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  • Louise Hauffe

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Louise Hauffe. Undatierter Stich von August Wegener nach einer Fotografie (Leipzig: Dürr’sche Buchhandlung).
    Namen:
    Louise Hauffe
    Ehename: Louise Härtel
    Varianten: Louise Haufe
    Lebensdaten:
    geb. in Düben, Deutschland
    gest. in Leipzig, Deutschland

    Die Studiendokumente von Louise Hauffe im Archiv der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig geben 1836, Lexikonartikel das Jahr 1837 als Geburtsjahr an (vgl. Quellen und z.B. Riemann 1929).
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin
    Charakterisierender Satz:

    „Die Schönheit ihres kraftvollen und bei aller Kraft doch weichen, gesangvollen Anschlags, die sichere durchgebildete Technik, die richtige und feine Auffassung bei gewissenhafter Correctheit jedes Details wirkten zum erfreulichsten Bilde zusammen.“

    (Eduard Hanslick im Jahr 1865, siehe Eduard Hanslick: Aus dem Concertsaal. Kritiken und Schilderungen aus den letzten 20 Jahren des Wiener Musiklebens. Wien: Wilhelm Braumüller, 1870)


    Profil

    Die Pianistin Louise Hauffe studierte von 1850 bis 1855 Klavier bei Ignaz Moscheles und Ernst Ferdinand Wenzel am Leipziger Konservatorium der Musik. Anschließend blieb sie in Leipzig und trat dort zwischen 1856 und 1870 regelmäßig als Solistin und Kammermusikerin im Gewandhaus auf, u. a. mit Klavier- bzw. Cembalokonzerten von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann. Die einzige bislang zu belegende Konzertreise führte Louise Hauffe 1865 nach Wien, wo sie erfolgreich in den bekannten Hellmesberger Kammermusiksoiréen spielte und als Solistin mit den Wiener Philharmonikern konzertierte.


    Im Jahr 1872 heiratete Louise Hauffe den Leipziger Musikverleger und Stadtrat Raimund Härtel und zog sich aus dem öffentlichen Konzertleben zurück. Das von ihr geführte Haus in Leipzig wurde zu einem Zentrum des internationalen Musiklebens, in dem zahlreiche Musikerinnen und Musiker ein und aus gingen, darunter Clara Schumann , Johannes Brahms, Amalie Joachim , Anton Rubinstein sowie Heinrich und Elisabeth von Herzogenberg .

    Orte und Länder

    Louise Hauffe wurde in Düben, Sachsen, geboren. Von 1850 bis 1855 studierte sie Klavier am Leipziger Konservatorium und behielt anschließend ihren Wohnsitz in Leipzig bei. Louise Hauffe starb 1882 in Leipzig.


    Im Jahr 1865 trat Louise Hauffe in mehreren Konzerten in Wien auf.

    Biografie

    Louise Hauffe wurde am 2. Januar 1836 in Düben, Sachsen, als Tochter des Stadtmusikers Johann Gottlieb Hauffe geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist bislang nichts Näheres bekannt.


    Von April 1850 bis April 1855 studierte Louise Hauffe bei Ignaz Moscheles und Ernst Ferdinand Wenzel Klavier am Leipziger Konservatorium und erhielt dabei auch Unterricht in Komposition und Musiktheorie (Ernst Friedrich Richter), Ensemblespiel (Ferdinand David) und Musikgeschichte (Franz Brendel). Aus den Inskriptionen geht hervor, dass das Studium häufig unterbrochen wurde. Louise Hauffe bzw. ihrer Familie war es kaum möglich, das Studiengeld von 80 Talern pro Jahr aufzubringen, und das Inskriptionsbuch berichtet entsprechend in langer Liste von Anzahlungen, Wechseln und Umschuldungen; hinzu kamen mehrere krankheitsbedingte Unterbrechungen. Dennoch konnte Louise Hauffe 1855 ihr Studium abschließén und erhielt am 5. Mai 1855 ein Abschlusszeugnis des Leipziger Konservatoriums. Ignaz Moscheles urteilte, Louise Hauffe habe seinen Unterricht „mit vielem Fleiße und besonderer Aufmerksamkeit genossen, und sich zu einer bedeutenden Stufe der Ausbildung erhoben“, und Ernst Ferdinand Wenzel schrieb: „Mit einem sehr vorzüglichen Talente verband sich in dieser Schülerin der gewissenhafteste und ausdauerndste Fleiß, den ich je zu rühmen gehabt habe, so dass ein glänzendes Resultat nicht ausbleiben konnte. Fr. H. verlässt unser Institut als eine vollkommen künstlerisch gereifte Spielerin, deren ebenso ausdrucksvolle wie technisch gerundete Leistungen sich überall die gebührende Anerkennung zu erringen wissen werden.“ (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Matrikelnummer 285: Louise Hauffe, Sign. A I. 1. Inskriptionsregister, A I. 2. Inskriptionen und A I. 3. Zeugnisse)


    Nach ihrem Studium konnte sich Louise Hauffe als gefragte Solistin und Kammermusikerin im Leipziger Musikleben etablieren und konzertierte zwischen 1856 und 1870 regelmäßig im Leipziger Gewandhaus. Auf den Programmen standen u. a. Klavierkonzerte von Felix Mendelssohn Bartholdy (d-Moll, op. 40), Robert Schumann (a-Moll, op. 54) und Ludwig van Beethoven (Es-Dur, op. 73) sowie mehrere Werke für zwei Klaviere, darunter das Konzert Es-Dur (KV 365/316a) von Wolfgang Amadeus Mozart und Robert Schumanns Andante und Variationen für zwei Klaviere B-Dur (op. 46).

    Der erste nachweisbare Auftritt Louise Hauffes im Leipziger Gewandhaus fand am 1. April 1856 in einem Sonderkonzert statt. Dabei spielte sie gemeinsam mit ihrem ehemaligen Kommilitonen, dem Pianisten Anton Krause, Robert Schumanns Andante und Variationen B-Dur (op. 46) für zwei Klaviere (Dörffel 1884, S. 220; „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 11. April 1856, S. 174). Sie konzertierte am 27. November 1856 in den regulären Gewandhaus-Konzerten mit dem Klavierkonzert d-Moll (op. 40) von Felix Mendelssohn Bartholdy (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 5. Dezember 1856, S. 250), begleitete am 10. Oktober 1858 die Berliner Sängerin Jenny Meyer in einer Szene von Mozart (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 15. Oktober 1858, S. 170) und spielte im 17. Abonnementkonzert am 24. Februar 1859 gemeinsam mit der Pianistin Jenny Hering das Klavierkonzert Es-Dur (KV 365) für zwei Klaviere und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart „correct und mit sicherer Beherrschung, so daß ihre gelungene Leistung lebhaften und verdienten Beifall fand.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 11. März 1859, S. 129) Am 20. Oktober 1859 trat Louise Hauffe wiederum in den Leipziger Abonnementkonzerten, diesmal mit dem Klavierkonzert a-Moll (op. 54) von Robert Schumann auf, und die „Neue Zeitschrift für Musik“ rezensierte: „Die Solistinnen des Abends waren Frl. Ida Dannemann […]; außer ihr Frl. Louise Hauffe, welche Schumann’s Pianoforteconcert spielte. Beide Leistungen verdienten und erwarben sich lebhafte Anerkennung, die sich bei der letztgenannten Dame zum Hervorruf steigerte. […] Frl. Hauffe wurde öfters schon in d.[iesem] Bl.[att] mit Anerkennung besprochen. Ihre musikalische Bildung, ihre gute Technik verdienen gleiches Lob. Sie spielte das Concert, für dessen Wahl wir ihr ebenfalls unseren Beifall aussprechen, mit eingehendem Verständniß.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 28. Oktober 1859, S. 154) Im Rahmen einer von Clara Schumann veranstalteten Musikalischen Soirée in Leipzig am 6. Dezember 1859 spielte Louise Hauffe gemeinsam mit Clara Schumann wiederum Andante und Variationen B-Dur für zwei Klaviere von Robert Schumann (vgl. Dörffel, S. 221; „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 16. Dezember 1859, S. 219) und gab am 29. März 1860 mit Ferdinand David (Violine) und Julius Rietz (Violoncello) eines der Klaviertrios G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 6. April 1860, S. 134). Es folgte am 18. Oktober 1860 Johann Sebastian Bachs Konzert für zwei Klaviere (Cembali) und Orchester c-Moll (BWV 1060) gemeinsam mit Jenny Hering unter der Leitung von Julius Rietz (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 26. Oktober 1860, S. 155) und am 7. Februar 1861 im 16. Abonnementkonzert Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Es-Dur (op. 73). Ein Rezensent der „Neuen Zeitschrift für Musik“ urteilte verhalten in zeittypischer „Kennermanier“: „Frl. Louise Hauffe wußte dem Beethoven’schen Es dur-Concert im Wesentlichen gerecht zu werden; vorzüglich gelangen ihr die Octavengänge des ersten, das Hauptthema des zweiten Satzes. Manches dagegen, namentlich im Finale und zu Anfang des ersten Satzes, erschien etwas flüchtig, die Spielerin schien durch längeres Ueben bereits ermüdet, die Passagen ließen darum durchweg die gehörige Klarheit vermissen. Doch auch wie sie da war verdient die Leistung unser Lob.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 15. Februar 1861, S. 73)


    In den folgenden vier Jahren sind keine Auftritte von Louise Hauffe nachzuweisen.


    In der Konzertsaison 1865 trat Louise Hauffe erstmals wieder auf, und zwar in Wien. Dort übernahm sie in den bekannten Hellmesberger Kammermusiksoiréen den Klavierpart in Franz Schuberts Klaviertrio Es-Dur (op. 100), spielte am 22. Januar 1865 gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll (op. 54) unter der Leitung von Otto Dessoff und gab am 28. Januar 1865 einen eigenen Soloabend, bei dem das Klavierquartett Es-Dur (op. 47) von Robert Schumann, die 17 Variations sérieuses d-Moll (op. 54) von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Ludwig van Beethovens Klaviertrio B-Dur (op. 97) auf dem Programm standen. Begeistert berichtete der Wiener Korrespondent der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“: „Das Beste, was wir in dieser Zeit im Clavierfach hörten, verdanken wir Ihrer Landsmännin Frl. Louise Hauffe. Es kann mir nicht beifallen, Ihnen eine ausführliche Schilderung dieser Künstlerin zu geben, welche Sie in Leipzig länger und besser kennen als wir, allein die wahrhaft auszeichnende Aufnahme, welche Frl. Hauffe hier findet, muss ich constatiren. Unsere sämmtlichen Wiener Pianistinnen von Fach überragt sie in jeder Hinsicht, ja selbst von unsern besten Clavierspielern werden sich nur wenige mit Frl. Hauffe messen können. Ihr Anschlag ist wunderschön, kräftig, voll und weich, ihre Technik sehr ausgebildet und sicher. Eine wohlthuende Sicherheit und Correctheit kennzeichnet jede ihrer Leistungen, und was uns das Liebste ist, man hat stets die Empfindung, eine künstlerische, ächt musikalische Natur und nicht ein wohldressirtes Püppchen vor sich zu haben. […] Mitunter ist ihr Spiel noch immer zu weichlich, zu sehr in Ritardandos und Diminuendos zerfliessend, wie dies insbesondere in dem Vortrag des Schumann’schen A moll-Concerts sich bemerkbar machte. Fräulein Hauffe spielte es im letzten ‚Philharmonischen Concert‘ (22. Jan.) mit demselben grossen Erfolg beim Publicum und der Journalistik, dessen sich kurz vorher ihr Vortrag des Schubert’schen Es dur-Trios in Hellmesberger’s Soirée zu erfreuen gehabt.“ („Allgemeine Musikalische Zeitung“ vom 15. Februar 1865, Sp. 114) Auch der gefürchtete Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick zeigte sich von ihrem Soloabend angetan und hatte vermutlich auch dem Korrespondenten der „Allgemeinen Musikzeitung“ die eine oder andere Vorlage geliefert: „Hier leuchteten die reichen Vorzüge der Künstlerin ungetrübt. Die Schönheit ihres kraftvollen und bei aller Kraft doch weichen, gesangvollen Anschlags, die sichere durchgebildete Technik, die richtige und feine Auffassung bei gewissenhafter Correctheit jedes Details wirkten zum erfreulichsten Bilde zusammen. Bei Fräulein Hauffe’s Spiel hat man sofort die Empfindung, eine echte künstlerische, wahrhaft musikalische Natur vor sich zu haben, die ebenso fern von Koketterie und puppenhafter Dressur, als von genialthuender Nachlässigkeit steht.“ (Hanslick 1870, S. 355f.)


    Louise Hauffe kehrte nach Leipzig zurück und trat wiederum regelmäßig in den Gewandhauskonzerten auf. Sie übernahm am 22. Februar 1866 den Klavierpart in Ludwig van Beethovens Choralfantasie c-Moll op. 80 für Klavier, Chor und Orchester und selbst die „Neue Zeitschrift für Musik“ reagierte begeistert: „Frl. Louise Hauffe, als tüchtige Pianistin dem Gewandhaus-Publicum bereits bekannt, was sich deutlich durch lauten Empfang bei ihrem Erscheinen documentirte, übernahm den Clavierpart in der Phantasie und erwarb sich durch ihre zündende Vortragsweise allgemeinen Beifall. Ein voller elastischer Tonanschlag und ein trefflich geübtes Piano, wobei talentirtes Erfassen des gegebenen Tonwerkes, lassen die Dame als eine schätzenswerthe Künstlerin erscheinen.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 2. März 1866, S. 80) Gemeinsam mit dem Violinisten Ferdinand David und dem Violoncellisten Emil Hegar trat Louise Hauffe am 5. Februar 1870 in der zweiten Quartettsoirée des Gewandhauses auf und spielte ihren Part – so das „Musikalische Wochenblatt“ – „mit solider, durchgearbeiteter Technik, geistvoller Auffassung [und] warmer Empfindung“. Auf dem Programm standen Felix Mendelssohn-Bartholdys „Tema con Variazioni“ D-Dur (op. 17) für Klavier und Violoncello und Franz Schuberts Klaviertrio B-Dur (op. 99) (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 25. Februar 1870, S. 137f.). Bereits wenige Tage später konzertierte Louise Hauffe im 7. Abonnementkonzert der Magdeburger „Harmonie“ nochmals mit Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll (op. 54) sowie mit einer Gavotte von Johann Sebastian Bach und dem Scherzo b-Moll (op. 31) von Frédéric Chopin (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ von 25. Februar 1870, S. 140) und trat am 3. März 1870 wiederum im Leipziger Gewandhaus mit Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll und Ludwig van Beethovens Choralfantasie c-Moll auf. Das „Musikalische Wochenblatt’“ schrieb: „Ein besonderes Interesse erhielt das Concert noch durch die Mitwirkung der Leipziger Pianistin Fräulein Louise Hauffe, welche im letzten Momente die Reproduction des Pianoforteconcertes von Robert Schumann übernahm. Die Künstlerin hat mit ihrem seelenvollen, alle Intentionen des Schöpfers erfassenden virtuosen Spiel die Zuhörerschaft erwärmt und erquickt, sie vermittelte in pietätvollster Weise den tiefen, gewaltigen Geist, der aus dem Werke spricht. Alle Eigenschaften einer soliden, gründlichen Schule vereinten sich mit der geistvollen Auffassung, mit der Wärme bei Darlegung des Inhalts, mit der Noblesse des künstlerischen Ausdrucks zu einem harmonischen Ganzen, so dass die stürmischen Acclamationen und Hervorrufe nur als gerechtfertigt anzuerkennen sind; denn auch die Wiedergabe der Pianofortepartie bei Ausführung von Beethovens Phantasie für Pianoforte, Chor und Orchester [...] entsprach den strengsten Anforderungen und trug zur anerkennenswerthen Vorführung des schönen Werkes bei.“ (Oscar Paul, in: „Musikalisches Wochenblatt“ vom 11. März 1870, S. 170; vgl. auch „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 11. März 1870, S. 108) Am 20. Oktober 1870 konzertierte Louise Hauffe letztmalig in den Gewandhauskonzerten und spielte dort im Rahmen eines Sonderkonzertes „zum Besten der Invaliden“ Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert d-Moll (KV 466) (vgl. Dörffel 1884, S. 225; „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 28. Oktober 1870, S. 400). Ein letztes öffentliches Kammermusikkonzert ist im Dezember 1871 im Leipziger Riedel’schen Konzertverein nachzuweisen, bei dem Louise Hauffe gemeinsam mit einem Klarinettisten namens Landgraf und dem Violinisten bzw. Bratscher Friedrich Hermann Wolfgang Amadeus Mozarts „Kegelstatt-Trio“ für Klavier, Klarinette und Bratsche Es-Dur (KV 498) sowie Anton Rubinsteins Sonate für Viola und Klavier f-Moll (op. 49) interpretierte (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ 2 [1871], vom 15. Dezember 1871, S. 815).


    Im Jahr 1872 heiratete Louise Hauffe den Leipziger Musikverleger und Stadtrat Raimund Härtel (1810-1888), dessen erste Frau im Januar 1871 verstorben war, und zog sich aus dem öffentlichen Musikleben – soweit zu recherchieren – vollständig zurück. Das Haus von Louise Hauffe und Raimund Härtel wurde zu einem Leipziger Zentrum, in dem zahlreiche Musikerinnen und Musiker regelmäßig zu Gast waren, darunter Clara Schumann , Johannes Brahms, Amalie Joachim , Anton Rubinstein und das Ehepaar Heinrich und Elisabeth von Herzogenberg (Hase 1968, S. 30; Ruhbaum 2002, S. 201). So feierte z. B. Clara Schumann ihr 50jähriges Künstlerinnenjubiläum 1878 bei Louise Hauffe und Raimund Härtel (vgl. Ruhbaum 2002, S. 201).


    Louise Hauffe starb am 19. oder 20. März 1882 in Leipzig.

    Würdigung

    Die Pianistin Louise Hauffe war von herausragenden Musikern wie den Pianisten Ernst Ferdinand Wenzel und Ignaz Moscheles, dem Komponisten Ernst Friedrich Richter, dem Violinisten und Kammermusiker Ferdinand David sowie dem Musikschriftsteller Franz Brendel ausgebildet worden und konnte sich nach ihrem Studium als Solistin und Kammermusikerin im Leipziger Musikleben etablieren. Clara Schumann und Louise Hauffe waren in der Zeit zwischen 1856 und 1870 mit weitem Abstand die am häufigsten im Gewandhaus konzertierenden Pianistinnen. Die nahezu euphorischen Musikkritiken aus Wien belegen zudem, dass Louise Hauffe dem internationalen Vergleich standhielt. Dennoch blieb ihr Wirkungskreis im Wesentlichen auf Leipzig beschränkt. Ihre künstlerischen Tätigkeiten im Umfeld ihres Mannes Raimund Härtel sind bislang unerforscht.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Louise Hauffe werden zur Zeit nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Abschnitt „Biografie“).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste Louise Hauffes kann aufgrund fehlender Forschungen z. Zt. nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Bach, Johann Sebastian. Gavotte (nicht präzisierbar)

    Bach, Johann Sebastian. Konzert für zwei Klaviere (Cembali) und Orchester c-Moll, BWV 1060

    Beethoven, Ludwig van. Choralfantasie für Klavier, Chor und Orchester c-Moll, op. 80

    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert Es-Dur, op. 73

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio B-Dur, op. 97

    Chopin, Frédéric. Scherzo b-Moll, op. 31

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Variations sérieuses d-Moll, op. 54

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert d-Moll, op. 40

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Tema con Variazioni für Klavier und Violoncello D-Dur, op. 17

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klavierkonzert d-Moll, KV 466

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klaviertrio G-Dur (nicht präzisierbar)

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur, KV 365

    Mozart, Wolfgang Amadeus. Trio für Klavier, Klarinette und Bratsche Es-Dur, KV 498 („Kegelstatt-Trio“)

    Rubinstein, Anton. Sonate für Viola und Klavier f-Moll, op. 49

    Schubert, Franz. Klaviertrio B-Dur, op. 99

    Schumann, Robert. Andante und Variationen für zwei Klaviere B-Dur, op. 46

    Schumann, Robert. Klavierkonzert a-Moll, op. 54

    Schumann, Robert. Klavierquartett Es-Dur, op. 47

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, Matrikelnummer 285: Louise Hauffe, Sign. A I. 1. Inskriptionsregister, A I. 2. Inskriptionen und A I. 3. Zeugnisse.



    Literatur


    Artikel „Hauffe, Louise“. In: Musiklexikon. Hugo Riemann (Hg.), bearb. von Alfred Einstein. 11. Auflage, 1929 (verfügbar in wbis, world biographical information system).


    Artikel „Hauffe, Louise“. In: Lexikon der Frau. Zürich: Encyclios Verlag AG, 1954 (verfügbar in wbis, world biographical information system).


    Dörffel, Alfred. Geschichte der Gewandhausconcerte zu Leipzig vom 25. November 1781 bis 25. November 1881. Leipzig: Concert-Direction Gewandhaus, 1884.


    Hase, Oskar von. Breitkopf & Härtel. Gedenkschrift und Arbeitsbericht. 2. Band: 1828 bis 1918, Teil 1. Wiesbaden: Breitkopf & Härtel, 1968.


    Hanslick, Eduard. Aus dem Concertsaal. Kritiken und Schilderungen aus den letzten 20 Jahren des Wiener Musiklebens. Wien: Wilhelm Braumüller, 1870.


    Perger, Richard von. Fünfzig Jahre Wiener Philharmoniker. Denkschrift zur Feier des fünfzigjährigen ununterbrochenen Bestandes der Philharmonischen Konzerte in Wien 1860–1910. Wien und Leipzig: Carl Fromme, 1910.


    Ruhbaum, Antje. Ein Talent „als Sängerin, Pianistin, vielleicht sogar als Komponistin in der Öffentlichkeit zu glänzen ...“. Elisabeth von Herzogenberg (1847-1892) als Musikförderin. In: Geschlechterpolaritäten in der Musikgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts. Rebecca Grotjahn, Freia Hoffmann (Hg.). Herbolzheim: Centaurus, 2002, S. 197-207.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Allgemeine Musikalische Zeitung vom 15. Februar 1865, Sp. 114.


    Musikalisches Wochenblatt vom 25. Februar 1870, S. 137f.

    Musikalisches Wochenblatt vom 25. Februar 1870, S. 140.

    Musikalisches Wochenblatt vom 15. Dezember 1871, S. 815.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 24. November 1854, S. 238.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 11. April 1856, S. 174.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 5. Dezember 1856, S. 250.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 15. Oktober 1858, S. 170.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 11. März 1859, S. 129.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 28. Oktober 1859, S. 154.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 26. Oktober 1860, S. 155.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 15. Februar 1861, S. 73.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 2. März 1866, S. 80.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 11. März 1870, S. 108.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 28. Oktober 1870, S. 400.

    Forschung

    Bislang liegen keine weiteren Forschungsinformationen zu Louise Hauffe vor. Es wäre jedoch zu vermuten, dass ihre künstlerischen Tätigkeiten während der Ehe mit Raimund Härtel bei einer systematischen Untersuchung des Hauses Härtel näher zu bestimmen wären.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Louise Hauffe umfasst ihre Biografie sowie alle ihre Tätigkeitsbereiche; so ist z. B. bislang über eine mögliche Unterrichtstätigkeit nichts bekannt. Auch die Frage, welche gesellschaftlich-künstlerische Rolle sie im Haus Härtel spielte, ist unerforscht.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 9. April 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 17.04.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Louise Hauffe“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.4.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Louise_Hauffe