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  • Marguérite Caponsacchi

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Marguérite Caponsacchi
    Ehename: Marguérite Caponsacchi-Jeisler
    Lebensdaten:
    geb. in Bordeaux,
    gest. um

    Tätigkeitsfelder:
    Violoncellistin
    Charakterisierender Satz:

    „J’ai dit qu’on avait décerné deux premiers prix: l’un à Mlle Caponsacchi (à l’unanimité), l’autre à M. Droeghmans. Mlle Caponsacchi, qui, malgré la désinence italienne de son nom, est Française et née à Bordeaux, méritait cette distinction particulière, par le fait de sa nature artistique exceptionnelle. C’est un de ces tempéramments [sic] rares, avec lesquels il faut forcément compter. Dès son attaque très crâne du morceau il était impossible de s’y méprendre. Un archet à la fois solide et souple, un phrasé excellent et d’un sens musical absolument parfait, un chant d’une expression pénétrante, du style et du goût, avec cela des oppositions de nuance curieuses et charmantes, tout indiquait une personnalité vivace, originale, et qui s’imposait à l’attention, j’allais dire à l’admiration.“


    „Ich habe bereits gesagt, dass man zwei erste Preise vergeben hat: einen an Mlle. Caponsacchi (einstimmig), den anderen an M. Droeghmans. Mlle. Caponsacchi, die trotz der italienischen Herkunft ihres Namens Französin ist und in Bordeaux geboren wurde, verdiente sich diese besondere Auszeichnung mit ihrer außergewöhnlichen künstlerischen Begabung. Sie ist eines von jenen seltenen Temperamenten, mit denen man rechnen muss. Von ihrem ersten, mit großer Geste angesetzten Bogenstrich an war es unmöglich, sich dem zu entziehen. Ein Bogenstrich gleichzeitig fest und weich, eine exzellente Phrasierung und ein absolut perfektes musikalisches Gespür, eine Gesangslinie von durchdringendem Ausdruck, Stilgefühl und Geschmack, und bei alledem auffällige und charmante Gegensätze in den Nuancen – alles deutete auf eine lebhafte, originelle Persönlichkeit hin, die sich der Aufmerksamkeit, ja, sogar der Bewunderung empfahl.“


    („Le Ménestrel“ vom 24. Juli 1904, S. 236, über die Prüfungen des Pariser Conservatoire)


    Profil

    Die Violoncellistin Marguérite Caponsacchi studierte ab 1903 bei Julius Leopold Loeb am Pariser Conservatoire de la Musique und gewann bereits in den Abschlussprüfungen ihres ersten Studienjahrs den „1er Prix“ im Fach Violoncello. Neben Guilhermina Suggia (1885-1950) gehört sie zu den ersten Violoncellistinnen, die nicht nur öffentlich auftraten, sondern sich darüber hinaus im internationalen Musikleben als Solistinnen – fast gleichberechtigt – neben männlichen Solisten etablieren und durchsetzen konnten. Dies zeigt sich vor allem am Repertoire: Marguérite Caponsacchi spielte gemeinsam mit führenden Orchestern und in den großen Konzertreihen, wie z. B. den Philharmonischen Konzerten von Leipzig und Bremen, den Pariser Concerts Pasdeloup und den dortigen Concerts Lamoureux, nahezu alle großen Violoncellokonzerte ihrer Zeit, u. a. jene von Camille Saint-Saëns (a-Moll op. 33), Eduard Lalo (d-Moll o.op.), Antonín Dvořák (h-Moll op. 104) und Robert Schumann (a-Moll op. 129). Noch während ihrer Studienzeit, 1905, komponierte der tschechische Komponist Emanuel Moór sein Violoncellokonzert op. 61 für sie, das ihr auch gewidmet ist.

    Orte und Länder

    Marguérite Caponsacchi wurde in Bordeaux geboren. Von 1903 an studierte sie am Conservatoire de la Musique in Paris und verbrachte dort ihr Leben. Sie konzertierte von 1905 bis 1931 in zahlreichen Städten Frankreichs, Deutschlands und der Schweiz sowie in Spanien, Portugal, Schweden und Russland.

    Biografie

    Marguérite Caponsacchi wurde am 5. März 1884 in Bordeaux geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist nur wenig bekannt. Wilhelm Joseph von Wasielewski zufolge war ihr Vater Italiener, ihre Mutter Spanierin. Mit elf Jahren erhielt sie den ersten Violoncellounterricht und spielte in einem Laienorchester, das ihr Vater leitete (vgl. Wasielewski 1925, S. 197).


    Von 1903 bis ca. 1905 studierte Marguérite Caponsacchi das Fach Violoncello bei Julius Leopold Loeb am Conservatoire de la Musique in Paris und begeisterte bereits in ihrem ersten Studienjahr das Kollegium ebenso wie die Musikkritik. Im Juli 1904 – nach acht Monaten Studium – wurde ihr bei den Jahresprüfungen einstimmig der erste Preis in Violoncello zuerkannt. Auch die Pressestimmen waren eindeutig. Die Zeitschrift „Le Ménestrel“ berichtete im Juli 1904: „J’ai dit qu’on avait décerné deux premiers prix: l’un à Mlle Caponsacchi (à l’unanimité), l’autre à M. Droeghmans. Mlle Caponsacchi, qui, malgré la désinence italienne de son nom, est Française et née à Bordeaux, méritait cette distinction particulière, par le fait de sa nature artistique exceptionnelle. C’est un de ces tempéramments rares, avec lesquels il faut forcément compter. Dès son attaque très crâne du morceau il était impossible de s’y méprendre. Un archet à la fois solide et souple, un phrasé excellent et d’un sens musical absolument parfait, un chant d’une expression pénétrante, du style et du goût, avec cela des oppositions de nuance curieuses et charmantes, tout indiquait une personnalité vivace, originale, et qui s’imposait à l’attention, j’allais dire à l’admiration. En vérité, cela était très beau, et le jury l’a compris comme le public.“ („Ich habe bereits gesagt, dass man zwei erste Preise vergeben hat: einen an Mlle. Caponsacchi (einstimmig), den anderen an M. Droeghmans. Mlle. Caponsacchi, die trotz der italienischen Herkunft ihres Namens Französin ist und in Bordeaux geboren wurde, verdiente sich diese besondere Auszeichnung mit ihrer außergewöhnlichen künstlerischen Begabung. Sie ist eine von jenen seltenen Temperamenten, mit denen man rechnen muss. Von ihrem ersten, mit großer Geste angesetzten Bogenstrich an war es unmöglich, sich dem zu entziehen. Ein Bogenstrich gleichzeitig fest und weich, eine exzellente Phrasierung und ein absolut perfektes musikalisches Gespür, eine Gesangslinie von durchdringendem Ausdruck, Stilgefühl und Geschmack, und bei alledem auffällige und charmante Gegensätze in den Nuancen – alles deutete auf eine lebhafte, originelle Persönlichkeit hin, die sich der Aufmerksamkeit, ja, sogar der Bewunderung empfahl. Tatsächlich war das sehr schön, und die Jury hat das ebenso verstanden wie das Publikum“; „Le Ménestrel“ vom 24. Juli 1904, S. 236) Neben dem „1er Prix“ im Fach Violoncello wurde Marguerite Caponsacchi im August 1904 der mit eintausend Francs dotierte Prix Georges Hainl verliehen („Le Ménestrel“ vom 7. August 1904, S. 255).


    Bereits Anfang des Jahres 1905 begann Marguérite Caponsacchi, sich als Violoncellistin im französischen Musikleben zu etablieren. Sie veranstaltete im März 1905 ein eigenes Konzert in der Pariser Salle Pleyel, bei dem sie die Violoncellokonzerte von Edouard Lalo (d-Moll o. op.) und Eugène d’Albert (C-Dur op. 20) spielte. Ein Rezensent schrieb über die Violoncellistin: „Mlle Marguerite Caponsacchi, 1er prix de violoncelle (1904), de la classe du maître Loeb, vient de donner un concert à la salle Pleyel. Depuis longtemps, il ne nous a été donné la satisfaction d’assister à une soirée intéressante qui a été triomphale pour la jeune artiste. Mlle Caponsacchi réunit toutes les qualités qui font les virtuoses: beauté du son, pureté de style, simplicité d’exécution et un mécanisme transcendant. Avec ces admirables moyens, Mlle Caponsacchi deviendra sûrement une des étoiles du violoncelle. Le grand succès que lui ont valu sa belle interprétation des concertos de d’Albert, de Lalo, de tout son programme, nous sont un sûr garant de son avenir que nous lui prédisons entièrement brillant.“ („Mlle. Marguerite Caponsacchi, erster Preis in Violoncello (1904), aus der Klasse des Professors Loeb, gab ein Konzert in der Salle Pleyel. Seit langem war es uns nicht vergönnt, an einer so interessanten Soirée teilzunehmen, die für die junge Künstlerin triumphal endete. Mlle. Caponsacchi vereint alle Eigenschaften, die die Virtuosen ausmachen: Schönheit des Tons, Reinheit im Stil, Einfachheit in der Ausführung und eine selbstverständliche Technik. Mit diesen bewundernswürdigen Möglichkeiten wird Mlle. Caponsacchi mit Sicherheit zu einem Stern des Violoncellos. Der große Erfolg, den ihr ihre schöne Interpretation der Konzerte von d’Albert und Lalo, ihr gesamtes Programm einbrachte, ist uns ein sicherer Garant für ihre Zukunft, die wir ihr als eine brilliante vorhersagen.“; „Paris Musical et Dramatique“ März 1905, S. 3) Wenige Tage später, am 2. April 1905 konzertierte Marguérite Caponsacchi in Paris in der Reihe „Concerts Lefort“ und spielte dabei das Violoncellokonzert h-Moll op. 104 von Antonín Dvořák mit Orchester („Paris Musical et Dramatique“ Mai 1905, S. 4).


    Es folgten zahlreiche Auftritte als Solistin und Kammermusikerin sowie eigene Konzerte, u. a. in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Im Dezember 1905 trat Marguérite Caponsacchi im VI. Philharmonischen Konzert in Leipzig auf und spielte dort das ihr gewidmete Violoncellokonzert op. 61 des tschechischen Komponisten Emánuel Moór. Auch wenn die Musikkritik dem Werk wenig Positives abgewinnen konnte, so blieb doch ihr „eminentes Spiel“ unangefochten (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 10. Januar 1906, S. 42). Ebenfalls im Dezember 1905 beteiligte sich Marguérite Caponsacchi an einem Konzert mit Werken des Komponisten Théodor Dubois in Genf, das die Pianistin Marie Panthès veranstaltete. Dabei spielte sie u. a. gemeinsam mit dem Geiger Henri Marteau und Marie Panthès eines der Klaviertrios des Komponisten. Der Rezension des Konzertes zufolge lebte sie in dieser Zeit in Genf (vgl. „Le Ménestrel“ vom 24. Dezember 1905, S. 414). 1906 heiratete Marguérite Caponsacchi den schwedischen Komponisten und Organisten (Karl Vilhelm) Daniel Jeisler (1877-1959), mit dem sie sich in Paris niederließ. Im Winter 1906/07 bereiste sie gemeinsam mit ihrem Mann Deutschland und veranstaltete u. a. ein eigenes Konzert im Berliner Bechstein-Saal. Die Zeitschrift „Die Musik“ notierte: „Ungetrübten Genuss [...] bereitete die Cellistin Marguerite Caponsacchi-Jeisler, der Verstand, Seele und Temperament zu vereinen weiss, ohne die künstlerischen Grenzen zu überschreiten. Ihr Ton ist ganz ausserordentlich ausdrucksfähig, wo nötig auch gross, der Vortrag abgeschliffen, die Technik vollendet. Als ihr Begleiter ist D. Jeisler zu rühmen.“ („Die Musik“, Bd. 6, 1 [1907], S. 185) Am 19. Februar 1907 trat sie in Bremen als Solistin im Rahmen des 10. Philharmonischen Konzerts unter der dirigentischen Leitung von Max Fiedler auf. Auf dem Programm standen das Violoncellokonzert a-Moll op. 33 von Camille Saint-Saëns, eine der Violoncellosonaten A-Dur von Luigi Boccherini und eine Air von Johann Sebastian Bach. In der „Neuen Zeitschrift für Musik“ hieß es: „Als Solistin wirkte in diesem Konzerte Mme. Marguérite Caponsacchi-Jeisler, die sich als Meisterin des Violoncells erwies, gleich ausgezeichnet durch vornehme Tongebung, Anmut des Vortrages, wie durch verblüffende Sicherheit. Sie spielte das A moll-Konzert von Saint-Saëns, die A dur-Sonate von L. Boccherini und als Zugabe Bach’s Air unter ganz ungeheurem Beifall. Bei den beiden letzten Stücken zeigte sich ihr Gatte, Herr D. Jeisler, als gewandter und zuverlässiger Begleiter auf dem Klavier.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 13. Juni 1907, S. 532)


    In den folgenden zweieinhalb Jahrzehnten blieb Marguérite Caponsacchi im internationalen Musikleben als Violoncellistin präsent. Sie konzertierte u. a. in Frankreich, Spanien, Portugal, Skandinavien, Russland und Deutschland (vgl. Wasielewski 1925, S. 197) und trat dabei sowohl als Solistin als auch als Kammermusikerin auf. Auf ihren Konzertreisen ebenso wie in den großen Konzertreihen von Paris spielte sie mit führenden Orchestern nahezu das gesamte große Violoncellorepertoire der Zeit: von den Solosuiten Johann Sebastian Bachs, über Joseph Haydns Violoncellokonzerte bis hin zu den Konzerten von Robert Schumann (a-Moll op. 129), Edouard Lalo (d-Moll o. op.), Antonín Dvořák (h-Moll op. 104) und Camille Saint-Saëns (a-Moll op. 33). Darüber hinaus gab sie die Uraufführungen von Werken zeitgenössischer französischer Komponisten, darunter das „Fantaisie-Stück“ für Violoncello und Orchester (o. op.) von Théodore Dubois und die Suite für Violoncello und Orchester op. 16b von Camille Saint-Saëns. Die Musikkritik blieb nahezu ausnahmslos begeistert von ihrem Spiel.


    Im November 1911 spielte Marguérite Caponsacchi in den Concerts Lamoureux in der Pariser Salle Gaveau das Violoncellokonzert d-Moll von Edouard Lalo unter der Leitung von Camille Chevillard, und „Le Ménestrel“ notierte: „Mme Caponsacchi-Jeisler exécuta avec une réelle autorité, un son ferme et chaud, une grande variété de nuances, un sentiment juste, le concerto de Lalo pour violoncelle et orchestre. Son succès y fut vif et légitime.“ („Mme. Caponsacchi-Jeisler spielte mit natürlicher Autorität, einem entschiedenen und warmen Ton, einer großen Variabilität des Ausdrucks und einem genauen Empfinden das Konzert für Violoncello und Orchester von Lalo.“; „Le Ménestrel“ vom 25. November 1911, S. 373; vgl. a. „Le Ménestrel“ vom 18. November 1911, S. 365) Im März 1913 konzertierte sie in ihrer Geburtsstadt Bordeaux, wo sie in der Musikgesellschaft „Sainte-Cécile“ das Violoncellokonzert D-Dur von Joseph Haydn (Hob. VIIb:2), das „Lied“ B-Dur op. 19 für Violoncello und Orchester von Vincent d’Indy sowie die Gavotte aus Johann Sebastian Bachs Suite für Violoncello solo Nr. 6 D-Dur BWV 1012 gab: „[...] nous entendîmes une violoncelliste au jeu très pur et très délicat, Mme Caponsacchi, interpréter d’une façon ravissante le Concerto en ré de Haydn, le ‚Lied’ de Vincent d’Indy et la Gavotte de la suite en ré de Bach“ („[...] wir haben eine Violoncellistin mit sehr sauberem und sehr delikatem Spiel gehört: Mme Caponsacchi, die in einer hinreißenden Art das Konzert D-Dur von Haydn, das ‚Lied’ von Vincent d’Indy und die Gavotte aus der Suite D-Dur von Bach interpretierte.“; „Revue française de musique“ vom 15. März 1913, S. 477) Auch ihre Aufführung von Théodore Dubois’ „Fantaisie-Stück“ für Violoncello und Orchester im Februar 1914 in den Concerts Lamoureux fand großen Anklang. Auf dem Programm standen außerdem die Elégie c-Moll op. 24 für Violoncello und Orchester von Gabriel Fauré und Camille Saint-Saëns’ „Allegro appassionato“ h-Moll op. 43: „Une seule première audition figurait au programme: une ‚Fantaisie-Stück’ pour violoncelle et orchestre de M. Théodore Dubois. [...] On lui a fait le meilleur accueil; elle était d’ailleurs bien défendue par l’archet impeccable, le talent si souple, la sonorité si puissante et variée de Mme Caponsacchi-Jeisler qui interpréta ensuite avec une autorité souveraine la belle ‚Elégie’ de M. Gabriel Fauré et un fougueux ‚Allegro appassionato’ de M. Saint-Saëns.“ („Eine einzige Uraufführung stand auf dem Programm: ein ‚Fantaisie-Stück’ für Violoncello und Orchester von M. Théodore Dubois. [...] Man hat es bestens aufgenommen; sie [die Fantaisie] wurde außerdem gut verteidigt von dem einwandfreien Bogen, dem derart großen Talent und einer derart kraftvollen und variablen Klanglichkeit von Mme. Caponsacchi-Jeisler, die anschließend mit souveräner Autorität die schöne ‚Elegie’ von M. Gabriel Fauré und ein mitreißendes ‚Allegro appassionato’ von M. Saint-Saëns aufführte.“; „Le Ménestrel“ vom 21. Februar 1914, S. 60) Am 8. Mai 1917 gab Marguérite Caponsacchi gemeinsam mit der Geigerin Yvonne Astruc und weiteren Musikern die Uraufführung eines Streichquartetts von Jean Huré in der Pariser Salle des Agriculteurs und spielte im Januar 1919 in der Salle Gaveau gemeinsam mit Yvonne Astruc (Violine) und Lucie Caffaret (Klavier) die Uraufführung eines Klaviertrios mit dem Titel „Sérénade“ des selben Komponisten (vgl. Duchesneau 1997, S. 310f.)


    Am 19. und 20. Februar 1921 spielte Marguérite Caponsacchi in den Pariser Concerts Pasdeloup die Uraufführung von Camille Saint-Saëns’ „Suite pour violoncelle et orchestre ou piano“ op. 16bis, wenn auch gegen den Willen des Komponisten, der hierfür den Violoncellisten Joseph Hollmann vorgesehen hatte (vgl. Teller Ratner 2002, S. 424). Wie es scheint, hatte die Cellistin zudem mit den Bedingungen des Konzertes zu kämpfen: „Concerts Pasdeloup. Il faut de grands efforts d’imagination ou de mémoire pour entendre dans toute leur vigueur et leur pureté les œuvres exécutées dans les conditions où elles le sont à l’Opéra. Le violoncelle de Mme Caponsacchi lutta avec avantage et grand mérite contre les deux absurdités [...] du rideau de fer et de la salle démesurée; pour la première fois se produisait avec orchestre la Suite pour violoncelle et piano de M. Saint-Saëns.“ („Concerts Pasdeloup. Es braucht eine gute Vorstellungskraft oder ein gutes Gedächtnis, um die Werke in aller Stringenz und Reinheit zu hören, die unter den Bedingungen der Opéra erklangen. Das Violoncello von Mme. Caponsacchi kämpfte vorteilhaft und mit großem Verdienst gegen zwei Absurditäten: den eisernen Vorhang und den überdimensionierten Saal; zum ersten Mal wurde die Suite für Violoncello und Klavier von M. Saint-Saëns in der Orchesterfassung gegeben.“; „Le Ménestrel“ vom 25. Februar 1921, S. 83) Im Dezember 1921 spielte Marguérite Caponsacchi das Violoncellokonzert von Robert Schumann unter der Leitung von Paul Paray in den Pariser Concerts Lamoureux („Le Ménestrel“ vom 9. Dezember 1921, S. 490) und trat mit eben diesem Werk auch am 7. März 1925 in den Concerts Pasdeloup auf (vgl. „Le Ménestrel“ vom 6. März 1925, S. 120).


    Parallel zu ihrer Laufbahn als Solistin widmete sich Marguérite Caponsacchi auch der Kammermusik. Im Jahr 1922 gründete sie gemeinsam mit der Geigerin Yvonne Astruc und der Pianistn Hélène Léon ein Klaviertrio, das mehrere Jahre lang regelmäßig in Paris auftrat und in der Presse auf breite Resonanz stieß. Über das Gründungskonzert, das Klaviertrios von Franz Schubert (B-Dur op. 99), Gabriel Fauré (op. 120) und Ludwig van Beethoven (B-Dur op. 97) umfasste, notierte „Le Ménestrel“: „Ce trio féminin, créé l’an dernier, fait œuvre intéressante. Alors que nos grand concerts nous présentent si rarement des œuvres nouvelles, l’intérêt doit se porter sur les concerts d’artistiques ou de musique de chambre. Les auditions publiques de trios étaient rares jusqu’ici et bien des œuvres exquises restaient dans l’ombre. Mme Yvonne Astruc que eut l’idée de ce trio instrumental eut une pensée heureuse. A ce premier concert nous entendîmes le Trio en si bémol de Schubert, le Trio, op. 120, de Fauré et le Trio, op. 97 de Beethoven. Ce fut un délice. Le trio est une forme musicale charmante: Mme Yvonne Astruc, Hélène Léon et Caponsacchi, qu’on ne saurait séparer de notre gratitude, vont la remettre à la mode.“ („Dieses Damentrio, das letztes Jahr gegründet wurde, leistet interessante Arbeit. Da unsere großen Konzerte immer seltener neue Werke präsentieren, muss sich das Interesse den Solistenkonzerten oder der Kammermusik zuwenden. Die öffentliche Aufführung von Trios blieb bisher selten, und zahlreiche herausragende Werke blieben im Schatten. Mme. Yvonne Astruc, die die Idee zu diesem Instrumentaltrio hatte, hatte einen glücklichen Gedanken. Bei diesem ersten Konzert hörten wir das Trio in B-Dur von Schubert, das Trio op. 120 von Fauré und das Trio op. 97 von Beethoven. Es war köstlich. Das Trio ist eine charmante musikalische Form: Mme. Yvonne Astruc, Hélène Léon und Caponsacchi, denen man unsere Dankbarkeit nicht vorenthalten darf, werden es wieder in Mode bringen.“; „Le Ménestrel“ vom 14. Dezember 1923, S. 529)


    Auch in weiteren französischen Städten trat Marguérite Caponsacchi regelmäßig auf. So gab sie z. B. im Januar 1928 gemeinsam mit dem Pianisten Lucien Wurmser ein Konzert in der „Société Mozart“ in Pontivy: „Pontivy. Nous venons d’entendre, à la Société Mozart de Pontivy, une admirable artiste, Mme Marguerite Caponsacchi. Dès son entrée en scène, la seule vue de sa personne révèle l’artiste née. Dès le premier coup d’archet, dès l’attaque du ‚grave’ de la Sonate en sol mineur de Hændel, qui était inscrite en tête du programme, on est enthousiasmé. Quelle netteté dans les attaques, quelle énergie, quel mordant, quelle intensité, quelle fougueuse passion! C’est comme un coup d’épée. Et la force imprimée ne s’éteint pas: elle se prolonge, elle s’enfle, elle rebondit. D’ailleurs Mme Caponsacchi n’abuse jamais de sa force; son jeu reste toujours rond, souple, moelleux, sa puissante sonorité berce sans cesse nos oreilles de sa chaude douceur.“ („Pontivy. Wir haben in der Société Mozart in Pontivy eine wunderbare Künstlerin gehört, Mme. Marguerite Caponsacchi. Von dem Moment an, als sie die Bühne betrat, offenbarte der erste Blick auf sie die geborene Künstlerin. Vom ersten Bogenstrich an, von den Ansatz zum Grave der Sonate in g-Moll von Händel, die am Beginn des Programms stand, ist man begeistert. Welch eine Genauigkeit im Ansatz, welch eine Energie, welch eine Schärfe, welch eine Intensität, welch mitreißende Leidenschaft! Es ist wie ein Degenhieb. Und die anfängliche Kraft erlischt zu keinem Zeitpunkt: sie dehnt sich aus, schwillt an, prallt ab. Dabei missbraucht Mme. Caponsacchi nie ihre Kraft; ihr Spiel bleibt stets rund, biegsam, weich, und ihr kraftvoller Klang wiegt ohne Unterbrechung unsere Ohren mit seiner warmen Zartheit.“; „Le Ménestrel“ vom 27. Januar 1928, S. 39) Ende des Jahres 1931 trat Marguérite Caponsacchi nochmals in den Concerts Georges de Lausnay in Paris auf, danach sind keine weiteren Konzerte mehr nachweisbar.


    Marguérite Caponsacchi starb im Frühjahr 1933 (vgl. „Le Ménestrel“ vom 5. Mai 1933, S. 188).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Marguérite Caponsacchi kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Bach, Johann Sebastian. Suite für Violoncello solo Nr. 6 D-Dur BWV 1012


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio B-Dur op. 97


    Boccherini, Luigi. Sonate für Violoncello und Klavier A-Dur.


    D’Indy, Vincent. Lied für Violoncello und Orchester B-Dur op. 19


    Dubois, Théodore. „Fantaisie-Stück“ für Violoncello und Orchester

    Dubois, Théodore. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich).


    Dvořák, Antonín. Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104


    Fauré, Gabriel. Elégie für Violoncello und Orchester c-Moll op. 24

    Fauré, Gabriel. Klaviertrio op. 120


    Haydn, Joseph. Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur Hob. VIIb:2


    Huré, Jean. Sérénade für Klavier, Violine und Violoncello o.op.

    Huré, Jean. Streichquartett (keine Präzisierung möglich)


    Lalo, Edouard. Konzert für Violoncello und Orchester d-Moll o. op.


    Moór, Emanuel. Konzert für Violoncello und Orchester op. 61


    Saint-Saëns, Camille. „Allegro appassionato“ h-Moll op. 43

    Saint-Saëns, Camille. Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 33

    Saint-Saëns, Camille. Suite pour violoncelle et orchestre ou piano op. 16bis


    Schubert, Franz. Klaviertrio B-Dur op. 99


    Schumann, Robert. Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129

    Quellen

    Literatur


    Duchesneau, Michel. L’Avant-garde musicale et ses sociétés à Paris de 1871 à 1939. Sprimont: Mardaga, 1997.


    Teller Ratner, Sabina. Camille Saint-Saëns 1835-1921. A Thematic Catalogue of his Complete Works. Volume 1: The Instrumental Works. Oxford: University Press, 2002.


    Wasielewski, Wilhelm Joseph von. Das Violoncell und seine Geschichte. 3. verm. Auflage von Waldemar von Wasielewski. Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1925 (Reprint: Wiesbaden 1968).



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Die Musik Bd. 6, 1 [1907], S. 185.


    Le Ménestrel vom 24. Juli 1904, S. 236.

    Le Ménestrel vom 7. August 1904, S. 253.

    Le Ménestrel vom 7. August 1904, S. 255.

    Le Ménestrel vom 24. Dezember 1905, S. 414.

    Le Ménestrel vom 18. November 1911, S. 365.

    Le Ménestrel vom 25. November 1911, S. 373.

    Le Mènestrel vom 24. Januar 1914, S. 29.

    Le Ménestrel vom 21. Februar 1914, S. 60.

    Le Ménestrel vom 25. Februar 1921, S. 83.

    Le Ménestrel vom 9. Dezember 1921, S. 490.

    Le Ménestrel vom 14. Dezember 1923, S. 529.

    Le Ménestrel vom 6. März 1925, S. 120.

    Le Ménestrel vom 27. Januar 1928, S. 39

    Le Ménestrel vom 5. Mai 1933, S. 188.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 10. Januar 1906, S. 42.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 13. Juni 1907, S. 532.


    Paris Musical et Dramatique, März 1905, S. 3; S. 4.


    Revue française de musique vom 15. März 1913, S. 477.

    Revue musicale S.I.M. vom 1. Januar 1914, S. 55f.

    Forschung

    Zu Marguérite Caponsacchi liegen keine weiteren Forschungsergebnisse vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Marguérite Caponsacchi umfasst ihre Biografie, ihre künstlerischen Tätigkeiten sowie ihre Kontakte innerhalb des internationalen Musiklebens.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Marguérite Caponsacchi“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Marguérite_Caponsacchi