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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Mathilde Verne
    Varianten: Mathilde Wurm
    Lebensdaten:
    geb. in Southampton, England
    gest. in London, England

    Mathilde Wurm sowie ihre beiden jüngeren Schwestern Alice und Adele änderten im Jahr 1893 ihren Nachnamen „Wurm“ in „Verne“, um auf diese Weise die problematische englische Aussprache des deutschen Namens zu umgehen. Lediglich die älteste Schwester Mary Wurm, die überwiegend in Deutschland tätig war, behielt den Geburtsnamen bei. In der folgenden Darstellung wird „Mathilde Verne“ als Hauptname verwendet.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin, Gründerin eines „College of Music“, Konzertorganisatorin
    Charakterisierender Satz:

    „I have wanted to be a teacher from my earliest girlhood, and all my public appearances in England have been intended only to serve my teaching career. I did not take to teaching because my concert work was not successful, but because teaching is a passion which has possessed me – it is my mission in life.“ (Verne 1936, S. 279)


    „Schon als Mädchen wollte ich Lehrerin werden, und meine öffentlichen Auftritte in England dienten nur dem Zwecke meiner Unterrichtslaufbahn. Ich habe nicht mit dem Unterrichten begonnen, weil meine öffentlichen Auftritte nicht erfolgreich gewesen wären, sondern deswegen, weil das Unterrichten eine Leidenschaft ist, die mich nicht losläßt – das Unterrichten ist meine Lebensmission.“ (Übersetzung: Verne 1996, S. 193)


    Profil

    Mathilde Verne, alias Mathilde Wurm, stammte aus einer Musikerfamilie. Sie und ihre Geschwister trugen von klein auf mit Musik zum Lebensunterhalt der Familie bei. Mathilde Verne begann ihr Klavierstudium in London und setzte es ab Mitte der 1880er-Jahre bei Clara Schumann in Frankfurt am Main fort. Bereits während ihrer Studienzeit durfte sie im Auftrag ihrer Lehrerin unterrichten, u. a. deren Enkelin Julie Schumann. Nach ihrer Rückkehr nach England begann Mathilde Verne sich als Pianistin und Kammermusikerin zu etablieren und galt relativ rasch als herausragende Schumann-Interpretin. Gleichzeitig behielt sie ihr eigentliches Ziel, die Arbeit als Musikpädagogin, stets im Blick. Sowohl für ihre Schülerinnen und Schüler als auch für sich selbst organisierte Mathilde Verne zahlreiche Konzerte und gründete die Konzertreihe „Thursday Twelve O’Clocks“, die von 1907 bis 1936 bestand und überwiegend Kammermusik anbot. 1909 erfüllte sie sich ihren Lebenstraum: Gemeinsam mit ihrer Schwester Alice Verne gründete sie die „Mathilde Verne School of Pianoforte Playing“, deren pädagogisches Konzept so erfolgreich war, dass sie später zu einem „College of Music“ erweitert wurde. Dem College wurde mit der Zeit ein „Children’s College of Music“ angegliedert, dessen Leitung Alice Verne übernahm.

    Orte und Länder

    Mathilde Verne wurde in Southampton, England geboren. Mitte der 1880 Jahre ging sie für vier Jahre nach Frankfurt am Main, um bei Clara Schumann Klavier zu studieren. Anschließend ließ sie sich in London nieder, machte sich als Pianistin und Klavierpädagogin einen Namen und gründete dort 1909 eine eigene Musikschule. Ende der 1880er/Anfang der 1890er-Jahre und 1926/27 unternahm sie Konzertreisen in die USA, weitere Tourneen führten sie nach Paris, Wien und Berlin. Mathilde Verne starb 1936 in London.

    Biografie

    Mathilde Verne wurde am 25. Mai 1865 in Southampton in eine Familie deutscher Herkunft geboren. Der Vater, John Evangelist Wurm, war Organist und Musiklehrer, die Mutter, Marie Sophie Niggl, gab zu Hause Musikunterricht und übernahm auch die musikalische Ausbildung ihrer Kinder, wobei ihre genauen Unterrichtsfächer bislang ungeklärt sind. Vier ihrer Töchter – neben Mathilde Verne die Geschwister Mary Wurm (1860-1938), Alice Verne (1868-1958) und Adela Verne (1877-1952) – wurden ebenfalls professionelle Musikerinnen.


    Ihrem ersten Auftritt bei einem Schülerkonzert im Alter von acht Jahren – sie spielte gemeinsam mit dem Vater eine Mozartsonate – folgten zahlreiche weitere Konzerte. In ihren Erinnerungen berichtete Mathilde Verne später über ihre Kindheit: „Life was always merry and inconsequent. There was never any money to spare, so we were obliged to contrive our own pleasures during the week, for Sunday was a heavy day – church in the morning, and in the afternoon my father made us read with him Beethoven and Mozart sonatas for violin and piano. It was point of honour with us to relieve each other. We arranged […] that when one of us had played for a short time, another was to come into the room and say to him: ‘Oh, do let me play now, please.’” („Das Leben war stets fröhlich und etwas chaotisch. Das Geld war immer knapp, so dass wir uns in der Woche selbst unterhalten mußten, denn am Sonntag gab es viel zu tun – morgens den Gottesdienst, und nachmittags mußten wir mit unserem Vater Violinsonaten von Beethoven und Mozart spielen. Es war uns eine Ehrensache, einander abzulösen. Wir verabredeten uns […], daß nach einer kurzen Spielzeit der nächste in den Raum trat und zu dem Vorgänger sagte: ‚Laß mich doch bitte jetzt spielen.’“; Verne 1936, S. 22; Übersetzung: Verne 1996, S. 153) Bereits in der Kindheit halfen Mathilde Verne und ihre Geschwister demnach mit, den Lebensunterhalt der Familie durch Musik zu verdienen.


    Nach einer ersten Ausbildungszeit bei der Mutter wurde Mathilde Verne von Franklin Taylor vermutlich am Royal College of Music in London im Fach Klavier unterrichtet und erhielt dort innerhalb kürzester Zeit ein Stipendium (vgl. Verne 1936, S. 29). Es folgte – ca. in der Mitte der 1880er-Jahre – eine vierjährige Ausbildungszeit bei Clara Schumann am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt a. M., von der Mathilde Verne später schrieb, es sei die glücklichste Zeit in ihrem Leben gewesen. Wie nahezu alle Schülerinnen Clara Schumanns blieb sie der Lehrerin ein Leben lang verbunden: „I can say whole-heartedly that these years in Frankfurt were the happiest time of my life. Although it is so many years since I was there, and although I have forgotten much that happened during that time, I have never forgotten my wonderful lessons. Madame Schumann’s influence has stayed with me throughout my life, and it is perhaps strongest to-day. I owe everything to her. She tought me never to lose my ideals, and never to look on teaching as a mere profession.“ („[…] ich kann aus ganzem Herzen sagen, daß diese Frankfurter Jahre die glücklichsten meines Lebens waren. Obwohl viele Jahre verstrichen sind, und ich vieles vergessen habe, sind mir die wunderbaren Unterrichtsstunden unvergeßlich geblieben. Der Einfluß von Madame Schumann blieb mir während meines ganzen Lebens erhalten, und er ist vielleicht heute am stärksten. Ich schulde ihr alles. Sie lehrte mich, niemals meine Ideale aufzugeben oder das Unterrichten nur als einen Beruf anzusehen.“ (Verne 1936, S. 55; Übersetzung: Verne 1996, S. 174)


    Mathilde Verne kehrte ca. 1887 nach London zurück und etablierte sich rasch im englischen Konzertleben als Pianistin. Sie debütierte in den Londoner „Saturday Popular Concerts“ in der St. James’s Hall mit dem c-Moll-Trio von Felix Mendelssohn Bartholdy (gemeinsam mit der Violinistin Wilma Norman-Neruda und dem Cellisten Alfredo Piatti), trat dort mehrfach als Solistin unter Sir August Manns auf und spielte Ludwig van Beethovens Klavierkonzert c-Moll unter der Leitung von Sir George Henschel in den „London Symphony Concerts“. (Die Daten der Konzerte sind bislang unbekannt.) Von 1903 bis 1907 konzertierte sie regelmäßig in den „Queen’s Hall Promenade Concerts“ unter der Leitung von Henry Wood und spielte von 1908 bis 1912 in den „Sunday Afternoon Concerts“. Bei ihren Soloabenden wurde sie besonders für ihre Interpretationen der Werke Robert Schumanns und Johannes Brahms’ bekannt: „Miss Mathilde Verne is certainly one of the most interesting players of Schumann’s music, into the romance and poetry of which she enters with genuine understanding. In consequence, hers are real interpretations.“ („Miss Mathilde Verne ist sicherlich eine der interessantesten Interpretinnen der Musik Schumanns, in deren Romantik und Poesie sie mit ureigenem Verständnis eintaucht. Entsprechend gehen daraus wirkliche Interpretationen hervor.“; „The Times“, o. D., zit. n. Verne 1936, S. 81)


    Im Jahr 1907 trat sie selbst als Konzertorganisatorin in Erscheinung. Gemeinsam mit der Violinistin und Joseph Joachim-Schülerin Beatrice Langley etablierte sie eine Konzertreihe in der Londoner Aeolian Hall, die sogenannten “Thursday Twelve O’Clocks“, die fast dreißig Jahre lang, von 1907 bis 1936, Bestand hatte (vgl. hierzu Verne 1936, S. 180-190). Die Konzerte fanden um die Mittagszeit statt, boten meistens Kammermusik und waren zugleich ein Podium für die Schülerinnen und Schüler von Mathilde Verne. Der Daily Telegraph schrieb darüber: „These Twelve O’Clock Concerts are a splendid institution. They never fail to bring forward music of very unusual interest. Indeed, it can fearlessly be said that the concerts are productive of some of the most enlightened chamber music making in London.“ (Diese Twelve O’Clock Concerts sind eine großartige Einrichtung. Sie versäumen es niemals, ungewöhnlich interessante Musik hervorzubringen. In der Tat, es kann ohne Furcht behauptet werden, dass diese Konzerte mit die fortschrittlicheste Kammermusik auf das Programm setzen, die es in London zu hören gibt.“; „The Daily Telegraph“, o. D., zit. n. Verne 1936, S. 181)


    Trotz ihres Erfolges als Pianistin und Konzertorganisatorin war das eigentliche Lebensziel von Mathilde Verne zu unterrichten. Schon während ihres Studiums in Frankfurt a. M. zeigten sich ihre besonderen pädagogischen Fähigkeiten, die von Clara Schumann erkannt und gefördert wurden. Clara Schumann vertraute ihr mehrere Schülerinnen und Schüler an, darunter auch ihre eigene Enkelin Julie Schumann. Ihrem Talent entsprechend machte sich Mathilde Verne parallel zu ihrer pianistischen Karriere auch einen Namen als Klavierpädagogin. Für kurze Zeit unterrichtete sie am Royal College of Music in London in Vertretung von Edward Dannreuther und hatte zahlreiche private Schülerinnen und Schüler. Ab 1897 übernahm sie zudem die Ausbildung und das Management ihrer jüngsten Schwester Adele, die sich später ebenfalls als Pianistin etablieren konnte.

    Gemeinsam mit der ebenfalls jüngeren Schwester Alice gründete Mathilde Verne 1909 eine private Musikschule für Klavier. Einwänden aus dem Freundeskreis, sich mit Privatunterricht zufrieden zu geben, hielt sie entgegen: „But I want to do my work on big scale; I want to train teachers; I want my pupils to study and to play chamber music; I want them to have the opportunity of studying concertos with my own orchestra. My piano students will not be mere mechanical machines, they will be fine musicians as well.” („Aber ich möchte meine Arbeit auf eine höhere Ebene stellen. […] Ich möchte Lehrer ausbilden; ich wünsche mir, daß meine Schüler Kammermusik studieren und spielen; ich möchte, daß sie die Gelegenheit haben, Konzerte mit meinem eigenen Orchester zu spielen. Meine Klavierschüler sollen nicht nur mechanische Maschinen sein, sie sollen gute Musiker und Musikerinnen werden.“ (Verne 1936, S. 88; Übersetzung: Verne 1996, S. 183) Die „Mathilde Verne School of Pianoforte Playing“ wurde im Februar 1909 in der 194 Cromwell Road im Londoner Stadtteil South Kensington eröffnet und später zum „Mathilde Verne College of Music“ erweitert. Ihre Schwester Alice Verne gründete zudem ein eigenes „Children’s College of Music“ (vgl. Verne 1936, S. 156-160). Außer dem ersten Gründungsdatum sind die Daten der verschiedenen Schulerweiterungen und -veränderungen bislang unbekannt. Von Beginn an legte Mathilde Verne Wert darauf, ihre Schülerinnen und Schüler umfassend auszubilden. Im „Mathilde Verne College of Music“ wurden Violine, Gesang und Klavierbegleitung sowie weitere theoretische und praktische Fächer unterrichtet (vgl. Verne 1936, S. 90f.). Eine Besonderheit des College lag zudem darin, dass Mathilde Verne darauf achtete, auch ihre Lehrenden weiterzubilden.

    Das College genoss bald einen ausgezeichneten Ruf. Der „Daily Telegraph“ schrieb über dessen Gründerin und ihre Schule: „Only a few years have elapsed since Madame Mathilde Verne opened her College, and who will say how much she has helped since then to advance the cause of Music in England? For Madame Verne understands not only the art of teaching the piano, but also – and this, surely, is of still greater importance – how to breed and to foster enthusiasm for music. It is with the young that the future of all art lies, and she knows how to capture the young imagination.“ („Nur wenige Jahre sind vergangen, seit Madame Mathilde Verne ihr College eröffnet hat und wer vermag zu sagen, wie viel sie seither dafür getan hat, die Sache der Musik in England voranzutreiben. Denn Madame Verne versteht es nicht nur Klavier zu unterrichten, sondern auch – und dies ist sicherlich von noch größerer Wichtigkeit – wie man Begeisterung für Musik hervorruft und fördert. Bei den Jugendlichen liegt die Zukunft aller Kunst und sie weiß, wie man ihre Phantasie beflügelt.“; „The Daily Telegraph“, o. D., zit. n. Verne 1936, S. 160; Übersetzung: Silke Wenzel).

    Das „Mathilde Verne College of Music“ blieb bis in die frühen 1930er- Jahre bestehen. Nach ihren eigenen Angaben hatte Mathilde Verne im Laufe ihres Lebens 1.400 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, darunter Moura Lympany, Herbert Menges, Thomas Dunhill, Harold Samuel, John Vallier, der Sohn ihrer Schwester Adela Verne, sowie Elizabeth Angela Bowes-Lyon, die spätere Queen Mother Elisabeths II.


    Da Mathilde Verne von Beginn an einen Schwerpunkt auf die musikpädagogische Arbeit legte, ging sie nur selten auf Tournee. Eine erste größere Konzertreise führte sie Ende der 1880er-, Anfang der 1890er-Jahre – die genauen Daten sind z. Zt. nicht zu ermitteln – in die USA, in der Hoffnung, dort leichter Geld zu verdienen. In den USA gab sie Soloabende und konzertierte u. a. mit dem Theodore Thomas’ Orchestra (Chicago). Später folgten weitere Konzertreisen nach Paris, Wien und Berlin sowie 1926/27 eine weitere Tournee in die USA mit einem Robert Schumann Programm, bei dem sie u. a. die „Papillons“ op. 2, die „Etudes Symphoniques“ op. 13 und die Fantasie C-Dur op. 17 spielte.


    Mathilde Verne starb am 4. Juni 1936 in London.

    Würdigung

    Mathilde Verne zählte zu den bekanntesten Pianistinnen und Musikpädagoginnen in England am Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Als sie mit 61 Jahren am 6. Dezember 1926 in der New Yorker Aeolian Hall mit einem Soloabend auftrat, schrieb ein Kritiker über ihr Spiel: „Before Mathilde Verne had rounded out the first five minutes of her all-Schumann recital [...], her listeners were aware that here was a pianist of no usual order. Miss Verne plays with an emotional breadth, and a pure, passionate poetry seldom heard in an age that recognises the heart as a mechanism exclusively. She is an artist of maturity and poise, a fine tone colourist and at all times a thougthful musician; but the high lights of her sympathetic performance are her simplicity, her adorable poetry, and her gallant refinement of style.“ („Noch bevor die ersten fünf Minuten von Mathilde Vernes Robert-Schumann-Rezital vergangen waren [...], waren sich ihre Zuhörer bewusst, dass sie hier eine außergewöhnliche Pianistin vor sich hatten. Miss Verne spielt mit emotionaler Bandbreite und reiner, leidenschaftlicher Lyrik, was in einer Zeit, in der das Herz ausschließlich als ein Mechanismus anerkannt wird, nur selten zu hören ist. Sie ist eine reife und sichere Künstlerin, eine wunderbare Tonfarben-Malerin und zu jeder Zeit eine überlegte Musikerin. Aber die Höhepunkte ihres verständnisvollen Vortrags waren ihre Einfachheit, ihre bewundernswerte Lyrik und ihre galante, stilistische Vollkommenheit.“; Konzertkritik ohne nähere Angaben, zit. n. Verne 1936, S. 213; Übersetzung: Silke Wenzel)


    Trotzdem sah sie selbst ihre eigentliche Berufung in ihrer musikpädagogischen Arbeit. Ihre Autobiografie „Chords of Remembrance“ endet mit den Worten: „I have wanted to be a teacher from my earliest girlhood, and all my public appearances in England have been intended only to serve my teaching career. I did not take to teaching because my concert work was not successful, but because teaching is a passion which has possessed me – it is my mission in life.“ („Schon als Mädchen wollte ich Lehrerin werden, und meine öffentlichen Auftritte in England dienten nur dem Zwecke meiner Unterrichtslaufbahn. Ich habe nicht mit dem Unterrichten begonnen, weil meine öffentlichen Auftritte nicht erfolgreich gewesen wären, sondern deswegen, weil das Unterrichten eine Leidenschaft ist, die mich nicht losläßt – das Unterrichten ist meine Lebensmission.“ (Verne 1936, S. 279; Übersetzung: Verne 1996, S. 193)

    Nach ihren eigenen Angaben hat Mathilde Verne im Laufe ihres Lebens mehr als 1400 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Sie gründete 1909 ein eigenes „College of Music“ im Londoner Stadtteil South Kensington, das ca. 25 Jahre lang bestehen blieb. Mathilde Verne entwickelte hierfür ein klares pädagogisches Konzept und setzte es um. Hierzu zählte eine umfassende Ausbildung, die weit über das Instrumentalspiel hinausging und u. a. das gemeinsame Spiel in Kammermusik-Ensembles förderte.

    Rezeption

    Die Novelle „Madame Sousatzka“ von Bernice Rubens (1962) basiert teilweise auf dem Leben von Mathilde Verne. Sie wurde 1988 von John Schlesinger verfilmt.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste lässt sich aufgrund fehlender Informationen z. Zt. nicht erstellen. In ihrer Autobiografie sind Aufführungen der folgenden Werke erwähnt:


    Solokonzerte


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert c-Moll op. 37

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Konzert Es-Dur für zwei Klaviere KV 365

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Konzert F-Dur für drei Klaviere KV 242

    Schumann, Robert. Klavierkonzert a-Moll op. 54

    Tschaikowsky, Petr I. Klavierkonzert (keine Präzisierung möglich)



    Klavierwerke


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate F-Dur op. 10 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van. 32 Variationen c-Moll über ein eigenes Thema op. 80

    Chopin, Frédéric. Klavierwerke (keine Präzisierung möglich)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. 10 Variationen G-Dur über „Unser dummer Pobel meint“ KV 455

    Schumann, Robert. „Papillons“ op. 2

    Schumann, Robert. „Carnaval“ op. 9

    Schumann, Robert. Fantasie C-Dur op. 17

    Schumann, Robert. Paganini-Variationen (keine Präzisierung möglich)

    Schumann, Robert. 12 Etudes Symphoniques cis-Moll op. 13



    Kammermusik


    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate A-Dur op. 47 („Kreutzer-Sonate“)

    Mendelsohn Bartholdy, Felix. Klaviertrio c-Moll op. 66

    Quellen

    Quellen


    Verne, Mathilde. Chords of Remembrance [Autobiografie], London: Hutchinson & Co, 1936.



    Literatur


    Artikel „Verne, Mathilde“. In: Wyndham, H. S. (Ed.). Who’s who in music. London 1913 [verfügbar in wbis: world biographical information system]


    Artikel „Mathilde Verne”. In: The Musical Times, Vol. 77, No. 1121, Juli 1936. S. 656.


    Artikel „Verne. (1) Mathilde Verne“. In: Grove’s Dictionary of Music and Musicians. 5th edition. Edited by Eric Blom. Vol. VIII, London: Macmillan & Co LTD, 1954. S. 753-754.


    De Vries, Claudia. Die Pianistin Clara Wieck-Schumann. Interpretation im Spannungsfeld von Tradition und Individualität (= Schumann Forschungen Bd. 5). Mainz, London u. a.: Schott, 1996.


    Langley, Leanne. Artikel „Verne, Mathilde (1865–1936)”. In: Oxford Dictionary of National Biography. Oxford: Oxford University Press, 2004 (hier verwendet in der Internet-Version unter: http://www.oxforddnb.com/view/article/75531 [Stand: 20.04.2007]; s. a. „Links”)


    Verne, Mathilde. Chords of Remembrance [Autobiografie], London: Hutchinson & Co, 1936.


    Verne, Mathilde. „Das Unterrichten ist ein untrennbarer Teil meines Wesens“. In: Frauen mit Flügeln. Lebensberichte berühmter Pianistinnen. Von Clara Schumann bis Clara Haskil. Hg. Von Monica Steegmann/Eva Rieger. Frankfurt a. M., Leipzig: Insel-Verlag, 1996. S. 147-194. [Auswahl aus Mathilde Vernes Memoiren „Chords of Remembrance“ in deutscher Übersetzung]



    Links


    http://www.keyboardgiants.com

    Die Website promoted die professionellen PianistInnen der Familien Verne/Vallier: Mathilde Verne, Alice Verne, Adele Verne und deren Sohn John Vallier. Ferner befindet sich dort eine kurze Beschreibung des familiären Archivbestandes.


    http://www.oxforddnb.com/view/article/75531

    Biographischer Artikel zu Mathilde Verne: Langley, Leanne. Artikel „Verne, Mathilde (1865–1936)”. In: Oxford Dictionary of National Biography. Oxford: Oxford University Press, 2004 (Stand: 20.04.2007)

    Forschung

    Zahlreiche Dokumente befinden sich im Familienarchiv „The Verne Vallier Archive Library“. Die Sammlung enthält u. a. Notenausgaben von Werken Robert Schumanns mit Anmerkungen von Clara Schumann, weitere Notenausgaben mit Anmerkungen von Ignaz Jan Paderewski sowie Briefe u. a. von Clara Schumann (vgl. „Links“).

    Im Department of Portraits and Performance History des Royal College of Music sind verschiedene Konzertprogramme erhalten.

    Aufnahmen mit Mathilde Verne befinden sich im National Sound Archive der British Library.

    Forschungsbedarf

    Die Tätigkeiten von Mathilde Verne, ihr Repertoire und ihre Schülerinnen bzw. Schüler, die von ihr organisierten Konzerte und die von ihr bearbeiteten Noten sowie ihre Interpretationen sind bis heute kaum erforscht. Ihre Autobiografie gibt zwar zahlreiche Hinweise, vor allem was die Namen ihrer Schülerinnen und Schüler betrifft, trotzdem fehlen konkrete Daten und die Einbindung in übergreifende Zusammenhänge. Neben einer Sichtung des Familienbestands wäre hier eine systematische Auswertung von Zeitschriften und Konzertprogrammen notwendig. Eine Untersuchung ihres außerordentlich erfolgreichen „College’s of Music“ könnte zugleich über die Errichtung und Bedeutung von Privatkonservatorien in England im 20. Jahrhundert Aufschluss geben.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 50449048
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 135718090
    Library of Congress (LCCN): nb2008022506
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, Die Grundseite wurde im Juni 2007 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 27.06.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Mathilde Verne“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 27.6.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Mathilde_Verne