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  • Maria Pawlowna Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach

    von Gabriele Jonté
    Großherzogin Maria Pawlowna (Friedrich Dürck, 1858/59)
    Namen:
    Maria Pawlowna Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach
    Lebensdaten:
    geb. in St. Petersburg, Russland
    gest. in Schloss Belvedere bei Weimar, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach

    Nach Julianischem Kalender geboren am 4. Februar 1786.
    Tätigkeitsfelder:
    Mäzenin, Pianistin, Cembalistin, Harfenistin, Sängerin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Wenn Anna Amalia mit der Berufung Wielands und Carl August mit seinem Werben um den jungen Goethe die entscheidenden Wegmarken für die Kulturstadt Weimar gesetzt hatten, so gelang Maria Pawlowna mit der Gewinnung Liszts die dritte programmatische Tat solchen Formats innerhalb von einem Jahrhundert.“


    (Klaus Günzel. Das Weimarer Fürstenhaus. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2001. S. 129.)


    Profil

    Maria Pawlowna (1786-1859), russische Großfürstin und Enkelin der Zarin Katharina II., heiratete 1804 Carl Friedrich, Erbherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach. So kam sie aus dem mächtigen und reichen Russland, vom weltstädtischen und blühenden St. Petersburg in das damals unter finanziellen Nöten leidende Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und die kleine, gleichwohl geistig und literarisch hoch entwickelte Stadt Weimar.


    Mit ihrem Engagement für Kunst und Kultur folgte Maria Pawlowna ihrer großen Vorgängerin Anna Amalia, die den „Musenhof“ Weimar mit seinen literarischen Treffen ins Leben gerufen hatte: Nachdem im Zusammenhang mit Anna Amalia und Goethe der Begriff „Goldenes Zeitalter“ geprägt wurde, steht der Name Maria Pawlowna für das „Silberne Zeitalter“ (zu den Begriffen „Goldenes“ bzw. „Silbernes Zeitalter“ in der Kulturgeschichte Weimars vgl. Günther u.a., 1993, S. 179 u. 401) Weimars mit einem Aufblühen vor allem auf dem Gebiet der Musik, vorrangig verbunden mit dem Wirken Franz Liszts.


    Die Dynastie der Romanows, der die Zarentochter entstammte, gehörte zu den wohlhabensten Familien Europas. Maria Pawlownas reiche Mitgift verhalf dem verarmten und kulturell stagnierenden Weimarer Herzogtum nicht nur zu einem neuen Aufschwung von Musik, Theater, bildenden Künsten und Literatur, sondern schuf außerdem eine Grundlage für diverse soziale Reformen. Maria Pawlowna berief Johann Nepomuk Hummel und Franz Liszt als Kapellmeister nach Weimar. Sie förderte Maler aus Weimar und Umgebung durch Aufträge und gezielte Acquisitionen von Gemälden. Darüber hinaus veranlasste sie die Übersetzung von Puschkins Novellen ins Deutsche. 1817 gründete Maria Pawlowna das „Patriotische Institut der Frauenvereine“ und 1821 die Weimarer Sparkasse. Weiterhin sorgte sie für die Anlage von Gärten und Parks sowie die Begrünung von Straßen. Maria Pawlowna genoss bei der Bevölkerung hohes Ansehen und wurde von Künstlern und Gelehrten gleichermaßen verehrt.

    Orte und Länder

    Die Zarentochter Maria Pawlowna wurde im St. Petersburger Winterpalast geboren. Die ersten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie in St. Petersburg, später hielt sie sich überwiegend in den Residenzen Gatschina und Pawlowsk auf, beide in der Nähe von St. Petersburg gelegen. Drei Monate nach ihrer Vermählung mit Carl Friedrich Erbprinz von Sachsen-Weimar-Eisenach in St. Petersburg (3. August 1804) zog die russische Großfürstin als Erbprinzessin in Weimar ein. Kurz vor der Schlacht von Jena und Auerstedt (14. Oktober 1806) floh Maria Pawlowna nach Schleswig, das damals zu Dänemark gehörte. Ein Jahr später kehrte sie nach Weimar zurück, musste aber während des französischen Russlandfeldzuges (1813) erneut fliehen, dieses Mal nach Böhmen (Österreich-Ungarn), wo sie unter dem Schutz russischer Truppen stand. Auf dem Wiener Kongress (1814/1815), an dem Maria Pawlowna persönlich teilnahm, wurde das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zum Großherzogtum erhoben. In den sich anschließenden Friedenszeiten konnte Maria Pawlowna in Weimar ungestört leben und wirken. Nachdem ihr Ehemann Großherzog Carl Friedrich 1853 gestorben war, bezog Maria Pawlowna das im Süden Weimars gelegene Schloss Belvedere, wo sie bis zum Ende ihres Lebens wohnte.

    Biografie

    Kindheit, Jugend und dynastische Heirat


    Maria Pawlowna wurde am 16. Februar 1786 als fünftes Kind des Großfürsten Pawel Petrowitsch und der Großfürstin Maria Fjodorowna (Sophie Dorothea von Württemberg-Mömpelgard) in St. Petersburg geboren. Pawel Petrowitsch entstammte väterlicherseits der Familie Romanow-Holstein-Gottorp und war als Nachfolger seiner Mutter, der Zarin Katharina II., von 1796 bis zu seiner Ermordung im Jahr 1801 Zar von Russland (Paul I.). Maria Pawlowna war kaum 15 Jahre alt, als sie den gewaltsamen Tod ihres Vaters verkraften musste. Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits seit zwei Jahren Verhandlungen über einen Vertrag für ihre Heirat mit Carl Friedrich, Erbprinz von Sachsen-Weimar-Eisenach. Der Ehevertrag wurde am 28. August 1801 vom russischen Minister Fürst Kurakin und dem eigens für diese Aufgabe als „Außerordentlicher Minister“ eingesetzten Wilhelm von Wolzogen, einem Jugendfreund Friedrich Schillers, unterzeichnet. Die Hochzeit sollte dem Land Sachsen-Weimar-Eisenach angesichts der vom napoleonischen Frankreich ausgehenden Bedrohung den Schutz des russischen Zaren Alexander I. bringen, während Russland gleichzeitig seinen Einflussbereich ausweitete. Die Eheschließung erfolgte am 3. August 1804 in der Schlosskapelle des St. Petersburger Winterpalastes. Am 9. November 1804 zog das jung vermählte Paar – Maria Pawlowna war 18 Jahre alt, Carl Friedrich 21 Jahre – feierlich in Weimar ein, von der Bevölkerung begeistert begrüßt. Anschließend wurde Maria Pawlownas prunkvolle Mitgift im Weimarer Schloss der Öffentlichkeit vorgestellt. Friedrich Schiller widmete Maria Pawlowna anlässlich ihrer Ankunft in Weimar das lyrische Spiel „Die Huldigung der Künste“.



    Wirren der napoleonischen Kriege


    Am 25. September 1805 wurde Maria Pawlownas erster Sohn Alexander geboren, dessen Gesundheitszustand von Anfang an labil war. Er starb im Frühjahr 1806. Kurze Zeit später war Maria Pawlownas eigenes Leben durch die napoleonischen Feldzüge bedroht. So floh sie nach Schleswig, drei Tage vor der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt, in der die französischen Truppen die preußisch-sächsische Armee vernichtend schlugen (14. Oktober 1806). In Schleswig hielt sie sich ein Jahr lang auf, um am 12. September 1807 – nach dem Ende des Vierten Koalitionskrieges und dem Friedensschluss von Tilsit – zum zweiten Mal in Weimar einzuziehen. Am 3. Februar 1808 kam Maria Louise Alexandrine zur Welt, am 30. September 1811 wurde die zweite Tochter Maria Pawlownas und Carl Friedrichs, Marie Louise Augusta Katharina, geboren. Letztere wurde später Königin von Preußen und deutsche Kaiserin.


    Im Jahr 1813 war Maria Pawlowna erneut gezwungen, vor den Truppen Napoleons zu fliehen. Dieses Mal suchte sie ihr Exil in Böhmen, wo sie dem Schutz der russischen Armee unterstand. Nach der Niederlage Napoleons bei der Leipziger Völkerschlacht (16.-19. Oktober 1813) nahm Maria Pawlowna zusammen mit ihrem Schwiegervater, Herzog Carl August, und ihrem Bruder, dem russischen Zaren Alexander I., am Wiener Kongress teil (1814/1815). Im Zuge der dort beschlossenen Neuordnung Europas wurde Sachsen-Weimar-Eisenach in den Rang eines Großherzogtums erhoben, was mit nicht unerheblichen territorialen Gewinnen verbunden war. Dies wäre ohne den Einfluss von Alexander I. nicht möglich gewesen, womit sich die mit der Heirat Maria Pawlownas verbundenen politischen Hoffnungen erfüllten – in einer Zeit, zu der viele kleine Herzogtümer in größeren aufgingen.



    Maria Pawlownas Sozialwerk


    Nach dem Wiener Kongress begann für Maria Pawlowna eine ruhigere Lebensphase. Am 24. Juni 1818 wurde der Erbprinz Carl Alexander in Weimar geboren. In dieser Zeit begann sie sich zunehmend sozial zu engagieren: Am 3. Juni 1817 verabschiedete Maria Pawlowna die Statuten des von ihr ins Leben gerufenen „Patriotischen Instituts der Frauenvereine“. Die daraufhin überall im Großherzogtum entstehenden Vereine unterstützten alleinstehende Frauen, kümmerten sich um benachteiligte Kinder, gründeten Arbeitsschulen speziell für Mädchen, sorgten für eine kostenlose Behandlung Armer in städtischen Krankenhäusern und organisierten Suppenküchen. Um eine dauerhafte Abhängigkeit dieser Aktivitäten von ihren privaten finanziellen Mitteln zu vermeiden, gründete Maria Pawlowna am 16. Februar 1821 die erste Weimarer Sparkasse.



    Maria Pawlowna und die Musik


    Maria Pawlownas besondere Liebe galt der Musik. Sie selbst spielte Klavier, Cembalo und Harfe, sang und komponierte. Als Kind erhielt sie Kompositionsunterricht beim St. Petersburger Hofkapellmeister Giuseppe Sarti, in Weimar beim Stadtorganisten Johann Gottlieb Töpfer. Einem Klavierstück Franz Liszts, der „Consolation Nr. 4“, liegt eine Melodie Maria Pawlownas zu Grunde (vgl. Eckhardt, 1992, S. 449-457). Angesichts des hohen Niveaus des St. Petersburger Opernbetriebs konnte Maria Pawlowna bei ihrer Ankunft in Weimar vom dortigen Musikleben nur enttäuscht sein. So wurde es zu einem ihrer wichtigsten Anliegen, in der Hochburg der klassischen Literatur auch der Tonkunst zu einem Aufschwung zu verhelfen.

    Es gelang ihr, den gefeierten Klaviervirtuosen Johann Nepomuk Hummel, Schüler Wolfgang Amadeus Mozarts und Freund Ludwig van Beethovens, nach Weimar zu berufen. Johann Nepomuk Hummel trat sein Amt als Hofkapellmeister im Februar 1819 an. Einen Teil seiner Gage bezahlte Maria Pawlowna aus ihrer Schatulle. Hummel selbst diente als Magnet für weitere musikalische Prominenz, so die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient und den Geiger Niccolò Paganini, der 1829 in Weimar auftrat. Hummel erteilte Maria Pawlowna Klavierunterricht und begleitete sie 1821 auf einer Reise nach St. Petersburg und Moskau. Durch ihn gewann das Amt des Weimarer Hofkapellmeisters erheblich an Ansehen, womit er auch den Weg für die spätere Berufung Franz Liszts bereitete.



    Maria Pawlowna als Großherzogin


    Als Großherzog Carl August am 14. Juni 1828 starb, erlangten Maria Pawlowna und ihr Gemahl Carl Friedrich die Großherzogswürde. In diesem Zusammenhang erfolgten Umstrukturierungen des Theaterbetriebs, in deren Verlauf Johann Nepomuk Hummel gebeten wurde, seine Vorstellungen vom Kompetenzbereich des Hofkapellmeisters zu formulieren. „Hummels Plan zielte auf eine Art Generalmusikdirektor moderner Prägung“, womit er sich aber nicht durchsetzen konnte (Kleinertz, 2004. S. 239-244). Johann Nepomuk Hummel konzentrierte sich daraufhin verstärkt auf sein kompositorisches Schaffen und schrieb außerdem die Abhandlung „Ausführliche theoretisch-practische Anweisung zum Piano-Forte-Spiel: vom ersten Elementar-Unterrichte an bis zur vollkommensten Ausbildung“ (1828).


    Als Hummel 1837 starb, gelang es zunächst nicht, einen „prominenten“ Nachfolger zu verpflichten. Schließlich übernahm André-Hippolyte Chélard Hummels Amt, konnte jedoch den Erwartungen der Großherzogin nicht gerecht werden. So ernannte sie 1842 Franz Liszt zum „Großherzoglichen Hofkapellmeister in außerordentlichen Diensten“, nachdem dieser in mehreren Konzerten Maria Pawlowna und das Weimarer Publikum beeindruckt hatte. André-Hippolyte Chélard erfüllte weiterhin Routine-Aufgaben, bis Franz Liszt das Amt ab 1848 ganz übernahm. Er blieb bis 1858 Hofkapellmeister in Weimar. Durch die von ihm gesetzten künstlerischen Maßstäbe avancierte die kleine Residenz in dieser Zeit zu einem europaweit bekannten Zentrum des Musiklebens. Franz Liszt bewohnte seit Mai 1849 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Fürstin Caroline von Sayn-Wittgenstein und deren Tochter Marie die Altenburg, ein Gebäude an der Jenaer Straße am Nordostrand des Ilmparks, das ihnen Maria Pawlowna zur Verfügung gestellt hatte. Dort versammelten sich bald Komponisten, Dirigenten, Pianisten, Geiger, Dichter, Maler und Schriftsteller zu einem regen geistigen Austausch. Auf der Altenburg konnte Franz Liszt sich verstärkt dem Komponieren widmen, die Lebensphase als Virtuose war abgeschlossen. In dieser Zeit entstanden 12 seiner 13 sinfonischen Dichtungen, mit denen er ein neues Genre schuf. Hierzu hatte Maria Pawlowna durch ihre Unterstützung indirekt beigetragen.


    Am 16. Februar 1849 führte Liszt anlässlich des Geburtstags von Maria Pawlowna Wagners „Tannhäuser“ auf, wodurch das Weimarer Opernhaus erstmals international wahrgenommen wurde. Auch Maria Pawlowna war von dieser Oper begeistert, sie wurde zu einem ihrer Lieblingswerke. Legendär geworden ist die Uraufführung des „Lohengrin“ unter Liszts Leitung am 28. August 1850. Auch hier hatte Maria Pawlowna großen Anteil, in dem sie 2000 Taler für Eintrittskarten spendete, die kostenlos verteilt wurden. Wie Richard Wagner in seiner Autobiografie „Mein Leben“ berichtet, wurde er 1949 von Maria Pawlowna im Eisenacher Schloss empfangen, obwohl er wegen seiner Beteiligung am Mai-Aufstand (1949) steckbrieflich gesucht wurde. (Wagner, 1976, S. 426)



    Letztes Lebensjahrzehnt


    In der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1853 starb Großherzog Carl Friedrich, woraufhin Maria Pawlowna ihren „Witwensitz“, das im Süden Weimars auf einer Anhöhe gelegene Schloß Belvedere, bezog. Zu Maria Pawlownas kreativen Leistungen gehörte die bereits ab 1811 vorgenommene Umgestaltung des Gartens von Belvedere, zu der die Anlegung eines „russischen Gartens“ nach dem Pawlowsker Vorbild gehörte. 1854 wurde zum 50-jährigen Jubiläum des Einzugs von Maria Pawlowna und Carl Friedrich erneut Schillers Festspiel „Die Huldigung der Künste“ aufgeführt und außerdem Liszts sinfonische Dichtung „Festklänge“ dargeboten. Am 6. September 1856 wurde Maria Pawlownas Neffe Alexander II. in Moskau zum Kaiser gekrönt. Zu diesem Anlass besuchte Maria Pawlowna zum letzten Mal ihre russische Heimat. Am 23. Juni 1859 starb Maria Pawlowna, Kaiserliche Hoheit, Großfürstin von Russland und Großherzogin in Sachsen-Weimar-Eisenach, im Schloss Belvedere bei Weimar. Maria Pawlownas Sarg befindet sich in der Gruft der auf ihren Wunsch erbauten russisch-orthodoxen Kapelle, direkt neben dem Sarg ihres Mannes Carl Friedrich in der angrenzenden Weimarer Fürstengruft.

    Würdigung

    Der 55 Jahre andauernde Aufenthalt Maria Pawlownas in Weimar war für die Stadt und das Herzogtum ein großer Glücksfall. Mit gewinnendem Wesen und beeindruckender Tatkraft führte sie Weimar in ein „Silbernes Zeitalter“. Versehen mit einer reichen finanziellen Mitgift, unterstützte sie als Mäzenin vor allem Musiker und Maler. Die Berufungen Johann Nepomuk Hummels und Franz Liszts als Hofkapellmeister waren nicht nur geschickte „kulturpolitische Schachzüge“, die dem Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach dienten; es handelte sich aus heutiger Sicht vielmehr um musikgeschichtliche Taten von weit reichender Bedeutung. Auch um die Literatur machte sich Maria Pawlowna verdient, sie veranstaltete – in Anlehnung an den „Musenhof“ ihres Vorbilds Anna Amalia – literarische Sommernachmittage auf Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach und literarische Abende im Weimarer Schloss. Sie pflegte regelmäßigen Kontakt mit Goethe und ließ nach dessen Tod vier „Dichterzimmer“ im Schloss einrichten, um Goethe, Schiller, Herder und Wieland zu ehren. Auch veranlasste sie die Übersetzung von Puschkins Novellen ins Deutsche. Mit ihrem sozialen Engagement bewies Maria Pawlowna Menschlichkeit, Weitsicht und Realitätssinn.


    Friedrich Schiller widmete Maria Pawlowna zu ihrer Ankunft in Weimar sein „lyrisches Spiel“: „Die Huldigung der Künste“, das im Hoftheater am 12. November 1804 aufgeführt wurde. Hier eine Textpassage des Genius:


    „Ein schönes Herz hat bald sich heimgefunden;

    Es schafft sich selbst, still wirkend, seine Welt.

    Und wie der Baum sich in die Erde schlingt

    Mit seiner Wurzeln Kraft und fest sich kettet,

    So rankt das Edle sich, das Treffliche,

    Mit seinen Taten an das Leben an.

    Schnell knüpfen sich der Liebe zarte Bande,

    Wo man beglückt, ist man im Vaterlande.“


    (Friedrich Schiller. Sämtliche Werke. Band II, Dramen 2. München/Wien: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2004. S. 1087.)

    Rezeption

    Vom 20. Juni bis zum 26. September 2004 zeigte das Weimarer Schlossmuseum eine groß angelegte Sonderausstellung zum Leben und Wirken Maria Pawlownas unter dem Titel: „'Ihre Kaiserliche Hoheit'. Maria Pawlowna. Zarentochter am Weimarer Hof“. Damit wurde – 200 Jahre nach ihrem Einzug in Weimar – eine Frau gewürdigt, deren Spuren bis dahin nur unzureichend verfolgt worden waren. Der umfangreiche Ausstellungskatalog bietet eine umfassende Dokumentation, einschließlich zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge im zweiten Teil.


    Im Jubiläumsjahr 2004 wurde der Großherzogin auch in einer Fernsehdokumentation gedacht: „Maria Pawlowna. Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach“. (Görner: mdr, 2004.)

    Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar fördert mit einem „Maria Pawlowna-Stipendium“ junge Künstler. Es dient dem Austausch von Studierenden dieser Hochschule mit dem Staatlichen Konservatorium für Musik Rimski-Korsakow in St. Petersburg. Anknüpfend an die Verbindungen, die durch die Heirat Maria Pawlownas mit Carl Friedrich zwischen St. Petersburg und Weimar geknüpft wurden, soll das Stipendium die russisch-deutschen Beziehungen vor allem auf kulturellem Gebiet wiederbeleben.


    Der „Maria-Pawlowna-Promenadenweg“ ist ein zwei Kilometer langer Rad- und Wanderweg im Weimarer Land, der die Schlösser Tiefurt und Kromsdorf miteinander verbindet. Bereits 1822 hatte Maria Pawlowna den Wunsch geäußert, einen solchen Weg entlang der Ilm anlegen zu lassen. Die Idee konnte aber erst mehr als 50 Jahre später durch ihren Sohn Carl Alexander verwirklicht werden. Während des 20. Jahrhunderts verfiel dieser „Herrenweg“, um rechtzeitig zum 250. Geburtstag Goethes im Jahr 1999 rekonstruiert zu werden. Am Wegesrand finden sich 10 Pulte mit Goethe-Zitaten.

    Werkverzeichnis

    Ein Verzeichnis der Kompositionen Maria Pawlownas gehört zu den Forschungsdesideraten.

    Quellen

    Altenburg, Detlef (Hg.). Liszt und die Weimarer Klassik. (= Weimarer Liszt-Studien. Bd. 1). Laaber: Laaber, 1997.


    Altenburg, Detlef (Hg.). Liszt und die Neudeutsche Schule.

    (= Weimarer Liszt-Studien. Bd. 3). Laaber: Laaber, 2006.


    „Ankunft und feierlicher Einzug des Durchl. Erbprinzen von Sachsen-Weimar und dessen Gemahlin, Kaiserl. Hoheit“. In: Journal des Luxus und der Moden 19. 1804. S. 542-552.


    Barth, Ilse-Maria. Literarisches Weimar. Kultur, Literatur, Sozialstruktur im 16.-20. Jahrhundert. Stuttgart, 1971 (= Sammlung Metzler. Bd. 93).


    Berger, Joachim (Hg.). Der „Musenhof“ Anna Amalias. Geselligkeit, Mäzenatentum und Kunstliebhaberei im klassischen Weimar. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2001.


    Dömling, Wolfgang. Franz Liszt und seine Zeit. Laaber: Laaber, 1985.


    Dmitrieva, Katja und Klein, Viola (Hg.). Maria Pavlovna. Die frühen Tagebücher der Erbherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2000.


    Eckhardt, Mária. „Zur Entstehungsgeschichte der 'Consolations' von Franz Liszt“. In: Studia Musicologica Academiae Scientiarum Hungaricae. T. 34. Fasc. 3/4. 1992, S. 449-457.


    Festlicher Einzug der Maria Pawlowna 1804 in Weimar. Dargestellt auf Kupferstichen von Alexander Weise. Zum Geburtstag 1805 ihr gewidmet von E.F. Glüsing. 13 farbige Kupfertafeln. Weimar, 1805.


    Görner, Eberhard: Fernsehdokumentation „Maria Pawlowna. Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach“ im Auftrag des MDR-Landesfunkhaus Thüringen. Redaktion: Eva Hempel, Kamera: Ludolph Weyer mdr, 2004.


    Goethes Werke, hg. im Auftrage der Großherzogin Sophie von Sachsen (Weimarer Ausgabe). Abt. I: Poetische Werke und Schriften. Abt. II: Naturwissenschaftliche Schriften. Abt. III: Tagebücher. Abt. IV: Briefe. Weimar, 1887-1919.


    Günther, Gitta, Huschke, Wolfram und Steiner, Walter (Hg.). Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Weimar: Böhlau, 1993.


    Günzel, Klaus. Das Weimarer Fürstenhaus. Eine Dynastie schreibt Kulturgeschichte. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2001.


    Hecker, Jutta. Die Altenburg. Geschichte eines Hauses. Berlin: Verlag der Nation, 1983.


    Hummel, Johann Nepomuk. Ausführliche theoretisch-practische Anweisung zum Piano-Forte-Spiel: vom ersten Elementar-Unterrichte an bis zur vollkommensten Ausbildung verfaßt und Sr. Majestät dem Kaiser von Russland Nicolaus I. zugeeignet von J.N. Hummel großherzoglich sächsischer Hofkapellmeister. Reprotechnischer Nachdruck der 2. Auflage. Wien: Haslinger, 1838. Straubenhardt: Zimmermann, 1989 = 1838.


    Huschke, Wolfram. Musik im klassischen und nachklassischen Weimar 1756-1861. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 1982.


    Hust, Christoph. „Hummel, Johann Nepomuk“. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite, neubearbeitete Ausgabe. Ludwig Finscher (Hg.). Kassel u.a.: Bärenreiter, 2003. Sp. 503-511.


    Ignasiak, Detlef. Regenten-Tafeln Thüringischer Fürstenhäuser. Mit einer Einführung in die Geschichte der Dynastien in Thüringen. Jena: Quartus, 1996.


    Jena, Detlef. Maria Pawlowna. Großherzogin an Weimars Musenhof. Regensburg: Pustet, Graz: Styria, 1999.


    Jena, Detlef. Das Weimarer Quartett. Die Fürstinnen Anna Amalia, Louise, Maria Pawlowna, Sophie. Regensburg: Pustet, 2007.


    Jena, Detlef. Die Weimarer Zarin. Jena, 2004.


    Kesting, Hanjo (Hg.). Franz Liszt – Richard Wagner. Briefwechsel. Frankfurt/Main: Insel, 1988.


    Klauß, Jochen. Weimar. Stadt der Dichter, Denker und Mäzene. Von den Anfängen bis zu Goethes Tod. Düsseldorf, Zürich: Artemis & Winkler, 1999.


    Kleinertz, Rainer. „Maria Pawlowna und die Musik am Weimarer Hof“. In: Maria Pawlowna. Ihre Kaiserliche Hoheit. Zarentochter am Weimarer Hof. Katalog und CD-R zur Ausstellung im Weimarer Schloßmuseum.Teil 2. Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen (Hg.). München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2004. S. 239-244.


    Knoche, Michael. Die Bibliothek brennt. Ein Bericht aus Weimar. Göttingen: Wallstein, 2006.


    Liszt, Franz. Lohengrin et Tannhäuser de Richard Wagner. Rainer Kleinertz (Hg.). Kommentiert unter Mitarbeit von Gerhard J. Winkler. Wiesbaden u.a.: Breitkopf & Härtel, 1989.


    Liszt, Franz. Frühe Schriften. Rainer Kleinertz (Hg.). Wiesbaden u.a.: Breitkopf & Härtel, 2000.


    Lucke-Kaminiarz, Irina, Liepsch, Evelyn. Franz Liszt, die Altenburg und Europa. Weimar: Hochschule für Musik Franz Liszt, 2003.


    Makarij, Archimandrit (Petr Ivanovič Veretennikov). Die Kirche der Apostelgleichen Maria Magdalena zu Weimar. Studien zu ihrer Geschichte. Erlangen: Lehrstuhl für Geschichte und Theologie des christlichen Ostens, 1999.


    Pachomova-Göres, Wasilissa. „'...sie ist sehr klug, für alles begabt und wird eine weise Jungfer'“. In: Maria Pawlowna. Ihre Kaiserliche Hoheit. Zarentochter am Weimarer Hof. Katalog und CD-R zur Ausstellung im Weimarer Schloßmuseum. Teil 2. Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen (Hg.). München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2004. S. 421-526.


    Pöthe, Angelika. Carl Alexander. Mäzen in Weimars „Silberner Zeit“. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 1998.


    Reder, Dirk Alexander. Frauenbewegung und Nation. Patriotische Frauenvereine in Deutschland im frühen 19. Jahrhundert (1813-1830). Köln: SH-Verlag, 1998.


    Seemann, Annette. Anna Amalia – Herzogin von Weimar. Eine Biographie. Frankfurt: Insel, 2007.


    Schiller, Friedrich. Die Huldigung der Künste. Ein lyrisches Spiel. Ihrer Kaiserl. Hoheit der Frau Erbprinzessin von Weimar Maria Paulowna Großfürstin von Rußland in Ehrfurcht gewidmet und vorgestellt auf dem Hoftheater zu Weimar am 12. November 1804.


    Schmidt-Möbus, Friederike, Möbus, Frank. Kleine Kulturgeschichte Weimars. Unter Mitarbeit von Tobias Dünow. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 1998.


    Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen (Hg.). „Ihre Kaiserliche Hoheit. Maria Pawlowna. Zarentochter am Weimarer Hof“. Katalog und CD-R zur Ausstellung im Weimarer Schloßmuseum. München, Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2004.


    Thomas, Kurt. Johann Nepomuk Hummel und Weimar. Komponist, Klaviervirtuose, Kapellmeister. 1778 bis 1837. (= Tradition und Gegenwart. Weimarer Schriften 26). Weimar: Ständige Kommissionen Kultur der Stadtverordnetenversammlung, 1987.


    „Ueber den Trousseau der Frau Erbprinzessin von Sachsen-Weimar, Großfürstin v. Rußland, K. Hoheit“. In: Journal des Luxus und der Moden. Bd. 20. 1805. S. 24-35.


    Wagner, Richard. Mein Leben. Vollständige kommentierte Ausgabe. Martin Gregor-Dellin (Hg.). München: List, 1976.


    Wahl, Hans (Hg.). Briefwechsel des Herzogs-Großherzogs Carl August mit Goethe. 3 Bde. Berlin: Mittler, 1918.

    Forschung

    Am Abend des 2. September 2004 brach im Dachgeschoss der Herzogin Anna Amalia Bilbiothek in Weimar ein Brand aus, bei dem über 50.000 Bücher vernichtet wurden. Auch die von Maria Pawlowna gesammelten Noten fielen dem Feuer zum Opfer:

    „Der Buchbestand, der auf dem Dachgeschoß und der zweiten Galerie gelagert war, ist weitgehend verloren gegangen. Es handelt sich um Werke des 16.-20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt auf dem 17. und 18. Jahrhundert. Dazu zählt auch die kulturhistorisch bedeutende Musikaliensammlung von Anna Amalia (1739-1807) aus der Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts, ergänzt durch die Notensammlung der Zarentochter Maria Pawlowna (1786-1859), mit 2100 Drucken und 700 Notenhandschriften (Michael Knoche. Die Bibliothek brennt. Ein Bericht aus Weimar. Wallstein: Göttingen, 2006. S. 84; vgl. auch „Datenbank der Verluste“. Pressemitteilung der Klassik Stiftung Weimar vom 21. Sept. 2004. In: Archivierte Pressemitteilungen, www.klassik-stiftung.de.)


    Vor dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bilbiothek war geplant, die Musikaliensammlungen Anna Amalias und Maria Pawlownas im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts auszuwerten. Einige Dokumente blieben erhalten, weil sie sich zur Zeit des Brands in der Maria-Pawlowna-Ausstellung befanden bzw. in einem Tresor für besonders wertvolle Handschriften aufbewahrt wurden (Knoche 2006, S. 16 u. S. 50). Diese Quellen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu erschließen, ist weiterhin möglich.

    Forschungsbedarf

    Wünschenswert wären Forschungen zu Maria Pawlownas Bedeutung als Komponistin einschließlich der Erstellung eines Werkverzeichnisses. Auch die Stationen ihrer musikalischen Ausbildung sind noch nicht im Detail dargestellt worden.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 42274340
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 104304219
    Library of Congress (LCCN): n79040965
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Gabriele Jonté, Die Grundseite wurde im November 2007 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 03.12.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Gabriele Jonté, Artikel „Maria Pawlowna Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 3.12.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Maria_Pawlowna_Großherzogin_von_Sachsen-Weimar-Eisenach