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  • Natalie Prawossudowitsch

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Natalie Prawossudowitsch
    Lebensdaten:
    geb. in Wilna, Russland (heute Vilnius, Litauen)
    gest. in Meran, Italien
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Pianistin
    Charakterisierender Satz:

    „Es durfte nichts Gestaltloses geschrieben werden!“


    Natalie Prawossudowitsch über ihren Kompositionsunterricht bei Arnold Schönberg (Prawossudowitsch 2003, S. 111).


    Profil

    Natalie Prawossudowitsch wurde am Konservatorium in St. Petersburg ausgebildet. Aus politischen Gründen – der Vater wurde 1928 verhaftet und ein Jahr später in einem Arbeitslager erschossen – kam sie Ende der 1920er Jahre mit Hilfe von Alexander Glasunow nach Berlin und setzte dort ihr Kompositionsstudium als Meisterschülerin von Arnold Schönberg fort. Die Kompositionen, die in der Berliner Zeit entstanden, wurden regelmäßig aufgeführt und teilweise auch im Rundfunk gesendet. Aus gesundheitlichen Gründen musste Natalie Prawossudowitsch 1931 Deutschland verlassen und fand in der Meraner Stiftung Borodine, einer Einrichtung für kranke Exilanten aus Russland, Zuflucht. Sie blieb dort ihr Leben lang wohnen. Ab 1941 arbeitete Natalie Prawossudowitsch als Sprachlehrerin und Näherin und nahm erst 1956 ihre Tätigkeit als Komponistin wieder auf. In den letzten Lebensjahrzehnten fand sie in Deutschland und Italien Anerkennung, wenn auch nur in einem kleinen Kreis. Ihre Werke wurden in Meran sowie in mehreren deutschen Städten aufgeführt.

    Orte und Länder

    Natalie Prawossudowitsch wurde in Wilna (Vilnius) geboren. Sie absolvierte ein erstes Studium in Klavier und Komposition in St. Petersburg und setzte ab 1928 ihre Kompositionsstudien an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin fort. Im Jahr 1931 verließ sie aus gesundheitlichen Gründen Deutschland und ließ sich in der Stiftung Borodine in Meran (Italien) nieder, wo sie ihren Wohnsitz bis zu ihrem Tod 1988 behielt.

    Biografie

    Natalie Prawossudowitsch wurde am 14. August 1899 in Vilnius, heute Wilna, geboren. Ihr Vater, Michail Prawossudowitsch, war Eisenbahningenieur von Beruf. Die Mutter, Natalia Aleksandrowna Gorskaja, hatte am Konservatorium in St. Petersburg Klavier studiert, verzichtete jedoch auf eine eigene Karriere und widmete sich ihrer Familie. Natalie Prawossudowitsch war eines von drei Kindern; ihre Schwester Tatiana wurde 1895, ihr Bruder Dmitrij 1900 geboren.

    Natalie Prawossudowitsch erhielt von klein auf von der Mutter Klavierunterricht. Sie selbst berichtete in ihren Memoiren über das Klavierspiel der Mutter und ihre eigenen ersten Versuche: „Mutter verfügte über eine angeborene Technik und spielte so wunderbar ‚Carnaval‘ von Schumann, die Sonaten von Beethoven und Chopin, dass mich auch heute noch nur wenige Pianisten zufrieden zu stellen vermögen. Als kleines Kind noch setzte ich mich ans Klavier, um zu improvisieren, aber unsere ‚große Großmutter‘ (Olga), die bei uns lebte, setzte dem bald ein Ende und flehte meine Mutter an: ‚Im Namen Gottes, ich bitte dich, gib ihr endlich Unterricht, das kann man ja nicht aushalten.‘“ (Prawossudowitsch [2003], S. 96)


    Im Jahr 1918 begann Natalie Prawossudowitsch bei Vera Skrjabin am St. Petersburger Konservatorium Klavier zu studieren und war zugleich begeistert von den kompositorischen Ideen deren Mannes Alexander Skrjabin. Aus Betroffenheit über den Tod von Vera Skrjabin (1920) brach Natalie Prawossudowitsch das Klavierstudium ab, bestand im gleichen Jahr mit der „Sammlung lustiger Moll-Bagatellen“ op. 3 die Aufnahmeprüfung für das Studienfach Komposition/Musiktheorie und belegte das Fach bis 1923 bei Sergej Ljapunow (vgl. Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Praw. 241). Während ihres Studiums in St. Petersburg entstanden mehrere Orchesterwerke, so z. B. die „Skizzen“ (op. 6) und eine Fantasie (op. 8), Kammermusik wie z. B. die „Pièce“ für Sopran, Violoncello und Klavier (op. 7) sowie Kompositionen für Klavier. Im Jahr 1925 reichte Natalie Prawossudowitsch ihre Sonate für Klavier op. 13 als Diplomarbeit bei Alexander Glasunow ein – Sergej Ljapunow war 1924 gestorben – und schloss ihr Studium am Konservatorium in St. Petersburg mit einem Diplom ab.

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    Da ihre Familie in Russland zunehmend politisch verfolgt wurde, bemühte sich Natalie Prawossudowitsch um eine Ausreisegenehmigung, die sie schließlich mit Hilfe von Alexander Glasunow, zu dieser Zeit Direktor des St. Petersburger Konservatoriums, 1928 erhielt. Zudem verfasste er ein Empfehlungsschreiben an Arnold Schönberg (vgl. Zoeggeler/Talalay 2003, S. 32), sodass Natalie Prawossudowitsch ab Herbst 1928 ihr Studium als dessen Meisterschülerin an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin fortsetzen konnte. Zu ihren Kommilitonen zählten dabei Niko Skalkottas, Peter Schacht, Alfred Keller und Norbert von Hannenheim. Sie selbst erzählte über den Unterricht bei Arnold Schönberg: „Das Studium bei ihm war völlig unkonventionell; wir waren ja alle schon geschult, brachten unsere Kompositionen mit und spielten sie vor. Darauf folgte des Meisters gründliche und auch erbarmungslose Kritik. [...] Einmal zum Beispiel spielte Schacht eine eigene Komposition vor, da zeigte Schönberg auf eine bestimmte Stelle mit der Frage ‚Was ist das?‘ Schacht antwortete: ‚Eine Variation.‘ ‚So?‘ rief Schönberg aus, lief im Zimmer hin und her, erfasste einen Aschenbecher, stellte ihn heftig auf den Tisch und sagte: ‚Das ist ein Spazierstock!‘ [...] Es durfte nichts Gestaltloses geschrieben werden! [...] Niemals sprach Schönberg aber von seinem Zwölfton-System, vielleicht um keinen Druck auf uns auszuüben und uns ganz frei und unbeeinflusst komponieren zu lassen nach unserer eigenen Individualität. Und das Schönste war, dass alles, was wir geschrieben haben, sofort gespielt wurde. Ich hatte ein Streichquartett komponiert und schon in der nächsten ‚Stunde‘ saßen vier Streicher da, um es uns vorzuspielen. Meine Klaviersonate op. 23 spielte uns damals die Pianistin Irene Westermann vor.“ (Prawossudowitsch [2003], S. 109ff.) Während ihres Studiums bei Arnold Schönberg entstanden u. a. die Fuge für Klavier op. 21 (Berlin, Okt. 1928), Variationen über ein Thema von Schubert für Violine und Klavier op. 22 (Berlin 1928), eine Sonatine für Klavier op. 23 (Berlin 1929), Drei Deutsche Lieder für Sopran und Klavier op. 24 (Berlin 1930) und das Streichquartett op. 25 (Berlin 1930).


    In Berlin konnte sich Natalie Prawossudowitsch relativ rasch als Komponistin durchsetzen, und bereits ein Jahr nach ihrer Ankunft, 1929, wurde sie in die Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) aufgenommen. Auch wurden ihre Werke in der Berliner Zeit vergleichsweise häufig aufgeführt. Der Pianist Heinz Hirschland spielte am 15. November 1929 die Uraufführung ihrer „Sonatine für Klavier“ bei einem Konzertabend im Roten Saal des Brüdervereinshauses in der Berliner Kurfürstenstraße (vgl. Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Praw. 219), ihre „Variationen über ein Thema von Schubert“ wurden am 18. April 1930 mit der Violinistin Irmagrad Keisch in der „Funkstunde“ gesendet, und am 2. Juni 1931 führten die Sängerin Alice Schuster und die Pianistin Else C. Kraus die „Drei Lieder“ („Hinaus in das lachende Land“ – „Heimkehr“ – „Hetäre“) bei einem „Konzert der Meisterschule für musikalische Komposition von Professor Arnold Schönberg“ auf (vgl. Prawossudowitsch 1985, S. 136). Als die Hamburger Gedok (Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen) am 8. Dezember 1931 ein Konzert mit Werken von Komponistinnen veranstaltete, waren darunter auch zwei Kompositionen von Natalie Prawossudowitsch: die Sonatine für Klavier von 1929 (gespielt von Ilse Fromm-Michaels, Link zur Grundseite von Ilse Fromm-Michaels: http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=from1888) und die bereits erwähnten „Lieder für Sopran und Klavier“ (vgl. zu den Berliner und Hamburger Konzerten, Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Praw. 219).


    Trotz ihrer Erfolge als Komponistin waren die Jahre in Berlin schwierig. In Russland wurde der Vater 1928 aus politischen Gründen verhaftet und ein Jahr später in einem Arbeitslager auf den Solowki-Inseln erschossen; die Mutter starb im Juli 1929. Hinzu kamen finanzielle Sorgen. Um ihren Lebensunterhalt in Berlin zu verdienen, arbeitete Natalie Prawossudowitsch als Korrekturleserin für verschiedene Berliner Musikverlage, richtete in einem der Stummfilm-Studios Musik von Schallplatten für Filme ein und verdingte sich als Kindermädchen. Durch die permanente Überbelastung, die sich aus ihrem Studium, den familiären Sorgen und ihren finanziellen Problemen ergab, verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zunehmend (vgl. Prawossudowitsch [2003], S. 110). Im Mai 1931 erhielt sie das Angebot, einige Monate in der Stiftung Borodine in Meran (Italien) zu verbringen, um sich dort zu erholen. Die Stiftung Borodine war zu dieser Zeit eine Einrichtung, in der russische, meist lungenkranke Exilanten Zuflucht fanden. Mehr als 55 Jahre, bis zu ihrem Tod 1988, blieb Natalie Prawossudowitsch in der Meraner Stiftung wohnen.


    Bereits kurz nach ihrer Ankunft setzte Natalie Prawossudowitsch ihre kompositorischen Arbeiten mit einem Konzert für Streichquartett und Kammerorchester fort, das sie an Arnold Schönberg schickte. Schönberg nahm das Werk 1932 als Diplomarbeit an. In der folgenden Zeit ermöglichte es die Stiftung Borodine, dass Natalie Prawossudowitsch sich auch weiterhin der Komposition widmen konnte. Bis 1939 entstanden u. a. Lieder auf eigene Texte (op. 27, 1932), Kammermusik, darunter eine Sonate für Violoncello und Klavier op. 28 (1932) und das Trio für zwei Violinen und Violoncello op. 33 (1937) sowie mehrere Orchesterwerke, darunter das Intermezzo Nr. 1, op. 29 (1933), und ihre Symphonie Nr. 1 „Vita e Meditazione“, op. 35 (1935). Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges komponierte sie schließlich das siebensätzige Werk „Passion und Auferstehung“ op. 34, das den Untertitel „Ostermusik“ trägt und für großes Orchester mit gemischtem Chor im Schlusssatz geschrieben wurde. Das Werk bildet einen ersten Abschluss ihres Œuvres, dem eine mehr als 15jährige Schaffenspause folgte. Natalie Prawossudowitsch blieb zwar in der Stiftung Borodine wohnen, arbeitete jedoch von 1941 bis Mitte der 1950er Jahre als Sprachlehrerin und Näherin.


    Erst 1956 nahm Natalie Prawossudowitsch das Komponieren wieder auf. Sie schrieb zunächst hauptsächlich Kammermusik und Orchesterwerke, darunter zwei Trios (op. 36 und op. 42), das Intermezzo Nr. 2 für großes Orchester (op. 38) sowie die Symphonien Nr. 2 (op. 40) und Nr. 3 (op. 41). Innerhalb kürzester Zeit wurden ihre Kompositionen auch wieder öffentlich aufgeführt und wahrgenommen. Unter anderen interessierte sich Alberto Giacometti, Dirigent des Meraner Kurorchesters, für ihre Werke und brachte in den Jahren 1959 bis 1967 mehrere Kompositionen in Meran und Umgebung zur Aufführung. Die Klaviersonate op. 13 – entstanden als Diplomarbeit am Konservatorium in St. Petersburg – gewann im Jahr 1962 den 1. Preis beim „Premio Helena Rubinstein“, einem internationalen Kompositionswettbewerb in Buenos Aires. Mitte der 1960er Jahre lernte Natalie Prawossudowitsch den Dirigenten Wilhelm Barth kennen und konnte über ihn wieder einen Kontakt zum deutschen Musikleben herstellen. Im März 1967 führte er mit dem Bad Reichenhaller Philharmonischen Orchester im dortigen Kurhaus die „Sinfonia concertante“ op. 41 auf und dirigierte 1974 – ebenfalls in Bad Reichenhall – die Suite für Klavier und großes Orchester op. 32 mit dem Pianisten Andrea Bambace als Solisten. In der Konzertsaison 1979/80 wurde unter seiner Leitung die Hornmelodie op. 51 mit dem Hornisten Kurt Richter aufgeführt.


    Von 1968 bis 1983 komponierte Natalie Prawossudowitsch kontinuierlich weiter, obwohl sie zunehmend erblindete. Es entstanden nun allerdings fast ausschließlich Werke für Klavier, die den Formen barocker Tastenmusik folgen – fast als wolle Natalie Prawossudowitsch ihr Spätwerk mit Blick auf Johann Sebastian Bach konstituieren. Darunter befinden sich drei Suiten (opp. 46, 47 und 55), zahlreiche Präludien und Fugen in Kombination (opp. 52-54; 56-60) sowie „Piccolo studio e fugato“ op. 61, „Scherzo e fugato“ op. 62, „Breve preludio e fugato“ op. 63 und – als letztes verzeichnetes Werk – „Agitato e fugato“ op. 64 von 1983.


    Natalia Prawossudowitsch war im Alter fast vollständig erblindet. Seit 1962 erhielt sie vom World Council of Churches eine Leibrente (Talalay 2003, S. 53). Sie starb am 2. September 1988 in Meran.

    Würdigung

    Natalie Prawossudowitsch verstand sich selbst ihr Leben lang als Komponistin – über alle politischen und persönlichen Hindernisse hinweg. Selbst nach ihrer 15jährigen Schaffenspause fand sie den Wiedereinstieg und konnte sich – wenn auch in verhältnismäßig kleinem Kreis – behaupten. Sie selbst hat sich kaum über ihre Kompositionen geäußert; lediglich die Memoiren über ihre Studienzeit bei Arnold Schönberg enthalten einige wenige Hinweise auf ihr Selbstverständnis. Natalie Prawossudowitsch blieb in ihren Kompositionen weitgehend der russischen Romantik und ihrer Weiterentwicklung in der St. Petersburger Kompositionsschule verpflichtet und knüpfte in ihren Kammermusik- und Klavierkompositionen an deren kompositorische Prinzipien an. So schrieb z. B. Walerij Woskobojnikov, der erste Grundzüge ihres Gesamtwerkes in einem Artikel herausgearbeitet hat, über die Sonate op. 13: „Prawossudowitschs Komposition ‚Sonate‘ aus dem Jahr 1925 [...] scheint mir nun nicht mehr nur eine Imitation, sondern eine überzeugte Fortsetzung von Skrjabins Romantik und von dessen musikalischen Versuchen zu sein.“ (vgl. Woskobojnikov 2003, S. 69) Eine angemessene Würdigung der Kompositionen von Natalie Prawossudowitsch wird jedoch erst nach weiteren Forschungen möglich sein.

    Rezeption

    Natalie Prawossudowitsch wird bis heute als eine der Berliner Meisterschülerinnen und -schüler von Arnold Schönberg wahrgenommen (s. Gradenwitz 1998). Auch in Lexika über Komponistinnen ist sie meistens vertreten. Der Sammelband „Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalie Prawossudowitsch“ von Bianca Marabini Zoeggeler und Michail Talalay befasste sich erstmals eingehender mit der Komponistin und enthält zahlreiche Artikel, die zu weiteren Forschungen anregen.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen

    Zu ihrem eigenhändigen Werkverzeichnis vgl. Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Praw. 223, sowie „Opera omnia“. In: Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. Zoeggeler, Bianca Marabini, und Talalay, Michail (Hg.). Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003, S. 125f. Die in Klammern gesetzten Entstehungsdaten sind Bestandteil ihres eigenhändigen Werkverzeichnisses.


    Kurze Improvisationen für Klavier, op. 1

    Chor a capella auf einen eigenen Text, op. 2 (1917)

    Sammlung lustiger Moll-Bagatellen für Klavier, op. 3 (1920)

    Kleine Stücke für Klavier, op. 4

    Kleine Stücke für Gesang und Klavier, op. 5

    Skizzen für Orchester, op. 6 (1921)

    Pièce für Violoncello und Klavier, op. 7 (Aug. 1922)

    Fantasie für Orchester, op. 8 (Sept. 1922)

    Pièce für Sopran, Violoncello und Klavier, op. 9 (Dez. 1922)

    Präludium für Orchester, op. 10 (März 1923)

    Messefragment für gemischten Chor a cappella, op. 11 (1924)

    Tema con variazioni für Klavier, op. 12 (1924)

    Sonate für Klavier, op. 13 („Synkopen-Sonate“; Januar bis März 1925; veröffentlicht: Kopenhagen: Skandinavischer Musikverlag 1962)

    Drei Improvisationen für Klavier, op. 14 (1925)

    „Foxtrott-Tempo“ für Klavier, op. 15 (5. November 1925)

    Konzert für Klavier und Orchester in einem Satz, op. 16 (14. Juli 1926 bis 17. Februar 1927)

    Primitivi. Sechs Stücke für Klavier, op. 17 (1927)

    Verschiedene Lieder auf russische Texte mit Klavier, op. 18 (1927)

    Pièce für Klarinette, Violoncello, Kleine Trommel und Klavier, op. 19 (1927/1928)

    Zwei Solostücke für Violoncello, op. 20 (1928; während des Krieges in Berlin verschollen)

    Fuge für Klavier, op. 21 (Berlin, Oktober 1928)

    Variationen auf ein Thema von Franz Schubert für Violine und Klavier, op. 22 (Berlin 1928)

    Sonatine für Klavier, op. 23 (Berlin 1929)

    Drei Deutsche Lieder für Sopran und Klavier, op. 24 (Berlin 1930)

    Streichquartett, op. 25 (Berlin 1930)

    Konzert für Streichquartett und Kammerorchester, op. 26 (1931)

    Drei deutsche Lieder für Sopran und Klavier auf eigene Texte, op. 27 (1932)

    Sonate für Violoncello und Klavier, op. 28 (1932)

    Intermezzo Nr. 1 für großes Orchester, op. 29 (1933)

    „Lob der Arbeit“. Chor a cappella auf einen deutschen Text, op. 30 (4. bis 10. Februar 1934)

    Duett für Flöte und Klarinette in einem Satz, op. 31 (1935)

    Suite für Klavier und großes Orchester in fünf Sätzen, op. 32 (1937/1938)

    Trio für zwei Violinen und Violoncello, op. 33 (1937)

    „Passion und Auferstehung“, Ostermusik in sieben Sätzen für großes Orchester und gemischten Chor im Schlußsatz, op. 34 (Aug. 1939 bis Juli 1940)

    Symphonie Nr. 1 „Vita e Meditazione“ für großes Orchester, op. 35 (März bis September 1935)

    Streichtrio, op. 36 (1956/57)

    Tema e variazioni für großes Orchester, op. 37 (Aug. / Sept. 1958)

    Intermezzo Nr. 2 für großes Orchester, op. 38 (Sept. 1959)

    Berceuse für Sopran und Klavier, op. 39 (29./30. April 1960)

    Symphonie Nr. 2 „Simplicissima“ in drei Sätzen für großes Orchester, op. 40 (9. Juni bis 16. Juli 1960)

    Symphonie Nr. 3 „Sinfonia concertante“ in drei Sätzen für großes Orchester, op. 41 (1. Mai bis 26. Juni 1961)

    Trio per clarinetto, violoncello e pianoforte, op. 42 (27. Dezember 1961 bis 3. Februar 1962)

    Petite valse impromptu für Klavier, op. 43 (6. August 1968)

    Interrogando für Klavier, op. 44 (23. bis 24.12.1968)

    Fragmento für Klavier, op. 45 (Sept. 1969)

    Suite Nr. 1 für Klavier, op. 46 (1969)

    Suite Nr. 2 für Klavier, op. 47 (1971/1972)

    Preludio für Klavier, op. 48 (1972)

    Ricordi für Klavier, op. 49 (1973)

    Fantasia für Klavier, op. 50 (1974)

    Hornmelodie mit Orchester, op. 51 (27.4. bis 25.5. 1974)

    Preludio e fuga für Klavier, op. 52 (1976)

    Preludio e fuga für Klavier, op. 53 (1977)

    Preludio e fuga für Klavier, op. 54 (1977)

    Suite Nr. 3 für Klavier, op. 55 (1977)

    Fünf Präludien und Fugen für Klavier, op. 56 bis 60 (1979-1981; Originaltitel: Preludio e fugato - 1979-1979-1980-1980-1981)

    Piccolo studio e fugato, op. 61 (1981/82)

    Scherzo e fugato, op. 62 (1982)

    Breve preludio e fugato, op. 63 (1982/83)

    Agitato e fugato, op. 64 (1983)



    Schriften


    Prawossudowitsch, Natalie: Meister Arnold Schönberg und meine Berliner Erinnerungen (Memoiren). Manuskript (Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Praw. 219), gekürzt veröffentlicht in: Schweizer Musikpädagogische Blätter 73 (1985), Heft 3 (September), S. 134-137.


    Prawossudowitsch, Natalia. Memoiren: Meine Ursprünge [1978] – Die Heilung [1983] – Meine Erinnerungen an die Familie und den Komponisten Aleksandr Skrjabin [1972] – Meister Arnold Schönberg und meine Berliner Erinnerungen [1982]. Alle in: Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail (Hg.). Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003, S. 93-118.

    Repertoire

    Über mögliche Konzerte als Pianistin und das Repertoire während ihrer Studienzeit bei Vera Skrjabin ist bislang nichts bekannt.

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Akademie der Künste Berlin. Bestand Natalie Prawossudowitsch



    Literatur


    Artikel „Prawossudowitsch, Natalie (Natascha)“. In: Komponistinnen aus 800 Jahren. Antje Olivier, Sevgi Braun (Hg.). Essen: Sequentia-Verlag, 1996.


    Artikel „Prawossudowitsch, Natalia“. In: International Encyclopedia of Women Composers. Aaron I. Cohen (Hg.). New York/London: R. R. Bowker Company, 1981.


    Gradenwitz, Peter. Arnold Schönberg und seine Meisterschüler. Berlin 1925-1933. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 1998.


    Kainrath, Peter Paul. Eine atavistische Komponistin. In: Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail (Hg.). Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003, S. 12-15.


    Prawossudowitsch, Natalia. Memoiren: Meine Ursprünge [1978] – Die Heilung [1983] – Meine Erinnerungen an die Familie und den Komponisten Aleksandr Skrjabin [1972] – Meister Arnold Schönberg und meine Berliner Erinnerungen [1982]. In: Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail (Hg.). Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003, S. 93-118.


    Prawossudowitsch, Natalia Dmitrejewna. Meine unbekannte Tante. In: Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail (Hg.). Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003, S. 85-92.


    Woskobojnikov, Walerij. Ein beunruhigendes Schicksal. In: Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail (Hg.). Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003, S. 57-84..


    Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail (Hg.). Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. [Dreisprachig: Deutsch, Italienisch und Russisch]. Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003.


    Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail. Eine Musikerin fern der Heimat. In: Musik im Exil. Die Schönbergschülerin Natalia Prawossudowitsch. Zoeggeler, Bianca Marabini; Talalay, Michail (Hg.). Wien, Bozen: Folio-Verlag, 2003, S. 17-56.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Deutsche Tonkünstlerzeitung 1929, Nr. 512 vom 5. Dezember 1929, S. 763.



    Links

    http://www.adk.de/de/archiv/archivbestand/

    Die Website des Archivs der Akademie der Künste Berlin stellt das Findbuch zum Natalie Prawossudowitsch-Archiv online zur Verfügung.

    Forschung

    Natalie Prawossudowitsch hatte noch zu ihren Lebzeiten mehrfach Dokumente aus ihrem persönlichen Archiv an Alexander Solschenizyn geschickt, als dieser in den USA Material über russische Exilanten sammelte (Zoeggeler/Talalay 2003, S. 17). Diese Dokumente befinden sich heute in Moskau in der Abteilung „Nachlasssammlung russischer Emigranten“.


    Ihr sonstiger Nachlass wurde – ihrem Testament entsprechend – in München lebenden Verwandten übergeben, die ihn mittlerweile als geschlossenen Bestand dem Archiv der Akademie der Künste Berlin vermacht haben (Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Praw.). Neben persönlichen Dokumenten befinden sich darin auch zahlreiche autographe und gedruckte Kompositionen. Die Werke op. 1 bis op. 11 sind in Russland zurückgeblieben (vgl. Archiv der Akademie der Künste, Berlin, Praw. 228) und gelten bislang als verschollen.


    Im Archiv des Geigers und Komponisten Nikolaij Berezowskij in der Bibliothek der Columbia University (New York) befinden sich mehrere Briefe von Natalie Prawossudowitsch aus den Jahren 1931 bis 1936.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Natalie Prawossudowitsch betrifft in erster Linie ihre Kompositionen. Neben einer generellen Betrachtung wäre dabei z. B. zu hinterfragen, ob und in welcher Weise gesellschaftlich-politische und persönliche Erfahrungen in ihnen bearbeitet werden. So lässt sich bei einigen ihrer Kompositionen vermuten, dass sie auf bestimmte politische Vorgänge Bezug nehmen. Interessant ist ferner, dass sich Natalie Prawossudowitsch – soweit bislang zu rekonstruieren – nahezu ausschließlich als Komponistin verstand. Eine öffentliche Tätigkeit als Interpretin oder Musikpädagogin ist bislang nicht nachzuweisen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 67545172
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 129418498
    Library of Congress (LCCN): nr2004032757

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 13. Februar 2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 14.04.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Natalie Prawossudowitsch“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 14.4.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Natalie_Prawossudowitsch