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    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Martha Remmert. Stich von von Wegen, Leipzig o.D.
    Namen:
    Martha Remmert
    Lebensdaten:
    geb. in Grossschwein bei Glogau (heute: Glogow, Polen),
    gest. in Neuses bei Coburg,

    Die Angaben ueber das Geburtsjahr von Martha Remmert sind unterschiedlich. Neben 1854 werden auch (vermutlich faelschlich) 1859 und 1864 als Geburtsjahre angegeben.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin, Dirigentin, Komponistin, Veranstalterin, Musikvermittlerin, Musikschulgründerin, (Musik-)Schriftstellerin
    Charakterisierender Satz:

    „Keine Direktion wird eine Beeinflussung nach irgend einer Richtung der Kunst hin ausüben. Frei und universell, wie es Liszt war, sollen die Kunstrichtungen vertreten sein […], sodass durch den Zusammenschluss nach aussen hin sich das Ganze als eine imposante konkurrenzlose Schöpfung vor die Welt stellt, in welcher der Liszt’sche Geist weht mit seiner universellen Durchdringung aller Gebiete und seiner souveränen Freiheit […].“


    Martha Remmert: Exposé zu einer „Meisterschule für Musik“ (Goethe- und Schiller-Archiv Weimar 59/491,4)


    Profil

    Martha Remmert wurde zunächst von Theodor Kullak und Carl Tausig in Berlin ausgebildet, bevor sie ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar und Budapest fortsetzte, der sie bis zu seinem Tod 1886 protegierte. Von 1873 bis ca. 1900 konzertierte sie als erfolgreiche Solistin und Kammermusikerin und unternahm zahlreiche große Konzerttourneen, die sie u. a. nach Griechenland, Ägypten und in die Türkei führten.

    Ab ca. 1900 wandte sich Martha Remmert verstärkt der Institutionalisierung des Musiklebens zu und versuchte dabei, die künstlerischen und pädagogischen Grundsätze Franz Liszts umzusetzen. Im Jahr 1900 gründete sie in Berlin die „Franz Liszt-Academie“, an der Musikerinnen und Musiker in verschiedenen Ausbildungsstufen und möglichst breitgefächert unterrichtet wurden. Sie selbst übernahm die Direktion. Ebenso engagierte sie sich im aktuellen Musikleben: 1905 gründete Martha Remmert die „Franz Liszt-Gesellschaft“ und übernahm deren Vorsitz bis mindestens 1929. In dieser Funktion organisierte sie zahlreiche Musikfeste, die sich in der Tradition des Allgemeinen Deutschen Musikvereins der neueren Musik widmeten. Zugleich wirkte sie als Dirigentin, Komponistin und (Musik-)Schriftstellerin.

    Orte und Länder

    Martha Remmert wurde in Großschwein bei Glogau (Schlesien) geboren. Sie studierte zunächst bei Theodor Kullak und Carl Tausig in Berlin und anschließend bei Franz Liszt in Weimar und Budapest Klavier. Von 1877 bis 1883 lebte Martha Remmert möglicherweise im Kanton Vaud in der Schweiz bzw. in Lausanne. Im Jahr 1885 ließ sie sich in Berlin nieder und verbrachte die Sommermonate im Landhaus ihrer Schwester in Neuses, nahe Coburg. Dort starb sie 1941.


    Konzertreisen führten sie durch Deutschland, England, Dänemark, das Baltikum, Finnland, Russland, Ungarn, Rumänien, Griechenland, Ägypten und die Türkei.

    Biografie

    Martha Remmert wurde am 4. August 1854 in Großschwein bei Glogau als Tochter von Elwiene und Otto Remmert, einem Gutsbesitzer, geboren. Nach einer grundlegenden musikalischen Ausbildung im Elternhaus kam sie als junges Mädchen nach Berlin, wo sie bei Theodor Kullak und Carl Tausig ein erstes Klavierstudium absolvierte.


    Spätestens ab 1873 setzte Martha Remmert ihr Studium bei Franz Liszt in Weimar und Budapest fort. Über eine Szene während ihrer Studienzeit in Weimar berichtete ihre Kommilitonin Amy Fay in den „Briefen aus der Heimath“ am 24. Juni 1873: „Fräulein Remmert spielte sein [Franz Liszts] Es-dur Concert. Es standen zwei Flügel im Zimmer; sie saß an dem einen, er an dem anderen begleitend oder zwischenspielend, je nach Laune. Endlich kamen sie an eine Stelle, wo eine Reihe Passagen in der Mitte des Claviers mit beiden Händen beginnend, in entgegengesetzter Richtung bis zum Ende der Claviatur laufen, und jedesmal in einem kurzen, scharfen Accorde endigen. ‚Alles zum Fenster hinauswerfen,‘ sagte er in rascher, leichter Art und begann die Passagen zu spielen, jedem Accorde einen Stoß gebend, als wenn er wirklich Alles zertrümmern und hinausschleudern wollte, und das mit solchem Vergnügen, daß man ebenfalls Lust verspürte, beim allgemeinen Zerstörungswerke Hand mit anzulegen.“ (Fay 1882, S. 147)


    Zeitgleich mit ihrem Studium bei Franz Liszt begann Martha Remmert öffentlich zu konzertieren, zunächst vorwiegend als Solistin mit einem Schwerpunkt auf den Werken Ludwig van Beethovens und Franz Liszts. So spielte sie z. B. im Winter 1873/1874 im Henning'schen Gesangsverein in Posen das Klavierkonzert c-Moll op. 37 von Ludwig van Beethoven sowie die Transkription des Mendelssohnschen „Sommernachtstraums“ von Franz Liszt. Die „Neue Zeitschrift für Musik“ rezensierte: „In Beethovens Cmollconcert hielt sie [Martha Remmert] ihre Partie stets vortrefflich als ein Glied des musikalischen Ganzen in den nöthigen Schranken und wußte sich dem Orchester fügsam unterzuordnen, während sie, wo es die Composition verlangt, mit rauschender und glänzender Bravour ihr Soloinstrument zur Geltung brachte. […] Daß Frl. R. den technischen Apparat mit Sicherheit beherrscht, rühmen wir ihr heut nicht nochmals nach. Namentlich in Liszt's Übertragung des Sommernachtstraums riß die Eleganz und Sicherheit ihres Spieles, die Correctheit und Klarheit ihrer perlenden Passagen, besonders die gedrungene Abrundung ihres meisterhaften Trillers die Zuhörer so mit fort, daß ihr die Ehre des Hervorrufs zu Theil wurde.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ 1874, S. 85). Weitere Konzerte folgten in Erfurt, Merseburg, Braunschweig, Danzig und Riga (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ 1874, S. 143). Auch in den folgenden zwei Jahren konzertierte Martha Remmert in mehreren deutschen Städten, u. a. in Bremen und beim Tonkünstlerfest in Altenburg und unternahm im

    Winter 1877/78 eine Konzerttournee durch Österreich-Ungarn mit Auftritten u. a. in Wien und Prag (1878). Auch als Klavierbegleiterin und Kammermusikerin konzertierte Martha Remmert. So trat sie z. B. zwischen 1882 und 1884 mit den Sängerinnen Marianne Brandt und Magda Boetticher auf und unternahm gemeinsame Konzertreisen mit ihnen.


    Martha Remmert wurde mehrere Jahre lang von Franz Liszt unterrichtet. Auch darüber hinaus nahm er an der Entwicklung ihrer Karriere regen Anteil, wie aus verschiedenen Briefen und Dokumenten hervorgeht. In einem Brief vom 27. Dezember 1873 aus Budapest heißt es: „Geehrtes Fräulein, Der beste ‚Ausweis’ zur Beantwortung des ministeriellen Rescripts liegt in Ihren Händen. Spielen Sie blos die erste Seite des Henselt’schen Conzerts, und Niemand wird bezweifeln, dass ich Ihnen sehr wohlgewogen bin. Gerne will ich auch weiterhin Ihrem Studien-Eifer und Virtuosen-Ehrgeiz frommen. Ob in Budapest oder Weimar, gleichviel.“ (vgl. Liszt [1893ff.], Bd. 2, S. 193f.) Nach einem Misserfolg bei einem Konzert in Baden-Baden schrieb er am 12. Oktober 1876 an Olga von Meyendorf: „The semisuccess or failure of Martha R[emmert] at Baden doesn’t much surprise me. You were right to support her […]. Nowadays, for one’s name to become well known, one has to work hard, be patient, and endure. If Martha wants to practice in Budapest for a few months more, I’ll try to be helpful to her. She will find two or three rivals there who will be less of a bother than useful. She can count on my sincere affection. Tell her that she need only come to Budapest, without writing to me ahead of time, and that I will welcome her warmly.” (bislang nur in engl. Übersetzung publiziert: Liszt [1979], S. 247) Auch ihre Konzerttournee durch Österreich-Ungarn 1877 unterstützte er mit einem Empfehlungsschreiben: „Die vortreffliche-glänzende Pianistin Martha Remmert empfiehlt seinen wohlwollend gesinnten Conpatrioten – in Ungarn und Transylvanien freundlichst ergeben F. Liszt“ (Liszt [1966], S. 182). Als Martha Remmert 1881 auf der Tonkünstler-Versammlung des „Allgemeinen deutschen Musikvereins“ in Magdeburg mit seinem „Todtentanz“ auftrat, war Liszt von ihrer Interpretation sehr angetan (vgl. Liszt [1988], S. 278). Im Februar 1882 schickte er Martha Remmert einige überarbeitete Stellen (vgl. Liszt [1893ff.], Bd. 2, S. 320) und schrieb im Dezember 1883 an die Fürstin Sayn-Wittgenstein über die Rezeption des Werkes: „… les arrêts de Dame critique ne sont pas irrévocables. […] Voilà que Nicolas Rubinstein de par son admirable talent le ressuscita à Moscou, Varsovie, Péterbourg […] – en Allemagne aussi il commence à sévir, sous les brillants doigts de Mlle Remmert.” („… die Urteile der Kritik sind nicht unwiderruflich. […] Nicolas Rubinstein, mit seinem bewunderswerten Talent, verhalf ihm [dem Werk] in Moskau, Warschau und Petersburg zum Erfolg […] – und auch in Deutschland beginnt es sich durchzusetzen, dank der brillianten Finger von Mlle Remmert.“; Liszt [1893ff.], Bd. 7, S. 393). Der Kontakt zu Franz Liszt blieb bis zu dessen Tod im 1886 bestehen.


    Von 1877 bis ca. 1883 lebte Martha Remmert möglicherweise im Kanton Vaud in der Schweiz bzw. in Lausanne, ließ sich anschließend in Berlin nieder und begann dort zu unterrichten. Im Jahr 1881 wurde ihr der Titel einer Großherzoglichen Sächsisch-Weimarischen Hofpianistin verliehen (vgl. Dekret Goethe- und Schiller-Archiv Weimar 59/475,1), und in den Jahren 1882 und 1883 erhielt sie zwei italienische Auszeichnungen in Neapel und Catania, ohne dass ihre italienischen Kontakte bislang zu rekonstruieren wären. Bis ca. 1900 konzertierte Martha Remmert regelmäßig und unternahm mehrere große Konzertreisen. So trat sie z. B. am 14. Oktober 1886 im Rigaer Gewerbeverein auf, spielte im April 1888 im Londoner Crystal Palace Beethovens Klavierkonzert Es-Dur op. 73 „with considerable brilliancy“, wie die „Times“ kommentierte, und debütierte – vergleichsweise spät – am 11. Januar 1894 mit dem Berliner Philharmonischen Orchester in einem Konzert „Zum Besten der Frauenhilfe für die Armen-Krankenpflege in Berlin“. Bei dieser Gelegenheit spielte sie unter der Leitung von Franz Mannstaedt und Siegfried Ochs Franz Liszts Klavierkonzert Es-Dur und seine „Fantasie über ungarische Volksmelodien“ für Klavier und Orchester (vgl. Muck 1982, S. 54). Ab 1886 unternahm Martha Remmert zahlreiche ausgedehnte Konzertreisen, die sie u. a. durch Russland, Dänemark, Rumänien und Österreich-Ungarn führten. Auf ihren beiden großen „Orientreisen“ (1886 und Winter 1894/1895) trat sie in Griechenland, der Türkei und Ägypten auf, mit Konzerten u. a. in Athen, Konstantinopel, Alexandria und Kairo. Als sie am 16. März 1894 im IV. Konzert des Liszt-Vereins mit dessen Klavierkonzert Es-Dur sowie mit seiner „Ungarischen Fantasie“ in Leipzig auftrat, schrieb das „Leipziger Tageblatt“: „Sie [Martha Remmert] errang sich sofort die vollsten Sympathien des Publikums, das nicht nur ihre vollendete Technik anstaunend bewunderte, sondern namentlich durch die geniale, von einem gewissen Uebermuth unterstützte Vortragsweise, die ausserordentliche Schwungkraft ihres Spiels und durch die Tonfülle und Zartheit des Blüthner’schen Konzertflügels, der unter ihren Händen ganz wundervoll klang, bezaubert wurde.“ (zit. n. „Allgemeine Musikalische Zeitung“ vom 6. April 1894, S. 203) Gegen Ende der 1890er Jahre beschäftigte sich Martha Remmert intensiv mit der Kammermusik Ludwig van Beethovens und studierte u. a. dessen Violinsonaten mit Waldemar Meyer sowie die Cellosonaten mit Anton Hekking ein (Buck 1898, S. 247).


    Nach und nach wandte sich Martha Remmert verstärkt der Ausbildung von Musikerinnen und Musikern zu und suchte nach neuen Formen der Institutionalisierung. Im Jahr 1900 gründete sie am Kurfürstendamm in Berlin eine „Franz Liszt-Academie“, die sie als Direktorin leitete. Die Akademie war den pädagogischen und künstlerischen Grundsätzen Franz Liszts verpflichtet. So heißt es z. B. in einem Werbeprospekt: „Die Academie setzt sich zusammen aus den höchsten Studien in allen Fächern der Musik, sowohl auf dem Gebiete geistvoller Virtuosität, als künstlerischer Pädagogik.“ (GSA Weimar 59/491,1) Die Akademie war in vier Abteilungen untergliedert, die jeweils verschiedenen Unterrichtsstufen zugeordnet waren: einer Vorbereitungsklasse, einer akademischen Ausbildungsklasse, einer Concertklasse sowie einer Selecta für Pädagogen. Hinzu kamen Sonderkurse wie z. B. Kontrapunkt, Komposition, Ästhetik, Akustik und Musikgeschichte, die der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich waren. Elf Jahre später entwarf Martha Remmert ein Konzept, mit dem die Akademie zu einer „Freien Meisterschule für Musik“ erweitert werden sollte, die u. a. eine Orchesterschule, eine Schule für dramatische Kunst, eine Opernschule, Rhythmuslehre nach Emile Jaques-Dalcroze sowie Vorlesungen über künstlerische und wissenschaftliche Themen für ein grösseres Publikum umfassen sollte. Von den bisherigen privaten Musikschulen sollte sich diese Meisterschule in vielen Punkten grundlegend unterscheiden: „Geldinteressen bilden nicht den Grund zu dem Gebäude. Der Lehrplan für die anzugliedernden Fächer wird nicht von einer Direktion bestimmt, sondern jede einzelne Kapazität kann in ihrem eigenen Felde unbehindert und frei schalten und walten. […] Die Lehrkräfte werden nicht Angestellte eines Unternehmers sein, welcher mit Profit arbeiten will und muss, sondern ihre Stellung soll mit der von Professoren an Universitäten vergleichbar sein, wo jeder Dozent sein eigenes Gebiet vertritt und die Kollegiengelder ihm selbst gehören. Keine Direktion wird eine Beeinflussung nach irgend einer Richtung der Kunst hin ausüben. Frei und universell, wie es Liszt war, sollen die Kunstrichtungen vertreten sein […], sodass durch den Zusammenschluss nach aussen hin sich das Ganze als eine imposante konkurrenzlose Schöpfung vor die Welt stellt, in welcher der Liszt’sche Geist weht mit seiner universellen Durchdringung aller Gebiete und seiner souveränen Freiheit […].“ (Exposé von Martha Remmert, Goethe- und Schiller-Archiv Weimar 59/491,4) Die Meisterschule wurde meines Wissens nicht realisiert; ebenso ist bislang unbekannt, bis wann die „Franz Liszt-Academie“ Bestand hatte.


    Auch in anderen Bereichen wirkte Martha Remmert auf eine Institutionalisierung des Musiklebens hin. Im Jahr 1905 gründete sie die „Franz-Liszt-Gesellschaft“, um die musikalischen und sozialen Prinzipien von Franz Liszt im Musikleben weiterzutragen: „Diese Gesellschaft verfolgt nicht nur künstlerische, sondern auch allgemeine humane und soziale Ziele“, heißt es im „Deutschen Zeitgenossen-Lexikon“ aus dem Gründungsjahr. Von 1905 bis mindestens 1929 fungierte Martha Remmert als Erste Vorsitzende der Gesellschaft und organisierte in dieser Funktion mehrere Musikfeste in der Tradition der „Tonkünstlerfeste“ des „Allgemeinen Deutschen Musikvereins“, darunter z. B. die verschiedenen Liszt-Hundertjahrfeiern 1911 in Berlin und Eisenach, die Musikfeste der Franz-Liszt-Gesellschaft in Sondershausen 1912, Altenburg 1914, Meiningen 1918, Den Haag 1921 sowie in Bad Kissingen 1922.


    Zu vermuten ist, dass die Tätigkeitsfelder von Martha Remmert besonders nach 1900 ein weitaus größeres Spektrum umfassen, als es bislang aufgezeigt werden kann. So wird z. B. im Goethe- und Schiller-Archiv eine Komposition von ihr aufbewahrt („Erinnerung an San Stephano“. Musikalische Skizzen), und die dortige Sammlung an „Urteilen von Zeitgenossen“ verweist auch auf die Dirigentin Martha Remmert. In Zeitungsartikeln und Vorträgen bezog sie zudem zu aktuellen Themen des Musiklebens Stellung und arbeitete wissenschaftlich, z. B. über altitalienische Gesangsmethoden. Wie sehr Martha Remmert im allgemeinen Musikleben ihrer Zeit verankert war, zeigt ihre umfangreiche Korrespondenz mit Musikerinnen und Musikern, darunter Briefwechsel mit Eugen d’Albert, Leopold von Auer, Marianne Brandt, Feruccio Busoni, Sigmund von Hausegger, Julius Klengel, Eduard Napravnik, Wilma Neruda, Nicolas Rimsky-Korsakow, Camille Saint-Saëns, Richard Strauss und Felix von Weingartner.


    Während der NS-Zeit fügte sich Martha Remmert in das System ein, bemühte sich um politische Anerkennung der „Franz Liszt-Gesellschaft“ und wurde von Adolf Hitler mit dem „Ehrensold der Deutschen Künstlerschaft“ ausgezeichnet (Goethe- und Schiller-Archiv Weimar 59/520,4).


    Martha Remmert starb am 24. Januar 1941 in Neuses bei Coburg im Alter von 86 Jahren.


    Martha Remmert erhielt im Laufe ihres Lebens mehrere Auszeichnungen, darunter die „Medaglia I. Classe“ der „Fondazione Giambattista Vico“ (Neapel 1882), die „Medaglia d’argento“ des „Circolo Letterario Artistico Musicale Bellini“ (Catania 1883), die „Verdienstmedaille in Gold“ von Friedrich Franz von Mecklenburg (Schwerin 1893), sowie zweimal die „Verdienst-Medaille für Kunst und Wissenschaft in Gold mit Krone“ von Ernst von Sachsen (Altenburg 1892 und 1914) (vgl. Goethe- und Schiller-Archiv Weimar 59/475, 1 und 2).

    Würdigung

    Martha Remmert war von 1873 bis zu ihrem Tod 1941 in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und mit einer großen Vielfalt an Interessen im öffentlichen Musikleben präsent. Bis ca. 1900 widmete sie sich vorwiegend ihrer pianistischen Karriere, danach traten andere Arbeitsschwerpunkte in den Vordergrund: Sie gründete eine Musikschule, setzte mit der Gründung der „Franz Liszt-Gesellschaft“ und deren Musikfesten die Tradition der „Tonkünstlerfeste“ des „Allgemeinen deutschen Musikvereins“ fort, wirkte als Musikpädagogin und Dirigentin, veröffentlichte Zeitungsartikel zum allgemeinen Musikleben und schrieb ein Manuskript über altitalienische Gesangsmethoden. Wie sehr sie auch noch in hohem Alter aktuelle Entwicklungen verfolgte, zeigt die Tatsache, dass sie auch ein Skript zu einem Franz Liszt-Film verfasste (Müller 1929).

    Rezeption

    Eine zeitgenössische Rezeption der Tätigkeiten und Ideen von Martha Remmert ist bislang kaum erforscht. Eine heutige Rezeption findet bislang nicht statt. Dies könnte sich jedoch mit der Publikation des Architekten und Familienforschers Dieter Nolden ändern (vgl. Forschungsinformationen).

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Erinnerung an San Stephano (Musikalische Skizzen): 4 Stücke für Klavier: 1. Gondellied – 2. Schlummerlied – 3. Andante espressivo – 4. Valse (GSA 60/Z 37)



    Schriften


    Pädagogische Richtschnur für Klavier und Gesang (Manuskript; Hinweis: Müller 1929).


    Geheimnisse der alt-italienischen Gesangs-Methode (Manuskript; Hinweis: Müller 1929).


    Reise-Erinnerungen [auch: Lebenserinnerungen] (Manuskript; GSA)


    Skript zu einem Franz Liszt-Film (Hinweis: Müller 1929)


    Musikpflege im modernen Athen (Zeitungsartikel 1899; GSA)


    Die Notlage des Musikerstandes (Zeitungsartikel 1914; GSA)


    Eine Erinnerung an Liszt (Zeitungsartikel o. J.; GSA)



    Vorträge


    Vortrag über Franz Liszt (Fragment; GSA)


    Vortrag über Richard Wagner (Manuskript; GSA)

    Repertoire

    Martha Remmert war über 27 Jahre lang, von 1873 bis 1900, als Solistin und Kammermusikerin im internationalen Musikleben verankert. Eine Repertoire-Liste wäre jedoch erst nach einer systematischen Auswertung der im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar vorhandenen Konzertprogramme und -kritiken möglich. Den vorliegenden Rezensionen nach zu urteilen, lag der Schwerpunkt ihrer Interpretationen auf den Werken von Franz Liszt und Ludwig van Beethoven.

    Quellen

    Goethe- und Schiller-Archiv Weimar (GSA):


    GSA 59/475,1 und 2 (Diplome über an Martha Remmert verliehene Auszeichnungen)


    GSA 59/491,1 (Satzungen der von Martha Remmert gegründeten Franz Liszt-Akademie)


    GSA 59/491,4 (Exposé Martha Remmerts über die geplante Gründung einer „Freien Meisterschule für Musik“)


    GSA 59/520,4 (Zeitungsnachrichten über den Tod von Martha Remmert)



    Literatur


    Anonym: Martha Remmert. In: Nordisk musik-tidende 4 (1883). Nr. 4, April 1883, S. 50-55.


    Anonym: Martha Remmert. In: Svensk musiktidning 11 (1891). Nr. 20 vom 15. Dezember 1891, S. 153.


    Anonym: Martha Remmert. In: Allgemeine Musikalische Zeitung 21 (1894) vom 6. April 1894, S. 202-203.


    Artikel „Remmert, Frl. Martha“. In: Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon. Moritz Rudolph (Hg.) 1890 [verfügbar in wbis, world biographical information system].


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Deutsches Zeitgenossen-Lexikon. Franz Neubert (Hg.). 1905 [verfügbar in wbis, world biographical information system].


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon. 12. Auflage. Paul Frank, Wilhelm Altmann (Hg.). 1926 [verfügbar in wbis, world biographical information system].


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Illustriertes Musiklexikon. Hermann Abert (Hg.). 1927 [verfügbar in wbis, world biographical information system].


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Deutsches Musiker-Lexikon. Erich H. Müller (Hg.). 1929 [verfügbar in wbis, world biographical information system].


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Musiklexikon. Hugo Riemann (Hg.). 11. Auflage, bearb. von Alfred Einstein. 1929 [verfügbar in wbis, world biographical information system].


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Wer ist’s? Unsere Zeitgenossen. Hermann A.L. Degener (Hg.). 10. Ausgabe. 1935 [verfügbar in wbis, world biographical information system].


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Lexikon der Frau. Bd. II. Zürich: Encyclios Verlag, 1954. Bd. 2. Sp. 1030.


    Artikel „Remmert, Martha“. In: Kurzgefasstes Tonkünstler-Lexikon. Zweiter Teil: Ergänzungen und Erweiterungen seit 1937. Burchard Bulling u. a. (Hg.). Wilhelmshaven: Heinrichshofen, 1974-1978.


    Buck, Rudolf. Martha Remmert. In: Musikalisches Wochenblatt: Organ für Musiker und Musikfreunde 29 (1898). S. 246f.


    Burdet, Jacques. La Musique dans le pays de Vaud au XIXe siècle. Lausanne: Payot, 1971.


    Ehrlich, Albert Payne (Hg.). Berühmte Klavierspieler der Vergangenheit und Gegenwart. Eine Sammlung von 116 Biographien und 114 Portraits. Leipzig: Verlag von A. H. Payne, 1893.


    Fay, Amy. Musikstudien in Deutschland: aus Briefen an die Heimat. Berlin: Oppenheim, 1882.


    Jansa, Friedrich (Hg.). Deutsche Tonkünstler in Wort und Bild. 2. Ausgabe. Leipzig: F. Jansa, 1911.


    Liszt, Franz. Briefe. Gesammelt und herausgegeben von La Mara. 8 Bände. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1893-1905.


    Liszt, Franz. Franz Liszt. Briefe aus ungarischen Sammlungen 1835-1886. Margit Prahács (Hg.). Kassel: Bärenreiter, 1966.


    Liszt, Franz. The Letters of Franz Liszt to Olga von Meyendorff 1871-1886 in the Mildred Bliss Collection at Dumbarton Oaks. Translated by William R. Tyler. Edward Waters (Hg.). Washington: Harvard University Press, 1979.


    Liszt, Franz. Franz Liszt in seinen Briefen. Franz Rudolf Jung (Hg.). Frankfurt am Main: Athenäum, 1988.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Niemann, Walter. Meister des Klaviers. Die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit. 9. bis 14. völlig umgearbeitete Auflage. Berlin: Schuster & Loeffler, 1921.


    Popp, Susanne. Der junge Reger. Briefe und Dokumente vor 1900. Wiesbaden u. a.: Breitkopf & Härtel, 2000.


    Rapin, Eugène. Histoire du piano et des pianistes. Bologna: Forni Editore, 1904.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikalische Zeitung XV (1880), Nr. 52 vom 29. Dezember 1880, S. 827-829.


    Musical World 51 (1873), Nr. 51 vom 20. Dezember 1873, S. 847.

    Musical World 52 (1873), Nr. 16 vom 18. April 1874, S. 252.


    Musikbladet 10 (1893), Nr. 3-4, S. 12-13.


    The Musical Times 28 (1887). Nr. 534 vom 1. August 1887, S. 476

    The Musical Times 29 (1888). Nr. 543 vom 1. Mai 1888, S. 279-280.


    The Times London vom 10. April 1888, S. 4.



    Links


    http://www.kalliope-portal.de

    Im Verbundkatalog Nachlässe und Autographen „Kalliope“ sind mehrere Briefe von Martha Remmert verzeichnet, darunter Briefe an Feruccio Busoni, Carl Fichtner, Gustav Friedrich Kogel und Ernst Eulenburg.


    http://ora-web.swkk.de/archiv_online/gsa.entry?u_id=546769&b=59&source=gsa.bestaende2

    Die Internet-Archivdatenbank des Goethe- und Schiller-Archives in Weimar enthält das vorläufige Bestandsverzeichnis zu Martha Remmert im „Bestand 59: Liszt“.

    Forschung

    Ein umfangreicher Bestand an Dokumenten zu Martha Remmert befindet sich im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar im dortigen „Bestand 59: Liszt“. In einer vorläufigen Gliederung wurde der Bestand zu Martha Remmert aufgeteilt in Werke, Vorträge und Aufsätze, Autobiographisches, Eingegangene Briefe, Persönliche Unterlagen, Geschäftliche Unterlagen der Franz-Liszt-Gesellschaft, Geschäftliche Unterlagen der Franz-Liszt-Akademie, Materialsammlung und Sammlungsstücke sowie Materialien über Martha Remmert.


    Zur Zeit bereitet der Architekt und Familienforscher Dieter Nolden eine Publikation über Martha Remmert vor, deren Erscheinen für Herbst 2008 vorgesehen ist (Nolden, Dieter. Martha Remmert. Biographie einer Franz-Liszt-Schülerin).

    Forschungsbedarf

    Der weitere Forschungsbedarf ist erst nach Erscheinen der Biographie von Dieter Nolden zu bestimmen. In jedem Fall wäre es interessant, zu erforschen, welche Rolle Martha Remmert in der Programmgestaltung der Musikfeste spielte und auf welche Weise sie junge Musikerinnen, Musiker, Komponistinnen und Komponisten förderte. Dabei wäre auch nach dem Status der Berliner „Franz Liszt-Academie“ und deren Schülerinnen und Schüler zu fragen.

    Zu vermuten ist, dass die Tätigkeitsfelder von Martha Remmert ein größeres Spektrum umfassen, als es bislang aufgezeigt werden kann. So wird z. B. im Goethe- und Schiller-Archiv eine Komposition aufbewahrt und die dortige Sammlung an „Urteilen von Zeitgenossen“ verweist auch auf die Dirigentin Martha Remmert. Ebenso ist über die (Musik-)Schriftstellerin Martha Remmert bislang nahezu nichts bekannt.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 54900190
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116436662

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 8.3.2008


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 31.03.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Martha Remmert“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 31.3.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Martha_Remmert