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  • Marianne Scharwenka-Stresow

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Marianne Scharwenka-Stresow
    Geburtsname: Marianne Stresow
    Varianten: Marianne Strésoff
    Lebensdaten:
    geb. in Berlin, Deutschland
    gest. in Berlin, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Musikpädagogin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „In jungen Jahren eine erfolgreiche Konzertspielerin, hat sie später infolge zunehmender Kränklichkeit und häuslicher Pflichten sich aus der Oeffentlichkeit zurückgezogen. Die Freunde ihres Hauses wissen jedoch, mit welcher Begeisterung und Feinfühligkeit sie bis in die letzten Jahre hinein die Kammermusik pflegte, wie sie insbesondere in der Wiedergabe der Philipp Scharwenka’schen Sonaten und Trios ihresgleichen kaum fand.“


    (Hugo Leichtentritt über Marianne Scharwenka-Stresow, s. Hugo Leichtentritt: Das Konservatorium der Musik Klindworth-Scharwenka Berlin 1881-1931. Festschrift aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens. Berlin 1931, S. 33)


    Profil

    Marianne Scharwenka-Stresow wurde von dem Berliner Violinisten Leopold Ganz ausgebildet und studierte von 1870 bis 1874 Violine an der Königlichen Hochschule für Musik bei Heinrich de Ahna. Anschließend konnte sie sich als Solistin und Kammermusikerin im deutschen wie im internationalen Musikleben etablieren: Sie veranstaltete regelmäßig eigene Konzerte in Berlin, trat im Leipziger Gewandhaus und – in späteren Jahren – mit dem Berliner Philharmonischen Orchester auf und bereiste 1878 mit dem Damenstreichquartett „Caecilie“ Skandinavien und Deutschland. Nach ihrer Heirat mit Philipp Scharwenka 1880 wandte sich Marianne Scharwenka-Stresow vorwiegend dem pädagogischen Bereich zu. Als Violinlehrerin unterrichtete sie mit wenigen Unterbrechungen von 1881 bis 1907 und nochmals während des Ersten Weltkrieges von 1916 bis 1918 am Berliner Scharwenka-Konservatorium und galt als herausragende Pädagogin.

    Von Marianne Scharwenka-Stresow sind mehrere Kompositionen bekannt, darunter zwei Concertini für Violine und Klavier (op. 5 und op. 10) sowie „Violinstudien für Technik und Vortrag im Anschluss an Kreutzer’s Etüden“ (op. 6).

    Orte und Länder

    Marianne Scharwenka-Stresow lebte überwiegend in Berlin. Sie wurde dort 1856 geboren, studierte von 1870 bis ca. 1874 Violine an der Berliner Königlichen Hochschule für Musik und unterrichtete von 1881 bis 1907 und von 1916 bis 1918 am Berliner Konservatorium ihres Schwagers Xaver Scharwenka. Von Herbst 1891 bis Frühjahr 1892 bereiste sie Italien und hielt sich im Sommer 1892 in Paris auf, um dort nochmals bei Martin Marsick und Pablo de Sarasate zu studieren. Marianne Scharwenka-Stresow starb 1918 in Berlin.


    Konzertreisen führten Marianne Scharwenka-Stresow durch Deutschland, die USA, Schweden, Dänemark, Frankreich und die Schweiz.

    Biografie

    Marianne Scharwenka-Stresow wurde als Marianne Stresow am 25. Februar 1856 in Berlin geboren. Sie war das jüngste Kind eines russischen Hofopernsängers Stresow (Vorname unbekannt) und erhielt wie alle vier Kinder der Familie von klein auf eine musikalische Ausbildung. Bereits in der Kindheit traten die Geschwister gemeinsam öffentlich auf, Marianne Scharwenka-Stresow erstmals im Alter von fünf Jahren. Über eines der Geschwisterkonzerte berichtete 1893 die Musikwissenschaftlerin Anna Morsch rückblickend: „Aus dem Anfang der sechziger Jahre bewahrt mein Gedächtniß die Erinnerung an ein Konzert, welches mir [...] wegen seiner Originalität und Lieblichkeit, einen unauslöschlichen Eindruck hinterließ. Es war in Potsdam in der Philharmonie, vier Geschwister ganz jugendlichen Alters standen auf dem Podium und ließen sich mit Leistungen auf dem Klavier, der Geige und dem Cello hören. Alles, was sie boten, war künstlerisch abgerundet“ (Morsch 1893, S. 188). Ebenfalls ab dem Alter von fünf Jahren wurde Marianne Scharwenka-Stresow in Berlin von dem königlichen Konzertmeister Leopold Ganz in Violine unterrichtet. In den Jahren 1869/70, möglicherweise nach dem Tod von Leopold Ganz 1869, unternahm sie eine eineinhalbjährige Konzerttournee durch die USA, bei der sie von ihrem Vater begleitet wurde (vgl. Morsch 1893, S. 189).


    Von 1870 bis 1874 studierte Marianne Scharwenka-Stresow Violine bei Heinrich de Ahna an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin und begann gleichzeitig, sich im deutschen wie auch im internationalen Musikleben als Violinistin zu etablieren. So bereiste sie in dieser Zeit mehrere europäische Länder, darunter Schweden, Dänemark, Frankreich und die Schweiz, und knüpfte gleichzeitig in Berlin zahlreiche künstlerische Kontakte. Bei ihren von 1872 bis 1876 jährlich veranstalteten Konzerten in Berlin wirkten Musikerinnen und Musiker wie die Sängerinnen Amalie Joachim und Leopoldine Herrenburg-Tuczek, die Pianisten Xaver Scharwenka, Emil Alexander Veit und Franz Mannstaedt sowie der Dirigent Ludwig Brenner mit. Dennoch sind ihre Konzerte bislang nur bruchstückhaft zu rekonstruieren.


    Eines der ersten eigenen Konzerte von Marianne Scharwenka-Stresow fand im Frühjahr 1872 in Berlin statt. Vorbereitend schrieb sie im Januar an die Sängerin Amalie Joachim : „Die Freude kann ich Ihnen nicht schildern, welche meine Eltern hatten, als ich die Nachricht nach Hause brachte, daß Sie verehrte Frau mir nun bestimmt zugesagt haben, in meinem Conzert zu singen.“ In einem weiteren Brief vom 1. Februar 1872 folgte das vorgesehene Konzertprogramm: „1.a) Sonate für Viol. u. Piano v. Händel // b) Arie v. Bach. M. Stresow, Herr Scharwenka // 2. Der arme Peter; Schumann, Frau Joachim // 3. Clavier Pièce: Herr Scharwenka // 4. Deklamation vielleicht von einer Donna // 5. 2tes Concert von Spohr. M. Stresow // 6. Clavier. Herr Scharwenka // 7. Müllerlieder von F. Schubert. Frau Joachim // 8. Capricio von Lvoff. M. Stresow.“ (Briefe von Marianne Stesow an Amalie Joachim vom Januar 1872 und 1. Februar 1872, Staatliches Institut für Musikforschung Berlin, Doc. orig. Marianne Stresow 1 und 2) Demnach trat Marianne Scharwenka-Stresow bei diesem Konzert mit einer Violinsonate von Georg Friedrich Händel, einer Aria von Johann Sebastian Bach, dem Violinkonzert Nr. 2, A-dur (op. 1) von Louis Spohr sowie mit einem Capriccio von Aleksej Fedorovic Lvoff auf. Gemeinsam mit dem Pianisten Emil Alexander Veit und dem Harfenisten Franz Pönitz konzertierte Marianne Scharwenka-Stresow im Sommer 1872 in Swinemünde und spielte dabei u. a. die Sonate e-Moll für Klavier und Violine von Moritz Weyermann (op. 10) sowie verschiedene Violinsoli (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 16. August 1872, S. 535). Im Frühjahr 1873 veranstaltete Marianne Scharwenka-Stresow wiederum ein eigenes Konzert, bei dem Amalie Joachim, der Pianist Franz Mannstaedt sowie ein Violoncellist namens Bruns mitwirkten. Auf dem Programm stand u. a. das Klaviertrio Es-Dur (op. 100) von Franz Schubert (Briefe von Marianne Stesow an Amalie Joachim vom 4. und 8. März 1873, Staatliches Institut für Musikforschung Berlin, Doc. orig. Marianne Stresow 4 und 5). Ein Jahr später, am 12. Februar 1874, gab Marianne Scharwenka-Stresow ein Orchesterkonzert unter der Leitung von Ludwig Brenner, der zu dieser Zeit die Neue Berliner Symphoniekapelle dirigierte. An dem Konzert nahmen die Sängerin Leopoldine Herrenburg-Tuczek sowie der Pianist Xaver Scharwenka teil (Neue Zeitschrift für Musik vom 6. Februar 1874, S. 64), und Marianne Scharwenka-Stresow spielte vermutlich Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur (op. 61) (vgl. den Hinweis in: „Musikalisches Wochenblatt“ vom 21. Januar 1876, S. 46). Am 26. und 29. Dezember 1874 trat Marianne Scharwenka-Stresow gemeinsam mit Xaver Scharwenka und dem Violoncellisten A. v. Worobieff im Rahmen zweier „Assemblés Musicales“ im Leipziger Gewandhaus mit Xaver Scharwenkas Violinsonate d-Moll (op. 2), Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op. 64) sowie Ludwig van Beethovens Klaviertrio B-Dur (op. 11) auf (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 1. Januar 1875, S. 8; Dörffel 1884, S. 226). Das bislang letzte nachweisbare eigene Konzert von Marianne Scharwenka-Stresow im Januar 1876 wurde im „Musikalischen Wochenblatt“ sehr zurückhaltend rezensiert: „Marianne Stresow [...] hat nicht ganz gehalten, was sie vor zwei Jahren in der Ausführung des Beethoven’schen Concertes versprach. Ihr Ton ist zwar so gross und markig, dass er bei der Dame überrascht, aber ihr Passagenwerk entbehrt der letzten Feile, und dem Ganzen ihres Spiels fehlt die Seele.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 21. Januar 1876, S. 46).


    In den folgenden Jahren widmete sich Marianne Scharwenka-Stresow verstärkt der Kammermusik. In den ersten Monaten des Jahres 1878 bereiste sie als Mitglied eines Damenstreichquartetts, des so genannten „Caecilien-Quartetts“, Skandinavien und Deutschland. Das „Caecilien-Quartett“ war vermutlich eines der ersten öffentlich konzertierenden Damenstreichquartette im deutschsprachigen Raum, das aus dem Umfeld der Wiener Dirigentin Josephine Amann-Weinlich hervorgegangen war. Die Mitglieder waren [Vorname unbekannt] Amann (Violine 1), Marianne Scharwenka-Stresow (Violine 2), Charlotte Deckner (Viola) und [Vorname unbekannt] Weinlich (Violoncello). Die Konzerte in Deutschland wurden vom „Musikalischen Wochenblatt“ begeistert aufgenommen. So schrieb z. B. ein Kieler Korrespondent in seinem Bericht: „am 8. März [spielte] das Caecilien-Quartett (Amann-Stresow-Deckner-Weinlich), dem ich von Herzen ein drei Mal grösseres Auditorium gewünscht hätte, als seine tüchtigen Leistungen leider fanden. Namentlich Frl. Marianne Stresow verdiente den höchsten Beifall durch ihr sauberes und schwungvolles Spiel; auch die Violoncellistin Frl. Weinlich handhabte ihr schwieriges Instrument mit Anmuth und grossem Geschick.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 21. Juni 1878, S. 315). Aus Hamburg wurde berichtet: „In einer Matinée producirte sich das Damen-Quartett ‚Caecilie‘. Wegen eines in Schweden krank zurückgebliebenen Mitgliedes wurde uns kein wirkliches Streichquartett vorgeführt, und musste das Klavier dafür zu Hilfe kommen. Die Vereinigung bestand jetzt aus der Pianistin Frau [Josephine] Amann-Weinlich, die von früher her noch als Dirigentin der Damencapelle bekannt ist, der Violinistin Frl. Stresow, der Bratschistin Frl. Deckner und Frl. Weinlich als Violoncellistin. Die Damen haben genügende Fertigkeit und sind auch routinirt im Zusammenspiel: die verschiedenen Nummern ihres Programms brachten sie ganz lobenswerth zu Stande. Die Genossenschaft verdient jedenfalls aller Orten die Beachtung der Musikfreunde.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 17. Mai 1878, S. 255) Über ein Konzert in Freiburg i. Breisgau berichtete der dortige Korrespondent: „Hier machte vor Monatsfrist das ‚Caecilien-Quartett‘ der Damen Amann, Stresow, Deckner und Weinlich ganz ungemeines Furore. Das Ensemble war ganz vorzüglich, die Solovorträge zeigten speciell die hohe technische Ausbildung, welche sich jede der Damen anzueignen wusste. Vor Allen entzückte Frl. Stresow mit ihrem Violinspiel, und sie darf in der Behandlung ihres Instrumentes dreist den bezüglichen weiblichen Koryphäen an die Seite gestellt werden.“ („Musikalisches Wochenblatt“ vom 7. Juni 1878, S. 295)


    Im Jahr 1880 heiratete Marianne Scharwenka-Stresow den Komponisten Philipp Scharwenka (1847-1917), ließ sich mit ihm in Berlin nieder und zog sich weitgehend aus dem öffentlichen Konzertleben zurück; am 21. Februar 1881 wurde der Sohn Walter geboren, die Kinder Franz und Marlene folgten. In den folgenden Jahren widmete sich Marianne Scharwenka-Stresow verstärkt dem pädagogischen Bereich. Als Violin- bzw. Violalehrerin gehörte sie zum Gründungslehrkörper des später renommierten Scharwenka-Konservatoriums, das ihr Schwager Xaver Scharwenka im September 1881 in Berlin eröffnete und an dem auch ihr Mann zunächst als Kompositionslehrer, ab 1892 als Direktor wirkte. Beim Konzert der Einweihungsfeier trat Marianne Scharwenka-Stresow gemeinsam mit ihrem Kollegen Joseph Kotek in dessen Suite für zwei Violinen mit Klavier auf (vgl. Scharwenka 1922, S. 89; Leichtentritt 1931, S. 5f.). Über 25 Jahre lang, bis 1907, unterrichtete Marianne Scharwenka-Stresow mit nur wenigen Unterbrechungen am Konservatorium und war dort nochmals während des Ersten Weltkriegs von 1916 bis 1918 als Violinlehrerin angestellt (vgl. „The Times London“ vom 17. August 1907, S. 1; Leichtentritt 1931, S. 19; S. 30). Über ihre Schülerinnen und Schüler ist bislang jedoch nichts Näheres bekannt.


    Am 8. November 1886 trat Marianne Scharwenka-Stresow im Rahmen eines Wohtätigkeitskonzertes „zum Besten des Vereins der Musiklehrer und Lehrerinnen“ wieder öffentlich auf. Dabei debütierte sie mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung ihres Mannes Philipp Scharwenka, dessen Komposition „Sakuntala“ im Rahmen des Konzertes aufgeführt wurde (vgl. Muck 1982, S. 19).


    Anfang der 1890er Jahre erkrankte Marianne Scharwenka-Stresow und wurde zur Erholung „in den Süden“ geschickt (vgl. Morsch 1893, S. 189), während Philipp Scharwenka gemeinsam mit seinem Bruder Xaver Scharwenka 1891/92 eine New Yorker Zweigstelle des Scharwenka-Konservatoriums aufbaute. Aus den Eintragungen in ihrem Album ergibt sich, dass Marianne Scharwenka-Stresow im Oktober 1891 in Montan (Tirol) war und sich im Januar 1892 in Mailand und im März 1892 in Marseille aufhielt. Abseits der Berliner Verpflichtungen konnte sie sich nochmals intensiv der eigenen Arbeit am Instrument widmen. Im Sommer 1892 hielt sie sich für längere Zeit in Paris auf, erhielt dort von den Geigern Martin Marsick und Pablo de Sarasate Unterricht und gab vermutlich auch mehrere Konzerte (vgl. Quellen: Album Marianne Scharwenka-Stresow; Morsch 1893, S. 189). Ab 1893 nahm Marianne Scharwenka-Stresow in Deutschland ihre Konzerttätigkeit wieder auf und engagierte sich dabei besonders für die Kompositionen ihres Mannes Philipp Scharwenka (vgl. Morsch 1893, S. 189). So spielte sie z. B. im März 1906 bei einem Konzert in Berlin dessen Violinsonate h-Moll (op. 110) sowie eines der Trios für Violine, Viola und Klavier. Dabei trat sie gemeinsam mit ihrer Nichte, der Pianistin Isolde Scharwenka, auf (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 21. März 1906, S. 268).


    Neben ihrer künstlerischen und musikpädagogischen Arbeit war Marianne Scharwenka-Stresow auch als Komponistin tätig. Leider sind ihre Kompositionen derzeit nur rudimentär und überwiegend undatiert zu erfassen. Zu ihnen gehören das Concertino Nr. 1 für Violine und Klavier (op. 5), die „Violinstudien für Technik und Vortrag im Anschluss an Kreutzer‘s Etüden“ (op. 6, Leipzig: Schuberth, 1912), drei Vortragsstücke für Violine und Klavier (op. 7, Leipzig: Schuberth, o. J.) sowie das Concertino Nr. 2 (op. 10). Ein Teil ihrer Kompositionen wurde 1914 in die Leipziger Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Sondergruppe „Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik“, aufgenommen (vgl. Die Frau im Buchgewerbe 1914, S. 54).


    Marianne Scharwenka-Stresow starb am 24. Oktober 1918 in Berlin.

    Würdigung

    In der Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Klindworth-Scharwenka-Konservatoriums von 1931 verfasste Hugo Leichtentritt auch einen kurzen Nachruf auf Marianne Scharwenka-Stresow, in dem er ihre Bedeutung für das Konservatorium sowie den umgebenden Freundeskreis würdigte: „Der Verlust dieser künstlerisch hochbegabten, mit seltenen Eigenschaften des Gemüts und Geistes gezierten Frau, war auch für unsere Anstalt sehr empfindlich, hat sie doch, wennschon mit längeren Unterbrechungen, als vortreffliche Lehrerin des Geigenspiels bei uns gewirkt. In jungen Jahren eine erfolgreiche Konzertspielerin, hat sie später infolge zunehmender Kränklichkeit und häuslicher Pflichten sich aus der Oeffentlichkeit zurückgezogen. Die Freunde ihres Hauses wissen jedoch, mit welcher Begeisterung und Feinfühligkeit sie bis in die letzten Jahre hinein die Kammermusik pflegte, wie sie insbesondere in der Wiedergabe der Philipp Scharwenka’schen Sonaten und Trios ihresgleichen kaum fand.“ (Leichtentritt 1931, S. 33) Auch das von Marianne Scharwenka-Stresow erhaltene Album zeigt ihre umfassende Einbindung in den internationalen Kreis von Musikerinnen und Musikern ihrer Zeit. Es enthält Eintragungen aus den Jahren 1886 bis 1915, u. a. von Philipp und Xaver Scharwenka, Joseph Joachim, Alexander Moszkowski, Moritz Mayer-Mahr, Hugo Goldschmidt, Eugène d’Albert, Franz Mannstaedt, Antonio Bazzini u. v. a. m. Die Pianistin, Komponistin und Musikpädagogin Mary Wurm schrieb darin: „Es macht mich glücklich, dass wir uns in unserer Kunst und auch im Leben so gut verstehen“ (Hannover 1903). Der Eintrag des Pianisten und Komponisten Ignaz Brüll lautete: „‘Tout lasse, tout casse, tout passe‘ – doch nicht die Freude, dem Spiele grosser Künstler und Künstlerinnen zu lauschen, dem Spiele z. B. von Frau Marianne Scharwenka.“ (Wien 1896) (vgl. Quellen: Album Marianne Scharwenka-Stresow). Der Pianist und Komponist Moritz Moszkowski widmete Marianne Scharwenka-Stresow seinen Bolero für Violine und Klavier op. 16 Nr. 2.

    Rezeption

    Sowohl Anna Morsch als auch Hugo Leichtentritt haben die Tätigkeiten von Marianne Scharwenka-Stresow gewürdigt (siehe Quellen; zur weiteren zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie). Derzeit (Februar 2009) werden die Tätigkeiten Marianne Scharwenka-Stresows nicht rezipiert.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Über die Kompositionen von Marianne Scharwenka-Stresow ist bislang nur sehr wenig bekannt; die Lücken in den Opus-Zahlen belegen, dass etliche Kompositionen derzeit nicht zu eruieren sind.


    Concertino Nr. 1 für Violine und Klavier, op. 5


    Violinstudien für Technik und Vortrag im Anschluss an Kreutzer’s Etüden, op. 6 (Leipzig: Schuberth, 1912; ein Exemplar befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek München)


    Drei Vortragsstücke für Violine und Klavier, op. 7 (Leipzig: Schuberth, o. J.)


    Concertino Nr. 2 für Violine und Klavier, op. 10

    Repertoire

    Eine vollständige Repertoireliste von Marianne Scharwenka-Stresow kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Die folgenden Werke zählten zu ihrem Repertoire:


    Bach, Johann Sebastian. Arie (keine Präzisierung möglich)

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio B-Dur, op. 11.

    Beethoven, Ludwig van. Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 61

    Händel, Georg Friedrich. Sonate für Violine und Klavier (keine Präzisierung möglich)

    Kotek, Joseph. Suite für zwei Violinen und Klavier

    Lvoff, Aleksej Fedorovic. Capriccio für Violine

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Konzert für Violine und Orchester e-Moll, op. 64

    Moszkowski, Moritz. Bolero für Violine und Klavier op. 16 Nr. 2 (Marianne Stresow gewidmet)

    Scharwenka, Philipp. Sonate für Violine und Klavier h-Moll, op. 110

    Scharwenka, Philipp. Trio für Violine, Viola und Klavier (keine Präzisierung möglich)

    Scharwenka, Xaver. Sonate für Violine und Klavier d-Moll, op. 2

    Schubert, Franz. Klaviertrio Es-Dur, op. 100

    Spohr, Louis. Konzert für Violine und Orchester Nr. 2, A-Dur, op. 1

    Weyermann, Moritz. Sonate e-Moll für Klavier und Violine, op. 10

    Quellen

    Dokumente


    Staatliches Institut für Musikforschung Berlin. Fünf Briefe von Marianne Scharwenka-Stresow an Amalie Joachim (Januar 1872 bis März 1873). Doc. orig. Marianne Stresow 1-5.


    Album Marianne Scharwenka-Stresow. Online veröffentlicht vom privaten Besitzer im Flickr Blog unter: http://www.flickr.com/photos/mscharwenka/sets/72157594540492300/ (Stand: 20. Februar 2009)



    Literatur


    Brand, Bettina u. a. (Hg.): Komponistinnen in Berlin. Berlin: Musikfrauen e. V. Berlin, 1987.


    Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik: Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig, 1914.


    Dörffel, Alfred. Geschichte der Gewandhausconcerte zu Leipzig vom 25. November 1781 bis 25. November 1881. Leipzig: Concert-Direction Gewandhaus, 1884.


    Leichtentritt, Hugo. Das Konservatorium der Musik Klindworth-Scharwenka Berlin 1881-1931. Festschrift aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens. Berlin 1931.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Scharwenka, Xaver. Klänge aus meinem Leben. Erinnerungen eines Musikers. Leipzig: Koehler, 1922.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 16. August 1872, S. 535.

    Musikalisches Wochenblatt vom 21. Januar 1876, S. 46.

    Musikalisches Wochenblatt vom 17. Mai 1878, S. 255.

    Musikalisches Wochenblatt vom 7. Juni 1878, S. 295.

    Musikalisches Wochenblatt vom 21. Juni 1878, S. 315.

    Musikalisches Wochenblatt vom 1. September 1881, S. 434.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 6. Februar 1874, S. 64.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 1. Januar 1875, S. 8.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 21. März 1906, S. 268.


    The Times London vom 17. August 1907, S. 1.



    Links


    www.kalliope-portal.de

    Das Verbundsystem Kalliope-Portal verweist auf mehrere Briefe an die Sängerin Amalie Joachim aus den Jahren 1872/73.


    http://familienkunde.eu/n_scharwenka.html (Stand: 24. Oktober 2008)

    Die Stammtafel der Familie Scharwenka enthält auch die Lebensdaten von Marianne Scharwenka-Stresow


    http://www.flickr.com/photos/mscharwenka/sets/72157594540492300/ (Stand: 24. Oktober 2008)

    Ein Album von Marianne Scharwenka-Stresow befindet sich in Privatbesitz. Es enthält Eintragungen aus den Jahren 1886 bis 1915 u. a. von Joseph Joachim, Philipp Scharwenka, Alexander Moszkowski, Ignaz Brüll, Mary Wurm u. v. a. m. Der anonyme Besitzer bzw. die Besitzerin stellt Scans der Albumblätter im Flickr Blog kostenlos online zur Verfügung.

    Forschung

    Im Staatlichen Institut für Musikforschung Berlin sind mehrere Briefe von Marianne Scharwenka-Stresow an die Sängerin Amalie Joachim aus dem Zeitraum Januar 1872 bis März 1873 erhalten. Sie betreffen im Wesentlichen die Mitwirkung Amalie Joachims an Konzerten von Marianne Scharwenka-Stresow.

    Marianne Scharwenka-Stresow war seit 1880 mit dem Komponisten Philipp Scharwenka, einem Bruder Xaver Scharwenkas, verheiratet.

    Es ist daher zu vermuten, dass bei einer umfassenden Recherche im Umfeld der Brüder Xaver und Philipp Scharwenka auch aufschlussreiche Informationen über die Biografie Marianne Scharwenka-Stresows sowie über ihre Tätigkeiten zu erhalten wären.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Marianne Scharwenka-Stresow umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeiten. Dabei wären ihr jahrzehntelanges Wirken als Pädagogin am Scharwenka-Konservatorium in Berlin, ihr dortiger Schülerkreis sowie ihre Arbeit am Konservatorium im „Hintergrund“ ebenso interessant wie ihre Bedeutung für die zahlreichen beruflichen und privaten Kontakte im Umfeld der Brüder Philipp und Xaver Scharwenka.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 39800175
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 103820957
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 23. März 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 02.04.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Marianne Scharwenka-Stresow“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 2.4.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marianne_Scharwenka-Stresow