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  • Louise Farrenc

    von Christin Heitmann
    Louise Farrenc. Portrait von Luigi Rubio (1835)
    Namen:
    Louise Farrenc
    Geburtsname: Jeanne-Louise Dumont
    Lebensdaten:
    geb. in Paris, Frankreich
    gest. in Paris, Frankreich
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Pianistin, Klavierlehrerin, Klavierprofessorin, Forscherin.
    Charakterisierender Satz:

    „L’apparition d’une œuvre sérieuse excite certainement toujours un intérêt puissant; mais lorsque son auteur se trouve être une femme qui, dédaignant les succès faciles prodigués à des compositions frivoles, regarde comme une sainte mission de demeurer l’apôtre de la vraie croyance du bon goût, et marche le pied ferme et la tête haute dans le sentier difficile que peu d’hommes savent parcourir aujourd’hui, nous admirons autant la sévérité d’études, l’austérité de principes que l’intelligence d’élite qui a pu la conduire jusque là.“


    „Ein neues ernstes Werk erregt sicherlich immer große Aufmerksamkeit; aber wenn sich sein Autor als eine Frau erweist, die die leichten Erfolge der oberflächlichen Kompositionen verschmäht und die es als heilige Mission erachtet, als Apostel des wahren Glaubens an den guten Geschmack zu wirken und die festen Schrittes und erhobenen Hauptes den schweren Weg geht, den heutzutage nur wenige Männer zu beschreiten vermögen, dann bewundern wir umso mehr die strengen Studien, die sachlichen Grundsätze und die auserlesene Klugheit, die sie bis dorthin führen konnten.“

    (Thérèse Wartel in: Revue et Gazette musicale de Paris, 31.3.1850, S. 108 (Rezension der Uraufführung des Nonetts op. 38) (Übersetzung: d. Verf.)).


    Profil

    Louise Farrenc zeichnet sich zum einen durch Vielseitigkeit, zum anderen durch ein hohes Maß an Eigenständigkeit aus. In fast allen ihren unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, zumal als Komponistin und als Forscherin, beschritt sie vom allgemeinen Strom des Pariser Musiklebens, in dessen Kontext sie arbeitete, unabhängige Wege.

    Orte und Länder

    Louise Farrenc lebte und arbeitete in Paris, Frankreich. Eine Konzertreise führte sie im Jahr 1832 nach England; einige ihrer Werke erschienen auch in England und Deutschland. Darüber hinaus sind keine Aktivitäten außerhalb von Paris bekannt.

    Biografie

    Jeanne-Louise Dumont wurde am 31.5.1804 in Paris geboren. Ab 1810 erhielt sie ersten Unterricht in Klavier und Solfège; ab 1819 nahm sie Unterricht in Harmonielehre bei Anton Reicha, wahrscheinlich privat. 1821 heiratete sie den Flötisten und Musikverleger Aristide Farrenc; nach einer Unterbrechung setzte Louise Farrenc ihre Studien bei Reicha fort und erweiterte die Fächer auf Harmonielehre, Kontrapunkt und Fuge sowie Orchestrierung. 1822 und 1825 erschienen die ersten nummerierten Werke von Louise Farrenc im Verlag ihres Mannes. Gelegentlich nahm sie Unterricht bei Hummel und Moscheles. 1826 wurde Victorine Farrenc geboren; sie erhielt Musikunterricht von der Mutter und wurde Pianistin. 1842 wurde Louise Farrenc Professorin für Klavier am Pariser Conservatoire; in dieser Position wirkte sie 30 Jahre lang. 1861 und 1869 erhielt sie den „Prix Chartier“, den von der Académie des Beaux-Arts vergebenen Kammermusikpreis. In den Jahren 1861-1872 erschien die Edition „Trésor des pianistes“, eine 23 Bände umfassende Anthologie mit Klaviermusik von Frescobaldi bis Felix Mendelssohn Bartholdy. Als Aristide Farrenc 1865 starb, setzte Louise Farrenc die Arbeit an der Edition allein fort. Am 15.9.1875 starb sie in Paris.

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    Jeanne-Louise Dumont wurde am 31. Mai 1804 als zweites von drei Kindern in Paris geboren. Ihre Eltern waren Marie Louise Elisabeth Curton und Jacques-Edme Dumont, Bildhauer und Rompreisträger. Die Familie, die seit Generationen namhafte Maler und Bildhauer hervorgebracht hatte, lebte in der Künstlersiedlung an der Sorbonne, wo etwa 30 für die Regierung arbeitende Künstler zusammen mit ihren Familien wohnten. Louise Dumont wuchs dort in einer liberalen Umgebung auf und genoss bereits in der Kindheit lebendiges kulturelles Leben mit breit gefächerten Bildungsangeboten und Entwicklungsmöglichkeiten. Im Alter von sechs Jahren erhielt sie Klavier- und Solfègestunden bei der Clementi-Schülerin Anne Elisabeth Cécile Soria. Mit fünfzehn Jahren nahm sie Harmonielehreunterricht bei Anton Reicha, Professor für die Fächer Kontrapunkt und Fuge am Pariser Conservatoire. Die Heirat mit dem Flötisten und Musikverleger Aristide Farrenc (1794-1865) 1821 im Alter von 17 Jahren bedeutete keineswegs das Ende ihrer Ausbildung. Nach einer Unterbrechung durch einige gemeinsame Reisen des Ehepaares innerhalb Frankreichs nahm sie ihren Unterricht bei Reicha wieder auf und weitete ihn auf die Fächer Kontrapunkt, Fuge und Instrumentation aus. Es geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor, aber Louise Farrenc war offenbar eine Privatschülerin Reichas: Dafür, dass sie am Conservatoire studiert hätte, gibt es keine Belege, und Frauen konnten laut Studienordnungen im 19. Jahrhundert nur Harmonielehre („harmonie et accompagnement pratique") belegen, nicht hingegen die zum eigentlichen Kompositionsstudium gehörenden Fächer. Farrencs Ausbildung entsprach jedoch in Aufbau und Niveau den Anforderungen des institutionellen Kompositionsstudiums am Conservatoire. Darüber hinaus nahm Louise Farrenc auch Klavierstunden bei Johann Nepomuk Hummel und Ignaz Moscheles, zwei in Paris sehr beliebten Virtuosenkomponisten. Über den genauen Umfang und den Zeitraum dieses Unterrichts ist jedoch nichts bekannt. Hummel war mit den Farrencs gut bekannt, und Aristide Farrenc nahm seit 1825 einige seiner Kompositionen in sein Verlagsprogramm auf. 1826 wurde die einzige Tochter, Victorine Farrenc, geboren, die, von der Mutter unterrichtet, eine herausragende Pianistin wurde und ebenfalls komponierte. Sie erkrankte jedoch 1849 und starb bereits 1859.

    Die Pianistin Louise Farrenc begann ihre kompositorische Entwicklung mit Werken für ihre eigenes Instrument, das Klavier, vorwiegend Variationszyklen, Rondos und Charakterstücke. Daneben entstanden vier Etüdensammlungen. Namentlich die erste, um 1838 komponiert, mit dem Titel „Trente Etudes dans tous les tons majeurs et mineurs“ (op. 26) ist bemerkenswert. Während zeitgenössische Komponistinnen überwiegend Klavierlieder, Chormusik und salongeeignete Klavierwerke schrieben, stellte Louise Farrenc bald Orchesterkompositionen und groß besetzte Kammermusik (zwei Quintette, ein Sextett, ein Nonett) ins Zentrum ihrer Arbeit. Mit 30 Jahren komponierte sie ihre beiden Konzertouvertüren, sieben Jahre später entstand die erste von insgesamt drei Sinfonien.

    Durch die wachsende Anzahl an öffentlichen Auftritten im Laufe der 1830er Jahre als Pianistin, Komponistin und Pädagogin bekannter geworden, wurde sie 1842 Professorin für Klavier am Pariser Conservatoire. In dieser Position unterrichtete sie 30 Jahre lang. Etliche ihrer Schülerinnen machten sich als Pianistinnen und Klavierlehrerinnen später selbst einen Namen. Im Laufe der 1840er Jahre folgten Aufführungen ihrer Sinfonien, für die sie auf die Mitwirkung von Orchestern und Dirigenten angewiesen war. Zweimal, 1861 und 1869, wurde Louise Farrenc durch die Académie des Beaux-Arts für ihr kammermusikalisches Œuvre mit dem „Prix Chartier“ ausgezeichnet. Ihre kompositorische Tätigkeit hatte sie allerdings schon gegen Ende der 1850er Jahre beendet, möglicherweise nach dem Tod der Tochter Victorine. Von 1861 bis 1872 veröffentlichte Louise Farrenc (bis zu dessen Tod zusammen mit ihrem Mann) den „Trésor des pianistes“, eine 23 Bände umfassende Anthologie von Klaviermusik des 16. bis 19. Jahrhunderts, die richtungweisend wurde für die Wiederbelebung und Aufführungspraxis Alter Klaviermusik. Louise Farrenc unterrichtete bis 1872 am Konservatorium und starb am 15. September 1875 in Paris.

    Würdigung

    Louise Farrenc war kompositorisch vielseitig und produktiv, schulte kontinuierlich Technik und Stil und hatte als Komponistin ein entschieden professionelles Selbstverständnis. Sie ist eine der wenigen Komponistinnen, die groß besetzte Kammermusik und Orchesterwerke komponiert haben, und dies nicht nur entgegen dem weiblichen Rollenverständnis, sondern auch entgegen den herrschenden Vorlieben des Pariser Musiklebens.

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    Louise Farrenc war kompositorisch vielseitig und produktiv, schulte kontinuierlich Technik und Stil und hatte – im Gegensatz zu anderen Musikerinnen ihrer Zeit – als Komponistin ein entschieden professionelles Selbstverständnis. Als Zeitgenossin der Geschwister Mendelssohn sowie von Clara und Robert Schumann, Chopin und Liszt vertritt Louise Farrenc zusammen mit wenigen anderen KomponistInnen in Frankreich (z. B. Félicien David, Henri Reber, Charles Dancla oder Adolphe Blanc) eine an die deutsche Kompositionstradition anknüpfende klassisch-romantische Musikrichtung; mit ihren Instrumentalwerken bewegte sie sich im opern- und salonmusikorientierten Paris abseits vom breiten Strom des Musiklebens. Anders als in Deutschland, wo seit der Wiener Klassik und namentlich seit den Sinfonien Beethovens die Instrumentalmusik gegenüber der Vokalmusik erheblich an Ansehen gewonnen und für die nachfolgende Komponistengeneration Maßstäbe gesetzt hatte, galt in Paris weiterhin die Oper als die Gattung, in der sich ein Komponist bewähren und durch die allein er zu Ruhm kommen konnte. Seit der Französischen Revolution war hier die Gattungstradition von Sinfonie, Sonate, Streichquartett etc. unterbrochen, so dass es an Vorbildern im eigenen Land mangelte. Die zahlreichen, meist privat organisierten Orchester und Kammermusikvereinigungen räumten den deutsch-österreichischen Komponisten uneingeschränkten Vorrang ein. Auch das Konservatoriumsorchester, die berühmte Société des concerts du Conservatoire, hatte sich ausdrücklich der Pflege der Beethovenschen Sinfonien verschrieben. Georges Onslow, Louise Farrenc und wenige andere Komponisten sorgten dafür, dass es in Frankreich überhaupt einen Fortbestand der sogenannten „musique sérieuse“ gab, bevor 1871 Camille Saint-Saëns die Société nationale de musique gründete. Einhergehend mit den im deutsch-französischen Krieg entstandenen Abgrenzungsbedürfnissen, den Bemühungen um die Herausbildung nationaler Musikstile und Ineinssetzungen von Mentalität und Musikästhetik, wurde von den hier zusammengeschlossenen KomponistInnen eine spezifisch französische Instrumentalmusik gefordert und propagiert. Ein solches Denken war Louise Farrenc noch fremd. Als Kompositionsschülerin des aus Böhmen stammenden, in Bonn und Wien geschulten Anton Reicha, als exzellente Kennerin Beethovens, Mozarts und Haydns stand sie ganz im Geist einer universalen europäischen Musiksprache. So ist Farrencs Werk zum einen der Wiener Klassik verpflichtet, zum anderen zeigt es sich (zumindest in der Orchester- und Kammermusik) von den Strömungen und Moden des Pariser Musiklebens, also ihrer unmittelbaren Umgebung, gänzlich unabhängig. Außerdem ist zu bedenken, dass der Komponistin wichtige Werke der deutschen Klassik-Rezeption unbekannt gewesen sein dürften: Die Sinfonien Felix Mendelssohns wurden ab 1842 in Paris gespielt, Franz Schuberts und Robert Schumanns Orchester- und Kammermusik war hingegen bis in die 1850er Jahre hinein in Paris unbekannt.

    Rezeption

    Louise Farrencs gedruckte Werke erschienen nicht nur in Frankreich, sondern vielfach auch in Deutschland und England. Ihre Sinfonien und Ouvertüren blieben ungedruckt. Dennoch sind zum Teil mehrere zeitgenössische Aufführungen der Orchesterkompositionen, auch im europäischen Ausland, belegt. In Paris wurde Louise Farrenc von den Kritikern als Pianistin wie auch als Komponistin hochgeschätzt. In der Pariser Fachpresse finden sich in den 1840er und 1850er Jahren regelmäßig mehrere Konzertrezensionen pro Jahr.

    Nach ihrem Tod war Louise Farrenc für etwa 100 Jahre fast völlig vergessen. Ihre Wiederentdeckung während der 1980er Jahre wurde vor allem durch die Dissertation von Bea Friedland initiiert und begünstigt durch zwei neue Forschungsbereiche: Die musikwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der französischen Orchester- und Kammermusik zwischen 1800 und 1870. Heute ist das kompositorische Schaffen Louise Farrencs in Notenausgaben und CD-Einspielungen weitgehend zugänglich.

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    Die Verbreitung der Werke Louise Farrencs war zu ihren Lebzeiten beträchtlich. Von den 49 bekannten Werken mit Opuszahl sind 41 gedruckt worden (Klavier- und Kammermusikwerke), in vielen Fällen erschien neben der französischen Originalausgabe auch eine Parallelausgabe in England oder Deutschland. Daneben erschienen auch einige Werke ohne Opuszahl und Bearbeitungen fremder Kompositionen im Druck. Zahlreiche Drucke wurden kurz nach Farrencs Tod, 1876, bei Leduc in Paris nachgedruckt. Aufführungen der (ungedruckten) Sinfonien und Ouvertüren sind in Frankreich, vereinzelt auch in Dänemark, Belgien und in der Schweiz nachgewiesen.

    Zeitgenössische Rezensenten haben den Kompositionen Louise Farrencs stets Anerkennung entgegengebracht. Ihre Klavierwerke wurden neben der Massenproduktion von Virtuosenmusik und Variationszyklen als individueller und substantieller gelobt. Robert Schumann schrieb über das „Air russe varié“ op. 17:


    „Kleine, saubere, scharfe Studien sind es, vielleicht noch unter den Augen des Lehrers vollführt, aber so sicher im Umriß, so verständig in der Ausführung, so fertig mit einem Worte, daß man sie lieb gewinnen muß, um so mehr, als über sie ein ganz leiser romantischer Duft fortschwebt.“ (In: Neue Zeitschrift für Musik, Bd. 5, Nr. 16, 23.8.1836).


    Die aus heutiger Sicht sehr interessanten Etüden op. 26 wurden in der Fachpresse ausführlich besprochen und in den Konservatorien von Paris, Brüssel und Bologna zum offiziellen Lehrwerk erhoben.

    Die Orchester- und Kammermusik Louise Farrencs wurde als „musique sérieuse“ von vielen Kritikern begrüßt und hochgeschätzt. Zu ihren besonderen Erfolgen gehörten die Uraufführung der 3. Sinfonie op. 36 im Jahr 1849 in einem der Subskriptionskonzerte der legendären „Société des concerts du Conservatoire“ und 1850 die Uraufführung des Nonetts op. 38 unter Mitwirkung des damals 19-jährigen „Wunder“-Geigers Joseph Joachim. Zusammen mit dem Flötentrio op. 45 gehören diese Werke zu den zu Lebzeiten meistgespielten Kompositionen Farrencs. Der Sonderstatus Louise Farrencs als Komponistin von Orchesterwerken und Kammermusik nicht nur im Frankreich des 19. Jahrhunderts, sondern auch als Frau ist in der Presse stets wahrgenommen und mehrfach eigens thematisiert worden (s. u., zeitgenössische Literatur). Auch in Frankreich war es keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen Orchesterwerke komponierten, doch wurde es durchaus respektiert und offenbar auch mit einem gewissen Stolz betrachtet, wie der Korrespondent der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ aus Paris berichtet:


    „Madame Farrenc, über deren geniale Compositionen ich bereits öfter zu berichten Gelegenheit hatte, hat vor einiger Zeit eine zweite grosse Symphonie vollendet, die sie in einem Concerte am 3. Mai aufführen ließ. Der Erfolg war wiederum sehr bedeutend, und die Franzosen bilden sich nicht wenig darauf ein, neben ihrer berühmten Sand auch eine Tonkünstlerin zu haben, die dieser an künstlerischem Werthe nicht nachsteht.“ (Allgemeine Musikalische Zeitung, Bd. 48, 12.8.1846, Sp. 547).


    Die in deutschen Musikzeitschriften gegenüber Komponistinnen oder konzertierenden Instrumentalistinnen vielfach gepflegte Gönnerhaftigkeit (wenn nicht gar Argwohn oder Häme) ist in der französischen Presse nicht zu finden. Dennoch wird bei genauerer Betrachtung vieler Rezensionen auch eine geschlechtsspezifische Wahrnehmung Louise Farrencs sichtbar, etwa in der Scheu der Autoren, sachliche Kritik an einem Werk ohne Umschweife und galante Abmilderungen zu äußern.

    Die zweimalige Auszeichnung mit dem „Prix Chartier“, dem Kammermusikpreis der Académie des Beaux-Arts (1861 und 1869), ist in zweifacher Hinsicht als ein besonderer Erfolg zu werten. Zum einen hatten Frauen auch in Frankreich gegenüber den Institutionen einen schweren Stand: Am Wettbewerb um den „Prix de Rome“ z. B., dem wichtigsten französischen Kompositionswettbewerb, durften Frauen im 19. Jahrhundert gar nicht teilnehmen (Lili Boulanger erhielt 1913 als erste Frau den Großen Preis). Die Entscheidung, Louise Farrenc mit dem „Prix Chartier“ auszuzeichnen, fiel indessen zweimal zu Ungunsten mehrerer männlicher Konkurrenten. Zum anderen hatte Louise Farrenc seit 1857 kein kammermusikalisches Werk mehr komponiert; 1861 und 1863 waren die letzten Kompositionen (opp. 44, 45 und 46) im Druck erschienen. Dennoch waren ihre Werke der Jury auch 1869 noch so präsent, dass sie den „Prix Chartier“ ein zweites Mal bekam.

    Aus den letzten Lebensjahren sind nur vereinzelte Aufführungen von Farrencs Werken bekannt; nach ihrem Tod wurde das Trio op. 45 noch einmal in Paris gespielt, und der Musikverlag Alphonse Leducs brachte um 1876 Nachdrucke von etlichen Originalausgaben heraus, vor allem Kammermusik und die Klavieretüden. Farrenc geriet jedoch bald fast völlig in Vergessenheit: Sie hatte keine Nachkommen, die ihr Andenken gepflegt haben, und ihr Name verknüpfte sie nicht mit einem anderen berühmten Musiker. Der Hauptgrund für das Verschwinden Farrencs aus dem allgemeinen Bewußtsein aber dürfte darin bestehen, dass die französische Orchester- und Kammermusik der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Musikleben und in der Wissenschaft nur wenig Beachtung fand. Erst die Veröffentlichung der Dissertation über Farrenc von Bea Friedland 1980 sowie zweier Monographien zum Pariser Konzertleben und Kammermusikwesen zwischen 1820 und 1870 (von Jeffrey Cooper 1983 und Joël-Marie Fauquet 1986, siehe Literatur) brachte eine erneute Rezeption der Werke von Louise Farrenc in Gang.

    Seither gibt es zahlreiche Notenausgaben, darunter auch eine mehrbändige wissenschaftliche Ausgabe der Orchester- und Kammermusik sowie ausgewählter Klavierwerke. Die wichtigsten Kompositionen sind zum Teil mehrfach auf CD eingespielt. Trotz zahlreicher Aufführungen der Kammermusik und auch der Orchesterwerke Louise Farrencs in Deutschland, der Schweiz und vereinzelt in Frankreich, kann jedoch von einem festen Platz der Komponistin im Konzertrepertoire noch keine Rede sein.

    Werkverzeichnis

    A. Vokalmusik


    1. Singstimme und Klavier-/Orchesterbegleitung


    Andréa la folle. Ballade


    Je me taisais, Romance


    La Madone


    La Tourterelle. Romance


    Le Berger fidèle. Romance


    Le Prisonnier de guerre. Scène dramatique


    Le Suicide. Scène et air (Komposition identisch mit Le Prisonnier de guerre)


    Toi que j’appelle


    2. Chormusik


    O Père qu’adore mon Père (Hymne de Lamartine), Chor a capella


    O Père qu’adore mon Père (Hymne de Lamartine), Chor mit Klavierbegleitung


    O Salutaris hostia für Sopran, Alt, Tenor


    B. Instrumentalmusik


    1. Orchestermusik


    Grandes Variations sur l’air: Le premier pas op. 4 (Kl. u. Orchester)


    Ouvertüre Nr. 1 op. 23 e-Moll (1834)


    Ouvertüre Nr. 2 op. 24 Es-Dur (1834)


    Grandes Variations sur un thème du Comte Gallemberg op. 25 (Kl. u. Orchester)


    Symphonie Nr. 1 op. 32 c-Moll (1842)


    Symphonie Nr. 2 op. 35 D-Dur (1845)


    Symphonie Nr. 3 op. 36 g-Moll (1847)


    2. Kammermusik


    Grandes Variations sur l’air: Le premier pas op. 4 (Kl. u. Str./Fl. ad lib.)


    Variations concertantes sur un air suisse op. 20 (Kl. u. Vl.)


    Klavierquintett Nr. 1 op. 30 a-Moll (1839; Kl., Vl., Vla., Vc., Kb.)


    Klavierquintett Nr. 2 op. 31 E-Dur (1840; Kl., Vl., Vla., Vc., Kb.)


    Klaviertrio Nr. 1 op. 33 Es-Dur ([1841-44]; Kl., Vl., Vc.)


    Klaviertrio Nr. 2 op. 34 d-Moll (1844; Kl., Vl., Vc.)


    Sonate Nr. 1 op. 37 c-Moll (1848; Kl., Vl.)


    Nonett op. 38 Es-Dur (1849; Fl., Ob., Klar., Hr., Fg., Vl., Vla., Vc., Kb.)


    Sonate Nr. 2 op. 39 A-Dur (1850; Kl., Vl.)


    Sextett op. 40 c-Moll (1852; Kl., Fl., Ob., Klar., Hr., Fg.)


    Klaviertrio Nr. 3 op. 44 Es-Dur ([1854-56]; Kl., Klar./Vl., Vc.)


    Klaviertrio Nr. 4 op. 45 e-Moll ([1854-56]; Kl., Fl./Vl., Vc.)


    Sonate op. 46 B-Dur (1857; Kl., Vc.)


    3. Klaviermusik


    Variations (Aristide Farrenc) op. 2


    Grandes variations (Le premier pas) op. 4 (Klavier solo)


    Variations brillantes (Rossini) op. 5


    Variations sur l’air favori: O ma tendre musette! op. 6


    Air suisse varié op. 7


    Trois Rondeaux op. 8


    Rondeau (Bellini) op. 9


    Variations (Onslow) op. 10


    Rondeau (C. M. v. Weber) op. 11


    Variations (Galopade favorite) op. 12


    Rondeau (Rossini) op. 13


    Les Italiennes op. 14


    Variations brillantes (Donizetti) op. 15


    Les Allemandes op. 16


    Air russe varié op. 17


    La Sylphide op. 18


    Souvenir des Huguenots op. 19


    Les Jours heureux op. 21


    Fugen op. 22 (z. T. unvollendete Kontrapunkt-Studien, [1833])


    Trente Etudes dans tous les tons majeurs et mineurs op. 26 [1838]


    Hymne russe varié op. 27


    Variations sur un thème allemand op. 28


    Variations (Bellini) op. 29 (Klavier zu vier Händen, Bearb. für 2 und 3 Klaviere)


    Douze Etudes brillantes op. 41 (1853)


    Vingt Etudes de moyenne difficulté op. 42 (1854)


    Trois mélodies op. 43


    Scherzo op. 47


    Valse brillante op. 48


    1er Nocturne op. 49


    Vingtcinq Etudes faciles op. 50


    2me Valse brillante op. 51


    diverse Klavierwerke o. Op.


    Mélodie o. Op. (Veröffentlicht in: Beethoven-Album. Ein Gedenkbuch dankbarer Liebe und Verehrung für den grossen Todten, Stuttgart [1846]


    Diverse Bearbeitungen fremder Werke für Klavier 2- bzw. 4-händig.


    Ein in Farrencs Nachlass befindliches Streichquartett ist anonym überliefert und aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Louise Farrenc komponiert (die Beschaffenheit der Quelle sowie die stilistische Eigenart der Komposition sprechen dagegen). Eine von ihr geschriebene unvollständige Partitur ist die Abschrift eines Klavierkonzertes von Johann Nepomuk Hummel (h-Moll op. 89).

    Repertoire

    Als Pianistin trat Louise Farrenc vor allem mit ihren eigenen Kammermusikwerken öffentlich auf. Ihre Klavierwerke sind dagegen seltener in den Konzertprogrammen zu finden. Im Zuge der Arbeit an der Klavieranthologie „Le Trésor des pianistes“ beschäftigte sie sich eingehend mit der Verzierungspraxis der Clavecinisten und gestaltete in den sogenannten „Séances historiques“ Konzertprogramme mit Klaviermusik von Frescobaldi bis hin zu Mendelssohn Bartholdy.

    mehr zu Repertoire weniger zu Repertoire

    Konzertrezensionen in der zeitgenössischen Presse belegen, dass Louise Farrenc neben ihren eigenen Werken auch Werke von Beethoven, Hummel, Dussek (Klavierkonzert) oder Hieronymus Payer (Lehrer von Leopoldine Blahetka, mit dem Louise Farrenc aufgetreten ist) in Konzerten aufführte. 1855 spielte sie in einem Konzert mit Arien von Georg Friedrich Händel und Leonardo Leo den bezifferten Bass.

    Darüber hinaus ist kein umfassenderes Repertoire belegbar, jedoch sehr wahrscheinlich. Nicht nur der Katalog der privaten Bibliothek von Aristide Farrenc, sondern auch sein Verlagskatalog weisen umfangreiche Notensammlungen aus (siehe Literatur und Quellen), und aus Briefen wissen wir, dass Louise Farrenc an den Verlagsgeschäften ihres Mannes großen Anteil nahm und z. B. die zu edierenden Werke spielte. Schließlich beteiligte sie sich an den Editionsarbeiten der umfangreichen Klavieranthologie „Le Trésor des pianistes“, und nach dem Tod ihres Ehemannes war sie von 1865–72 alleinige Herausgeberin der noch fehlenden Bände. In den sogenannten „Séances historiques“, die seit 1861 begleitend zum Erscheinen der Trésor-Bände veranstaltet wurden, wirkte Louise Farrenc nicht mehr als Pianistin mit, sondern ließ ihre Schülerinnen auftreten. Sowohl in der Edition als auch in den Begleitkonzerten ist die Klavierliteratur von Frescobaldi, Bach, den Bach-Söhnen oder Domenico Scarlatti über Haydn, Mozart und Beethoven bis hin zu Mendelssohn Bartholdy enthalten.

    Quellen

    1. Unveröffentlichte Dokumente


    Autographe Quellen sowie die Mehrzahl der Originaldrucke werden aufbewahrt in der Bibliothèque nationale de France in Paris (Département de la musique). Hier befindet sich auch eine kleine Sammlung autographer Briefe Louise Farrencs sowie diverses Material aus dem Nachlass Aristide Farrencs. Originalausgaben sind darüber hinaus in zahlreichen anderen europäischen und US-amerikanischen Bibliotheken vorhanden (siehe Heitmann, Werkverzeichnis).


    2. Zeitgenössische Literatur


    B[annelier,] C[harles]. „Nécrologie. Madame Louise Farrenc“. In: Revue et Gazette musicale, 19.9.1875, S. 301.


    Bourges, Maurice. „Des femmes-compositeurs“. In: Revue et Gazette musicale, 19.9.1847, S. 305-307, und 26.9.1847, S. 313-315.


    Brenet, Michel (Pseud.: Marie Bobillier). „Quatre femmes musiciennes. IV Madame Farrenc“. In: L’Art. Revue bi-mensuelle illustrée, 20e année, 2e série, Bd. IV (Okt. - Dez. 1894), S. 183-187.


    Catalogue de la Bibliothèque Musicale de Feu M. A. Farrenc, Paris 1866.

    Catalogue des ouvrages de Musique composant le fonds d’Ade Farrenc, éditeur des collections de Beethoven, Weber; des ouvrages nouveaux de Hummel, Mayseder, Schwencke, B. Romberg; des œuvres de Reissiger, Kuhlau, Kummer, Hünten, L. Farrenc, etc., etc., etc., en dépôt: chez Colombier, [Paris] 1841.


    Fétis, Francois-Joseph. [Art.] Farrenc. In: Biographie universelle des Musiciens et Bibliographie générale de la Musique, Deuxième édition entièrement refondue et augmentée de plus de la moitié, 8 Bde., Paris 1860-1865, (Nachdruck, Brüssel 1963), Bd. 3 (1862), S. 185-188.


    Marmontel, Antoine: „Madame Louise Farrenc“. In: ders.: Les Pianistes célèbres. Paris 1878, Tours 21887, S. 176-183.


    Reyer, Ernest: [Nachruf Louise Farrenc]. In: Le Journal des débats, 2.10.1875.


    Stradina, G.: [Nécrologie. Louise Farrenc]. In: L’Art musical, 23.9.1875, S. 302.


    Vattier, Gustave Adolphe. Une famille d’artistes. Les Dumont 1660-1884, Paris 1890.


    3. Werkausgabe


    Louise Farrenc. Kritische Ausgabe der Orchester- und Kammermusik sowie ausgewählter Klavierwerke, hrsg. von Freia Hoffmann in Zusammenarbeit mit Christin Heitmann und Katharina Herwig an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, 15 Bände, Wilhelmshaven: Florian Noetzel Verlag „Ars musica“ 1998-2005.


    Teil I: Orchesterwerke

    Band 1: Symphonie Nr. 1 op. 32 (hrsg. von Katharina Herwig)

    Band 2: Symphonie Nr. 2 op. 35 (hrsg. von Christin Heitmann)

    Band 3: Symphonie Nr. 3 op. 36 (hrsg. von Christin Heitmann)

    Band 4: Ouvertüren Nr. 1 op. 23 und Nr. 2 op. 24 (hrsg. von Christin Heitmann)


    Teil II: Kammermusik

    Band 1: Nonett op. 38 (hrsg. von Katharina Herwig)

    Band 2: Sextett op. 40 (hrsg. von Christin Heitmann)

    Band 3A: Klavierquintett Nr. 1 op. 30 (hrsg. von Katharina Herwig)

    Band 3B: Klavierquintett Nr. 2 op. 31 (hrsg. von Katharina Herwig)

    Band 4: Klaviertrios Nr. 1 op. 33, Nr. 2 op. 34 (hrsg. von Freia Hoffmann)

    Band 5: Klaviertrios Nr. 3 op. 44, Nr. 4 op. 45 (hrsg. von Freia Hoffmann)

    Band 6: Werke für Klavier und Violine (hrsg. von Christin Heitmann)

    Variationen op. 20, Sonaten Nr. 1 op. 37 und Nr. 2 op. 39

    Band 7: Sonate für Klavier und Violoncello op. 46 (hrsg. von Dorothea Schenck)


    Teil III: Ausgewählte Klavierwerke

    Band 1: Etüden op. 26 und op. 50 (hrsg. von Katharina Herwig)

    Band 2: Einzelne Klavierstücke (hrsg. von Katharina Herwig)

    Rondeau op. 9, Variationen (Onslow) op. 10, Variationen (Donizetti) op. 15, Air russe varié op. 17, Nocturne op. 49, Valse brillante op. 51, Mélodie o. op.


    Teil IV: Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis (hrsg. von Christin Heitmann)


    4. Sekundärliteratur


    Bartsch, Cornelia. „Louise Farrenc (1804-1875). „Une femme d’un mérite éminent““. In: Annäherung VII - an sieben Komponistinnen. Mit Berichten, Interviews und Selbstdarstellungen. Clara Mayer (Hrsg.). Kassel: Furore, 1996. S. 97-113.


    Cooper, Jeffrey. The Rise of Instrumental Music and Concert Series in Paris 1828-1871. Ann Arbor: UMI Research Press 1983. Studies in Musicology. Bd. 65. George Buelow (Hrsg.).


    Fauquet, Joël-Marie. Les sociétés de musique de chambre à Paris de la Restauration à 1870. Paris: Aux amateurs de livres 1986. Domaine musicologique. Collection d’Études. Bd. 1. François Lesure (Hrsg.)


    Friedland, Bea. „Louise Farrenc (1804-1875). Composer, Performer, Scholar“. In: The Musical Quarterly, LX/2 (1974). S. 257-274.


    dies. Louise Farrenc 1804-1875. Composer, Performer, Scholar. Dissertation, New York City University 1975. Ann Arbor: UMI Research Press 1980. Studies in Musicology. Bd. 32. George Buelow (Hrsg.).


    dies. [Art.] Farrenc. French family of musicians. In: New Grove Dictionary 1980, Bd. 6, S. 407-409 sowie in: New Grove Dictionary, Second Edition 2001, Bd. 8. S. 580-582.


    dies. „Le Trésor des pianistes and the Early-Music Revival in 19th-Century Paris“. In: Consort: annual journal of the Dolmetsch Foundation, Bd. 50 (1994). S. 111-124.


    Grotjahn, Rebecca und Christin Heitmann (Hrsg.): Louise Farrenc und die Klassik-Rezeption in Frankreich, Oldenburg: BIS-Verlag 2006 (=Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts, hrsg. von Freia Hoffmann, Bd. 2)


    Heitmann, Christin, Katharina Herwig und Freia Hoffmann. Die Werkausgabe Louise Farrenc. In: Einblicke. Forschungsmagazin der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Nr. 27 (April 1998). S. 16-18.


    Heitmann, Christin. [Art.] Farrenc. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Bd. 6, Kassel, Stuttgart 2001. Sp. 751-754.


    dies. „Traditionsbezug und Originalitätsanspruch im Konflikt? Louise Farrencs Auseinandersetzung mit Ludwig van Beethoven“. In: Maßstab Beethoven? Komponistinnen im Schatten des Geniekults. Bettina Brand, Martina Helmig (Hrsg.). München: Edition text und kritik, 2001. S. 58-76.


    dies. „Konnotation, Norm, Wertung. Die Sonatenthemen im Finalsatz der 3. Sinfonie von Louise Farrenc“. In: Geschlechterpolaritäten in der Musikgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts. Tagungsbericht Oldenburg 2000. Freia Hoffmann, Rebecca Grotjahn (Hrsg.). (= Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte der Musik, Bd. 3). Herbolzheim: Centaurus, 2002. S.107-116.


    dies. „Louise Farrencs Orchester- und Kammermusik. Neue Perspektiven für die musikalische Analyse“. In: clingKlong. Zeitschrift des FrauenMusikForums Schweiz FMF. Nr. 50 (Winter 2003). S. 15-19.


    dies.: Die Orchester- und Kammermusik von Louise Farrenc vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Sonatentheorie (zugleich Diss. Oldenburg 2002). Wilhelmshaven: Noetzel, 2004. Veröffentlichungen zur Musikforschung. Bd. 20. Richard Schaal (Hrsg.).


    dies. Louise Farrenc. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis, Wilhelmshaven: Noetzel 2005 (=Louise Farrenc, Kritische Ausgabe der Orchester- und Kammermusik sowie ausgewählter Klavierwerke, Bd. IV).


    Hoffmann, Freia. „Louise Farrenc. Geschichte einer Entdeckung“. In: clingKlong. Zeitschrift des FrauenMusikForums Schweiz FMF. Nr. 50 (Winter 2003). S. 8-13.


    Launay, Florence. Les Compositrices an France au XIXe siècle, Paris 2006.


    Roster, Danielle. „Louise Farrenc, 1804-1875“. In: Die großen Komponistinnen. Lebensberichte. Danielle Roster (Hg.). Frankfurt/Main 1998. S. 161-179.


    Weissweiler, Eva. „Louise Farrenc. Eine Zeitgenossin von Hector Berlioz“. In: Komponistinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Eine Kultur- und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen. Eva Weissweiler (Hg.). München 1999. S. 246-261.


    5. Diskographie


    5.1 CDs (chronologisch)


    Klavierquintette Nr. 1 a-Moll op. 30 und Nr. 2 E-Dur op. 31. Linos-Ensemble, cpo 999194-2, 1993


    Nonett Es-Dur op. 38 für Bläser und Streicher und Trio Nr. 3 für Klavier, Klarinette, Klavier. Consortium Classicum, Dieter Klöcker, Peter Hörr, Werner Genuit, DIVOX CDX 29 205, 1994


    Sextett c-Moll op. 40 für Klavier und Bläserquintett, Nonett Es-Dur op. 38 für Bläser und Streicher und Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 45. The Ambache Chamber Ensemble. Carlton Classics 30366 00302, 1996


    Sinfonien Nr. 1 c-Moll op. 32 und Nr. 3 g-Moll op. 36. Radio-Philharmonie Hannover des NDR, Johannes Goritzki. cpo 999 603-2, 1998


    Nonett Es-Dur op. 38 für Bläser und Streicher und Sextett c-Moll op. 40 für Klavier und Bläserquintett. Kammersolisten der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Bayer Records BR 100 325 CD, 2000


    Les 3 Symphonies (Live-Mitschnitt). Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 32, Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 35, Sinfonie Nr. 3 g-Moll op. 36. Orchestre de Bretagne, Stefan Sanderling. Pierre Verany, PV700030, 2001


    Klavierquintette Nr. 1 a-Moll op. 30 und Nr. 2 E-Dur op. 31. Schubert Ensemble London, ASV 1122 DCA, 2001


    Klavierwerke: Air russe varié op. 17, Auswahl aus Trente Etudes dans tous les tons majeurs et mineurs op. 26, Valse brillante op. 48, Nocturne op. 49, op. 15. Konstanze Eickhorst, Klavier. cpo 999 879-2, 2003


    Symphony 2, Ouvertures 1 & 2, NDR Radiophilharmonie, Johannes Goritzki, cpo 999 820-2, 2004


    Louise Farrenc: Musique de Chambre. Nonett op. 38, Mélodie B-Dur o. Op. für Klavier, Variations concertantes für Klavier und Violine op. 20, Etüden für Klavier op. 26, Nr. 17 und 18; Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello op. 44. Konzertmitschnitte aus dem Zyklus "Schumann-Farrenc" im Auditorium du Louvre, Paris, Januar 2005. naive V 5033, 2005


    L’Œuvre pour Violon & Piano. Sonate Nr. 1 op. 37 (Ersteinspielung), Sonate Nr. 2 op. 39, Variations concertantes sur une mélodie suisse op. 20. Gaëtane Prouvost, Violine, Laurent Cabasso, Piano. Intégral Classic INT 221.161, 2008


    Piano Trios, Sextett (Trio Nr. 1 op. 33, Es-Dur – Ersteinspielung; Trio Nr. 3 op. 44, Es-Dur; Sextett für Klavier und Bläserquintett op. 40, c-Moll), Linos-Ensemble, cpo 777 256-2, 2009


    5.2 Sampler


    Ferdinand Ries: Trio f. Flöte, Cello, Klavier op. 63, Felix Mendelssohn: Andante & Rondo aus Trio op. 49, Max Bruch: 3 Stücke aus op. 83, Louise Farrenc: Trio f. Klavier, Flöte & Cello e-Moll op. 45, Trio Cantabile. Thorofon CTH 2079, 1990.


    Musik für Violoncello und Klavier von Komponistinnen des 19. Jahrhunderts. Louise Farrenc: Sonate B-Dur op. 46, Clara Faisst: Adagio consolante B-Dur op. 7 Nr. 1, Luise Adolpha LeBeau: Romanze E-Dur op. 24 Nr. 1, Emilie Mayer: Sonate D-Dur op. 47. Thomas Blees, Vc., Maria Bergmann, Klavier, FSM FCD 97 728, 1990.


    Romantische Klaviertrios. Louise Farrenc: Trio Nr. 2 d-Moll op. 34 und Franz Berwald: Klaviertrio Nr. 3. Abegg-Trio, Tacet CD 90, 1990.


    Louise Farrenc: Klaviertrio Nr. 2 op. 34, Luise Adolpha Le Beau: Klaviertrio op. 15. Clara Wieck Trio. Bayer Records BR 100 214 CD, 1991.


    Midsummer’s Music. Louise Farrenc: Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 45. Glinka: Trio Pathetique in d, Franz Berwald: Septett in B, Doppler: Nocturne op.19. Centaur 1993.


    Kammermusik für Flöte von Komponistinnen. Louise Farrenc: Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 45, Lili Boulanger: Nocturne (1911), D’un matin de printemps (1918), Marcelle de Manziarly: Trio für Flöte, Cello und Klavier (1952), Sofia Gubaidulina: Allegro rustico, Kate Waring: Alapan (1978). Meininger-Trio. Bayer Records BR 100 266 CD, 1995.


    Louise Farrenc: Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 45 und Clara Schumann: Klaviertrio op. 17. Streicher Trio. M+A 1995.


    Flötentrios. Louise Farrenc: Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 45 und Felix Mendelssohn: Klaviertrio Nr. 1. Petrucci, Devich, Jando. Tudor 1998.


    Compositio. Klavierwerke von Komponistinnen aus dem 17. bis 20. Jahrhundert (Elisabeth Jacquet de la Guerre, Marianna Martinez, Fanny Mendelssohn, Clara Wieck, Louise Farrenc (Impromptu h-Moll), Lili Boulanger, Florence-Beatrice Price, Madeleine Dring). Mònica Pons, Piano. Ars Harmonica AH037, 1998


    Klavierwerke/Œuvres pour piano. Louise Farrenc: Variations brillantes sur un thème d’Aristide Farrenc op. 2, Hymne russe varié op. 27; Agathe Backer-Grøndahl: diverse Klavierwerke. Luba Timofeyeva, Klavier.Voice of Lyrics VOL C 321, 1999 (Bezug über: www.voiceoflyrics.com).


    Kammermusik für Flöte: Hoover: Lyric Trio für Flöte, Cello & Klavier, Marcelle de Manziarly: Trio für Flöte, Cello & Klavier, Louise Farrenc: Trio op.45 für Flöte, Cello & Klavier. Meininger-Trio. NCA 2001.


    Thème varié: Elisabeth Jacquet de la Guerre: Suite en ré mineur. Louise Farrenc: Air russe varié op. 17, Etüden op. 26 (Auswahl), Mélodie o. Op. Lili Boulanger: Trois Morceaux pour Piano, Thème et Variations. Tatjana Komarova: Thema mit Variationen. Sheila Arnold, Cembalo, Fortepiano, Klavier. Master Arts records ma-00012 40328240001804, 2003.


    Französische Komponistinnen. Musik für Violine und Klavier: Louise Farrenc: Sonate Nr. 2 A-Dur op. 39 (1850-55); Lili Boulanger: Nocturne für Violine und Klavier (1911); Pauline Viardot: Sonatine a-Moll (1874) und Six Morceaux (1867). Annette-Barbara Vogel (Violine) und Ayako Tsuruta (Klavier), Cybele Records, SACD 351.101, 2011


    6. Links


    www.farrenc.sophie-drinker-institut.de

    Biographie Louise Farrencs, Informationen über die Farrenc-Edition


    http://www.sophie-drinker-institut.de/

    Das Lexikon der Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts enthält einen Artikel von Jan Felix Jaacks und Anja Herold über Louise Farrenc.


    http://www.ambache.co.uk/wFarrenc.htm

    Kurzbiographie und kurze Kommentare zu ausgewählten Werken.

    mehr zu Quellen weniger zu Quellen

    Friedland, Bea. Louise Farrenc, 1804-1875. Composer, Performer, Scholar. Dissertation, New York City University 1975. Ann Arbor: UMI Research Press 1980. (= Studies in Musicology. Bd. 32)

    Bea Friedlands Dissertation stellt die erste monographische Forschungsarbeit über Louise Farrenc dar, die zugleich die Wiederentdeckung der Komponistin einleitete. Die spärlich vorhandenen biographischen Quellen sind hier bereits weitgehend ausgewertet. Die Analysen geben einen ersten Überblick über das kompositorische Schaffen Farrencs. Das Werkverzeichnis ist hingegen unvollständig und in Teilen fehlerhaft.

    Die Veröffentlichungen von C. Bartsch, D. Roster und E. Weissweiler gehen auf Friedland zurück und beruhen nicht auf eigenen Forschungen.

    Forschung

    Der aktuelle Forschungsstand über Louise Farrenc ist in der Dissertation (2004) und dem Werkverzeichnis (2005) von Christin Heitmann repräsentiert.

    Forschungsbedarf

    Vor dem Hintergrund von Entstehungszeit und -ort gesehen weisen die Kompositionen Louise Farrencs eine erstaunliche Mischung aus Orientierung an klassischen Vorbildern und schöpferischer Lebendigkeit und Eigenständigkeit auf, gepaart mit einer ebenso erstaunlichen Unabhängigkeit von ihrem unmittelbaren musikalischen Umfeld. Leider geben die wenigen erhaltenen biographischen Quellen wenig Auskunft über Farrencs Selbstverständnis als Komponistin oder über ihre kompositorischen Schaffensprozesse, und es muss als wenig wahrscheinlich gelten, dass in größerem Umfang weitere Quellen gefunden werden. Umso wünschenswerter wären weiterführende musikalische Analysen ihrer Werke, auch im Vergleich zu anderen Kompositionen, die als Vorbild gedient haben könnten oder die unter ähnlichen Bedingungen erschienen sind. Die Rolle Louise Farrencs für das Pariser Musikleben und die Einordnung ihres kompositorischen Schaffens in den Kontext der Kompositionsgeschichte sollten so noch präziser erfasst werden.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 49421779
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116410132
    Library of Congress (LCCN): n83005081
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Christin Heitmann, Die Grundseite wurde im Februar 2004 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Sophie Fetthauer
    Zuerst eingegeben am 26.05.2004
    Zuletzt bearbeitet am 14.05.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Christin Heitmann, Artikel „Louise Farrenc“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 14.5.2012
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Louise_Farrenc