „Rêveries“ von Henri Vieuxtemps sowie Heinrich W. Ernsts Violinkonzert fis-Moll (op. 23). Ein Kritiker der „Allgemeinen Musikzeitung“ schrieb über das Konzert: „Die junge Dame […] bringt zweifellos ein beachtenswerthes Talent für die Künstlerlaufbahn mit und hat auch bereits einen ziemlich weiten Weg in vortrefflicher musikalischer Erziehung zurückgelegt […].“ Die „Vossische Zeitung“ rezensierte dasselbe Konzert: „Wir glauben, daß sie ein bemerkenswerthes, vielleicht sogar hervorragendes Talent für die Kunst besitzt, denn sie hat nicht blos warme Empfindung, wie sie namentlich in der Rêverie von Vieuxtemps hervortrat, sondern auch, wenn es darauf ankommt, z. B. in Bruchs Finalsatz, ein feuriges Temperament.“ („Allgemeine Musikzeitung“ vom 25. Oktober 1889, S. 450; „Vossische Zeitung“ vom 21. Oktober 1889; beide zit. n. Prante 1999, S. 59) Im Jahr 1891 stand Rosa Schindler bei der bekannten Berliner Konzertagentur Hermann Wolff neben Geigerinnen und Geigern wie Gabriele Wietrowetz , Frida Scotta, Heinrich de Ahna, Leopold Auer und Adolf Brodsky als Soloviolinistin unter Vertrag (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 27. Mai 1891, S. 268). Sie trat am 17. Dezember 1891 wieder mit dem Berliner Philharmonischen Orchester auf, diesmal in einem der Solistenkonzerte unter der Leitung von Rudolf Herfurth. Auf dem Programm standen u. a. Henri Wieniawskis „Fantaisie brillante sur Faust“ für Violine und Orchester (op. 20) sowie Violinsoli von Pablo de Sarasate und Niccolò Paganini (vgl. Muck 1982, S. 44). Auch im nächsten Jahr blieb sie den Solistenkonzerten des Berliner Philharmonischen Orchesters verpflichtet und konzertierte dort am 8. Oktober 1892 unter der Leitung von Rudolf Herfurth mit Heinrich W. Ernsts „Fantaisie brillante“ (op. 11) und „Introduction et Rondo Capriccioso“ von Camille Saint-Saëns (op. 28) (vgl. Muck 1982, S. 47).


    Rosa Schindlers jüngere Schwester Margarethe Schindler studierte in den Jahren 1893/94 Klavier am Sternschen Konservatorium in Berlin, wie aus den öffentlichen Hauptprüfungen des Konservatoriums hervorgeht (vgl. Muck 1982, S. 50; S. 54). Am 18. April 1894 gaben Rosa und Margarethe Schindler gemeinsam ein eigenes Konzert im Saal des Hôtel de Rome in Berlin. Dabei spielte Rosa Schindler u. a. „Ballade und Polonaise de Concert“ von Henri Vieuxtemps (op. 38) sowie Niccolò Paganinis „Moto perpetuo“ (op. 11) und begeisterte mit ihrer Interpretation einen Rezensenten der „Neuen Zeitschrift für Musik“: „Die Hauptstücke der Geigerin waren Vieuxtemps’ Ballade et Polonaise und das Paganini’sche Moto perpetuo. Beides wurde meisterhaft zum Vortrage gebracht. Imponirte das letztere als reines Virtuosenstück durch das Perlende und Gleichmäßige bei höchster Lebhaftigkeit, so zeigte das erste bei vollendeter Technik einen ebenso von Gefühl wie von Schwung und Feuer beseelten Vortrag; unter den mannigfachen Ausführungen der Polonaise, welche wir von verschiedenen Künstlern gehört haben, zählt die des Frl. Schindler zu den allerbesten.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 30. Mai 1894, S. 247)


    Im Sommer 1894 ist ein vereinzeltes Konzert Rosa Schindlers in einem Londoner Salon zu belegen, was vermuten lässt, dass sie – wie zahlreiche Schülerinnen und Schüler Joseph Joachims – versuchte, im englischen Musikleben Fuß zu fassen. Dabei trat sie in Dr. Semon’s house in Wimpole Street u. a. mit einem Satz aus Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op. 64) auf. Die „London Times” kommentierte: „[...] a young violinist, Fräulein Rosa Schindler, played the first movement of Mendelssohn’s concerto, and other pieces, with decided success.“ („[...] eine junge Geigerin, Fräulein Rosa Schindler, spielte den ersten Satz aus Mendelssohns Konzert und weitere Stücke mit entschiedenem Erfolg.”; „The Times London“ vom 19. Juni 1894, S. 10)


    Über den weiteren Lebensweg von Rosa Schindler ist bislang kaum etwas bekannt. Aus einem kurzen Vermerk der Zeitschrift „The Violinist“ geht hervor, dass Rosa Schindler geheiratet und sich anschließend vorübergehend aus dem öffentlichen Musikleben zurückgezogen hatte. Im Oktober 1908 plante sie eine Tournee durch die USA für die Saison 1908/09 (vgl. „The Violinist. A Monthly Magazine“, Oktober 1908, S. 42).

    Würdigung

    Zwischen 1889 und 1894 galt die Geigerin Rosa Schindler im Berliner Musikleben als herausragende Solistin und wurde u. a. 1893 von Anna Morsch in ihr Buch „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ (Morsch 1893) aufgenommen, dessen „biographische Skizzen“ für die Weltausstellung in Chicago entstanden waren.

    Eine angemessene Würdigung der Tätigkeiten Rosa Schindlers ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Rosa Schindlers werden derzeit (Februar 2009) nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Rosa Schindler kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Die folgenden Werke zählten zu ihrem Repertoire:


    Bach, Johann Sebastian. Sonate für Violine solo g-Moll, BWV 1001


    Bruch, Max. Konzert für Violine und Orchester g-Moll, op. 26


    Ernst, Heinrich W. Konzert für Violine und Orchester fis-Moll, op. 23

    Ernst, Heinrich W. Fantaisie brillante, op. 11


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Konzert für Violine und Orchester e-Moll, op. 64


    Paganini, Niccolò. Moto perpetuo, op. 11


    Saint-Saëns, Camille. Introduction et Rondo Capriccioso, op. 28


    Vieuxtemps, Henri. Ballade und Polonaise de Concert, op. 38

    Vieuxtemps, Henri. Rêverie (keine Präzisierung möglich)


    Wieniawski, Henri. Fantaisie brillante sur Faust für Violine und Orchester, op. 20

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Universität der Künste Berlin. Bestand 1 (Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung), Specialia Nr. 5146 (1892).


    Archiv der Universität der Künste Berlin. Jahresberichte der Königlichen Hochschule für Musik Berlin.



    Literatur


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikzeitung vom 25. Oktober 1889, S. 450.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 27. Mai 1891, S. 268.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 30. Mai 1894, S. 247.


    The Times London vom 19. Juni 1894, S. 10.


    The Violinist. A Monthly Magazine vom Oktober 1908, S. 42.


    Vossische Zeitung vom 21. Oktober 1889.

    Forschung

    Rosa Schindlers jüngere Schwester Margarethe Schindler studierte in den Jahren 1893/94 Klavier am Sternschen Konservatorium in Berlin und legte dort am 18. März 1893 und am 15. März 1894 jeweils öffentliche Hauptprüfungen mit dem Berliner Philharmonischen Orchester ab (vgl. Muck 1982, S. 50; S. 54).


    Zu Rosa Schindler liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Rosa Schindler umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeitsbereiche.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 19. August 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 21.08.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Rosa Schindler“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 21.8.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Rosa_Schindler