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  • Marion Scott

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Marion Scott
    Lebensdaten:
    geb. in London, England
    gest. in London, England
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Kammermusikerin, Konzertmeisterin, Komponistin, Musikwissenschaftlerin, Musikkritikerin, Förderin (ideell), Musikjournalistin, (Musik-)Herausgeberin, Konzertorganisatorin, Musikpolitikerin, Gründerin und zeitweise Präsidentin der Society of Women Musicians, Schriftstellerin
    Charakterisierender Satz:

    „Unstinted service in the cause of music was the keynote of her life. Countless musicians owe an incalculable debt of gratitude to the fragile little woman who lent them sympathetic and practical aid in their struggles and rejoiced whole-heartedly in their successes. As a friend she is irreplaceable.” („Uneingeschränkte Hingabe an die Arbeit um der Sache der Musik willen, war der Grundton ihres Lebens. Unzählige Musiker empfinden der kleinen zerbrechlichen Frau gegenüber eine unendliche Dankbarkeit, die ihre Arbeit verständnisvoll und tatkräftig unterstützte und sich mit ganzem Herzen an ihren Erfolgen freute.“ Die Pianistin und Komponistin Katharine Dale über Marion M. Scott. Vgl. Dale 1954, S. 238.)


    Profil

    Marion M. Scott prägte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Interpretin, Komponistin, Konzertveranstalterin, Musikpolitikerin und schließlich auch als Musikkritikerin und Musikwissenschaftlerin das Londoner Musikleben entscheidend mit.

    Marion M. Scott begann 1896 ihre professionelle Ausbildung am Royal College of Music London in Violine, Klavier und Komposition und konnte sich bereits zu Studienzeiten als Violinistin und Kammermusikerin im Londoner Musikleben zu etablieren. Um 1903 gründete sie ein eigenes Streichquartett, mit dem sie u. a. zahlreiche Werke zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten aufführte. Mit eigenwilligen Konzertprogrammen setzte sie sich für britische Komponistinnen und Komponisten und deren Werke ein und versuchte dabei das Besondere der britischen Musikentwicklung auch historisch zu fassen.

    Marion M. Scott schrieb zahlreiche Kompositionen und verfasste Gedichte, die u. a. 1905 in einem Band „Violin Verses“ erschienen. Ihre Kompositionen liegen als Manuskripte vor, sind jedoch bislang nicht verzeichnet.

    Gleichzeitig engagierte sich Marion M. Scott musikpolitisch in zahlreichen Verbänden und Organisationen, darunter die Royal Musical Association, die Royal Philharmonic Society und der Forum Club. Eines ihrer Lebenswerke war die Gründung der „Society of Women Musicians“, die sie ab 1911 gemeinsam mit der Sängerin Gertrude Eaton und der Komponistin Katharine Eggar aufbaute – mit eigenem Chor und Orchester, einer Bibliothek sowie Konzert- und Vortragsreihen. Die Organisation unterstützte Musikerinnen im britischen Musikleben, führte die Werke von Komponistinnen auf und bemühte sich u. a. darum, die Aufnahme von Musikerinnen in professionelle Orchester zu ermöglichen. Die „Society of Women Musicians“ blieb bis 1972 bestehen.


    Ab den 1920er-Jahren wandte sich Marion M. Scott dem Schreiben über Musik zu. Sie arbeitete als Musikkritikerin u. a. für die „Musical Times“ und verstärkte mit Artikeln über die Geschichte des Violinspiels, über Aufführungspraxis und Violinliteratur sowie über zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten ihre musikwissenschaftlichen Tätigkeiten. Gleichzeitig galt ihr Interesse der klassischen Musik. Im Jahr 1934 veröffentlichte sie ein Buch über Ludwig van Beethoven, das in zahlreichen, teilweise fremden Überarbeitungen bis 1974 in Neuauflagen erschien. Ihr eigentliches Forschungszentrum wurde jedoch der Komponist Joseph Haydn und besonders dessen Kammermusik. Sie entdeckte und edierte dessen erstes Streichquartett op. 1 Nr. 1 und etablierte sich damit in der Haydn-Forschung: 1950 wurde sie Mitarbeiterin der neuen Haydn-Gesamtausgabe und erstellte einen 48-seitigen Katalog sämtlicher Werke für die 5th Edition des „Grove Dictionary of Music and Musicians“, die 1954 erschien.

    Orte und Länder

    Marion M. Scott verbrachte ihr gesamtes Leben in London. Lediglich während des Zweiten Weltkriegs zog sie für drei Jahre nach Bridgwater (Somerset, Südengland).

    Biografie

    Marion Margaret Scott wurde am 16. Juli 1877 in London geboren. Ihr Vater (Name unbekannt; Mutter unbekannt), von Beruf Jurist und ein herausragender Amateurmusiker, sorgte für eine fundierte Ausbildung seiner Tochter in Violine und Klavier und ermöglichte ihr auf diese Weise den Eintritt ins Londoner Royal College of Music (RCM). Ab ihrem 13. Lebensjahr wurde Marion M. Scott dort von dem bekannten Geiger Fernandez Arbós unterrichtet. Im Jahr 1896 nahm sie regulär ein Violinstudium bei ihm auf, wurde von Marmaduke Barton in Klavier unterrichtet, und ergänzte ihr Instrumentalstudium um das Fach Komposition, das sie bei Walford Davies und Charles V. Stanford belegte. Marion M. Scott verließ das Royal College of Music im Jahr 1904, blieb der Institution aber über ihr gesamtes Leben verbunden. Im Jahr 1906 gründete sie gemeinsam mit Aitken Crawshaw und Emily Daymond die „Royal College of Music Union“, ein Verband, der es ehemaligen Studierenden ermöglichten, den Kontakt zum RCM zu halten. Sie war von 1936 bis 1944 Herausgeberin des „Royal College of Music Magazine“ und wurde kurz vor ihrem Tod für den Ehrentitel „Fellow of the Royal College of Music“ vorgeschlagen, der ihr posthum von der Präsidentin, Queen Elizabeth the Queen Mother, verliehen wurde („The London Times“ vom 31. Dezember 1953, S. 8).


    Noch während des Studiums konnte sich Marion M. Scott im Londoner Musikleben als Violinistin und Kammermusikerin etablieren. Für kurze Zeit war sie Konzertmeisterin des Morley College Orchestra unter der Leitung von Gustav Holst – genaue Daten lassen sich bislang nicht bestimmen. Sie trat in verschiedenen Konzerten auf und arbeitete eng mit zeitgenössischen Komponisten zusammen. Dabei suchte sie von Beginn an nach neuen Herangehensweisen an Musik – für die Musiker selbst wie für das Publikum. So berichtete z. B. die Londoner Times im Dezember 1903 über eine neue Organisation, die sich „String Club” nenne: „At the Leighton-house, Kensington, besides the regular set of chamber concerts […], a new organization called the ‘String Club’ holds its meetings at intervals of a fortnight, and the players, who prepare their work under professional guidance, have the opportunity of acquiring the art of ensemble playing; and, to judge by the performance of Tchaikovsky’s quartet in D last night, the four players led by Miss Marion Scott have studied to some purpose.” („Abseits der bekannten Kammermusikveranstaltungen trifft sich vierzehntägig im Leigthon-house, Kensington, eine neue Organisation, die sich ‚String Club’ nennt. Die Spieler, die die Werke unter professioneller Anleitung einstudieren, haben die Gelegenheit, die Kunst des Ensemblespiels zu erlernen; gemessen an der Interpretation von Tschaikowskis D-Dur Quartett gestern Abend, haben die vier Spieler unter Leitung von Miss Marion Scott ihr Ziel erreicht.“; „The Times London“ vom 8. Dezember 1903, S. 12)

    Vermutlich entstand zu dieser Zeit bereits das „Marion Scott String Quartet“, das aus Marion M. Scott (Vl. 1), Herbert Kinze (Vl. 2), Sybil Maturin (Vla.) und Ivor James (Vcl.) bestand. Das Quartett konzertierte in den folgenden Jahren regelmäßig in London und widmete sich dabei vor allem aktueller britischer Kammermusik. So trat es z. B. im Juni 1905 in der Londoner Aeolian Hall mit Walford Davies „Pastorals“ op. 15 auf, gemeinsam mit dem Komponisten, der den Klavierpart übernahm, und spielte im Januar 1909 – ebenfalls in der Aeolian Hall – neben zwei „Phantasy Trios“ von Frank Bridge und James Friskin auch die Urauffführung von Walford Davies Streichquartett c-Moll „In Memoriam“.

    Nach und nach begann Marion M. Scott sich auch historisch übergreifend für britische Musik einzusetzen. Sie organisierte themengebundene Konzerte, deren Programme von Publikum und Presse anerkannt wurden. Über ein Konzert mit britischer Kammermusik im Dezember 1908, dessen Programm Marion M. Scott für ihr Streichquartett entworfen hatte, schrieb die London Times: „British Chamber Music. The first of two concerts, which together make up an excellent scheme, was given by Miss Marion Scott at Aeolian-hall on Tuesday night. The concerts are undertaken for the performance of the larger forms of British chamber music of various periods. In arranging the programmes the concert-giver has wisely avoided the chronological order which is apt to turn such special programmes into historical lectures rather than concerts.” („Britische Kammermusik. Das erste von zwei Konzerten, die zusammen ein hervorragendes Konzept ergeben, wurde am Dienstag Abend in der Aeolian Hall von Miss Marion Scott gegeben. Die Konzerte sollen größere Werke britischer Kammermusik verschiedener Epochen vorstellen. Bei der Zusammenstellung der Programme hat der Konzertgeber eine chronologische Ordnung klug vermieden, die stets dahin tendiert, solche besonderen Konzerte in historische Vorträge zu verwandeln.“; „The Times London“ vom 10. Dezember 1908, S. 11). Auf dem Programm standen u. a. Henry Purcells „Fantasies for strings”, die Fantasie a-Moll von William Y. Hurlstone, Charles V. Stanfords Streichquartett g-Moll op. 99 und eine Sonate für Streicher und Cembalo von Thomas Arne.


    Neben ihrer Tätigkeit als Musikerin und Konzertorganisatorin komponierte Marion M. Scott und schrieb Gedichte. 1905 erschien ein Band mit ihren Gedichten unter dem Titel „Violin Verses“ beim Londoner Verlag Walter Scott. Ihre vermutlich zahlreichen Kompositionen blieben ungedruckt und werden als Manuskripte in der Library of the Royal College of Music in London unter der Signatur „GB 1249 Scott“ aufbewahrt; sie sind bislang nicht verzeichnet. Lediglich einige wenige Aufführungen lassen sich nachweisen. So wurde z. B. im Februar 1909 ein Lied von ihr (Titel unbekannt) bei einem Konzert in der Londoner Caxton Hall von dem Sänger George Baker aufgeführt (vgl. „The Times London“ vom 22. Februar 1909, S. 10) und im Februar 1912 erklangen zwei kleine Stücke für Violine und Klavier bei einem Konzert des Komponisten Thomas Frederick Dunhill in der Londoner Steinway Hall; von wem sie aufgeführt wurden ist nicht bekannt (vgl. „The London Times“ vom 24. Februar 1912). Der Violinist Egerton (Vorname unbekannt) spielte drei ihrer Violinetüden für die G-Saite im Rahmen eines Konzertes der Society of Women Musicians im Jahr 1915 (Konzertkritik s. u.).


    Im Jahr 1911 fand Marion M. Scott eine Möglichkeit, ihr Engagement für zeitgenössische britische Musik mit einem weiteren Anliegen zu verbinden: gemeinsam mit der Sängerin Gertrude Eaton und der Komponistin Katharine Eggar gründete sie die „Society of Women Musicians“, die bis 1972, also weit über ihren Tod hinaus, Bestand hatte. Zu den 37 Gründungsmitgliedern der Organisation zählten u. a. die Komponistinnen Rebecca Clarke und Ethel Barns, die Pianistin Anne Mukle, die Cellistin May Mukle sowie die Komponistin Liza Lehmann, die auch die erste Präsidentin der Gesellschaft wurde. Die Society of Women Musicians konnte sich innerhalb kürzester Zeit im Londoner Musikleben etablieren: nach nur einem Jahr hatte sie 152 weibliche und 20 männliche Mitglieder. Die Organisation richtete eine Bibliothek ein und initiierte private und öffentliche Konzerte mit Werken von Komponistinnen sowie Vorträge und Kongresse. Bereits im ersten Jahr wurde ein eigener Chor gegründet, die Gründung eines Orchesters folgte im Jahr 1913. Auf diese Weise hatte die „Society of Women Musicians“ aus sich selbst heraus die Möglichkeit, neue Werke von Mitgliedern aufzuführen.

    Im Rahmen von Vorlesungsreihen hielt auch Marion M. Scott selbst Vorträge, deren Manuskripte im Nachlass erhalten sind (RCM, s. Forschungsinformationen). Die Themen zeigen, dass es ihr dabei um eine generelle wissenschaftliche Weiterbildung ging: sie referierte über „The Evolution of English Music“, „Musical form – its basis and evolution“, „Musical form, expression and design” oder über „Folk songs of four races”. Einer der Gründe für den Erfolg der Gesellschaft lag sicherlich darin, dass Marion M. Scott das Engagement für die berufliche Gleichstellung von Frauen von vornherein nicht politisch sondern inhaltlich begründete – mit Fragen nach der Bedeutung der aktuellen, britischen Musik. Daher waren auch männliche Mitglieder in der Gesellschaft willkommen und auch deren Werke wurden bei den Konzerten aufgeführt. Durch die inhaltliche Schwerpunktsetzung wurden die Aktivitäten der Gesellschaft außerdem regelmäßig von der Presse wahrgenommen und kommentiert. Einer der prominentesten männlichen Vertreter der Society of Women Musicians war der Komponist und Konzertveranstalter Thomas Frederick Dunhill, der mehrfach die von ihm in der Steinway-Hall organisierten Konzerte der Gesellschaft als Podium zur Verfügung stellte, so z. B. im März 1915, wie die London Times berichtete: „Mr. Thomas Dunhill devoted the second of his chamber concerts, given at Steinway Hall to the works of women composers, and in doing so he gave to a number of the members of the Society of Women Musicians what Jane Austen called ‚a chance to exhibit’.” („Mr. Thoma Dunhill widmete das zweite seiner Kammerkonzerte in der Steinway-Hall den Werken von Komponistinnen und gab auf diese Weise einigen Mitgliedern der Society of Women Musicians das, was Jane Austen ‚eine Gelegenheit sich vorzustellen’ nannte.“; „The Times London” vom 11. März 1915, S. 12). Bei diesem Konzert wurden neben Werken von Ethel Bilsland, Katharine Eggar, Liza Lehmann und Cécile Chaminade auch Marion M. Scotts Violinetüden für die G-Saite aufgeführt: „Three short studies on the G string for the violin by Miss Marion Scott were played by Miss Egerton, and though one felt that they might have been all the better had they not been confined to a single string their clear and unaffected melody was enjoyable.“ („Drei kurze Violinetüden auf der G-Saite von Miss Marion Scott wurde von Miss Egerton gespielt und obwohl man spürte, dass es vermutlich besser gewesen wäre, sie nicht auf eine einzelne Saite zu beschränken, war ihre klare und ungekünstelte Melodie reizend.“; „The Times London“ vom 11. März 1915, S. 12)


    Das politisches Engagement, u. a. für eine berufliche Gleichstellung von Frauen, blieb selbstverständlich dennoch ein zentrales Tätigkeitsfeld der „Society of Women Musicians“. Als 1930 die Subventionen für die Londoner Oper gestrichen werden sollten, schrieben Mitglieder der Gesellschaft unter dem Vorsitz von Marion M. Scott („Chairman of Council“) einen offenen Brief an den Herausgeber der Times, um die weitere Subventionierung durchzusetzen (vgl. „The Times London“ vom 17. Dezember 1930, S. 8). Im gleichen Jahr setzte sich Marion M. Scott erfolgreich dafür ein, dass das neugegründete B.B.C. Symphony Orchestra auch die Anstellung von Frauen zuließ. Das Verhandlungsgeschick, das sie dabei offenbarte, wurde noch 1953 im Nachruf der London Times gewürdigt: „The formation of the Society of Women Musicians in 1911 and, in 1930, the admission of women instrumentalists into the newly formed B.B.C. Symphony Orchestra both testify to her [Marion M. Scotts] tactful and quietly gracious, yet at the same time resolute, determination in this respect.” („Die Gründung der Society of Women Musicians 1911 und, 1930, die Zulassung von Instrumentalistinnen in das neu gegründete B.B.C. Symphony Orchestra, beides bezeugen ihr [Marion M. Scotts] taktvolle und sehr freundliche, zugleich resolute Bestimmtheit in dieser Hinsicht.“; „The Times London“ vom 29. Dezember 1953, S. 9).

    Marion M. Scott selbst übernahm das Präsidentenamt der Gesellschaft von 1914 bis 1916. Weitere Präsidentinnen der „Society of Women Musicians“ waren u. a. die Pianistinnen Fanny Davies und Myra Hess sowie die Komponistinnen Cécile Chaminade und Elizabeth Poston; zu ihren Ehrenpräsidentinnen zählten u. a. Ethel Smyth (von 1925 bis 1944), Nadia Boulanger, Imogen Holst und Fanny Waterman. Erst im Jahr 1972 wurde die Society of Women Musicians mit der Begründung aufgelöst, dass sie ihre Ziele weitgehend verwirklicht habe.


    Marion M. Scott engagierte sich auch in weiteren zahlreichen Verbänden und Organisationen innerhalb des britischen Musiklebens: in der Royal Musical Association, der Royal Philharmonic Society, dem Musicians’ Benvolent Fund, im Critics’ Circle sowie im Forum Club, dessen Music Section sie zeitweise vorsaß (um 1942). Ihre Tätigkeiten in diesen Bereichen sind bislang unerforscht.


    Parallel zu ihren künstlerischen, politischen und organisatorischen Tätigkeiten begann Marion M. Scott nach und nach als Musikkritikerin zu arbeiten. Ab 1919 schrieb sie regelmäßig Kritiken für mehrere Magazine und Zeitungen, u. a. für den „Christian Scientist Monitor“, den „Observer“, den „Daily Telegraph“ sowie später auch für die „Musical Times“. Das Schreiben über Musik wurde ab Mitte der 1920er Jahre zu ihrem zentralen Tätigkeitsfeld: Marion M. Scott wandte sich der Musikwissenschaft zu.

    Ihre ersten wissenschaftlichen Artikel erschienen ab 1925 in der Zeitschrift „Music and Letters“. Mit Arbeiten wie „A Complaint of the Decay of Violin Solos“ (1925), „Recent Books on the Violin“ (1926) oder „Solo Violin Sonatas. Some Observations upon their Past and upon their Performance” dokumentierte Marion M. Scott die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihren Erfahrungen als Violinistin. Nach und nach wurden jedoch zwei Komponisten zu ihrem zentralen Forschungsgegenstand: Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn. Ihr erstes veröffentlichtes Buch mit dem schlichten Titel „Beethoven“ erschien erstmals 1934 in der Reihe „The Master Musicians“ (London und New York) und wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem Standardwerk. 1943 wurde bereits die 4., überarbeitete Auflage gedruckt, 1965 erschien in London ein Reprint der ersten Auflage und 1974 wurde das Werk nochmals in einer von Jack Westrup überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Im Jahr 1938 folgte ein kleiner Band über Felix Mendelssohn Bartholdy („Mendelssohn“) in der Reihe Novello's Biographies of Great Musicians, der ebenfalls 1975 nochmals aufgelegt wurde. Um das Jahr 1938 scheint Marion M. Scott zudem für die BBC als Programmredakteurin gearbeitet zu haben (vgl. „The Times London“ vom 18. Juli 1938, S. 8). Ebenfalls 1938 gab sie in der Oxford University Press einen Band mit Gedichten des Schriftstellers Ivor Gurney heraus, den sie seit dem ersten Weltkrieg protegierte.


    In den letzten beiden Lebensjahrzehnten konzentrierte sich das musikwissenschaftliche Interesse von Marion M. Scott zunehmend auf Joseph Haydn. Ab 1930 dokumentierte sie ihre biografischen, werkmonografischen und analytischen Forschungsergebnisse in zahlreichen Artikeln für verschiedene Fachzeitschriften, Magazine und Zeitungen wie „Music and Letters“, „Journal of the Royal Musical Association“, „The Listener“ und die „Musical Times“. Zugleich legte sie eine große Sammlung an teilweise seltenen Haydn-Ausgaben sowie Haydn-Bildnissen des 18. Jahrhunderts an, die heute in der Library der Cambridge University aufbewahrt wird. Dabei begannen ihre Forschungen mit einer kleinen Sensation: Als sie eine Chronologie der Haydn-Streichquartette erarbeitete (veröffentlicht in „Music and Letters“ 1930), entdeckte sie in einem Druck des 18. Jahrhunderts das bis dahin unbekannte erste Streichquartett Joseph Haydns op. 1 Nr. 1 und machte es 1931 in einer Notenedition der Oxford University Press der Öffentlichkeit zugänglich. Die London Times würdigte die Entdeckung und Edition mit einer ausführlichen Rezension, die die wissenschafltiche Sorgfalt Marion M. Scotts ebenso erahnen lässt wie ihre praktischen Erfahrungen mit Kammermusik: Haydns Streichquartett op. 1 Nr. 1 „passed out of memory until last year, when Miss Scott, at work in the library of the Royal Academy of Music, happened to light on the J. J. Hummel edition of Amsterdam of the original first six quartets of Haydn forming Opus 1, and published in 1765. In editing this quartet for the Oxford University Press Miss Scott has worked with exemplary care. She tells in a preface and a postscript every detail of her recovery of what she calls ‘the lost heir’, and she there describes her researches pursued both in London and in Paris. […] Miss Scott has used the same care in preparing her edition which she brought to the pursuit of her quest. She has not only recorded all the variants in the existing sets of parts, but to her preface and her postscript she has added a ‘Note on Performance’ which performers must read. […]. Miss Scott seems to have thought of everything which could help to bring the ‚lost heir’ back to its rightful heritage, and she deserves the thanks of string players for enabling them to make the acquaintance of Haydn’s firstborn.” (Haydns Streichquartett op. 1 Nr. 1 „war aus dem Gedächtnis verschwunden, bis Miss Scott letztes Jahr beim Arbeiten in der Library of the Royal Academy of Music die Amsterdamer J. J. Hummel-Edition der ersten sechs Quartette ans Tageslicht brachte, die, veröffentlicht 1765, ursprünglich Haydns op. 1 ergaben. Beim Edieren des Quartetts für die Oxford University Press hat Miss Scott mit vorbildlicher Sorgfalt gearbeitet. In einem Vorwort und einem Nachwort teilt sie jedes Detail ihrer Wiederentdeckung mit, das was sie das 'verlorene Erbe' nennt, und beschreibt ihre Nachforschungen in London und Paris. Miss Scott hat auf die Vorbereitung der Edition die gleiche Sorgfalt verwendet wie auf ihre Nachforschungen. Sie hat nicht nur alle Varianten der verschiedenen Ausgaben aufgezeichnet, sondern auch ihrem Vor- und Nachwort 'Aufführungspraktische Hinweise' hinzugefügt, die Interpreten lesen sollten. Miss Scott scheint alles bedacht zu haben, was dabei helfen könnte, das verlorene Erbe den rechtmäßigen Erben wiederzubringen. Sie verdient den Dank der Streicher, dafür, dass sie ihnen Haydns erstes Werk wieder zugänglich gemacht hat.“; „The Times London“ vom 31. Oktober 1931, S. 8).


    Marion M. Scott konnte sich in der Haydn-Forschung etablieren. Sie überarbeitete den Artikel über Joseph Haydn in der 5th Edition von „Grove’s Dictionary of Music and Musicians“ und erstellte hierfür ein vollständiges Verzeichnis aller Werke des Komponisten mit zahlreichen Anmerkungen. Ab Ende der 1940er Jahre war sie Mitarbeiterin der Haydn-Gesamtausgabe, die ab 1950 bei Breitkopf und Härtel in Leipzig erschien, und gehörte damit zur internationalen Riege der Musikwissenschaft: Im Kollegium, das die einzelnen Bereiche vertrat, waren u. a. Friedrich Blume, Otto Deutsch, Carl Maria Brand, Karl Geiringer, Paul Henry Lang und Carlton Sprague sowie – gemeinsam mit Marion M. Scott – Cecil Oldman vom Londoner British Museum (vgl. The Times London vom 4. August 1950, S. 6). Parallel schrieb sie an einem Buch über Joseph Haydns Streichquartette, das sie jedoch nicht mehr fertig stellen konnte. Lediglich drei Kapitel sind im Manuskript erhalten und werden heute im Nachlass in der British Library London aufbewahrt.


    Marion M. Scott starb am 24. Dezember 1953 in London.

    Würdigung

    Marion M. Scott war sicherlich eine der vielseitigsten Persönlichkeiten des Londoner Musiklebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie trat als Violinistin und Kammermusikerin regelmäßig auf, schrieb Gedichte und komponierte. Voller Engagement setzte sie sich gleichzeitig auf vielen verschiedenen Ebenen für Musikkultur ein: für historisch wie aktuelle britische Musik, für musikwissenschaftliche Weiterbildung von Erwachsenen und für eine berufliche Gleichstellung von Frauen im Musikleben. Mit der gleichen Leidenschaft betrachtete sie in späteren Lebensjahren ihre musikwissenschaftlichen Forschungsgegenstände. Ihre präzisen biografischen und analytischen Publikationen stürzten das Bild von „Papa Haydn“ – mehr als 25 Jahre blieb sie eng mit diesem Forschungsgegenstand verbunden.

    Dabei ging es ihr stets darum, ihr eigenes Wissen an Andere weiterzugeben. Ihre Freundin und Schülerin, die Komponistin und Pianistin Katherine Dale, hat dieses unermüdliche Bedürfnis in einem Nachruf zusammengefasst, der 1954 in „Music and Letters“ erschien:

    „ And all this time and, indeed, until the end of her life, she gave me invaluable advice and encouragement in my work, suggested subjects for study, lent me books, read my manuscripts and ran an eye over my proofs. She was the soul of generosity when fellow-musicians needed help; she placed her time and her counsel so freely at their disposal that her own work often fell into arrears. Unstinted service in the cause of music was the keynote of her life. Countless musicians owe an incalculable debt of gratitude to the fragile little woman who lent them sympathetic and practical aid in their struggles and rejoiced whole-heartedly in their successes. As a friend she is irreplaceable.” („Die ganze Zeit über und eigentlich bis zum Ende ihres Lebens, gab sie mir unschätzbar wertvolle Hinweise, ermutigte mich in meiner Arbeit, schlug Forschungsbereiche vor, lieh mir Bücher aus, las meine Manuskripte und korrigierte sie. Sie war die Großzügigkeit selbst, wenn Studierende Hilfe benötigten; sie vergab ihre Zeit und ihren Rat so freizügig, dass darüber häufig ihre eigene Arbeit liegen blieb. Uneingeschränkte Hingabe an die Arbeit um der Sache Musik willen, war der Grundton ihres Lebens. Unzählige Musiker empfinden der kleinen zerbrechlichen Frau gegenüber eine unendliche Dankbarkeit, die ihre Arbeit verständnisvoll und tatkräftig unterstützte und sich mit ganzem Herzen an ihren Erfolgen freute. Als Freundin bleibt sie unersetzlich.“ Dale 1954, S. 238.)

    Rezeption

    Bis heute werden zahlreiche Arbeitsfelder von Marion M. Scott wahrgenommen; die Second Edition des „New Grove“ von 2001 verzeichnet wieder einen Artikel über sie. Besonders in der Haydn-Forschung zählen ihre Arbeitsergebnisse zum grundlegenden Wissen. Ebenso wird die von ihr gegründete Society of Women Musicians bis heute in zahlreichen Lexika und in anderen Zusammenhängen erwähnt – stets verbunden mit ihrem Namen.

    Völlig unbekannt ist hingegen die Komponistin und Interpretin Marion M. Scott. Die Manuskripte ihrer Werke wurden bis heute nicht aufgearbeitet; sie werden in der Library of the Royal College of Music in London aufbewahrt.

    Werkverzeichnis

    Bücher


    Violin Verses. London & Felling-on-Tyne: Walter Scott Publishing Co., 1905.


    The band book. Edited by Marion Margaret Scott. Ohne Ort und Jahr.


    Mendelssohn (= Novello's Biographies of Great Musicians). [London]: Novello, [1938].


    Mendelssohn (= Novello short biographies). Sevenoaks: Novello, [1975?]


    Beethoven. [A biography.] Illustrated [with plates, including portraits.] (= Master musicians series). London: Dent, 1934. Reprint 1st ed.: London: Dent, 1965. [Zahlreiche weitere und teils überarbeitete Auflagen: 1937 (London: Dent) – 1940: Second edition. Reprinted with corrections: London, New York: J. M. Dent & Sons ; E. P. Dutton & Co. – 1943: 4th ed. Reprinted with corrections. London: Dent – 1974: Revised Edition. Revised by Sir Jack Westrup. London: Dent.


    Franz Joseph Haydn’s string quartets [Chapter I, II & III]. Unveröffentlichtes Typoskript, British Library London.



    Aufsätze, Zeitungsartikel, Rezensionen


    A Complaint of the Decay of Violin Solos. In: Music and letters 6 (1925); Heft 4, S. 330ff.


    Recent Books on the Violin. In: Music and letters 7 (1926), Heft 4, S. 332ff.


    Solo Violin Sonatas. Some Observations upon their Past and upon their Performance. In: Music and letters 10 (1929), Heft 1, S. 46ff.


    Cobbett's Dictionary. In: Music and letters 10 (1929), Heft 4, S. 363ff.


    Paul Hindemith: His Music and its Characteristics. In: Journal of the

    Royal Musical Association 56 (1929/1930), S. 91ff.


    Haydn's '83': a study of the Complete Editions. In: Music and letters 11 (1930); Heft 2, S. 207ff.


    Haydn in England. In: Musical quarterly 18 (1932), S. 260ff.


    Haydn: Relics and Reminiscences in England. In: Music and letters 13 (1932); Heft 2, S. 126ff.


    Haydn’s Chamber Music. In: The Musical Times 73 (1932), S. 213ff.


    Some Haydn Portraits in England. In: The Monthley Musical Record 62 (1932), S. 128.


    Maddalena Lombardini, Madame Syrmen. In: Music and letters 14 (1933), Heft 2, S. 149ff.


    Haydn’s Opus Two and Opus Three. In: Journal of the Royal Musical Association 61 (1934/1935), S. 1ff.


    The Violin Music of Handel and Bach. In: Music and letters. 16 (1935), Heft 3, S. 188ff.


    Antonio Stradivari: Violin Maker. In: Music and letters 18 (1937), Heft 4, S. 335ff.


    Mi-Jo Haydn. In: The Monthley Musical Record 79 (1939), S. 67.


    Haydn’s Religious Music. In: The Listener vom 5. Januar 1939.


    Playthings come Alive. In: The Monthley Musical Record 70 (1940), S. 12.


    A New Monument to Haydn [review of J. P. Larsen: Die Haydn Überlieferung]. In: The Monthley Musical Record 70 (1940), S. 129.


    Haydn: Thereabouts or There. In: Music and letters 21 (1940), S. 319ff.


    The Rainbow of Haydn’s Quartets. In: The Listener vom 24. Oktober 1940.


    Haydn: Fresh Facts and old Fancies. In: Journal of the Royal Musical Association 68 (1941/1942), S. 87ff.


    Some English Affinities and Associations of Haydn's Songs. In: Music and letters 25 (1944), Heft 1, S. 1ff.


    Haydn’s London Symphonies. In: The Listener vom 20. Januar 1944.


    Haydn and England. In: Hinrichsen’s Musical Yearbook II/III (1945/46), S. 45ff.


    Some Unfamiliar Haydn Symphonies. In: The Listener vom 25. Apriil 1946.


    Haydn’s settings of the Seven Last Words. In: The Listener vom 28. März 1947.


    Dr. Haydn and Dr. Geiringer. In: The Musical Times 89 (1948), S. 9.


    Haydn and Folk-Song. In: Music and letters 31 (1950), Heft 2, S. 119ff.


    Haydn Stayed Here! In: Music and letters 32 (1951), Heft 1, S. 38ff.


    The Opera Concerts of 1795. In: MR 12 (1951).


    Haydn’s „The Seasons”. In: The Listener vom 20. November 1952.



    Ausgaben


    Schubert, Franz. Quartett d-Moll für 2 Violinen, Viola und Violoncello. Leipzig: C.F. Peters, [ca. 1890].


    Haydn, Joseph. Quartet Opus 1. No. 1. Newly edited after the original editions by M. M. Scott. London: Oxford University Press, 1931. [enthält ein längeres Vorwort von Marion M. Scott, S. 1-15]


    Gurney, Ivor. Twenty Songs. With a bibliographical preface by Marion M. Scott. London: Oxford University Press, 1938.


    Werkverzeichnis „Haydn, (Franz) Joseph”. In: Grove’s Dictionary of Music and Musicians. 5th edition. Edited by Eric Blom. Vol. IV, London: Macmillan & Co LTD, 1954. S. 145-205.



    Vortragsmanuskripte (Library of the Royal College of Music)


    Beethoven today

    William Hurlstone

    Benjamin Britten and Peter Grimes

    The evolution of English music

    Musical form – its basis and evolution

    Musical form, expression and design

    Folk songs of four races



    Kompositionen


    Marion M. Scott hat zahlreiche Kompositionen hinterlassen, deren Manuskripte in ihrem Nachlass in der Library of the Royal College of Music in London aufbewahrt werden. Ein Werkverzeichnis wurde bislang nicht erstellt. Lediglich drei ihrer Werke sind durch Musikkritiken und Konzertankündigungen der London Times bekannt: Zwei Stücke für Violine und Klavier, eine Violinetüde für die G-Saite sowie Lieder.

    Repertoire

    Einen ersten Einblick in das Repertoire von Marion M. Scott gibt die von Pamela Blevins zusammengestellt Website: http://www.musicweb-international.com/Scott/index.htm.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Scott, Marion Margaret”. In: The Lady's Who's Who: Who's Who for British Women. A List of Names of those Women who Play a Prominent Part in Society, Art, the Professions, Business, etc.

    1938-39. London: Pallas Publishing, 1938 [zugänglich über das world biographical information system].


    Artikel „Scott, Marion Margaret”. In: Who's Who in Press, Publicity, Printing: 1939 Edition. F. A. Marteau (Ed.). London: Cosmopolitan Press, 1939 [zugänglich über das world biographical information system].


    Blevins, Pamela. Marion M. Scott and The Society of Women Musicians. Online-Artikel: http://www.musicweb-international.com/Scott/index.htm


    Blevins, Pamela. Critic, Champion of Contemporary Music and Women. Online-Artikel: http://www.musicweb-international.com/Scott/index.htm


    Blom, Eric. Artikel „Scott, Marion M. (Margaret)”. In: Grove’s Dictionary of Music and Musicians. 5th edition. Edited by Eric Blom. Vol. VII, London: Macmillan & Co LTD, 1954. S. 671.


    Blom, Eric; Platt, Peter. Artikel „Scott, Marion M(argaret)”. In: The New Grove. Dictionary of Music & Musicians. Edited by Stanley Sadie. London: Macmillian Publishers Limited, 1980. Vol. 17, S. 83.


    Blom, Eric; Platt, Peter. Artikel „Scott, Marion M(argaret)”. In: The New Grove. Dictionary of Music & Musicians. Second Edition. Edited by Stanley Sadie. London: Macmillian Publishers Limited, 2001. Vol. 23, S. 3-4. [leicht gekürzte Fassung von Blom/Platt 1980]


    Chissell, Joan. Marion Scott. In: The Musical Times 92 (1951), S. 62-64.


    Dale, Kathleen: Memories of Marion Scott. In: Music and Letters XXXV (1954). S. 236-240.


    Dale, Kathleen: The Haydn Catalogue and an Unfinished MS. In: RCM Magazine 1 (1954), S. 44.


    Dale, Kathleen. Artikel „Scott, Marion Margaret”. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Friedrich Blume (Hg.). Bd. 12: Kassel u. a.: Bärenreiter, 1965. Sp. 433.


    Gurney, Ivor: Ivor Gurney war letters: a selection. Edited by Robert Kelsey Rought Thornton. Ashington: Mid-Northumberland Arts Group, 1983.


    Howells, H. Marion Margaret Scott. In: Music and letters 35 (1954), S. 134ff.


    Hughes, R. Marion Scott’s Contribution to Musical Scholarship. In: RCM Magazine 1 (1954), S. 39ff.


    King, Peter: Pamela Blevins presents Ivor Gurney and Marion Scott. In: The Delian. März 2006. S. 1-5.

    Kohnen, Daniela. Marion Scott und Ivor Gurney: Die Ursachen der Geistesverwirrungen des wiederentdeckten Komponisten und (Kriegs-) Poeten Gurney. In: Das Orchester: Zeitschrift fur Orchesterkultur und Rundfunk-Chorwesen 49 (2001), Heft 3, S. 8-12.

    Marion Scott: Critic, champion of contemporary music and women. In: British Music Society News 94 (June 2002). S. 263-266.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    The Times London vom 6. April 1900, S. 15.

    The Times London vom 8. Dezember 1903, S. 12.

    The Times London vom 3. Juni 1905, S. 14.

    The Times London vom 10. Dezember 1908, S. 11.

    The Times London vom 30. Januar 1909, S. 13.

    The Times London vom 22. Februar 1909, S. 10.

    The Times London vom 24. Februar 1912, S. 12.

    The Times London vom 17. Dezember 1930, S. 8.

    The Times London vom 29. Dezember 1953, S. 9 (Nachruf).

    The Times London vom 31. Dezember 1953, S. 8.

    The Times London vom 28. Juni 1954, S. 3.

    The Times London vom 24. Februar 1912, S. 12.

    The Times London vom 11. März 1915, S. 12.

    The Times London vom 31. Oktober 1931, S. 8.

    The Times London vom 21. März 1932, S. 12.

    The Times London vom 18. Juli 1938, S. 8.

    The Times London vom 4. August 1950, S. 6.



    Links

    http://www.musicweb-international.com/Scott/index.htm

    Pamela Blevins hat eine Website über Marion M. Scott zusammengestellt. Neben zwei Artikeln von Blevin, enthält die Website auch mehrere wissenschaftliche Arbeiten von Marion M. Scott, einige Kritiken sowie ein Repertoire- und Schriftenverzeichnis.


    http://www.aim25.ac.uk/search/thesaurus/persons/list0.htm

    Das Internetportal von Londoner Archiven aim25 (Archives in London and the M25 area) hält eine Beschreibung der Archivbestände zu Marion M. Scott in London bereit.

    Forschung

    Marion M. Scott ist heute vor allem als Musikwissenschaftlerin, insbesondere der Joseph Haydn-Forschung, bekannt. Sowohl das „New Grove Dictionary of Music and Musicians“ von 1981 als auch dessen Second Edition von 2001 enthalten Artikel über Marion M. Scott. Auch die erste Auflage der „Musik in Geschichte und Gegenwart“ verzeichnet einen Artikel, bei der zweiten und überarbeiteten Auflage wurde jedoch auf einen Eintrag verzichtet.

    Die Forschungsbestände zu Marion M. Scott sind umfangreich, aber in sich geschlossen und archivarisch aufbereitet. Ein großer Teil ihres Nachlasses befindet sich in der Library of the Royal College of Music in London unter der Signatur „GB 1249 Scott“. Der Bestand enthält u. a. ein umfangreiches Konvolut an Korrespondenz (z. B. mit dem Musikwissenschaftler Adolf Sandberger und der Pianistin Fanny Davies), Manuskripte ihrer Bücher, Artikel und Rezensionen sowie Vortragsmanuskripte, eine Sammlung an Presseausschnitten und die Manuskripte ihrer Kompositionen, die bislang nicht verzeichnet sind.

    Über ihre Tätigkeiten in der Society of Women Musicians würde sicherlich deren Bestand Aufschluss geben, der ebenfalls in der Library of the Royal College of Music unter der Signatur „GB 1249 Society of Women Musicians“ aufbewahrt wird. Er enthält u. a. einen großen Teil an Korrespondenz mit Personen und Institutionen, Planungspapiere für Veranstaltungen und Presseausschnitte.

    Korrespondenz von ihr befindet sich in weiteren Sammlungen von Komponistinnen, Komponisten, Musikern und Musikerinnen des Royal College of Music, so z. B. in den Beständen „Fanny Davies“ und „Herbert Norman Howells“.

    Die wertvolle Sammlung an frühen Haydn-Drucken, die Marion M. Scott angelegt hatte, wurde von ihr an das Music Department der University Library Cambridge übergeben und wird dort als geschlossene Sammlung aufbewahrt.

    Forschungsbedarf

    Die verschiedenen Tätigkeitsfelder von Marion M. Scott sind zwar relativ deutlich umrissen, im Detail allerdings kaum erforscht. Dies betrifft an erster Stelle ihrer Kompositionen, von denen bislang weder ein Verzeichnis noch eine stilistische Einordnung vorliegt. Ebenso wenig ist über ihr Engagement als Violinistin, Kammermusikerin und Konzertorganisatorin bekannt. Angesichts der von ihr gewählten Schwerpunktsetzung ist zu vermuten, dass sie zahlreiche Uraufführungen selbst gespielt bzw. initiiert hat – neben einem umfangreichen klassisch-romantischen Repertoire.

    Eine weitere Frage ist die nach ihren beruflichen und privaten Kontakten, die ihre musikpolitische Arbeit mit sich brachte sowie generell die Frage nach ihrem Engagement in Organisationen des britischen Musiklebens. Auch eine Einschätzung ihrer wissenschaftlichen Arbeit steht bis heute weitgehend aus.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 116159511
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 137223137
    Library of Congress (LCCN): n89658968
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, Die Grundseite wurde im Januar 2008 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 30.01.2008


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Marion Scott“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 30.1.2008.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marion_Scott