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  • Louise von Drieberg

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Louise von Drieberg
    Geburtsname: Louise von Normann
    Lebensdaten:
    geb. in Stolzenau, Deutschland
    gest. in Protzen, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Komponistin, Dichterin

    Profil

    Die Komponistin Louise von Drieberg veröffentlichte innerhalb weniger Jahre, zwischen 1840 und 1843, mehrere Liedersammlungen, die öffentlich wahrgenommen und u. a. in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ umfassend rezensiert wurden. Dabei wurde Louise von Drieberg als Ehefrau des Komponisten, Musik- und Naturwissenschaftlers Friedrich Johann von Drieberg zu einem Ideal der biedermeierlichen, musikalisch tätigen Hausfrau stilisiert; ihr früher Tod verstärkte diese Idealisierung zusätzlich.

    Orte und Länder

    Louise von Drieberg wurde in Stolzenau in der Nähe von Nienburg/Weser geboren. Nach ihrer Heirat mit Friedrich Johann von Drieberg 1824 ließ sie sich gemeinsam mit ihrem Mann 1826 im neuerworbenen Gutshaus in Protzen in der Nähe der brandenburgischen Ortschaft Ruppin nieder.

    Biografie

    Louise von Drieberg wurde in Stolzenau als Louise von Normann geboren. Über ihre Herkunft und ihre musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Im Jahr 1824 heiratete sie den Komponisten, Musik- und Naturwissenschaftler Friedrich Johann von Drieberg (1780-1856). Das Ehepaar ließ sich 1826 im neuerworbenen Gutshaus Protzen in der Nähe von Ruppin nieder; aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, wovon jedoch lediglich eine Tochter, Valesca von Drieberg, das Erwachsenenalter erreichte.


    Das Gutshaus Protzen galt allgemein als ein offenes Haus, in dem regelmäßig musikalische Abende stattfanden. So berichtete z. B. Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ über das Gutshaus und Friedrich Johann von Drieberg: „Der Protzener Park war damals einer der schönsten im Kreise, dreißig Morgen groß, mit den prachtvollsten Bäumen bestanden, dazwischen Blumenbeete, Wasser- und Rasenflächen. Außer der Pflege des Parks widmete sich Drieberg nach wie vor der Musik und – der Gesellschaft. Das Protzener Herrenhaus galt als der gastlichsten eines. Mit fast allen Familien der Nachbarschaft wurde Verkehr unterhalten, vorzugsweise mit dem Landrat von Zieten in Wustrau, mit der Majorin von Zieten in Wildberg und mit der Familie von Winterfeldt in Metzelthin. Auch aus Berlin kamen Freunde herüber, besonders wenn ‚Aufführungen’ den Mittelpunkt der Festlichkeit bildeten.“ (Fontane 1892, S. 375) In seinem „Tonkünstler-Lexicon Berlin’s“ schrieb Carl von Ledebur 1861 über Louise von Driebergs musikalische Fähigkeiten: „Sie war Dichterin, sang sehr schön und machte auch mit Glück Versuche in der Composition, ohne gründlichen Unterricht darin gehabt zu haben.“ Trotz dieser Angaben ist davon auszugehen, dass Louise von Drieberg mindestens im damaligen Sinne einer Allgemeinbildung auch eine fundierte musikalische Ausbildung erhalten hatte.


    Zwischen 1840 und 1843 erschienen mehrere Liedersammlungen von Louise von Drieberg in den Berliner Musikverlagen Lischke, Trautwein und Bote & Bock. Zu den von ihr vertonten Textdichtern gehörten Johann Wolfgang von Goethe, Joseph Eichendorff, Ida von Hahn-Hahn und Friedrich Rückert; einen Teil ihrer Liedtexte schrieb Louise von Drieberg selbst. Fast alle ihre Kompositionen wurden in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ rezensiert und überaus positiv besprochen, wenn auch mit der klaren Eingrenzung auf ein für die Zeit des Biedermeier typisches häusliches Umfeld (vgl. Petrat 1986, S. 78). So hieß es dort z. B. über ihre „Sechs Lieder für Sopran oder Tenor mit Begleitung“, op. 1: „Keine Komposizionsgattung liegt dem weiblichen Herzen näher, als das Lied; keine ist ihm besser und öfter gelungen, als diese. Die Ursachen dieser Erscheinung liegen so nahe, dass wir es eben so wenig zu berühren haben, als wir es für nöthig erachten, glückliche Liederkomponistinnen unsern Lesern erst in das Gedächtniss zu rufen. Die Zahl derselben vermehrt sich durch dieses Heft, das ein Name ziert, welcher der musikalischen Welt durch die Schriften des Herrn Friedrich v. Drieberg über altgriechische Musik hinlänglich bekannt ist. Die vielfach gebildete Komponistin ist die Gattin des hochgeschätzten Mannes. Gleich im ersten Liede: ‚Der Sänger und die Rose’ tritt uns die verehrte Frau auch als Liederdichterin entgegen, auch im Worte gewandt und anmuthig. Es ist ein romanzenähnlicher Prolog, der etwa andeutet: Auch die frömmste Liebe, die keine Wunden verspricht, wird dennoch verwunden, wenn der selige Traum vorüber ist. Der ganze melodische und harmonische Gang hat graziöse Haltung; die Gliederung des Ganzen ist gesund, ohne dass irgend ein Theil verkünstelt eingeengt wird; Alles ist schlicht, aber frisch, nicht verputzt noch geziert, aber nett und gefällig, ohne alle Ansprüche an irgend eine andere Geltung, als die in der Natur der Sache selbst liegt; also in schöner Weiblichkeit wirksam, für stille Stunden gegeben und stillen Genüssen erspriesslich, abhold dem Gepränge glänzender Säle und lobsüchtiger Sängerinnen. ... Je einsamer man sie singt, oder je traulicher der Kreis ist, in dem sie erklingen, desto näher wird der freundliche Geist uns treten, der in ihnen waltet.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 27. Mai 1840, Sp. 462f.) Die Rezension ihrer zweiten Liedersammlung, die wiederum Vertonungen zweier eigener Gedichte enthält, ist im gleichen Tonfall gehalten: „In dieser liebenswürdigen, naturgetreuen Weise des ersten Heftes ist auch dieses zweite Heft gelungen, im Melodischen den Texten angemessen ohne jene geschminkte Originalsüchtelei, die gern scheinen möchte, was sie nicht ist, und ohne jenen überreizten Hang nach verbrämt auffallender Begleitung, die dem Liede mehr schadet als frommt. Zugleich hat sich die freundliche Komponistin wieder als weich empfindende Dichterin in Bevorzugung einer Gefühlsrichtung gezeigt, die als echt weibliche Neigung gilt und darum aus Frauenmunde auch am meisten anspricht. Es ist das sehnende Verlangen nach dem Entschwundenen, nach geliebten Schallen vergeistigter Vergangenheit, zu welcher sich der Reiz der Zukunft an der Hand blühender Hoffnungen im Morgengrauen idealer Herrlichkeit gesellt. Dies spricht sich eben so zart als feurig aus in einem ,Lebewohl’ No. 1 und in No. 5 ‚An die Entfernte’. Dabei ist ihr aber die Lust an der Gegenwart, die frische Theilnahme an den Freuden des irdischen Tages keinesweges verloren gegangen, was wir ganz besonders zu achten wissen. In naiver Komik und echtem Anstande netter Heiterkeit sind Goethes ‚Die Lustigen von Weimar’ allerliebst, ja vorzüglich getroffen worden, so dass sie Jedem behagen werden. ‚Benedetta’, von Ida Gräfin Hahn-Hahn, ist in ihrem Wunsche nach Hall mitten im Schwanken zwischen dem Sein und dem Ideale der Sehnsucht gut aufgefasst; eben so ,Der Ungeliebte’ von Rückert (mit einiger neuen Notenorthographie). Das letzte ist Goethes Vanitatum Vanitas, eben so munter als einfach hübsch.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 13. Januar 1941, Sp. 37f.) Über die dritte Liedersammlung Louise von Driebergs, die 1842 unter dem Titel „Gruß an die Ostsee“ erschien, schrieb ein K. Stein in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ schließlich: „Wir haben zwar unter diesen ganz artig, rund und ansprechend gesungenen Liedern der talentvollen Verfasserin, welche sich hier zum Theil zugleich als Dichterin und Komponistin bewährt hat, keins gefunden, welches den Titel: ‚Gruß an die Ostsee’ für das grössere Publikum gerechtfertigt hätte – allein die einfache, gemüthliche Tonsprache, welche diese Lieder auszeichnet, wird, wie sie vom Herzen gekommen ist, gewiss auch befreundete Herzen, ob im Osten oder im Westen, zu treffen und zu rühren wissen.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 10. August 1842, Sp. 630)


    Die Liedersammlung mit sechs weiteren Liedern, die posthum bei Bote & Bock erschien, wurde schließlich in der Musikzeitschrift „Cäcilia“ rezensiert. Nach einer kurzen Nennung und Besprechung der einzelnen Lieder heißt es dort: „Ich muss bekennen, dass mir und Manchem die reinen Stimmen, deren Harfen den Altar des Hauses und die Lauben der Freundschaft umtönen zu ungeschminkten Liedern, oft lieber gewesen sind, als viel Bravour, wenn sie mit Anmassung verbunden ist. Ueberhaupt gebührt den Sängern und Sängerinnen, die die Kunst als geehrte und geliebte Genossin ihres Lebens pflegen und ihr thätig dienen in aller Uneigennützigkeit und Treue, ohne zur Profession der Musiker zu gehören, weit grösserer Dank und innigere Zuneigung, als ihnen jener Zunftgeist, der in edleren Gemüthern schweigt, gern angedeihen lassen mag.“ (G. W. Fink in: „Cäcilia. Zeitschrift für die musikalische Welt“, Jg. 24 1845, Heft 94, S. 117f.)


    Trotz dieser klaren Eingrenzung wurden Kompositionen von Louise von Drieberg auch außerhalb des Hauses aufgeführt. So stand z. B. ihr patriotisches „Huldigungslied der Ritterschaft“ auf dem Musikprogramm eines Festbanketts, das am 19. Oktober 1840 anlässlich der Huldigungsfeierlichkeiten zum Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. stattfand: „Bei der Tafel des Königs im Konzertsaale wurden von den königlichen Sängern das B. A. Weber’sche kurze, doch wirksame Domine salvum fac Regem für Männerstimmen, ein Huldigungslied von Luise von Drieberg, ferner mehrere Gesänge, meistens von A. Neidhardt und G. Reichardt, auch das Turnierbankett von K. M. v. Weber vorgetragen.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 2. Dezember 1840, Sp. 1010)


    Louise von Drieberg starb am 8. Februar 1843 im Alter von 42 Jahren in Protzen „an einem Nervenschlage“ (vgl. „Cäcilia. Zeitschrift für die musikalische Welt“, Jg. 24 1845, Heft 94, S. 118).

    Würdigung

    Eine angemessene Würdigung der Tätigkeiten Louise von Driebergs ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Derzeit werden die Kompositionen Louise von Driebergs nicht rezipiert. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“.

    Werkverzeichnis

    Lieder


    Drieberg, Louise von. Sechs Lieder für Sopran oder Tenor op. 1. Berlin: Lischke, 1840.

    Der Sänger und die Rose (Louise von Drieberg) – Sehnsucht (E. Raupach) – Trinklied (Lord Byron) – Stille (Eichendorff) – Gute Nacht (Agnes Franz) – Volkslied in oberbaierischer Mundart.


    Drieberg, Louise von. Sechs Lieder für Sopran oder Tenor op. 2. Berlin: Lischke, 1841.

    Lebewohl – An die Entfernte – Die Lustigen von Weimar (Goethe) – Benedetta (Ida von Hahn-Hahn) – Der Ungeliebte (Rückert) – Vanitatum Vanitas (Goethe).


    Drieberg, Luise von. Huldigungslied der Ritterschaft. Festgesang („Gott segne unser theures Vaterland“) op. 3. Berlin: Bote & Bock, 1841.


    Drieberg, Luise von. Gruss an die Ostsee. Sechs Lieder für Sopran oder Tenor op. 4. Berlin: Trautwein, 1842.

    Ich kenne wohl ein Mädchen – Auf eines Berges Gipfel – Ein kalter Wind durchweht die Nacht – Mir ward als Kind – Still, o still mein Herz – Husaren müssen reiten.


    Drieberg, Louise von. Sechs Lieder für Sopran oder Tenor op. 5. Berlin: Bote & Bock, 1843.

    An den Frühling: „Lieblicher Frühling“ (verm. Louise v. Drieberg) – Die drei Feste: „O du fröhliche, o du selige“ (Falk) – Ich denke dein: „Bei jedem Lüftchen, das sich regt“ (verm. Louise v. Drieberg) – Das Posthorn: „Trara, das Posthorn schallt“ (Storch) – Ermuthigung: „Hoffe Herz nur mit Geduld“ (Mahlmann) – Die Blumen: „Ihr Blümlein alle“ (Müller).

    Quellen

    Literatur:


    Artikel „Drieberg, Louise von“. In: Tonkünstler-Lexicon Berlin’s von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Carl von Ledebur (Hg.). Berlin: Ludwig Rauh, 1861.


    Fontane, Theodor. Kammerherr von Drieberg in Protzen von 1826-52. In: Ders.: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Erster Theil: Die Graffschaft Ruppin. Berlin: Wilhelm Hertz, 1892, S. 374-376.


    Petrat, Nicolai. Hausmusik des Biedermeier im Blickpunkt der zeitgenössischen musikalischen Fachpresse 1815-1848. Hamburg: Wagner, 1986.


    Zeitungsartikel und Rezensionen:


    Allgemeine musikalische Zeitung vom 27. Mai 1840, Sp. 462f.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 2. Dezember 1840, Sp. 1010.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 13. Januar 1941, Sp. 37f.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 10. August 1842, Sp. 630.


    Cäcilia. Zeitschrift für die musikalische Welt, Jg. 24 (1845), Heft 94, S. 117f.


    Links:


    Die Datenbank „Hofmeister XIX“, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet mehrere Kompositionen von Louise von Drieberg.

    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk (Stand: 10. Juli 2010)


    Die Website über das Gutshaus Protzen, in dem Louise von Drieberg mit ihrem Mann lebte, gibt Auskunft über die Geschichte des Hauses und seine Bewohner.

    http://www.gutshaus-protzen.de (Stand: 10. Juli 2010)

    Forschung

    Zu Louise von Drieberg liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Interessant an ihrer Rolle als Komponistin scheint vor allem die vergleichsweise frühe Verbindung zwischen biedermeierlicher Häuslichkeit und patriotischem Lied zu sein, die dreißig Jahre später, während des deutsch-französischen Krieges 1870/71, weithin verbreitet war.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Louise von Drieberg umfasst ihre Biografie sowie all ihre Tätigkeiten.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg und Regina Back
    Zuerst eingegeben am 17.02.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Louise von Drieberg“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.2.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Louise_von_Drieberg