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  • Maria Alexejewna Olenina-d'Alheim

    von Maria Lobanova
    Namen:
    Maria Alexejewna Olenina-d'Alheim (orig.: Мария Алексеевна Оленина-д’Альгейм)
    Geburtsname: Maria Alexejewna Olenina
    Lebensdaten:
    geb. in Landgut Istomino, Rjasaner Gouvernement, Russisches Reich (heute: Siedlung Krutojarskij, Kassimovskij Bezirk des Rjasaner Gebiets, Russische Föderation)
    gest. in Moskau, Russisches Reich (heute: Russische Föderation)
    Tätigkeitsfelder:
    Liedsängerin (Mezzosopran), Aufklärerin
    Charakterisierender Satz:

    "Петербург слышал певиц с более сильным, пожалуй, более красивым голосом, с более совершенной, хотя и совсем не нужной колоратурой, но более талантливую — никогда!"


    „St. Petersburg hat Sängerinnen gehört, die größere und vielleicht schönere Stimmen sowie perfektere, obschon gar nicht nötige Koloraturen hatten, eine talentiertere jedoch nie!“


    (Der Komponist César Cui über Maria Olenina-d’Alheim, zit. nach: Stasov, Vladimir. "Kto odoleet? Moskva ili Peterburg" [Wer wird bewältigen: Moskau oder Petersburg?]. In: Novosti i birževaja gazeta 1902, Nr. 17)


    Profil

    Maria Alexejewna Olenina-d'Alheim war eine russische Liedsängerin und Begründerin der russischen Gesangsschule. Sie war Organisatorin des "Haus des Liedes" in Moskau und setzte sich sehr für das Schaffen von Modest Mussorgski und anderen russischen Komponisten in Russland und im Ausland ein. Sie engagierte sich auch als Pädagogin in Moskau und in Paris; sie starb in Moskau.

    Orte und Länder

    Maria Olenina-d’Alheim wurde auf dem Landgut Istomino im Rjasaner Gouvernement geboren. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie in St. Petersburg. Nach ihrer Weiterbildung als Sängerin in Paris nahm sie eine Konzerttätigkeit in Frankreich auf, die sie in der Folge auch durch das Russische Reich führte (St. Petersburg/Petrograd, Moskau, Kiew, Saratow, Rjasan, Charkow, Nischni Nowgorod, Odessa), ebenso nach Belgien, England und in die Schweiz.

    Biografie

    Maria Alexejewna Olenina wurde am 1. Oktober (nach julianischem Kalender am 19. September) 1869 auf dem Landgut Istomino im Rjasaner Gouvernement in eine reiche und prominente Adelsfamilie hineingeboren. Ihr Großvater, Alexej Nikolajewitsch Olenin (1763-1843), war ein hochgestellter Beamter des Zaren und Mäzen aus dem Umfeld Alexander Puschkins, er war Direktor der St. Petersburger öffentlichen Bibliothek und Präsident der Kaiserlichen Akademie der Künste. Der andere Großvater Oleninas, Generalmajor Pjotr Alexejewitsch, nahm an der Schlacht bei Borodino teil; er war auch als begabter Amateur-Maler bekannt. Oleninas Großtante, Anna Alexejewna Olenina, war eine berühmte Schönheit ihrer Zeit; Alexander Puschkin verliebte sich in das Hoffräulein, machte ihr einen Heiratsantrag und widmete ihr etliche Gedichte. Oleninas Vater, Alexej Petrowitsch Olenin (1833-?), besaß ein großes Landgut und war ebenfalls Amateur-Maler; von 1882 bis 1886 war er Direktor der Stroganow-Kunstschule. Oleninas Mutter, Warwara Alexandrowna Bakunina (1838-1894), war eine Nichte zweiten Grades des berühmten Theoretikers und Anarchisten Michail Alexandrowitsch Bakunin (1814-1876). Aus dieser Ehe stammten auch der Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur Pjotr Alexejewitsch Olenin (Künstlername: Wolgar, 1864-1926), der Komponist, Pianist und Folklorist Alexander Alexejewitsch Olenin (1865-1944) sowie die früh verstorbene Malerin Warwara Alexejewna Olenina. Maria Olenina-d‘Alheims Vetter Pjotr Sergejewitsch Olenin (1870 oder 1874-1922) war ein bekannter Sänger.


    Wie für Adelsfamilien üblich wurden alle Kinder zu Hause erzogen und ausgebildet; eine sehr wichtige Rolle dabei spielte der Fremdsprachenunterricht. Als besonders musikalisch erwiesen sich Maria und Alexander. Eine Tante Oleninas, Jekaterina Alexandrowna Bakunina (1833-?) war eine ausgezeichnete Pianistin, die den Kindern ersten Musikunterricht erteilte. 1881 zog die Familie nach Moskau, wo Maria ihre Ausbildung fortsetzte. 1887 gingen die Olenins nach St. Petersburg, wo sie zunächst bei einer weiteren Schwester Warwara Alexandrownas, Tatjana Alexandrowna Bakunina wohnten, die Hoffräulein war und in den Appartements des Taurischen Palastes, einer Residenz des Zaren, wohnte.


    Während Alexander Olenin Komposition und Musiktheorie bei Milij Balakirew und Anatoli Ljadow studierte, wurde Maria drei Monate lang von der bekannten Opernsolistin des Mariinski-Theaters, Julia Fjodorowna Platonowa (1841-1892), einer Freundin und Verehrerin Modest Mussorgskis, für dessen Schaffen sie sich sehr einsetzte, unterrichtet. Platonowa war vom Talent ihrer Schülerin so begeistert, dass sie überall von der phänomenalen Begabung erzählte, unter anderem auch im Kreis des sogenannten "Mächtigen Häufleins". Im Februar 1887 kam es zu dem schicksalhaften Ereignis im Leben Maria Oleninas: Sie wurde zu einer musikalischen Soirée zu Ehren von Peter I. Tschaikowsky bei Milij Balakirew eingeladen, bei der auch Nikolaj Rimski-Korsakow, Alexander Glasunow, Anatoli Ljadow, Wladimir und Dmitri Stassow anwesend waren. An jenem Abend sang Maria Olenina Lieder und Romanzen von Balakirew, Mussorgski und Peter I. Tschaikowsky, begleitet von ihrem Bruder Alexander und Milij Balakirew. Die Stimme und Vortragsweise der jungen Sängerin gefiel den Anwesenden sehr gut; besonders begeisterte sich der berühmte Kunst- und Musikkritiker Wladimir Wassiljewitsch Stassow (1824-1906) für die junge Sängerin, der ihr empfahl, ihr Studium bei der bekannten Liedsängerin Alexandra Nikolajewna Molas, geb. Purgold (1845 oder 1844-1929), Schülerin von Alexander Dargomyschski und Schwester von Nadeshda Nikolajewna Rimskaja-Korsakowa, fortzusetzen (s.: Rejf, Igor'. "Vek artistki" [Das Jahrhundert einer Artistin], in: "Inye berega“ 2010, Nr. 1(17); http://www.inieberega.ru/node/241).


    Dank der Verbindung mit Platonowa und insbesondere mit Molas, von der sie ab 1887 unterrichtet wurde, erhielt Maria Olenina-d‘Alheim einen lebendigen Einblick in die Kunst, die Prinzipien und Ideen ihres Lieblingskomponisten Modest Mussorgski, der zu jener Zeit noch nicht etabliert und anerkannt war. 1891 fand Oleninas Debüt als Liedsängerin in Moskau statt, und zwar im Konzert des berühmten Kerzins-Kreises, bestehend aus Liebhabern russischer Musik (Krushok ljubitelej russkoj muzyki, 1896-1912), der von A. M. und M. S. Kerzin begründet worden war.

    1891 ging Maria Olenina-d‘Alheim nach Paris, wo sie bei Julie Vieuxtemps (bekannt vor ihrer Ehe als Mademoiselle de la Blanchette) weiterstudierte (s.: Tumanov, Alexander The Life and Artistry of Maria Olenina-d'Alheim. Edmonton 2000, p. 48-51). In Paris lernte sie ihren Vetter zweiten Grades kennen, den französischen Schriftsteller, Journalisten und Kritiker Pierre (Pjotr) d'Alheim (1862-1922). Diese Begegnung war von großer persönlicher Bedeutung: Maria Olenina fand in Pierre d'Alheim nicht nur ihren Lebenspartner, sondern auch einen Seelenverwandten: Pierre d'Alheim war vom Schaffen Modest Mussorgskis so begeistert, dass er die Texte seiner Lieder in die französische Sprache übersetzte und alles tat, um dessen Schaffen in Frankreich bekannt zu machen und dauerhaft im Repertoire zu verankern. 1896 organisierten die beiden Alheims in Paris sogenannte "Mussorgski-Konferenzen": Gesprächskonzerte, in den Pierre d'Alheim in Vorträgen das Publikum mit Mussorgskis Ideen bekannt machte, während seine Frau, begleitet vom Pianisten Charles Foerster, einem Schüler Franz Liszts und Freund von Ignacy Jan Paderewski, Vokalwerke von Mussorgski vortrug (s.: Tumanov Alexander. Zit. Buch, p. 51-52). Es war das Verdienst Maria Olenina-d'Alheims und Pierre d'Alheims, dass Pariser Intellektuelle und Komponisten wie Claude Debussy und Maurice Ravel Mussorgskis Musik kennen und schätzen lernten. Im gleichen Jahr wurde das Buch über "Moussorgski" von Pierre d'Alheim in Paris veröffentlicht.

    Die Ehe mit Pierre d'Alheim wurde von den französischen Behörden offiziell registriert; von der russisch-orthodoxen Kirche wurde sie jedoch nie anerkannt. Ein Leben in wilder Ehe war eine gesellschaftliche Herausforderung, insbesondere in Russland. Maria Olenina-d‘Alheim indes hatte nie besonders großen Wert auf Konventionen gelegt. Aus der Ehe mit Pierre d'Alheim ging 1892 eine Tochter Marianne hervor, die 1910 an Tuberkulose verstarb.

    Im Januar 1902 fand ein Liederabend Maria Olenina-d'Alheims im Konzertsaal der St. Petersburger Kreditgesellschaft statt, der privat von Pierre d'Alheim finanziert worden war. Obschon sich Milij Balakirew sehr skeptisch zeigte und die Sängerin vor den Schwierigkeiten des russischen Konzertlebens warnte, zeigte sich Olenina-d'Alheim in ihrem Glauben an den Erfolg unerschüttert. Aus Überzeugung verzichteten die Alheims auf jegliche Werbung; trotzdem wurde das Konzert ein Riesenerfolg.

    In den folgenden Jahren teilte Maria Olenina-d'Alheim ihre Zeit zwischen Russland, Frankreich und Belgien auf; u.a. trat sie in Paris, St. Petersburg/Petrograd, Moskau, Kiew, Saratow, Rjasan, Charkow, Nischni Nowgorod und Odessa auf. 1912 unternahm sie eine große Konzerttournee nach England und im folgenden Jahr eine Konzertreise in die Schweiz. Olenina d'Alheim engagierte sich aktiv für die Ziele des Moskauer Kerzins-Kreises, indem sie Lieder und Romanzen russischer Komponisten aufführte. Der Kerzin-Kreis bestand aus Liebhabern russischer Musik (Kružok ljubitelej russkoj muzyki, 1896-1912) und war von A.M. und M.S. Kerzin gegründet worden. An den Konzerten, die in diesem Kreis veranstaltet wurden, nahmen die besten Interpretinnen und Interpreten der Zeit teil. Zu den bedeutendsten Interpretationen von Maria Olenina-d'Alheim gehörten die Aufführungen der Vokalzyklen und Lieder von Mussorgski ("Kinderstube", "Lieder und Tänze des Todes", "Ohne Sonne" usw.).

    1908 gründeten Maria Olenina-d'Alheim, Pierre d'Alheim und Anna Wassiljewna Tarassewitsch (geb. Gräfin Stenbok-Fermor, 1872-1921) in Moskau das "Haus des Liedes", das bis 1918 existierte. Im Eröffnungskonzert sang Olenina-d'Alheim den Zyklus "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert. Von 1908 bis 1918 führte sie etwa 600 Romanzen und Lieder aus verschiedenen Epochen und Ländern in dieser Institution auf. Diese Privatinitiative war von enormer Bedeutung für die russische Musikkultur: Im Rahmen der Veranstaltungen und Initiativen des "Hauses des Liedes" wurden sowohl Konzerte und Vorlesungen veranstaltet als auch eine Zeitschrift und Bulletins veröffentlicht, die das Liedrepertoire der zeitgenössischen russischen Komponisten beim russischen Publikum bekannt machten. Außerdem gründete Maria Olenina-d'Alheim 1912 "Die Gesellschaft für‘s Lied", die bis 1915 Bestand hatte.

    1918 verließ Maria Olenina-d'Alheim gemeinsam mit ihrem erkrankten Ehemann Russland. 1922 verstarb Pierre d'Alheim in Paris. Maria Olenina-d'Alheim setzte ihre Konzerttätigkeit fort und gründete in Paris ein "Haus des Liedes". Die Sängerin gastierte in verschiedenen französischen Städten sowie in Norwegen; 1926 gab sie noch einmal Konzerte in Moskau und Leningrad. Ihr letzter Konzertauftritt fand 1942 in Paris statt: Die 73-jährige Maria Olenina-d'Alheim sang Werke von Robert Schumann, Frédéric Chopin und Modest Mussorgski.

    Zu den Klavierbegleitern von Maria Olenina d'Alheim gehörten Nadia Boulanger, Alfred Cortot, Alexander Goldenweiser, Pawel Lamm, Nikolaj Medtner, Alexander Olenin usw.

    Maria Olenina-d'Alheim engagierte sich in der französischen Résistance in Frankreich. Wie viele französische Intellektuelle und Antifaschisten idealisierte sie die Sowjetunion und wurde 1946 Mitglied der französischen kommunistischen Partei. Darüber hinaus war Maria Olenina d'Alheim Mitglied des Friedensrats in Frankreich sowie der Gesellschaft "Sowjetunion-Frankreich" und des Verbands der französischen Frauen.

    1959 kehrte sie nach Moskau zurück. In ihrer Heimat verlor Maria Olenina-d'Alheim bald alle Illusionen über das "sozialistische Paradies". Maria Olenina-d'Alheim sah sich mit der Gleichgültigkeit sowjetischer Beamten konfrontiert; sie fühlte sich nutzlos, isoliert und verlassen, ihre Ideen und künstlerischen Prinzipien wurden von niemandem gebraucht. In ihrem Privatleben wurde sie ebenfalls von Schicksalsschlägen getroffen: Nach dem plötzlichen Tod ihrer Lieblingsnichte, mit der sie die Wohnung geteilt hatte, musste sie umziehen. Im Alter von 96 Jahren machte Maria Olenina-d'Alheim noch einen verzweifelten Versuch, nach Frankreich zurückzukehren, aber der Plan misslang. Anfang des Jahres 1970 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Sängerin drastisch; Maria Olenina-d'Alheim wurde in ein Moskauer Altersheim gebracht, in dem sie am 26. August 1970 verstarb (Rejf, Igor'. "Vek artistki" [Das Jahrhundert einer Artistin], in: "Inye berega 2010, Nr. 1(17); http://www.inieberega.ru/node/241).

    Würdigung

    Maria Olenina-d'Alheim war eine der führenden russischen Liedsängerinnen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die die russische Schule des Liedgesangs prägte.

    Ihre Stimme war flexibel und von großem Umfang. Olenina-d'Alheim besaß eine exzellente Stimmtechnik. Vor allem aber waren Zuhörer und Kritiker von ihrer Fähigkeit begeistert, eine überzeugende Synthese von Wort und Ton zu kreieren. Olenina-d'Alheims Kunst verstand man als konsequente Verkörperung des künstlerischen Konzepts Modest Mussorgskis, von seinem Streben nach Authentizität in der musikalischen Intonation, die alle Seelenbewegungen auch in kleinsten Nuancen vermitteln sollte.

    Zugleich wurde Olenina-d'Alheim als Verkörperung neuer künstlerischer Bestrebungen betrachtet, die vor allem von den russischen Symbolisten Alexander Blok, Andrej Bely, Wjatscheslaw Iwanow und Sergej Solowjow ausgingen, die mit der Sängerin und ihrem Mann bekannt bzw. befreundet waren. Charakteristisch ist die Einschätzung von Andrej Bely:


    „Пусть оспаривают меня, пусть в последних годах голос ее пропадал; скажу откровенно: никто меня так не волновал, как она; я слушал Фигнера и Шаляпина; но Оленину-д'Альгейм... предпочту всем Шаляпиным; она брала не красотою голоса, а единственной, неповторимой экспрессией.

    Криком восторга встречали мы певицу, которую как бы видели с мечом за культуру грядущего, жадно следя, как осознанно подготовлялся размах ее рук, поднимающих черные шали в Мусоргском, чтобы вскриком, взрывающим руки, исторгнуть стон: «Смерть победила!». Ничего подобного я не слышал потом...“


    („Ich mag kritisiert werden; es könnte stimmen, dass ihre Stimme in den letzten Jahren verloren ging, aber das ist vollkommen egal: Niemand hat mich so berührt wie sie. Ich habe Figner und Schaljapin gehört; doch ich werde Olenina-d'Alheim [...] vor allen Schaljapins bevorzugen. Sie hat die Zuhörer nicht mit der Schönheit ihrer Stimme, sondern mit ihrer einzigartigen, unvergleichlichen Ausdruckskraft gewonnen.

    Mit einem Begeisterungsschrei haben wir die Sängerin begrüßt, die wir uns so vorstellten, als ob sie mit einem Schwert in der Hand für die zukünftige Kultur eintrat; wir beobachteten gierig ihre Hände, die schwarze Schals um Mussorgski legten, um den letzten Schrei und Stöhnen vorzubereiten: ,Der Tod hat gewonnen!‘ Nichts Vergleichbares habe ich je wieder gehört...")

    (Andrej Belyj. Načalo veka [Der Anfang des Jahrhunderts]. Moskau 1990, S. 114).


    Dank Maria Olenina-d'Alheim etablierte sich der Liedgesang in Russland als große Kunst, gleichbedeutend mit der Oper. Dabei zeigte sich Olenina-d'Alheim kompromisslos und konsequent: Sie baute ihre Konzertprogramme nach einem Konzept auf, verzichtete auf Werbung und Kommerz; sie war ein Anti-Star, gleichgültig dem Erfolg gegenüber. Ihr beispielloses Leben als Künstlerin demonstrierte Selbstopferung und wirkte wie ein Heldenleben.


    Maria Olenina-d'Alheim war die erste Interpretin der Romanzen von Nikolaj Medtner: "Angel" [„Der Engel“], Op. 1/1a; "Aus „Lila“: So tanzet", Op. 15 Nr. 5; "Vor Gericht", Op. 15, Nr. 6; "Meeresstille", Op. 15 Nr. 7, "Glückliche Fahrt", Op. 15 Nr. 8; "Nähe des Geliebten", Op. 15 Nr. 9; "Der untreue Knabe", Op. 15 Nr. 10; "Geistesgruß", Op. 15 Nr. 12; "Die Spröde", Op. 18 Nr. 1; "Die Bekehrte", Op. 18 Nr. 2; "Neždannyj dožd'" [„Der unerwartete Regen“], Op. . 28 Nr. 1; "Ne mogu ja slyšat' ėtoj ptički" [„Ich kann dieses Vögelchen nicht hören“], Op. 28 Nr. 2; "Babočka" [„Der Schmetterling“], Op. 28 Nr. 3; "Pošli, Gospod', svoju otradu" [„Sende, o Herr, deinen Trost“], Op. 28 Nr. 7; "Muza" [„Die Muse“], Op. 29 Nr. 1; "Stichi, sočinënnye noč'ju vo vremja bessonnicy" [„Die Gedichte, die in einer schlaflosen Nacht geschrieben wurden“], Op. 29 Nr. 3; "Kon'" [„Das Pferd“], Op. 29 Nr. 4; "Roza" [„Die Rose“], Op. 29 Nr. 6; "Zaklinanie" [„Beschwörung“], Op. 29 Nr. 7; "Mailied", Op. 6 Nr. 2, "Elfenliedchen", Op. 6 Nr. 3; "Im Vorübergehen", Op. 6 Nr. 4, "Ėpitafija" [„Epitaph“], Op. 13 Nr. 2; "Selbstbetrug", Op. 15 Nr. 3; "Einsamkeit", Op. 18 Nr. 3; "Gruß", Op. 19 Nr. 1; "Heimweh", Op. 19 Nr. 3; "Heimkehr", Op. 19а Nr. 1; "Verzweiflung", Op. 19а Nr. 2.


    Maria Olenina-d'Alheim wurden mehrere Romanzen gewidmet, u.a. von Milij Balakirew ("Iz-pod tainstvennoj cholodnoj polumaski" [„Hinter der geheimnisvollen kalten Halbmaske“], 1904; „Ščëpot, robkoe dychan'e" [„Flüstern, scheues Atmen“], 1904); von Alexander Olenin ("Snilos' mne nebo lazurnoe" [„Ich träumte vom azurblauen Himmel“]; "Tragedija" [„Tragödie“] und Sergej Ljapunow ("Zabelela siren'" [„Der Flieder war weiß“, Op. 30 Nr. 3].


    Die Gesangkunst von Olenina d'Alheim wurde u.a. von Émile Zola, Claude Debussy, Jules Massenet, Camille Saint-Saëns und Lew Tolstoj hoch geschätzt (den letzteren besuchte die Sängerin im Winter 1903 in Jasnaja Poljana).

    Alexander Blok widmete Olenina-d'Alheim das Gedicht "Tëmnaja, bledno-zelënaja..." [„Dunkle, hellgrüne...“] (1903).

    Rezeption

    Maria Olenina-d'Alheim wurde in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von den großen Komponisten und Dichtern Russlands und Frankreichs sowie von Musikkennern und dem breiten Publikum gefeiert. Sie gilt als Inbegriff der "neuen russischen Gesangsschule" und wurde als Interpretin Mussorgskis hoch geschätzt. Für die russischen Symbolisten personifizierte sie die perfekte Synthese von Wort und Ton. In den folgenden Jahrzehnten wurde Olenina-d'Alheim in ihrer Heimat in die Vergessenheit gedrängt: In der offiziellen Sowjetideologie repräsentierte sie die vorrevolutionäre Kultur, deren Vertreter lange Zeit im sowjetischen Kulturleben totgeschwiegen bzw. verleumdet wurden. Unerwünscht war auch ihre adlige Herkunft. In der Tauwetterperiode wurde ihr als französische Kommunistin zwar erlaubt, in die Sowjetunion zurückzukehren, sie blieb jedoch ein Fremdkörper in der sowjetischen Kultur. Erst in den letzten Jahrzehnten, insbesondere mit den Verbreitungsmöglichkeiten des Internets, wächst das öffentliche Interesse an Maria Olenina-d'Alheim sowohl als Sängerin als auch als Vertreterin einer alten Adelsfamilie.

    Werkverzeichnis

    Schriften (Auswahl):


    I. von Maria Olenina d'Alheim:


    Le Legs de Moussorgski. Paris 1908; russisch: Zavety Musorgskogo [Mussorgskis Vermächtnis]. Moskau 1910;


    "Cel' moej žizni byla -- znakomstvo ljudej s russkoj muzykoj" [Das Ziel meines Lebens war, den Menschen die russische Musik nahezubringen]. In: Literaturnaja Rossija, 1969, Nr. 38



    II. von Pierre d’Algeim [d‘Alheim]:


    Moussorgski. Paris, 1896

    Repertoire

    Im Mittelpunkt des Repertoires von Maria Olenina-d'Alheim, das insgesamt mehr als 600 Stücke enthielt, standen die Werke der "neuen russischen Schule", allen voran die von Modest Mussorgski sowie von Nikolaj Rimski-Korskakow, Milij Balakirev und Alexander Borodin. Olenina-d'Alheim sang auch Kompositionen von Peter I. Tschaikowsky, Nikolaj Medtner, Alexander Olenin und Sergej Ljapunow. Zu ihrem Repertoire gehörten ebenso Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Robert Schumann, Frederic Chopin, Johannes Brahms, Richard Wagner, Hector Berlioz, Hugo Wolf, Edvard Grieg, Georges Bizet, Max Reger, Claude Debussy, Maurice Ravel, Gabriel Fauré, Darius Milhaud, Arthur Honegger und Francis Poulenc. Außerdem sang sie russische, österreichische, italienische, französische, schottische und jüdische Volkslieder sowie Zigeunerromanzen. Die Sängerin führte sämtliche Werke in Originalsprache auf.

    Quellen

    I. Bücher:


    Tumanov, Alexander. "Ona i muzyka i slovo..." Žizn' i tvorčestvo M. A. Oleninoj-d'Al'gejm ["Sie ist Musik und Wort..." Das Leben und Schaffen von M. A. Olenina-d'Alheim]. Moskau 1995.


    Derselbe. The Life and Artistry of Maria Olenina-d'Alheim. Edmonton 2000;


    Ėngel', Julij Dmitrievič. Glazami sovremennika. Izbrannye stat'i o russkoj muzyke [Mit den Augen eines Zeitgenossen. Ausgewählte Artikel zur russischen Musik]. 1898-1918. Мoskau 1971, S. 95, 99, 120;


    Iz muzykal'nogo prošlogo. Sbornik očerkov [Aus der musikalischen Vergangenheit. Eine Sammlung von Aufsätzen]. Bd. 1. Hg. von B. S. Štejnpress. Moskau 1960, S. 170;


    Levik, Sergej Jur'evič. Zapiski opernogo pevca [Notizen eines Opernsängers]. 2. Aufl. Moskau 1962, S. 126-127;


    Rossichina, Vera Petrovna. Sovetskoe kamerno-vokal'noe ispolnitel'stvo. Tvorčeske portrety [Die sowjetische Liedinterpretationskunst]. Zoja Lodij. Michail Bichter. Vera Duchovskaja. Anatolij Dolivo. Moskau 1976, S. 13-16;


    Belyj, Andrej. Načalo veka [Der Beginn des Jahrhunderts]. Moskau 1990;

    http://www.youtube.com/watch?v=Bx_R-_1M3I4;



    II. Artikel (Auswahl):


    Lipaev, Ivan. "Iz Moskvy... Po povodu večera g-ži Oleninoj [Aus Moskau... A propos des Abends von Frau Olenina". In: RMG 1901, Nr. 47, Sp. 1199;


    Stasov, Vladimir. "Kto odoleet: Moskva ili Peterburg?" [Wer wird siegen, Moskau oder St. Petersburg?]. In: Novosti i birževaja gazeta 1902, Nr. 17;


    Derselbe. "Po povodu koncertov g-ži Oleninoj-d'Al'gejm" [A propos der Konzerte von Frau Olenina-d'Alheim]. In: Novosti i birževaja gazeta 1902, Nr. 341;


    Belyj, Andrej. "Pevica" [Die Sängerin]. In: Mir iskusstva 1902, Nr. 12;


    Derselbe. "Okno v buduščee" [Ein Fenster in die Zukunft]. In: Muzyka 1911, Nr. 53, S. 1186-1190;


    Karatygin, Vyačeslav. "Konzert M. A. Oleninoj d'Al'gejm" [Ein Konzert von M. A. Olenina-d'Alheim]. In: Muzykal'nyj sovremennik 1916, H. 15;


    Samojlo, K. "Vozvraščenie na Rodina" [Heimkehr]. In: Večernjaja Moskva vom 11. Juli 1959;


    Ëlkin, A., Zolotov, A. "Snova na Rodine" [Wieder in der Heimat]. In: Komsomol'skaja pravda vom 18. Oktober 1959;


    Alekseeva, E. "Olenina D'Al'geim". In: Sovetskaja muzyka 1960, Nr. 1, S. 105-111;


    Less, A. "Ona pela Tolstomu" [Sie hat für Tolstoj gesungen]. In: Muzykal'naja žizn'" 1960, Nr. 20;


    Grudvova, O. "Bol'šaja žizn'" [Ein großes Leben]. In: Teatr 1961; Nr. 4;


    Tumanov, Alexander. "U sovremennicy Stassova" [Bei einer Zeitgenossin von Stassov]. In: Sovetskaja muzyka 1964, Nr. 7;


    Šub, M. "Legenda o russkoj pevice" [Die Legende von der russischen Sängerin]. In: Sovetskaja ėstrada i cirk 1969; Nr. 12;


    Leonidova, M. "Živaja istorija" [Lebendige Geschichte]. IN: Sovetskaja kul'tura 1969, Nr. 118;


    "Pamjati ušedšich: M. A. Olenina d'Al'gejm" [Zum Andenken an die Verstorbene: M. A. Olenina-d'Alheim]. In: Muzykal'naja žizn' 1971, Nr. 2;


    Rejf, Igor'. "Vek artistki" [Das Jahrhundert einer Artistin], in: "Inye berega 2010, Nr. 1(17); http://www.inieberega.ru/node/241


    Pružanckij, Arkadij Michajlovič. "Olenina-d'Al'gejm". In: Pružanckij, Arkadij Michajlovič. Otečestvennye pevcy [Vaterländische Sänger]. 1750-1917. 2. Aufl. Moskau 2008; http://slovari.yandex.ru/~%D0%BA%D0%BD%D0%B8%D0%B3%D0%B8/%D0%9E%D1%82%D0%B5%D1%87%D0%B5%D1%81%D1%82%D0%B2%D0%B5%D0%BD%D0%BD%D1%8B%D0%B5%20%D0%BF%D0%B5%D0%B2%D1%86%D1%8B/%D0%9E%D0%BB%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%BD%D0%B0-%D0%94%E2%80%99%D0%90%D0%BB%D1%8C%D0%B3%D0%B5%D0%B9%D0%BC%20%D0%9C%D0%B0%D1%80%D0%B8%D1%8F%20%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B5%D0%B2%D0%BD%D0%B0/



    III. Links:


    a) Genealogische Angaben zu den Familien Olenins, d'Alheims, Bakunins:


    http://ru.rodovid.org/wk/%D0%A1%D0%B5%D0%BC%D1%8C%D1%8F:70932;


    http://baza.vgdru.com/1/23656/


    http://sinkov.livejournal.com/35510.html


    http://www.imha.ru/1144539061-olenin-volgar-petp-alekseevich.html


    http://www.kasimov.tv/news/557-ptentsy-dvoryanskogo-gnezda


    http://www.mecenat-and-world.ru/8-10/algeim.htm


    http://www.liveinternet.ru/users/4000579/post326152606/



    b) Artikel über Maria Olenina-d'Alheim:


    Rejf, Igor'. "Vek artistki" [Das Jahrhundert einer Artistin], in: "Inye berega 2010, Nr. 1(17);

    http://www.inieberega.ru/node/241;


    http://slovari.yandex.ru/~%D0%BA%D0%BD%D0%B8%D0%B3%D0%B8/%D0%9E%D1%82%D0%B5%D1%87%D0%B5%D1%81%D1%82%D0%B2%D0%B5%D0%BD%D0%BD%D1%8B%D0%B5%20%D0%BF%D0%B5%D0%B2%D1%86%D1%8B/%D0%9E%D0%BB%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%BD%D0%B0-%D0%94%E2%80%99%D0%90%D0%BB%D1%8C%D0%B3%D0%B5%D0%B9%D0%BC%20%D0%9C%D0%B0%D1%80%D0%B8%D1%8F%20%D0%90%D0%BB%D0%B5%D0%BA%D1%81%D0%B5%D0%B5%D0%B2%D0%BD%D0%B0/

    Forschung

    Die wichtigsten Monographien über Maria Olenina-d'Alheim wurden von Alexander Tumanow verfasst. In den letzten Jahren wird die Aufmerksamkeit eines breiteren Publikums durch die Verbreitungsmöglichkeiten des Internets wieder auf das Leben und Schaffen der Sängerin gelenkt. Neue Informationen und Angaben zu ihrer Biografie enthalten die Links zur Genealogie.

    Archivmaterialien zum Leben und Schaffen Maria Olenina-d'Alheims befinden sich im Staatlichen Zentralen Glinka-Museum für Musikkultur in Moskau (Fonds 256) und im Russischen Staatlichen Archiv für Literatur und Kunst in Moskau (Fonds 818).

    Forschungsbedarf

    Es wäre sehr ergiebig, die Verbindungen Maria Olenina-d'Alheims zum Kreis der Symbolisten sowie zu den Emigrantenkreisen in Paris zu erforschen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 12569974
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 121187241

    Autor/innen

    Maria Lobanova


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 24.05.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Maria Lobanova, Artikel „Maria Alexejewna Olenina-d'Alheim“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 24.5.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Maria_Alexejewna_Olenina-d\'Alheim