Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (105%)
  • DeutschEnglish
  • Marie Bigot

    von Monika Schwarz-Danuser
    Marie Bigot (1786-1820). Fotografie eines anonymen Holzschnitts oder einer Zeichnung des 19. Jahrhunderts.
    Namen:
    Marie Bigot
    Geburtsname: Anne Marie Cathérine Kiené
    Varianten: Marie Kiené, Marie Bigot de Morogues, Marie Anne Marie Cathérine Bigot, Marie Anne Marie Cathérine Kiené, Marie Anne Marie Cathérine Bigot de Morogues
    Lebensdaten:
    geb. in Colmar, France
    gest. in Paris, France
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Klavierpädagogin, Salonière
    Charakterisierender Satz:

    „Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, das Talent von Mme Bigot zu beschreiben. Verbinden Sie die Feinfühligkeit und den Charme von Marie Pleyel mit der träumerischen Anmut von Chopin; fügen Sie den enthusiastischen Schwung von Liszt hinzu, so gewinnt man eine ungefähre Vorstellung von der wundervollen Interpretation von Mme Bigot. Ein übernatürlicher Instinkt, eine Art von genialer Eingebung ließen sie augenblicklich die Idee des Komponisten erkennen, sein Ziel und die Entwicklungen, die der Hauptidee zugrundeliegen, und vermittelten ihr dergestalt den anvisierten Ausdrucksgehalt jedes musikalischen Satzgliedes und der entsprechenden klanglichen Realisierung.“


    Dictionnaire du XIX Siècle par Pierre Larousse, Paris 1786-1820, Bd. 2, Sp. 729. (Übersetzung der Autorin)


    Profil

    Marie Bigot war eine ausgezeichnete Pianistin und trat sowohl öffentlich in Konzerten als auch halböffentlich im Rahmen musikalischer Salons auf. Durch die Berufstätigkeit ihres Mannes im Hause des Grafen Rasumovsky lernte sie Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven kennen. Dieser war häufiger Gast bei der Familie Bigot. Möglicherweise erteilte er Marie Bigot auch Unterricht, die häufig seine neuesten Kompositionen kennen lernte und auch die „Appassionata“ aus dem Autograf gespielt haben soll.

    Ihre Tätigkeit als Klavierpädagogin, die sie vermutlich schon in Wien begonnen hatte, musste sie in Paris verstärkt fortsetzen, da sie infolge der Gefangenschaft ihres Mannes im Russlandfeldzug Napoleons gezwungen war, den Lebensunterhalt für sich und die beiden Kinder zu verdienen.

    Zeitgenossen beschrieben Marie Bigot als versierte Komponistin. Bedauerlicherweise konnten bislang nur wenige Kompositionen von ihr aufgefunden werden.

    Orte und Länder

    Marie Bigot war zunächst in Wien tätig, wo sie sich sowohl öffentlich als auch halböffentlich für das Werk Beethovens einsetzte. Nach ihrer Übersiedlung nach Paris im Jahre 1809 gehörte sie zu den frühen Wegbereitern von Werken der Wiener Klassiker als auch Johann Sebastian Bachs.

    Biografie

    Anne Marie Cathérine Kiené wurde am 3. März 1786 in Colmar geboren. Sie erhielt ersten pianistischen Unterricht von ihrer Mutter Marie-Catherine Kiené und vermutlich später auch von anderen Lehrern. Im Jahre 1791 zog die Familie nach Neuchâtel in der Schweiz. Dort verbrachte sie ihre Jugend und dort lernte sie den aus Berlin stammenden Hugenotten Paul Bigot de Morogues kennen, den sie im Jahr 1804 heiratete. Diese Verbindung bedeutete für die Bürgerliche zweifelsohne einen gesellschaftlichen Auftstieg. Im selben Jahr zog das Paar nach Wien, wo Paul Bigot eine Stelle als Bibliothekar des musikliebenden Grafen Andrej K. Rasumovsky antrat. In dessen Salon lernte Marie Bigot Joseph Haydn, Antonio Salieri und Ludwig van Beethoven kennen, für dessen Œuvre sie sich früh einzusetzen begann. Neben vermutlich halböffentlichen Auftritten im Hause Rasumovsky, trat Marie Bigot auch mehrfach in öffentlichen Konzerten in Wien auf. Beethoven war häufiger Gast im Hause Bigot, wo Marie Bigot ihm die „Appassionata“ aus dem Autograf vorspielte. Ob sie auch Klavierunterricht von ihm erhalten hat, ist nicht gesichert, aber zumindest möglich. Mehrere Briefe Beethovens an Marie Bigot und ihren Gatten legen die Vermutung nahe, dass Beethoven sich von Marie Bigot angezogen fühlte. Im Zuge der napoleonischen Wirren zog die Familie Bigot 1809 nach Paris. Hatten die Bigots schon im Kulturlebens Wiens „eine ziemliche Rolle gespielt“ (vgl. Pohl/Bostiber, Joseph Haydn, Leipzig 1927, S. 239.), so setzten sie diese Aktivitäten in Paris fort. Ihr Haus wurde zu einem neuen kulturellen Treffpunkt. Zusammen mit dem Geiger Pierre Baillot und dem Cellisten Jacques Michel Hurel de Lamare setzte sich Marie Bigot schon sehr früh für eine Verbreitung der pianistischen und kammmermusikalischen Werke Beethovens in Paris ein. Auch bei ihrer Tätigkeit als Lehrerin, die sie durch die Gefangennahme ihres Mannes in Russland auszuüben gezwungen war, dürften Werke der Wiener Klassiker im Zentrum gestanden haben. Zu ihren berühmtesten Schülern gehörten Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1816. Marie Bigot starb am 16. September 1820 bereits mit 34 Jahren an einem Lungenleiden, vermutlich Tuberkulose. Neben ihrer pianistischen Tätigkeit begann sie bereits in Wien zu komponieren. Dort erschien als op. 1 eine Klaviersonate und eine „Andante varié“ (op. 2) sowie später in Paris eine Sammlung von Etüden. Während Marie Bigot in ihrer pianistischen Laufbahn stark auf Beethoven konzentriert war, zeugt ihre Klaviersonate eher von der Rezeption Mozartscher Werke; hingegen weisen ihre Etüden bereits romantische Ausdrucksvaleurs auf.

    mehr zu Biografie weniger zu Biografie

    In Colmar befindet sich eine Gedenktafel an einem Haus in der Rue des Marchands Nr. 48: Sie gilt Marie Bigot de Morogues. Hier wurde sie am 3. März 1786 geboren und auf den Namen Anne Marie Cathérine Kiéné getauft. Ihre Eltern waren beide Musiker, der Vater Violinist, die Mutter Pianistin. Ihr Vater Joseph Kiéné, der 1749 geboren wurde, entstammte einer Familie aus Rouffach. Auf der Suche nach Schülern begab sich Joseph Kiéné nach Colmar, wo er mit dem als großem Musikliebhaber geltenden Schumacher Mathias Leyer bekannt wurde, dessen Tochter Marie-Cathérine er 1785 ehelichte (vgl. Perreau, „Une grande pianiste colmarienne“. In: Annuaire de la Société Historique et Littéraire de Colmar 12, 1962, S. 59-67).

    Im Jahre 1791 verließ die junge Familie Colmar, um sich in Neuchâtel in der Schweiz niederzulassen. Neuchâtel galt zur damaligen Zeit als ein musikalisches Zentrum aufgrund seiner im Jahre 1754 gegründeten Académie de Musique, deren Orchester sich weitgehend aus aristokratischen Dilettanten formierte und bisweilen durch professionelle bürgerliche Musiker ergänzt wurde. Nach Tätigkeiten in verschiedenen musikalischen Vereinigungen, welche auch die Organisation von Konzerten umfasste, wurde Joseph Kiéné im Dezember 1801 als Violinist im Orchester von Neuchâtel engagiert und 1810 zum Vizepräsidenten der benachbarten Société de Musique ernannt.

    In den Artikeln einschlägiger Lexika heißt es über Marie Bigot, sie habe ersten Klavierunterricht von ihrer Mutter erhalten. Angesichts des musikalischen Ambiente in Neuchâtel, in welchem sie aufwuchs, ist aber zu vermuten, dass auch noch andere Lehrer hinzugezogen wurden. Auf jeden Fall scheint sie bereits im Alter von 16 Jahren öffentlich aufgetreten zu sein. So heißt es am 29. Dezember 1801 in einer Verlautbarung des Konzertkomittes, das junge Künstler förderte: „Le comité voulant seconder les vues de M. le Directeur pour l’encouragement des jeunes artistes, en travaillant á l’agrément de nos concerts en même temps, a acceuilli la proposition faite d’inviter Mlle Köené l’aînée et d’autres, s’il y a lieu, en priant M. le Directeur de leur parvenir, dans ce cas, une honêteté.“ (zit. nach Edouard-M. Fallet, „Marie Bigot (née Kuéné) à Neuchâtel“. In: Schweizer Musikzeitung. Jg. 58. 1948. S. 420). „Das Komitee, das dabei helfen möchte, die Absichten des Direktors hinsichtlich seiner Förderung von jungen Talenten zu unterstützen, arbeitet an der Zulassung zu unseren Konzerten und hat den Vorschlag akzeptiert, Mademoiselle Koëné, die Ältere, und andere einzuladen. Falls die Konzerte stattfinden, bittet das Komitee den Herrn Direktor um seine Zustimmung.“ (Übersetzung d. Autorin)

    Ob das anvisierte Konzert tatsächlich stattgefunden hat, war bisher nicht zu ermitteln, gleichwohl lässt die zitierte Eingabe den Schluss zu, dass Marie Bigot durch ihre Eltern nicht auf ein bloßes Hausfrauendasein hin erzogen wurde, sondern sich ihre musikalischen Ambitionen auf ein Auftreten in der Öffentlichkeit richteten.

    Ihre Eheschließung mit dem 18 Jahre älteren Paul Bigot de Morogues im Jahre 1804 bedeutete zweifellos einen gesellschaftlichen Aufstieg, entstammte dieser doch einem bretonischen Adelsgeschlecht, das vor den Hugenottenverfolgungen in Frankreich ins preußische Berlin geflüchtet war. Paul Bigots Anwesenheit in Neuchâtel stand möglicherweise mit einer diplomatischen Mission im Auftrag des Berliner Hofes in Verbindung. Im Heiratsregister von Neuchâtel ist die Eheschließung mit folgenden Wortlaut beurkundet : „Le 9 dit [juillet 1804] M. Du Pasquier a béni le mariage de M. Paul Bigot, âgé de 36 ans, natif de Berlin, fils de M. Louis Bigot de Morogues et de dame Elisabeth d’Arnaud, avec Marie, agée de 18 ans, fille de Joseph Kuené de Ruffach en Alsace, musicien, habitant, et de Catherine Leyer.“ („Am 9. des Monats traute Monsieur Du Pasquier Monsieur Paul Bigot, 36 Jahre alt, gebürtig aus Berlin, Sohn von Monsieur Louis Bigot de Morogues und der Dame Elisabeth d’Arnaud, mit Marie, 18 Jahre alt, Tochter von Joseph Kuené aus Ruffach im Elsass, Musiker, Einwohner, und von Catherine Leyer.“ Zit. nach Edouard-M. Fallet, „Marie Bigot (née Kuéné) à Neuchâtel“. In: Schweizer Musikzeitung. Jg. 58. 1948, S. 420. Übersetzung d. Autorin). Aus dieser Eintragung wird das standesmäßige Denken, das die gesellschaftlichen Zustände zur damaligen Zeit prägte, deutlich, werden doch die Eltern von Paul Bigot mit „Monsieur“ und „Dame“ bezeichnet, während Maries Eltern gemäß ihrem bürgerlichen Status nur mit Namen genannt werden.

    Noch im selben Jahr zog das junge Ehepaar nach Wien, wo Paul Bigot eine Anstellung als Bibliothekar beim Grafen Rasumovsky antrat, der seit 1792 als russischer Botschafter dort tätig war. Sie wohnten, wie Johann Friedrich Reichardt in seinen „Vertrauten Briefen“ berichtet, im Palais des russischen Botschafters: „An einem schönen Vormittage habe ich auch einen angenehmen Gang zu dem entfernten, großen, fürstlichen Etablissement des Grafen Rasumovsky gemacht [...]. Ihn selbst verfehlte ich, allein Madame Bigot, deren Gemahl in den weitläufigen Gebäuden des Grafen, wie alle an ihn attachierte Künstler und Gelehrte, als dessen Bibliothekar, eine anständige Wohnung hat, fand ich von zwei allerliebsten Kindern umgeben, denen sie eine so sorgfältige und zärtliche Mutter zu sein scheint, als sie eine ebensolche Hausfrau sein soll. Dabei nun ein so großes Talent in so hohem Grade auszubilden, als sie das Fortepianospiel ausgebildet hat, und mehrere angenehme, an ihr gerühmte, weibliche Talente zu besitzen, ist wahrlich kein kleines Verdienst. Sie hatte die Güte, mir einige treffliche Haydnsche und Mozartsche Sonaten mit vieler Zartheit und wahrer Vollendung in der Ausübung hören zu lassen, und verspricht mir für die nächste Zeit einen ganzen musikalischen Abend in ihrer schönen, hellen Wohnung. Dann soll ich auf dem Fortepiano die größeren Werke ihres Lehrers Beethoven von ihr hören.“ (Johann Friedrich Reichardt, Vertraute Briefe. Eingeleitet und erläutert von Gustav Gugitz. Bd. 1. München 1915, S. 230f.)

    Dieser kurze, aber vielsagende Bericht Reichardts umschreibt treffend Marie Bigots musikalischen Fähigkeiten und entwirft darüber hinaus zugleich ein Charakterportrait ihrer Person.

    Auf jeden Fall nahmen die Bigots am regen gesellschaftlichen und kulturellen Leben teil, das – der widrigen politischen Verhältnisse im Zuge der napoleonischen Kriege zum Trotz – im Palais des Grafen damals herrschte. Hier lernte Marie Bigot Joseph Haydn, Antonio Salieri und eben auch Ludwig van Beethoven kennen, der häufiger Gast im Hause war und vom russischen Botschafter durch Kompositionsaufträge unterstützt wurde.

    Andrej Kyrillowitsch Rasumovsky (1752-1836), selber ein ausgezeichneter Geiger, der bereits mit Haydn und Mozart in freundschaftlichem Verkehr gestanden hatte, war seit 1796 mit Beethoven befreundet und regte ihn zu einer neuen Quartettserie, den drei Quartetten op. 59, an, in welchen Themen russischer Lieder verarbeitet werden.

    Nach Reichardts Bericht bezeichnete Marie Bigot Beethoven als ihren Lehrer. Allerdings ist nach den bisher vorliegenden Quellen nichts Näheres über die Art der Unterweisung bekannt. Ob Marie Bigot regelmässig Unterricht bei Beethoven hatte, oder ob er sie bei der Interpretation seiner Werke lediglich beraten hat, muss vorerst offen bleiben. Verbürgt ist jedoch, dass Marie Bigot sowohl in privatem Rahmen als auch öffentlich sich für Beethovens Werke einsetzte. Jene musikalische Soirée, die sie Reichardt in Aussicht gestellt hatte, wird von diesem ausführlich kommentiert: „Von den vielen großen und kleinen Musiken, die ich in den letzten Tagen wieder gehört und mit denen ich ganze Bogen anfüllen könnte, wenn ich sie Dir alle nennen oder gar beschreiben wollte, denn hier lebt und webt alles in Musik, muß ich Dir doch einen sehr angenehmen Abend bei Frau von Bigot besonders nennen. Sie hatte ihn mir zu Gefallen veranstaltet, um mir die großen Beethovenschen Sonaten und Trios hören zu lassen, von denen ich ihr letzt mit großer Teilnahme sprach. [...] Frau von Bigot hatte den Violinisten Schuppanzigh dazu eingeladen, dessen ausgezeichnetes Talent sich nirgend bestimmter und vollkommener ausspricht als im Vortrage der Beethovenschen Sachen. Er begleitete den Abend das vortreffliche Spiel der Virtuosin auch mit seiner ganzen Feinheit und pikanten Originalität. Sie spielte fünf große Sonaten von Beethoven ganz meisterhaft; eine war immer herrlicher als die andere; es war die Blüte eines vollen üppigen Künstlerlebens. In allen den Sachen ist ein Strom von Phantasie, eine Tiefe des Gefühls, für die es keine Worte, nur Töne gibt und die auch nur in das Herz und aus dem Herzen eines solchen Künstlers kommen, der seiner Kunst ganz lebt und mit ihr wachend träumt und träumend wacht.

    Eine kleine, recht auserwählte Gesellschaft um einen runden Teetisch genoß auch jeden Ton gar innig. [...] Das sind die seligsten Stunden, die die Kunst gewähren kann. Wenn andre, größere Veranstaltungen und Zusammenstimmungen den Geist und die Phantasie auch mächtiger heben und bewegen können, diese erfüllen am sichersten das Herz und lassen es mit der Phantasie so lieblich verschmelzen, daß beide eins werden und eine inniger beglückende Existenz gewähren.“ (Johann Friedrich Reichardt. Vertraute Briefe. Bd. 1. München 1915. S. 269f.)

    Reichardts Brief vermittelt ein anschauliches Bild der musikalischen Aktivitäten, die in vielfältigster Weise das damalige Wien auszeichneten. Dass gerade dieser musikalische Abend bei Bigots als besonders angenehm charakterisiert wird, lässt auf ein unprätentiöses Ambiente schließen. Die Gesellschaft ist gemischt, Bürger und Adelige, Männer und Frauen, wie aus weiteren Passagen des Briefes hervorgeht. Marie Bigot erscheint in der Charakterisierung Reichardts keineswegs nur als eine sehr gut spielende Dilettantin im damals positiven Sinne des Wortes, sondern als meisterhafte Virtuosin, die fünf große Sonaten von Beethoven spielt, dessen Œuvre ganz im Zentrum des Abends steht. Um welche Werke es sich im Einzelnen gehandelt hat, wird nicht genauer spezifiziert. Bei den Trios, die Marie Bigot mit dem Geiger Schuppanzigh und einem nicht genannten Cellisten vorgetragen hat, könnte es sich – außer um op. 1 – um die im Jahre 1808 entstandenen Klaviertrios op. 70 gehandelt haben, denn aufgrund des freundschaftlichen Verkehrs, den Beethoven mit der Familie pflegte, war Marie Bigot über den Stand seines Komponierens wohl gut unterrichtet.

    (Thayer berichtet in seiner Biografie über den zeitweise engen Kontakt zwischen Beethoven und dem Hause Rasumovsky: „Das waren die Jahre (1808-15), in welchen, nach Seyfrieds Erzählung, Beethoven im fürstlichen Hause sozusagen Hahn im Korbe war. Alles, was er komponierte, wurde dort brühwarm aus der Pfanne durchprobirt, und nach eigener Angabe haarscharf, genau, wie er es ebenso, und schlechterdings nicht anders haben wollte, ausgeführt, mit einem Eifer, mit Liebe, Folgsamkeit und einer Pietät, die nur solch glühenden Verehrern seines erhabenen Genius entstammen konnte, und einzig blos durch das tieffste Eindringen in die geheimsten Intentionen, durch das vollkommenste Erfassen der geistigen Tendenz gelangten jene Quartettisten im Vortrage Beethoven’scher Tondichtungen zu jener universellen Berühmtheit, worüber in der ganzen Kunstwelt nur eine Stimme herrschte.“ Vgl. Alexander Wheelock Thayer, Ludwig van Beethovens Leben, Hugo Riemann (Hg.). Bd. 2. Leipzig 1908. S. 75f.)

    Bereits ein früheres Konzert, diesmal ein öffentliches, findet in Reichardts Briefen Erwähnung. In seinem Bericht vom 16. Dezember 1808 schreibt er: „Auch ein Morgenkonzert haben wir wieder gehabt im kleinen Redoutensaale. Eine Madame Bigot, deren Mann ein braver, gebildeter Berliner, Bibliothekar bei dem Grafen von Rasumovsky ist, gab das Konzert und spielte mit großer Virtuosität das Fortepiano. Fürs große Publikum war die Wahl der Stücke zwar nicht gut getroffen, denn sie hatte eins der schwersten Konzerte und die allerschwersten, bizarrsten Variationen von Beethoven über ein sonderbares Thema von acht Takten gewählt. Dem Kenner zeigte sie aber desto sicherer eine recht fest gegründete Virtuosität. Ihr Vortrag war überall, auch bei den größten Schwierigkeiten, vollkommen deutlich und rein, und besonders zeigte sie eine seltene, große Fertigkeit und Sicherheit in der linken Hand. Das ganze Konzert bestand fast aus lauter Musik von Beethoven, der ihr Heiliger zu sein scheint.“ (Johann Friedrich Reichardt. Vertraute Briefe. Bd. 1. München 1915. S.187f. Bei den Variationen handelte es sich vermutlich um die 32 Variationen in C-moll über ein eigenes Thema, WoO 80, welche im Herbst 1806 entstanden sind und in enger Verbindung zum letzten Satz des 3. Streichquartetts op. 59 stehen.)

    Wahrlich berühmt jedoch wurde jene Geschichte, die sich mit der „Appassionata“ von Beethoven verbindet und die Paul Bigot, Jahre nach dem Tod seiner Frau, in ein gedrucktes Exemplar des Werkes notierte: „Während seiner Reise wurde er [Beethoven] von einem Sturme und Platzregen überrascht, welcher durch die Reisetasche durchdrang, in der er die eben komponierte Sonate in F moll trug. Nach seiner Ankunft in Wien besuchte er uns und zeigte lachend noch sein ganz nasses Werk meiner Frau, welche sich dasselbe näher betrachtete. Durch den überraschenden Anfang bewogen setzte sie sich ans Clavier und begann dasselbe zu spielen. Beethoven hatte das nicht erwartet und war überrascht zu sehen, wie Mad. Bigot keinen Moment sich durch die vielen Rasuren und Aenderungen, die er gemacht hatte, aufhalten ließ. Es war das Original, welches er im Begriffe war zu seinem Verleger zu bringen, um es stechen zu lassen. Als Mad. Bigot es gespielt hatte und ihn bat, ihr damit ein Geschenk zu machen, gab er seine Zustimmung und brachte es ihr treulich zurück, nachdem es gestochen war“ (Alexander WheelockThayer. Ludwig van Beethovens Leben, Hugo Riemann (Hg.). Bd. 2. Leipzig 1908. S. 551.). Wie authentisch ist diese viele Jahre später niedergeschriebene Geschichte? Die Begebenheit wurde vermutlich im Hause Bigot immer wieder erzählt und hielt die Erinnerung an den berühmten Komponisten im Gedächnis wach. Und tatsächlich weist das Autograf des Werkes, das sich heute in Paris befindet, Spuren von Wasserflecken auf, von denen Bigot berichtet hat.

    Im Zuge der französischen Besetzung des Landes verließ das Ehepaar mit seinen beiden Kindern Wien im Jahre 1809 und siedelte sich in Paris an. Dieser Umzug gestaltete sich wohl schwieriger als der Wechsel von Neuchâtel nach Wien. Aus den mir bisher vorliegenden Quellen geht nicht hervor, wie Bigot den Lebensunterhalt verdiente. Seiner Frau scheint es jedoch bald gelungen zu sein, ihr neues Zuhause zu einem musikalischen Salon auszubauen. Sie knüpfte Kontakte zu Luigi Cherubini und zu Daniel Auber, bei denen sie Komposition und Harmonielehre studierte, ferner zu Johann Baptist Cramer, Muzio Clementi sowie Jan Ladislav Dussek. Mit dem Geiger Pierre Baillot und dem Cellisten Jacques Michel Hurel de Lamare bildete sie ein Trio, das sich der Aufführung von Werken Johann Sebastian Bachs, Haydns, Mozarts und Beethovens widmete und knüpfte so an ihre Wiener Musikpraxis mit dem Geiger Schuppanzigh an. Es interessierte sie also nicht nur die rein solistische Tätigkeit sondern eben so sehr das kammermusikalische Musizieren. François-Joseph Fétis, der die Pianistin persönlich kannte und dessen biografischer Artikel neben den Briefen von Reichardt zu den wichtigsten Quellen zählt, erläutert in seiner „Biographie universelle des musiciens“: „[...] Qui n’a pas entendue les belles compositions de Bach, de Haydn, de Mozart et de Beethoven exécutées par Madame Bigot, Lamare et Baillot, ne sait jusqu’où peut aller la perfection de la musique instrumentale. Clementi, Dussek et Cramer apprécièrent le talent de Madame Bigot et la considèrent comme un modèle de perfection.“ („Wer nicht die schönen Kompositionen von Bach, Haydn, Mozart und Beethoven gehört hat, wie sie von Madame Bigot, Lamare und Baillot aufgeführt wurden, weiß nicht, wie weit die Perfektion der instrumentalen Musik führen kann. Clementi, Dussek und Cramer schätzten das Talent von Madame Bigot und betrachteten sie als Modell von Perfektion.“ François-Joseph Fétis. Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. Brüssel. 1835-44. Bd. 1. S. 413f.)

    Eine dramatische Wendung nahm Marie Bigots Leben, als ihr Mann bei Napoleons Russlandfeldzug im Jahre 1812 in russische Gefangenschaft geriet, welche vier Jahre dauerte. Sie war nun gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Kinder selbst zu verdienen. Da die Konzerteinnahmen anscheinend nicht ausreichend waren, begann sie Unterricht zu erteilen. Rasch wuchs ihre Reputation als Pädagogin: Zusammen mit ihrer Schwester und ihrer Mutter begründete sie die „Bigot-Schule“, zum anderen komponierte sie Klavieretüden, nachdem sie zuvor schon einige Klavierwerke in Wien publiziert hatte. Ihre berühmtesten Schüler waren im Jahre 1816 Fanny Hensel und Felix Mendelssohn, deren Eltern bekanntlich bemüht waren, für ihre Kinder nur die allerbesten Lehrer zu engagieren, wobei die Vertrautheit mit der Tradition der großen deutschen Musik auch entscheidend war. Die Beziehungen gingen über den kurzfristigen Unterricht während des Pariser Aufenthalts hinaus, wie ein Brief von Abraham Mendelssohn vom 16. Juli 1820 an seine Tochter Fanny bezeugt: „Die Mutter schrieb mir neulich, daß Du Dich über Mangel an Stücken zur Übung der vierten und fünften Finger beklagt und daß Felix Dir sogleich darauf eins verfertigt habe. Die Bigot meint, es läge keineswegs am Mangel an Übungsstücken, sondern am Mangel an ernster Übung, wenn bei Dir, wie bei allen Menschen, diese Finger den anderen nicht nachwollten. Du müßtest jeden Tag einen Teil Deiner Übungszeit darauf verwenden ohne Rücksicht auf die Musik, Ausdruck oder sonst etwas, ganz mechanisch bloß die Finger zu beobachten und fest aufzusetzen; es gäbe im Kramer genug Stücke, die auf diese beiden Finger berechnet wären, und es käme darauf an, diese langsam und mit steter Beobachtung des festen Aufsetzens der Schwächlinge anhaltend durchzuspielen. Auf diese Weise und durch unermüdete Geduld habe sie es erlangt, und es sei möglich zu erlangen, daß alle Finger gleich stark werden.“ (Zit. nach Sebastian Hensel (Hg.). Die Familie Mendelssohn. Nach Briefen und Tagebüchern. Mit zeitgenössischen Abbildungen und einem Nachwort von Konrad Feilchenfeldt, Frankfurt am Main 1995. S. 125.) Im selben Brief berichtet er aber auch von ihrem desolaten Gesundheitszustand. Am 16. September 1820, nur 34-jährig, erlag Marie Bigot einem Lungenleiden, vermutlich Tuberkulose. Auch über ihren Tod hinaus blieben die Beziehungen zur Familie bestehen; während eines Parisaufenthaltes von 1831 erinnert sich Felix Mendelssohn Bartholdy ihrer Bachinterpretationen: „Nun ist es der 24ste geworden, und gestern Abend bei Baillot war es hübsch.[...] Den Anfang machte ein Quintett von Bocherini, eine Perrücke, aber mit einem ganz liebenswürdigen, alten Herrn darunter; dann forderten die Leute eine Sonate von Bach. Wir nahmen die aus A dur. Mir dämmerten sehr alte Töne dabei auf, wie sie Baillot mit Mde Bigot spielte; [...]“ (Paul Mendelssohn Bartholdy (Hg.). Reisebriefe von Felix Mendelssohn Bartholdy. Leipzig 1862. S. 305). Und noch 1836 malte Wilhelm Hensel ein Bild von seiner Frau Fanny für Marie Bigots Mutter, Madame Kiéné.

    Das „Journal des Théâtres, de la littérature, et des arts“ würdigte die Künstlerin mit folgendem Nachruf: „Madame Bigot, berühmte Pianistin, 1786 in Colmar geboren, beendete kürzlich eine Karriere, die durch angenehme Tugenden ausgezeichnet war, verschönert durch brillante Erfolge, aber zu häufig durchkreuzt von unglücklichen Ereignissen. Ein grausamer und frühzeitiger Tod hat sie den Künsten, ihrer Familie und ihren zahlreichen Freunden entrissen. Bereits im Alter von knapp zwanzig Jahren erfreute sich diese Virtuosin einer großen Reputation; Musiker schätzten sie als eine der außergewöhnlichsten Interpretinnen, die jemals gehört worden waren. Mme. Bigot kannte Haydn, Salieri, Beethoven, Dussek und Cramer. Sie entwickelte in der Verbindung mit diesen berühmten Künstlern den reinen guten Geschmack, der an ihr so bewundert wurde, sowie den Charme und die Strenge, die ihr Talent charakterisierten. Clementi ehrte sie durch seinen Ratschlag. Cherubini und sein Schüler Auber weihten sie in die Geheimnisse der musikalischen Komposition ein. Sie selbst erwies sich ihrer großen Lehrer würdig. Obgleich ihre Bescheidenheit sie an der Publikation ihrer zahlreichen Kompositionen hinderte, so geben sie doch ein Zeugnis davon ab, daß sie - hätte sie diesem Aspekt ihrer musikalischen Tätigkeit mehr Aufmerksamkeit gewidmet - fähig gewesen wäre, Werke zu produzieren, die in ihren Genres in den Rang von Klassikern gehört hätten.“ (Zit. nach Calvert Johnson (Hg.). Historical Woman Composers for Piano. Marie Kiéné Bigot de Morogues. Pullman/Washington1992. S. 5.)

    Trotz des Pathos, das Nachrufen gelegentlich eigen ist, kristallisiert sich das Bild einer Künstlerin heraus, die in ihrem Spiel so gegensätzliche Pole wie Grazie und Strenge zu vereinen vermochte in ihren nationalen Konnotationen: französische Grazie und deutsche Strenge. Um welche unpublizierten Kompositionen es sich handelte, von denen im Nachruf die Rede ist, ließ sich bisher nicht ermitteln. Vermutlich ist es eine Übertreibung die Publiziert wurden bereits in Wien ihre Klaviersonate op. 1, deren Widmungsträgerin Königin Luise von Preußen ist, ein Sachverhalt, der wahrscheinlich mit den früheren diplomatischen Diensten ihres Mannes beim preußischen Hof zusammenhängt. Ihr op. 2 ist ein „Andante varié“ mit acht Variationen und einer Caprice, ein Werk, welches Marie Bigot ihrer Schwester Caroline Kiéné widmete und das ebenfalls in Wien veröffentlicht wurde. Ihre Suite d’études und ein Rondeau hingegen wurde in Paris publiziert. In seinem biografischen Artikel erwähnt Fétis noch zwölf unter ihrem Namen erschienene Walzer, deren Echtheit er jedoch anzweifelt.

    Würdigung

    In der Beethoven-Literatur lange Zeit nur als eine der möglichen Geliebten Beethovens thematisiert, hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Marie Bigot ein eigener geschichtlicher Rang gebührt. Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, zu den frühen Wegbereitern der Werke der Wiener Klassik im Paris des frühen 19. Jahrhunderts zu gehören. Auch als Klavierpädagogin genoss sie einen über die Grenzen Frankreichs hinausreichenden Ruf.

    „Eine interessante, echt künstlerische Erscheinung in dem ersten Decennium dieses Jahrhunderts war die Pianistin Madame B i g o t , deren Gatte als Bibliothekar beim Grafen Rasumovsky fungirte. Die künstlerische Bedeutung der jungen, liebenswürdigen Elsässerin lag hauptsächlich in ihrem Enthusiasmus für Beethoven, dessen Werke sie mit vollendeter Technik und eindringendem Verständniß vortrug.“ (Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, Wien 1869, S.213)

    Rezeption

    Marie Bigot galt zu ihrer Zeit als exzellente Pianistin und Klavierpädagogin. Zu ihren berühmtesten Schülern gehörten Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurde Marie Bigot in der Beethoven-Literatur häufig nur als eine der möglichen Geliebten Beethovens thematisiert, doch gebührt ihr vor allem ein geschichtlicher Rang als frühe Wegbereiterin seines Werkes sowohl in Wien als auch in Paris. Durch neuere Forschungen sind sowohl ihre Biografie als auch ihre pianistische und kompositorische Physiognomie weiter erhellt worden. 1992 erschienen in einer Neuauflage ihre Sonate op. 1 und ihre „Suite d’études“.

    Werkverzeichnis

    Obwohl im Nachruf von zahlreichen Werken die Rede ist, sind bisher keine weiteren Kompositionen aufgetaucht. Die Bibliothéque Nationale in Paris, die einen allerdings nur kleinen Nachlass enthält, verfügt nur über die bereits bekannten Kompositionen.


    Klaviersonate B-Dur op. 1

    Andante varié B-Dur op. 2, Neuausgabe hg. von Dieter M. Backes, Certosa Verlag

    Rondeau

    Suite d’études

    einige ungesicherte Werke

    Repertoire

    Marie Bigot widmete sich vornehmlich den Werken Johann Sebastian Bachs als auch den pianistischen und kammermusikalischen Werken der Wiener Klassik, im Besonderen den Klavierkompositionen Beethovens.

    Quellen

    Primärquellen


    Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung. Jg. 7. 1805. Sp. 242 und Sp. 536.

    Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung. Jg. 11. 1809. Sp. 270.


    Beethoven, Ludwig van. Briefwechsel Gesamtausgabe, Bd. 1. 1783-1807. Im Auftrag des Beethoven-Hauses Bonn. Sieghard Brandenburg (Hg.). München : Henle Verlag 1996.


    Fétis, François-Joseph. Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. Brüssel : Librairie de Firmin Didof Frères, Fils et Cie. 1835-44, Bd. 1. S. 413f.


    Larousse, Pierre. Dictionnaire du XIX Siècle. Paris Editions Larousse 1786-1820. Bd. 2. Sp. 729.


    Hensel, Sebastian (Hg.). Die Familie Mendelssohn: 1729 bis 1847. Nach Briefen und Tagebüchern. Mit zeitgenössischen Abbildungen und einem Nachwort von Konrad Feilchenfeldt. Frankfurt am Main: Insel Verlag 1995, S. 125.


    Mendelssohn Bartholdy, Paul (Hg.). Reisebriefe von Felix Mendelssohn Bartholdy. Leipzig: Verlag von Hermann Mendelssohn 1862, S. 305.


    Gugitz, Gustav (Hg.). Johann Friedrich Reichardt. Vertraute Briefe. Bd. 1. München: Verlag Georg Müller 1915.



    Sekundärliteratur


    Hanslick, Eduard: Geschichte des Concertwesens in Wien. Wien: Verlag Braumüller 1869, S. 213.


    Thayer, Alexander Wheelock: Ludwig van Beethovens Leben. H. Riemann (Hg.), Bd. 2. Leipzig: Verlag Breitkopf & Härtel 1908. S. 75f.


    Pohl, Carl Ferdinand/ Botstiber, Hugo: Joseph Haydn. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1927. S. 239.


    Fallet, Edouard-M. „Marie Bigot (née Kuéné) à Neuchâtel“. In: Schweitzerische Musikzeitung, Jg. 58. 1948. S. 420.


    Perreau, Robert. „Une grande pianiste colmarienne“. In: Annuaire de la Société Historique et Littéraire de Colmar Jg. 12. 1962. S. 59-67.


    Schmidt-Görg, Joseph, „Wer war ‚die M.’ in einer wichtigen Aufzeichnung Beethovens?“. In: Beethoven Jahrbuch. Paul Mies und Josph Schmidt-Görg (Hg.). Jg. 1961-64, Bonn: Verlag des Beethovenhauses 1966, S. 75-80.


    Goldschmidt, Harry. Um die Unsterbliche Geliebte. Eine Bestandsaufnahme, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik 1977 (= Beethoven Studien 2), S. 254.


    Flotzinger, Rudolf, Musikgeschichte Österreichs. Bd. 2. Graz : Styria Verlag S. 191.


    Johnson, Calvert, Historical Woman Composers for the Piano. Marie Kiéné Bigot de Morogues. Pullmann/Washington Vivace Press 1992, S.5.


    Jeanclaude, Georgette: Un amour de Beethoven: Marie Bigot de Morogues, Pianiste, Straßburg :Verlag Oberlin 1992 (eine romanhafte Ausschmückung)


    Schwarz-Danuser, Monika. „Wie kam das Autograph der ‚Appassionata’ nach Paris? – Annäherungen an die Pianistin und Komponistin ‚Marie Bigot de Morogues’“. In: Maßstab Beethoven? Komponistinnen im Schatten des Geniekults. B. Brand und M. Helmig (Hg.) (= Edition Text und Kritik). München Richard Boorberg Verlag Gmbh 2001, S. 86-105.



    Links


    www.vivacepress.com


    www.beethoven-haus-bonn.de


    http://etienne.biellmann.free.fr/colmar/de/bigotd.htm

    (enthält Abbildungen des Geburtshauses und der Gedenktafel)


    http://www.sophie-drinker-institut.de/

    (Das Lexikon der Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts enthält einen Artikel von Claudia Schweitzer über Marie Bigot.)

    Forschung

    Die Biografie Marie Bigots ist im Hinblick auf die Eckdaten ihres Lebens in Grundzügen erforscht. In der Bibliothéque Nationale de France in Paris werden einige wenige Dokumente aufbewahrt. Außer den Erstdrucken von op. 1 und op. 2, dem Brief Ludwig van Beethovens an Marie und Paul Bigot aus dem Jahr 1807, vermutlich vom 4. März, dem Autograph der „Appassionata“ von Ludwig von Beethoven, befinden sich lediglich zwei kurze Briefe Marie Bigots an „Monsieur Neukomm“ und „Monsieur Miaille“ in genannter Bibliothek.

    Forschungsbedarf

    Es fehlen noch Untersuchungen darüber, inwiefern von einer Bigot-Schule zu sprechen wäre, da ihre Mutter und ihre Schwester auch als Klavierpädagoginnen tätig waren. Auch stehen analytische Untersuchungen ihrer Kompositionen und quellenkundliche Untersuchungen französischer Zeitschriften aus. Außerdem könnten Nachlässe und Biografien jener Musiker, mit denen sie in Paris zusammenarbeitete, weitere Aufschlüsse geben.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 14845060
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 102410801
    Library of Congress (LCCN): n95028703
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Monika Schwarz-Danuser, 2. März 2007

    Übersetzung: Nancy Schumann


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back (deutsche Fassung) und Meredith Nicollai (English version)
    Zuerst eingegeben am 10.06.2008
    Zuletzt bearbeitet am 25.08.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Monika Schwarz-Danuser, Artikel „Marie Bigot“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 25.8.2017
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marie_Bigot