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  • Marie Fromm

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Marie Fromm
    Lebensdaten:
    geb. unbekannt
    gest. nach

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Klavierpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Amongst the executive artists who appeared in Berlin shortly before the close of the season was a gifted countrywoman of yours, Madame Marie Fromm-Kirby, of Birmingham, whose pianoforte interpretations met with considerable appreciation, both on the part of the public and of the press. The lady proved herself an excellent musician in Beethoven’s Sonata in E flat major (Op. 27) and Brahms’s Sonata for violoncello and pianoforte, and she was equally successful in brilliant pieces by Henselt, Tschaikowsky, and Rubinstein. Madame Fromm-Kirby may always rely upon receiving a hearty welcome in Berlin at any future time.“


    „Unter den ausübenden Künstlern, die kurz vor Saisonende in Berlin auftraten, war eine begabte Landsmännin von Ihnen, Madame Marie Fromm-Kirby aus Birmingham, deren Interpretationen am Klavier bemerkenswerte Anerkennung erhielten, sowohl von Seiten des Publikums als auch von der Presse. Die Dame erwies sich in Beethovens Sonate Es-Dur (op. 27) und Brahms’ Sonate für Violoncello und Klavier als hervorragende Musikerin, und sie war ebenso erfolgreich mit brillanten Stücken von Henselt, Tschaikowsky und Rubinstein. Madame Fromm- Kirby kann sich darauf verlassen, dass sie in Zukunft jederzeit in Berlin herzlich willkommen sein wird.“


    (Otto Lessmann aus Berlin, in „The Musical Times“ vom 1. Mai 1901, S. 320)


    Profil

    Die Pianistin und Klavierpädagogin Marie Fromm studierte bei Clara Schumann am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. Nach ihrem Studium debütierte sie 1884 in den Londoner „Monday Popular Concerts“ und ließ sich anschließend in Birmingham nieder, wo sie mehr als vierzig Jahre lang als herausragende Solistin und Kammermusikerin sowie als Klavierpädagogin wirkte und zum Lehrkörper der „Birmingham and Midland Institute School of Music“ gehörte. Im Jahr 1932 zog Marie Fromm nach London und setzte dort ihre Lehrtätigkeit fort. Dabei unterrichtete sie nach verschiedenen, auf Clara Schumann aufbauenden klavierdidaktischen Konzepten, u. a. der Methodik Elisabeth Calands.

    Orte und Länder

    Marie Fromm wurde vermutlich in Schwerin geboren. Von 1880 bis 1884 studierte sie am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. das Fach Klavier und ließ sich anschließend in Birmingham nieder, wo sie die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte. Dort unterrichtete sie an der „Birmingham School of Music“. Im Jahr 1930 zog Marie Fromm nach London und setzte dort ihre Arbeit als Klavierpädagogin fort.

    Biografie

    Marie Fromm wurde ca. 1865 in Schwerin geboren; über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist bislang nur wenig bekannt. Ihre Mutter war Pianistin, und vermutlich erhielt Marie Fromm von ihr die erste musikalische Ausbildung. Am 15. September 1877 traten Marie Fromm und ihre Mutter bei einem Konzert, das der Leipziger Sänger August Meincke in Malchin (Mecklenburg-Vorpommern) veranstaltete, als Klavierduo auf. Die beiden Pianistinnen spielten u. a. Ferdinand Hillers Duo über „Lützows wilde Jagd“ von Carl Maria von Weber für zwei Klaviere (op. 108) (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“, Jg. 8 [1877], S. 521).


    Von 1880 bis 1884 studierte Marie Fromm an Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt a. M. Klavier bei Clara Schumann. Zwar hatte Joachim Raff, zu dieser Zeit Direktor des Konservatoriums, Marie Fromm zunächst Carl Fälten zugewiesen, worüber sich Clara Schumann „so erregte, daß sie kündigen wollte“ (Cahn 1979, S. 78), änderte jedoch später seinen Beschluss. Am 8. Dezember 1879 schrieb Clara Schumann an Johannes Brahms: „[...] soeben erhielt ich durch Frl. Fromm einen Brief von Raff, worin er sie mir ganz offiziell zuerteilt! ... und nun habe ich sie und nach einem kurzen Stück, das sie mir gespielt, gesehen, daß sie mehr Talent hat, als alle die anderen.“ (Schumann/Brahms Briefwechsel 1927, S. 198) Über ihren Studienbeginn bei Clara Schumann berichtete Marie Fromm 1932 rückblickend in „The Musical Times“: „Behold the terrified little flapper, hardly fifteen years old, trembling before the greatest pianist of the day, making her first real step in musical training with the ‚Moonlight’ Sonata! I had thought this was easy enough to play, but a month later I was still struggling with the first movement, heartily wishing I were dead. Everything was wrong, the arms stiff, the finger articulation totally inadequate, no knowledge of the structure of the muscles or of their uses, and as for singing tone – I twisted my pigtails together in an agony of puzzlement. [...] To begin with we had to practise scales for an hour, thinking hard and listening to the tone still harder – if that were possible. After that came studies, then part of a concerto or sonata, or a big piece or two. We had two lessons a week, with three other pupils in the room in order that we might profit by each others’ struggles.“ („Stellen Sie sich den panischen kleinen Backfisch vor, kaum 15 Jahre alt, zitternd vor der größten Pianistin der Zeit, ihren ersten wirklichen Schritt in Richtung einer musikalischen Ausbildung machend, mit der ‚Mondscheinsonate’! Ich dachte, diese wäre leicht genug, um sie zu spielen, aber einen Monat später kämpfte ich immer noch mit dem ersten Satz, von Herzen wünschend, ich wäre tot. Alles war falsch, die Arme steif, die Artikulation in den Fingern vollkommen unangemessen, keine Vorstellung von der Muskelstruktur bzw. von deren Gebrauch, und was den singenden Ton angeht – ich verdrehte meine Zöpfe ineinander, in der Qual völliger Verwirrung. [...] Wir sollten zu Beginn eine Stunde Tonleitern üben, dabei stark nachdenken und noch stärker auf den Ton hören – falls das möglich war. Danach kamen Etüden, dann ein Teil aus einem Konzert oder einer Sonate, oder ein größeres Stück oder zwei. Wir hatten zwei Unterrichtsstunden pro Woche, gemeinsam mit drei anderen Schülerinnen, damit wir gegenseitig aus unseren Fehlern lernten.“; Fromm 1932, S. 615) Zu den Frankfurter Kommilitoninnen dieser Zeit gehörten auch die englischen Pianistinnen Fanny Davies und – zeitlich versetzt – Mathilde Verne, die in ihren Lebenserinnerungen, „Chords of Remembrance“ Marie Fromm als eine von „Mme Schumann’s very brilliant pupils“ („Madame Schumanns herausragenden Schülerinnen“ beschrieb (Verne 1936, S. 39).


    Im Anschluss an ihr Studium konnte sich Marie Fromm als Solistin, Kammermusikerin und Klavierpädagogin im englischen Musikleben etablieren. Auf Vermittlung Clara Schumanns (vgl. Fromm 1932, S. 616) debütierte sie Ende November 1884 in den Londoner „Monday Popular Concerts“ und spielte dabei Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierfantasie fis-Moll (op. 28) sowie den Klavierpart eines Haydn-Trios, dessen Violinstimme die berühmte Geigerin Wilma Neruda übernahm. Die „London Times“ schrieb über das Debüt: „It is necessary to take brief notice of the first appearance in England of a new and promising pianist, Mdlle. Marie Fromm, which took place at last night’s Popular Concert. Mdlle. Fromm is a pupil of Madame Schumann, and the influence of that great artist can easily be recognized in the young lady’s intelligent phrasing and technical finish of style. Whether, in addition to this, she possesses the individual qualities which go to the making of an artist of the first class. It would be premature to decide after last night’s performance, which was limited to Mendelssohn’s Fantasia in F sharp minor and the pianoforte part in one of Haydn’s trios. Mdlle. Fromm was favourably received.“ („Man sollte kurz Notiz vom ersten Auftreten einer neuen und vielversprechenden Pianistin, Mdlle. Marie Fromm, in England nehmen, das im gestrigen Popular Concert stattfand. Mdlle. Fromm ist eine Schülerin von Madame Schumann, und der Einfluss dieser großen Künstlerin ist in der durchdachten Phrasierung und technisch-stilistischen Vollkommenheit der jungen Dame leicht zu erkennen. Ob sie darüber hinaus persönliche Qualitäten besitzt, die aus ihr eine erstklassige Künstlerin machen werden, wäre nach der gestrigen Aufführung, die auf Mendelssohns Fantasie fis-Moll und den Klavierpart in einem Haydn-Trio begrenzt war, verfrüht zu entscheiden. Mdlle. Fromm wurde wohlwollend aufgenommen.“; „The Times London“ vom 25. November 1884, S. 11) Bereits wenige Tage später, am 6. Dezember 1884, folgte ein zweiter Auftritt, diesmal im Rahmen der „Saturday Popular Concerts“. Dabei spielte Marie Fromm Clara Schumanns Scherzo d-Moll (op. 10) und übernahm den Klavierpart in Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 1 d-Moll (op. 49) (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Januar 1885, S. 14).


    In den folgenden Jahren, bis 1892, lassen sich keine Konzerte Marie Fromms nachweisen. Sie heiratete einen Mr. Kirby, behielt jedoch in der Öffentlichkeit ihren Mädchennamen bei. Spätestens ab 1892 lebte sie in Birmingham und wurde innerhalb kürzester Zeit als Solistin, Kammermusikerin und Klavierpädagogin in das dortige Musikleben integriert. Sie gab wieder regelmäßig eigene Konzerte in Birmingham und – seltener – in London, wirkte bei Konzerten ihrer Kolleginnen und Kollegen mit, trat mehrfach als Solistin mit Klavierkonzerten auf und unterrichtete an der „School of Music“ des „Midland Institute“ in Birmingham.


    Am 11. Februar 1892 trat Marie Fromm in der Masonic Hall in Birmingham mit Robert Schumanns „Carnaval“ (op. 9) und Franz Liszts „Réminiscences de Don Juan (Mozart)“ auf, und die „Musical Times“ konstatierte: „The young lady is a good, if not exceptional, pianist, and her performances were warmly appreciated by the audience.“ („Die junge Dame ist eine gute, wenn nicht sogar herausragende Pianistin, und ihre Aufführungen wurden vom Publikum wärmstens aufgenommen.“; „The Musical Times“ vom 1. März 1892, S. 153) Gemeinsam mit dem Violoncellisten A. J. Priestley veranstaltete Marie Fromm am 13. Oktober 1892, wiederum in der Masonic Hall in Birmingham, ein Kammermusikkonzert, bei dem Johannes Brahms’ Violoncellosonate Nr. 1 e-Moll (op. 38) das erste Mal in Birmingham aufgeführt wurde (vgl. „The Musical Times“ vom 1. November 1892, S. 667). Bei einem weiteren Kammermusikkonzert, das Marie Fromm ein Jahr später gemeinsam mit einem Geiger Mr. Schiever in Birmingham veranstaltete, standen Felix Mendelssohn Bartholdys Fantasie fis-Moll (op. 28), Carl Tausigs „Ungarische Zigeunerweisen“ sowie Ludwig van Beethovens „Kreutzer-Sonate“ A-Dur (op. 47) für Violine und Klavier auf dem Programm („The Musical Times“ vom 1. Dezember 1893, S. 740).


    Ab 1898 stellte Marie Fromm in ihren Kammermusikkonzerten zudem bewusst neue Kompositionen vor. So berichtete die „Musical Times“ über ein Konzert am 8. Januar 1898 in den Edgbaston Assembly Rooms in Birmingham, bei dem Marie Fromm gemeinsam mit der Sopranistin Montague Fordham und dem Bassisten Ernest Sharpe auftrat: „The principal novelty was the first performance in England of a cycle of seven songs, given in German, by the Danish composer, Lange-Müller, intitled ‚Sulamith Lieder’. The accompaniments are extremely beautiful and almost symphonic in character, and were most effectively played by Madame Fromm.“ („Die wesentliche Neuigkeit war die englische Erstaufführung eines Zyklus von sieben deutschsprachigen Liedern des dänischen Komponisten [Peter Erasmus] Lange-Müller mit dem Titel ‚Sulamith Lieder’ [op. 6]. Die Begleitungen sind überaus schön und stets symphonisch im Charakter und wurden von Madame Fromm sehr wirkungsvoll gespielt.“; „The Musical Times“vom 1. Februar 1898, S. 113) In einer Matinee ein Jahr später, am 14. Januar 1899 am gleichen Ort, führte Marie Fromm wiederum gemeinsam mit der Sängerin Montague Fordham den Zyklus „Rosenlieder“ von Philipp zu Eulenburg erstmals in Birmingham auf (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Februar 1899, S. 114).


    Im Frühjahr 1901 gab Marie Fromm ein eigenes Konzert in Berlin, einen ihrer wenigen Auftritte, die sich außerhalb Birminghams nachweisen lassen. Otto Lessmann berichtete am 1. Mai 1901 in der „Musical Times“: „Amongst the executive artists who appeared in Berlin shortly before the close of the season was a gifted countrywoman of yours, Madame Marie Fromm-Kirby, of Birmingham, whose pianoforte interpretations met with considerable appreciation, both on the part of the public and of the press. The lady proved herself an excellent musician in Beethoven’s Sonata in E flat major (Op. 27) and Brahms’s Sonata for violoncello and pianoforte, and she was equally successful in brilliant pieces by Henselt, Tschaikowsky, and Rubinstein. Madame Fromm-Kirby may always rely upon receiving a hearty welcome in Berlin at any future time“. („Unter den ausübenden Künstlern, die kurz vor Saisonende in Berlin auftraten, war eine begabte Landsmännin von Ihnen, Madame Marie Fromm-Kirby aus Birmingham, deren Interpretationen am Klavier bemerkenswerte Anerkennung erhielten, sowohl von Seiten des Publikums als auch von der Presse. Die Dame erwies sich in Beethovens Sonate Es-Dur (op. 27) und Brahms’ Sonate für Violoncello und Klavier als hervorragende Musikerin, und sie war ebenso erfolgreich mit brillanten Stücken von Henselt, Tschaikowsky und Rubinstein. Madame Fromm- Kirby kann sich darauf verlassen, dass sie in Zukunft jederzeit in Berlin herzlich willkommen sein wird.“; „The Musical Times“ vom 1. Mai 1901, S. 320)


    Auch in den folgenden Jahren war Marie Fromm im Musikleben Birminghams und Umgebung präsent. So spielte sie z. B. am 22. Januar 1902 im Rahmen der „Chamber Concert Society“ in der Temperance Hall gemeinsam mit dem Streichquartett des Geigers Max Mossel das Klavierquintett op. 40 des russischen Komponisten Karl Davidow. Am 7. Februar 1902 gab sie ein Konzert in der Masonic Hall, bei dem u. a. drei Stücke Robert Schumanns, Charles-Valentin Alkans „Marche Triomphale“ (op. 27) und – gemeinsam mit der Geigerin Margaret Holloway – Anton Rubinsteins Violinsonate G-Dur (op. 13) auf dem Programm standen, und am 1. Mai 1902 trat Marie Fromm in der „Leamington Orchestral Society“ als Solistin unter der Leitung von Walter Warren mit einem der Klavierkonzerte Carl Maria von Webers auf (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Februar 1902, S. 119; vom 1. März 1902, S. 187; vom 1. Juni 1902, S. 411). Bei den von ihr veranstalteten Kammermusikkonzerten präsentierte sie zudem häufig bislang unbekannte Musikerinnen und Musiker. So notierte die „Musical Times“ z. B. am 1. Januar 1905 aus Birmingham: „Madame Marie Fromm, at her chamber concert on December 8, introduced to an English audience Herr Richard Sahla, a Leipzig violinist.“ („Madame Marie Fromm stellte bei ihrem Kammermusikkonzert am 8. Dezember Herrn Richard Sahla, einen Leipziger Geiger, dem englischen Publikum vor.“; „The Musical Times“ vom 1. Januar 1905, S. 45)


    Zu den Musikerinnen und Musikern, mit denen Marie Fromm regelmäßig konzertierte, gehörten auch die Geigerin und Joseph Joachim-Schülerin Elsa Wagner und der britische Violoncellist Willy Lehmann. Bei zwei Konzerten im Jahr 1906, am 25. April und am 12. November, in Birmingham und Newcastle brachte das Ensemble u. a. Klaviertrios von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann sowie das Klaviertrio Nr. 1 d-Moll (op. 32) von Anton Arensky zur Aufführung. Im Novemberkonzert begleitete Marie Fromm die Sängerin Meta Diestel in Ludwig van Beethovens „Gellert-Liedern“ (op. 48) und in Robert Schumanns Liederzyklus „Frauen-Liebe und Leben“ (op. 42) (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1906, S. 413; vom 1. Dezember 1906, S. 837). Auch mit dem Max Mossel-Streichquartett trat Marie Fromm weiterhin auf, so z. B. im Dezember 1909 in den „drawing-room concerts“ in Birmingham mit Ernst von Dohnányis Klavierquintett Nr. 1 c-Moll (op. 1) (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Januar 1910, S. 30). Bei einem Gastspiel des Londoner Queen’s Hall Orchestra in Birmingham spielte Marie Fromm unter der Leitung von Henry J. Wood Robert Schumanns Klavierkonzert in a-Moll (op. 54) (vgl. „The Musical Times“ vom 1. März 1908, S. 184).


    Neben ihren Konzerten in Birmingham und Umgebung trat Marie Fromm hin und wieder in London auf und veranstaltete dort auch eigene Konzerte in der Aeolian Hall, so z. B. am 25. Oktober 1906. Dabei spielte sie Robert Schumanns Klaviersonate Nr. 2 g-Moll (op. 22), Camille Saint-Saëns’ „Caprice sur les airs de ballet Alceste de Gluck“ (o. op.), eine Etüde von Sigismund Thalberg und mehrere kleinere Klavierstücke und führte mit dem Max Mossel-Streichquartett Anton Arenskys Klavierquintett D-Dur (op. 51) auf: „Mme. Marie Fromm, whose recital took place [...] in the Aeolian-hall, made her name some years ago as an apt pupil of the most artistic school of piano-playing in Germany. She gave a very fine performance of Schumann’s G minor sonata, and several short pieces, among them a brilliant and interesting étude by Thalberg; she also took part with the Max Mossel Quartet in Arensky’s effective quintet for piano and strings.“ („Mme. Marie Fromm, deren Konzert [...] in der Aeolian Hall stattfand, machte sich vor einigen Jahren als eine repräsentative Schülerin der künstlerisch anspruchsvollsten Schule des Klavierspiels Deutschlands einen Namen. Sie gab eine ausgezeichnete Interpretation von Schumanns g-Moll Sonate und einige kleine Stücke, darunter eine brilliante und interessante Etüde von Thalberg; sie wirkte auch gemeinsam mit dem Max Mossel-Quartett in Arenskys wirkungsvollem Klavierquintett mit.“; „The Times London“ vom 27. Oktober 1906, S. 4) Am 24. Oktober 1912 trat sie nochmals in den Londoner „Promenade Concerts“ auf und spielte Ludwig van Beethovens Klavierkonzert G-Dur (op. 58) (vgl. „The Times London“ vom 25. Oktober 1912, S. 12).


    Neben ihrer regen Konzerttätigkeit war Marie Fromm eine gesuchte Klavierpädagogin. Sie unterrichtete an der „School of Music“ in Birmingham, die dem dortigen „Midland Institute“ angegliedert war und die bereits seit 1854 Bestand hatte. Die Schule galt mit über 700 Schülerinnen und Schülern als eine der größten Musikschulen des Landes. Zu ihren Kolleginnen und Kollegen gehörten etliche ihrer Kammermusikpartner. So bestand das Kollegium 1908 aus Max Mossel (Violine), Willy Lehmann (Violoncello), Marie Fromm, Rowland Winn, Arthur Cooke und Mr. G. H. Manton (Klavier), Mr. Perkins und Mr. Newey (Orgel), Mr. Breeden, Mr. Robinson, Mr. Mountford und Madame Siviter (Gesang) (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Januar 1909, S. 15). Als Marie Fromm am 22. März 1909 im Rahmen eines von der Schule veranstalteten Konzertes Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll (op. 37) spielte, rezensierte die „Musical Times“: „The orchestra of the Midland Institute School of Music gave a concert in the large Lecture Theatre on March 22, under the conductorship of Mr. Granville Bantock, which has to be recorded as one of the best achievements yet attained under the same régime. [...] Madame Marie Fromm played with her customary technical skill and musicianly insight Beethoven’s C minor Pianoforte concerto, in which she was admirably accompanied by the orchestra.“ („Das Orchester der Midland Institute School of Music gab im großen Vortragssaal am 22. März ein Konzert unter der Leitung von Mr. Granville Bantock, das als eine der besten Aufführungen, die unter seiner Leitung stattfanden, festgehalten werden muss. [...] Madame Marie Fromm spielte mit jener technischen Fähigkeit und musikalischen Auffassungsgabe, die wir von ihr gewohnt sind, Beethovens Klavierkonzert c-Moll und wurde wunderbar vom Orchester begleitet.“; „The Musical Times“ vom 1. Mai 1909, S. 329) Über ihre Schülerinnen und Schüler dieser Zeit ist nur wenig bekannt. Lediglich der Bericht über ein Schülerkonzert, das sie gemeinsam mit der Violoncelloklasse Willy Lehmanns am 6. Mai 1914 zugunsten des Stipendienfonds der Schule veranstaltete, nennt Namen: „The artists who appeared were Miss Brenda Sichel (violoncello), and Miss Margaret Russell, Miss Olive James, Miss Lucy Smith, Miss Mildred Moon, Miss Ethel Cobban, Miss Ridley Bailey, and Mr. W. J. Harris (pianoforte).“ („The Musical Times“ vom 1. Juni 1914, S. 402)


    Im Jahr 1930 ließ sich Marie Fromm aus unbekannten Gründen in London nieder und inserierte am 1. Dezember 1930 in der „Musical Times“. Den wenigen Worten dieser Anzeige lassen sich bereits wesentlich Züge ihre Klavierpädagogik entnehmen: „Marie Fromm is now in London, and ready to receive piano pupils. The best modern methods combined with the classical traditions of the Clara Schumann School, with special attention to easy memorising. 32, Acacia Road, N. W. 8.“ („Marie Fromm ist jetzt in London und bereit, Klavierschüler anzunehmen. Die besten modernen Methoden, verbunden mit den klassischen Traditionen der Clara Schumann-Schule, mit einem besonderen Augenmerk auf das rasche Auswendiglernen.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1930, S. 1064) In einem kurzen Leserbrief, der in der gleichen Ausgabe unter dem Titel „Playing from Memory“ („Über das auswendige Spiel“) erschien, präzisierte Marie Fromm ihre didaktischen Prinzipien: „Sir, - I have just come to London, and am much surprised to see in your valuabel and interesting paper indications of the difficulty which many people seem to have in learning pianoforte playing from memory. As a matter of fact, this is not a task to be mastered separately, but should come naturally from the way in which home practice is carried out. [...] In fact, given an ordinarily good ear and talent you cannot help knowing a piece in and out by heart the moment you have mastered it technically and mentally. I have studied the various modern methods of playing since I left Madame Schumann (of which the Caland system is the most efficient for concert playing, demonstrated by exponents like Busoni, Sauer, and others), and none of them seems to make s separate branch of memorizing.“ („Sir, - Ich bin gerade erst nach London gekommen, und bin sehr überrascht, in Ihrer wertvollen und interessanten Zeitung Hinweise auf Schwierigkeiten zu finden, die viele Menschen dabei zu haben scheinen, das auswendige Klavierspiel zu erlernen. Selbstverständlich ist dies keine Aufgabe, die isoliert gemeistert werden kann, sondern sie sollte ganz natürlich aus dem häuslichen Üben hervorgehen. [...] Wenn man ein durchschnittlich gutes Gehör und Talent hat, kann man es nicht verhindern, ein Stück in- und auswenig zu können, sobald man es technisch und geistig erfasst hat. Ich habe verschiedene moderne Klaviermethoden nach meinem Studium bei Madame Schumann studiert (von denen die Caland-Methode die wirkungsvollste für das Spiel im Konzert ist, propagiert von Vertretern wie Busoni, Sauer und anderen), und keine davon scheint aus dem auswenigen Spiel eine eigene Aufgabe zu machen.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1930, S. 1119-1120). Im Juli 1932 erschienen in der „Musical Times“ die bereits zitierten Erinnerungen Marie Fromms an das Studium bei Clara Schumann („Some Reminiscenes of My Music Studies with Clara Schumann“, in: „The Musical Times“ vom 1. Juli 1932, S. 615-616).


    Der weitere Lebensweg Marie Fromms, verh. Kirby, ist nicht bekannt.

    Würdigung

    Marie Fromm war nach ihrem Studium bei Clara Schumann am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. als Musikerin und Musikpädagogin fast fünf Jahrzehnte lang im britischen Musikleben präsent. Dabei konzentrierte sie ihre Arbeit vorwiegend auf Birmingham und Umgebung, erwarb sich jedoch einen Ruf, der weit über den relativ engen geographischen Rahmen hinaus ging. In Birmingham führte sie als Solistin und Kammermusikerin nicht nur zahlreiche Werke des klassisch-romantischen Repertoires auf, sondern präsentierte auch neue Kompositionen und stellte unbekannte Musikerinnen und Musiker dem Publikum vor. Gleichzeitig gehörte sie zu den erstrangigen Klavierpädagoginnen Englands und arbeitete kontinuierlich neue methodisch-didaktische Konzepte aus. Ihr kurzer Artikel „Some Reminiscences of my Music Studies with Clara Schumann“, der 1932 in der „Musical Times“ erschien, berühre – so Claudia de Vries – „wichtige Aspekte der klaviertechnischen Ausbildung bei Clara, die in anderen Schülerberichten vernachlässigt sind, und ist deshalb für das nachträgliche Verständnis von Clara Wieck-Schumanns Spielweise von großer Bedeutung.“ (de Vries 1996, S. 387)

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Marie Fromms werden derzeit kaum rezipiert. Lediglich im Rahmen der Forschungen über Clara Schumann ist ihr Name präsent (vgl. z. B. de Vries 1996). Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“.

    Werkverzeichnis

    Schriften


    Playing from Memory. In: „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1930, S. 1119-1120; vom 1. Februar 1931, S. 161; vom 1. November 1931, S. 1024.


    Some Reminiscences of My Music Studies with Clara Schumann. In: „The Musical Times“ vom 1. Juli 1932, S. 615-616

    Repertoire

    Eine Repertoireliste Marie Fromms kann aufgrund fehlender Forschungen derzeit nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Alkan, Charles-Valentin. Marche Triomphale op. 27


    Arensky, Anton. Klavierquintett D-Dur op. 51

    Arensky, Anton. Klaviertrio d-Moll op. 32


    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37

    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate Es-Dur op. 27 Nr. 1

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate cis-Moll op. 27 Nr. 2 („Mondscheinsonate“)

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)

    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Violine und Klavier Nr. 9 A-Dur op. 47 („Kreutzer-Sonate“)

    Beethoven, Ludwig van. Sechs Lieder (Gedichte von Christian Fürchtegott Gellert Gellert) mit Klavierbegleitung op. 48


    Brahms, Johannes. Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-Moll op. 38


    Davidow, Karl. Klavierquintett op. 40


    Dohnányi, Ernst von. Klavierquintett Nr. 1 c-Moll op. 1


    Eulenburg, Philipp zu. Rosenlieder


    Haydn, Joseph. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)


    Henselt, Adolph. Klavierstücke (keine Präzisierung möglich)


    Hiller, Ferdinand. Klavierduo über „Lützows wilde Jagd“ von Carl Maria von Weber op. 108


    Lange-Müller, Peter Erasmus. Sulamith-Lieder op. 6


    Liszt, Franz. Réminiscences de Don Juan (Mozart)


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierfantasie fis-Moll op. 28

    Mendelssohn Bartholdy. Klaviertrio d-Moll Nr. 1 op. 49


    Rubinstein, Anton. Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 G-Dur op. 13

    Rubinstein, Anton. Klavierstücke (keine Präzisierung möglich)


    Saint-Saëns, Camille. Caprice sur les Airs de ballet Alceste de Gluck o. op.


    Schumann, Clara. Scherzo d-Moll op. 10


    Schumann, Robert. Carnaval op. 9

    Schumann, Robert. Klaviersonate Nr. 2 g-Moll op. 22

    Schumann, Robert. Frauen-Liebe und Leben op. 42

    Schumann, Robert. Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54

    Schumann, Robert. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich)


    Tausig, Carl. Ungarische Zigeunerweisen (keine Präzisierung möglich)


    Thalberg, Sigismund. Etüde (keine Präzisierung möglich)


    Tschaikowsky, Peter I. Klavierstücke (keine Präzisierung möglich)


    Weber, Carl Maria von. Konzert für Klavier und Orchester (keine Präzisierung möglich)

    Quellen

    Literatur


    Cahn, Peter. Das Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M.: Kramer, 1979.


    De Vries, Claudia. Die Pianistin Clara Wieck-Schumann. Interpretation im Spannungsfeld von Tradition und Individualität (= Schumann Forschungen Bd. 5). Mainz, London u. a.: Schott, 1996.


    Fromm, Marie. Playing from Memory. In: „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1930, S. 1119-1120; vom 1. Februar 1931, S. 161; vom 1. November 1931, S. 1024.


    Fromm, Marie. Some Reminiscences of My Music Studies with Clara Schumann. In: „The Musical Times“ vom 1. Juli 1932, S. 615-616.


    Schumann, Clara/Johannes Brahms. Briefe aus den Jahren 1853-1896. Berthold Litzmann (Hg.). Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1927.


    Verne, Mathilde. Chords of Remembrance. London: Hutchinson, 1936.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Musikalisches Wochenblatt, Jg. 8 (1877), S. 521.


    The Musical Times vom 1. Januar 1885, S. 14.

    The Musical Times vom 1. März 1892, S. 153.

    The Musical Times vom 1. November 1892, S. 667.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1893, S. 740.

    The Musical Times vom 1. Februar 1898, S. 113.

    The Musical Times vom 1. Februar 1899, S. 114.

    The Musical Times vom 1. Mai 1901, S. 320.

    The Musical Times vom 1. Februar 1902, S. 119.

    The Musical Times vom 1. März 1902, S. 187.

    The Musical Times vom 1. Juni 1902, S. 411.

    The Musical Times vom 1. Januar 1905, S. 45.

    The Musical Times vom 1. Juni 1906, S. 413.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1906, S. 837.

    The Musical Times vom 1. März 1908, S. 184.

    The Musical Times vom 1. Januar 1909, S. 15.

    The Musical Times vom 1. Mai 1909, S. 329.

    The Musical Times vom 1. Januar 1910, S. 30.

    The Musical Times vom 1. Juni 1914, S. 402.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1930, S. 1064.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1930, S. 1119-1120.

    The Musical Times vom 1. Juli 1932, S. 615-616.


    The Times London vom 25. November 1884, S. 11.

    The Times London vom 27. Oktober 1906, S. 4.

    The Times London vom 25. Oktober 1912, S. 12.

    Forschung

    Claudia de Vries hat 1996 im Rahmen ihrer Arbeit über die Pianistin Clara Schumann auch auf deren Schülerin Marie Fromm aufmerksam gemacht (vgl. de Vries 1996).

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Marie Fromm umfasst sowohl ihre Biografie als auch ihre Tätigkeiten. Besonders interessant wäre dabei die Verbreitung und Weiterentwicklung der Clara Schumann-Schule in England, die dort durch zahlreiche ihrer Schülerinnen vertreten wurde, darunter Mathilde Verne, Fanny Davies, Amina Goodwin und Adelina de Lara.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg und Regina Back
    Zuerst eingegeben am 28.01.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Marie Fromm“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 28.1.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marie_Fromm