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  • Marie-Louise Mongin

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Marie-Louise Mongin
    Ehename: Marie-Louise Cœdès-Mongin
    Varianten: Marie-Louise Cœdès, Marie Mongin, Marie Cœdès-Mongin, Marie Cœdès
    Lebensdaten:
    geb. in Besançon,
    gest. um

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Mlle Mongin, élève de Mme Farrenc, a ouvert son intéressante soirée par un trio pour piano, flûte et violoncelle [de Louise Farrenc]. Elle y a fait apprécier un style vraiment excellent, une élégance et une finesse de toucher que n’ont pas à ce point toutes les virtuoses, et une vigueur, un entrain, une manière ferme et carrée que plus d’un exécutant pourrait lui envier. [...] C’est en remontant bien loin, en poussant la riche collection que l’on doit à M. Farrenc: ‚le Trésor des pianistes’, que la jeune virtuose a pu montrer la solidité de son éducation musicale et une variété de style, une souplesse de pensée qui se prêtent parfaitement aux expressions si diverses de l’art de toutes les époques.“


    „Mlle. Mongin, Schülerin von Mme. Farrenc, hat ihren interessanten Konzertabend mit einem Trio für Klavier, Flöte und Violoncello eröffnet. Sie ließ darin eine hervorragende Stilistik, eine Eleganz und Feinheit im Anschlag erkennen, die nicht alle Virtuosen in diesem Maß besitzen, und eine Kraft, eine Begeisterung, eine in sich geschlossene und exakte Art, die ihr mehr als ein Interpret neiden könnten. [...] Indem sie noch weiter ging, und die reichhaltige Sammlung ‚Le Trésor des pianistes’, die man M. Farrence verdankt, in den Vordergrund stellte, konnte die junge Virtuosin die Solidität ihrer musikalischen Ausbildung zeigen sowie eine Vielfalt in der Stilistik und eine Beweglichkeit des Denkens, die sich hervorragend den derart verschiedenen Ausdrucksformen der Kunst aller Epochen anpasste.“


    („Revue et Gazette musicale“ vom 31. März 1861, S. 98)


    Profil

    Die Pianistin und Musikpädagogin Marie-Louise Mongin studierte von 1853 bis 1861 am Conservatoire de Musique in Paris die Fächer Klavier, Harmonielehre und Solfège und wurde dabei von Louise Farrenc in Klavier unterrichtet. Bereits früh beteiligte sie sich mit Kopierarbeiten und Korrekturlesen an der Erstellung des „Trésor des pianistes“, einer Anthologie mit Klaviermusik vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, die Louise Farrenc ab 1861 herausgab (vgl. Heitmann: Artikel „Louise Farrenc“). Marie-Louise Mongin führte die Werke in den von ihrer Professorin veranstalteten „Historischen Konzerten“ auf. Entsprechend wurden ihre präzisen, historisch korrekten Lesarten älterer Kompositionen, darunter Werke von Georg Philipp Telemann, Jean-Philippe Rameau, Johann Philipp Kirnberger und Jacques Champion Chambonnières, in Konzertrezensionen gewürdigt. Gleichzeitig trat Marie-Louise Mongin auch mit klassisch-romantischem Repertoire auf und konzertierte häufig in kammermusikalischem Rahmen, u. a. gemeinsam mit den Damenstreichquartetten „Quatuor féminin“ und „Quatuor St. Cécile“ sowie mit dem Flötisten Claude-Paul Taffanel und dem Violoncellisten Charles Lebouc.

    Im Jahr 1870 heiratete Marie-Louise Mongin einen Herrn Cœdès (vermutlich den Komponisten Auguste Cœdès) und nannte sich von da an Marie-Louise Cœdès-Mongin; aus der Ehe gingen mindestens drei Kinder hervor.

    Spätestens ab den 1890er Jahren wandte sich Marie-Louise Cœdès-Mongin verstärkt dem Unterrichten zu. Sie betrieb eine eigene Klavierschule in Paris, die sich vor allem durch ihr breitgefächertes Angebot, das u. a. Unterricht in Harmonielehre, Solfège, Gehörbildung und Korrepetition vorsah, auszeichnete und an der auch ihre erwachsenen Kinder mitarbeiteten.

    Orte und Länder

    Marie-Louise Mongin wurde in Besançon geboren und wuchs ab 1852 in Paris auf, wo sie am Conservatoire de Musique studierte. Anschließend blieb sie in Paris und verbrachte dort ihr Leben.

    Biografie

    Marie-Louise Mongin wurde am 11. Juni 1841 in Besançon geboren; über ihre Herkunft ist nichts bekannt. Sie erhielt den ersten Musikunterricht von ihrer Mutter sowie von dem städtischen Organisten Mr. Roncaglio. Im Jahr 1852 zog die Familie nach Paris, um der Tochter eine fundierte musikalische Ausbildung zukommen zu lassen.


    Von Januar 1853 bis Juli 1861 studierte Marie-Louise Mongin die Fächer Klavier und „Harmonie“ am Conservatoire de Musique in Paris und wurde von Louise Farrenc im Fach Klavier sowie von Émile Bienaimé im Fach Harmonielehre unterrichtet. Mehrfach schloss sie die Jahresprüfungen mit Auszeichnungen und Preisen ab: 1855 erhielt sie den 2. und 1856 den 1. Preis im Fach Solfège, 1859 wurde sie im Fach Klavier mit dem 1. Preis ausgezeichnet und zwei Jahre später, 1861, auch im Fach „Harmonie“ (vgl. Fétis 1881ff.; „Le Ménestrel“ vom 7. August 1859, S. 282; vom 21. Juli 1861, S. 270). Bereits früh machte Marie-Louise Mongin zudem durch ihr hervorragendes Vom-Blatt-Spiel auf sich aufmerksam. So schrieb „Le Ménestrel“ 1857 über die Abschlussprüfungen des Konservatoriums: „Quant à la lecture musicale, je la trouve trop négligée. [...] J’aurai même voulu, à titre de protestation de la part du jury, voir donner à Mlle Mongin [...] mieux qu’un premier accessit. Cette jeune personne a déchiffré d’une façon supérieure, et dans la proportion de cent pour cent mieux que ses plus fortes compagnes. Cela, il me semble, méritait considération.“ („Ich fand, dass ihr Vom-Blatt-Spiel überlegen war und [bei der Beurteilung] vernachlässigt wurde. [...] Ich hätte es gerne gesehen – um gegen die Kriterien der Jury zu protestieren –, wenn Mlle. Mongin mehr als eine erste Belobigung erhalten hätte [...]. Dieses junge Mädchen hat in außergewöhnlicher Weise vom Blatt gespielt, und im Verhältnis hundertfach besser als ihre besten KommilionInnen. Dies, so scheint mir, würde Beachtung verdienen.“; „Le Ménestrel“ vom 2. August 1857, S. 2) 1859 spielte Marie-Louise Mongin im Preisträgerkonzert des Konservatoriums gemeinsam mit Jules Massenet ein Klavierduo von Johann Pixis, und „Le Ménestrel“ rezensierte: „Le discours fini, on a passé à la distribution des prix [...]. Puis sont venus le concert et les scènes de déclamation dramatique et lyrique, exécutés par les lauréats. Après l’ouverture d’Oberon [...], Mlle Mongin, élève de Mme Farrenc, et premier prix de piano, a exécuté avec le jeune Massenet [...] un charmant duo pour deux pianos, de Pixis. Le jeu de Mlle Mongin se fait remarquer par une égalité, une pureté, une légèreté merveilleuses; c’est un talent déjà complet. Le jeune Massenet l’a admirablement secondée.“ („Sobald der [Prüfungs-]Wettbewerb beendet war, ging man zu den Preisverleihungen über [...]. Es folgten das Konzert und die Theater-Szenen der Preisträger. Nach der Ouverture aus ‚Oberon’ [...] spielte Mlle. Mongin, Schülerin von Mme. Farrenc und erster Preis in Klavier, gemeinsam mit dem jungen Massenet [...] ein hübsches Duo für zwei Klaviere von Pixis. Das Spiel von Mlle. Mongin zeichnet sich durch wunderbare Gleichmäßigkeit, Reinheit und Leichtigkeit aus; sie ist bereits eine fertige Künstlerin. Der junge Massenet hat sie hervorragend unterstützt.“; „Le Mènestrel“ vom 7. August 1859, S. 282)


    Bereits während ihrer Studienzeit trat Marie-Louise Mongin regelmäßig öffentlich auf. Dabei beteiligte sie sich vor allem an den „Historischen Konzerten“, die ihre Professorin Louise Farrenc und der Mann, Aristide Farrenc, ab dem Winter 1857/58 mehrere Jahre lang in Paris veranstalteten und die international Beachtung fanden. So berichtete z. B. die „Neue Wiener Musik-Zeitung“ im April 1858 ausführlich über „Die historischen Klavier- und Pianoforte-Konzerte des Hrn. und der F. Farrenc in Paris“: „Mr. und Mad. Farrenc haben am 5. Februar d. H. ihre dritte historische Sitzung für Klavier- und Pianoforte-Musik gehalten.“ Das Programm bestand – der Rezension zu folge – aus Stücken von Orlando Gibbons, Nikolaus Lebègue, Georg Philipp Telemann, Jean Philippe Rameau, Johann Sebastian Bach, Domenico Scarlatti, Luigi Boccherini, Wolfgang Amadeus Mozart, Nepomuk Hummel und drei Stücken von Louise Farrenc: „Diese verschiedenen Tonstücke sind meisterhaft ausgeführt worden von Mlle. Mongin, der vortrefflichen Schülerin der Klasse der Mad. Farrenc im Konservatorium, von Mad. Béguin Salomon, einer unserer besten Pianistinnen, und von Mad. Farrenc selbst.“ („Neue Wiener Musik-Zeitung“ vom 22. April 1858, S. 61) Die „Historischen Konzerte“ des Ehepaares dienten auch der Vorbereitung einer Anthologie mit Klaviermusik des 16. bis 19. Jahrhunderts, die Louise und Aristide Farrenc ab 1861 unter dem Titel „Trésor des pianistes“ herausgaben. Den Vorworten des „Trésor des pianistes“ zufolge war Marie-Louise Mongin – neben den Aufführungen – auch an der Entstehung der Sammlung beteiligt, sie stellte u. a. Abschriften her und übernahm Teile des Korrekturlesens (vgl. Heitmann 2004, S. 272, Anm. 242).


    Neben den historischen Werken widmete sich Marie-Louise Mongin auch dem klassisch-romantischen Repertoire sowie zeitgenössischen Kompositionen. So gab sie z. B. im März 1861 gemeinsam mit dem Violoncellisten A. Marx und dem Flötisten Claude-Paul Taffanel ein Konzert in Paris, bei dem sowohl Werke von Philip Emanuel Bach, François Couperin, Johann Philipp Kirnberger, Padre Martini und Domenico Scarlatti, als auch von Johann Nepomuk Hummel (Rondo-Valses F-Dur op. 109a) und Louise Farrenc (Klaviertrio e-Moll op. 45) auf dem Programm standen. Die „Revue et Gazette musicale“ rezensierte: „Mlle Mongin, élève de Mme Farrenc, a ouvert son intéressante soirée par un trio pour piano, flûte et violoncelle [de Louise Farrenc]. Elle y a fait apprécier un style vraiment excellent, une élégance et une finesse de toucher que n’ont pas à ce point toutes les virtuoses, et une vigueur, un entrain, une manière ferme et carrée que plus d’un exécutant pourrait lui envier. Très-habilement secondée par le violoncellist A. Marx et par le flûtiste Taffanel, Mlle Mongin a causé un vif plaisir.“ [...] C’est en remontant bien loin, en poussant la riche collection que l’on doit à M. Farrenc: ‚le Trésor des pianistes’, que la jeune virtuose a pu montrer la solidité de son éducation musicale et une variété de style, une souplesse de pensée qui se prêtent parfaitement aux expressions si diverses de l’art de toutes les époques.“ („Mlle. Mongin, Schülerin von Mme. Farrenc, hat ihren interessanten Konzertabend mit einem Trio für Klavier, Flöte und Violoncello eröffnet. Sie ließ darin eine hervorragende Stilistik, eine Eleganz und Feinheit im Anschlag erkennen, die nicht alle Virtuosen in diesem Maß besitzen, und eine Kraft, eine Begeisterung, eine in sich geschlossene und exakte Art, die ihr mehr als ein Interpret neiden könnten. Sehr lebendig unterstützt von dem Violoncellisten A. Marx und dem Flötisten Taffanel, hat Mlle. Mongin ein lebhaftes Vergnügen hervorgerufen. [...] Indem sie noch weiter ging und die reichhaltige Sammlung ‚Le Trésor des pianistes’, die man M. Farrence verdankt, in den Vordergrund stellte, konnte die junge Virtuosin die Solidität ihrer musikalischen Ausbildung zeigen sowie eine Vielfalt in der Stilistik und eine Beweglichkeit des Denkens, die sich hervorragend den derart verschiedenen Ausdrucksformen der Kunst aller Epochen anpasste.“; „Revue et Gazette musicale“ vom 31. März 1861, S. 98) Wenige Tage später trat Marie-Louise Mongin wiederum im Rahmen der „Concerts historiques“ in der Salle Erard auf, diesmal u. a. mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Jean Philippe Rameau und Jacques Champion Chambonnières, und auch hier zeigte sich die Musikkritik begeistert: „Les nombreux spécimens entendus à la soirée de M. et Mme Farrenc, et que le talent de Mlle Marie Mongin a contribué à montrer sous leur véritable jour, ont vivement intéressé et ont causé infiniment de plaisir.“ („Die zahlreichen Beispiele, die in der Soirée von M. et Mme. Farrenc zu hören waren, und zu deren tatsächlicher Aufführung Mlle. Marie Mongin mit ihrem Talent beigetragen hat, waren sehr interessant und haben definitiv Vergnügen hervorgerufen.“; „Revue et Gazette musicale“ vom 28. April 1861, S. 130) Auch in den folgenden Jahren war Marie-Louise Mongin an den „Historischen Konzerten“ als Pianistin beteiligt (vgl. z. B. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 2. Februar 1862, S. 34) und sicherte sich damit einen herausragenden Ruf als Interpretin älterer Musik, auf die schließlich sogar François-Joseph Fétis, eine Autoriät auf dem Gebiet alter Musik, aufmerksam machte, wie die „Revue et Gazette musicale“ im März 1865 berichtete: „Depuis plusieurs années nous suivons, non sans intérêt, les progrès constants de Mlle Marie Mongin, élève de Mme Farrenc, artiste d’un talent éminent, que excelle dans l’interprétation de la musique ancienne, et qu’a mérité, d’être signalée à la faveur publique par un homme dont l’autorité incontestable est aussi compétente que respectée, par M. Fétis lui-même, dans le tome VI de la ‚Biographie universelle des musiciens’. Dans les concerts de cet hiver nous avons mainte fois entendu la jeune artiste, nous l’avons retrouvée avec un talent plus mûri, toujours correct, et toujours digne de l’éloge qu’en a fait M. Fétis.“ („Seit einigen Jahren verfolgen wir, nicht ohne Interesse, die kontinuierliche Entwicklung von Mlle. Marie Mongin, Schülerin von Mme. Farrenc und eine Künstlerin mit herausragendem Talent, die sich auf Interpretationen alter Musik spezialisiert hat und die es verdient hat, dass sie der Gunst des Publikums von einem Mann empfohlen wurde, dessen zweifelsfreie Autorität kompetent ist und respektiert wird, von M. Fétis selbst in seinem 6. Band seiner ‚Biographie universelle des musiciens’. In den Konzerten dieses Winters hörten wir mehrfach die junge Künstlerin und sahen sie mit einem noch reiferen Können wieder, immer korrekt, und immer der Lobeshymen würdig, zu denen M. Fétis ansetzte.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 5. März 1865, S. 75)


    Parallel dazu konzertierte Marie-Louise Mongin auch als Solistin in größeren Orchesterkonzerten. So trat sie z. B. am 16. Februar 1868 in einem Konzert des Conservatoire Royal de Musique in Brüssel mit einer von Louise Farrencs „Grandes Variations“ für Klavier und Orchester sowie mit dem Klavierkonzert F-Dur KV 242 von Wolfgang Amadeus Mozart auf. Die „Signale für die muskalische Welt“ berichteten aus Brüssel: „Das am 16. Febr. stattgehabte Conservatoire-Concert war wieder an Auswahl wie Ausführung ein sehr wohl geordnetes und auch demgemäß goutirtes. Die Orchesternummern waren: Militär-Sinfonie von Haydn und Adagio und Scherzo aus Beethoven’s neunter Sinfonie. Dann kamen noch vor: ein fünfstimmiges Madrigal (a cappella) von Orlando die Lasso, das Finale aus Fr. Schneider’s Oratorium ‚Das Weltgericht’, das siebente Clavier-Concert von Mozart und eine Fantasie für Clavier und Orchester von Mme. Farrenc. Mlle. Mongin war die mit verdientestem Beifall aufgenommene Executantin der beiden letztgenannten Sachen.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom 28. Februar 1868, S. 269)


    Ab 1866 beteiligte sich Marie-Louise Mongin zudem an Kammermusikkonzerten und trat dabei vor allem gemeinsam mit den in dieser Zeit neu gegründeten Damenensembles auf. So konzertierte sie z. B. im Januar 1866 mit dem „Quator Féminin“, bestehend aus Catarina Lebouys (Violine 1), Jenny Clauss (Violine 2), Fanny Clauss (Viola) und Hélène de Katow (Violoncello). Das Gründungskonzert am 18. Januar 1866 fand mit den fünf Musikerinnen als Klavierquintett in der Pariser Salle Herz statt und wurde von der Zeitschrift „Le Ménestrel“ mit folgenden Worten angekündigt: „C’est le jeudi 18 janvier que doit avoir lieu, à la salle Herz, l’inauguration du quatuor féminin d’instruments à cordes [...]; pianiste, Mlle Mongin. Inutile de faire ressortir l’intérêt spécial qui s’attache à cette innovation dont le succès est assuré.“ („Am 18. Januar wird in der Salle Herz das Debüt des Damenstreichquartetts stattfinden [...]; die Pianistin ist Mlle. Mongin. Überflüssig das besondere Interesse zu betonen, das dieser Innovation entgegengebracht wird, deren Erfolg gesichert ist.“; „Le Ménestrel“ vom 13. Januar 1866, S. 47; vgl. auch „Le Guide musical“ vom 4. Januar 1866, S. 6) Auch die Zeitschrift „Le Foyer“ berichtete über das bevorstehende Konzert: „Ces réunions musicales d’un genre tout nouveau ne manqueront pas d’exciter l’intérêt du public et d’offrir un grand attrait aux amateurs. Cette première épreuve nous a permis d’apprécier le mérite des jeunes artistes qui vont être soumises à la critique et au jugement du public, espérons qu’ils triompheront au champ de bataille et qu’elles confirmeront les éloges que nous sommes prêts à leur donner.“ („Diese Konzerte ganz neuer Art werden das Interesse des Publikums nicht verfehlen und eine große Attraktion für Musikliebhaber darstellen. Der erste Versuch erlaubt uns, die Verdienste der jungen Künstlerinnen wertzuschätzen, die sich der Kritik und dem Urteil des Publikums aussetzen, hoffen wir, dass sie auf dem Schlachtfeld triumphieren werden und dass sie die Elogen, die wir ihnen zu Teil werden lassen, bestätigen werden.“; „Le Foyer“ vom 18. Januar 1866, S. 7)


    Im Jahr 1870 heiratete Marie-Louise Mongin einen Herrn Cœdès (vermutlich den Komponisten Auguste Cœdès) und nannte sich ab diesem Zeitpunkt Marie-Louise Cœdès-Mongin. Aus der Ehe gingen mindestens drei Kinder hervor: der spätere Flötist und Komponist André Cœdès-Mongin (geb. 1871) und die Töchter Y. Cœdés-Mongin und Marguerite Cœdès-Mongin.


    Auch nach ihrer Heirat und der Geburt der Kinder blieb Marie-Louise Mongin-Cœdès im französischen Musikleben präsent. Dabei trat sie vor allem als Kammermusikerin auf. Im Februar 1876 übernahm sie den Klavierpart in einem Konzert, das die Geigerin Marie Tayau mit ihrem Damenstreichquartett „Quatuor St. Cécile“ veranstaltete. Auf dem Programm standen eine Violinsonate von Anton Rubinstein, ein Quartett von Ludwig van Beethoven sowie ein Klavierquartett von Wolfgang Amadeus Mozart (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 6. Februar 1876, S. 46). Am 26. Januar 1878 spielte sie gemeinsam mit dem Flötisten Claude-Paul Taffanel und dem Violoncellisten Charles Lebouc bei einem Konzertabend in der Salle Herz, den die Société des Concerts de Chant classique veranstaltete, Kompositionen von Jean Philippe Rameau, Wilhelm Friedemann Bach und Domenico Scarlatti. „Le Ménestrel“ rezensierte: „Trois éminents virtuoses, Mme. Cœdès-Mongin, MM. Taffanel et Lebouc, on délicieusement interprété quatre ravissantes petites pièces de Rameau pour piano, flûte et violoncelle [...]. Mme Cœdès-Mongin a, en outre, joué avec une habileté de mécanisme, une grâce et un sentiment exquis, une polonaise de Friedman Bach et une pièce de Scarlatti, qui lui on valu les applaudissements et les bravos les plus chaleureux.“ (Drei hervorragende Virtuosen, Mme. Cœdès-Mongin und die MM. Taffanel und Lebouc, haben vier hinreißende kleien Stücke von Rameau für Klavier, Flöte und Violoncello interpretiert. [...] Mme. Cœdès-Mongin hat zudem mit Geläufigkeit, Anmut und erhabenem Gefühl eine Polonaise von Friedemann Bach und ein Stück von Scarlatti gespielt, die ihr die warmherzigsten Beifallsbekundungen und Bravos einbrachten.“; „Le Ménestrel“ vom 3. Februar 1878, S. 79) In den folgenden Jahren konzertierte sie zudem häufig in den überaus gefragten Kammermusiksoiréen des Violoncellisten Charles Lebouc. Zudem veranstaltete sie, spätestens ab den 1890er Jahren, auch eigene Konzerte, an denen auch ihre Kinder mitwirkten: „Hier, salle Erard, la séance artistique de madame Cœdès-Mongin a été un long succès notamment pour une pièce de Scarlatti jouée avec son fils et sa fille qui leur a été bissée, puis pour mademoiselle Cœdès-Mongin en interprétant très artistiquement ‚Par un beau jour’, de L. Filliaux-Tiger, et un caprice de Saint-Saëns.“ („Das gestrige Konzert von Madame Cœdès-Mongin in der Salle Erard war äußerst erfolgreich, besonders mit einem Stück von [Domenico] Scarlatti, das sie mit ihrem Sohn und ihrer Tochter spielte, und das ein zweites Mal gespielt werden musste, sodann auch für Mademoiselle Cœdès-Mongin, die in sehr künstlerische Weise ‚Par un beau jour’, von L. Filliaux-Tiger und eine Caprice von [Camille] Saint-Saëns interpretierte.“; „Gil Blas“ vom 9. Mai 1895, S. 3)


    Nachdem ihre Kinder erwachsen waren, wandte sich Marie-Louise Cœdès-Mongin verstärkt dem Unterrichten zu. Im Jahr 1898 betrieb sie eine eigene Klavierschule, in der sowohl ihre Kinder als auch weitere Musikerinnen und Musiker unterrichteten. Die Schule bot eine umfassende musikalische Ausbildung: Neben dem Klavierunterricht wurden zahlreiche weitere Fächer angeboten, wie aus einer Nachricht in „Le Ménéstrel“ hervorgeht: „Le 15 octobre, réouverture des cours de piano de Mme. Cœdès-Mongin, 46, rue Laffitte. Cours d’accompagnement: MM White et Magdancl. Cours pour les commençants par Mlle Cœdès. Cours de solfège et d’harmonie par M. André Cœdès-Mongin“ („Am 15. Oktober beginnt der Klavierunterricht von Mme. Cœdès-Mongin, 46, rue Laffitte. Kurse in Korrepetition: MM White und Magdancl. Anfängerkurse von Mlle. Cœdès. Kurse in Solfège und Harmonielehre von M. André Cœdès-Mongin,“; „Le Ménéstrel“ vom 25. September 1898, S. 311). 1906 ist sie als Klavierlehrerin in Paris in der 43, Rue de Douai nachgewiesen, wo sie gemeinsam mit ihrer Tochter, Mlle. Marguerite Cœdès-Mongin, unterrichtete (vgl. „Annuaire des Artistes de L’Enseignement Dramatique & Musical“ [...], 20. Jahrgang, 1906, S. 258). Von 1905 bis mindestens 1910 gab sie zudem Gehörbildungskurse in der Rue de Faubourg Poissonière: „Cours de dictées musicales. Sous la direction de Mme Cœdès-Mongin. Cinq francs par mois – Deux fois par semaine. 11, Faubourg Poissonnière, Paris.“ („Kurse in musikalischem Diktat. Unter der Leitung von Mme. Cœdès-Mongin. Fünf Francs pro Monat, zweimal wöchentlich.“; „Paris Musical et Dramatique“ vom Juli 1906, S. 8) 1911 berichtete „Le Ménestrel“ von einem Schülerkonzert, das Marie-Louise Cœdès-Mongin veranstaltete und an dem u.a. Théodore Dubois als Gast mitwirkte: „A la matinée d’élèves donnée par Mme Cœdès-Mongin, très grand succès pour Mme Mellot-Joubert, qui accompagnée par l’auteur, a délicieusement chanté la ‚Lune s’effeuille sur l’eau’, ‚Promenade à l’étang’ et ‚Pourquoi les oiseaux chantent’ de Th. Dubois. Mlle T. Luys et Y. Cœdès ont été applaudies en jouant, a quatre mains, ‚Berceuse des jours sans nuages’ et ‚Berceuse pour la veille de Noël’, de Reynaldo Hahn.“ („Bei einer Schülermatinée, die Mme. Cœdès-Mongin veranstaltete, gab es einen großen Erfolg für Mme. Mellot-Joubert, die, begleitet vom Komponisten, die Lieder ‚Lune s’effeuille sur l’eau’, ‚Promenade à l’étang’ et ‚Pourquoi les oiseaux chantent’ von Th. Dubois feinsinnig gesungen hat. Mlle. T. Luys und Y. Cœdès erhielten Beifall für ihr Spiel der vierhändigen Kompositionen ‚Berceuse des jours sans nuages’ und ‚Berceuse pour la veille de Noël’ von Reynaldo Hahn.“; „Le Ménestrel“ vom 10. Juni 1911, S. 183)


    Marie-Louise Cœdès-Mongin starb 1931 (vgl. Herold 2012).

    Würdigung

    Marie-Louise Mongin gehörte sicherlich mit zu den frühesten Interpretinnen, die sich – etliche Jahre bevor das Cembalo wieder entdeckt wurde – einer „historischen Aufführungspraxis“ barocker Musik zuwandten, einschließlich der dazu gehörenden Suche nach Lesarten und Interpretationsmöglichkeiten. François-Joseph Fétis würdigte ihre Fähigkeiten in den 1860er Jahren mit den Worten: „Habile virtuose, grande musicienne et lectrice de premier ordre, cette jeune artiste a fait une étude approfondie des compositions des auteurs classiques et de celles des plus célèbres clavecinistes des seizième, dix-septième et dix-huitième siècles. Toutes les fois qu’elle a fait entendre en public les œuvres qui forment la belle collection intitulée ‚Le Trésor des pianistes’ [...] Mlle Mongin a obtenu les plus brillants succès et le suffrage des connaisseurs.“ („Eine fähige Virtuosin, eine große Musikerin und eine erstrangige Leserin [musikalischer Werke], diese junge Künstlerin hat die Werke klassischer Komponisten und jene der berühmtesten Cembalisten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts intensiv studiert. Jedes Mal wenn sie sich in der Öffentlichkeit mit den Werken, aus denen die schöne Sammlung ‚Le Trésor des pianistes’ besteht, hören ließ, errang sie den glänzendsten Erfolg und die Zustimmung der Kenner.“ (Fétis 1881)

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Marie-Louise Mongin kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Zu ihrem Repertoire gehörten vermutlich weitgehend alle Stücke des „Trésor des pianistes“, den Louise Farrenc gemeinsam mit ihrem Mann editiert hatte, darunter Werke von Carl Philip Emanuel Bach, Johann Sebastian Bach, Wilhelm Friedemann Bach, Jacques Champion Chambonnières, François Couperin, Orlando Gibbons, Georg Friedrich Händel, Johann Philipp Kirnberger, Nikolaus Lebègue, Padre Martini, Jean Philippe Rameau, Domenico Scarlatti und Georg Philipp Telemann. Ferner trat sie mit mehreren Kompositionen von Louise Farrenc auf, darunter das Klaviertrio e-Moll op. 45 sowie mindestens einer der Zyklen mit „Grandes Variations“ für Klavier und Orchester. Darüber hinaus lassen sich Aufführungen von Johann Nepomuk Hummels „Rondo-Valses“ F-Dur op. 109a, von Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Klavier und Orchester F-Dur KV 242 sowie von einem seiner Klavierquartette und eine Aufführung von einer der Violinsonaten Anton Rubinsteins belegen.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Mongin (Mlle Marie-Louise)“. In: Biographie universelle des musiciens, 2me édition, Supplément et complément, hg. v. François-Joseph Fétis, 1881ff. (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Ellis, Katharine. Interpreting the Musical Past. Early Music in Nineteenth-Century France. Oxford: University Press, 2005.


    Heitmann, Christin. Die Orchester- und Kammermusik von Louise Farrenc vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Sonatentheorie. Heinrichshofen: Florian Noetzel, 2004.


    Heitmann, Christin. Artikel „Farrenc, Louise“. In: Musikvermittlung und Genderforschung: Musikerinnen-Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. v. Beatrix Borchard. Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. [http://mugi.hfmt-hamburg.de], Stand: 7. März 2013.


    Herold, Anja. Artikel „Mongin, Marie-Louise“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts, hg. v. Freia Hoffmann, http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=mongin-marie-louise, 2009 (Stand: 7. März 2013).


    Launay, Florence. Les compositrices en France au XIXe siècle, Paris: Fayard, 2006.



    Zeitschriftenartikel und Konzertrezensionen


    Annuaire des Artistes de L’Enseignement Dramatique & Musical“, 20. Jahrgang, 1906, S. 258.


    Gil Blas vom 9. Mai 1895, S. 3.


    Le Foyer vom 18. Januar 1866, S. 7.


    Le Guide musical vom 4. Januar 1866, S. 6.


    Le Ménestrel vom 2. August 1857, S. 2.

    Le Mènestrel vom 7. August 1859, S. 282.

    Le Ménestrel vom 21. Juli 1861, S. 270.

    Le Ménestrel vom 13. Januar 1866, S. 47.

    Le Ménestrel vom 3. Februar 1878, S. 79.

    Le Ménéstrel vom 25. September 1898, S. 311.

    Le Ménestrel vom 10. Juni 1911, S. 183.


    Neue Wiener Musik-Zeitung vom 22. April 1858, S. 61.


    Paris Musical et Dramatique vom Juli 1906, S. 8.


    Revue et Gazette musicale de Paris vom 31. März 1861, S. 98.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 2. Februar 1862, S. 34.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 5. März 1865, S. 75.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 6. Februar 1876, S. 46.


    Signale für die musikalische Welt vom 28. Februar 1868, S. 269.



    Links


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=mongin-marie-louise, 2009 (Stand: 7. März 2013).

    Anja Herold hat 2009 einen Artikel über Marie-Louise Mongin im Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts (hg. v. Freia Hoffmann) veröffentlicht.

    Forschung

    Zu Marie-Louise Mongin liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Marie-Louise Mongin umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie ihre Kontakte innerhalb des französischen Musiklebens.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Marie-Louise Mongin“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marie-Louise_Mongin