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  • Raffaella Aleotti

    von Karola Weil
    Namen:
    Raffaella Aleotti
    Lebensdaten:
    geb. vor in Ferrara,
    gest. um in Ferrara,

    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Organistin, Dirigentin; Nonne und Priorin

    Profil

    Bereits als junges Mädchen komponierte Vittoria/Raffaella Aleotti Madrigale und Motetten. Die erste Veröffentlichung eines Madrigals findet sich in einem Sammeldruck Ferrareser Komponisten, der von Giacomo Vincenti in Venedig herausgegeben und Herzog Alfonso II. d‘Este von Ferrara gewidmet wurde. Vittoria war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt. Vor allem als Organistin genoss sie einen außerordentlichen Ruf.

    Orte und Länder

    Vittoria/Raffaella Aleotti wirkte als Komponistin, Organistin und Dirigentin in Ferrara. 14jährig trat sie in das musikalisch traditionsreiche Kloster San Vito in Ferrara ein.

    Biografie

    Zur Identität von Vittoria und Raffaella Aleotti

    1593 erschien im Verlag Vincenti in Venedig eine Sammlung von Madrigalen unter dem Titel "Ghirlanda de Madrigali a quatro voci" der Komponistin Vittoria Aleotti. Im selben Jahr brachte der Verleger Amadino in Venedig eine Sammlung Motetten heraus unter dem Titel "Sacrae Cantiones...", die Komponistin: Raffaella Aleotti, Nonne im Kloster San Vito in Ferrara. Das Vorwort zur Madrigalsammlung schrieb Vittorias Vater Giovanni Battista Aleotti, ein angesehener Architekt und Ingenieur aus Ferrara. Das Vorwort zur Motettensammlung schrieb Raffaella selbst.

    Dass innerhalb eines Jahres eine weltliche und eine geistliche Sammlung mehrstimmiger Vokalmusik in zwei verschiedenen Verlagen unter zwei verschiedenen (Vor-)Namen erschienen, hat immer wieder zu der Vermutung geführt, die Komponistinnen Vittoria und Raffaella Aleotti seien zwei verschiedene Personen, wahrscheinlich Schwestern, gewesen. Dieser Ansicht hat vor allem das Vorwort Giovanni Battista Aleottis Vorschub geleistet, da er schreibt, dass Vittoria die zweite Tochter gewesen sei, die dem Musikunterricht der älteren Schwester zugehört habe. Man nahm also an, dass Raffaella die ältere Schwester Vittorias gewesen sei. Diese These wurde in verschiedenen Lexikonartikeln sowie u.a. von Richard Shindle 1966 und Jane Bowers 1986 in "Women Making Music" vertreten.

    Bereits 1898 hatte Robert Eitner in seinem "Biographisch-bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten" die Vermutung geäußert, dass es sich bei Vittoria und Raffaella nicht um Schwestern, sondern um ein und dieselbe Person handele. Vittoria sei der Mädchenname und Raffaella der Klostername gewesen. Eitners These kann heute als gesichert gelten. Die italienische Musikwissenschaftlerin Giuliana Gialdroni konnte alle fünf Töchter von Giovanni Battista Aleotti im Taufregister der Kirche Santa Maria in Vado in Ferrara nachweisen (Gialdroni 1986). Darunter findet sich Vittoria als zweites Kind (Vittoria Elisabetta), nicht aber eine Tochter namens Raffaella, die sich aber im Testament Giovanni Battista Aleottis findet, während hier der Name Vittoria fehlt. Die ältere Schwester Beatrice muss ebenfalls im Kloster San Vito gewesen sein, hat dieses aber verlassen und geheiratet, wie aus dem Testament G.B. Aleottis (1631) hervorgeht. Eine weitere Schwester, die ins Kloster San Vito eingetreten war, verstarb im Jahr 1625. Das Testament ist abgedruckt bei Gregor Scherf 1998 (S. 251-256).

    Darüber hinaus findet sich in der Madrigalsammlung "Giardino de’ Musici Ferraresi" aus dem Jahr 1591 das Madrigal "Il pallide viole" von Vittorio Aleoti (sic!) abgedruckt. Es gilt als sicher, dass es sich dabei um die Komponistin Vittoria Aleotti handelt.


    Zur Namensschreibweise

    Die Schreibweise "Raphaela" findet sich auf der Titelseite ihrer Motettensammlung sowie im Vorwort. Ihre eigene Unterschrift aber war "Raffaella", wie ein Autograph – abgedruckt bei Gialdroni 1986 (Tav. 5) – zeigt.


    Biografie

    Nur wenig ist bekannt aus dem Leben Vittoria/Raffaella Aleottis. Grundlage für die biografischen Daten sind in erster Linie das oben erwähnte Vorwort ihres Vaters Giovanni Battista Aleotti, ihr eigenes Vorwort zu den "Sacrae Cantiones" sowie Quellenforschungen seit den späten 1980er Jahren von Giuliana Gialdroni und C. Ann Carruthers, Massimo Ossi und Thomas W. Bridges.


    Vittoria Elisabetta Aleotti wurde am 22. September 1575 in Ferrara in der Kirche S. Maria in Vado getauft. Sie war die zweite von fünf Töchtern des Architekten und Ingenieurs Giovanni Battista Aleotti (1546-1636) und seiner Frau Giulia. Laut Gregor Scherf hatte sie außerdem einen jüngeren Bruder (Scherf 1998, S.49f.). Ihr musikalisches Talent wurde bereits im Alter von vier oder fünf Jahren erkannt, als sie dem Musikunterricht (Cembalo) ihrer älteren Schwester zuhörte und von sich aus anfing, Cembalo zu spielen. Daraufhin erhielt sie, wie ihre Schwester, Unterricht bei Alessandro Milleville (1521-1589) und anschließend bei Ercole Pasquini (ca. 1560-vor 1620). Alessandro Milleville war zweiter Organist am Hof der Este in Ferrara, und Ercole Pasquini, einer seiner Schüler, wurde als Organist Nachfolger von Luzzascho Luzzaschi an der Academia della Morte in Ferrara. Er war der Vorgänger von Girolamo Frescobaldi in diesem Amt. Auf den Rat Millevilles oder auch Pasquinis hin ließen die Eltern Vittoria im Kloster San Vito, das für seine reiche musikalische Tradition bekannt war, weiter musikalisch ausbilden. Im Alter von 14 Jahren entschied sie sich, im Kloster zu bleiben, mit anderen Worten, sie wurde Novizin. 1591 erschien eine Sammlung fünfstimmiger Madrigale mit dem Titel "Giardino de Musici Ferraresi". Darin befindet sich die erste veröffentlichte Komposition der damals 15- bzw. 16-jährigen Vittoria, allerdings unter dem männlichen Vornamen Vittorio: das Madrigal "Di pallide viole". Neben Madrigalen ihrer Lehrer Alessandro Milleville und Ercole Pasquini waren in dieser Sammlung auch Madrigale von Luzzascho Luzzaschi und weiteren Ferrareser Komponisten abgedruckt. Den Druck herausgegeben hatte Giacomo Vincenti in Venedig, der auch den Widmungstext an Herzog Alfonso II. d’Este verfasste.


    Zwei Jahre später, 1593, erschien die aus 21 Madrigalen bestehende Sammlung "Ghirlanda de madrigali a quatro voci" - unter dem Namen Vittoria Aleotti. Ihr Vater widmete die Sammlung dem Marchese Ippolito Bentivoglio, seinem Förderer und Auftraggeber als Architekt und Ingenieur. In dessen Haus hatte Aleotti den Conte del Zaffo aus Venedig kennengelernt. Dieser, so schreibt Aleotti, habe die Madrigale so schön gefunden, dass er sie veröffentlichen wollte und Vittoria um ein Vorwort gebeten. Aber Vittoria habe sich nicht mehr um "diese weltlichen Dinge" kümmern wollen und ihn, den Vater, um ein Vorwort gebeten. Laut G.B. Aleotti vertonte Vittoria Texte des mit ihm befreundeten Dichters Giovanni Battista Guarini. Gialdroni und Ann Carruthers konnten jedoch nachweisen, dass nicht alle Texte der Madrigale von Guarini stammen.


    Im selben Jahr 1593 kamen die "Sacrae Cantiones" von Suor Raphaela Aleotti heraus. Der Name "Suor Raphaela", das Vorwort Raffaellas sowie ihre Widmung an den Bischof Giovanni Fontana legen nahe, dass sie in diesem Jahr, also 18-jährig, die Profess ablegte und damit den endgültigen Schritt ins Kloster vollzog. Zwei der insgesamt 18 Motetten stammen von ihrem Lehrer Ercole Pasquini (Nr. 6: "Jubilate Deo omnis terra" und Nr. 18: "Quem vidistis pastores"). Das ist umso bedeutsamer, als nur wenige Vokalwerke von Pasquini überliefert sind.

    Auf der Titelseite ihrer "Sacrae Cantiones" ist "Liber Primus" vermerkt. Inwiefern es auch ein zweites Buch oder weitere Veröffentlichungen gab oder geben sollte, ist nicht belegt. Zwischen 1636 und 1639 war Raffaella nachweislich Priorin des Klosters (Carruthers 1994, S. XVI). Wann Raffaella starb, ist nicht bekannt. Agostino Faustini beschreibt Raffaella Aleotti in seinen "Libri delle historie ferraresi" aus dem Jahr 1646 als "heute hoch betagt" (Faustini 1646, Libro II, S. 89).


    Das Kloster San Vito

    Den größten Teil ihres Lebens verbrachte Raffaella im Kloster San Vito. Mehrere Quellen belegen den hohen musikalischen Standard der Nonnen von San Vito – nicht nur den Gesang und die Orgel, sondern auch das Orchester betreffend. Ercole Bottrigari (1531-1612) gibt in seinem "Il Desiderio" aus dem Jahr 1594 eine sehr genaue und geradezu enthusiastische Beschreibung der musikalischen Praxis und Qualität der Nonnen von San Vito wieder. Er beschreibt ein "Gran Concerto", das er in San Vito gehört habe, das aus ungefähr 23 Sängerinnen und Instrumentalistinnen bestand. Der Klang, d.h. die Intonation in San Vito, sei außergewöhnlich gut (anmutig und hoch verfeinert) gewesen. Zum Instrumentarium gehörten – laut Bottrigari – auch Blasinstrumente wie Cornett (Zink) und Posaunen. Giovanni Maria Artusi (1540-1613) bestätigt dies in seiner Schrift "L’Artusi overo delle imperfettioni della moderna musica" (1600) und zählt weitere Instrumente auf, die er in San Vito gehört hatte: Neben Zinken und Posaunen auch Violinen, Viole bastarde, Doppelharfen, Lauten, Cornamusen, Flöten und Cembalo. Auch er beschreibt den Klang und die Intonation als außerordentlich zart und anmutig, "als ob sich das Paradies selber geöffnet hätte" ("... one could hear cornetts, trombones, violins, viole bastarde, double harps, lutes, cornamuses, flutes, harpsichords, and voices all at the same time, with such smoothness and sweetness of harmony that it really seemed as though it were Mount Parnassus, and Paradise itself hat opened, and not something human." Artusi, zit. nach Carruthers 2005, S. XXII). Die Traktate von Bottrigari als auch Artusi behandeln die Problematik der musikalischen Aufführungspraxis, ihre Unvollkommenheit, die u.a. mit dem Stimmungsproblem der Instrumente jener Zeit zusammenhing. "Die Intonation bei solchen Orchestern war offenbar meistens erbärmlich; denn Artusi wie auch Bottrigari drückten ihre Überraschung darüber aus, sie gelegentlich einmal sauber spielen zu hören. Artusi – hob besonders die Schwestern des Klosters San Vito hervor, deren ,concerto‘ er ,das hervorragendste, einheitlichste und bestproportionierte in Italien‘ nannte...". (Palisca 1989, S. 238) Bottrigari betont, dass auch die Komponisten "Wert, Spontone, Porta, oder Merulo", die ebenfalls die Konzerte in San Vito besucht hätten, ihm in seinem Urteil beipflichten würden (Carruthers 2005, S. XVII).


    Weitere Quellen belegen ebenfalls die hervorragende Konzerttätigkeit der Nonnen und erwähnen dabei auch insbesondere Raffaella Aleotti. Marc’ Antonio Guarini (ein Neffe des Dichters Giovanni Battista Guarini) schreibt in seinem "Compendio historico dell’ origine...", 1621, dass das Kloster bereits im 13. Jahrhundert gegründet wurde und eine wechselvolle Geschichte hatte (Guarini, S. 374ff.). Im 16. Jahrhundert gehörte die Musik insbesondere durch die Unterstützung Giulia Fiaschis, einer damals berühmten Organistin, und der Prinzen von Este zu einer der Hauptaufgaben dieses Augustinerinnenklosters. Guarini schreibt, dass es dort hervorragende Komponistinnen, Sängerinnen und Instrumentalistinnen, die "alle Arten von Instrumenten" spielten, gegeben habe. Namentlich erwähnt er Catabene de’ Cataberi und Cassandra Pigna als “tenori buoni“, Alfonsa Trotti „di basso singolare, e di stupore“, Claudia Manfredi und Bartolomea Sorianati „soprani delicatissimi“, dann Raffaella de’ Magnifici und noch eine Catabene, die sowohl gute Cornetto-Spielerinnen waren als auch weitere Instrumente beherrschten. Außer Olimpia Leoni hebt er "die über alle herausragende Organistin Raffaella Aleotti" hervor. Auch schreibt Guarini, dass viele Fürsten und Gelehrte die Konzerte im Kloster San Vito besuchten, oftmals seien sie ausschließlich der Konzerte wegen gekommen.


    Ferrara und das Kloster San Vito – politisch-kultureller Kontext und das Jahr 1599

    Raffaellas Wirken fiel in eine Übergangszeit, in der aus dem glanzvollen Herzogtum Ferrara eine Provinz des Kirchenstaats wurde. Mit dem Tod von Alfonso II. d’Este, 1597, ging eine über 300-jährige kulturell herausragende Dynastie in Oberitalien zu Ende. Da es keine direkten Erben gab, fiel Ferrara als päpstliches Lehen zurück an den Kirchenstaat. (Über den Prozess der "Integration" Ferraras am Rande von Exkommunikation und kriegerischer Auseinandersetzung s. die detaillierte Habilitationsschrift von Birgit Emrich 2005.) Dies hatte weitreichende Folgen – nicht zuletzt für die Nonnen von San Vito. War das Kloster San Vito zur Zeit der Este ein Ort über die Grenzen Ferraras hinaus bekannt gewordener Konzerte gewesen, so fand jetzt die Pflege der Instrumentalmusik und damit die Konzerttätigkeit der Nonnen ein abruptes Ende. Kathi Meyer bemerkt in ihrer Dissertation "Der chorische Gesang der Frauen", dass laut einer Generalverordnung für die Nonnen von Ferrara aus dem Jahr 1599 "den Nonnen fleißige Befolgung der kanonischen Stunden geboten, aber jedes Instrumentalspiel außer der Orgel bei 50 scudi Strafe verboten" wurde (Kathi Meyer 1917, S. 30). Nur wenige Wochen zuvor, am 16. November 1598, hatte in San Vito ein Konzert zu Ehren und unter Anwesenheit von Papst Clemens VIII. sowie der Erzherzogin Margarethe von Österreich (1584-1611) stattgefunden. Margarethe von Österreich, die kurz zuvor in Ferrara den spanischen König Philipp III. (1578-1621) geheiratet hatte, muss so beeindruckt gewesen sein, dass sie Raffaella Aleotti angeboten haben soll, mit ihr an den spanischen Königshof zu kommen (Faustini. Libri delle historie ferraresi..., Libro IV, S. 179f. - Über dieses Konzert berichten auch Artusi und Guarini).


    Widmungen

    1637 widmete der Komponist und Organist Giovanni Battista Chinelli (1610-1677) sein "Primo libro di motetti a voce sola" der Organistin und Nonne Raffaella Aleotti. Chinelli war u.a. Kapellmeister an der Kathedrale zu Parma und am Dom zu Novara, wahrscheinlich hatte er auch in Venedig ein Kapellmeisteramt inne. In Ferrara war er 1660 Kapellmeister der Accademia della Morte.

    1638 folgte eine Würdigung von Don Lorenzo Agnelli (1610-1674), ein Mönch des Klosters Monte Oliveto nordwestlich von Siena, der auch als Organist an San Lorenzo in Cremona bezeugt ist. Sein "Il secondo libro di Motetti" widmete er der "Signora Donna Raffaela Aleotti". Aus der Widmung geht hervor, dass sie zu diesem Zeitpunkt Priorin des Klosters San Vito war. Er rühmt auf nahezu überschwängliche Weise die "anmutige Organistin" und "das Meer ihrer Verdienste".

    Bemerkenswert daran ist, dass beide Komponisten einer viel jüngeren Generation angehörten – beide sind 1610 geboren.

    Rezeption

    Ein Exemplar der "Sacrae Cantiones" befindet sich in der Landesbibliothek der Stadt Kassel (Signatur: 4° Mus 6c). Laut Angelika Horstmann (Horstmann 2005, S. 59f.) befand sich dieses Exemplar bereits 1613 im Inventar der Kasseler Hofkapelle. Es ist gut denkbar (aber nicht sicher), dass dieser Druck durch Heinrich Schütz nach Kassel gekommen ist. Ob Aleottis Motetten am Kasseler Hof auch erklungen sind, ist nicht belegt resp. erforscht.

    Ein vollständiger Druck der Madrigalsammlung befand sich bis zum Bibliotheksbrand 2004 in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und ist dabei vermutlich verloren gegangen. Digitalisat und Mikroform sind jedoch vorhanden (Signatur: S 4 : 12 [6]) und online verfügbar unter: http://ora-web.swkk.de/digimo_online/digimo.entry?source=digimo.Digitalisat_anzeigen&a_id=3236 Wann und wie der Druck nach Weimar gelangte ist noch nicht erforscht, ebenso wenig die Überlieferungswege der Abschriften im Landeskirchlichen Archiv Nürnberg.


    Raffaella Aleotti war vor allem als hervorragende Organistin über die Grenzen Ferraras hinaus bekannt und wurde vielfach als solche gewürdigt.


    Aleottis Kompositionen werden seit einigen Jahren von verschiedenen Ensembles wieder entdeckt und liegen als CD-Einspielungen vor (s. Diskografie). Aufführungen ihrer Madrigale sind u.a. unter "youtube" abrufbar.

    Werkverzeichnis

    A. Individualdrucke


    Vittoria Aleotti. Ghirlanda de madrigali a quatro voci. Venetia: Giacomo Vincenti, 1593. (Hg. und Vorwort) Giovanni Battista Aleotti. Widmungsträger: Conte Ippolito Bentivoglio. RISM: A 821.


    Raphaela Aleotti. Sacrae Cantiones quinque, septem, octo, & decem vocibus decantandae. Venetia: Ricciardo Amadino, 1593. (Hg. und Vorwort) Raffaella Aleotti. Widmungsträger: Bischof Giovanni Fontana. RISM: A 822.



    B. Weitere Werke in Anthologien und Handschriften


    "Di pallide viole". Madrigal von Vittorio Aleoti (sic!). In: Giardino de Musici Ferraresi. Madrigali a cinque voci. Venetia: Giacomo Vincenti, 1591.


    "Facta est cum Angelo" (= Nr. 8 aus den "Sacrae Cantiones" Aleottis). In: Sacrae Cantiones quinque, sex, septem, octo & plurium vocum. Nürnberg: Landeskirchliches Archiv. MS Fenitzer IV, 2° 226.


    "Angelus ad pastores ait" (= Nr. 10 aus den "Sacrae Cantiones" Aleottis). In: Sacrae Cantiones quinque, sex, septem, octo & plurium vocum. Nürnberg: Landeskirchliches Archiv. MS Fenitzer IV, 2° 226.



    C. Moderne Ausgaben


    Vittoria Aleotti. Cinque Madrigali a 4 voci miste. Premessa e trascrizione di Giuliana Gialdroni. Roma: Pro Musica Studium, 1986.


    Vittoria Aleotti. Ghirlanda de madrigali a quatro voci. Venetia: Giacomo Vincenti, 1593. Edition and Introduction by C. Ann Carruthers. (Music at the Courts of Italy.1.) New York and Williamstown: The Broude Trust, 1994.


    Raffaella Aleotti. Sacrae Cantiones quinque, septem, octo, & decem vocibus decantandae. Venetia: Ricciardo Amadino, 1593. Ed. by C. Ann Carruthers. Introduction by Thomas W. Bridges. (Music at the Courts of Italy.2.) New York and Williamstown: The Broude Trust, 2006.



    D. Diskografie


    Raphaella Aleotti. Le Monache di San Vito – The Nuns of San Vito. Capella Artemisia. Dir. Candace Smith. Label: Tactus TC 570101.


    Einspielungen einzelner Madrigale Aleottis befinden sich auf folgenden CDs:

    I canti di Euterpe. Sec. XV/XVI. Ensemble Laus Concentus. Label: La Bottega Discantica, 1998 / Label: CODAEX Deutschland GmbH München, 2012. EAN: 8015203100374 (“Hor che la vagh’ aurora”)


    O Dulcis Amor. Ensemble La Villanella Basel. 2004. Label: Ramee 0401. (“Hor che la vagh’ aurora”. “Cor mio perche pur piangi”. “Mentre l’ardite labbia".)

    Quellen

    Archive:


    Ferrara: Archivio Storico Diocesano, sez. Archivio dei Residui, Fondo Monastero di S. Vito, Libro 12



    Dokumente und ältere Literatur:


    Bottrigari, Hercole. Il Desiderio overo de’ concerti di Varii Strumenti Musicali. Venetia: Ricciardo Amadino, 1594. Reprints: Veröffentlichungen der Musik-Bibliothek Paul Hirsch. Bd.5. (Hg.) Kathi Meyer. Berlin: Martin Breslauer, 1924. Bologna: Forni, 1968. Engl.: Il Desiderio or Concerning the Playing Together of Various Musical Instruments. Trans. Carol MacClintock. Musicological Studies and Documents, 9. American Institute of Musicology, 1962.


    Artusi, Giovanni Maria. L’Artusi overo delle imperfettioni della moderna musica. Venetia: Giacomo Vincenti, 1600. Reprint: Bologna: Forni, 1968.


    Guarini, Marc’ Antonio. Compendio historico dell’origine, accrescimento e prerogative delle chiese e luoghi della città e Diocesi di Ferrara. Ferrara: Eredi di Antonio Baldini, 1621.


    Faustini, Agostino. Libri delle historie ferraresi del sig. Gasparo Sardi, con una nuova aggiunta del medesimo autore, aggiuntovi di più quattro libri del sig. dottore Faustini. Ferrara: Giuseppe Gironi, 1646.


    Faustini, Agostino. Delle Historie di Ferrara. Libro quinto e sesto. Ferrara: Giuseppe Gironi, 1655.


    Borsetti, Andrea. Supplemento al Compendio Historico del Signor D. Marc’Antonio Guarini Ferrarese. Ferrara: G. Bolzoni Giglio, 1670.


    Frizzi, Antonio. Memorie per la storia di Ferrara. Ferrara 1791. (2. Aufl. 1847-48)


    Cittadella, L.N. Memorie intorno alla vita ed alle opere dell’architetto Giambattista Aleotto Argentano, in: Giovanni Battista Aleotti. Dell’interrimento del Po di Ferrara e divergenza delle sue acque nel ramo di Ficaroloa. Ed. L.N. Citadella. Ferrara: D. Taddei, 1847.



    Sekundärliteratur (chronologisch):


    Eitner, Robert. Biographisch-Bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten christlicher Zeitrechnung bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1898.


    Meyer, Kathi. Der chorische Gesang der Frauen mit besonderer Bezugnahme seiner Betätigung auf geistlichem Gebiet. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1917.


    Shindle, Richard. Ercole Pasquini. Collected Keyboard Works (Corpus of Early Keyboard Music. 12). American Institute of Musicology, 1966.


    Cavicchi, Adriano. "Aleotti, Raffaella". In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Bd. 15. 1973. Sp. 130/1.


    Cavicchi, Adriano. "Aleotti, Raffaella" und "Aleotti, Vittoria". In: The New Grove. Bd. 1. 1980. S. 243.


    Newcomb, Antony. The Madrigal at Ferrara 1579-97. 2 Bde. Princeton: University Press, 1980.


    Carruthers-Clement, C.Ann. The Madrigals and Motets of Vittoria/Raphaela Aleotti. Kent State University, 1982. (Diss.)


    Bowers, Jane. "The Emergence of Women Composers in Italy, 1566-1700". In: Bowers, Jane & Tick, Judith. Women Making Music. The Western Art Tradition 1150-1950. Houndmills, Basingstoke, Hampshire and London: The Macmillan Press Ltd., 1986.


    Gialdroni, Giuliana. Vorwort zu: Vittoria Aleotti. Cinque Madrigali a 4 voci miste. Premessa e trascrizione di Giuliana Gialdroni. Roma: Pro Musica Studium, 1986. (s.o.)


    Palisca, Claude V. Die Jahrzehnte um 1600 in Italien. In: Geschichte der Musiktheorie. Bd. 7. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1989. S. 221-306.


    Weil, Karola. Die Motetten von Raffaella Aleotti (1575-ca. 1646). Magisterarbeit FU Berlin 1991. (unveröffentlicht)


    Weil, Karola. "Aleotti". In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage. Personenteil. Bd.1. Kassel & Stuttgart, 1999. Sp. 438f.


    Scherf, Gregor. Giovanni Battista Aleotti (1546-1636) ’Architetto mathematico’ der Este und der Päpste in Ferrara. Marburg: Tectum, 1998.


    Smith, Candace. Raphaella Aleotti and the Nuns of San Vito. Booklet zur CD Raphaella Aleotti. Le Monache di San Vito – The Nuns of San Vito. Capella Artemisia. Dir. Candace Smith. Tactus 2005.


    Bridges, Thomas W. Introduction. In: Raffaella Aleotti. Sacrae Cantiones quinque, septem, octo, & decem vocibus decantandae. Ed. by C. Ann Carruthers. New York & Williamstown: The Broude Trust, 2006. S. XV-XXXIV.


    Emrich, Birgit. Territoriale Integration in der Frühen Neuzeit. Ferrara und der Kirchenstaat. Köln u.a., 2005.



    Links


    http://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1338806667268/1/

    Forschung

    Mit Gialdroni (1986) und C. Ann Carruthers (1982, 1994, 2006, unterstützt durch Massimo Ossi und Thomas W. Bridges) haben die Forschungen zu Vittoria/Raffaella Aleotti erst begonnen. Dabei liefert Bridges in seiner "Introduction" zu der Ausgabe der "Sacrae Cantiones" u.a. Beiträge zum sozio-kulturellen Hintergrund nicht nur der Nonnen, sondern auch der Frauen am Ferrareser Hof. Über die Grenzen Ferraras hinaus berühmt waren neben den Konzerten in San Vito auch die "Concerte delle Donne" am Hof der Este. Namhafte Komponisten wie Luzzaschi und Gesualdo komponierten für sie. Die Konzerte in San Vito waren offenbar ein großer Anziehungspunkt auch und gerade für die Komponisten, die am Ferrareser Hof gewirkt haben.

    Forschungsbedarf

    Archiv- und Quellenforschung zu Vittoria/Raffaella Aleotti als Komponistin, Organistin und Dirigentin sowie zum Kloster San Vito steht noch aus. Es fehlt bisher eine systematische Aufarbeitung der Geschichte und Musikpraxis dieses Klosters. Gemessen an seiner überlieferten Bedeutung besteht gerade hier eine große Forschungslücke. Außerdem: Welche Rolle spielten die Fürsten Ferraras für San Vito?

    Darüber hinaus allgemein: Welche Rolle spielten die Musiktraditionen der oberitalienischen Klöster und die Bedingungen für die Ausprägung ihrer hervorragenden Musikpraxis? Speziell für Ferrara werden in den Quellen neben San Vito auch die Klöster San Antonio und San Silvestro genannt (Faustini 1646, Libro II, S. 88f., Borsetti 1670, S. 229f., Frizzi 1847-482, S. 442). Es gab in diesen Klöstern offensichtlich sogenannte Musikakademien.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 69230163
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 122397282
    Library of Congress (LCCN): n95079471
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Karola Weil


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Karola Weil, Artikel „Raffaella Aleotti“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Raffaella_Aleotti