Herzlich Willkommen bei MUGI

  • (PDF)
  • (95%)
  • Deutsch
  • Margarethe Stern

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Margarethe Stern. Fotografie von W. Höffert, Berlin
    Namen:
    Margarethe Stern
    Geburtsname: Margarethe Herr
    Varianten: Margarethe Stern-Herr, Margarete Stern, Margarete Herr, Margarete Stern-Herr
    Lebensdaten:
    geb. in Dresden, Deutschland
    gest. in Dresden, Deutschland

    Die Schreibweisen des Vornamens „Margarethe“ bzw. „Margarete“ werden in der zeitgenössischen Literatur und selbst in den Schriften ihres Mannes gleichzeitig verwendet. In Lexika wird zumeist die Schreibweise „Margarethe“ verwendet.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Solistin, Kammermusikerin, Klavierpädagogin, Klavierbegleiterin, Konzertveranstalterin
    Charakterisierender Satz:

    „Ihr Talent ist ein höchst anmutiges, musikalisch fein organisiertes, ihre Schule die vorzüglichste. Ihr Spiel ist voll echt weiblicher Grazie, Zartheit und Innigkeit, der reizende Anschlag, der gesangreiche Ton, die äußerste Sauberkeit in der Ausführung, alles ist in Harmonie mit ihrer Erscheinung.“ (Richard Pohl im Badener Bade-Blatt vom 28. Januar 1880, zit. n. Stern 1901, S. 52)


    Profil

    Margarethe Stern wurde nach einer ersten Ausbildungszeit in Dresden sowohl von Franz Liszt als auch von Clara Schumann privat unterrichtet. Die stilistische Vielfalt, für die bereits die Lehrerwahl charakteristisch war, wurde zu einem wesentlichen Merkmal ihrer Konzerte.

    Nach zwei mehrmonatigen Aufenthalten in England (1879 und 1880), begann Margarethe Stern sich als Solistin und Kammermusikerin in Deutschland zu etablieren. Zwischen 1880 und 1896 trat sie als Solistin in fast allen größeren Konzertsälen und mit den führenden Orchestern des Musiklebens auf, unterstützt von ihrem Mann, dem Schriftsteller und Literaturhistoriker Adolf Stern, den sie 1881 heiratete. Mehrere Konzertreisen führten sie durch Dänemark, Schweden und das Baltikum. Ebenso machte sie sich als Klavierbegleiterin und Kammermusikerin einen Namen. Sie konzertierte mit den Sängerinnen Aglaja Orgeny, Marcella Sembrich und Hermine Spies, den Cellisten Julius Klengel, Friedrich Grützmacher und Ferdinand Freiherr von Liliencron sowie den Geigern Adolf Brodsky und Arnold Rosé. In verschiedenen Kammermusikbesetzungen übernahm sie die Klavierparts und musizierte dabei mit Mitgliedern des Brodsky-Quartetts und des Rosé-Quartetts.

    Im Jahr 1890 gründete Margarethe Stern gemeinsam mit dem Violinisten und Konzertmeister der Königlichen Kapelle Dresden Henri Petri eine eigene Kammermusikvereinigung. Die so genannte „Stern-Petri-Vereinigung“ veranstaltete vier Konzerte im Jahr und blieb bis zu ihrem Tod bestehen.

    Bereits im Alter von 15 Jahren begann Margarethe Stern Schülerinnen und Schüler zu unterrichten und behielt diese Tätigkeit über ihre gesamte Zeit als Pianistin bei. Näheres ist darüber nicht bekannt.

    Orte und Länder

    Margarethe Stern wurde in Dresden geboren und erhielt dort ihre erste pianistische Ausbildung. Anschließend studierte sie bei Franz Liszt in Weimar und Clara Schumann in Berlin. Nach ihrem Studium kehrte sie 1877 zunächst nach Dresden zurück, hielt sich dann aber in den Jahren 1879 und 1880 überwiegend in London auf. Im September 1881 heiratete sie den Literaturhistoriker Adolf Stern und ließ sich mit ihm in Dresden nieder, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

    Konzerttourneen führten Margarethe Stern durch Deutschland, England, das Baltikum, Dänemark und Schweden.

    Biografie

    Margarethe Stern, geb. Herr, wurde am 25. November 1857 in Dresden als zweite Tochter des Fagottisten Ernst Herr und Ottilie Herr, geb. Müller, geboren. Von 1863 bis 1868 erhielt sie Klavierunterricht bei dem Dresdner Pianisten und Leiter der Dreyßigschen Singakademie Adolf Reichel und setzte anschließend ihre pianistische Ausbildung bei dem sächsischen Hofpianisten Karl Krägen im Privatunterricht fort. Gleichzeitig besuchte sie ab 1868 die höhere Töchterschule in Dresden, das damalige „Freimaurerinstitut“.


    Bereits im Alter von 15 Jahren begann Margarethe Stern Klavier zu unterrichten, u. a. um nach dem frühen Tod des Vaters (1863) mit zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Die Klavierpädagogik blieb über ihr gesamtes Leben eine ihrer Tätigkeiten. Näheres ist darüber bislang nicht bekannt.


    Nach Abschluss der Schule folgten in den Jahren 1875 und 1877 mehrmonatige Studienaufenthalte bei Franz Liszt in Weimar. Über den Unterricht bei Liszt im Sommer 1875 schrieb Margarethe Stern an eine Dresdner Freundin: „Es geht mir gut und nicht gut, liebe Sophie, Gut, weil sich hier viel, viel lernen lässt, nicht gut, weil ich alle Tage mehr merke, wie wenig ich noch kann. Liszt ist, wie Sie wissen, groß und unvergleichlich, auch zu mir sehr liebenswürdig. […] Ich freue mich jedes Mal, wenn ich an den Spielnachmittagen bei ihm genau auffassen kann, was er sagt. Ich habe gemerkt, dass man oft aus seinen halb lauten Worten unglaublich viel lernen kann.“ (zit. n. Stern 1901, S. 24)

    Zwischen den beiden Studienzeiten bei Liszt studierte sie im Frühjahr und Sommer 1876 mehrere Monate bei Clara Schumann in Berlin, um eine musikalische und pianistische Auffassung kennen zu lernen, die zu dieser Zeit als Gegensatz zur Liszt’schen Schule galt. Clara Schumann unterrichtete sie drei Mal wöchentlich im Privatunterricht und Margarethe Stern erarbeitete mit ihr vor allem verschiedene Werke Robert Schumanns.


    Nach ihrem ersten Studienaufenthalt bei Liszt debütierte Margarethe Stern am 25. Oktober 1875 mit einem ersten eigenen Konzert im „Hotel de Saxe“ in Dresden gemeinsam mit der königlichen musikalischen Kapelle Dresden unter der Leitung von Julius Rietz. Sie spielte Frédéric Chopins Klavierkonzert e-Moll op. 11, Robert Schumanns Konzertstück mit Orchester op. 92 sowie einige Werke für Klavier solo. Trotz ihrer hervorragenden Ausbildung fiel es ihr schwer, sich in Deutschland als Pianistin zu etablieren. Sie versuchte daher in den Saison-Monaten 1879 und 1880, in London Engagements zu erhalten.

    Während ihres ersten London-Aufenthaltes 1879 trat sie in mehreren kleineren Konzerten auf und gab Klavierunterricht in den aristokratischen Häusern Londons. Dabei gelang es ihr jedoch, wesentliche Kontakte für die nächste Saison zu knüpfen. Am 24. März 1880 debütierte sie im Crystal Palace unter der Leitung von August Manns, u. a. mit dem Klavierkonzert g-Moll op. 25 von Felix Mendelssohn Bartholdy und gab anschließend mehrere Konzerte in London und Umgebung, u. a. in der St. James’s Hall. Im Juli 1880 kehrte Margarethe Stern nach Dresden zurück.


    Im Januar 1880 – zwischen den beiden Londoner Aufenthalten – debütierte Margarethe Stern in den Badener Abonnement-Konzerten. Der damals bekannte Musikkritiker Richard Pohl schrieb im Badener „Bade-Blatt“ über die junge Pianistin: „Wir glauben nicht zu viel zu behaupten, wenn wir sagen, daß Frl. Herr uns lebhaft an Clara Wieck erinnerte, wie sie als junges Mädchen im Leipziger Gewandhaus spielte. Möge die Zukunft von Margarete Herr eine ebenso glänzende werden, wie ihr jetziges Auftreten ein vielverheißendes ist.“ (zit. n. Stern 1901, S. 19)


    Am 5. September 1881 heiratete Margarethe Stern den Schriftsteller und Literaturhistoriker Adolf Stern und nahm seinen Namen an, unter dem sie später als Pianistin bekannt wurde. Adolf Stern verfasste nach ihrem frühen Tod im Alter von 43 Jahren eine Biografie sowie mehrere Artikel über die Pianistin. In einem Nachruf bemerkte er über das Verhältnis zwischen künstlerischer Karriere und Heirat: „Die Möglichkeit, aus dem öffentlichen völlig ins Privatleben zurückzutreten, war [mit der Heirat] gegeben. Aber weder wünschte der Gatte der jungen Künstlerin, noch dachte diese selbst daran, sie ihrer Kunst zu entziehen.“ (Stern 1905, o. S.)


    Tatsächlich konnte sich Margarethe Stern, geb. Herr, nach ihrer Heirat als Pianistin im Konzertleben etablieren, auch wenn sie ab diesem Zeitpunkt mit wenigen Ausnahmen auf größere Tourneen verzichtete. Zwischen 1880 und 1896 trat sie regelmäßig als Solistin an die Öffentlichkeit, u. a. bei den Musikfesten des „Allgemeinen

    Deutschen Musikvereins“. Sie spielte am 10. Juni 1881 in Magdeburg das Klavierkonzert a-Moll op. 16 von Edward Grieg und konzertierte in den folgenden Monaten als Solistin mit dem Philharmonischen Verein Freiburg i. Br., mit der Museumsgesellschaft in Frankfurt a. M. sowie in der Allgemeinen Konzertgesellschaft Basel und in Baden-Baden. In der Saison 1882/1883 spielte sie im Leipziger Konzertverein „Euterpe“ das Klavierkonzert g-Moll op. 22 von Camille Saint-Saëns sowie im Logenkonzert in Magdeburg das Klavierkonzert c-Moll op. 37 von Ludwig van Beethoven und veranstaltete am 3. Januar 1883 ein eigenes Konzert im Hotel de Saxe in Dresden. Sie wirkte am 7. April 1883 bei einem Konzert der Dresdner Liedertafel in der Berliner Singakademie mit (u. a. mit Schumanns „Carnaval“ op. 9) und trat am 21. März 1884 beim Baden-Badener Festkonzert zur Feier des Geburtstages Kaiser Wilhelms I. mit Robert Schumanns a-Moll Konzert op. 54 auf.


    Zunehmend wurde Margarethe Stern auch von der Musikkritik anerkannt. Über ein Konzert in Dresden 1887 schrieb die „Neue Zeitschrift für Musik“: „Ebenso entfernt von kleinlicher Sentimentalität, wie von modernstem Kraftgenie hielten sich die Claviervorträge der Frau Prof. Margarethe Stern, welche einen Blüthner’schen Flügel von gesangsreinster Fülle des Tones spielte. Bedeutende Technik, feiner Geschmack und beherrschender Geist zeichnen das Spiel aus. Trug die vorzügliche Künstlerin auch nur Mendelssohn’s Gmoll-Concert vor, dem statt Tiefe nur Eloquenz eigen ist, so machte sich doch im Adagio ihre schöne feine Tonempfindung bedeutend geltend. Frau Prof. Stern spielte dies Stück classisch; die Fiorituren in den Liszt’schen und Chopin’schen Stücken reihten sich wie Perlen an Perlen unter den sicheren und gewandten Fingern der Künstlerin.“ (NZfM 1887, S. 522; der hier genannte Professorentitel bezieht sich auf ihren Mann Adolf Stern, der eine Professur an der Universität Dresden hatte).


    Ab 1887 war Margarethe Stern bei der bekannten Berliner Concert-Direction Hermann Wolff unter Vertrag (vgl. NZfM 1887, S. 320).

    Sie spielte im Herbst 1887 im Leipziger Gewandhaus das Schumann’sche Klavierkonzert a-Moll und veranstaltete am 10. Dezember 1887 wiederum ein eigenes Konzert in der Berliner Singakademie, bei dem sie u. a. Beethovens Klavierkonzert c-Moll op. 37 spielte. Die „Neue Zeitschrift für Musik“ kommentierte: „Frau Margarete Stern, welche im 6. Gewandhaus=Concerte mit ihren Clavier=Vorträgen außerordentlichen Erfolg erzielte, hat kürzlich auch in Nürnberg (2. Abonnements=Concert) lebhaftesten Beifall geerntet. Am 10. Dec. veranstaltet die ausgezeichnete Künstlerin in der Berliner Sing=Academie ein eigenes Concert.“ (NZfM 1887, S. 545). Margarethe Stern trat im Gürzenich-Saal in Köln auf (19. März 1889), und übernahm am 28. Juni 1889 den Solopart von Johannes Brahms’ Klavierkonzert B-Dur op. 83 in der Tonkünstlerversammlung in Wiesbaden unter der Leitung von Richard Strauss.

    Auch in den folgenden Jahren blieb Margarethe Stern als Solistin im öffentlichen Musikleben präsent. So konzertierte sie z. B. am 17. Dezember 1894 im Weimarer Hoftheater mit Beethovens Klavierkonzert Es-Dur op. 73 und seiner Phantasie für Klavier, Orchester und Chor op. 80. Zwischen 1894 und 1896 gab sie Konzerte im Richard Wagner Verein Plauen, in Magdeburg, im Rahmen der Reihe Museumskonzerte in Frankfurt am Main, mit der Großherzoglichen Hofkapelle Oldenburg, in Freiburg i. Br., im Städtischen Musikverein Düsseldorf, im Rostocker Konzertverein und in den Allgemeinen Musikgesellschaften Basel und Zürich.


    Obwohl Margarethe Stern auf größere Konzertreisen verzichtete, blieb ihre Karriere nicht auf Deutschland beschränkt. Tourneen führten sie mehrfach durch das Baltikum, Dänemark und Schweden. Im Herbst 1880 konzertierte sie u. a. am 10. und 15. Oktober im so genannten „Schwarzhäupter“ in Riga und war am 16. November 1883 im Rigaer Theater zu hören, u. a. mit Beethovens Klavierkonzert c-Moll und einer Etüde von Franz Liszt. Weitere Konzerte folgten im gleichen Herbst 1883 in Dorpat und Reval.

    Ab November 1885 hielt sie sich für zwei Monate in Kopenhagen auf und traf dort mit anderen Musikerinnen und Musiker zusammen, darunter Edward Grieg und seine Frau, die Pianistin Sophie Menter sowie die Geigerin Wilma Norman-Neruda. Am 12. Dezember 1885 gab Margarethe Stern ein Konzert im Musikverein Kopenhagen, wo sie Schumanns Klavierkonzert a-Moll spielte. Zwei weitere Konzertreisen führten sie im Frühjahr 1891 und im Herbst 1894 durch Schweden, u. a. mit Konzerten in Lund, Stockholm, Upsala, Göteborg und Malmö. Bei ihrer Tournee 1891 trat sie am 7. März 1891 im Opernhaus Stockholm mit der Königlichen Schwedischen Hofkapelle unter der Leitung von Franz Neruda auf. Sie spielte L. v. Beethovens Klavierkonzert G-Dur op. 58 und C. M. von Webers „Polacca“ op. 72 in der Instrumentierung von Franz Liszt. Ein Musikkritiker des „Svenska Dagblad“ schrieb am 9. März 1891: „Ihr Anschlag ist weiblich zart und geschmeidig, ohne der Kraft zu ermangeln, wo die musikalische Schöpfung sie fordert. Alles erscheint in klaren bestimmten Formen; über allen reichen Wechsel des Gefühls breitet sich sonnig ein Licht reinster Poesie. Da ist nichts Halbheit, Affektation oder Manier – alles ist Seele, Gesang, Natur. Und die Technik – man sollte fast sagen, dass Frau Stern keine ‚Technik’ hätte! Auf alle Fälle denkt man nicht an Technik, während sie spielt. Ihre Musik wirkt unmittelbar, ohne Vermittlung, jede Reflexion auf technische Künste erscheint hier ausgeschlossen.“ (zit. n. Stern 1901, S. 171f.)


    Neben ihrer Karriere als Solistin etablierte sie sich auch als Klavierbegleiterin und Kammermusikerin. Gemeinsam mit der Sängerin Aglaja Orgeny gab sie Anfang 1884 in Dresden ein Konzert und konzertierte im Mai 1884 gemeinsam mit dem Cellisten Friedrich Grützmacher. Am 7. Januar 1886 gab sie in der Berliner Singakademie ein Konzert mit der Sängerin Marcella Sembrich, mit der sie in den folgenden Jahren häufiger auftrat. Im Juni 1887 übernahm sie in der Lesegesellschaft in Köln den Klavierpart von Richard Strauss’ Klavierquartett op. 13 und trat dabei gemeinsam mit Musikern des Brodsky-Quartetts (Adolf Brodsky, Hans Sitt und Julius Klengel) auf. In den Jahren 1889 und 1890 unternahm sie gemeinsam mit der Sängerin Hermine Spies eine Deutschlandtournee, die sie u. a. nach Braunschweig, Stuttgart, Bremen, Breslau und Kiel führte.

    Gemeinsam mit dem Violinisten und Konzertmeister der Königlichen Kapelle Dresden, Henri Petri, gründete Margarethe Stern 1890 eine eigene Kammermusikvereinigung, die zunächst jeweils vier Abende im Jahr veranstaltete. Für Klaviertrios, -quartette und -quintette wurden u. a. die Cellisten Arthur Stenz und Ferdinand Freiherr von Liliencron gewonnen sowie Mitglieder der Dresdner Königlichen Kapelle für weitere Besetzungen. Das erste Konzert der neuen Kammermusikvereinigung fand am 13. Oktober 1890 statt. Auf dem Programm standen Beethovens Klaviertrio D-Dur op. 70 Nr. 1, Brahms’ Violinsonate G-Dur op. 78 und Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44. In den folgenden Jahren kristallisierte sich eine Programmgestaltung heraus, in der darauf Wert gelegt wurde, neben dem klassisch-romantischen Repertoire auch aktuelle Kompositionen aufzuführen. Die so genannte „Stern-Petri-Vereinigung“ brachte Beethovens Klaviertrio B-Dur op. 97, Brahms’ Trio a-Moll op. 114, Dvořáks Klavierquintett A-Dur op. 81 und Saint-Saëns' Klaviertrio F-Dur op. 18 ebenso zur Aufführung wie das Trio d-Moll von Anton Arensky, Eduard Nápravníks Trio g-Moll op. 24, das Klavierquintett B-Dur op. 48 von Felix Draeseke sowie das Klavierquartett c-Moll op. 13 von Richard Strauss.


    Im Herbst 1896 erkrankte Margarethe Stern schwer. Nach einer Erholungsphase konzertierte sie in mehreren Städten und trat im Winter 1897/1898 nochmals als Kammermusikerin mit Arnold Rosé und Carl Halir sowie deren Quartetten auf. Ihr letzter öffentlicher Auftritt fand am 27. Februar 1899 mit Beethovens Klaviertrio op. 97 im Rahmen eines Kammermusikabends der „Stern-Petri-Vereinigung“ statt.


    Margarethe Stern starb am 4.Oktober 1899 in Dresden.

    Würdigung

    Über 15 Jahren, zwischen 1880 und 1896, war die Pianistin Margarethe Stern als Solistin und Kammermusikerin im öffentlichen Musikleben Deutschlands, Skandinaviens und des Baltikums präsent. Besonders ihre Interpretationen der Klaviermusik Frédéric Chopins, Robert Schumanns, Ludwig van Beethovens und Johannes Brahms’ wurden von Publikum und Presse als herausragend anerkannt. Zu ihrem Repertoire zählten das Klavierkonzert d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethovens Klavierkonzerte c-Moll, G-Dur und Es-Dur, die beiden Konzerte e-Moll und f-Moll von Frédéric Chopin, das a-Moll-Konzert von Robert Schumann, das Klavierkonzert B-Dur von Johannes Brahms sowie das Klavierkonzert g-Moll von Camille Saint-Saëns. Zudem widmete sie sich neueren Werken aus dem Umfeld des „Allgemeinen Deutschen Musikvereins“, so z. B. Felix Draesekes Klavierkonzert Es-Dur op. 36 und Hans von Bronsarts Klavierkonzert fis-Moll op. 10.


    Der bekannte Musikkritiker Richard Pohl hatte bereits bei einem der ersten größeren Auftritte von Margarethe Stern im Badener Abonnement-Konzert am 26. Januar 1880 die musikalischen Fähigkeiten von Margarethe Stern erkannt. Dabei hob er besonders ihre stilistische Vielfalt hervor, für die das Studium bei Franz Liszt und Clara Schumann ein erstes Anzeichen war: „Margarete Herr hat in Süddeutschland zum erstenmal gespielt. Ihr Talent ist ein höchst anmutiges, musikalisch fein organisiertes, ihre Schule die vorzüglichste. Ihr Spiel ist voll echt weiblicher Grazie, Zartheit und Innigkeit, der reizende Anschlag, der gesangreiche Ton, die äußerste Sauberkeit in der Ausführung, alles ist in Harmonie mit ihrer Erscheinung. Das G-moll-Konzert von Mendelssohn hat sie gespielt, wie es gespielt werden muß: fein in der Empfindung, elegant in der Darstellung und selbstverständlich mit äußerster Sauberkeit in der Technik. Der Ausdruck war hier und da vielleicht etwas zu zart, wenigstens für unseren großen Saal, aber es that wohl, wieder einmal ein so echt hingegebenes Spiel, frei von aller Äußerlichkeit, frei von jeder Herausforderung des Beifalls zu hören; ein Spiel, das nicht auf den Effekt berechnet und gerade deshalb so effektvoll ist. Die kecke magyarisch leidenschaftliche Rhapsodie von Liszt liegt an und für sich gewiß weniger im Bereich ihrer zartempfindenden Natur; um so überraschender war es, wie sie auch hier den so ganz verschiedenen Stil zu treffen wusste, und mit reizendem Übermut aus sich herausgehend, auch den Humor zur Geltung brachte. Wir freuen uns konstatieren zu können, daß Fräulein Herr hier einen ungewöhnlichen Erfolg errungen hat, der um so höher anzuschlagen ist, da sie als eine Unbekannte zu uns kam, der noch kein Zeitungsruhm vorausgegangen war.“ (Richard Pohl im Badener „Bade-Blatt“ vom 28. Januar 1880, zit. n. Stern 1901, S. 52)

    Rezeption

    Nach ihrem Tod sorgte ihr Mann, der Literaturhistoriker und Schriftsteller Adolf Stern für eine entsprechende Würdigung der künstlerischen Tätigkeiten Margarethe Sterns. Er verfasste mehrere Artikel sowie eine Biografie über die Pianistin. Darüber hinaus findet bislang keine Rezeption statt. Weder über ihre Studienzeit bei Clara Schumann, noch über ihre Studienzeit bei Franz Liszt ist Näheres bekannt.

    Werkverzeichnis

    Von Margarethe Stern sind keine Werke bekannt.

    Repertoire

    Die Repertoireliste wurde aus der Biografie zusammengestellt, die ihr Mann, Adolf Stern, 1901 veröffentlichte. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


    Solokonzerte


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert c-Moll op. 37.


    Beethoven, Ludwig van. Tripelkonzert C-Dur op. 56.


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert G-Dur op. 58.


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert Es-Dur op. 73.


    Brahms, Johannes. Klavierkonzert B-Dur op. 83.


    Bronsart, Hans von. Klavierkonzert fis-Moll op. 10.


    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert e-Moll op. 11.


    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert f-Moll op. 21.


    Draeseke, Felix. Klavierkonzert Es-Dur op. 36.


    Grieg, Edward. Klavierkonzert a-Moll op.16.


    Liszt, Franz. Ungarische Phantasie für Klavier und Orchester.


    Liszt, Franz. Polonaise brillante von Weber op. 72.


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert g-Moll op. 25.


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klavierkonzert d-Moll KV 466.


    Saint-Saëns, Camille. Klavierkonzert g-Moll op. 22.


    Schumann, Robert. Klavierkonzert a-Moll op. 54.



    Klaviermusik


    Bach, Johann Sebastian. Tripelkonzert d-Moll BWV 1063.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate cis-Moll op. 27 Nr. 2.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate d-Moll op. 31 Nr. 2.


    Beethoven, Ludwig van. 32 Variationen c-Moll WoO 80.


    Beethoven, Ludwig van. Variationen und Fuge Es-Dur op. 35.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate f-Moll op. 57.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate Es-Dur op. 81a.


    Brahms, Johannes. Rhapsodie g-Moll op. 79.


    Brahms, Johannes. Rhapsodie Es-Dur op. 119.


    Brahms, Johannes. Intermezzi op. 117.


    Bronsart, Hans von. Ballade op. 5.


    Chopin, Frédéric. Ballade (keine Präzisierung möglich)


    Chopin, Frédéric. Nocturne G-Dur (keine Präzisierung möglich)


    Chopin, Frédéric. Klaviersonate b-Moll op. 35.


    Chopin, Frédéric. Etüde cis-Moll (keine Präzisierung möglich)


    Chopin, Frédéric. Ballade As-Dur (keine Präzisierung möglich)


    Chopin, Frédéric. Préludes (keine Präzisierung möglich)


    Chopin, Frédérc. Scherzo c-Moll (keine Präzisierung möglich)


    Chopin, Frédéric. Berceuse op. 57.


    Liszt, Franz. Ungarische Rhapsodie a-Moll.


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Caprice (keine Präzisierung möglich).


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. 17 Variations serieuses d-Moll op. 54.


    Paderewski, Jan Ignaz. Variationen A-Dur op. 11.


    Scarlatti, Domenico. Pastorale und Capriccio (keine Präzisierung möglich).


    Schumann, Robert. Carnaval op. 9.


    Schumann, Robert. Kreisleriana op. 16.


    Schumann, Robert. Fantasie C-Dur op. 17.


    Schumann, Robert. Klaviersonate fis-Moll op. 11.


    Weber, Carl Maria von. Sonate d-Moll op. 45.



    Kammermusik


    Arensky, Anton. Klaviertrio d-Moll op. 32.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio c-Moll op. 1 Nr. 3.


    Beethoven, Ludwig van. Klavierquintett Es-Dur op. 16.


    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate F-Dur op. 24.


    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate op. 30 (keine Präzisierung).


    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate A-Dur op. 47.


    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Kl. und Vcl. A-Dur op. 69.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio D-Dur op. 70 Nr. 1.


    Beethoven, Ludwig van. Violinsonate G-Dur op. 96.


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio B-Dur op. 97.


    Brahms, Johannes. Klaviertrio H-Dur op. 8.


    Brahms, Johannes. Klavierquartett g-Moll op. 25.


    Brahms, Johannes. Klavierquartett A-Dur op. 26.


    Brahms, Johannes. Klavierquintett f-Moll op. 34.


    Brahms, Johannes. Sonate für Klavier und Violoncello e-Moll op. 38.


    Brahms, Johannes. Klaviertrio Es-Dur op. 40.


    Brahms, Johannes. Violinsonate G-Dur op. 78


    Brahms, Johannes. Klaviertrio C-Dur op. 87.


    Brahms, Johannes. Violinsonate A-Dur op. 100.


    Brahms, Johannes. Trio c-Moll op. 101.


    Brahms, Johannes. Violinsonate d-Moll op. 108.


    Brahms, Johannes. Klaviertrio a-Moll op. 114.


    Bronsart, Hans von. Klaviertrio g-Moll op. 1.


    Bronsart, Hans von. Klaviertrio op. 4.


    Draeseke, Felix. Klavierquintett B-Dur op. 48.


    Dvořák, Antonín. Klavierquintett A-Dur op. 81.


    Dvořák, Antonin. Slavische Tanzweisen op. 90.


    Grieg, Edward. Sonate für Klavier und Violoncello a-Moll op. 36.


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Violinsonate B-Dur (keine Präzisierung

    möglich).


    Nápravník, Eduard. Klaviertrio g-Moll op. 24.


    Raff, Joachim. Klaviertrio c-Moll op. 102.


    Saint-Saëns, Camille. Klaviertrio F-Dur op. 18.


    Saint-Saëns, Camille. Klavierquartett B-Dur op. 41.


    Schubert, Franz. Klaviertrio B-Dur op. 99.


    Schubert, Franz. Klavierquintett A-Dur D 667.


    Schubert, Franz. Rondo h-Moll für Violine und Klavier D 895.


    Schubert, Franz. Klaviertrio Es-Dur op. 100.


    Schumann, Robert. Klavierquintett Es-Dur op. 44.


    Schumann, Robert. Klavierquartett Es-Dur op. 47.


    Schumann, Robert. Klaviertrio d-Moll op. 63.


    Smetana, Bedřich. Klaviertrio g-Moll op. 15.


    Spohr, Louis. Quintett für Pianoforte und Blasinstrumente op. 130.


    Strauss, Richard. Klavierquartett c-Moll op. 13.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Herr, Frl. Margarethe“. In: Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon. Moritz Rudolph (Hg.). 1890 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Stern, Margarethe“. In: Svenska Musiktidning, vol. 14, 1894, S. 113-114.


    Artikel „Stern, Margarethe, geb. Herr“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon. Paul Frank (Hg.). 12. Aufl., bearb. von Wilhelm Altmann. 1926 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Stern, Margarethe“. In: Musiklexikon. Hugo Riemann (Hg.). Bearb. von Alfred Einstein. 11. Auflage. 1929 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Stern, Adolf“ (Gattin „Margarethe Stern“). In: Große jüdische National-Biographie. Salomon Wininger (Hg.). Bd. 6. 1932 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Stern, Margarethe“. In: Lexikon der Frau. Bd. II. Zürich: Encyclios Verlag AG, 1954 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Poppe, Hans. Gedenkblatt Margarethe Stern. In: Westermanns Illustrierte Deutsche Monatshefte, Mai 1900. Separatdruck: Gießbach 1902.


    Stern, Adolf. Margarete Stern. Ein Künstlerinnenleben. Dresden und Leipzig: Koch-Verlag, 1901.


    Stern, Adolf. Artikel „Stern, Margarethe“. In: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Bd. 8. 1905 [verfügbar in wbis: world biographical information system].



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Neue Zeitschrift für Musik 1887, S. 320, 521f., 535, 545

    Forschung

    Bislang gibt es keine Hinweise auf einen Nachlass von Margarethe Stern. Erste Recherchen zeigen, dass die Forschungswege über ihren Mann Adolf Stern viel versprechend sind, denn vermutlich hat er die wesentlichen Kontakte zu den Musikerinnen und Musikern der Zeit hergestellt. Er korrespondierte u. a. mit Franz Liszt, Franz Brendel, Felix Draeseke und weiteren in dieser Zeit bekannten Musikern und Musikschriftstellern und fungierte z. B. in Weimar als Curatoriumsmitglied der Liszt-Stiftung. Weitere Hinweise auf die Tätigkeiten von Margarethe Stern könnten sich in seinem Nachlass befinden, der in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden aufbewahrt wird.

    Forschungsbedarf

    Außer den Informationen, die den Schriften ihres Mannes, Adolf Stern, zu entnehmen sind, ist über das Leben und die verschiedenen Tätigkeiten von Margarethe Stern bislang kaum etwas bekannt. In der Biografie von Adolf Stern sind zwar ihre Konzerte vergleichsweise gut dokumentiert, jedoch nicht deren Rezeption, so dass diese aus anderen Quellen zu rekonstruieren wäre. Über ihre Ausbildungszeit bei Franz Liszt und Clara Schumann ist nur sehr wenig bekannt, ebenso über ihre künstlerischen Kontakte. Obwohl Margarethe Stern nahezu 30 Jahre lang unterrichtet hat, ist über den Kreis ihrer Schülerinnen und Schüler bislang nichts zu erfahren.

    Neben Recherchen im Nachlass ihres Mannes Adolf Stern könnte eine Sichtung des „Archivs des Allgemeinen Deutschen Musikvereins“ ergiebig sein, das sich in Weimar im Archiv der Hochschule für Musik Franz Liszt befindet. Eine systematische Sichtung von Zeitschriften und Zeitungen würde eine differenzierte Sicht auf die zeitgenössische Rezeption und die künstlerische Entwicklung Margarethe Sterns ermöglichen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 32769830
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117276693

    Autor/innen

    Silke Wenzel, Die Grundseite wurde im Oktober 2007 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 01.11.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Margarethe Stern“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 1.11.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Margarethe_Stern