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  • Marie König

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Marie König
    Lebensdaten:
    geb. in Löbau, Deutschland
    gest. in Dresden, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Pianistin, Musiklehrerin
    Charakterisierender Satz:

    „Reger Sinn für Musik, den ihre Aeltern schon längst erkannt hatten, wurde diesen dringende Aufforderung, ihre Tochter [Marie König] darfür ausbilden zu lassen und sie übergaben sie daher dem Unterricht eines erprobten Lehrers, des Kantor Klose, welcher, die ausgezeichneten Fähigkeiten seiner kleinen Schülerin erkennend, sich bald überzeugte, daß hier der Unterricht nicht bloß von seiner technischen Seite aufgefaßt, sondern vornehmlich so ertheilt werden müsse, daß auch auf das Geistige der Musik das junge Gemüth hingeleitet werde.“


    (Artikel „Marie Henriette König”. In: Neuer Nekrolog der Deutschen. 28. Jg. 1850.)


    Profil

    Marie König galt bereits als junges Mädchen als vielversprechende Musikerin, die ab dem Alter von 11 Jahren im sächsischen Raum als Pianistin, später auch als Musiklehrerin und Komponistin hervortrat. Ihre Vertonung von Heinrich Heines „Ich hab’ im Traum geweinet“ (erstmals erschienen als op. 3, 1848) erreichte eine große Popularität, und auch weitere ihrer Lieder und Klavierstücke waren weithin verbreitet und wurden mehrfach aufgelegt. Ihr früher Tod mit 19 Jahren trug zur Mythenbildung um ihre Person und ihre Kompositionen bei: Ihr Gesamtwerk, überwiegend bei Adolf Brauer in Dresden verlegt, beginnt mit dem Klavierstück „Melancholie“ (op. 1, ca. 1846) und endet mit dem Lied „Und wenn ich einst gestorben bin“, das anonym vervollständigt wurde (o. op. [op. 12], 1850).

    Orte und Länder

    Marie König wurde 1831 in Löbau geboren und verbrachte dort ihre Kindheit. 1844 kam sie für ihre Ausbildung zur Musiklehrerin nach Dresden, ließ sich dort nieder und konzertierte im sächsischen Raum. Sie starb 1850 in Dresden.

    Biografie

    Marie König wurde am 8. Januar 1831 in Löbau geboren, wo ihr Vater als Rechtsanwalt und Gerichtsdirektor arbeitete. Ihre Mutter war Sängerin und Instrumentalistin und trat auch in öffentlichen Konzerten auf. Von ihr erhielt Marie König die erste musikalische Ausbildung. Anschließend wurde sie von einem Löbauer Kantor Klose (Vorname unbekannt) in Klavier, Musiktheorie und Violine unterrichtet und trat bereits als Kind mehrfach öffentlich auf. Im Alter von etwa elf Jahren übernahm Marie König bei einem „Christbescheerungsconcert“, das ihr Lehrer jährlich veranstaltete, den ersten Part in Carl Czernys „Premier Potpourri concertant“ für zwei Klaviere zu sechs Händen, und spielte im Januar 1843 das Klavierkonzert F-Dur (op. 45) von Ignaz Moscheles mit Orchesterbegleitung.


    Von 1844 bis 1847 wurde Marie König von dem Pianisten und Komponisten Fritz Spindler (1817-1905) in Dresden zur Musiklehrerin ausgebildet und lebte zu dieser Zeit bei einer Tante in Dresden. Der vergleichsweise frühe Beginn einer musikalischen Berufsausbildung im Alter von 13 Jahren stand möglicherweise auch in Zusammenhang mit dem Tod des Vaters 1842 und der damit notwendig gewordenen finanziellen Absicherung. Parallel zu ihrer Ausbildung erhielt Marie König weiteren allgemeinbildenden Unterricht, u. a. in mehreren Fremdsprachen, und wurde ab 1846 zudem von dem Komponisten, Dirigenten und Kantor der Dresdner Kreuzkirche, Ernst Julius Otto (1804-1877), in Komposition unterrichtet. Bereits während ihrer Ausbildung, im Herbst 1845, gab Marie König in Löbau und Riesa erste eigene Konzerte. Ab 1847 konnte sie dann in Dresden „privatisierend“ als Musiklehrerin Fuß fassen (Michaelis 1888, S. 19) und wurde dabei von der Familie des späteren Klavierpädagogen, Dirigenten und Komponisten Anton Krause (1834-1907), der ebenfalls ein Schüler Fritz Spindlers war, unterstützt.


    Bekannt wurde Marie König innerhalb kürzester Zeit durch ihre Kompositionen. Ab 1846 erschienen im Dresdner Musikverlag Adolf Brauer mehrere Klavierstücke und zahlreiche Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, u. a. nach Texten von Wilhelm Müller, Heinrich Heine, Friedrich Rückert und nach eigenen Texten. Besonders ihre Vertonung von Heinrich Heines „Ich hab’ im Traum geweinet“ erreichte eine ungemeine Popularität (vgl. „Neue Berliner Zeitung“ vom 3. Juni 1863, S. 177; Tappert 1871, S. 829). Ein Teil ihrer Märsche für Klavier wurde von ihr selbst instrumentiert und von Dresdner Orchestern aufgeführt. Kurz vor ihrem Tod begann Marie König noch mit der Vertonung des Singspiels „Der Werber“, nach einem Libretto von Julius Otto jun., dem Sohn ihres Kompositionslehrers; eines der Lieder aus diesem Singspiel, „Als ich einst in weiter Ferne“, wurde posthum veröffentlicht.


    Marie König starb am 16. August 1850 in Dresden. Ein Erinnerungskonzert fand im März 1851 im Saal der Dresdner Harmonie statt.

    Würdigung

    Marie König gehörte in der Mitte des 19. Jahrhunderts sicherlich zu den ersten Frauen des städtischen Bürgertums, die – noch außerhalb des Konservatoriums – eine musikalische Berufsausbildung absolvierten und anschließend als Musiklehrerin erwerbstätig wurden. Zugleich erreichte sie mit ihren Kompositionen eine vergleichsweise große Popularität, die bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts anhielt (vgl. „Rezeption“).

    Rezeption

    Marie König wurde mit ihren Kompositionen nach 1850 in mehreren Lexika verzeichnet. Alfred Michaelis nahm sie 1888 in sein Lexikon „Frauen als schaffende Tonkünstler“ (Leipzig 1888) auf, und Franz Pazdírek verzeichnete ihre Kompositionen im „Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker“ (Wien 1904-1910). Zwei der Lieder Marie Königs wurden am 10. Febuar 1870 in einem Züricher Abonnementkonzert von einer Schweizer Sängerin, Frau Suter-Weber, aufgeführt; im gleichen Konzert trat auch der Dresdner Violoncellist Friedrich Grützmacher auf (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 18. Februar 1870, S. 126). Vermutlich wurden Marie Königs Lieder zu dieser Zeit immer noch weitergereicht.


    Für die Popularität ihrer Lieder sprechen auch zahlreiche Neuauflagen und Bearbeitungen. So wurde ihr Lied „Ich hab’ im Traum geweinet“ z. B. 1863 bei Brauer in Dresden neu aufgelegt und die „Neue Berliner Musikzeitung“ rezensierte: „Wir fürchten, den Zorn unserer schönen Leserinnen gegen uns zu richten, wenn wir dem genannten Liede den hohen Werth absprechen wollten. Nun, so hat es den Werth, sich bei der musikalischen Damenwelt popularisirt zu haben, wozu die Heine’schen Textesworte allerdings auch ihr Contingent gestellt haben mögen. Das Lied ist in zwei Ausgaben erschienen, für Sopr. in As, für Alt in F.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 3. Juni 1863, S. 177) Im Jahr 1854 erschienen vier Lieder Marie Königs in einer Klaviertranskription von Moritz Uhle: „Ich hab’ im Traum geweinet“, „Heller ward mein inneres Leben“, „Die Maienglöckchen blühen schon“ und „Und wenn ich einst gestorben bin“. Sie wurden 1860 ein weiteres Mal aufgelegt, nachdem sie bereits in der Erstauflage von der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als „Zuckerwaare“ rezensiert worden waren: „Moritz Uhle, Transcriptionen. Lieder von Marie König, für das Pianoforte übertragen [...]. „Die beiden vorliegenden Hefte dieser Sammlung enthalten im gewöhnlichen, an Hrn. Nosellen oder Hrn. Goria erinnernden Pianistenstyl gehaltene Uebertragungen des Liedes: ‚Ich hab’ im Traum geweinet‘, und ‚Und wenn ich einst gestorben bin‘. Wir kennen die Lieder in ihrer ursprünglichen Form nicht, nach diesen Transkriptionen zu urtheilen, stehen sie jedoch nicht höher, als die Gumbert’schen oder Krebs’schen Gesänge. Wer an solcher leichter Zuckerwaare Geschmack findet, wird auch gegenwärtige für das Pianoforte zugerichtete Liedchen gern in sein Repertoire aufnehmen.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 12. Januar 1855, S. 31) Weitere Bearbeitungen lassen sich bis Ende der 1880er Jahre nachweisen: Philipp Grasmann bearbeitete „Ich hab’ im Traum geweinet“ 1881 für Zither mit Gesang ad libitum (erschienen bei Grasmann in Frankfurt a. M. 1881), und Theodor Zillmann arrangierte das Lied für vierstimmigen Männerchor (erschienen bei Adolf Brauer in Dresden 1888).



    Bearbeitungen von Liedern Marie Königs


    Uhle, Moritz. Transcriptionen. Lieder von Marie König. Nr. 1: Ich hab’ im Traum geweinet – Nr. 2 Heller ward mein inneres Leben – Nr. 3 Die Maienglöckchen blühen schon – Nr. 4 Und wenn ich einst gestorben bin. Dresden: Brauer, 1854 und 1860.


    Grasmann, Philipp. Kompositionen für Zither. Frankfurt a. M.: Grasmann, 1881. Darunter auch: Koenig, Marie, Ich hab’ im Traum geweinet, arrangiert für Zither (mit Gesang ad libitum).


    Zillmann, Theodor. König, Marie, op. 5. No. 1. „Ich hab’ im Traum geweinet“ für vierstimmigen Männerchor arrangiert von Theodor Zillmann, Dresden: Brauer 1888.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Melancholie für Klavier, op. 1. Neue Ausgabe. Dresden: Brauer, 1851 (Erstauflage ca. 1847, weitere Auflage 1863).


    Rhapsodie à la Hongrosie, op. 2. Dresden: Brauer, 1848.


    Ich hab’ im Traum geweinet (Heinrich Heine), op. 3 (auch: op. 5 Nr. 1). Dresden: Brauer, 1849.


    Zwei Lieder, op. 4. Dresden: Brauer, 1852.

    1. Heller ward mein inn’res Leben – 2. Ich habe den Frühling gesehen


    Frühlings-Blüthen. Lieder, op. 5. Dresden: Brauer, 1849/50

    1. Ich hab’ im Traum geweinet (auch als op. 3) – 2. Vögleins Tod (Ghasel von Friedrich Rückert) – 3. Abschied – 4. Wo ein treues Herze in Liebe vergeht – 5. Frühlingslied (W. Este) – 6. Ich bin allein gestanden (Wilhelm Müller)


    Leichte Potpourris über beliebte Opernmelodien und Lieder, leicht arrangiert zu vier Händen, op. 6: Heft 1–3. Dresden: Brauer, 1849

    Heft 1: Julius Otto: „Das treue deutsche Herz“ – Felix Mendelssohn Bartholdy: „Entflieh’ mit mir“ und „Auf ihrem Grab“ – Abt: „Wenn die Schwalben“ – Vincenzo Bellini: Arie und Duett aus „Norma“

    Heft 2: Kreipl: „S’Mailüfterl“ – Felix Mendelssohn Bartholdy: „Es ist bestimmt“ – Vincenzo Bellini: Quintett aus „Capuleti“

    Heft 3: Felix Mendelssohn Bartholdy: „Jägers Abschied“ – Friedrich von Flotow: „Stradella-Hymne“ – Kücken: „Maurisches Ständchen“.


    Marsch für Klavier, op. 7. Dresden: Brauer, 1849.


    Abschiedsgruss, op. 8. Dresden: Brauer, 1849.


    Ungarischer Marsch für Klavier, op. 9. Dresden: Brauer, 1850.


    Herbstviolen. Fünf Lieder, op. 10. Dresden: Brauer, 1850.

    1. O hast du nicht einmal ein Lied gesungen – 2. So bist du nun auch zerronnen – 3. Du bist wie eine Blume – 4. Nachtlied – 5. In der tiefen Grabesstille


    Vier Lieder, op. 11. Dresden: Brauer, 1852.

    1. Hans und Grethe – 2. Freude in Ehren – 3. In Grün will ich mich kleiden – 4. Wenn du mich halt nit willst.


    Und wenn ich einst gestorben bin. Letztes Lied. Dresden: Brauer, 1850.


    Lied „Als ich einst in weiter Ferne“, aus dem Singspiel „Der Werber“ von Jul. Otto jun. (für Bariton), o. op. Schleusingen: Glaser, 1851

    Repertoire

    Lediglich zwei Werke, die Marie König noch als Kind aufführte, sind bekannt: Im Alter von etwa elf Jahren übernahm Marie König den ersten Part in Carl Czernys „Premier Potpourri concertant“ für zwei Klaviere zu sechs Händen und spielte im Januar 1843 das Klavierkonzert F-Dur (op. 45) von Ignaz Moscheles.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Marie Henriette König”. In: Neuer Nekrolog der Deutschen. 28. Jg. (1850), 1852.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.


    Tappert, Wilhelm. Die Frauen und die musikalische Composition. Teil 2. In: Musikalisches Wochenblatt, Jg. 2 (1871), S. 825-831.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 18. Februar 1870, S. 126.


    Neue Berliner Zeitung vom 3. Juni 1863, S. 177.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 12. Januar 1855, S. 31.



    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet mehrere Drucke von Kompositionen Marie Königs (Stand: 9. April 2009).

    Forschung

    Zu Marie König liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Marie König umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten. Beides ist besonders im Hinblick auf eine beginnende selbständige Berufs- und Erwerbstätigkeit von Frauen in der Mitte des 19. Jahrhunderts interessant.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 214914796
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 1017227152

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 15. April 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 17.04.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Marie König“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.4.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marie_König