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  • Marie Pleyel

    von Katharina Mayer-Heimel
    Marie Pleyel. Lithografie von Marie Alexandre Alophe (Paris: Bertauts).
    Namen:
    Marie Pleyel
    Geburtsname: Camille Marie Denise Moke
    Lebensdaten:
    geb. in Paris, Frankreich
    gest. in Brüssel, Belgien
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin, Komponistin, Professorin, Konzertveranstalterin
    Charakterisierender Satz:

    „Wer nicht vermag sich die incarnirte [sic!] Musik als Pythia am Clavier zu denken, hat keinen Begriff von dieser durch tragisches Schicksal, sowie durch Schönheit und Genialität gleich merkwürdigen, hochbegabten Frau, welche früher die Zierde der gebildetsten Pariser Cirkel war und die höchsten und gebildetsten durch ihre geistigen Vorzüge zu beherrschen berufen ist.“

    (Gathy, August. „Pleyel, Marie Camille“. In: Musikalisches Conversations-Lexikon. Enzyklopädie der gesammten Wissenschaft. August Reissmann (Hg.). 3. Aufl. Berlin: Leonhard Simion, 1871, S. 306.)


    Profil

    Marie Pleyel gehörte zu den berühmtesten Klaviervirtuosinnen des 19. Jahrhunderts. Sie konzertierte in den wichtigsten Metropolen Europas und wurde wegen ihres klaren und zugleich ausdrucksvollen Spiels sowie ihrer besonderen Ausstrahlung und Schönheit von Publikum und Presse sehr geschätzt. Ihr hohes künstlerisches Niveau, das auf ihre Studien bei Ignaz Moscheles und Friedrich Kalkbrenner sowie den lebenslangen Willen der Künstlerin, an sich und ihrer Pianistik zu arbeiten, zurückzuführen ist, erlaubte es ihr, die schwierigsten und brillantesten Werke aufzuführen und stellte sie auf eine Stufe mit Franz Liszt und Sigismund Thalberg.

    Während ihrer Lehrtätigkeit am Konservatorium in Brüssel (1848-1872) war sie für insgesamt 482 Schülerinnen verantwortlich und baute eine Klavierklasse auf, die europaweit bekannt wurde.

    Sie war Auftraggeberin und Widmungsträgerin mehrerer Werke, u.a. sind ihr die „3 Nocturnes, op. 9“ von Frédéric Chopin, sowie die „Réminiscences de Norma“ von Franz Liszt zugeeignet.

    Als Komponistin verfasste Marie Pleyel mehrere Werke, die sie im Rahmen ihrer Konzerte auch öffentlich vortrug. Kritiken lassen jedoch annehmen, dass ihr kompositorisches Schaffen weit hinter ihrem pianistischen Können zurückblieb.

    Bekannt wurde Marie Pleyel auch wegen ihrer großen Schönheit. Zahlreiche Beziehungen mit bekannten Männern des damaligen Kulturlebens, unter ihnen Ferdinand Hiller, Hector Berlioz, Franz Liszt sowie Gérard de Nerval und Alfred Tattet, werden ihr nachgesagt.

    Orte und Länder

    Die ersten Auftritte von Marie Pleyel, zu dieser Zeit noch als Camille Moke bekannt, fanden 1825 in Brüssel, Gent und Paris statt.

    Nach der Trennung von Camille Pleyel, 1835, lebte sie vorübergehend in Hamburg und konzertierte in den darauffolgenden Jahren in zahlreichen Städten Europas, darunter St. Petersburg, Leipzig, Dresden und Wien.

    1841 verlagerte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Brüssel, wo sie 1848 an das dortige Conservatoire Royal berufen wurde. Neben ihrer Unterrichtstätigkeit trat sie weiterhin öffentlich auf und reiste mehrmals nach England und Frankreich. Eine geplante Amerikareise 1852 kam aufgrund des finanziellen Aufwands nicht zustande. 1856 besuchte Marie Pleyel die Schweiz und gab mehrere Konzerte in Genf, Vevey, Lausanne und Bern. Marie Pleyel verstarb 1875 in ihrem Haus in St.-Jossé-ten-Noode (heute zu Brüssel gehörig).

    Biografie

    Kindheit und Jugend


    Marie Pleyel wurde als Camille Marie Denise Moke am 4. September 1811 in Paris geboren. Sie war das zweite Kind des aus der belgischen Stadt Torhout stammenden Linguistikprofessors Jean-Jacques Moke (23.3.1777-vor 1862) und seiner Frau Marie Madeleine, geb. Segnitz (30.11.1778), die gebürtige Hamburgerin war. Sie verbrachte ihre Kindheit in Paris; von 1823 bis 1825 lebte sie mit ihrer Familie in Belgien. Sie erhielt in ihrem Elternhaus eine umfassende sprachliche und literarische Bildung. Ab dem Alter von vier Jahren lernte sie Klavier bei Jacques-Simon Herz, später wurde sie Schülerin von Ignaz Moscheles und Friedrich Kalkbrenner. Am 7. April 1825 trat sie erstmals öffentlich in Paris auf. Im Herbst desselben Jahres folgten Auftritte in Belgien, wo sie als Mlle. Moke regional bekannt wurde. Wir haben Kenntnis von zwei Konzerten, die am 3. Oktober 1825 im Théâtre Royale in Brüssel sowie am 21. November 1825 in der Salle de Sodalité in Gent, stattfanden. Ein weiteres Konzert erfolgte am 26. Februar 1826 in Paris. Ihr Konzertrepertoire beschränkte sich zu dieser Zeit auf das Klavierkonzert ihres Lehrers Friedrich Kalkbrenner sowie einige brillante Variationen von Johann Peter Pixis.


    Verlobung mit Berlioz, Ehe mit Camille Pleyel


    1830 unterrichtete Marie Pleyel, damals noch Camille Moke, am „Institut orthopédique“, einer Mädchenschule in Paris, und lernte dort den deutschen Pianisten Ferdinand Hiller sowie den Komponisten Hector Berlioz kennen, der als Lehrer für Gitarre angestellt war. Nach einer kurzen Liaison mit Hiller verlobte sich Camille Moke im Dezember 1830 mit Berlioz, löste jedoch wenig später die Verlobung und heiratete am 5. April 1831 den Klavierbauer und Pianisten (Joseph Stephen) Camille Pleyel (1788-1855). Um Missverständnissen vorzubeugen, verwendete sie ab diesem Zeitpunkt ihren zweiten Vornamen und konzertierte fortan unter dem Namen Marie Pleyel. Durch die Verbindung mit Camille Pleyel erhielt Marie Pleyel Zugang zu den Pariser Salons. Die kurz zuvor eröffnete Salle Pleyel bot ihr zudem Auftrittsmöglichkeiten in Matineen und Soireen: „Eine junge Frau Pleyel, schon ausgezeichnet durch Geist und Schönheit, tritt öfter als Clavierspielerin auf, und macht Hrn. Kalkbrenner neidisch.“ (Allgemeiner musikalischer Anzeiger, 1834. zit. n. Kip 2010, S. 18.) Die Ehe war nur von kurzer Dauer. 1835 erfolgte die Trennung, 1836 wurde die Ehe geschieden. Die beiden Kinder, Henry Ignace (gest. 29.8.1852) und Camille Louise (29.1.1833-2.1.1856), wurden von ihrer Tante Mme. Danloux, der Schwester Camille Pleyels, aufgezogen und wuchsen getrennt von ihrer Mutter auf.

    Marie Pleyel begab sich nach der Trennung nach Hamburg, wo sie im Spätherbst 1835 einige Konzerte gab, bevor sie sich für ca. zwei Jahre aus dem Konzertleben zurückzog. Am 5. Oktober 1836 gebar sie eine uneheliche Tochter, Marie. Als Vater könnte der Hamburger Kaufmann Charles Parish in Frage kommen, mit dem Marie Pleyel 1837 liiert war. Da Charles Parish jedoch lediglich in einer einzigen Quelle (Klassen, Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, S. 150) erwähnt wird muss diese Annahme zum jetzigen Forschungsstand Hypothese bleiben.


    Konzertreisen 1838-1840


    Auf Einladung des russischen Ministers Graf Nesselrode reiste Marie Pleyel 1838 für sieben Monate nach St. Petersburg, wo sie häufig konzertierte und durch ihre für damalige Zeiten moderne Auffassung von Musik großen Einfluss auf die russische Musikszene ausübte. „Mrs. Pleyel is currently giving musical evenings that are the rendez-vous of the elite. The first one took place last Wednesday in the home of Princess Golitsyn. […] Mrs. Pleyel’s talent is very well suited to the kind of composition she plays. She continually creates a variety of new effects that are all the more pleasant because her inspirations are extremely tasteful. Weber was both a great composer and a great pianist, but it is doubtful whether he ever played his magnificent ‚Konzertstück’ with such a vigor and energy as Mrs. Pleyel did that evening.“ („Frau Pleyel gibt derzeit Konzertabende, bei denen sich die Elite trifft. Das erste fand letzten Mittwoch im Haus der Prinzessin Golitsyn statt. […] Frau Pleyels Talent passt sehr gut zu der Art von Kompositionen, die sie spielt. Fortwährend kreiert sie neue Effekte, die umso erfreulicher sind, als ihre Inspirationen extrem geschmackvoll sind. Weber war sowohl ein großer Komponist als auch ein großer Pianist, aber es ist zweifelhaft, ob er sein phantastisches ‚Konzertstück’ je mit solchem Elan und solcher Energie spielte, wie Frau Pleyel es an diesem Abend tat.“ Journal de St. Pétersbourg, 1839, zit. n. Swartz 2014, S.76f.)

    Im Herbst 1839 begab sich Marie Pleyel auf eine längere Konzertreise, die sie nach Leipzig, Dresden, Wien und Prag führte. Die Reise war ein voller Erfolg, Marie Pleyel wurde von Kritik und Publikum bejubelt. „Im Besitz einer durchaus vollendeten Technik, überwindet Mad. Pleyel alle Schwierigkeiten mit so großer Leichtigkeit, in allen ihren Leistungen ist das gänzliche Beherrschen der äußeren Mittel so unverkennbar, dass sie ohne weiteres als Virtuosin ersten Ranges anerkannt werden muss. Hierzu kommt noch eine, ihr besonders eigentümliche und in hohem Grade durch gebildete Feinheit und Eleganz des Vortrags, welche, verbunden mit der liebenswürdigen Persönlichkeit der Künstlerin, über alle Kunstleistungen derselben einen eigenen Zauber verbreitet, der das allgemeinste Interesse und Wohlgefallen überall erregen muss und wird.“ (Allgemeine musikalische Zeitung 1839, S. 878f.)

    Auch Robert Schumann war beeindruckt von ihrem Können und berichtete in der Neuen Zeitschrift für Musik: „Im Concert von Beethoven traten andere Seiten ihrer musikalischen Natur vor; sie trug es würdig, ohne Fehl, im deutschen Sinne vor, dass uns die Musik wie ein Bild ansprach, während es in der Phantasie von Hummel wie aus luftigem Geisterreich zu uns herab klang. […] es flogen Blumen und Kränze auf die Dichterin. Das Publicum schwärmte. ,Es ist mehr Poesie in dieser Frau, als in zehn Thalbergs‘ sagte Jemand. Die Bewegung währte noch lange. Die feine, blumenhafte Gestalt, der Künstlerin, ihr kindisches Verneigen, als ob ihr dieser Beifall nicht gebühre, noch mehr was sie Tieferes durch ihre Kunst offenbarte, wird die Erinnerung noch in Zukunft verfolgen. Mit den innigsten Wünschen sehen wir der scheidenden Künstlerin nach und daß sie vom Glück, mit dem sie so Viele erfüllt, auch an sich selbst erfahren möge. – Florestan“ (Schumann, Gesammelte Schriften, S.171f.)

    In Wien traf Marie Pleyel mit Franz Liszt zusammen, den sie bereits von Paris her kannte. Franz Liszt berichtete der Gräfin Marie d’Agoult von diesem Treffen: „Die Pleyel ist vor vier Tagen hier angekommen. Morgen gibt sie ihr Konzert. […] Ich habe sie ausführlich gehört. Sie hat ein prachtvolles Talent, unbestritten sogar das schönste Pianistentalent, das es gibt.“ (zit. n. Burger, Franz Liszt, S.116.)

    Die Bekanntschaft zu Liszt nutzte Marie Pleyel auch um ihre eigenen Auftritte besser zu „vermarkten“. In einem Brief an Marie d’Agoult schrieb der Pianist, Marie Pleyel einige nützliche Informationen sowie Kontakte zu bekannten Persönlichkeiten der Wiener Kulturszene gegeben zu haben: „Sie […] bittet mich inständig, […] ihr ganzes äußeres Verhalten während ihres Aufenthalts in Wien zu dirigieren. Das fängt an schwierig zu werden. Es liegt ihr sehr viel daran. […] Ich empfehle sie an Haslinger, der von ihr entzückt ist; ich gebe ihr einige Winke über die Leute, die man meiden muss, usw….“ (Liszt, Briefe an Marie Gräfin d’Agoult, S. 296).

    Auf ihre dringende Bitte, sie persönlich auf die Bühne zu führen, reagierte er zunächst ablehnend „wegen des Anscheins der Protektion, den ich mir dadurch geben würde, ein Anschein, der mir zutiefst verhasst ist“ (Liszt, S. 296), willigte aber schlussendlich doch ein und spielte sogar öffentlich mit ihr vierhändig und wendete ihr die Noten um. Eduard Hanslick berichtete: „Neben Liszt concertierte die schöne und gefeierte Camilla Pleyel aus Paris (December 1839); Liszt spielte nicht nur mit ihr ein vierhändiges Duo von Herz, sondern wendete ihr auch während des ganzen Concerts die Noten um. Wenn etwas noch gefehlt hätte, das Publicum für Madame Pleyel schwärmen zu machen, so war es das.“ (Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, S. 337.)


    Rückkehr nach Belgien


    Nach der Konzertreise begab sich Marie Pleyel nach Brüssel, wo sie sich am 14. April 1841 gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Tochter Marie in Saint-Jossé-ten Noode niederließ. Wiederum zog sie sich für längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurück und widmete ihr ganzes Interesse der eigenen pianistischen Weiterentwicklung: „En quittant Vienne, madame Pleyel se rendit directement à Bruxelles, où sa mère s'était fixée. Ce fut dans cette ville qu'elle réalisa le projet, formé à Pétersbourg, de réunir, aux précieuses qualités qu'elle possédait, la puissance sonore qui ne semble pas appartenir à la délicate constitution des femmes. Evitant pendant cinq ans les occasions de se faire entendre, elle fit, dans la solitude, un travail incessant pour atteindre à son but, et pour se jouer des difficultés de mécanisme les plus inouïes.” („Nachdem sie Wien verlassen hatte, begab sich Madame Pleyel auf direktem Wege nach Brüssel, wo ihre Mutter sich niedergelassen hatte. In dieser Stadt realisierte sie ihren Wunsch, welcher sich in St. Petersburg herauskristallisiert hatte, ihre wertvollen Fähigkeiten mit dem kraftvollen Klang, der nicht zur zarten Konstitution von Frauen zu passen scheint, zu vereinen. Während fünf Jahren vermied sie es, sich öffentlich hören zu lassen und ging in der Einsamkeit der unermüdlichen Arbeit nach, ihr Ziel zu erreichen, auch die unerhörtesten technischen Schwierigkeiten spielend zu überwinden.“ Fétis, Biographie universelle, S. 80.) Erst 1845 trat Marie Pleyel wieder öffentlich auf, zuerst in Paris, später in Bonn anlässlich der Einweihung der Bonner Festhalle im August 1845. 1846 folgte eine Konzertreise nach Irland und England.


    1848 nahm Marie Pleyel eine Professur für Klavier am Conservatoire Royal in Brüssel an. Rasch erlangte ihre Klavierklasse einen großen Ruf. „L’enseignement du piano est radicalement changé au Conservatoire; et ce n’est pas une réforme, c’est une révolution. [...] Il restait à savoir si à toutes ses brillantes qualités, la grande artiste joignait le don de transmission. Tenez le fait pour certain; il vient d’être victorieusement prouvé. Mme Pleyel n’est pas seulement l’étonnante virtuose que vous savez, elle est encore le premier des maîtres... [...] l’école de piano du Conservatoire de Bruxelles est la première du monde, et l’avènement de Mme Pleyel au professorat restera dans les annales de la musique moderne comme un événement d’une haute portée.“ („Der Klavierunterricht am Konservatorium hat sich radikal verändert. Und hierbei handelt es sich nicht um eine Reform, sondern um eine Revolution. […] Es blieb noch die Frage, ob die große Künstlerin mit all ihren herausragenden Fähigkeiten in der Lage wäre, diese weiterzugeben. Aber seien Sie überzeugt. Sie hat es soeben bewiesen. Mme Pleyel ist nicht nur die erstaunliche Virtuosin, die Sie kennen, sondern auch die erste unter den Professoren. […] Die Klavierschule des Brüsseler Konservatoriums ist weltweit die erste und der ‚Regierungsantritt’ von Mme Pleyel als Professorin wird als bedeutendes Ereignis in die Annalen der modernen Musik eingehen.“ Revue et Gazette musicale, zit. n. Kip 2010, S. 41f.)

    Auch während ihrer Lehrtätigkeit in Brüssel unternahm Marie Pleyel immer wieder ausgedehnte Konzertreisen. Ihre Wege führten sie mehrfach nach England, wo sie einen glänzenden Ruf genoss. Ihr letzter dortiger Auftritt erfolgte im Winter 1854/55 in London, wo sie unter der Schirmherrschaft von Louis Antoine Jullien (1812-1860), einem einflussreichen Dirigenten, über drei Wochen lang täglich konzertierte. „The impression the great pianist has created at M. Jullien’s concerts cannot be forgotten. Mad. Pleyel played every night for more than three weeks, and on every occasion with, we believe, hardly one exception, obtained encores. Her success was almost unprecedented.“ (The musical world, 1855, S.75.)


    Im Herbst 1855 präsentierte Marie Pleyel ihre uneheliche Tochter, Marie, inzwischen verheiratete de Preter, als Sängerin in Paris. Diese wurde vom Publikum gut aufgenommen, konnte jedoch nicht an den Ruhm ihrer Mutter anknüpfen und verstarb bereits 30jährig. 1856 konzertierte Marie Pleyel in der Schweiz, wo sie in Genf, Vevey, Lausanne und Bern auftrat.


    Persönliche Schicksalsschläge


    Die Jahre ab 1850 wurden von mehreren Schicksalsschlägen erschüttert. 1852 verstarb ihr Sohn Henri Ignace aus der Ehe mit Camille Pleyel, vier Jahre später, 1856, auch die Tochter Camille Louise Pleyel. 1866 verstarb auch ihre zweite Tochter Marie de Preter. Sie hinterließ eine zehnjährige Tochter, Gabrielle de Preter. Auch die Abneigung gegen Belgien bedrückte Marie Pleyel. Trotz ihrer belgischen Wurzeln fühlte sie sich zeitlebens als Französin. Belgien, das Land in dem sie seit 1841 lebte, empfand sie als klein, provinziell und einengend. Bereits 1845 schrieb sie an den englischen Kritiker J. W. Davison:


    „Mon Dieu, mon excellent Dav. ne dites donc plus que je suis née à Gand! […] ce n’est pas vrai, [ceci] me direz vous est trop important, mais je détes[te] tout cette affreuse ville flamande, si vous allez à Paris, je vous envierai de tout mon coeur car j’étouffe ici, tâchez de me forcer à y aller aussi. („Mein Gott, mein exzellenter Dav. Sagen Sie nicht mehr, dass ich in Ghent geboren bin! […] Es ist nicht wahr, was Sie mir sagen ist zu wichtig, aber ich hasse diese ganze grauenhafte flämische Stadt, Falls Sie nach Paris fahren, werde ich sie aus vollem Herzen beneiden, weil ich hier ersticke. Versuchen Sie mich zu zwingen, auch dorthin zu fahren.“ Brief vom 9. November 1845, zit. n. Kip 2010, S. 75).


    Der Sehnsucht nach ihrer französischen Heimat verlieh sie auch in weiteren Briefen Ausdruck: „Je compte arriver à Paris jeudi ou vendredi de cette semaine, Monsieur et serai on ne peut plus charmée que vous soyez le premier à me serrer la main sur le sol de la patrie.“ („Ich rechne damit, diese Woche Donnerstag oder Freitag in Paris anzukommen, Monsieur, und es wäre mir eine unendliche Freude, wenn Sie der Erste wären, der mir die Hand auf dem Boden des Vaterlandes schüttelt.“ Brief an N.N., BnF, Musique- la-pleyel marie-4)

    Es ist möglich, dass Marie Pleyel auch mit dem Gedanken spielte, Belgien zu verlassen. An einen uns unbekannten Adressaten schrieb sie: „Votre réponse décidera probablement de mon retour à Paris, ou de mon ensevelissement ici.“ („Ihre Antwort entscheidet möglicherweise über meine Rückkehr nach Frankreich oder mein Begräbnis hier.“ Brief an N.N., BnF, Musique-la-pleyel marie-5)


    Die letzten Jahre


    In den 1870er Jahren trat Marie Pleyel nur noch selten öffentlich auf. Ihr Amt als Klavierprofessorin legte sie 1872 aus gesundheitlichen Gründen nieder. Ein Erlass des belgischen Königs sicherte ihr eine Pension von 1288 Francs zu. Am 29. April 1874 diktierte sie dem Notar Maître Delporte ihren letzten Willen. Ihre Bücher gingen in den Besitz von Jean Dumon über, der als Flötenprofessor am Konservatorium tätig war.


    Am 30. März 1875 verstarb Marie Pleyel in ihrem Haus in der Rue Royale 226. Ihr Grab befindet sich am Friedhof Laeken, Brüssel.

    Würdigung

    Die Pianistin


    Marie Pleyel gehört zu den großen Pianistinnen des 19. Jahrhunderts.

    Durch ihren Willen, möglichst schwierige Stücke aufzuführen – ein Faktum, das die allgemeine gesellschaftliche Meinung der Frau im 19. Jahrhundert kaum bis gar nicht zutraute – widerlegte sie die gängigen bürgerlichen Ansichten und trug somit zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern am Klavier bei. „Ses mains délicates ont acquis la puissance sonore qui semble ne pouvoir appartenir qu’à la force musculaire de l’homme [...] c’est un charme irrésistible, une grâce simple et naturelle, une richesse inépuisable de traits fins et délicats [...] où la verve et l’énergie tiennent plus de l’homme que de la femme, où le charme, la délicatesse et la grâce rivalisant avec la puissance.“ („Ihre feinen Hände haben die klangliche Fülle entwickelt, die der Muskelkraft des Mannes vorbehalten scheint […], das ist unwiderstehlicher Charme, einfache und natürliche Anmut, unerschöpflicher Reichtum an feinen und delikaten Linien […], wo Schwung und Kraft eher männlich als weiblich scheinen, wo der Charme, die Feinheit und die Anmut mit der Kraft wetteifern.“ Revue et Gazette musicale 1848, zit. n. Kip 2010, S. 52.) Marie Pleyel verstand es, ihre als „weiblich“ angesehenen Eigenschaften der Poetik und Feinheit mit den damals als „männlich“ geltenden Attributen der Stärke, Kraft und Nervenstärke zu vereinen. Eine Kritik über die Pianistin Louise Dulcken bemerkt anlässlich eines ihrer Konzerte in Wien 1846: „Frau Dulken würde uns beziehungsweise ihrer männlichen Bravour einigermaßen an Frau Pleyel erinnern, wenn ihr nicht jenes Amazonen-, Lionnen-, Emanzipationsmäßige etwas abginge, welches die Pleyel an die Seite der berufensten Tasten-Paladine stellt“ (zit. n. Herold, Dulcken, o. S.). Der zeitgenössische Pianist Antoine Marmontel verglich sie mit den großen Virtuosen ihrer Zeit und schrieb: „Son exécution avait la netteté de Kalkbrenner, la sensibilité exquise de Chopin, la spirituelle élégance de Herz, la belle et puissante sonorité de Thalberg, les audaces heureuses de Liszt.“ („Ihre Interpretation besaß die Klarheit Kalkbrenners, die erlesene Sensibilität Chopins, die durchgeistigte Eleganz von Herz, den schönen und kräftigen Klang Thalbergs und den hinreißenden Schwung von Liszt.“ Marmontel, Les pianistes célèbres, S. 76.)


    Die Pädagogin


    Als Pädagogin genoss Marie Pleyel schon früh einen ausgezeichneten Ruf. Bereits um 1830 galt sie – La Mara zufolge – als „eine der gesuchtesten Lehrerinnen der Aristokratie und der großen Pariser Pensionate.“ (La Mara, Liszt und die Frauen, S. 92.) Durch ihre Professur am Conservatoire Royal in Brüssel ab 1848 trug sie wesentlich zum Aufstieg der dortigen Klavierklasse bei. Franz Liszt beschrieb ihre Schule mit folgenden Worten: „Il existe des pianistes très habiles qui se sont ouvert des routes particulières, et qui obtiennent de brillants succès par les choses qui leur sont familières ; mais il n'y a qu'une seule école appropriée à l'art, dans toute son extension : c'est celle de madame Pleyel.“ („Es gibt sehr geschickte Pianisten, die ganz bestimmte Wege eingeschlagen haben, und mit dem, was ihnen vertraut ist, großen Erfolg erzielen. Aber es gibt nur eine Schule, die sich die Kunst in ihrer ganzen Breite angeeignet hat: nämlich die der Madame Pleyel.“, zit. n. Kip 2010, S. 43.)Tatsächlich war die Qualität ihrer Klasse sehr hoch. Das geht aus der großen Anzahl an ersten Preisen hervor, die ihre Schülerinnen im Rahmen des „diplôme final“ erhielten, sowie aus Zeitungsberichten, die sich lobend zu Schülerinnen aus ihrer Klasse äußern: „Une jeune pianiste, Mlle Schmidt, a fait applaudir, dans deux concertos classiques, la savante et gracieuse école de Mme Pleyel.“ („Eine junge Pianistin, Mlle Schmidt, hat in zwei klassischen Konzerten der gelehrten und anmutigen Schule der Mme Pleyel zur öffentlichen Anerkennung verholfen.“ zit. n. Kip 2010, S. 42.)


    Die Pionierin


    Marie Pleyel war eine der ersten westlichen Pianistinnen, die Konzertreisen nach Russland unternahmen. Durch ihre Auftritte in St. Petersburg im Winter 1838 trug sie zur Verbreitung der „modernen“ Auffassung des Klavierspiels bei und machte die „neue romantische Schule“ (Swartz 2014, S. 77) populär. Ihre Aufführungen virtuoser Werke von beispielsweise Johann Nepomuk Hummel galten als wegweisend für den neuen Klang des Klaviers und beschleunigten den modernen Klavierbau in Russland.

    Rezeption

    Marie Pleyel wurde mehrfach in Romanen des 19. Jahrhunderts verewigt. Dies hatte weniger mit ihrem pianistischen Können als mit ihrer besonderen Ausstrahlung und Schönheit zu tun. Ihr Charakter wurde als „flatterhaft“ dargestellt, zahlreiche „Liebschaften“ wurden ihr bereits in jungen Jahren nachgesagt. Hector Berlioz, der mit der Pianistin verlobt war, verarbeitete die Beziehung literarisch in der Erzählung „Euphonia où la ville musicale“, in der er sie beinahe in einem Doppelmord an Marie und ihrer Mutter sowie einem anschließenden Selbstmord an sich selbst enden ließ. Er verwendete dabei Pseudonyme, die aus der verkehrten Reihenfolge der Buchstaben entstanden. Folglich wurde die Hauptperson „Camille“ Moke zu „Ellimac“, er selbst wurde als Hector zu „Rotceh“. Camilles Mutter, die er für die Auflösung der Verlobung verantwortlich machte, erhielt den Namen „Ellianac“ („Canaille“). Von der Beziehung zwischen Berlioz und Camille Moke/Marie Pleyel zeugen außerdem mehrere Briefe von Berlioz an seinen Freund Humbert Ferrand, sowie eine ausführliche Schilderung in Berlioz’ Memoiren.


    Auch der französische Schriftsteller Gérard de Nerval (1808-1855) verarbeitete seine Liaison mit der Pianistin, die er im November 1839 in Wien kennenlernte, in einem Buch. In seiner Novelle „Pandora“, die seine Erlebnisse in Wien 1839/40 beschreibt, gilt Marie Pleyel als Vorlage für die Hauptfigur Pandora. Alexandre Dumas, der Ältere, der mit Marie Pleyel persönlich befreundet war, schildert sie in seiner Erzählung „Ein Liebesabenteuer“ hingegen als große Künstlerin, der das Schicksal übel mitgespielt hat, und ein aktueller Roman „Das Mädchen am Klavier“ von Rosemarie Marschner aus dem Jahr 2013, entwirft die Figur Marie Pleyel als männerverführende Frau und Rivalin Clara Schumanns.

    mehr zu Rezeption weniger zu Rezeption

    Trotz des großen pianistischen Erfolges war Marie Pleyels Leben überschattet von privaten Rückschlägen, sowie Gerüchten über ihr unstetes Leben. Die Zahl der Männer mit denen sie ein Verhältnis gehabt haben soll, ist lang. Unter ihnen finden sich neben Hector Berlioz auch weitere bekannte Persönlichkeiten wie zum Beispiel Franz Liszt, mit dem die Pianistin ein Stelldichein in den Räumlichkeiten des Komponisten Frédéric Chopin gehabt haben soll.


    Einige ihrer Kolleginnen, insbesondere Clara Schumann, begegneten Marie Pleyel daher mit Skepsis. Clara Schumann berichtet in ihren Tagebüchern – in einer Phase der Verunsicherung, in der sie selbst kaum Auftrittsmöglichkeiten hatte –, dass sie sich durch die Auftritte der Französin in den Schatten gestellt fühle, und sich nicht im Stande sehe, es mit ihr aufzunehmen: „Alles was ich über sie lese, ist mir immer deutlicher Beweis, dass sie über mich zu stellen [wäre]“ (Tagebucheintrag Clara Schumann, September 1839, s. Litzmann, Clara Schumann, S. 377.) Von Mendelssohn habe sie außerdem gehört, die Pleyel habe „alle Männer in ganz Leipzig bezaubert. […] Den Erlkönig soll sie der [Wilhelmine] Devrient schön begleitet haben, dass sie sie ganz verdunkelt hat. […] Jede ihrer Bewegungen soll studiert sein, nach Beendigung des Stückes bleibt sie auf dem Orchester, spricht mit den Musikern, verneigt sich immer wieder von Neuem, ganz kindlich, als wüsste sie gar nicht wie ihr dieser Beifall gebühre, und setzt sich dann an’s Clavier und spielt noch eine Piece.“ (Reich, Clara Schumann, S. 197.) Clara Schumanns Eifersucht rührte nicht zuletzt daher, dass auch ihr Mann Robert sich in seinen Kritiken bewundernd zu Marie Pleyel äußerte (siehe Abschnitt Biographie). Als das Ehepaar Schumann 1851 nach Belgien reiste und Clara Schumann Marie Pleyel persönlich kennenlernte war sie positiv von ihrer Liebenswürdigkeit und ihrer Art überrascht. „Ich freute mich sehr, sie [Marie Pleyel] kennen zu lernen, von der ich soviel gehört, und fand mich sehr überrascht durch ihre große Liebenswürdigkeit, in der sie mir so ganz natürlich schien.“ (Litzmann, Clara Schumann, Bd. 2, S. 263.)


    Als bekannte Pianistin war Marie Pleyel auch Widmungsträgerin einiger großer Klavierwerke, die sie zum Teil selbst bei den Komponisten erbat. Frédéric Chopin widmete ihr die 3 Nocturnes, op. 9. Auf persönlichen Wunsch der Pianistin entstanden die „Norma-Reminiszenzen“ von Franz Liszt. In einem Schreiben hatte Marie Pleyel um ein „an Schwierigkeiten besonders reiches Konzertstück mit Thalbergscher Brillanz“ (vgl. La Mara, Liszt und die Frauen, S. 95) gebeten, welches er ihr in einem Brief im Januar 1844 zukommen ließ: „Madame! Hier, meine teure und hinreißende Kollegin, ist eine Fantasie, gefüllt und überladen mit Arpeggien, Oktaven und diesen stumpfen Plattitüden, welche als brillant und außergewöhnlich angesehen werden und mit welchen uns viele andere Kollegen - nebenbei nicht sehr hinreißend - schon seit langer Zeit plagen und quälen, so sehr dass sie uns bereits zu den Ohren hinauswachsen. Nichtsdestoweniger, derart magisch ist Ihre Persönlichkeit und Talent, dass – falls Sie gewillt sind mit ihren unvergleichlichen Fingern über diese paar Seiten der Reminiscence zu gehen – ich keinen Zweifel hege, dass diese Effekte wie neu erscheinen und den herrlichsten Effekt erzielen werden. […]“ (zit. n. Walker, Franz Liszt, S. 389).



    Werke, die Marie Pleyel gewidmet wurden (in alphabetischer Reihenfolge)


    Burgmüller, Friedrich: Grande valse de salon sur Le pardon de Ploërmel


    Chopin, Frédéric: Trois nocturnes, op. 9


    Döhler, Theodor: 50 Etudes pour le piano, op. 42

    Dreyschock, Alexander: L’inquiètude, op. 29


    Kalkbrenner, Friedrich: Fantaisie et variations sur une mazurka de Chopin, op. 120


    Liszt, Franz: Reminiscences de Norma

    Liszt, Franz: Tarantelle di bravura d’après la Tarantelle de ,La muette de Portici d’Auber

    Litolff, Henry: Zweites Spinnlied für das Pianoforte, op. 104


    Rubinstein, Anton: Etüden, op. 23

    Werkverzeichnis

    Über die Kompositionen Marie Pleyels erfahren wir durch Kritiken, die den Vortrag ihrer eigenen Werke im Konzert beschreiben. Im Druck erschienen sind nur zwei Stücke, das „Rondo parisien, op. 1“, sowie „Chanson du matin“, ein Lied für Singstimme und Klavier. Von weiteren Werken erhalten wir Kenntnis aus Konzertberichten, ob diese jedoch auch publiziert wurden, bleibt fraglich. Auch genauere Details zu diesen Kompositionen sind nur schwer eruierbar, daher kann die folgende Liste nur ein unvollständiges Bild geben und soll als ein Hinweis auf Marie Pleyels kompositorisches Schaffen verstanden werden.


    Gedruckte Kompositionen


    Rondo parisien, op. 1, Friedrich Kalkbrenner gewidmet, entstanden 1827, London, 1829, derzeit in: London, National Library, Music collections h.118. (33.)

    „Chanson du matin“, ca. 1848, Schott, derzeit in: Brüssel, Bibliothéque Royale de Belgique.


    Weitere Kompositionen


    Andante


    Komposition über Motive „du Pirate“


    Meditation über „La Moine“ von Meyerbeer


    Nocturne


    Phantasie über Motive aus Webers „Preciosa“

    Repertoire

    Marie Pleyels Repertoire umfasste zum größten Teil Salonstücke aus der damaligen Zeit, dazu zählten zahlreiche Werke von Johann Nepomuk Hummel, Friedrich Kalkbrenner und Franz Liszt. Furore machte sie mit ihrer Interpretation des „Konzertstück“ op. 79 von Carl Maria von Weber. Dieses spielte sie auch bei der Eröffnung der neuen Festhalle in Bonn 1845 auf persönlichen Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV.

    Immer wieder trug sie Kompositionen von Ludwig van Beethoven vor, darunter die Klavierkonzerte Nr.1, 4 und 5 sowie verschiedene kammermusikalische Werke. Eigene Klavierstücke brachte sie ebenfalls regelmäßig zur Aufführung. Entsprechend der gängigen Konzertpraxis versah sie auch einige Stücke anderer Komponisten mit Verzierungen, die laut einiger Zeitungsberichte sehr geschmackvoll ausgeführt waren. Erhalten sind ihre Ausschmückungen zu „Élégie“ op. 53 von Jules Cohen, sowie „Variations sur une thème de l’opera ,Le barbier de Seville‘“ von Johann Peter Pixis.



    Repertoire in alphabetischer Reihenfolge


    Ascher, Joseph: Phantasie über „La Traviata“


    Beethoven, Ludwig van: Adelaide

    Beethoven, Ludwig van: Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll, op. 37

    Beethoven, Ludwig van: Klavierkonzert Nr. 1 in C-Dur, op. 15

    Beethoven, Ludwig van: Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur, op. 58

    Beethoven, Ludwig van: Klaviersonate Nr. 14 in cis-Moll, op. 27 Nr. 2

    Beethoven, Ludwig van: Klaviertrio B-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Beethoven, Ludwig van: Sonate für Violine und Klavier in F-Dur, op. 24

    Beethoven, Ludwig van: Sonate für Violine und Klavier in F-Dur, op. 30/2


    Chopin, Frédéric: Berceuse, op. 57

    Chopin, Frédéric: Klavierkonzert in f-Moll, op. 21, 2. Satz

    Cohen, Jules: Élégie, op. 53

    Cohen, Jules: Etüden aus „12 Grandes Etudes de style adaptées au Conservatoire“, op. 7


    David, Félicien-César: Le Désert

    Döhler, Theodor: Grande fantaisie sur le motiv „Der Zigeunerin Warnung“ de Benedict

    Döhler, Theodor: Grandes variations sur Guillaume Tell

    Döhler, Theodor: Variationen über Themen aus Donizettis Anna Bolena.


    Heller, Stephen: Caprice brillant op. 33 über Schuberts Klavierlied „Die Forelle“ op. 32

    Herz, Henri: Andante aus dem Klavierkonzert Nr. 5 op. 180

    Hummel, Johann Nepomuk: Adagio und grande fantaisie Es-Dur

    Hummel, Johann Nepomuk: Andante über die Melodie aus der Jüdin von Halévy

    Hummel, Johann Nepomuk: Klavierkonzert Nr. 3 in h-Moll, op. 89

    Hummel, Johann Nepomuk: Oberons Zauberhorn, op. 116

    Hummel, Johann Nepomuk: Septett in d-Moll, op. 74 für Klavier, Flöte, Oboe, Horn, Bratsche, Violoncello & Kontrabass

    Hummel, Johann Nepomuk: Sonate fis-moll, op. 81


    Kalkbrenner, Friedrich: 1. Klavierkonzert, d-moll

    Kalkbrenner, Friedrich: Souvenir du Pirate

    Kalkbrenner, Friedrich: Variationen „Tu viendras“


    Liszt, Franz: Les Souvenirs du Prophète (wahrscheinlich: Illustrations du Prophète de G. Meyerbeer No. 1 und 2, Leipzig 1850)

    Liszt, Franz: aus ,Soirées musicales’ von Rossini: „La Danza“, „La Raggiata“, „Partenza“

    Liszt, Franz/Meyerbeer, Giacomo: Der Mönch. Dramatische Romanze

    Liszt, Franz: Konzertparaphrase über Mendelssohns Hochzeitsmarsch und Elfenreigen aus der Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum

    Liszt, Franz: Norma-Reminiszenzen

    Liszt, Franz: Phantasie über das Motiv der Wiedertäufer: Fantasie und Fuge über den Choral: ad nos, ad salutatem undam für Orgel oder Pedalflügel,

    Liszt, Franz: Souvenir de Guillaume Tell

    Litolff, Henry Charles: Adagio & Scherzo (wahrscheinlich aus der Konzertsinfonie Nr. 4 in d-Moll, op. 102)

    Litolff, Henry Charles: Spinnlied, op. 81


    Mendelssohn, Felix: Klavierkonzert Nr. 1 in g-Moll, op. 25

    Mendelssohn, Felix: Trio in d-moll, op. 49

    Mendelssohn, Felix: Klavierquartett in h-moll, op. 3

    Moscheles, Ignaz: Etüdenauswahl aus „Deux Etudes“, op. 105 sowie „Quatre Grandes Etudes de concert“, op. 111 sowie „Grosse Concert-Etude“, op. 126

    Moscheles, Ignaz: Sonate Symphonique


    Onslow, George: Sextett für Klavier, Flöte, Klarinette, Fagott, Horn und Kontrabaß


    Pixis, Johann Peter: Grandes variations (wahrscheinlich ,Variations sur un thème de l’opera ,Le barbier de Seville‘).

    Prudent, Emile: Le Réveil des Fées, op. 41

    Prudent, Emile: Fantaisie des Huguenots

    Prudent, Emile: Fantasie über Themen aus der Jüdin: Fantaisie sur l'Opéra de F. Halévy: La Juive, op. 26 (1847)

    Prudent, Emile: Les Puritains


    Quidant, Alfred: Petit enfant


    Ravina, Jean Henri: Sicilienne

    Schubert, Franz: Des Mädchens Klage, DV. 6

    Schubert, Franz: Erlkönig

    Schubert, Franz: Gretchen am Spinnrade, op. 2

    Schumann, Robert: Faschingsschwank aus Wien, op. 26


    Thalberg, Sigismund: Fantasie über Donizettis Don Pasquale, op. 67

    Thalberg, Sigismund: La Sonnambula, op. 46


    Weber, Carl Maria von: Konzertstück in f-Moll, op. 79

    Quellen

    Primärquellen/Briefe


    Bibliothèque nationale de France:

    An M. Benacci, W-40 B (334).

    An Victor Hugo, Musique- la-pleyel marie-1.

    An N.N., Musique- la-pleyel marie-3.

    An N.N., Musique- la-pleyel marie-4.

    An N.N., Musique- la-pleyel marie-5.

    An N.N., Musique- la-pleyel marie-7.

    An N.N., Musique- la-pleyel marie-8.

    An M. le Baron, Musique- la-pleyel marie-9.

    An M. Bender, Musique- la-pleyel marie-10.


    Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv:

    An Monsieur Bäuerle, Mus.ep. Marie Pleyel 1.

    An Monsieur Monsieur Chelard, Mus.ep. Marie Pleyel 2.

    An Monsieur Chelard, Mus.ep. Marie Pleyel 3.

    An N.N., Mus.ep. Marie Pleyel 4.

    An N.N., Mus.ep. Marie Pleyel 5.



    Sekundärliteratur des 19. Jahrhunderts


    Allgemeine musikalische Zeitung. Bd. 41. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1839, S. 878.


    Berlioz, Hector. Euphonia ou la ville musicale. In: Revue et gazette musicale. Nr. 7. 18.2.1844, S. 49.


    Bouchard, L. (Hg.) La nouveauté. Journal du commerce, des sciences, de la littérature, des théâtres et des arts. Bd. 1. Nr. 177. 26.2.1826, S. 4.


    Dumas, Alexandre. Ein Liebesabenteuer. Leipzig: Christian Ernst Kollmann, 1860.


    Fétis, Francois-Joseph. Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. 2. überarb. u. erweiterte Aufl. Paris: Librairie de Firmin Didot frères, fils et Cie, 1864, S. 79.


    Gathy, August. „Pleyel, Marie Camille“. In: Musikalisches Conversations-Lexikon. Enzyklopädie der gesammten Wissenschaft. August Reissmann (Hg.). 3. Aufl. Berlin: Leonhard Simion, 1871, S. 306.


    Hanslick, Eduard. Geschichte des Concertwesens in Wien. Wien: Braumüller, 1869.


    L’impartial. Journal politique et litteraire. Nr. 81. 20. November 1825, S. 4.


    Lipsius, Ida (La Mara). Liszt und die Frauen. o.O. 1919.

    http://imslp.org/wiki/Liszt_und_die_Frauen_%28Lipsius,_Ida_Marie%29 (abgerufen am 26.08.2015).


    Liszt, Franz. Briefe an Marie Gräfin d’Agoult. Bremen: Dearbooks, 2013. (Nachdruck der Ausgabe: Ollivier, Daniel (Hg.). Franz Liszt – Briefe an Marie Gräfin d’Agoult. Berlin: S. Fischer Verlag, 1933.


    Marmontel, Antoine. Les pianistes célèbres. Paris: A. Chaix et Cie, 1878.


    Moke, Jean-Jacques. Principes de la langue belgique. Gent: J.-N. Houdin, 1822.


    Nerval, Gérard de. Pandora: édition critique; [en annexe, un portefeuille de XLII planches]. Namur: Secrétariat des Publications, Facultés Universitaires, 1968.


    o.A. „Dur und Moll“. In: Signale für die musikalische Welt. 31. Jg. 1873, S. 807.


    o.A. „Music“. In: The Atlas. London, 11. Juli 1846, S. 443.


    Schumann, Robert. „Camilla Pleyel“. In: Robert Schumann (Hg.). (= Gesammelte Schriften über die Musik und Musiker, Bd. 3) Reprint der Ausgabe Leipzig 1854. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1985, S. 171f.


    Société royale des beaux-arts et des lettres, et par celle d’agriculture et de botanique de Gand (Hg.). Messager des sciences et des art, recueil. Gand: P.F. de Goesin-Vernaegne, 1825, S. 477.


    The Illustrated London News, London. 6. Juni 1846, S. 373.


    The musical world, London. 3. Februar 1855, S. 75.



    Sekundärliteratur des 20. Jahrhunderts


    Burger, Ernst. Franz Liszt. Eine Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. München: Paul List Verlag GmbH & Co. KG, 1986.


    Catteau, Dominique. Hector Berlioz, ou, La philosophie artiste. Bd. 1. Paris: Publibook, 2011.


    Herold, Anja. „Dulcken“. In: Freia Hoffmann (Hg.). Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. URL: http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php/dulcken-familie.

    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php/dulcken-familie (abgerufen am 26.08.2015).


    Kip, Jenny. „Mehr Poesie als in zehn Thalbergs. Die Pianistin Marie Pleyel“. In: Freia Hoffmann (Hg.). (Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts, Bd. 7). Oldenburg: BIS-Verlag der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 2010.


    Klassen, Janina. Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit. Köln: Böhlau, 2009.


    Marschner, Rosemarie. Das Mädchen am Klavier. München: dtv, 2013.


    Litzmann, Berthold. Clara Schumann. Ein Künstlerleben nach Tagebüchern und Briefen. 3 Bde. Leipzig, 1902, 1905, 1908.


    Mayer, Katharina. Marie Pleyel (1811-1875). Eine Pianistin im Spiegel ihrer Zeit. Masterarbeit, Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz, 2012.


    Persoons, Françoise. Marie Pleyel: Ses rapports avec Gérard de Nerval et le XIXe siècle artistique. Diplomarbeit, Université catholique de Louvain, 1973-74.


    Reich, Nancy B. Clara Schumann. Romantik als Schicksal. Hamburg: Rowohlt, 1991.


    Swartz, Anne. Piano makers in Russia in the 19th century. Leigh: University Press, 2014.

    Forschung

    Marie Pleyel geriet trotz ihrer Berühmtheit, die sie in den 1840er Jahren erlangt hatte und die bis zu ihrem Tod 1875 währte, lange Zeit in Vergessenheit. Im Zusammenhang mit Franz Liszt widmete ihr Ida Lipsius (La Mara) ein Kapitel in ihrem Buch „Liszt und die Frauen“, das 1910 erstmals veröffentlicht wurde. Danach wurde es lange Zeit still um die Künstlerin. Erst 1973/74 recherchierte Françoise Persoons im Zusammenhang mit dem Schriftsteller Gérard de Nerval wieder über die Pianistin. In den letzten Jahren ist Marie Pleyel zunehmend wieder in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Aktuelle Forschungen legen das Hauptaugenmerk auf Recherchen zu Marie Pleyels Biographie, so z. B. die Studien von Jenny Kip (2009) sowie Katharina Mayer (2012). Im Zuge dieser Forschungen wurden mehr als 15 Briefe der Pianistin ausfindig gemacht und abgedruckt. Hierbei finden sich neben Schreiben rein informativen Charakters sowie geschäftlichen Angelegenheiten auch gesellschaftliche und private Briefe, die Einblicke in die Persönlichkeit Marie Pleyels erlauben. Der Großteil dieser Briefe befindet sich in der Bibliothèque nationale de France, sowie der Staatsbibliothek zu Berlin.

    Das Testament Marie Pleyels, welches sie am 29. April 1874 dem Brüsseler Notar Maître Delporte diktierte, konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden.

    Forschungsbedarf

    Der bisherige Schwerpunkt in der Forschung zu Marie Pleyel lag auf ihrer Biographie sowie ihrem Einfluss auf den Schriftsteller Gérard de Nerval (Peersons, Marie Pleyel, 1973/74). Jenny Kip hat sich in ihrer Publikation „Marie Pleyel. Mehr Phantasie als in zehn Thalbergs“ auch mit der Unterrichtstätigkeit Marie Pleyels in Brüssel auseinandergesetzt. Dennoch wären weitere Forschungen, besonders was Informationen zu ihren Schülerinnen (z. B. zu Suzanne Schmidt) anlangt, wünschenswert. Ebenso besteht Bedarf in der detaillierten Aufarbeitung der von Marie Pleyel überlieferten Briefe. Bisher kaum beachtet wurde ihre kompositorische Tätigkeit. Eine Analyse der vorhandenen Werke könnte das Bild der Komponistin und Musikerin Marie Pleyel erweitern.

    Völlig unerforscht ist auch ein möglicher Nachlass der Pianistin. Folgende Erben (inklusive Hypothesen) werden von Jean Guillaume genannt: Jules de Geyter, Clémence De Geyter, Julie Moke, Virginie Moke. (Nerval, Pandora, S. 145.)

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 56878338
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116245247
    Library of Congress (LCCN): no2011082620
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Katharina Mayer-Heimel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 13.12.2015
    Zuletzt bearbeitet am 23.11.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Katharina Mayer-Heimel, Artikel „Marie Pleyel“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 23.11.2017
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marie_Pleyel