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  • Maud Fletcher

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Maud Fletcher
    Lebensdaten:
    geb. um
    gest. unbekannt

    Die genauen Geburts- und Sterbedaten von Maud Fletcher sind nicht bekannt; im Jahr 1890 studierte sie am Royal College of Music in London.
    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „Miss Maud Fletcher gave a concert on Monday night in the Æolian-hall. The young violoncellist produces a beautiful tone, and her playing is full of sympathetic charm, although she has not as yet quite the finished style that further experience is sure to bring. In Grieg’s sonata in A minor, in which she was joined by Miss Polyxena Fletcher, one or two technical weaknesses did not destroy the excellent interpretative effect she obtained, and her subsequent performance of Marcello’s sonata in G was extremely praiseworthy.“


    „Fräulein Maud Fletcher gab am Montagabend ein Konzert in der Æolian Hall. Die junge Cellistin erzeugt einen wunderschönen Klang und ihr Spiel ist reich an Einfühlungsvermögen, obwohl ihr Stil noch nicht ausgereift ist, den weitere Erfahrungen sicherlich zur Reife bringen werden. In Griegs Sonate in a-Moll, in der ihr Fräulein Polyxena Fletcher zur Seite stand, zerstörten auch ein oder zwei technische Schwächen nicht die herausragende interpretatorische Wirkung, die sie erzielte, und ihre anschließende Aufführung von Marcellos Sonate in G war außerordentlich lobenswert.“


    („The Times“ vom 29. Juni 1904, S. 12)


    Profil

    Die Violoncellistin Maud Fletcher wurde in den 1870er Jahren in eine Musikerfamilie geboren. Ab ca. 1890 studierte sie das Fach Violoncello am Royal College of Music und konnte sich anschließend im britischen Musikleben vorwiegend als Kammermusikerin etablieren, konzertierte jedoch hin und wieder auch als Solistin. Zudem beteiligte sie sich an mehreren Damenstreichorchestern, die Ende des 19. Jahrhunderts in England weite Verbreitung fanden, u. a. am „Reverend Moberly’s Ladies’ Orchestra“. Gleichzeitig blieb sie ihrer Familie verbunden und trat mehrfach im Rahmen von Konzerten auf, die ihr Vater Charles Fletcher veranstaltete; in späteren Jahren gab sie gemeinsam mit ihrer Schwester, der Pianistin Polyxena Fletcher, eigene Konzerte in London. Ihr kammermusikalisches wie solistisches Repertoire umfasste im Wesentlichen klassisch-romantische Kompositionen mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und Max Bruch.

    Orte und Länder

    Maud Fletcher wurde vermutlich in England geboren. Sie studierte am Royal College of Music in London und behielt anschließend dort sowie in weiteren britischen Städten ihren Wirkungskreis.

    Biografie

    Maud Fletcher wurde Anfang der 1870er Jahre als Tochter des Sängers und Geigers Charles Fletcher und seiner Frau, einer deutschstämmigen Pianistin (Name unbekannt, vermutlich eine Schülerin Clara Schumanns), geboren; das Paar heiratete 1869 (vgl. Brown/Stratton 1897); ihre (vermutlich ältere) Schwester Polyxena Fletcher wurde ebenfalls als Pianistin professionelle Musikerin.


    Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt Maud Fletcher mit hoher Wahrscheinlichkeit von den Eltern. Ungefähr ab dem Jahr 1890 bis mindestens 1892 studierte sie das Fach Violoncello am Royal College of Music. Ihre Lehrer sind unbekannt, möglicherweise gehörte zu ihnen der Violoncellist Edward William Whitehouse, der 1891 einen Ruf an das Royal College erhielt. Von Beginn an wurde Maud Fletcher als Violoncellistin in Konzerte des College eingebunden. So trat sie z. B. am 23. Oktober 1890 bei einem Studierendenkonzert als einzige Frau in einem ansonsten männlich besetzten Streichquartett auf. Gemeinsam mit den Herren Hopkinson, Wall und Alfred Hobday spielte sie Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett e-Moll op. 44 Nr. 2 „with much spirit and finish“, wie die „Musical Times“ berichtete („... geistvoll und abgerundet“; „The Musical Times“ vom 1. November 1890, S. 664). Wenige Monate später, am 27. Februar 1891, konzertierte sie bereits als Solistin in einem Orchesterkonzert. Unter der Leitung von Henry Holmes gab sie dort Max Bruchs „Kol Nidrei“ für Violoncello, Harfe und Orchester op. 47, und die „Musical Times“ rezensierte: „[...] Miss Maud Fletcher once more proved her ability as a violoncello player by a finished and impressive rendering of Bruch’s ‚Kol Nidrei’“ („[...] Fräulein Maud Fletcher bewies mit einer vollendeten und beeindruckenden Wiedergabe von Bruchs ‚Kol Nidrei’ einmal mehr ihre Fähigkeit als Cellistin“; „The Musical Times“ vom 1. April 1891, S. 217). Am 12. März 1891 trat sie bei einem Abschlusskonzert auf, das ihre Kommilitonin, die Geigerin Isabella Donkersley, in der Kensington Town Hall veranstaltete. Dabei beteiligte sich Maud Fletcher an einem der Streichquartette Es-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie an Robert Schumanns Klaviertrio „Fantasiestücke“ a-Moll op. 88 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1891, S. 232). In den folgenden Studierendenkonzerten bildete Maud Fletcher gemeinsam mit verschiedenen Kommilitoninnen und Kommilitonen Kammermusikensembles, u. a. mit der Geigerin Jessie Grimson und der Pianistin Amy Grimson. So berichtete z. B. die „Musical Times“ über ein Kammermusikkonzert von Studierenden des Royal College am 2. Juli 1891, bei dem Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44, Johannes Brahms’ Sonate für Klavier und Violoncello e-Moll op. 38 und Joseph Rheinbergers Suite c-Moll op. 149 auf dem Programm standen: „The Concert of Chamber Music given by the students on the 2nd ult. had, as its chief feature, Schumann’s Quintet, the pianoforte part being played with accuracy and spirit by Miss Edith Green, while the string parts received a very fair interpretation from Misses Jessie Grimson, Beatrice Chattock, Maud Fletcher, and Mr. Leonard Fowles. The performance of Brahms’s fine and too little known Sonata in E minor, for pianoforte and violoncello, by Misses Mary Cracroft and Maud Fletcher, was correct and refined, but somewhat timid. The first movement of a Suite in C minor, by Rheinberger, for organ, violin, and violoncello, was very well played by Misses Agnes Dobree, I. Donkersley, and M. Fletcher [...].“ („Im Mittelpunkt des studentischen Kammermusikkonzerts am 2. des Vormonats stand Schumanns Quintett. Die Klavierpartie wurde von Fräulein Edith Green mit Präzision und Seele gespielt, die Streicherstimmen erhielten durch die Fräulein Jessie Grimson, Beatrice Chattock, Maud Fletcher sowie Herrn Leonard Fowles eine sehr ordentliche Interpretation. Die Aufführung von Brahms’ schöner und zu unbekannter Sonate in e-Moll für Klavier und Violoncello durch die Fräulein Mary Cracroft und Maud Fletcher war zwar korrekt und kultiviert, jedoch gewissermaßen befangen. Der erste Satz einer Suite in c-Moll von Rheinberger für Orgel, Violine und Violoncello wurde von den Fräulein Agnes Dobree, I. Donkersley und M. Fletcher sehr gut gespielt [...].“, „The Musical Times“ vom 1. August 1891, S. 473) Bei einem weiteren Studierendenkonzert im März 1892 wirkte Maud Fletcher an Aufführungen von Joseph Haydns Streichquartett F-Dur op. 77 Nr. 2 und von Johannes Brahms’ Klavierquintett f-Moll op. 34 mit. Das Ensemble bestand aus Amy Grimson (Klavier), Jessie Grimson (Violine 1), Lilian Wright (Violine 2), Leonard Fowles (Viola) und Maud Fletcher (Violoncello): „The third Concert (the 17th ult.) began with a Haydn Quartet (Op. 77, No. 2), and concluded with Brahms’s Pianoforte Quintet in F minor [...]. The young performers have not yet quite grown up to the comprehension of this masterpiece, but it was creditably given, especially as regards the Scherzo.“ („Das dritte Konzert (am 17. des Vormonats) begann mit einem Haydn-Quartett (Op. 77, Nr. 2) und endete mit Brahms’ Klavierquintett in f-Moll [...]. Die jungen Künstler sind für das Verständnis dieses Meisterwerks noch nicht genug gereift, doch wurde es, insbesondere was das Scherzo betrifft, achtbar dargeboten.“; „The Muscial Times“ vom 1. April 1892, S. 217).


    Noch während ihrer Studienzeit konnte sich Maud Fletcher als Kammermusikerin im Londoner Musikleben etablieren und trat auch außerhalb des Royal College of Music auf. Mehrfach beteiligte sie sich an Kammermusikkonzerten, die die „Musical Guild“ in der Londoner Kensington Hall veranstaltete. In diesem Rahmen spielte sie z. B. im Dezember 1891 Ludwig van Beethovens Klaviertrio D-Dur op. 70 Nr. 1 und Felix Mendelssohn Bartholdys Oktett für Streicher Es-Dur op. 20 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Januar 1892, S. 26) und trat im Mai 1892 an der Seite von Ethel Sharpe (Klavier), Arthur Bent (Violine) und Emil Kreuz (Viola) in Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierquartett g-Moll KV 478 auf (vgl. „The Times“ vom 12. Mai 1892, S. 6). Bei einem der Konzerte im Mai 1893 spielte sie dort gemeinsam mit Ethel Sharpe, Isabella Donkersley und Alfred Hobday das Klavierquartett g-Moll op. 25 von Johannes Brahms und Robert Schumanns Streichquartett A-Dur op. 41. Die „Musical Times“ rezensierte: „At the second Concert Brahms’s Pianoforte Quartet in G minor (Op. 25) and Schumann’s String Quartet in A (Op. 41, No. 3) received exceptionally good renderings. In fact, that of Brahms’s work [...] was, on the whole, the one most nearly approaching perfection, which we have heard at these Concerts.“ („Beim zweiten Konzert erhielten Brahms’ Klavierquartett in g-Moll op. 25 und Schumanns Streichquartett in A op. 41, Nr. 3 außergewöhnlich gute Wiedergaben. Tatsächlich war es im Großen und Ganzen unter allen bei diesen Konzerten gehörten Brahms-Werken die beste Interpretation.“; „The Musical Times“ vom 1. Juni 1893, S. 347)


    In den folgenden Jahren trat Maud Fletcher sowohl in London als auch in weiteren britischen Städten als Kammermusikerin und Solistin regelmäßig auf. Am 17. Januar 1894 konzertierte sie in Middlesbrough (Yorkshire) im Rahmen von „Mr. Corbett’s Concerts“ und spielte dort u. a. Solostücke von Alfredo Piatti und Carl Davidoff sowie einen Satz aus Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate für Violoncello und Klavier D-Dur op. 58: „The last-named artist’s [Maud Fletcher’s] refined and artistic performances of solos by Piatti and Davidoff, and the spirit rendering of a movement from Mendelssohn’s Sonata in D for pianoforte and violoncello, in which she was associated with Miss May Proudlock, were among the more striking features of a rather ordinary programme.“ („Die kultivierten und künstlerischen Aufführungen von Soli von Piatti und Davidoff durch die letztgenannte Künstlerin [Maud Fletcher] sowie die geistvolle Wiedergabe eines Satzes aus Mendelssohns Sonate in D für Klavier und Violoncello, bei der sie mit Fräulein May Proudlock auftrat, gehörten zu den beachtlicheren Merkmalen eines ziemlich durchschnittlichen Programms.“, „The Musical Times“; vom 1. Februar 1894, S. 113) Im Dezember 1894 konzertierte Maud Fletcher in London als Solistin mit „Mr. Moberly’s Ladies’ Orchestra“, und bildete gemeinsam mit den Geigerinnen Winifred Holiday und Amabel Marshall die Sologruppe in einem der Concerti grossi d-Moll Georg Friedrich Händels: „Mr. Moberly’s Concert. Amateur Orchestral societies have within the present generation obtained prominence in the musical life of London, but it has been reserved for the reverend gentleman whose name heads this notice to bring to prominence and admiration in the metropolis an association of seventy-five lady performes on stringed instruments. [...] The first piece was Handel’s spirited Concerto Grosso in D minor, with solo parts for two violins and violoncello, excellently played by Misses Winifred Holiday, Amabel Marshall, and Maud Fletcher.“ („Mr. Moberly’s Konzert. Amateurorchestervereine genießen in jüngerer Zeit im Londoner Musikleben großes Ansehen, und es ist dem ehrwürdigen Herren, dessen Name dieser Mittelung vorangestellt ist, zu verdanken, dass dem Zusammenschluss von fünfundsiebzig Damen, die Saiteninstrumente spielen, in der Hauptstadt Ansehen und Verehrung entgegen gebracht wird. [...] Das erste Stück war Händels lebhaftes Concerto grosso in d-Moll mit Solopartien für zwei Violinen und Violoncello, die von den Fräulein Winifred Holidy, Amabel Marshall und Maud Fletcher hervorragend gespielt wurden.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1895, S. 24; vgl. a. „The Times“ vom 6. Dezember 1894, S. 3) In Bournemouth – dem Wohnort ihrer Eltern – beteiligte sich Maud Fletcher mehrfach an Aufführungen von Laienensembles. So gab sie z. B. am 30. April 1895 mehrere Solostücke für Violoncello im Rahmen eines Konzertes der „Orpheus and Madrigal Society of Bournemouth“, und spielte dort im Mai des selben Jahres den Violoncellopart einer Kantate von „Dr. Wareing“, die die „St. John’s Choral Society“ unter der Leitung von William Lee gab (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1895, S. 400; vom 1. Juni 1896, S. 404).


    Zusätzlich zu ihrer eigenständigen Konzerttätigkeit trat Maud Fletcher auch regelmäßig im Familienverband auf, insbesondere in den Konzerten ihres Vaters. Charles Fletcher hatte auf der Basis seiner Unterrichtstätigkeit ein Damenstreichorchester gebildet, mit dem er regelmäßig in London und Bournemouth konzertierte. Auch darüber hinaus veranstaltete er jährlich eigene Konzerte, zu denen er Gäste einlud, und an denen Maud Fletcher und teilweise auch ihre Schwester Polyxena Fletcher beteiligt waren. In diesem Rahmen spielte Maud Fletcher z. B. im März 1895 Carl Bohms „Nordische Romanze“ für Violoncello und Klavier op. 329 an der Seite der Pianistin Nathalie Janotha (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Mai 1895, S. 329). Bei einem der Konzerte, das am 2. April 1897 in der Shaftesbury Hall in Bournemouth stattfand, standen – neben Louis Spohrs Violinkonzert Nr. 9 mit Charles Fletcher als Solisten – eines von Ludwig van Beethoven Streichquartetten B-Dur und Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate für Klavier und Violoncello D-Dur op. 58 auf dem Programm: „Mr. Charles Fletcher gave his annual concert on the 2nd ult., at the Shaftesbury Hall, Bournemouth, assisted by his string orchestra numbering about 100 performers. The programme included Spohr’s Ninth Concerto (with Mr. Fletcher himself as the soloist), Beethoven’s String Quartet in B flat, and Mendelssohn’s Sonata for pianoforte and violoncello in D (op. 58), beautifully played by Miss Polyxena Fletcher and Miss Maud Fletcher.“ („Mr. Charles Fletcher gab sein alljährliches Konzert am 2. des Vormonats in der Shaftesbury Hall in Bournemouth, unterstützt von seinem Streichorchester von etwa 100 Künstlern. Das Programm beinhaltete Spohrs neuntes Konzert (mit Herrn Fletcher selbst als Solisten), Beethovens Streichquartett in B-Dur und Mendelssohns Sonate für Klavier und Violoncello in D-Dur op. 58, welche von Fräulein Polyxena Fletcher und Fräulein Maud Fletcher wundervoll gespielt wurde.“; „The Musical Times“ vom 1. Mai 1897, S. 330) Am 8. März 1902 veranstaltete Charles Fletcher das Jahreskonzert in den „Winter Gardens“ in Bournemouth, und Maud Fletcher spielte gemeinsam mit dem Streichorchester ihres Vaters Max Bruchs „Kol Nidrei“ op. 47 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1902, S. 267).


    Gemeinsam mit ihrer Schwester Polyxena Fletcher veranstaltete Maud Fletcher im Jahr 1904 zwei Konzerte in der Londoner Æolian Hall: Ende Juni 1904 standen Edward Griegs Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll op. 36 sowie Benedetto Marcellos Violoncellosonate G-Dur auf dem Programm, und die „Times“ zeigte sich begeistert vom Spiel der Violoncellistin: „Miss Maud Fletcher gave a concert on Monday night in the Æolian-hall. The young violoncellist produces a beautiful tone, and her playing is full of sympathetic charm, although she has not as yet quite the finished style that further experience is sure to bring. In Grieg’s sonata in A minor, in which she was joined by Miss Polyxena Fletcher, one or two technical weaknesses did not destroy the excellent interpretative effect she obtained, and her subsequent performance of Marcello’s sonata in G was extremely praiseworthy.“ („Fräulein Maud Fletcher gab am Montagabend ein Konzert in der Æolian Hall. Die junge Cellistin erzeugt einen wunderschönen Klang und ihr Spiel ist reich an Einfühlungsvermögen, obwohl ihr Stil noch unausgereift ist, den weitere Erfahrungen sicherlich zur Reife bringen werden. In Griegs Sonate in a-Moll, in der ihr Fräulein Polyxena Fletcher zur Seite stand, zerstörten auch ein oder zwei technische Schwächen nicht die herausragende interpretatorische Wirkung, die sie erzielte, und ihre anschließende Aufführung von Marcellos Sonate in G war außerordentlich lobenswert.“; „The Times“ vom 29. Juni 1904, S. 12) Auch das Konzert im November 1904 wurde überaus positiv rezensiert. Diesmal spielten Maud und Polyxena Fletcher die Violoncellosonate D-Dur op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy, Max Bruchs „Kol Nidrei“ op. 47 in einer Fassung für Violoncello und Klavier sowie mehrere Solostücke: „The concert given in the Æolian-hall last night by Misses Polyxena and Maud Fletcher was excellently devised, and was just the right length. The sisters are so skilful and artistic that it is always a matter of course that they will give interesting programmes, and will execute the music they choose in the most admirable style. Beginning with Mendelssohn’s sonata for pianoforte and violoncello in D, they were also heard in solos, the pianist introducing three new pieces by Rachmaninov, a prelude in E flat being extremely ingenious and graceful, and the others, similarly named, brilliant and really effective. All were superbly played. Miss Maud Fletcher played Bruch’s ‚Kol Nidrei’ and other pieces admirably.“ („Das Konzert der Fräulein Polyxena und Maud Fletcher in der Æolian Hall am vergangenen Abend war hervorragend konzipiert und hatte genau die richtige Länge. Die Schwestern sind so geschickt und kunstfertig, dass es immer selbstverständlich ist, dass sie interessante Programme darbieten und die ausgewählte Musik im vortrefflichsten Stil ausführen. Nachdem sie mit Mendelssohns Sonate für Klavier und Violoncello in D begonnen hatten, waren sie auch in Solostücken zu hören. Die Pianistin stellte drei neue Stücke von Rachmaninow vor: ein höchst geistreiches und anmutiges Prelude in Es-Dur und weitere ähnlich benannte brilliante und effektvolle Stücke. Jedes wurde ausgezeichnet gespielt. Fräulein Maud Fletcher spielte Bruchs ‚Kol Nidrei’ und andere Stücke bewundernswert.“; „The Times“ vom 26. November 1904, S. 10)


    Anlässlich eines Konzertes zum 50jährigen Bühnenjubiläum ihres Vaters Charles Fletcher, das in einem Privathaus in Bournemouth gefeiert wurde, spielte Maud Fletcher das Andante aus Robert Schumanns Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129, am Klavier begleitet von Frederick Sewell, und die „Times“ notierte: „Miss Maud Fletcher played violoncello solos, among them the beautiful and rarely-heard andante from Schumann’s concerto, with fine tone and beautiful taste, and was admirably accompanied by Mr. F. A. Sewell.“ („Fräulein Maud Fletcher spielte Violoncello-Soli, darunter das wunderbare und selten gehörte Andante aus Schumanns Konzert, mit schönem Klang und bewundernswertem Geschmack und wurde dabei vortrefflich von Herrn F. A. Sewell begleitet.“, „The Times“ vom 11. Juni 1906, S. 15)


    Nach 1906 sind keine weiteren Konzerte von Maud Fletcher nachzuweisen. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Würdigung

    Maud Fletcher war nach ihrem Studium als Violoncellistin mehr als ein Jahrzehnt lang als Kammermusikerin im britischen Musikleben präsent und konzertierte dabei in unterschiedlichen Formationen und Besetzungen. Gemeinsam mit weiteren Cellistinnen wie z. B. May Mukle, Beatrice Harrison, Hélène Dolmetsch und Antonia Butler gehört sie damit zu jener Generation, die das Violoncellospiel von Frauen etablierten.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Maud Fletcher kann aufgrund fehlender Forschungen derzeit nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio D-Dur op. 70 Nr. 1

    Beethoven, Ludwig van. Streichquartett B-Dur (keine Präzisierung möglich)


    Bohm, Carl. „Nordische Romanze“ für Violoncello und Klavier op. 329


    Brahms, Johannes. Sonate für Klavier und Violoncello e-Moll op. 38

    Brahms, Johannes. Klavierquintett f-Moll op. 34

    Brahms, Johannes. Klavierquartett g-Moll op. 25


    Bruch, Max. „Kol Nidrei“ op. 47


    Davidoff, Carl. Solostücke (keine Präzisierung möglich)


    Grieg, Edward. Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll op. 36


    Händel, Georg Friedrich. Concerto grosso d-Moll (keine Präzisierung möglich)


    Haydn, Joseph. Streichquartett F-Dur op. 77 Nr. 2


    Marcello, Benedetto. Sonate für Violoncello und B. c. G-Dur


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Streichquartett e-Moll op. 44 Nr. 2

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Streichquartett Es-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Oktett für Streicher Es-Dur op. 20

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Sonate für Klavier und Violoncello D-Dur op. 58


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klavierquartett g-Moll KV 478


    Piatti, Alfredo. Solostücke (keine Präzisierung möglich)


    Rheinberger, Joseph. Suite c-Moll op. 149


    Schumann, Robert. Klaviertrio „Fantasiestücke“ a-Moll op. 88

    Schumann, Robert. Klavierquintett Es-Dur op. 44

    Schumann, Robert. Streichquartett A-Dur op. 41

    Schumann, Robert. Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Fletcher, Charles“. In: British Musical Biography, hg. v. J. D. Brown/S. S. Stratton, 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    The Musical Times vom 1. November 1890, S. 664.

    The Musical Times vom 1. April 1891, S. 217 und S. 232.

    The Musical Times vom 1. August 1891, S. 473.

    The Musical Times vom 1. Januar 1892, S. 26.

    The Muscial Times vom 1. April 1892, S. 217.

    The Musical Times vom 1. Juni 1893, S. 347.

    The Musical Times vom 1. Februar 1894, S. 113.

    The Musical Times vom 1. Januar 1895, S. 24.

    The Musical Times vom 1. Mai 1895, S. 329.

    The Musical Times vom 1. Juni 1895, S. 400.

    The Musical Times vom 1. Juni 1896, S. 404.

    The Musical Times vom 1. April 1902, S. 267.


    The Times vom 12. Mai 1892, S. 6.

    The Times vom 6. Dezember 1894, S. 3.

    The Times vom 29. Juni 1904, S. 12.

    The Times vom 26. November 1904, S. 10.

    The Times vom 11. Juni 1906, S. 15.

    Forschung

    Zu Maud Fletcher liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Maud Fletcher umfasst ihre Biografie und ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 12.09.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Maud Fletcher“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 12.9.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Maud_Fletcher