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  • Rosa Brackenhammer

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Rosa Brackenhammer
    Lebensdaten:
    geb. in Nürtingen,
    gest. in Stuttgart,
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „Frl. Rosa Brackenhammer, Violoncellvirtuosin, Schülerin von Prof. Werner in München, konzertierte kürzlich in Kopenhagen. Die dortigen Blätter loben die Meisterschaft, mit welcher das Fräulein ihr Instrument beherrscht, vor allem den großen, edlen Ton, die vornehme Auffassung und insbesondere die seelenvolle Vortragsweise derselben.“


    („Neue Musik-Zeitung“, XVII. Jg. [1896], 2. Beilage zu Nr. 7, S. 91)


    Profil

    Die Violoncellistin Rosa Brackenhammer studierte von 1890 bis 1892 bei Joseph Werner an der Königlichen Musikschule in München und blieb anschließend bis ca. 1897 als Solistin und Kammermusikerin im öffentlichen Musikleben präsent. Sie unternahm mehrere Konzertreisen und trat u. a. in Berlin, Stuttgart, Kopenhagen und Vevey auf. Im Jahr 1897 veröffentlichte die Stuttgarter „Neue Musik-Zeitung“ ein größeres Porträt der Cellistin. Nach ihrer Heirat 1897 zog sich Rosa Brackenhammer weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

    Orte und Länder

    Rosa Brackenhammer wurde in Nürtingen geboren. Ende der 1880er Jahre studierte sie, vermutlich privat, in Bern und setzte anschließend von 1890 bis 1892 ihr Studium im Fach Violoncello an der Königlichen Musikschule in München fort. In den folgenden Jahren ließ sich Rosa Brackenhammer vermutlich in Stuttgart nieder und konzertierte u. a. in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und in Dänemark. Im Jahr 1897 heiratete sie in Hoboken (New Jersey) und lebte vermutlich mehrere Jahre lang in den USA; um das Jahr 1910 wirkte sie in Berlin. Rosa Brackenhammer starb 1946 in Stuttgart.

    Biografie

    Rosa Brackenhammer wurde am 30. März 1871 in Nürtingen als Tochter des dortigen Musikdirektors Wilhelm Brackenhammer (1842-1889) und seiner Frau Angelika Durst (1841-1921) geboren. Sie war das fünfte von insgesamt sieben Kindern, von denen jedoch zwei bereits im Säuglingsalter starben. Alle Kinder verfolgten eine künstlerische Laufbahn: die beiden Schwestern Marie und Johanna Brackenhammer wurden professionelle Sängerinnen, die Brüder Wilhelm und Rudolf Brackenhammer wirkten als Pianist bzw. Kunstmaler.


    Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt Rosa Brackenhammer von ihrem Vater, der sie auch in Violoncello unterrichtete. Sie setzte ihren Violoncellounterricht, vermutlich privat, in Bern fort und studierte anschließend von 1890 bis 1892 bei Joseph Werner an der Königlichen Musikschule in München (vgl. Jahresberichte der Königlichen Musikschule München 1890/91 bis 1891/92). Den Jahresberichten zufolge trat sie allerdings nicht in den Vortrags- und Prüfungskonzerten auf, anders als z. B. die Violoncellistin Marie Geist, die dort von 1877 bis 1880 ebenfalls bei Joseph Werner studiert hatte.


    Nach ihrem Studium konzertierte Rosa Brackenhammer in Deutschland, den Niederlanden, in der Schweiz und in Dänemark. Dabei trat sie u. a. in Berlin, München, Nürnberg, Stuttgart, Heilbronn, Tübingen und Kopenhagen auf (vgl. „Neue Musik-Zeitung“ XVIII. Jg. [1897], Nr. 21, S. 255). So berichtete die „Neue Musik-Zeitung“ 1896: „Frl. Rosa Brackenhammer, Violoncellvirtuosin, Schülerin von Prof. Werner in München, konzertierte kürzlich in Kopenhagen. Die dortigen Blätter loben die Meisterschaft, mit welcher das Fräulein ihr Instrument beherrscht, vor allem den großen, edlen Ton, die vornehme Auffassung und insbesondere die seelenvolle Vortragsweise derselben.“ („Neue Musik-Zeitung“, XVII. Jg. [1896], 2. Beilage zu Nr. 7, S. 91)


    Im April 1897 trat Rosa Brackenhammer bei einem Konzert in Stuttgart auf. Gemeinsam mit der Pianistin Leonie Größler-Heim und der Geigerin und Sängerin Paula Ehrenbacher-Edenfeld spielte sie eines der Klaviertrios von Nils Gade sowie – als Solostücke – Werke von David Popper und Ludwig Hegyesi. Die „Neue Musik-Zeitung“ berichtete: „Ein Stuttgarter Konzert, welches am 13. April stattgefunden hat, führte eine aparte Seltenheit vor: ein Trio für Klavier, Violine und Cello, welches von drei anmutigen Damen, von Frau Größler-Heim, Frau Ehrenbacher-Edenfeld und Fräulein Rosa Brackenhammer reizend gespielt wurde. Bei der bewährten Pianovirtuosin Frau Größler-Heim [...] war die künstlerische Durchführung des Klavierparts in Gades hübschem Trio selbstverständlich. Frl. R. Brackenhammer spielt das Cello, wie sie auch in zwei Solopiecen von D. Popper und L. Hegyesi bewies, mit hervorragender, technischer Fertigkeit.“ („Neue Musik-Zeitung“, XVIII. Jg. [1897], Nr. 9, S. 115)


    Neben David Popper und Ludwig Hegyesi gehörten auch Werke von Camille Saint-Saëns, Georg Goltermann und Hermann Heberlein zum Repertoire von Rosa Brackenhammer. In einem Porträt, das die „Neue Musik-Zeitung“ 1897 über Rosa Brackenhammer veröffentlichte, hieß es über ihr Repertoire und ihre Konzerttourneen: „überall anerkannte man den edlen Ton ihres Instrumentes, auf welchem sie mit weiblichem Zartsinn und, wo es der Vortrag forderte, mit männlicher Kraft spielte; man lobte die künstlerische Auffassung der Konzertstücke von D. Popper, Saint-Saëns, Goltermann, Heberlein, Hegyesi, Frédericks u. a., die Weichheit und Innigkeit des Tons, den beredten Ausdruck einer frohmütigen oder düsteren Stimmung, die technische Gewandtheit im Bringen [sic] von Passagen und in polyphonen Griffen, kurz alles, was es an einer Cellovirtuosin zu rühmen giebt.“ (vgl. „Neue Musik-Zeitung“ XVIII. Jg. [1897], Nr. 21, S. 255)


    Vermutlich zog sich Rosa Brackenhammer um das Jahr 1897 aus der Öffentlichkeit zurück. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.


    Am 2. September 1897 heiratete Rosa Brackenhammer in Hoboken (New Jersey, USA) Carl Leopold Börl (1863-1945) und zog sich aus dem öffentlichen Musikleben zurück. 1898 wurde die Tochter Angelika Börl (1898-1976) geboren. Wann Rosa Brackenhammer, verh. Börl, aus den USA nach Deutschland zurückgekehrte, ist unbekannt. Eine 1910 in Berlin aufgenommene Fotografie zeigt sie mit ihrem Instrument, so dass zu vermuten ist, dass sie auch weiterhin in privatem Rahmen als Violoncellistin wirkte.


    Rosa Brackenhammer starb am 2. Februar 1946 in Stuttgart.

    Rezeption

    Obwohl Rosa Brackenhammer nur wenige Jahre in der Öffentlichkeit stand, wurde sie dennoch als Violoncellistin wahrgenommen und sowohl im Artikel „Musikerinnen“ des „Illustrirten Konversations-Lexikons der Frau“ aus dem Jahr 1900 als auch in Edmund van der Straetens „History of the violoncello“ von 1914 erwähnt.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Rosa Brackenhammer kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Sie trat sowohl als Solistin als auch als Kammermusikerin auf und spielte dabei u. a. Werke von Nils Gade, Georg Goltermann, Hermann Heberlein, Ludwig Hegyesi, David Popper und Camille Saint-Saëns.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Rosa Brackenhammer“. In: Neue Musik-Zeitung, XVIII. Jg. (1897), Nr. 21, S. 255.


    Artikel „Musikerinnen“. In: Illustriertes Konversations-Lexikon der Frau, ohne Hg., 2 Bde. Berlin: Verlag von Martin Oldenburg, 1900.


    Jahresberichte der Königlichen Musikschule München. Online verfügbar in der digitalen Sammlung der Bibliothek der Hochschule für Musik und Theater München: http://bibliothek.musikhochschule-muenchen.de/ (Stand: 18. April 2013).


    Straeten, Edmund Sebastian Joseph van der. History of the violoncello, the viol da gamba, their precursors and collateral instruments: with biographies of all the most eminent players of every country. London: W. Reeves, 1914.



    Zeitschriftenartikel und Konzertrezensionen


    Neue Musik-Zeitung, XVII. Jg. (1896), 2. Beilage zu Nr. 7, S. 91.

    Neue Musik-Zeitung, XVIII. Jg. (1897), Nr. 9, S. 115.

    Neue Musik-Zeitung, XVIII. Jg. (1897), Nr. 21, 1897, S. 255.

    Forschung

    Dieter Brackenhammer (Kirchheim/Teck) verdanke ich wesentliche Hinweise zu Rosa Brackenhammer, u. a. ihre Lebensdaten sowie Informationen zu ihrer Herkunft und ihrem weiteren Lebensweg.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Rosa Brackenhammer umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre beruflichen und privaten Kontakte.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Rosa Brackenhammer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Rosa_Brackenhammer