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  • Louise Dulcken

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Louise Dulcken
    Geburtsname: Louise Marie Louise David
    Varianten: Louise David, Louise Dulken, Louise Marie Louise Dulcken, Louise Marie Louise Dulken, Louisa Dulcken, Louisa David, Louisa Dulken, Louisa Marie Louisa Dulcken, Louisa Marie Louisa David, Louisa Marie Louisa Dulken, Luise Dulcken, Luise David, Luise Dulken, Luise Marie Luise Dulcken, Luise Marie Luise David, Luise Marie Luise Dulken
    Lebensdaten:
    geb. in Hamburg,
    gest. in London,
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Madame Dulcken’s Concert. This concert, which is always one of the great affairs of the season, took place Monday morning, when the Opera Concert-room was crowded in every part by a most fashionable audience. The programme was one of more than usual bulk [...]. The executants were, however, all of first-rate order, and the selection was extremely judicious, comprising almost entirely comparative novelty. Of the performances of Madame Dulcken the most striking were the concerto in E flat of Weber, and the duet of Mozart for two pianos, of which one was played by Mendelssohn. The latter was perhaps the greatest treat of the concert, both pianists vieing with each other in giving the most exquisite softness and elegance of expression to the graceful inspirations of Mozart.“


    „Frau Dulckens Konzert. Dieses Konzert, das immer zu den großartigen Ereignissen der Saison gehört, fand am Montagmorgen im Konzertraum der Oper statt, der bis in die letzte Ecke mit einem höchst eleganten Publikum gefüllt war. Das Programm war eines, das mehr als die gewöhnliche Masse bot […]. Die Ausführenden waren jedenfalls alle von höchster Güte, und die Auswahl war überaus verständig und umfasste fast vollständig Neuheiten. Von Frau Dulckens Aufführungen waren das Es-Dur-Konzert von Weber und das Duett für zwei Klaviere von Mozart, von denen eines von Mendelssohn gespielt wurde, die beachtlichsten. Letzteres war vielleicht der größte Genuss des Konzerts, da beide Pianisten miteinander darum wetteiferten, den anmutigen Eingebungen Mozarts die außerordentlichste Zartheit und Eleganz des Ausdrucks zu verleihen.“


    („The Times“ vom 12. Juni 1844, S. 7)


    Profil

    Die Pianistin und Musikpädagogin Louise Dulcken trat bereits als Kind regelmäßig auf, teilweise gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Geiger Ferdinand David. Bereits im Alter von 17 Jahren heiratete sie Theobald Augustus Dulcken und ließ sich mit ihrem Mann in London nieder. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte Louise Dulcken zu den international herausragenden Pianistinnen und Pianisten. Sie trat mehrfach als Solistin in den Londoner Philharmonic Concerts auf und führte dort neben dem klassisch-romantischen Repertoire mit Werken von Ludwig van Beethoven und Carl Maria von Weber auch bis dahin unbekannte Klavierkonzerte ein, darunter Frédéric Chopins Klavierkonzert f-Moll op. 21, Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert d-Moll op. 40 sowie ein Klavierkonzert von Elias Parish Alvars (Uraufführung 1846 aus dem Manuskript). Zudem veranstaltete Louise Dulcken jährlich eigene Konzerte in London, die bald zu den großen musikalischen Ereignissen des Jahres zählten. An ihnen beteiligten sich die so genannten „Stars“ der italienischen Oper wie Giulietta Grisi, Giovanni Battista Rubini, Antonio Tamburini und Luigi Lablache sowie bekannte Instrumentalistinnen und Instrumentalisten Europas: die Pianisten Leopold de Meyer, Alexander Dreyschock und – ebenfalls als Pianist – Felix Mendelssohn Bartholdy, die Harfenistinnen und Harfenisten Aline Bertrand, Robert Nicholas-Charles Bochsa, Théodore Labarre und Elias Parish Alvers, der Concertina-Spieler Giuligo Regondi, die Geiger Charles de Bériot, Camillo Sivori, Leopold Ganz und Heinrich Wilhelm Ernst sowie die Violoncellisten Max Bohrer, Moritz Ganz und Jacques Offenbach. Mehrfach unternahm Louise Dulcken große Konzertreisen, u. a. durch Deutschland, Russland und Lettland, und beteiligte sich zudem in England häufig an Konzerten ihrer Kolleginnen und Kollegen. Parallel zu ihren Auftritten und Veranstaltungen als Pianistin war Louise Dulcken eine gefragte Musikpädagogin. Sie unterrichtete u. a. die spätere Queen Victoria und führte spätestens ab Anfang der 1840er Jahre eine eigene „Academy for Young Pianoforte Players“ in London mit mehreren Assistentinnen.


    Anfang der 1830er Jahre wurde Louise Dulcken zur Pianistin der Herzogin von Kent („Pianist of the Duchess of Kent“) ernannt, 1837, mit der Krönung Queen Victorias, erhielt sie den Titel einer Hofpianistin („Pianist of Her Majesty“).

    Orte und Länder

    Louise Dulcken wurde in Hamburg geboren. Nach ihrer frühen Heirat 1828 ließ sie sich mit ihrem Mann in London nieder. Konzertreisen führten sie u. a. durch Deutschland, Russland und Lettland.

    Biografie

    Louise Dulcken wurde als Marie Louise David am 29. März 1811 in Hamburg in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren und erhielt von klein auf privat eine fundierte musikalische Ausbildung in Klavier und vermutlich auch in Komposition. Dabei wurde sie u. a. von Friedrich Wilhelm Grund unterrichtet, der 1819 die Hamburger Singakademie gegründet hatte. Zudem erhielt sie Unterricht in der Hamburger Musikerfamilie Schwencke. In späteren Jahren wurden zudem ihre sprachlichen Fähigkeiten (Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch) hervorgehoben (vgl. Grove 1879). Louise Dulcken war die jüngere Schwester des Geigers Ferdinand David und die ältere Schwester der Pianistin Therese Meyer.


    Bereits als Kind trat Louise Dulcken regelmäßig auf. Sie spielte im Alter von zehn Jahren Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzert a-Moll op. 85 öffentlich in Hamburg und konzertierte in den Jahren ab 1823 u. a. in Leipzig, Kassel und Berlin, teilweise mit ihrem Bruder Ferdinand David, einem Schüler Louis Spohrs (vgl. Grove 1879ff.). Im Juni 1824 veranstaltete Louise Dulcken zwei Konzerte in Kassel, bei denen sie das bereits genannte Hummelsche Klavierkonzert, eines der Klavierkonzerte von Carl Czerny, ein „Potpourri“ für Violine und Klavier von Louis Spohr (gemeinsam mit ihrem Bruder Ferdinand David) sowie weitere Klavierstücke von Ignaz Moscheles und Ferdinand Ries spielte. Die „Allgemeine musikalische Zeitung“ schrieb über die dreizehnjährige Pianistin: „Seltene Fertigkeit, Präcision und richtige Betonung sind die Eigenschaften, welche Dem. David in die Reihe der besten Klavierspieler stellen.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 22. Juli 1824, Sp. 484f.) Am 13. Februar 1826 wirkte Louise Dulcken in Berlin bei einem Konzert des Musikdirektors Carl Möser mit, bei dem sie unter seiner Leitung die „Fantaisie et Variations sur l’air favori ‚Au clair de la lune’“ A-Dur op. 50 für Klavier und Orchester von Ignaz Moscheles spielte, und gab drei Tage später, am 16. Februar 1826, gemeinsam mit ihrem Bruder ein eigenes Konzert im Saal des königlichen Schauspielhauses. Auf dem Programm standen das Klavierkonzert g-Moll op. 60 von Ignaz Moscheles, Variationen über schwedische Volkslieder von Ferdinand Ries sowie das „Grand Potpourri concertant pour Pianoforte et Violin“ op. 59 von Ignaz Moscheles und Charles Philippe Lafont. Ein Rezensent der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ schrieb über Louise Dulcken: „[...] sie spielte mit grosser Fertigkeit und vielem Geschmack, und bewährte diese auch in dem Concerte, das sie mit ihrem jüngern Bruder Ferdinand am 16ten gab [...] und zeigte auch hier ihre grosse Geläufigkeit und den leichten und glänzenden Vortrag ihres Spieles.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom 22. März 1826, Sp. 201f.)


    1828 heiratete Louise Dulcken in München Theobald Augustus Dulcken (1800-1882), einen Sohn der Pianistin Sophie Lebrun, und konvertierte vom jüdischen zum evangelischen Glauben. Das Ehepaar ließ sich anschließend in London nieder. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, darunter Henry William Dulcken (1832-1894), der Concertina-Spieler und Violinist Edward Dulcken (1834-1855) und der spätere Pianist und Komponist Ferdinand Quentin Dulcken (1837-1901).


    In London veranstaltete Louise Dulcken erstmals im Juli 1829 ein eigenes Konzert in den Argyll Rooms, bei dem sie Ignaz Moscheles „Souvenirs d’Irlande“ op. 69, ein Concertante für Violoncello und Klavier von Jan Hugo Worzischek (möglicherweise das Rondo op. 2) – gemeinsam mit dem Violoncellisten Max Bohrer –spielte und den Klavierpart in einem Sextett (möglicherweise eines der Septette) von Johann Nepumuk Hummel übernahm. Die „Times“ berichtete: „Madame Dulcken, a lady who has not, as far as we are aware, before appeared in public in this country, had a concert at the above rooms yesterday morning. Madame Dulcken is a pianoforte player of great ability. She has evidently studied in the very best school, namely, that of Hummel and other contemporary German pianists. She performed in a very finished style Moscheles’ ‚Recollections of Ireland’, and, with Mr. Bohrer, a fine concertante for the pianoforte and violoncello, the composition of Worzichek. She also took part in a beautiful sextuor by Hummel.“ („Frau Dulcken, eine Dame die, soweit wir wissen, in diesem Land zuvor noch nicht öffentlich aufgetreten war, gab gestern Morgen ein Konzert in den oberen Räumen. Frau Dulcken ist eine Pianistin mit großen Fähigkeiten. Sie hat augenscheinlich in der allerbesten Schule, nämlich der von Hummel und anderen zeitgenössischen deutschen Pianisten, studiert. Sie führte Moscheles’ ‚Recollections of Ireland’ in einem sehr vollendeten Stil und gemeinsam mit Herrn Bohrer eine schöne Concertante für Klavier und Violoncello, komponiert von Worzichek, auf. Sie wirkte auch in einem wundervollen Sextett von Hummel mit“; „The Times“ vom 9. Juli 1829, S. 2).


    Am 1. März 1830 trat Louise Dulcken erstmals als Solistin im Rahmen der Philharmonic Concerts im Londoner King’s Theatre unter der Leitung von Charles Weichsel auf. In diesem Rahmen spielte sie ein Klavierkonzert von Henri Herz, vermutlich das 1. Klavierkonzert op. 34, „with great spirit and taste“, wie die „Times“ bemerkte („mit großartigem Geist und Geschmack“; vgl. „The Times“ vom 3. März 1830, S. 4). In den folgenden Jahren konzertierte Louise Dulcken mehr als zehn Mal solistisch in den Philharmonic Concerts und galt dabei als eine der herausragenden Pianistinnen und Pianisten Londons, die zudem neben dem klassisch-romantischen Repertoire auch mehrere neue Werke in die Konzertreihe einbrachte. So spielte sie z. B. am 1. März 1841 eines der beiden Klavierkonzerte von Carl Maria von Weber unter der Leitung von Sir George Smart, und die „Times“ rezensierte: „Madame Dulcken was the leading artist of the evening, playing her concerto with exquisite delicacy and the most finished execution.“ („Frau Dulcken war die führende Künstlerin des Abends, indem sie ihr Konzert mit ausgezeichneter Köstlichkeit und höchst vollendeter Ausführung spielte.“; „The Times“ vom 2. März 1841, S. 6) Anfang April 1843 gab Louise Dulcken im selben Rahmen unter der Leitung von Cipriani Potter die englische Erstaufführung von Frédéric Chopins Klavierkonzert f-Moll op. 21; das Werk stieß allerdings zunächst auf wenig Begeisterung: „The novelty of the evening was Chopin’s concerto. [...] To Madame Dulcken’s playing it would be almost impossible to give too high praise, the brilliancy of the player compensating in a great measure for the comparative inefficiency of the composition, and the applause that was bestowed being certainly awarded to the pianiste rather than to the composer.“ („Die Neuheit des Abends war Chopins Konzert. […] Es wäre fast unmöglich, Frau Dulckens Spiel zu hoch zu loben; die Brillanz der Spielerin kompensierte über weite Strecken die vergleichsweise Ineffizienz der Komposition, und der Applaus, der gespendet wurde, war sicherlich eher der Pianistin als dem Komponisten zugedacht.“; „The Times“ vom 4. April 1843, S. 4) Im Juni 1846 gab Louise Dulcken – ebenfalls in den Philharmonic Concerts – die Uraufführung eines Klavierkonzertes von Elias Parish Alvars aus dem Manuskript (vgl. „The Times“ vom 16. Juni 1846, S. 8), und spielte im April 1848 ebenda Ludwig van Beethovens Klavierkonzert c-Moll op. 37: „Madame Dulcken, a brilliant and showy pianist, full of energy and enthusiasm, always win laurels when her task is to interpret the compositions of the great masters, and last night added one more to her many successes as an expositor of classical music. She was warmly applauded throughout, and well deserved the compliment.“ („Madame Dulcken, eine brilliante und publikumswirksame Pianistin voller Energie und Enthusiasmus, erntet stets Lorbeeren, wenn ihre Aufgabe darin besteht, die großen Meister zu interpretieren, und gestern Abend fügte sie ihren zahlreichen Erfolgen als Verfechterin klassischer Musik einen weiteren hinzu. Sie wurde durchweg mit warmherzigem Beifall bedacht, ein Kompliment, das sie sich verdient hat.“; „The Times“ vom 11. April 1848, S. 8) Im Juni 1849 trat sie an derselben Stelle mit Carl Maria von Webers Konzertstück f-Moll op. 79 auf (vgl. „The Times“ vom 12. Juni 1849, S. 8).


    Anfang der 1830er Jahre wurde Louise Dulcken zur Pianistin der Herzogin von Kent („Pianist of the Duchess of Kent“) ernannt. Zu ihren Schülerinnen gehörte auch deren Tochter, die spätere Queen Victoria, die 1837 zur Königin gekrönt wurde. In der Folge erhielt Louise Dulcken den Titel einer Hofpianistin („Pianist of Her Majesty“).


    Spätestens ab 1836 veranstaltete Louise Dulcken in London jährlich ein eigenes Orchesterkonzert, überwiegend als „Grand Morning Concert“, das in den ersten Jahren unter der „immediate patronage of their Royal Highnesses the Duchess of Kent and the Princess Victoria“ stand. Die Konzerte zählten bald zu den großen musikalischen Ereignissen des Jahres, bei denen herausragende Musikerinnen und Musiker Europas miteinander auftraten. Anfang Mai 1836 fand das Konzert im Saal der Londoner Oper statt. Beteiligt waren u. a. der Geiger Charles de Bériot, der Harfenist Robert Nicholas-Charles Bochsa und die Sängerinnen und Sänger Giulietta Grisi, Clara Novello, Giovanni Battista Rubini, Antonio Tamburini und Luigi Lablache. Das Programm umfasste u. a. Louis Spohrs Quintett für Klavier und Bläser c-Moll op. 52, Carl Maria von Webers Concertstück f-Moll op. 79 und eine Fantasie für Klavier und Orchester von Friedrich Kalkbrenner. Die „Times“ berichtete: „Madame Dulcken’s concert yesterday, at the Opera-room, was decidedly the best that has been given this season. De Beriot’s first appearance since his return form the continent, together with various powerful attractions both of performers and performances, drew together a most crowded audience, great numbers of whom were anxiously waiting in the colonade for some time previous to the opening of the doors. Madame Dulcken’s performance on the pianoforte claims the first notice. This lady is unquestionalby the first pianist of the day, Moscheles excepted. We know no performer of the other sex who is superior to her in certain qualities. Indeed, her touch and style altogether resemble those of Moscheles in spirit and energy. She played yesterday morning three most difficult pieces – viz. a. quintett, by Spohr, for pianoforte, flute, clarionet, horn, and bassoon; Weber’s concert Stuck, and a fantasia, with orchestral accompaniments, by Kalkbrenner. Spohr’s quintett was a splendid composition, containing every difficulty which the most elaborate writer for the instrument could conceive. But these difficulties vanished under the hands of Madame Dulcken, whose power, especially in the left hand, enabled her to impart surprising brilliancy to the obligato passages.“ („Frau Dulckens Konzert gestern im Opernraum war entschieden das beste, das in dieser Saison gegeben wurde. De Beriots erster Auftritt seit seiner Rückkehr vom Kontinent sowie diverse gewaltige Attraktionen sowohl hinsichtlich der Künstler als auch hinsichtlich der Vorstellungen zogen eine Menge Publikum an, das in großer Zahl schon einige Zeit vor Einlass unruhig in der Kolonnade gewartet hatte. Frau Dulckens Vorstellung beansprucht die erste Bemerkung. Diese Dame ist unbestreitbar die erste Pianistin ihrer Zeit, Moscheles ausgenommen. Wir kennen keine Künstlerin des anderen Geschlechts, die ihr in bestimmten Eigenschaften überlegen wäre. Tatsächlich ähneln ihr Anschlag und ihr Stil insgesamt bezüglich des Geistes und der Energie dem von Moscheles. Gestern Morgen spielte sie drei äußerst schwierige Stücke – nämlich ein Quintett für Klavier, Flöte, Klarinette, Horn und Fagott von Spohr, Webers Konzertstück und eine Fantasie mit orchestraler Begleitung von Kalkbrenner. Spohrs Quintett ist eine glänzende Komposition, die jede Schwierigkeit enthält, die sich ein raffinierter Komponist für diese Instrumente ausdenken kann. Doch diese Schwierigkeiten verschwanden unter den Händen von Frau Dulcken, deren Kraft, insbesondere in der linken Hand, es ihr ermöglichte, den Obligatopassagen überraschende Brillanz zu verleihen.“; „The Times“ vom 3. Mai 1836, S. 5) Ein Jahr später waren neben erstrangigen Sängerinnen und Sängern, darunter Henriette Schröder-Devrient, auch der Concertina-Spieler Giulio Regondi, der Harfenist und Komponist Théodore Labarre, der Geiger Leopold Ganz und der Violoncellist Moritz Ganz beteiligt; dirigiert wurde das Konzert von Sir Michael Costa, und Louise Dulcken spielte u. a. Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert g-Moll op. 25 (vgl. „The Times“ vom 23. Mai 1837, S. 5; vom 27. Mai 1837, S. 5) Im Juni 1843 fand das Konzert in „Her Majesty’s Theatre“ unter Mitwirkung des Pianisten Alexander Dreyschock und den Sängerinnen und Sängern der Italienischen Oper statt. Louise Dulcken präsentierte dabei nochmals Frédéric Chopins Klavierkonzert f-Moll op. 21, das sie wenige Wochen zuvor in den Philharmonic Concerts gespielt hatte: „Madame Dulcken’s first performance was Chopin’s grand concerto in F minor, which she executed in a delightful manner, giving the soft, gliding harmony, melting, as it were, into a sustained melody, which forms one of the characteristic beauties of the composer, with admirable smoothness and expression, and showing off the original and difficult combinations with which the piece abounds with perfect facility and truthful accentuation. In the ‚Serenade Venitienne,’ composed by Czerny, on the theme of ‚O pescator dell’onde’, for two pianofortes, with parts of soprano, tenor, and bass voices, Madame Dulcken and Dreyschock combined their qualities most happily; the energy and power of the one, with the softness and less violent brilliancy of the other, producing a charming effect. [...] The room was crowded with a distinguished and fashionable audience.“ („Frau Dulckens erste Aufführung war Chopins großes Konzert in f-Moll, das sie in einer entzückenden Weise ausführte, indem sie die sanften, gleitenden Harmonien mit bewundernswerter Gewandtheit und Ausdruck sozusagen in eine fortwährende Melodie zusammenschmelzen ließ, wie sie eine der charakteristischen Prachtstücke des Komponisten darstellt, und indem sie die originellen und schwierigen Kombinationen, von denen das Stück wimmelt, mit perfekter Leichtigkeit und wahrhafter Akzentuierung ausführte. In der ‚Serenade Venitienne’, komponiert von Czerny, auf das Thema von ‚O pescator dell’onde’ für zwei Klaviere mit Gesangsstimmen für Sopran, Tenor und Bass kombinierten Frau Dulcken und Dreyschock ihre Qualitäten äußerst glücklich; die Energie und Kraft der einen, zusammen mit der Zartheit und weniger heftigen Brillanz des anderen erzeugten einen reizenden Effekt. […] Der Raum war gefüllt mit einem illustren und eleganten Publikum.“; „The Times“ vom 6. Juni 1843, S. 5) Im darauffolgenden Jahr zählten Felix Mendelssohn Bartholdy als Pianist, die Geiger Heinrich Wilhelm Ernst und Camillo Sivori, der Harfenist Elias Parish Alvars und der Violoncellist Jacques Offenbach zu den Gästen. Louise Dulcken spielte das Klavierkonzert Es-Dur op. 32 von Carl Maria von Weber sowie – gemeinsam mit Felix Mendelssohn Bartholdy – ein Duo für zwei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart: „Madame Dulcken’s Concert. This concert, which ist always one of the great affairs of the season, took place Monday morning, when the Opera Concert-room was crowded in every part by a most fashionable audience. The programme was one of more than usual bulk [...]. The executants were, however, all of first-rate order, and the selection was extremely judicious, comprising almost entirely comparative novelty. Of the performances of Madame Dulcken the most striking were the concerto in E flat of Weber, and the duet of Mozart for two pianos, of which one was played by Mendelssohn. The latter was perhaps the greatest treat of the concert, both pianists vieing with each other in giving the most exquisite softness and elegance of expression to the graceful inspirations of Mozart.“ („Frau Dulckens Konzert. Dieses Konzert, das immer zu den großartigen Ereignissen der Saison gehört, fand am Montagmorgen im Konzertraum der Oper statt, der bis in die letzte Ecke mit einem höchst eleganten Publikum gefüllt war. Das Programm war eines, das mehr als die gewöhnliche Masse bot […]. Die Ausführenden waren jedenfalls alle von höchster Güte, und die Auswahl war überaus verständig und umfasste fast vollständig Neuheiten. Von Frau Dulckens Aufführungen waren das Es-Dur-Konzert von Weber und das Duett für zwei Klaviere von Mozart, von denen eines von Mendelssohn gespielt wurde, die beachtlichsten. Letzteres war vielleicht der größte Genuss des Konzerts, da beide Pianisten miteinander darum wetteiferten, den anmutigen Eingebungen Mozarts die außerordentlichste Zartheit und Eleganz des Ausdrucks zu verleihen.“; „The Times“ vom 12. Juni 1844, S. 7) Eine Rezension der „Musical World“ des Jahreskonzertes von 1845, bei dem Julius Benedict die musikalische Leitung übernommen hatte, hob nochmals die große Bedeutung von Louise Dulckens öffentlichen Konzertes hervor: „Madame Dulcken’s Concert, which emulating its accustomed splendour, combined all the attractions, instrumental and vocal, of the season. Grisi, Brambilla, Castellan, Lablache, Mario, Fornasari, Moriani, Corelli, Brizzi, F. Lablache, and all the stars of the Italian opera. [...] And then, ‚the instrumental’ was equally overpowering – Camillo Sivori, with his magical bow, and his violin with a soul in it – Leopold de Meyer, ‚the lion,’ with his ‚hundred fingers,’ so nobly apostrophized by our eloquent contributor, Charles Rosenberg – Edouard Meyer and Lazarus with their mellifluous clarionets – the Distins with their clanging saxhorns – and though last not by any means least, the charming, the amiable, the accomplished, the brilliant Madame Dulcken – Louise Dulcken – the fair concert-giver herself – made a galaxy of instrumental brightness, rarely equalled, impossible to outshine. [...] We must, however, offer our warm praise to madame Dulcken, first for introducing, second for playing so superbly, the magnificent sonata apassionata in F minor of the mighty Beethoven. Madame Dulcken is one of the few who, surrounded by an audience of aristocrats and fashionables, dare to regale them with a sonata – and such a sonata! Honor and glory to our charming pianist, whose soul is full to the brim of music, and who takes every occasion to uphold it in her career of artist! [...] The conductor of this dazzling concert, which took place on Friday Morning, June 6, was the gifted and amiable Benedict.“ („Frau Dulckens Konzert, der gewohnten Pracht nacheifernd, kombinierte all die instrumentalen und vokalen Stars der Saison. Grisi, Brambilla, Castellan, Lablache, Mario, Fornasari, Moriani, Corelli, Brizzi, F. Lablache und all die Stars der italienischen Oper. […] Und dann war das Instrumentale gleichermaßen überwältigend – Camillo Sivori mit seinem magischen Bogen und seiner Violine, die eine Seele in sich trägt, – Leopold de Meyer, ‚der Löwe’ mit seinen ‚hundert Fingern’, so vornehm bezeichnet von unserem eloquenten Mitarbeiter Charles Rosenberg – Edouard Meyer und Lazarus mit ihren lieblichen Klarinetten – die Distins mit ihren dröhnenden Saxhörnern – und keineswegs zuletzt die reizende, die liebenswürdige, die vollendete, die brillante Frau Dulcken – Louise Dulcken – die gute Konzertgeberin selbst – erschuf eine ganze Galaxie von instrumentalem Glanz, selten erreicht, unmöglich zu überstrahlen. […] Wir müssen Frau Dulcken jedenfalls unser wärmstes Lob aussprechen, erstens für ihren Einsatz und zweitens dafür, dass sie so ausgezeichnet die herrliche ‚Appassionata’ in f-Moll des gewaltigen Beethoven gespielt hat. Frau Dulcken ist eine der wenigen, die es wagt ein Publikum aus Aristokratie und Schickeria mit einer Sonate zu erfreuen – und zwar mit solch einer Sonate! Ehre und Ruhm unserer entzückenden Pianistin, deren Seele bis zum Rand gefüllt ist mit Musik, und die jede Gelegenheit wahrnimmt, dies in ihrer Künstlerkarriere zu erhalten! […] Der Dirigent dieses strahlenden Konzerts, das am Freitagmorgen, dem 6. Juni, stattfand, war der begabte und liebenswürdige Benedict.“; „The Musical World“ vom 10. Juli 1845, S. 327f.)


    Parallel zu den großen öffentlichen Konzerten veranstaltete Louise Dulcken regelmäßig kleinere Abende in ihren privaten Räumen und stellte diese auch anderen Musikerinnen und Musikern für ihre Konzerte zur Verfügung. So fand z. B. im Juli 1834 in Louise Dulckens Haus in der Londoner Edward Street ein Konzert der Harfenistin Aline Bertrand statt, wie die „Times“ berichtete: „Mademoiselle Bertrand’s Soiree Musicale. – Yesterday evening a soiree musicale was given by mademoiselle Bertrand at the house of Madame Dulcken, in Edward-street, Portman-square. [...] The room in which the concert was given was completely crowded, and the performances were of a character to repay their attendance and attention. A fantasia on the pianoforte by Madame Dulcken was given with great power of execution, and called forth the reiterated applause of the audience. This was followed by a fantasia on the harp, in which Mademoiselle Bertrand displayed that surprising rapidity and accuracy of execution of which she is so justly celebrated on this instrument.“ („Fräulein Bertrands Soirée Musicale. – Gestern Abend gab Fräulein Bertrand eine Sorée Musicale im Haus von Frau Dulcken, in der Edward Street am Portman Square. […] Der Raum, in dem das Konzert gegeben wurde, war vollständig gefüllt, und die Aufführung war von einer Art und Weise, dass sie die Anwesenheit und Aufmerksamkeit lohnten. Eine Fantasie für Klavier von Frau Dulcken wurde mit großartiger Ausführungskraft gegeben und durch den dauernden Applaus des Publikums als Zugabe gefordert. Hierauf folgte eine Fantasie auf der Harfe, in der Fräulein Bertrand jene überraschende Schnelligkeit und Präzision in der Ausführung zeigte, für die sie zu Recht an ihrem Instrument gefeiert wird.“; „The Times“ vom 15. Juli 1834, S. 2) Ab 1844 veranstaltete Louise Dulcken zudem selbst größere Soiréen in ihrem Haus – mittlerweile in der Londoner Harley Street –, deren Programme vorwiegend kammermusikalischen Werken des klassisch-romantischen Repertoires gewidmet waren. So berichtete die „Times“ im November 1844 von einer drei Abende umfassenden Soirée-Reihe: „The first of a series of three musical soirées, to be held at the residence of Madame Dulcken, in harley-street, and to consist chiefly of quartets and pianoforte compositions, was given last night.“ („Die erste eine Reihe von drei musikalischen Soiréen, die in der Residenz von Frau Dulcken in der Harley Street abgehalten werden und hauptsächlich aus Quartetten und Klavierkompositionen bestehen, wurde gestern Abend gegeben.“; „The Times“ vom 21. November 1844, S. 5) Auf dem Programm des Abends standen Joseph Haydns Streichquartett G-Dur op. 77 Nr. 1 und Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquintett A-Dur op. 18, ferner Ludwig van Beethovens Klaviersonate C-Dur op. 2 Nr. 3, Johann Nepomuk Hummels Klaviertrio E-Dur op. 12, eine Fantasie über schwedische Volkslieder für Klavier und Streicher von Ferdinand Ries sowie eine Nocturne und die Tarantelle op. 43 von Frédéric Chopin. Auf dem Programm der zweiten Soirée im Dezember standen Ludwig van Beethovens Klaviersonate f-Moll op. 57 („Appassionata“), eines der Streichquartette von Ferdinand Ries, Ludwig van Beethovens Klavierquintett für Klavier und Bläser Es-Dur op. 16 sowie eines der Klavierquartette Felix Mendelssohn Bartholdys (vgl. „The Times vom 20. Dezember 1844, S. 4; s. a. „The Times“ vom 28. Februar 1845, S. 6). Im Winter 1846/47 setzte Louise Dulcken ihre Kammermusik-Soiréen fort (vgl. u. a. „The Times“ vom 26. Februar 1847, S. 3).


    Auch nach ihrer Heirat unternahm Louise Dulcken zahlreiche Konzertreisen, u. a. durch Deutschland, Lettland und Russland. So konzertierte sie z. B. im September 1833 in Bremen, wo sie die Klavierkonzerte von Johann Nepomuk Hummel (As-Dur op. 113) und Felix Mendelssohn Bartholdy (g-Moll op. 25) sowie Variationen von Friedrich Kalkbrenner über Themen aus Bellinis Oper „Les Pirates“ spielte: „Am 28. September hatten wir in Bremen das Vergnügen, die berühmte Mad. Louise Dulcken, Pianistinn der Herzoginn von Kent, in einem für sie auf ihrer Durchreise von London nach Petersburg, veranstalteten Concert in drey Piecen [...] zu hören. Dieser treffliche Künstlerinn, bey der man zweifelhaft ist, ob man mehr die Überwindung der größten Schwierigkeiten, oder die vollendetste Fertigkeit ihres eleganten Vortrags bewundern soll, spielte wie immer und überall, wo sie sich hören ließ, hinreißend schön. Jede Note wurde klar vernehmbar, so rasch auch die Finger durch die Saiten meisterten; wir erinnern uns hierbey Schiller’s ‚Laura,’ auch zugleich noch der Wirbelgänge Moscheles, doch müssen wir der Mad. Dulcken den Ehrenplatz einräumen, weil ihr Spiel weibliche Zartheit mit männlicher Kraft zu vereinen weiß. Der Ruf, welcher dieser liebenswürdigen Lehrerinn der jungen Thronerbinn Großbritanniens vorhergegangen war, hatte den großen Concertsaal so übermäßig angefüllt, daß mehrere sich mit Stehplätzen im Corridor begnügten.“ („Allgemeiner musikalischer Anzeiger“ vom 7. November 1833, S. 178) Im Winter 1833/34 konzertierte Louise Dulcken in Russland, u. a. in St. Petersburg, wie die „Allgemeine musikalische Zeitung“ berichtete: „Petersburg. [...] Mad. Louise Dulcken, bekannte Pianoforte-Virtuosin, hat hier mit vielem Beyfalle Concerte gegeben und ist von Ihrer Maj. der Kaiserin mit einem kostbaren Brillantschmucke beschenkt worden.“ („Allgemeine musikalische Zeitung“ vom März 1834, Sp. 193). Am 24. und 27. Februar 1834 trat sie gemeinsam mit ihrem Bruder Ferdinand David im Rigaer „Schwarzhäupter“ sowie im dortigen Theater auf (vgl. Rudolph 1890) und reiste anschließend weiter nach Berlin, wo sie von Ende März bis Anfang April Fanny und Wilhelm Hensel besuchte und dort in privatem Kreis u. a. Carl Maria von Webers Konzertstück f-Moll op. 79 sowie Felix Mendelssohns Klavierkonzert g-Moll op. 25 vortrug (vgl. Tagebucheintrag von Fanny Hensel vom 9. April 1834, in: Hensel 2002, S. 53f.). Am 4. Oktober 1846 konzertierte Louise Dulcken in den Abonnenten-Konzerten des Leipziger Gewandhauses unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy und trat dort mit dessen Klavierkonzert d-Moll op. 40 auf, das sie bereits 1838 kurz nach der Uraufführung in London präsentiert hatte (vgl. Hellmundt 2004, S. XXI). Im Februar 1847 spielte sie das Konzert in Dublin. Die Rezensionen zu dieser Aufführung verweisen einheitlich auf eine Kadenz, die Felix Mendelssohn Bartholdy eigens für Louise Dulcken geschrieben haben soll, wie „The Musical Times“ berichtete: „We understand that Madam Dulcken has just received a new Cadenza, full of new and beautiful passages, for Dr. Mendelssohn’s Second Concerto in D minor, written expressly for her by the Author, and which will be performed for the first time at the Philharmonic Concert, in Dublin.“ („Wir wissen, dass Frau Dulcken gerade eine neue Kadenz voller neuer und wundervoller Passagen für Dr. Mendelssohns zweites Konzert in d-Moll erhalten hat, die der Autor ausdrücklich für sie geschrieben hat und die erstmalig beim Philharmonic Concert in Dublin aufgeführt werden wird.“; „The Musical Times“ vom 1. März 1847, S. 79; s. a. Hellmundt 2004, S. XXI) Die Kadenz gilt als verschollen (vgl. Hellmundt 2004, S. XXI).

    Spätestens ab Anfang der 1840er Jahre bis zu ihrem Tod führte Louise Dulcken in ihrem Haus in der Somerset Street, Portman Square, eine eigene „Academy for Young Pianoforte Players“. Der Unterricht fand jeweils dienstags und freitags am Nachmittag statt, wie aus zwei Anzeigen in der „Times“ vom Januar 1843 und vom Januar 1850 hervorgeht, und wurde von mehreren Assistentinnen begleitet. Im Jahr 1843 assistierten ihr ihre jüngere Schwester Therese David (ab 1845 verh. Therese Meyer) sowie Caroline Orger, die spätere Komponistin und Pianistin Caroline Reinagle: „Madame Dulcken, pianiste to Her Majesty, begs to inform the nobility and gentry that her Academy for young pianoforte players has recommenced, and will be held on Tuesdays and Fridays, at 2 o’clock, at Madame Dulcken’s residence. Madame Dulcken will be assisted by her sister, Mdlle. David, the Misses Pooley, Orger, &c. [...] Madame Dulcken’s, 8, Somerset-street, Portman-square.“ („Frau Dulcken, königliche Pianistin, bittet darum, den Adel und die vornehmen Leute darüber zu informieren, dass ihre Akademie für junge Pianisten wieder begonnen hat und jeweils dienstags und freitags um 2 Uhr in Frau Dulckens Residenz abgehalten wird. Frau Dulcken wird von ihrer Schwester, Fräulein David, und den Fräulein Pooley, Orger etc. unterstützt. […] Frau Dulcken, 8, Somerset Street, Portman Square.“; „The Times“ vom 18. Januar 1843, S. 3) Im Januar 1850 – Louise Dulcken wohnte mittlerweile in 80, Harley-Street – gehörten zu den Lehrerinnen der Academy die Pianistinnen und Komponistinnen Kate Loder und Louise Bendixen (vgl. „The Times“ vom 10. Januar 1850, S. 10).


    In der British Library sind zwei Drucke mit Kompositionen von Louise Dulcken erhalten, ein „2nd Set of Six Waltzes and Trios for the Piano Forte“ (London: Mori and Lavenu, ca. 1830), dessen „1st set“ verschollen ist, sowie „Valses de la Cour for the Piano Forte“ (London: Chas. Ollivier, ca. 1838). Zu vermuten ist, dass Louise Dulcken weitaus mehr an Kompositionen, u. a. für ihre eigenen Konzerte, geschrieben hat.


    Louise Dulcken starb am 12. April 1850 im Alter von 39 Jahren in London an den Folgen eines Abzesses.


    Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde Louise Dulcken posthum sowohl im antisemitischen „Semi-Kürschner“ von 1917 als auch in den beiden antisemitischen Lexika der NS-Zeit diffamiert (Semi-Kürschner 1917; Brückner/Rock 1938; Stengel/Gerigk 1940).

    Würdigung

    Louise Dulcken prägte als Pianistin und Musikpädagogin das internationale Musikleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wesentlich mit. Gemeinsam mit der Pianistin Lucy Anderson (1797-1878) gilt sie bis heute als jene Musikerin, die als Vorbild zahlreichen Frauen den Weg in eine professionelle Laufbahn ebnete.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Die Kompositionen von Louise Dulcken sind vermutlich größtenteils verschollen. Erhalten sind lediglich zwei Drucke:


    2nd Set of Six Waltzes and Trios for the Piano Forte. London: Mori and Lavenu, ca. 1830 (British Library; „1st set“ verschollen)


    Valses de la Cour for the Piano Forte. London: Chas. Ollivier, ca. 1838 (British Library).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Louise Dulcken kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Kompositionen:


    Alvars, Elias Parish. Klavierkonzert (Uraufführung 1846 aus dem Manuskript)


    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert c-Moll op. 37

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate C-Dur op. 2 Nr. 3

    Beethoven, Ludwig van. Klaviersonate f-Moll op. 57 („Appassionata“)

    Beethoven, Ludwig van. Klavierquintett für Klavier und Bläser Es-Dur op. 16


    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert f-Moll op. 21 (u. a. die englische Erstaufführung)

    Chopin, Frédéric. Nocturne (keine Präzisierung möglich)

    Chopin, Frédéric. Tarantelle op. 43


    Czerny, Carl. Klavierkonzert (keine Präzisierung möglich)


    Haydn, Joseph. Streichquartett G-Dur op. 77 Nr. 1


    Herz, Henri. Klavierkonzert (vermutlich das 1. Klavierkonzert op. 34)


    Hummel, Johann Nepomuk. Klavierkonzert a-Moll op. 85

    Hummel, Johann Nepomuk. Sextett (keine Präzisierung möglich; möglicherweise eines der Septette)

    Hummel, Johann Nepomuk. Klaviertrio E-Dur op. 12

    Hummel, Johann Nepomuk. Klavierkonzert As-Dur op. 113


    Kalkbrenner, Friedrich. Fantasie für Klavier und Orchester (keine Präzisierung möglich)

    Kalkbrenner, Friedrich. Variationen über Themen aus Bellinis Oper „Les Pirates“


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert d-Moll op. 40

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierkonzert g-Moll op. 25

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Streichquintett A-Dur op. 18

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klavierquartett (keine Präzisierung möglich)


    Moscheles, Ignaz. Fantaisie et Variations sur l’air favori „Au clair de la lune“ A-Dur op. 50 für Klavier und Orchester

    Moscheles, Ignaz. Klavierkonzert g-Moll op. 60

    Moscheles, Ignaz/Lafont, Charles Philippe. Grand Potpourri concertant pour Pianoforte et Violon op. 59

    Moscheles, Ignaz. Souvenirs d’Irlande op. 69


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Duo für zwei Klaviere (keine Präzisierung möglich)


    Ries, Ferdinand. Fantasie für Klavier und Streicher über schwedische Volkslieder

    Ries, Ferdinand. Streichquartett (keine Präzisierung möglich)


    Spohr, Louis. Potpourri für Violine und Klavier (keine Präzisierung möglich)

    Spohr, Louis. Quintett für Klavier und Bläser c-Moll op. 52


    Weber, Carl Maria von. Konzertstück f-Moll op. 79,

    Weber, Carl Maria von. Klavierkonzert Es-Dur op. 32


    Worzischek, Jan Hugo. Concertante für Violoncello und Klavier (keine Präzisierung möglich; ev. das Rondo op. 2)

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Dulcken, Madame Louise“. In: A dictionary of music and musicians, hg. v. George Grove, 4 Bde., London: Macmillan, 1879 und nachfolgende Auflagen (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dulcken (Mad.)“. In: A handbook of musical biography, hg. v. David Baptie, 2. Auflage, London 1887 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dulcken, [...] Louise“. In: A dictionary of pianists, hg. v. E. Pauer, 1896 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dulcken, Mad. Luise“. In: Moritz Rudolph. Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon nebst Geschichte des Rigaer Theaters und der Musikalischen Gesellschaft, Riga 1890 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dulcken, Luise“. In: Hugo Riemann: Musiklexikon, 11. Aufl., bearb. von Alfred Einstein, 1929 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Dulcken, [...] Louise“: In: The Palgrave Dictionary of Anglo-Jewish History, hg. v. William D. Rubinstein, Michael Jolles, Hilary L. Rubinstein, Houndmills: Palgrave Macmillan, 2011.


    Artikel „Dulcken [David], (Marie) Louise“. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2. Ausgabe, hg. v. Stanley Sadie, London: Macmillan, 2001, Bd. 7, S. 691.


    Dörffel, Alfred. Geschichte der Gewandhausconcerte zu Leipzig vom 25. November 1781 bis 25. November 1881. Leipzig: Concert-Direction Gewandhaus, 1884.


    Eintrag „David, Louise“. In: Semi-Kürschner oder Literarisches Lexikon der Schriftsteller, Dichter, Bankiers, Geldleute, Ärzte, Schauspieler ... jüdischer Rasse und Versippung, die von 1813-1913 in Deutschland tätig und bekannt waren, hg. v. Philipp Stauff, Berlin: Selbstverlag, 1917 (antisemitisches Nachschlagewerk; vorh. in wbis – world biographical information system).


    Eintrag „David, Luise“. In: Hans Brückner/Christa Maria Rock: Judentum und Musik. Mit dem ABC jüdischer und nichtarischer Musikbeflissener, 3. Aufl., München: Brückner, 1938 (antisemitisches NS-Nachschlagewerk; vorh. in wbis – world biographical information system).


    Eintrag „Dulken, Luise“. In: Lexikon der Juden in der Musik. Mit einem Titelverzeichnis jüdischer Werke, hg. v. Theo Stengel und Herbert Gerigk, Berlin: Hahnefeld, 1940 (antisemitisches NS-Nachschlagewerk; vorh. in wbis – world biographical information system).


    Hellmundt, Christoph. Einleitung. In: Felix Mendelssohn Bartholdy. Konzert Nr. 2 für Klavier und Orchester d-Moll op. 40 (= Leipziger Ausgabe der Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy II, 3), hg. von Christoph Hellmundt. Wiesbaden, Leipzig, Paris 2004, S. XII-XXIII.


    Hensel, Fanny. Tagebücher, hg. v. Hans-Günter Klein und Rudolf Elvers. Wiesbaden, Leipzig, Paris: Breitkopf & Härtel, 2002.


    Herold, Anja: Artikel „Dulcken, Familie“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker Instituts, hg. v. Freia Hoffmann, http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 5. Dezember 2012).


    Kohut, Adolph. Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit: Lebens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Leipzig: Payne, ca. 1900f., 2 Bde, Bd. II, S. 400f.


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Sämtliche Briefe, hg. v. Helmut Loos und Wilhelm Seidel. Kassel, Basel etc.: Bärenreiter, 2008 ff. (bislang erschienen: Bde 1-6).


    [Peregrinus]: Frau Louise Dulcken. In: Neue Zeitschrift für Musik vom 9. November 1838, S. 152.



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Allgemeine musikalische Zeitung vom 22. Juli 1824, Sp. 484f.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom 22. März 1826, Sp. 201f.

    Allgemeiner musikalischer Anzeiger vom 7. November 1833, S. 178.

    Allgemeine musikalische Zeitung vom März 1834, Sp. 193.


    The Musical World vom 10. Juli 1845, S. 327f.


    The Musical Times vom 1. März 1847, S. 79.


    The Times vom 9. Juli 1829, S. 2.

    The Times vom 3. März 1830, S. 4.

    The Times vom 15. Juli 1834, S. 2.

    The Times vom 3. Mai 1836, S. 5.

    The Times vom 23. Mai 1837, S. 5.

    The Times vom 27. Mai 1837, S. 5.

    The Times vom 2. März 1841, S. 6.

    The Times vom 18. Januar 1843, S. 3.

    The Times vom 4. April 1843, S. 4.

    The Times vom 6. Juni 1843, S. 5.

    The Times vom 12. Juni 1844, S. 7.

    The Times vom 21. November 1844, S. 5.

    The Times vom 20. Dezember 1844, S. 4.

    The Times vom 28. Februar 1845, S. 6.

    The Times vom 16. Juni 1846, S. 8.

    The Times vom 26. Februar 1847, S. 3.

    The Times vom 11. April 1848, S. 8.

    The Times vom 12. Juni 1849, S. 8.

    The Times vom 10. Januar 1850, S. 10.



    Links


    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 20. Januar 2013)

    Das Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker-Instituts stellt einen Artikel über Louise Dulcken von Anja Herold online zur Verfügung.


    http://www.npg.org.uk/collections/search/person/mp70654/maria-louise-dulcken?search=sas&sText=Louise+Dulcken&OConly=true (Stand: 20. Januar 2013)

    In der Londoner „National Portrait Gallery“ ist eine Lithographie von Louise Dulcken aus dem Jahr 1836 von Richard James Lane erhalten.


    http://www.concertprogrammes.org.uk/html/search/verb/GetRecord/5153 (Stand: 20. Januar 2013)

    Die britische Concert Programmes Database verweist auf mehrere erhaltene Konzertprogramme von Louise Dulcken.

    Forschung

    Zu Louise Dulcken liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Louise Dulcken umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten, ihren Schülerinnen- und Schülerkreis sowie ihre zahlreichen künstlerischen und privaten Kontakte.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 161734683
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    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Louise Dulcken“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Louise_Dulcken