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  • Lucy Stone

    von Henrieke Max
    Namen:
    Lucy Stone
    Lebensdaten:
    geb. in London,
    gest. unbekannt in ,

    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    “This lady’s purity of tone, artistic phrasing, and neatness of execution fully sustained her reputation as a leading exponent of the Joachim school.”


    (“Die Reinheit des Klangs, der künstlerische Ausdruck und die Sauberkeit in der Technik dieser Dame untermauern vollkommen ihren Ruf, eine führende Repräsentantin der Joachim-Schule zu sein.“)


    „The Musical Times“ vom 1. November 1899, Vol. 40, No. 681, S. 758


    Profil

    Lucy Hester Stone kam am 8. März 1865 in London zur Welt. Ihre musikalische Ausbildung begann sie am Stuttgarter Königlichen Konservatorium für Musik und setzte diese dann am Conservatoire de Musique in Paris und später am Royal College of Music in London fort. Sie spielte sowohl in drei Quartetten als auch durchgehend als Solistin. Von 1887 bis 1897 spielte sie die zweite Geige im Shinner-Quartett, darauf war sie mehrere Jahre (~1899–1901) Mitglied im Wietrowitz-Quartett und schließlich, vermutlich im Zeitraum 1904 bis 1909, war sie im Nora-Clench -Quartett aktiv.

    Der letzte verzeichnete Auftritt als Soloviolinistin datiert im Jahr 1909, Anlass war eine Wohltätigkeitsveranstaltung in der Bechstein Hall in London.

    Orte und Länder

    Lucy Stone trat im Laufe ihrer Karriere überwiegend in England, besonders häufig in London, auf. In Rahmen ihrer Tätigkeit im Nora-Clench-Quartett erzielte sie jedoch nicht nur in London, sondern in den Musikzentren in ganz Europa Erfolge.

    Biografie

    Die Violinistin Lucy Hester Stone wurde am 8. März 1865 in London als eines von neun Kindern geboren. Ihre Mutter, Elisabeth Theresa Vidal, war Australierin und Autorin von Beruf. Lucy Stones Vater, Edward Daniel Stone, war ebenfalls Autor und zudem Übersetzer. Lucy Stone wurde in eine musikalische Familie geboren – ihr Bruder Frank Stone spielte Violoncello und eine ihrer Schwestern Klavier, oftmals musizierten die Geschwister auch gemeinsam. Stones Schwester heiratete den Autor und schottischen Nationalisten Edward Montague Anthony Crompton Mackenzie, der Lucy Stone als Verwandte und Musikerin in seinem Werk „My record of music“ erwähnte.


    Zu Lucy Stone’s Kindheit und Ausbildung sind grundlegende Eckdaten bekannt. Ihre frühe Kindheit hat sie in Neuilly bei Paris verbracht. Mit dreizehn Jahren ging sie nach Stuttgart, um dort als jüngste Schülerin das Stuttgarter Königliche Konservatorium für Musik zu besuchen und Unterricht bei Professor Edmund Singer, zeitweilig Hofkonzertmeister in Stuttgart und bekannter Geigenvirtuose, Quartettspieler und Lehrer, zu nehmen.

    Daraufhin erhielt sie ein Stipendium des „Conservatoire de Paris“. Auf den Rat von Joseph Joachim, dem Geiger, Lehrer und Komponisten, der unter anderem auch Jenő Hubay und Richard Gompertz unterrichtete, setzte sie ihre Ausbildung danach am „Royal College of Music“ in London fort, wo sie bei Richard Gompertz studierte – auch hier konnte sie ein Stipendium erlangen (vgl. Saxe Wyndham, Henry. L’Epine, Geoffreey. Who’s who in music: A Biographical Record of Contemporary Musicians. Wyndham, H.S., S.274, 1913). In „The Times” wird am 24. Dezember verkündet, dass Lucy Stone vom Royal College of Music 15 Pfund Preisgeld für außerordentliche Leistungen erhalten habe (vgl. „The Times“ vom 24. Dezember 1886, S. 7).


    Nach Beendigung ihrer Ausbildung profilierte sich Lucy Stone im Bereich der Kammermusik und spielte in mehreren Quartetten die zweite Geige. Stone bewegte sich somit im Schülerkreis Joseph Joachims, da die erste Geige in den jeweiligen Quartetten mit Joachim-Schülerinnen – Emily Sinner, Gabriele Wietrowitz und Nora Clench – besetzt war.


    1887 trat Lucy Stone dem Streichquartett der Joachim-Schülerin Emily Shinner bei. Dieses setzte sich aus Emily Shinner (erste Geige), Lucy Stone (zweite Geige), Cecilia Gates (Viola) und Florence Hemmings (Violoncello) zusammen und hatte seinen ersten Auftritt am 2. April 1887 im King’s College. Weitere Auftritte im Gründungsjahr fanden zudem am 20. September und am 30. November in den „Assembly Rooms“ in Cheltenham und schließlich am 9. Dezember 1887 gemeinsam mit Agnes Miller als Damen-Quintett in der Masonic Hall in Birmingham statt.

    Auch im Folgejahr gab es Auftritte mit Agnes Miller, so zum Beispiel am 25. Oktober 1888 ein Kammerkonzert wieder in der Masonic Hall und am 22. November desselben Jahres ein weiteres Konzert.

    Neben erneuten Auftritten in der Masonic Hall (am 28. Februar 1889 und am 22. Oktober 1889) trat das Quartett am 15. Mai 1889 auch in der Prince’s Hall in London auf. Über den Auftritt in der Masonic Hall im Oktober schreibt „The Magazine of Music“: „The abilities of the ladies forming the ,Shinner Quartet’ are well known, and the perfection of their ensemble playing was as conspicuous as ever in the concerted pieces, the balance of tone being admirably preserved, while the salient passages for each instrument were in turn rendered conspicuous. […] The admirable taste shown in the compilation of the programme was fully recognised by the audience, who rewarded the fair artists with a recall after each number of the programme.” („Die Fähigkeiten der Damen, aus denen sich das ,Shinner Quartet’ zusammensetzt, sind wohlbekannt, und die Perfektion ihres gemeinsamen Spiels war so offenkundig wie immer, die Balance des Klangs wie immer bewundernswert bewahrt, während die wichtigen Passagen in jedem Instrument der Reihe nach mit Exzellenz vorgetragen wurden.“; „The Magazine of Music: for the student and the Million“ vom Februar 1889, Notes on Musical life in Birmingham.)

    „The Musical Times“ lobte das Konzert in der Prince’s Hall in London am 15. Mai 1889: „It cannot be said that there was any want of ambition in the selection of the programme. Schubert’s Quartet in D minor is not a work to be lightly taken in hand, but the young ladies justified their temerity by giving an exceedingly creditable performance. Since they first appeared in public the Sinner Quartet have much improved, collectively, if not individually, and their ensemble on the present occasion was well nigh irreproachable.” („Man kann nicht sagen, dass es in der Auswahl des Programms an Ehrgeiz fehlte. Schuberts Quartett in d-moll ist kein Werk, das man leichtfertig angehen sollte, aber die jungen Damen rechtfertigten ihre Tollkühnheit, indem sie eine überdurchschnittlich gute Aufführung boten. Seit seinem ersten öffentlichen Auftritt hat sich das Shinner-Quartett als Ganzes, wenn nicht sogar individuell, sehr verbessert und ihr jüngstes Zusammenspiel

    war nahezu tadellos.“; „The Musical Times” vom 1. Juni 1889, Vol. 30, No. 556, S. 345)

    1890 folgten dann ein Gastauftritt beim Kammermusikkonzert von Agnes Miller am 17. April sowie ein Auftritt am 10. Dezember in Cheltenham im Rahmen der „Cheltenham Quartet Society“ in der „Montpellier Rotunda“.

    Auch am 12. März 1891 unterstützte das Quartett wieder Agnes Miller in der Masonic Hall in Birmingham. 1894 ist ein Auftritt in der Prince’s Hall in London verzeichnet, und am 16. März 1895 trat das Shinner-Quartett am Bow and Bromley Institute, London, auf. Neben öffentlichen Konzerten gab das Shinner-Quartett auch viele Konzerte in Privathäusern, so zum Beispiel am 2. Dezember 1895 im Haus von Mr. Freshield in Kensington, wo die Musikerinnen ein Violinquartett in e-moll von Bedřich Smetana vortrugen: „The chief work interpreted by these conscientious, well-practised artists was the Smetana quartet in E minor […]. The quartet received a most sympathetic rendering. A concertante duet for two violins was played with much spirit and expression by Mrs. Lidell and Miss Lucy Stone.” („Das Hauptwerk, das von den gewissenhaften und geübten Künstlerinnen aufgeführt wurde, war das Quartett in e-moll von Smetana […]. Das Quartett erfuhr eine sehr überzeugende Wiedergabe. Ein Konzertduett für zwei Geigen wurde mit viel Esprit und Ausdruck von Mrs. Lidell und Miss Lucy Stone gespielt.“; „Musical news“ vom 14. Dezember 1895, London concerts.), . Auch für 1896 ist ein Konzert des Quartetts verzeichnet.


    Ab 1899 übernahm die österreichische Joachim-Schülerin Gabriele Wietrowitz die erste Geige (Emily Shinner verstarb 1901). Der erste Auftritt des Wietrowitz-Quartetts fand am 21. März 1899 in der Londoner Steinway Hall statt: „The Wietrowitz Quartet, consisting of the Misses Gabriella Wietrowitz, Lucy Stone, Cecilia Gates, and Florence Hemmings, made its first appearance in London on the 21st ult., at the Steinway Hall […].” („Das Wietrowitz-Quartett, bestehend aus Misses Gabriella Wietrowitz, Lucy Stone, Cecilia Gates und Florence Hemmings, trat erstmals in London am 21. des vergangenen Monats in der Steinway Hall auf.“; „The Musical Times“ vom 1. April 1899, Vol. 40, No. 674, S. 263-266)

    Lucy Stone scheint zu diesem Zeitpunkt Geschäftsführerin des Quartetts gewesen zu sein, wie aus einer Konzertvorschau hervorgeht. Ein weiterer Auftritt des Wietrowitz-Quartetts ereignete sich im Mai 1901 im Crystal Palace sowie am 4. November 1901 in der Bechstein Hall.


    Gabriele Wietrowitz gründete Anfang 1900 ihr eigenes Damenquartett in Berlin, während Cecilia Gates und Lucy Stone zusammen mit May Mukle (Violoncello) und der kanadischen Geigerin Nora Clench (erste Violine) das Nora-Clench-Quartett gründeten.

    Das Quartett debütierte am 13. Juni 1904 in der Æolian Hall in London,.

    „The Times“ urteilte folgendermaßen: „[…] on Monday evening, when she [Miss Nora Clench] and the Misses Lucy Stone, Cecilia Gates, and May Mukle made their first appearance in public as a string-quartet. It is curious that in the playing of all the ladies’ quartets with which we are acquainted there has been noticeable the same deficiency in breadth of phrasing, especially in the slower movements, and Miss clench’s quartet is not altogether an exception. But apart from this their performance is not only most praiseworthy but remarkably excellent, and of one of Mozart’s quartets in C and of the beautiful work in A by Borodin, which seems to have been heard in London only once before, admirable interpretations were given; and the quartet much more than justified their existence and their enterprise.” („[…] am Montagabend, als [Miss Nora Clench] und Misses Lucy Stone, Cecilia Gates und May Mukle erstmals in der Öffentlichkeit als Streichquartett auftraten. Es ist merkwürdig, dass es im Spiel aller Damenquartette, mit denen wir bekannt gemacht wurden, einen auffallenden Mangel an Breite in der Phrasierung, insbesondere in den langsameren Sätzen, gibt. Miss Clenchs Quartett bildet in dieser Hinsicht keine wirkliche Ausnahme. Aber abgesehen davon war ihr Auftritt nicht nur höchst lobenswert, sondern sogar beachtlich, und eines von Mozarts Quartetten in C und das herrliche Werk in A von Borodin, welches scheinbar nur einmal zuvor in London gespielt wurde, wurden ausgezeichnet interpretiert. Das Quartett hat seine Existenz und sein Vorhaben mehr als gerechtfertigt.“; „The Times“ vom 15. Juni 1904, S. 12)

    Im November verkündete „The Times“ nochmals die Gründung des Nora-Clench-Quartetts und begeisterte sich für einen weiteren Auftritt in der Æolian Hall: „Miss Nora Clench, the distinguished violinist, has associated herself with Miss Lucy Stone, Cecilia Gates, and May Mukle, and the ,Nora Clench Quartet’ gave the first of four chamber concerts in the Æolian-hall last night. The young ladies have attained a very rare excellence of ensemble.” („Miss Nora Clench, die distinguierte Geigerin, hat sich mit Miss Lucy Stone, Cecilia Gates und May Mukle zusammengetan, und das ,Nora Clench Quartet’ gab gestern Abend das erste von vier Konzerten in der Aelion Hall. Die jungen Damen haben als Ensemble eine seltene Exzellenz erreicht.“; „The Times“ vom 22. November 1904, S. 8)

    Am 6. Februar 1905 trat das Quartett in Leighton auf. „The Times“ hob in einer Kritik Lucy Stones Spiel der zweiten Geige hervor: „[…] and in some passages of importance for second violin Miss Lucy Stone was a most worthy counterpart ot the able leader.“ („[…] und in einigen Stücken, die für die zweite Geige von Wichtigkeit waren, erzeigte sich Lucy Stone als würdiges Gegenpart zu der talentierten ersten Geige.“; „The Times“ vom 7. Februar 1905, S. 7)

    Wie auch schon zuvor in einigen Kommentaren, geht auch hier die „Times“ auf die Programmauswahl ein, denn das Nora-Clench-Quartett schien eine Vorliebe für neue, in England bisher nicht gehörte Stücke zu haben: „At the evening concert the other piece of ensemble music was S. Taneiev’s string quartet in D minor, op. 7, performed for the first time in England.“ („Das andere Stück Kammermusik, das auf dem abendlichen Konzert zum ersten Mal in England gespielt wurde, war Sergei Tanejews Streichquartett in d-moll, op. 7“; „The Times“ vom 7. Februar 1905, S. 7)

    Der 23. Oktober 1906 bildete den Auftakt einer Konzertserie in der Bechstein Hall in London, bei dem das Quartett erneut eine Erstaufführung in ihr Programm einbezog, wie die „Times“ schrieb: „The Nora Clench Quartet began a new series of chamber concerts last night in Bechstein-hall with an altogether admirable performance of Schubert’s divinely beautiful quartet in D minor, after which they gave the first performance in England of a serenade for string trio by Herr von Dohnányi, numbered op. 10.“ („Das Nora-Clench-Quartett begann am vorigen Abend eine neue Kammerkonzertserie in der Bechstein Hall mit einer insgesamt ausgezeichneten Aufführung von Schuberts himmlisch schönem Quartett in d-moll, nachdem sie zum ersten Mal in England eine Serenade für ein Streichertrio, nummeriert op. 10, von Herrn von Dohnányi, spielten.“; „The Times“ vom 24. Oktober 1906, S. 11, Concerts.)

    Am 19. Februar 1907 fand das vorletzte Konzert der Serie statt, das letzte folgte am 5. März 1907.

    1908 musizierte das Nora-Clench-Quartett neben Ethel Barns und dem Komponisten Mr. Cyril Scott in der Bechstein Hall, wo es erstmals ein Streichquartett von Mr. Cyril Scott öffentlich aufführte.

    Auch im Jahr 1909 – Lucy Stone war zu diesem Zeitpunkt wohnhaft in 2, Hill-road, St. John’s Wood N.W. und Geschäftsführerin des Quartetts – gab das Quartett sehr viele Konzerte. So trat das Quartett am 17. Februar wieder einmal in der Bechstein-Hall auf. Im Herbst/Winter 1909 folgten hier drei weitere Konzerte am 26. Oktober, am 9. November und am 14. Dezember. Hiernach liegen keine weiteren Nachweise über Konzertauftritte des Nora-Clench-Quartetts vor.


    Auch als Solistin war Lucy Stone während ihrer Karriere aktiv. Sie trat als Solistin unter anderem in Konzerten von Leonard Borwick, Fanny Davies, Natalie Janotha und Agnes Zimmermann auf. Am 13. Dezember 1886 war sie in der Londoner Prince’s Hall neben dem Bach-Chor und dem Pianisten Mr. Fuller-Maitland zu hören. Ihr Auftritt findet am Tag darauf in „The Times“ Erwähnung: „In the intervals of the vocal music Miss Lucy Stone played Handel’s violin sonata in A in a highly creditable manner“ („In den Pausen zwischen der Vokalmusik spielte Miss Lucy Stone Händels Violinsonate in A in äußerst lobenswerter Art und Weise“; „The Times“ vom 14. Dezember 1886, S. 10).

    Am 5. Juni 1894 trat Lucy Stone in der kleinen Queen’s Hall mit Fanny Davies sowie Louise Dale auf. In einer ausführlichen Konzertkritik der „Times“ wurde unter anderem Lucy Stones Programmauswahl gelobt: „Of the many good points connected with Miss Lucy Stone’s concert in the small Queen’s-hall on Tuesday evening not the least to be appreciated was the admirably-arranged and concise program.” („Viel Positives kann über Miss Lucy Stones Konzert in der kleinen Queen’s Hall gesagt werden. Nicht zuletzt sollte man ihr bewundernswert arrangiertes und prägnantes Programm würdigen.”) Des weiteren schrieb „The Times“: „The only work of large proportion was Brahms’ lovely violin sonata, op. 78, which was played with much feeling and no little skill by the concert-giver and Miss Fanny Davies. The former was subsequently heard to some advatange in Svendsen’s familiar romance. Her tone, if small, is sympathetic; and her style, though somewhat lacking of fire, is otherwise excellent.” (Das einzige Werk von verhältnismäßig umfangreichem Ausmaß war Brahms’ Violinsonate, op. 78, das mit viel Gefühl und beachtlichem Können von der Konzertgeberin und Miss Fanny Davies gespielt wurde. Anschließend war erstere äußerst vorteilhaft in Svendsens bekannter Romanze zu hören. Ihr Ton, wenn auch klein, ist einfühlsam, und ihr Stil, wenn es ihm gewissermaßen auch an Feuer fehlt, ist ansonsten exzellent.“; „The Times“ vom 7. Juni 1894, S. 10)

    Im Jahr darauf traten Fanny Davies und Stone wieder gemeinsam am 15. Juni in der kleineren Queen’s Hall auf.

    Auch am 18. Juni 1897 veröffentliche „The Times“ eine kurze, moderate Kritik zu einem Konzert Lucy Stones: „It is a pity that so clever a violinist as Miss Lucy Stone did not choose for her solos some work less hackneyed than the two movements from Bruch’s G minor concerto at her concert in the smaller Queen’s-hall on Tuesday evening. Miss Stone plays with real intelligence and feeling, and altogether within well-defined limits which she does not attempt to exceed, her performance is admirable.” („Es ist zu schade, dass eine so wunderbare Violinistin wie Miss Lucy Stone sich zu ihrem Konzert in der kleineren Queen’s Hall am Dienstagabend nicht für weniger abgedroschene Werke als die zwei Sätze von Bruchs Konzert in g-moll entschied. Miss Stone spielt mit echtem Verstand und Gefühl, und alles in allem ist ihr Spiel, innerhalb der klar definierten Grenzen, die sie nicht zu überschreiten versucht, hervorragend.“; „The Times“ vom 18. Juni 1897, S. 4)

    Sie hatte im Oktober 1899 einen Auftritt in Eton mit dem Eton Chapel Choir und im Folgejahr, am 13. und 27. November 1900, Auftritte mit Miss Georgina Dupuis in der Drill Hall, Eton College, wo Stone am 16. Juli 1903 ein weiteres Konzert gab. „The Musical Times“ rühmte Lucy Stone 1899 nach ihrem Auftritt mit dem Eton Chapel Choir als eine wichtige Vertreterin der Joachim-Schule. Hier führte Lucy Stone, vom Komponisten Samuel Coleridge-Taylor begleitet, zwei “Gipsy Movements”, op. 20, auf: „They were succeeded by two ,Gipsy Movements’ for violin solo, exquisitely played by Miss Lucy Stone, with the composer at the pianoforte. This lady’s purity of tone, artistic phrasing, and neatness of execution fully sustained her reputation as a leading exponent of the Joachim school.” („Ihnen folgten zwei ,Zigeunersätze’ für Geige, exquisit von Miss Lucy Stone gespielt und vom Komponisten auf dem Klavier begleitet. Die Reinheit des Klangs, der künstlerische Ausdruck und die Sauberkeit in der Technik dieser Dame untermauern vollkommen ihren Ruf, eine führende Repräsentantin der Joachim-Schule zu sein.“; „The Musical Times“ vom 1. November 1899, Vol. 40, No. 681, S. 758)

    In der Londoner St. James’ Hall war sie neben Sterling Mackinlay (Gesang) am 29. November 1901 zu hören. Am 5. Februar 1902 trat sie in der Steinway Hall bei einem Konzert von Olive Christian Malvery zu hören und spielte dort „Four English Sketches: for violin and piano“, begleitet von dem Komponisten William Y. Hurlstone.

    Am 29. Juni 1903 trat die Geigerin in der Bechstein Hall auf. Zu ihrem Konzert bemerkte „The Times“: „The clever violinist Miss Lucy Stone gave an interesting chamber concert in Bechstein-hall on Monday, when, with the help of Miss Fanny Davies, she introduced a sonata for piano and violin by Herr Richard Barth, the well-known violinist. […] The performance was excellent, and Miss Stone’s playing of Bruch’s romance in A minor and of Tartini’s sonata in G minor was very artistic, although in the romance a little more definiteness of phrasing would not have been unwelcome.” („Die wundervolle Violinistin Miss Lucy Stone gab am Montag ein interessantes Kammerkonzert in der Bechstein Hall, wo sie mit der Hilfe von Miss Fanny Davies eine Sonate für Geige und Klavier von Herrn Richard Barth, dem bekannten Violinisten, vorstellte. […]. Der Auftritt war großartig und Miss Stones Spiel von Bruchs Romanze in a-moll und von Tartinis Sonate in g-moll war sehr künstlerisch und kreativ, wenn auch in der Ausführung der Romanze ein wenig Bestimmtheit nicht geschadet hätte.“; „The Times“ vom 2. Juli 1903, S. 12)

    1906 trat Stone auf dem Hereford Festival auf. Am 19. Februar 1909 spielte sie zu Gunsten des „St. Basil Home for Aged Women“ in der Bechstein Hall.


    Das Todesdatum Lucy Stones liegt nicht vor, allerdings ist bekannt, dass sie sich nach Beendigung ihrer Karriere aus dem öffentlichen Leben zurückzog und in einem katholischen Nonnenkloster zur Ruhe setzte.

    Würdigung

    Durch ihr Spiel in der Besetzung der zweiten Geige im Nora-Clench-Quartett trug Lucy Stone aufgrund der innovativen Programmauswahl des Quartetts zur Bereicherung der englischen und insbesondere der Londoner Musikszene bei. Unter anderem machte das Quartett das englische Publikum mit Werken des russischen Komponisten Sergei Iwanowitsch Tanejew und Ernst von Dohnányi bekannt.

    Zudem leistete sie als Mitglied mehrerer Damenstreichquartette einen Beitrag zur Etablierung weiblich besetzter Quartette im europäischen Raum.

    Rezeption

    Insgesamt nahm die Presse die Quartette, in denen Lucy Stone spielte und die alle zu den frühen Damenquartetten Europas zählten, sehr positiv auf. „The Times“ lobte so zum Beispiel das Zusammenspiel des Shinner-Quartett, welches aus der Erfahrung langjähriger gemeinsamer Übung resultiere: „The work was played with considerable vigour, as well as refinement. The performance […] was distinguished by that perfection of ensemble which can only be acquired by long and intimate association between the players.“ („Das Werk wurde mit beträchtlicher Vitalität und Raffinesse gespielt. Die Aufführung […] hob sich durch jenes vollkommene Zusammenspiel hervor, das nur durch langjährige und innige Verbindung zwischen den Spielern erlangt werden kann.“; „The Times“ vom 21. Mai 1889, S. 4)

    Besonders begeistert zeigte sich die Öffentlichkeit vom Nora-Clench-Quartett. Das Quartett fiel häufig aufgrund seiner Programmauswahl positiv auf – oft spielte das Quartett Werke, die in England noch nie zuvor gespielt worden waren.)

    Als das Quartett 1905 ein Quartett in d-moll von Hugo Wolf zum ersten Mal in England spielte, pries die „Violin Times“ die Interpretation: „Very high praise must be accorded the quartet for an interpretation that was admirably integral in feeling an expression.“ („Sehr viel Lob gebührt dem Quartett für eine Interpretation, die beachtlich vollkommen hinsichtlich Gefühl und Ausdruck war.“; „The Violin Times“ vom Januar 1905, Current events and concert notes.)

    1907 berichtete „The Violin Times“ über ein Konzert in der Bechstein Hall, das vor einem „großen und wohlwollenden Publikum“ („large and appreciative audience“; „The Violin Times“ vom April 1907, The Norah Clench Quartet) gegeben wurde.

    „The cremona“ vermerkte nach einem Konzert in der Bechstein Hall: „Miss Nora Clench, Miss Lucy Stone, Miss Cecilia Gates, and Miss May Mukle, played with their usual power.“ („Miss Nora Clench, Miss Lucy Stone, Miss Cecilia Gates und Miss May Mukle spielten mit ihrer üblichen Kraft und Ausdrucksstärke”; „The cremona” vom März 1907, The Art of the Month.), was auf einen allgemein sehr positiven Konsens schließen lässt. In einer Konzertkritik, wieder nach einem Konzert in der Bechstein Hall, bewertete „The Musical Times“ das Konzert folgendermaßen: „The playing represented a high standard of excellence throughout.“ („Das Spiel spiegelte durchgehend einen hohen Standard an Excellenz wider.“; „The Musical Times“ vom 1. März 1909, Vol. 50, No. 793, S. 179-180)


    Lucy Stones Bekanntheitsgrad zu Lebzeiten blieb nicht über ihren Tod hinaus bestehen, weshalb heute keine Quellen vorliegen, die es ermöglichen würden, auf eine gegenwärtige Rezeption ihrer musikalischen Tätigkeit zu schließen.

    Repertoire

    Bach, Johann Sebastian

    Violinkonzert in d-moll für zwei Violinen (keine Präzisierung möglich)


    Barth, Richard

    Sonate in D, op. 14


    Beethoven, Ludwig van

    Violinromanze Nr. 2 für Violine und Orchester in F-Dur

    Streichquartett Nr. 6 für zwei Violinen, Viola und Violoncello in B-Dur, op. 18

    Streichquartett Nr. 10 in Es-Dur, op. 74

    Streichquartett Nr. 14 in cis-moll, Op. 131

    Streichquartett in H-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Trio in für Klavier und Violine, Violoncello in d-moll (keine Präzisierung möglich)


    Brahms, Johannes

    Violinsonate Nr. 1 für Violine und Klavier in G-Dur, op. 78

    Violinsonate Nr. 2 für Violine und Klavier in A-Dur, op. 100

    Streichquartett Nr. 2 in a-moll, op. 51

    Streichquartett in B-Dur, op. 67

    Streichquartett in F (keine Präzisierung möglich)

    Streichquintett für zwei Violinen, Viola, Violoncello und Klavier in f-moll, op. 34

    Zwei ungarische Tänze für Geige und Klavier (keine Präzisierung möglich)


    Bruch, Max

    Romanze für Violine und Orchester in a-moll, op. 42


    Coleridge-Taylor, Samuel

    Gipsy Suite (auch 2 Gipsy Movements) für Violine und Klavierbegleitung in D-Dur und a-moll, op. 20


    Debussy, Claude

    Streichquartett in g-moll, op. 10


    Dohnányi, Ernst von

    Serenade für Streichtrio in C-Dur, op. 10


    Dvořák, Antonín

    Streichquartett in E-Dur, op. 51

    Quintett in A-Dur

    Friskin, James

    Klavierquintett in C-Dur, op.3


    Haydn, Joseph

    Quartett in G, op. 64


    Händel, Georg Friedrich

    Violinsonate für Violine und Generalbass in A-Dur, op. 1 Nr. 3


    Mendelssohn Bartholdy, Felix

    Streichquartett Nr. 1 in D-Dur, op. 44

    Streichquintett Nr. 1 in A-Dur, op. 18

    Klaviertrio Nr. 1 für Klavier, Violine und Violoncello in d-moll, op. 49

    Klaviertrio Nr. 2 für Klavier, Violine und Violoncello in c-moll, op. 66


    Mozart, Wolfgang Amadeus

    Streichquartett in C-Dur, (keine Präzisierung möglich)

    Streichquartett in Es-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Streichquartett in C (keine Präzisierung möglich)

    Klavierquartett Nr. 1 für Klavier und Streichinstrumente in g-moll


    Reger, Max

    Streichquartett Nr. 3 in d-moll, op. 74


    Ries, Franz Anton

    Romanze für Violine und Klavier (keine Präzisierung möglich)


    Schubert, Franz

    Klaviertrio Nr. 1 für Trio mit Klavier in B-Dur, op. 99


    Schubert, Franz

    Streichquartett Nr. 13 in a-moll, op. 29

    Streichquartett Nr. 14 in d-moll, op. post. D. 810


    Schumann, Robert

    Klaviertrio Nr. 1 für Klavier, Violine und Violoncello d-moll, op. 63

    Klaviertrio Nr. 2 für Klavier, Violine und Violoncello in F-Dur, op, 80

    Klavierquartett für Klavier und Streichinstrumente in Es-Dur, op, 47

    Streichquartett Nr. 3 in A-Dur, op. 41


    Scott, Cyril Meir

    Streichquartett, op. 28 (keine Präzisierung möglich)


    Smetana, Bedřich

    Streichquartett in e-moll (keine Präzisierung möglich)


    Spohr, Louis

    Duo Concertant für zwei Violinen, op. 67, 2


    Strauss, Richard

    Sonate für Klavier und Violine in Es-Dur, op. 18


    Svendsen, Johan Severin

    Violinromanze für Violine und Orchester in G-Dur, op, 26


    Tanejew, Sergei Iwanowitsch

    Streichquartett Nr. 2 in C-Dur, op. 5

    Streichquartett Nr. 3 in d-moll, op. 7

    Streichquartett Nr. 19 in B, op. 19


    Tartini, Giuseppe

    Sonate in g-moll (keine Präzisierung möglich)


    Tschaikowsky

    Quartett in d-moll, op. 17


    Walker, Ernest

    Fantasie für Streichquartett (keine Präzisierung möglich)


    Wolf, Hugo

    Streichquartett in d-moll


    Werke von Alexander Borodin

    Quellen

    Literatur


    Compton Mackenzie, Edward Montague Anthony, My Record of Music. London: Hutchinsons, S. 31, 1955


    Hg. Finscher, Ludwig, Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Personenteil Band 15, Spalte 707, Shinner Quartet.Bärenreiter, Kassel u.a., 2006


    Henry Saxe Wyndham, Geoffrey L’Epine. Who’s who in music. A Biographical Record of Contemporary Musicians. Wyndham, H.S., S. 274, 1913


    Robin Stowell, The Cambridge Companion to the string quartet. Cambridge: University Press, S. 50, 2003



    Zeitschriften und Rezensionen


    The Times vom 14. Dezember 1886, S. 10, The Bach Choir.

    The Times vom 24. Dezember 1886, S. 7

    The Times vom 7. Juni 1894, S. 10

    The Times vom 18. Juni 1897, S. 4

    The Times vom 28. Februar (1899), S. 1

    The Times vom 6. November 1901, S. 11

    The Times vom 21. Januar 1902, S. 1

    The Times vom 2. Juli 1903, S. 12, Concerts.  

    The Times vom 10. Juni 1904, S. 1

    The Times vom 15. Juni 1904, S. 12, Concerts

    The Times vom 7. Februar 1905, S. 7, Concerts.

    The Times vom 24. Oktober 1906, S. 11, Concerts.

    The Times vom 8. Februar 1909, S. 11, Court Circular. 

    The Times vom 11. Februar 1909, S. 1

    The Times vom 15. Februar 1909, S. 1

    The Times vom 14. Oktober 1909, S. 8

    The Times vom 23. Oktober 1909, S. 8

    The Times vom 6. November 1909, S. 10

    The Times vom 9. November 1909, S. 8

    The Times vom 11. Dezember 1909, S. 10

    The Times vom 7. Juni 1938, S. 14, Lady Streeton.


    The Musical Times vom 1. Januar 1887, Vol. 28, No. 527, S. 21

    The Musical Times vom 1. Oktober 1887, Vol. 28, No. 536, S. 603-604

    The Musical Times vom 1. Januar 1888, Vol. 29, No. 539, S. 36-38

    The Musical Times vom 1. November 1888, Vol. 29, No. 549, S. 665-666

    The Musical Times vom 1. Juni 1889, Vol. 30, No. 556, S. 345

    The Musical Times vom 1. Mai 1890, S. 285, Vol. 31, No. 567

    The Musical Times vom 1. Januar 1891, Vol. 32, No. 575, S. 29

    The Musical Times vom 1. April 1891, Vol. 32, No. 578, S. 222

    The Musical Times vom 1. Juli 1897, Vol. 38, No. 653, S. 480-481, Miscellaneous Notes.

    The Musical Times vom 1. April 1899, Vol. 40, No. 674, S. 263-266

    The Musical Times vom 1. November 1899, Vol. 40, No. 681, S. 758

    The Musical Times vom 1. Dezember 1900, Vol. 41, No. 694, S. 829

    The Musical Times vom 1. Januar 1902, Vol. 43, No. 707, S. 40-41

    The Musical Times vom 1. August 1903, Vol. 44, No. 726, S. 548


    The Musical World vom 26. März 1887, S. 240, Notes and News.

    The Musical World vom 10. Dezember 1887, S. 981, Notes and News.


    Musical news vom 2. Juni 1894, S. 511, Miscellaneous Notes.

    Musical news vom 16. März 1895, S. 246, Miscellaneous Notes

    Musical news vom 14. Dezember 1895, S. 504, London Concerts.


    The Violin times : a monthly journal for professional and

    amateur violinists and quartet players vom Juni 1894, S. 113

    The Violin times : a monthly journal for professional and

    amateur violinists and quartet players vom April 1901, S. 81, Current events and concert notes.


    The magazine of music: for the student and the Million vom Februar 1889, Notes on Musical Life in Birmingham.


    J B K Musical opinion and music trade review vom Juni 1894, S. 558, Opera and concerts.


    The Minim: a musical magazine for everybody vom August 1896,

    S. 170, Concerts.



    Links


    http://dcodriscoll.pbworks.com/w/page/27163012/Stone_(I)


    http://www.concertprogrammes.org.uk/html/search/verb/GetRecord/4858


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=wietrowetz-gabriela

    Forschung

    Der Artikel beruht in erster Linie auf der genannten Primärliteratur. Ausgangspunkt war der Eintrag zu Lucy Stone in Wyndham und L’Epines biographischemn Lexikon „Who’s who in music“. Darüber hinaus liegen zu diesem Zeitpunkt keine Forschungsarbeiten vor, die sich mit Lucy Stones und ihrem Werdegang als Musikerin befassen.

    Forschungsbedarf

    Wünschenswert wären weitere Forschungen insbesondere hinsichtlich Lucy Stones Karriere als Solistin. Zudem besteht Forschungsbedarf zu Lucy Stones Wirken in Quartettensembles außerhalb Englands.

    Autor/innen

    Henrieke Max


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Henrieke Max, Artikel „Lucy Stone“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Lucy_Stone