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  • Ottilie Lichterfeld

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Ottilie Lichterfeld
    Ehename: Ottilie Lichterfeld-Kersch
    Lebensdaten:
    geb. nach in Mannheim,
    gest. in Berlin,


    Profil

    Die Pianistin und Musikpädagogin Ottilie Lichterfeld erhielt ihren ersten Klavierunterricht privat von dem Berliner Pianisten Franz Kroll und setzte ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar fort. Von klein auf trat Ottilie Lichterfeld regelmäßig in Konzerten auf und konnte sich nach ihrem Studium als Pianistin etablieren; mehrere Konzertreisen führten sie durch Deutschland, Holland, Russland und Rumänien. Anfang der 1880er Jahre zog sich Ottilie Lichterfeld weitgehend vom Konzertleben zurück und arbeitete als private Klavierlehrerin in Berlin.

    Orte und Länder

    Ottilie Lichterfeld wurde in Mannheim geboren und wuchs in Berlin auf. Sie blieb zeitlebens in Berlin wohnhaft. Konzertreisen führten Ottilie Lichterfeld u. a. durch Deutschland, Österreich, Holland, Russland und Rumänien.

    Biografie

    Ottilie Lichterfeld wurde Anfang der 1850er Jahre in Mannheim als Tochter des Schauspielers und Dramatikers Friedrich Lichterfeld und seiner Frau geboren. 1855 erhielt ihr Vater ein festes Engagement am Berliner Königlichen Schauspielhaus, und die Familie ließ sich in Berlin nieder.


    Ihren ersten Klavierunterricht erhielt Ottilie Lichterfeld privat bei dem Pianisten und Franz Liszt-Schüler Franz Kroll und trat bereits als Kind in Konzerten auf (vgl. Morsch 1893, S. 181). Anschließend, vermutlich Anfang der 1870er Jahre, setzte sie ihr Studium bei Franz Liszt fort, dessen Sommerkurse in Weimar sie mehrere Jahre lang besuchte (vgl. Lachmund 1970, S. 303).


    Bereits während ihres Studiums konnte sich Ottilie Lichterfeld als Pianistin etablieren und blieb in den folgenden Jahrzehnten als Solistin, Kammermusikerin und Klavierpädagogin im Berliner Musikleben präsent. Dennoch lassen sich Konzerte von ihr nur vereinzelt belegen. Im Sommer 1867 trat sie gemeinsam mit der Opernsängerin Johanna Jachmann-Wagner im Ostseebad Cranz (heute Selenogradsk in Russland) auf, wobei „Programm und Ausführung“ – so die „Neue Berliner Musikzeitung“ – „einen Kunstgenuss“ gewährten („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 14. August 1867, S. 262). Ein Jahr später konzertierten die beiden Musikerinnen ein weiteres Mal in Cranz. Dabei spielte Ottilie Lichterfeld u. a. eine „Valse-Caprice“ Franz Schuberts in der Bearbeitung Franz Liszts (aus „Soirées de Vienne“) und eine von dessen „Rhapsodies hongroises“ sowie Kompositionen von Frédéric Chopin und Carl Maria von Weber. Die „Neue Berliner Musikzeitung“ berichtete über das Konzert: „Die Pianistin Fräulein Lichterfeld hat hier im Verein mit Frau Jachmann-Wagner ein sehr besuchtes Concert gegeben, in dem sie Compositionen von Chopin, Weber und Liszt trefflich spielte. Besonderen Beifall erzielte die junge Künstlerin durch den Vortrag der Liszt’schen Valse-Caprice und Rhapsodie hongroise.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 26. August 1868, S. 281) Im Dezember 1868 gab Ottilie Lichterfeld ein eigenes Konzert in Berlin, bei dem sie u. a. Johann Sebastian Bachs „Italienisches Konzert“ F-Dur BWV 971, wiederum Liszts Valse-Caprice nach Schubert sowie das Nocturne Des-Dur op. 27 Nr. 2 von Frédéric Chopin spielte. Die „Neue Berliner Musikzeitung“ rezensierte: „Das letztere [Einsicht und Verständnis] galt nicht minder von Frl. Lichterfeld in dem von ihr gespielten Italienischen Concert von Johann Sebastian Bach, sowie in einem Nocturne (Des-dur) von Frédéric Chopin und einer Valse-Caprice von Franz Schubert/Franz Liszt. In diesen Stücken liess die Pianistin bei klarem und glücklich nüancirtem Anschlag uns sinnige Auffassung überall erkennen [...].“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 16. Dezember 1868, S. 409) In den folgenden Jahren sind keine Konzerte Ottilie Lichterfelds zu belegen; möglicherweise setzte sie in dieser Zeit ihr Studium bei Franz Liszt fort.

    Erst ab 1876 sind weitere Konzerte nachzuweisen. So spielte Ottilie Lichterfeld z. B. im Februar 1876 gemeinsam mit dem Geiger Julius Oertling in Berlin Anton Rubinsteins Violinsonate G-Dur op. 13 sowie Variationen von Henri Vieuxtemps, musizierte als Kammermusikerin am 23. März 1877 gemeinsam mit einem Geiger und einer Sängerin in Heidelberg, wo sie – dem „Musikalischen Wochenblatt“ zufolge – „sicher und ausdrucksvoll“ spielte, und trat im Herbst 1878 in Dresden in der „Declamations-Soirée“ eines Herrn Petrovic mit Johann Sebastian Bachs Toccata d-Moll BWV 565 in der Bearbeitung Carl Tausigs auf (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 11. Februar 1876, S. 86; vom 6. April 1877, S. 219; vom 22. November 1878, S. 577). Am 18. Januar 1879 spielte Ottilie Lichterfeld in einem Solistenkonzert der Berliner Singakademie als Konzertpartnerin des Geigers Emile Sauret. Auf dem Programm standen u. a. nochmals Carl Tausigs Toccata d-Moll nach Bach, Frédéric Chopins Nocturne As-Dur op. 32 Nr. 2 sowie Tausigs Konzertetüde Fis-Dur (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 31. Januar 1879, S. 70).


    Zudem unternahm Ottilie Lichterfeld mehrere Konzertreisen, die sie u. a. durch Deutschland, Österreich, Holland, Russland und Rumänien führten (vgl. Morsch 1893, S. 181).


    Im Jahr 1893 lebte Ottilie Lichterfeld als private Klavierlehrerin in Berlin (Morsch 1893, S. 181) und trat Ende des Jahres 1895 nochmals in einem Konzert gemeinsam mit dem Streichquartett des Geigers Gustav Holländer in Berlin auf. Dabei spielte sie u. a. das Klavierquintett e-Moll op. 5 von Christian Sinding sowie mehrere Solostücke für Klavier (vgl. „Signale für die musikalische Welt“ Jg. 53 [1895], S. 825). Nach 1895 heiratete sie und trug den Namen Ottilie Lichterfeld-Kersch. Sie wirkte bis zu ihrem Tod als Klavierlehrerin in der Schaperstr. 35 in Berlin, wie aus mehreren ihrer Inserate hervorgeht, die sie regelmäßig in Fachzeitschriften veröffentlichte (vgl. z. B. „Der Klavierlehrer“ 1908/1909, S. 30 und passim). Nach 1895 hatte sie geheiratet und den Namen Ottilie Lichterfeld-Kersch angenommen.


    Ottilie Lichterfeld starb 1909 in Berlin an einem Herzinfarkt (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ Jg. 40 [1909], S. 182).

    Würdigung

    Ottilie Lichterfeld gehörte zum Schülerkreis um Franz Liszt. Nach ihrem Studium blieb sie über viele Jahrzehnte im Musikleben als Pianistin und Klavierpädagogin präsent. Im Jahr 1893 wurde sie von Anna Morsch in deren Buch „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ aufgenommen, dessen „biografische Skizzen“ für die Weltausstellung in Chicago zusammengestellt worden waren (Morsch 1893, S. 181).

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Ottilie Lichterfelds werden derzeit nicht rezipiert. Als Schülerin Franz Liszts wird sie in der Liszt-Forschung wahrgenommen (vgl. Lachmund 1970. S. 303). Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“.

    Repertoire

    Über das Repertoire Ottilie Lichterfelds ist nur wenig bekannt. Aufführungen der folgenden Werke lassen sich nachweisen:


    Bach, Johann Sebastian. Italienisches Konzert F-Dur BWV 971.

    Bach, Johann Sebastian/Tausig, Carl. Toccata d-Moll BWV 565.


    Chopin, Frédéric. Nocturne As-Dur op. 32 Nr. 2.

    Chopin, Frédéric. Nocturne Des-Dur op. 27 Nr. 2.


    Liszt, Franz. Rhapsodie hongroise (keine Präzisierung möglich).


    Rubinstein, Anton. Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 13.


    Schubert, Franz/Liszt, Franz. Valse-Caprice (aus „Soirées de Vienne“).


    Sinding, Christian. Klavierquintett e-Moll op. 5.


    Tausig, Carl. Konzertetüde Fis-Dur.


    Vieuxtemps, Henri. Variationen (keine Präzisierung möglich).

    Quellen

    Literatur:


    Lachmund, Carl V. Mein Leben mit Franz Liszt. Aus dem Tagebuch eines Liszt-Schülers. Eschwege: G. E. Schroeder Verlag, 1970.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen:


    Der Klavierlehrer 1908/09, S. 30.


    Musikalisches Wochenblatt vom 11. Februar 1876, S. 86.

    Musikalisches Wochenblatt vom 6. April 1877, S. 219.

    Musikalisches Wochenblatt vom 22. November 1878, S. 577.

    Musikalisches Wochenblatt vom 31. Januar 1879, S. 70.

    Musikalisches Wochenblatt, Jg. 40 (1909), S. 182.


    Neue Berliner Musikzeitung vom 14. August 1867, S. 262.

    Neue Berliner Musikzeitung vom 26. August 1868, S. 281.

    Neue Berliner Musikzeitung vom 16. Dezember 1868, S. 409.


    Signale für die musikalische Welt, Jg. 53 (1895), S. 825.

    Forschung

    Zu Ottilie Lichterfeld liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Ottilie Lichterfeld umfasst sowohl ihre Biografie als auch ihre Tätigkeiten. Interessant wären weitere Forschungen zu ihrem Berliner Schülerkreis, die möglicherweise Rückschlüsse auf die Verbreitung der Lisztschen Schule ermöglichten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 16.04.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Ottilie Lichterfeld“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 16.4.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Ottilie_Lichterfeld