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  • Marie Pachler

    von Ingeborg Harer
    Marie Pachler. Fotografie eines Ölgemäldes von Josef Abel.
    Namen:
    Marie Pachler
    Geburtsname: Maria Leopoldine Koschak
    Lebensdaten:
    geb. in Graz, Österreich
    gest. in Graz, Österreich
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Korrespondentin, Dialogpartnerin, Veranstalterin eines Salons
    Charakterisierender Satz:

    „Das Spiel des Claviers gewann auch hier [in Graz] einen größeren Charakter, seit dem Beethovens Composition mehr Eingang fand, und man über das leichte Geklimper sich hinweg setzte, um in die Tiefen seines Geistes nachzusteigen. Fräulein Maria Koschak besaß Genie und Fleiß genug, um die schwierigsten Aufgaben des originellen Meisters mit Geschmack und Leichtigkeit zu lösen“.


    (Julius Schneller 1812 über seine Schülerin Marie Koschak, vgl. Schneller 1812, S. 30)


    Profil

    Marie Pachlers Leben verlief zunächst auf der Basis der idealen Vorstellungen und Bedingungen der gutsituierten bürgerlichen Gesellschaft. Die wohlhabende und nach Bildung strebende Familie ermöglichte dem jungen Mädchen ein erstes Auftreten als so genanntes pianistisches Wunderkind, das zunächst eine hoffnungsvolle Karriere vor Augen hatte. Es dürften jedoch einerseits die finanziellen Einbußen der Familie, andererseits die gesellschaftlichen Schranken gewesen sein, die einer Berufsausübung als Pianistin im Wege standen und diese angestrebte Karriere verhinderten. Letztlich konnte Marie Pachler als verheiratete Frau und Mutter Möglichkeiten eines umfassenden kulturellen Handelns rund um ihr Zuhause, dem „Rabenschinderhaus“ in der Grazer Herrengasse Nr. 258 (heute Nr. 23) vorfinden. Dieser Ort wurde über einen Zeitraum von ca. zehn Jahren durch ihre Initiativen zu einem der wichtigsten musikalisch-literarischen Salons und Treffpunkten von kultur- und kunstinteressierten Persönlichkeiten. Als Pianistin, insbesondere Interpretin der Werke Beethovens und Schuberts, aber auch als Komponistin – wenngleich nur im privaten Bereich – prägte Marie Pachler das Geschehen ihres Salons, dessen Ruf weit über die Grenzen der damaligen Stadt Graz hinausging. Als aktive Teilnehmerin an den literarischen Aktivitäten der Salongäste und als Konversationspartnerin zu Themen über Ästhetik, Kunst und Politik vertraten sie und ihr Kreis fortschrittliche Ideen, die für die Biedermeierzeit österreichischer Prägung eher selten waren.

    Orte und Länder

    Marie Koschak besuchte wiederholt Triest und Laibach (Ljubljana) und andere Orte der damaligen „Untersteiermark“ (heute Slowenien).

    Bei Aufenthalten in Wien und Bad Vöslau konnte sie Ludwig van Beethoven persönlich treffen (1817 und 1823). Im Zusammenhang mit ihrer Bekanntschaft mit Franz Schubert und dessen Aufenthalt in Graz 1827 sind gemeinsame Ausflüge in der Umgebung von Graz belegt, z.B. zum Hallerschloss (damals außerhalb der Stadtgrenze von Graz) und zum Schloss Wildbach in der Nähe von Deutschlandsberg (südlich von Graz).

    Außer zum Zweck von Kuraufenthalten dürfte Marie Pachler Graz in späteren Jahren nicht verlassen haben.

    Biografie

    Pianistisches Wunderkind und erste Auftritte


    Marie Pachler wurde als Maria Leopoldine Koschak im damaligen Grätz, heute Graz (Hauptstadt der Steiermark, Österreich) am 2. Februar 1794 geboren und hatte eine zwei Jahre ältere Schwester namens Johanna Maria. Maries Eltern, ihr Vater Aldobrand Koschak (1759-1814), Advokat und Schriftsteller, ebenso wie ihre Mutter, geb. Therese Ruard, waren um eine gediegene Erziehung im Sinne der bürgerlichen Bildungsziele für junge Mädchen bemüht und erkannten auch die schon früh sichtbare musikalische Begabung ihrer jüngeren Tochter. Der seit 1798 in Graz ansässige Komponist Martin Andreas Heimerich (1762-1813) war mit großer Wahrscheinlichkeit im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts der Klavierlehrer Marie Pachlers. Im Alter von 11 Jahren spielte sie 1805 bei einer der damals üblichen musikalischen Akademien gemeinsam mit ihrer Schwester vierhändig Beethoven (Luschin von Ebengreuth 1925, S. 177. Locher 1990, S. 117). Mit dem Auftritt eines 14jährigen Mädchens im Jahre 1808 in Graz wird ebenfalls Marie Pachler in Verbindung gebracht (Sonnabendanhang zur Grätzer Zeitung, 12. März 1808. Vgl. dazu Janes 1992, S. 11).

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    In den Jahren 1807-1809 wurde Marie Pachler vom Historiker und Schriftsteller Julius Schneller (1777-1832) unterrichtet, der nicht nur ihr musikalisches Talent entscheidend förderte, sondern auch prägend für ihre Allgemeinbildung war, beispielsweise ihr Interesse für fremdsprachige Literatur weckte. Sie beherrschte die italienische und französische Sprache, die englische Literatur wurde in Übersetzungen gelesen. Ihre Eltern unterhielten ein von Musik und Bildung geprägtes Zuhause, das im Rahmen von Musikabenden zahlreichen Gästen offen stand. Hier fand Marie ihr erstes Wirkungsfeld als komponierendes und klavierspielendes „Wunderkind“. Im Alter von neun Jahren schrieb sie Menuette und Märsche, die bei Hausbällen in ihrem Elternhaus und von den lokalen Regimentskapellen gespielt wurden (Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung 49. 6. Dezember 1865, S. 389. Wurzbach 1870, S. 165).

    1811 erfolgte der erste öffentliche Auftritt Marie Pachlers als Pianistin. Sie übernahm den Klavierpart in der Grazer Aufführung der Chorfantasie von Ludwig van Beethoven, die am 22. Dezember 1811 den Höhepunkt im Programm eines Wohltätigkeitkonzertes im „Ständischen Redoutensaal“ darstellte. Diese Aufführung sollte gleichzeitig das einzige nachweisbare öffentliche Auftreten im größeren Rahmen bleiben, wenngleich sich ihr Ruf als Interpretin der Klavierwerke Beethovens ab diesem Auftreten stetig festigte. Ihr ursprüngliches Ziel, Konzertpianistin zu werden, musste die junge Musikerin freilich rasch aufgeben. Im selben Jahr 1811 verarmte die Familie Koschak, verursacht durch das „Finanzpatent“, das in Folge des Österreichischen Staatsbankrotts eine extreme Geldabwertung verordnete. 1812 begab sich Marie in Begleitung eines Onkels nach Triest, wo sie im privaten Kreis als Pianistin beeindrucken konnte (Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung 50. 13. Dezember 1865, S. 397). Nach dem Tod ihres Vaters im Jahre 1814 hielt sich Marie Pachler mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester in Sava in Krain bei Verwandten und dann in Laibach (heute Ljubljana, Slowenien) auf, wo die Frauen versuchten, verlorene Besitztümer über den Gerichtsweg zurückzuerlangen; sie blieben jedoch erfolglos. Auch dort muss wohl Marie Anerkennung als Pianistin erfahren haben, denn am 15. Oktober 1817 wurde sie von der Laibacher Philharmonischen Gesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt.

    Trotz einer angebotenen finanziellen Unterstützung für ihre Ausbildung verzichtete Marie Koschak auf die Fortsetzung ihrer Karriere als Pianistin. Es wird berichtet, dass sie die Einladung eines wohlhabenden Kaufmanns aus Triest ablehnte, der sie adoptieren und als reisende Künstlerin unterstützen wollte. Damit gab sie dem Drängen ihrer Mutter nach, die ihre Tochter in Graz und verheiratet sehen wollte. Spätestens seit 1812 musste sie sich nämlich von ihrer Mutter den Vorwurf gefallen lassen, sich hinsichtlich einer ehelichen Bindung bereits zu lange Zeit gelassen zu haben, nämlich dass sie „viele vortheilhafte Parthien ausschlage“ (Marie Pachler, Brief an ihre Mutter, 18. Juni 1812. Zitiert nach Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung 50. 13. Dezember 1865, S. 397). Im Schülerkreis ihres Lehrers Julius Schneller war sie spätestens 1812 ihrer Jugendliebe Anton Prokesch (1795-1876) begegnet, der noch in Ausbildung stand, ferne Länder bereiste und schließlich Diplomat werden sollte. Unter anderen war er beispielsweise österreichischer Gesandter in Istanbul. Mit ihm pflegte Marie auch als verheiratete Frau engen, vorwiegend brieflichen Kontakt. Dazu ist festzuhalten, dass diese Beziehung auf Gegenseitigkeit beruhte und trotz offensichtlich unerfüllt gebliebener Erwartungen in Hinblick auf ein gemeinsames und in Ehe verbundenes Leben bis zur Verheiratung Prokeschs 1832 bestehen blieb (vgl. dazu Lohberger 1972).


    Heirat und Familie – der Salon Pachler


    Noch vor der Abreise nach Laibach hatte sich Marie Koschak 1814 mit Dr. Carl (Karl) Pachler verlobt. Es wird vermutet, dass die durch die Heirat in Aussicht gestellte finanzielle Absicherung eine Rolle für diese Entscheidung gespielt hatte, wenngleich Carl Pachler zum fraglichen Zeitpunkt kein ausgesprochen vermögender Mann war (Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung 50. 13. Dezember 1865, S. 397-398). Dennoch sollte es Marie Pachler durch ihre Heirat möglich sein, zum ehemaligen Lebensstandard ihres Elternhauses zurückzukehren.

    Carl Pachler (1789-1850) wurde in Graz geboren, war promovierter Jurist, der seinen Beruf als Advokat ausübte und gleichzeitig eine Brauerei besaß. Pachler wurde eine einflussreiche Persönlichkeit im Kulturleben von Graz: Ab 1818 war er Ehrenmitglied des 1815 gegründeten Steiermärkischen Musikvereins, in anderen lokalen Vereinen wirkte er ebenso mit, wie er auch als Oberkommandant einer von ihm 1829 eingeführten Bürgergarde fungierte. Durch seine Mitwirkung in der Gründungsphase des Musikvereins lernte er angeblich seine spätere Frau Marie Koschak kennen. Das Paar heiratete am 12. Mai 1816 (Wurzbach 1870, S. 165. Bolte 1915, S. 337). Das Wohnhaus der Pachlers in Graz war das sogenannten „Rabenschinderhaus“ in der Herrengasse Nr. 258. Heute befindet sich an dessen Stelle der „Thonethof“ mit der Adresse Herrengasse 23 (Locher 1990, S. 11). Im Hause Pachler fanden ungefähr von 1822 bis 1830 musikalisch/literarische Veranstaltungen statt, die das Haus bzw. den Salon zu einem der wichtigsten Treffpunkte der Grazer gehobenen Gesellschaft machten (Locher 1990, S. 11-12). Die Wohnung befand sich im 2. Stock des Gebäudes und bot den Gästen Kulturgenuss in 12 Räumen, in denen sich das Bildungsbürgertum zu musikalischen und literarischen Abenden oder auch Diskussionsrunden zu aktuellen Themen der Zeit einfand. Hier konnte Marie Pachler fortsetzen, was sie in ihrem Elternhaus im Rahmen der musikalischen Abende erlebt und gelernt hatte. Sie trat regelmäßig als Pianistin in Erscheinung, spielte Eigenkompositionen sowie Improvisationen, übernahm – wie auch ihre Gäste – Lese-Rollen in Dramen und bewirtete die Anwesenden. Wie berichtet wird, verstand sie es, ihre Gäste auch musikalisch zu unterhalten: „Bemerkenswert ist noch ein musikalischer Scherz, den sie mit Geist und Witz öfter in Freundeskreisen auszuführen liebte. Dieser bestand in der musikalischen Charakterisierung ihrer Bekannten, von denen sie auf dem Clavier ´Porträts´ entwarf, und in so glücklicher Weise diese ´Bildnisse in Tönen´ ausführte, daß, wenn größere Kreise versammelt waren, die meisten der Anwesenden aus den musikalischen Silhouetten die Originale herausfanden“ (Wurzbach 1870, S. 166).

    1820 wurde in Graz Faust Pachler, der gemeinsame Sohn des Ehepaares Marie und Carl Pachler, geboren. Er erhielt Klavierunterricht von seiner Mutter und beeindruckte immer wieder die Gäste seines Elternhauses mit seinen musikalischen Darbietungen, darunter auch Franz Schubert persönlich, der mit seinem Freundeskreis 1827 zu Gast bei den Pachlers war. Für den siebenjährigen Faust sollte Schubert den „Kindermarsch“ D 928 schreiben (s. u. Rezeption).

    Die an Marie Pachler-Koschak in den 1820er Jahren gestellten häuslichen Aufgaben ließen das aktive Musizieren offensichtlich vermehrt in den Hintergrund rücken: „In der Musik kann ich jetzt leider weniger thun, als vorher, da eben die anderen Gegenstände mich zu sehr in Anspruch nehmen, ich beschränke mich daher größtentheils auf meine Lieblings-Tonsetzer Beethoven und Schubert.“ (Marie Pachler an Anton Prokesch, 19. Mai 1825. Zitiert nach Locher 1990, S. 118-119.)


    Einer der häufigen Besucher des Hauses Pachler war der Grazer Dichter Karl Gottfried Leitner (1800-1890), dessen 1825 in Graz erschienener Gedichtband von Marie Pachler an Franz Schubert übergeben wurde, während Schubert 1827 zu Gast in Graz, Leitner aber abwesend war. Weitere Gäste des Salon Pachlers waren u.a. der Dichter Karl von Holtei (1798–1880), die Maler Josef Abel (1764-1818) und Joseph Teltscher (1801-1837), die Schauspielerin Sophie Mülller (1803-1830), das Schauspielerehepaar Karl (1805-1878) und Julie Rettich (1809-1866), die Schubert-Freunde Johann Baptist Jenger (1792-1856) und Anselm Hüttenbrenner (1794-1868), schließlich Maries Jugendfreund Anton Prokesch von Osten (1795-1876). Als aktiver und regelmäßiger Salonbesucher in den ersten Jahren muss nicht zuletzt auch der schon als Lehrer Maries vorgestellte Historiker Julius Franz Schneller (1777-1833) genannt werden, der bis zu dessen Berufung nach Freiburg im Breisgau im Jahre 1823 Mittelpunkt der Grazer Gesellschaft war. Dieser hatte nicht nur ursprünglich auf Maries Allgemeinbildung und Auffassung von Musik großen Einfluss, sondern die freigeistigen Ideen Schnellers bestimmten geradezu die Ideenwelt des elitären Kreises, der sich um ihn und so auch um das Ehepaar Pachler zusammenfand. In den Gesprächsrunden und mit ihren Ansichten setzten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen deutlich über die in der Biedermeierzeit gültigen gesellschaftlichen Tabus hinweg und äußerten Gedanken (z.B. über fremde Religionen), die in anderen Abendgesellschaften undenkbar waren. Auch Marie Pachler soll sich zu einschlägigen Themen mit emanzipatorischer Ausrichtung (u.a. zur Rolle der Frau) zu Wort gemeldet haben (Locher 1990, S. 18).

    Als Maries Förderer und Mentor Julius Schneller nach Freiburg berufen wurde, bedauerte sie dessen Abwesenheit von Graz zutiefst, wie aus einem Brief 1823 an Schneller hervorgeht: „Das frische Leben, der höhere Schwung, den Sie sonst in diese Kreise brachten, hat aufgehört. Es wird mir vorkommen, als versammelten wir uns zu einem Todten-Amte, oder eigentlich: zu einem Todten-Mahle.

    Auch manche meiner sonstigen Lieblings-Beschäftigungen haben nun ihren Reiz für mich verloren. Ueberall fehlen Sie. An´s Klavier mag ich schon gar nicht gehen; da vermisse ich Ihr aufmerksames Ohr, Ihre Empfänglichkeit für alles Schöne, Ihr Lob und Ihren Tadel“ (Marie Pachler-Koschak an Julius Schneller. 25. Dezember 1823. In: Münch 1834, Band 1. S. 286-287).


    Ludwig van Beethoven


    Schon früh strebte Marie Pachler danach, Beethovens Werke nicht nur zu spielen, sondern den Komponisten auch persönlich kennenzulernen. Neben ihrem Lehrer und Mentor Julius Franz Schneller, der die schon erwähnte Wohltätigkeits-Akademie am 22. Dezember 1811, mit Marie als Solistin, initiiert hatte, sollten weitere Beethoven-Verehrer behilflich sein, um eine Begegnung zwischen Marie Pachler und Beethoven herbeizuführen. So legte Maries Schwager Anton Pachler, Advokat in Wien, Maries „Fantasia“ für Klavier auf deren Bitte hin angeblich Beethoven vor. Anton Pachler erstattet darüber Bericht in einem Brief an seine Schwägerin: „Ich hielt dir Wort und nannte keinen Compositeur, er durchlas das Stück aufmerksam und sagte am Ende, es sei sehr viel für Jemanden, der die Composition nicht studiert habe. Wenn er zugegen wäre, so wolle er ihn an die Mängel aufmerksam machen; aber schriftlich sei das zu weitläufig und nach fleissigem Studium der Composition würde der Compositeur selbst darauf aufmerksam werden“ (Anton Pachler an Marie Pachler-Koschak 17. Oktober 1816. Zitiert nach Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung 51. 20. Dezember 1865. S. 405).

    Schließlich trugen der Grazer Pianist Johann Baptist Jenger und Anton Pachler dazu bei, dass Marie Pachler 1817 Beethoven in Wien kennenlernen konnte. 1823 kam es in Bad Vöslau 1823 zu einem zweiten Zusammentreffen (Bolte 1915, S. 338). Ihr gelang es jedoch nicht, Beethoven nach Graz einzuladen. Beethovens schlechter Gesundheitszustand und schließlich sein Tod 1827 bewegten Marie Pachler zutiefst. Eine Haarlocke und andere Erinnerungsgegenstände aus Beethovens Besitz, erworben nach dessen Tod, konnte sie ihr Eigen nennen.


    Franz Schubert


    Der Beginn von Marie Pachlers Wertschätzung für Franz Schubert muss einige Jahre vor 1826 angesetzt werden, denn in diesem Jahr lud sie ihn bereits zu sich nach Graz ein. Diesem Wunsch sollte Schubert jedoch erst 1827 entsprechen können. Er war schließlich vom 3. bis zum 20. September 1827 gemeinsam mit Joseph Teltscher, Johann Baptist Jenger und Anselm Hüttenbrenner Gast der Pachlers in Graz. Von dort aus begaben sich Gastgeber und Gäste zu den außerhalb der damaligen Stadt Graz gelegenen Anwesen Hallerschloss (auch „Gut Sparbersbach“ genannt, heute im Stadtgebiet von Graz liegend) und Schloss Wildbach (bei Deutschlandsberg südlich von Graz), wo jeweils Schubertiaden abgehalten wurden. Einige Kompositionen Schuberts stehen im engen Zusammenhang mit dem Graz-Aufenthalt des Komponisten. Vier Lieder widmete Schubert seiner Gastgeberin (s. u. Rezeption). Der gesamte Aufenthalt in Graz hinterließ bei Schubert eine ausgesprochen positive Grundstimmung: „In Grätz erkannte ich bald die ungekünstelte und offene Weise mit und neben einader zu seyn, in die ich bey längerem Aufenthalt sicher noch mehr eingedrungen seyn würde. Besonders werde ich nie die freundliche Herberge mit ihrer lieben Hausfrau, dem kräftigen Pachleros und dem kleinen Faust vergessen, wo ich seit langer Zeit die vergnügtesten Tage verlebt habe“ (Franz Schubert an Marie Pachler. In: Deutsch 1964, S. 451-452).


    Die letzten 20 Jahre


    In den 1830er Jahren kam das rege Salon-Leben allmählich zum Stillstand, gleichzeitig wird von einer zunehmenden Entfremdung des Ehepaares Carl und Marie Pachler berichtet (Locher 1990, 142-143). Marie Pachler, die offensichtlich die auch von Außenstehenden (z.B. Anton Prokesch) beobachteten Eheprobleme nicht mehr länger hinnehmen konnte, verließ zeitweise Graz. Beispielsweise suchte sie auf Schloss Schönegg in Krain, dem Anwesen ihrer Verwandten mütterlicherseits, Erholung, während zu Hause in Graz Privatlehrer und eine Freundin, Julie Kalmann, mit der Erziehung und der Versorgung des Sohnes beauftragt waren (Locher 1990, S. 142-143). Aus der Ferne versuchte Marie ihrem Mann am 11. Oktober 1830 schriftlich die für sie zermürbende Familiensituation, die von dessen Lieblosigkeit und Respektlosigkeit ihr gegenüber geprägt wäre, auseinanderzusetzen. Inwiefern und ob überhaupt mit dieser Konfrontation Marie eine Verbesserung für das gemeinsame Leben erzielte, kann nicht weiter verfolgt werden. Sie kehrte jedenfalls nach Graz zurück. Auffällig ist, dass Marie Pachler um diese Zeit die Verbindungen zu verschiedenen Personen ihres altbewährten Freundeskreises nach und nach abbrach, so zu ihrer Jugendliebe und ihrem langjährigem Freund Anton Prokesch von Osten, nachdem sich dieser verlobt und 1832 Irene Kiesewetter geheiratet hatte. Ein weiterer negativer Einschnitt in Maries Leben war der Tod ihres von ihr so verehrten Lehrers Julius Schneller im Jahre 1833.


    1835 nahmen die Pachlers den Sohn einer früh verstorbenen Freundin (Friederike Piller verh. Kaltenegger) Friedrich Kaltenegger von Riedhorst (1820-1892, 1872-1881 Landeshauptmann von Krain), in die Familie auf, der zunächst gemeinsam mit Faust erzogen wurde und später, als Faust in Wien lebte, Marie Pachler bis zur ihrem Tod zur Seite stand. Die Beziehung zwischen Marie Pachler und ihrem Sohn Faust blieb stets innig, was sich in den zahlreich erhaltenen Briefen äußert. Faust Pachler promovierte ebenso wie sein Vater zum Dr. der Rechte, war in seinem Hauptberuf Skriptor in der damaligen Hofbibliothek und legte als Schriftsteller, der jedoch ständig um Anerkennung kämpfen musste, zahlreiche Werke vor. Entschieden wusste er 1865 die kursierenden Gerüchte um eine angebliche Liebesbeziehung zw. Beethoven und seiner Mutter abzuwehren (vgl. dazu Faust Pachler 1865). Die Sommermonate verbrachten Faust Pachler und seine Frau Jenny (geborene zur Helle, Hochzeit 1851, gest. 1905) im Panormahof, am Grazer Rosenberg (heute Stadtgebiet von Graz), der schon seit 1832 Familienbesitz der Pachlers war.

    Nach dem Tod ihres Ehemannes Carl Pachler im Jahre 1850 verkaufte Marie Pachler 1852 das Wohnhaus in der Grazer Herrengasse und übersiedelte in eine Wohnung am Grazer Glacis (heute Glacis-Straße. Locher 1990, S. 12).


    Nach schwerer Krankheit starb Marie Pachler mit 61 Jahren am 10. April 1855 in Graz.

    Würdigung

    Marie Pachlers Bekanntheitsgrad in der Musikgeschichte ist durch ihre persönliche Verbindung mit Ludwig van Beethoven und Franz Schubert begründet. Im 19. Jahrhundert kursierten Gerüchte über eine angebliche Liebesbeziehung zwischen Marie Pachler und Beethoven (vgl. dazu Faust Pachler 1865). Während Beethoven von Marie Pachler zwar zweimal besucht wurde, sollte eine vom Ehepaar Pachler ausgesprochene Einladung Beethovens nach Graz nicht zustande kommen. Die Bemühungen Marie Pachlers, Schubert nach Graz einzuladen, waren jedoch im September 1827 von Erfolg gekrönt. Schubert und seine Begleiter fanden durch das Ehepaar Pachler eine mehr als freundschaftliche Aufnahme, die auch musikalisch Ergebnisse hervorbrachte (siehe Biografie und Rezeption).

    Eine Würdigung Marie Pachlers ausschließlich in Hinblick auf Beethoven und Schubert greift jedoch zu kurz. Ihr Lehrer Julius Schneller erkannte bereits ihre außerordentlichen Fähigkeiten, als er rückblickend feststellte: „Meine Schülerinnen sind ausgezeichnete Wesen voll ernsten Fleißes und zarten Sinnes, aber in keiner bemerke ich, was ich so frühe in Marien entdeckte, alles Fremde und Erlernte mit dem Stempel des eigenen Geistes neu auszuprägen. Auch dieser schreib ich heute“ (Julius Schneller an Anton Prokesch, 15. Juni 1826. In: Münch 1834. Band 2, S. 127).

    Besonders hervorzuheben ist Marie Pachlers allgemeine Bedeutung im damaligen Kulturleben der Stadt Graz, das sie durch ihren musikalisch-literarischen Salon bereicherte. Dieser war einerseits Treffpunkt für das Grazer gehobene Bürgertum, bot aber auch zahlreichen auswärtigen Gästen ein kulturell inspirierendes und gleichzeitig gastfreundschaftliches Ambiente. Als Pianistin konnte Marie Pachler aktiv an der Gestaltung des musikalisch-literarischen Salons in ihrem Wohnhaus in Graz mitwirken und die Grazer gebildete Gesellschaft der damaligen Zeit auch mit eigenen Kompositionen (und Improvisationen auf dem Klavier) überraschen.

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    Das als junges Mädchen in der Öffentlichkeit begonnene Wirken Marie Pachlers als Pianistin fand im Erwachsenenalter im halböffentlichen Bereich ihres Zuhauses eine Fortsetzung, wodurch für die verheiratete Frau Freiraum für die Gestaltung von kulturellen Ereignissen entstand. So ist es als Besonderheit im kulturellen Handeln Marie Pachlers zu sehen, dass sie sich einerseits im besonderen Maße dem Knüpfen von Kontakten widmete – Stichwort: Bekanntschaft mit Beethoven und Schubert – und andererseits gleichzeitig für kontinuierliche musikalisch-literarische Aktivitäten sorgte, an denen sie auch selbst mit eigenen Produktionen mitwirkte.

    Rezeption

    Als Pianistin und Musikkennerin


    Über die junge Marie Koschak und ihr Beethoven-Spiel äußerte sich ihr Lehrer Julius Schneller bereits 1812: „Das Spiel des Claviers gewann auch hier [in Graz] einen größeren Charakter, seit dem Beethovens Composition mehr Eingang fand, und man über das leichte Geklimper sich hinweg setzte, um in die Tiefen seines Geistes nachzusteigen. Fräulein Maria Koschak besaß Genie und Fleiß genug, um die schwierigsten Aufgaben des originellen Meisters mit Geschmack und Leichtigkeit zu lösen“ (Schneller 1812, S. 30).


    Die folgenden Zeilen vom September 1817, notiert in Bleistift auf einem undatierten Zettel, waren im Besitz (später Nachlass) Marie Pachlers und finden sich – oft auch in reduzierter Form – das gesamte 19. und 20. Jahrhundert hindurch in der einschlägigen Literatur über Ludwig van Beethoven als ein Zitat von ihm. Das Zitat gilt jedoch heute als Fälschung, wobei die Umstände dazu nicht bekannt sind (vgl. Brandenburg, Sieghard. Ludwig van Beethoven Briefwechsel GA. Band 6, München: Henle, 1996, S. 136): „Ich bin sehr erfreut, daß Sie noch einen Tag zugeben, Wir wollen noch viel Musik machen. Die Sonaten aus F-Dur und c-Moll spielen Sie mir doch? Nicht wahr? Ich habe noch niemand gefunden, der meine Compositionen so gut vorträgt, als Sie, die großen Pianisten nicht ausgenommen; sie haben nur Mechanik oder Affektation. Sie sind die wahre Pflegerin meiner Geisteskinder“ (zit. n.: Beethovens sämtliche Briefe, Kritische Ausgabe mit Erläuterungen von Alfred Christlieb Kalischer. 3. Band. Berlin und Leipzig: Schuster & Loeffler, 1907, S. 233).


    Auch wenn sich die angeblich von Beethoven festgehaltene Aussage zu Marie Pachlers Rolle als Interpretin, nämlich sie sei die „wahre Pflegerin“ seiner „Geisteskinder“, als unhaltbar erwiesen hat, so könnte dieser Beurteilung Marie Pachlers als ideale Beethoven-Interpretin – wem immer diese Worte zuzuschreiben wären – ein gewisses Maß an Authentizität zuerkannt werden. Zum einen ist mit Bezug auf Marie Pachler bereits 1834 im Vorwort zu Schnellers Schriften zu lesen, „daß Beethoven selbst erklärte, seine eigenen Werke niemals besser auf dem Fortepiano vorgetragen gehört zu haben“ (Münch 1834, 1. Band, S. 11), des Weiteren entsprach es mit Sicherheit den Tatsachen, dass Marie Pachler eine zumindest in privaten Kreisen bekannte Interpretin und glühende Verehrerin vor allem der Klavierwerke Beethovens war.

    „Bis an 1 Uhr Fortepiano durch sie [Marie Pachler] – die einzige Hand, die ich diese Instrument ganz vollkommen spielen hörte, Bethovische [sic] Musik“ (Tagebuch Anton Prokesch 20. April 1822. Zitiert nach Locher 1990, S. 118).


    Zahlreiche bekannte Zeitgenossen standen in Kontakt mit Marie Pachler und äußerten sich zu ihrer Rolle im Kulturleben von Graz und zu ihrer musikalischen Bildung. Die Wertschätzung, die ihr zu ihren Lebzeiten entgegengebracht wurde, äußert sich in Briefen und in der zeitgenössischen Literatur. Die Maler Josef Abel und Joseph Teltscher, mit denen Marie Pachler ebenso persönlich bekannt war, porträtierten sie (siehe unten).


    Franz Schuberts Aufenthalt in Graz war nicht nur Inspiration für einige seiner Kompositionen, sondern wirkte sich besonders positiv auch auf Schuberts Gemütsverfassung aus.

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    Kompositionen im Zusammenhang mit Marie Pachler


    Der kompositorische Einfluss, den Marie Pachler auf Beethoven und Schubert ausübte, zeigt sich in folgenden Kompositionen. Diese stehen im weitesten Sinn mit ihr im Zusammenhang, d.h. sind ihr gewidmet oder auf ihre Anregung hin entstanden:


    Ludwig van Beethoven.

    „Das Schöne zu dem Guten“ WoO 202 (komponiert 1823 beim Abschied Marie Pachlers nach deren Besuch bei Beethoven in Vöslau).


    Franz Schubert.

    Schubert widmete Marie Pachler die Lieder op. 106 (Wien 1828):

    1. Heimliches Lieben (T: Karoline Louise von Klenke) D 922,

    2. Das Weinen (T: Karl Gottfried Leitner) D 926,

    3. Vor meiner Wiege (T: Karl Gottfried Leitner) D 927,

    4. An Sylvia (T: William Shakespeare. Übersetzer: Eduard v. Bauernfeld) D 891.


    Eine altschottische Ballade (T: aus Thomas Percys Reliques of Ancient English Poetry. Übersetzer: Herder) D 923 komponierte Schubert auf Anregung von Marie Pachler 1827 in Graz. Ursprünglich sollte das Lied Bestandteil der Lieder op. 106 (s. o.) werden, Schubert ersetzte es jedoch durch „An Sylvia“.


    „Kindermarsch“ in G-Dur für „Pianoforte zu 4 Händen“ D 928, zum Namenstag von Karl Pachler (4. November 1827), entstand in Wien auf Wunsch Marie Pachlers und wurde von Schubert von Wien aus nach Graz übermittelt. Die Uraufführung fand im Hause Pachler zum gegebenen Anlass, ausgeführt von Faust Pachler und dessen Mutter, statt.


    Zwölf Grätzer Walzer D 924 und Grätzer Galopp D 925 (komponiert und wahrscheinlich uraufgeführt im Hause Pachler 1827).

    Werkverzeichnis

    Die Kompositionen Marie Pachlers wurden nicht gedruckt und sind heute verschollen. Faust Pachler erwähnt auch „einige Lieder“. (Faust Pachler. Neue Berliner Musikzeitung. 20. Dezember 1865, S. 405.) Von einigen Klavierwerken sind die Titel überliefert.. Reihenfolge chronologisch, eine genaue Datierung ist nicht möglich.


    Menuette und Märsche [ca. 1803],

    Phantasie pour le Pianoforte par M[arie].K[Koschak] ca 1816 (Locher 1990, S.186),

    Bagatellen („Musikalische Portraits“) [1820er Jahre],

    Wiegenlied.

    Repertoire

    Marie Pachlers Repertoire als Pianistin umfasste vorwiegend Werke Ludwig van Beethovens und Franz Schuberts. Faust Pachler nennt u. a. folgende Werke von Beethoven:

    Sonaten op. 2 Nr. 1. op. 7, op. 14 Nr. 1, Nr. 2. op. 22, op. 26, op. 28, op. 31 Nr. 1, op. 49, Sonate pathétique (Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung. 3. Januar 1866, S. 1).


    Weiter heißt es:

    „Von den Sonaten mit Violinbegleitung spielte sie ebenfalls mehrere ganz vorzüglich, nur an die Clavierwerke mit den hohen Opuszahlen 106 u.s.f. wagte sie sich nicht, entweder weil sie ihrem Geschmacke nicht ganz zusagten oder weil es ihr später immer mehr und mehr an der zum Studium nöthigen Zeit fehlte. Man darf auch nicht vergessen, dass in ihrer Jugend sowohl die Clavierbau- als die Clavierspiel-Technik eine andere war, als sie jetzt ist. An geistvoller Auffassung und Wiedergabe würde sie auch heut zu Tage noch und zu allen Zeiten mit den Besten rivalisieren können“ (Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung. 3. Januar 1866, S. 1).


    Nur wenige Konzertauftritte Marie Pachlers können konkret genannt werden. Nach ihrer Verheiratung dürfte sie ausschließlich im privaten oder halb-öffentlichen Bereich ihres Salons in der Grazer Herrengasse oder im Sommersitz (Hallerschloss, Graz) in Erscheinung getreten sein, wo sie nach eigenen Aussagen mehr Ruhe für die Musik fand.

    Alle rekonstruierten Konzertangaben beziehen sich (mit einer Ausnahme) auf Auftritte in Graz:


    24. Juli 1805, gemeinsam mit ihrer Schwester im musikalischen Salon ihrer Eltern (Beethoven)

    3. März 1808 „Liebhaberconcert“, Concert von Steibelt, am Klavier ein „vierzehnjähriges Fräulein“, vermutlich identisch mit Marie Koschak (Sonnabendanhang der Grätzer Zeitung 12. März 1808. Janes 1995, S. 11).

    22. Dezember 1811, Wohltätigkeitsakademie, Klavierpart in Ludwig van Beethovens Chorfantasie, im „Ständischen Redoutensaal“ Graz.

    Juli 1812 Triest, „Abend-Akademie zu Ehren Marie Koschaks“, Auftritt im privaten Bereich (Faust Pachler. In: Neue Berliner Musikzeitung. 13. Dezember 1865, S. 398).

    9. September 1819, Improvisationen auf der Orgel, anlässlich der Hochzeit von Friederike Piller und Franz Kaltenegger, Kirche von Maria Trost in Graz.

    7. April 1822, Beethoven, Trauermarsch beim Tod eines Helden (Locher 1990, S. 16).

    April 1822 [Rossinis?] Gebet und Romanze aus Othello, frei improvisierte Portraits (Locher 1990, S. 17).

    4. November 1827, Schubert, „Kindermarsch“ in G-Dur für „Pianoforte zu 4 Händen“ D 928 (mit Faust Pachler).

    Februar 1930, Klavierbegleitung von Schubertliedern.

    Quellen

    Handschriftliche Quellen


    Briefe von Marie Pachler Koschak an verschiedene Personen in den Nachlässen von Faust Pachler und Anton Prokesch Osten: Wien Bibliothek, Steiermärkische Landesbibliothek Graz, Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Universitätsbibliothek Graz

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    Gedruckte Quellen (chronologisch)


    Schneller, Julius. Fragmente über Grätz. 1. Kunstliebhaberey. In: Der Sammler 49. 23. April 1812. S. 198.


    Mailáth, Johann (Hg.). Leben der Sophie Müller, weiland K. K. Hofschauspielerin und nachgelassene Papiere. Wien: Ferdinand Ullrich, 1832.


    Münch, Ernst (Hg.). Julius Schneller's Lebensumriss und vertraute Briefe an seine Gattin und seine Freunde. Schneller´s hinterlassene Werke. Band 1. Stuttgart: J. Scheible, 1834.


    Münch, Ernst (Hg.). Briefwechsel zwischen Julius Schneller und seinem Pflegesohn Prokesch. Schneller´s hinterlassene Werke. Band 2. Leipzig und Stuttgart: J. Scheible, 1834.


    Münch, Ernst (Hg.). Julius Schneller´s Ideen über Literatur und Kunst, nebst ausgewählten Dichtungen […]. Schneller´s hinterlassene Werke. Band 3. Leipzig und Stuttgart: J. Scheible, 1834.


    Kreissle, Heinrich von. Franz Schubert. Wien: Carl Gerold’s Sohn, 1865.


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    Kalischer, Alfred Christlieb. Beethovens sämtliche Briefe. Kritische Ausgabe mit Erläuterungen. 3. Band. Berlin und Leipzig: Schuster & Loeffler, 1907.


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    Deutsch, Otto Erich. Schubert. Die Dokumente seines Lebens gesammelt und erläutert von Otto Erich Deutsch. Franz Schubert. Neue Ausgabe sämtlicher Werke. Serie VIII: Supplement. Band 5. Kassel: Bärenreiter, 1964.



    Sekundärliteratur (chronologisch)


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    Lohberger, Hans. Marie Pachler. In: Blätter für Heimatkunde 26/2/3. 1962. S. 81-84.


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    Harer, Ingeborg. Musikalische Wirkungsfelder der bürgerlichen Frau im Biedermeier. In: Barbara Boisits und Klaus Hubmann (Hg.). Musizierpraxis im Biedermeier. Spezifika und Kontext einer vermeintlich vertrauten Epoche. Symposion „Wenn man wüsste, was Sie bei Ihrer Musik denken“ (Franz Grillparzer in Beethovens Konversationsbuch). Betrachtungen zur Musizierpraxis des Biedermeier im sozio-politischen Kontext (=Neue Beiträge zur Aufführungspraxis 5). Wien: Mille Tre, 2004. S. 49-66.


    Hilmar, Ernst und Margret Jestremski (Hg.). Schubert-Enzyklopädie. Band 1. Tutzing: Schneider, 2004.


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    Harer, Ingeborg. Pachler, Familie. In: Rudolf Flotzinger (Hg.). Österreichisches Musiklexikon. Band 4. Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2005. S. 1706-1707.


    Herold, Anja. Pachler-Koschak, Marie, Maria (Leopoldine), geb. Koschak, verh. Pachler. In: Instrumentalistinnenlexikon. Freia Hoffmann (Hg.). Stand 2007. http://www.sophie-drinker-institut.de/cmsms/index.php?page=pachler-koschak-marie


    Cadenbach, Rainer. Oliver Korte, Nancy Tanneberger. Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen in Tagebüchern, Briefen, Gedichten und Erinnerungen / 2: Lachner - Zmeskall. München: Henle, 2009.


    Suppan, Wolfgang. Pachler, Familie. In: Steirisches Musiklexikon. 2. völlig überarbeitete und erweitere Auflage der Ausgabe 1962-1966. Graz: ADEVA, 2009. S. 405-505.



    Bilder


    Es gibt insgesamt zwei zeitgenössische Bilder.

    1. Ölgemälde von Josef Abel (1817). In:

    Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert. Sein Leben in Bildern. Zweite Auflage. Die Dokumente seines Lebens und Schaffens. Dritter Band. München: Georg Müller, 1913, S. 469, dasselbe

    http://www.beethoven-haus-bonn.de/sixcms/detail.php?id=15124&template=dokseite_digitales_archiv_de&_dokid=i2490&_sucheinstieg=freitextsuche&suchparameter=sv%5Bfulltext%5Dx%3Ax%3Axpachler&_seite=1


    dasselbe Bild in Farbe:

    Marie Leopoldine Pachler-Koschak (1794-1855) – Anonyme Miniatur

    Beethoven-Haus Bonn, B 2350

    http://www.beethoven-haus-bonn.de/sixcms/detail.php?id=15124&template=dokseite_digitales_archiv_de&_dokid=i3870&_sucheinstieg=freitextsuche&suchparameter=sv%5Bfulltext%5Dx%3Ax%3Axpachler&_seite=1


    2. Unvollendetes Aquarell von Josef Teltscher

    (ca. 1820), Privatbesitz

    Forschung

    Sowohl in der Beethoven- als auch in der Schubert-Forschung findet Marie Pachler zumeist Erwähnung, wobei sich die Angaben zu ihrer Person und ihrer Rolle im Zusammenhang mit den genannten Komponisten in der Regel auf die wichtigsten Daten beschränken. Ausführlicher und differenzierter ist über Marie Pachler in Beiträgen zur regionalen Kulturgeschichte (Graz, Steiermark) zu lesen. Eine intensive Befassung mit dem Salon der Familie Pachler liegt seit 1990 durch die Dissertation von Georg Locher vor, in der auch die Namen der Salon-Besucher und Besucherinnen aufgelistet werden.


    Marie Pachler kann darüber hinaus auch als typisches Beispiel für all jene Veranstalterinnen von Salons gesehen werden, deren Aktivitäten im Einzelnen kaum mehr nachgewiesen werden können. So gibt es keine Aufzeichnungen, die im Detail Auskunft über Marie Pachlers Kompositionen, Improvisationen am Klavier oder Auftritte als Schauspielerin in ihrem Salon geben.

    Forschungsbedarf

    Die Aufarbeitung der verfügbaren Quellen – vor allem die Zusammenstellung und Auswertung der Briefe von und an Marie Pachler – fehlt bislang. Dies mag darin begründet sein, dass diese in verschiedenen Nachlässen aufzuspüren wären. Hinzu kommt, dass insbesondere der Nachlass Faust Pachlers nicht nur äußerst umfangreich ist, sondern in mehreren Teilnachlässen an verschiedenen Orten aufbewahrt wird. Dasselbe trifft für den Nachlass von Maries Jugendliebe Anton Prokesch zu. Die Gründe für das zunehmende offensichtliche Stagnieren Maries kultureller Energien und schließlich ihre abnehmende Präsenz im Kulturleben mögen zwar vielschichtig sein, ihre auf lange Sicht unglückliche Ehe sowie der Verlust der für sie viele Jahre wichtigsten Bezugspersonen auf intellektueller und emotionaler Ebene (Julius Schneller, Anton Prokesch) spielten zusammen mit Gesundheitsproblemen mit Sicherheit eine entscheidende Rolle in diesem Zusammenhang. Die Beantwortung der Frage nach dem konkreten Einfluss ihres Lehrers Julius Schnellers auf ihr künstlerisches Wirken sowie nach Art und Weise, Anfang und Ende der über viele Jahre fortgeführten Beziehung zu Anton Prokesch wird erst im Zuge einer kulturhistorischen und genderbezogenen Auswertung der Schriften und Briefe aller Beteiligten möglich sein.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 220835355
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 1017673357

    Autor/innen

    Ingeborg Harer


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Silke Wenzel
    Zuerst eingegeben am 13.12.2015


    Empfohlene Zitierweise

    Ingeborg Harer, Artikel „Marie Pachler“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 13.12.2015.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marie_Pachler