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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Marie Rodemann-Nielsen
    Geburtsname: Marie Nielsen
    Varianten: Marie Rodemann
    Lebensdaten:
    geb. in Itzehoe, Deutschland
    gest.

    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „In verschiedenen Konzerten in Berlin und den Städten ihres Heimathlandes hat die anmuthige Künstlerin sich durch ihr schönes, warmes, beseeltes Spiel die Herzen ihrer Zuhörer erobert und sich einen Platz bei den ersten ihrer Konkurrentinnen gesichert.“


    (Anna Morsch über Marie Rodemann-Nielsen, in: Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart, Berlin 1893, S. 200f.)


    Profil

    Marie Rodemann-Nielsen gehörte als Schülerin Robert Hausmanns zu den ersten deutschen Violoncellistinnen, die die Berliner Königliche Hochschule für Musik absolvierten. Nach ihrem Studium blieb sie über mehrere Jahre als Solistin, Kammer- und Orchestermusikerin im norddeutschen Musikleben präsent. Im Jahr 1893 wurde sie von der Musikwissenschaftlerin Anna Morsch in deren Buch über „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ aufgenommen, dessen „Biographische Skizzen“ für das Ausstellungsgebäude von und für Frauen während der Weltausstellung in Chicago 1893 entstanden waren.

    Orte und Länder

    Marie Rodemann-Nielsen wurde in Itzehoe geboren. Von 1887 bis 1891 studierte sie das Fach Violoncello an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin und ließ sich nach ihrer Heirat 1892 gemeinsam mit ihrem Mann in Hamburg nieder.

    Biografie

    Marie Rodemann-Nielsen wurde 1870 als Marie Nielsen in Itzehoe geboren. Ihr Vater Hermann Nielsen (1826-1897) war Komponist und Orchestermusiker in Itzehoe und arbeitete dort auch als Maler und Kupferstecher (vgl. Artikel „Nielsen, Hermann“, in: Frank/Altmann 1926). Von ihm erhielt Marie Rodemann-Nielsen ihre erste musikalische Ausbildung, zunächst auf einer Bratsche, später dann auf dem Violoncello. Im Jahr 1887 bestand sie die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin und studierte dort von 1887 bis 1891 bei dem Violoncellisten Robert Hausmann. In dieser Zeit konzertierte sie regelmäßig in Berlin und Schleswig-Holstein und trat u.a. 1892 in einem Hofkonzert von Luise von Holstein auf (vgl. Morsch 1893, S. 201).


    Im Jahr 1892 heiratete Marie Rodemann-Nielsen und ließ sich mit ihrem Mann, Carl Rodemann, in Hamburg nieder. Für die Saison 1893/94 plante sie eine Konzertreise, deren Konzerte jedoch bislang nicht zu belegen sind (vgl. Morsch 1893, S. 201). Auch nach ihrer Heirat hielt sie den Kontakt zum Berliner Umfeld um Joseph Joachim und Robert Hausmann. So gehörte sie z. B. im Frühjahr 1899 zu den Gründungsmitgliedern des „Berliner Damen-Streichquartetts“, gemeinsam mit der Primaria und Joseph Joachim-Schülerin Anna von Pilgrim (geb. Saebel), der Geigerin Nelly Straus-Irmen (Violine 2) und der Bratscherin Frieda Kunze. Das Kammermusikensemble setzte sich zum Ziel, vorwiegend aktuelle Kompositionen aufzuführen, und plante im Herbst 1899 ein erstes Konzert (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 10. Mai 1899, S. 210). Ein Jahr später, im April 1900, beteiligte sich Marie Rodemann-Nielsen am Gründungskonzert des „Streichorchesters Berliner Tonkünstlerinnen“, das am 3. April 1900 in der Berliner Singakademie unter der Leitung von Willy Benda stattfand. Auf dem Programm standen u. a. Johann Sebastian Bachs „Brandenburgisches Konzert“ Nr. 3, G-Dur (BWV 1048), Felix Weingartners „Serenade“ sowie Robert Schumanns Adagio op. 59 Nr. 6 in einer Bearbeitung für Streichorchester von Franz Blos (vgl. Prante 1999, S. 23). Das Orchester bestand vermutlich bis 1903 (vgl. ebd.).


    In den folgenden Jahrzehnten sind keine öffentlichen Tätigkeiten von Marie Rodemann-Nielsen zu belegen. Ein Hinweis zeigt, dass sie mindestens im privaten Musikleben Hamburgs und Berlins weiterhin als Musikerin aktiv blieb: Im Jahr 1928 widmete der Musikwissenschaftler Wilhelm Altmann ihr sowie weiteren Mitgliedern eines privaten Streichquartetts sein „Handbuch für Streichquartettspieler. Ein Führer durch die Literatur des Streichquartetts“, das im Berliner Verlag Max Hesse erschien. Darin heißt es: „Rechtsanwalt Kurt Friedrich (II. Violine), Studiendirektor Dr. Konrad Kölle (Bratsche) und Frau Marie Rodemann-Nielsen (Violoncell) zum Dank für treue Hilfe gewidmet.“ (Altmann 1928, S. 3)


    Über den weiteren Lebensweg von Marie Rodemann-Nielsen ist bislang nichts bekannt.

    Würdigung

    Die Tätigkeiten von Marie Rodemann-Nielsen können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Marie Rodemann-Nielsen werden derzeit (April 2009) nicht rezipiert.

    Repertoire

    Über das Repertoire von Marie Rodeman-Nielsen ist nahezu nichts bekannt. Wilhelm Altmanns Widmung in seinem „Handbuch für Streichquartettspieler“ lässt vermuten, dass sie mit dem genannten privaten Quartett ältere und neuere Werke für Wilhelm Altmanns Handbuch erprobte.

    Quellen

    Literatur


    Altmann, Wilhelm. Handbuch für Streichquartettspieler. Ein Führer durch die Literatur des Streichquartetts. Berlin: Max Hesses Verlag, 1928.


    Artikel „Nielsen, Hermann“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstlerlexikon: für Musiker und Freunde der Tonkunst. Paul Frank (Hg.), neu bearb. v. Wilh. Altmann. 12., sehr erw. Aufl. Leipzig: Merseburger, 1926.


    Artikel „Musikerinnen“. In: Illustriertes Konversations-Lexikon der Frau. o. Hg. 2 Bde. Berlin: Verlag von Martin Oldenburg, 1900.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentlichtes Typoskript, 1999.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Neue Zeitschrift für Musik vom 10. Mai 1899, S. 210.

    Forschung

    Zu Marie Rodemann-Nielsen liegen derzeit (März 2009) keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Marie Rodemann-Nielsen umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten. Interessant wäre auch, die Lebenswege mehrerer Absolventinnen der Berliner Königlichen Hochschule für Musik im Fach Violoncello am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachzuvollziehen (vgl. hierzu auch die Artikel Eugenie Stoltz-Premyslav, Lucy Campbell und Beatrice Harrison).

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 29. Juli 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 17.08.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Marie Rodemann-Nielsen“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.8.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marie_Rodemann-Nielsen