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  • Louise Damcke

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Louise Damcke
    Geburtsname: Louise van Feygine
    Varianten: Louise Feygine, Louise Feyghin, Louise Louise van Damcke, Louise Louise van Feygine, Louise Louise van Feyghin
    Lebensdaten:
    geb. um in Brüssel,
    gest. in Paris,

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „[...] die Gattin D.[amckes]’s, eine geborene v. Feyglin, ist eine treffliche Pianistin und geschmackvolle Componistin von Klaviersachen und Liedern.“


    (Artikel „Damcke, Berthold“. In: Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, hg. v. Hermann Mendel und August Reissman. Bd. 3, Berlin 1873. S. 62.)


    Profil

    Die Pianistin und Komponistin Louise Damcke wurde von Adolph Henselt im Fach Klavier ausgebildet. 1854 heiratete sie den Komponisten, Dirigenten und Musikkritiker Berthold Damcke und ließ sich gemeinsam mit ihrem Mann Ende der 1850er Jahre in Paris nieder. Dort führte das Ehepaar ein offenes Haus, in dem u. a. Hector Berlioz, Giacomo Meyerbeer, Pauline Viardot, Stephan Heller und zahlreiche weitere Musikerinnen und Musiker regelmäßig verkehrten.

    Von Louise Damcke erschienen ab Anfang der 1860er Jahre mehrere Kompositionen in verschiedenen Verlagen, u. a. bei Kistner in Leipzig, A. Brauer in Dresden und Ashdown in London.

    Orte und Länder

    Louise Damcke wurde in Brüssel geboren. Als Kind zog sie mit ihrer Familie nach Sankt Petersburg, wo sie aufwuchs und ihre musikalische Ausbildung erhielt. Im Jahr 1854 heiratete sie den Komponisten, Dirigenten und Musikkritiker Berthold Damcke; das Ehepaar lebte zunächst in Frankfurt a. M., ab 1855 in Brüssel und ließ sich schließlich 1859 endgültig in Paris nieder; die Zeit des deutsch-französischen Krieges 1870/71 verbrachten Louise Damcke und ihr Mann in der Gegend von Lugano in der Schweiz.

    Biografie

    Louise Damcke wurde ca. 1827 als Louise von Feygine in Brüssel geboren. Sie war die Tochter des Kommerzienrats Léopold Eléazar Feygine und seiner Frau Henriette Feygine, einer Gutsbesitzerin. Das Ehepaar hatte insgesamt acht Kinder, von denen Louise Damcke die drittälteste der Geschwister war (vgl. Haine 1996, S. 18). Die Familie lebte aus beruflichen Gründen überwiegend in Sankt Petersburg, wo Louise Damcke eine fundierte musikalische Ausbildung als Pianistin erhielt, u. a. bei dem Klavierpädagogen und Pianisten Adolph Henselt. Die Familie Feygine zählte in Sankt Petersburg zudem zu jenen offenen Häusern, in denen Musikerinnen und Musiker aus ganz Europa ein- und ausgingen und die zudem im Mäzenatentum von Sankt Petersburg eine wesentliche Rolle spielten (vgl. Bibesco 1894, S. 53f.).


    Am 30. April 1854 heiratete Louise Damcke den Komponisten, Dirigenten und Musikkritiker Berthold Damcke (1812-1875) in Brüssel; zu den Trauzeugen gehörten ihr Schwager, der Violoncellist Adrien-François Servais, der Klarinettist Joseph Blaes, der Geiger Hubert Léonard und der Komponist Ferdinand Kufferath (vgl. Haine 1996, S. 28). Das Ehepaar kannte sich bereits aus Sankt Petersburg, wo Berthold Damcke von 1845 an gelebt hatte. Nach der Heirat wohnten Louise und Berthold Damcke zunächst in Frankfurt a. M. und ab 1855 in Brüssel; im Jahr 1859 ließen sie sich endgültig in Paris nieder (vgl. Bibesco 1894, S. 54f. und passim).


    In Paris wurde das Haus von Louise und Berthold Damcke zu einem der wichtigsten Zentren des musikalischen Lebens. Dabei trat vor allem auch Louise Damcke als Förderin in den Vordergrund. Zum engeren Freundeskreis des Ehepaares gehörten die Komponisten Giacomo Meyerbeer und Hector Berlioz, der Violoncellist Adrien-François Servais, die Sängerin Pauline Viardot, der Pianist und Komponist Stephen Heller, die Musikerpaare Marie und Alfred Jaëll sowie Louise und Lambert Massart. Hinzu kamen reisende Musikerinnen und Musiker, die im Haus der Familie Damcke zu hören waren, u. a. Joseph Joachim, Clara Schumann, Ignaz Moscheles und Anton Rubinstein (vgl. Eigeldinger 1981, S. 16). In seine Memoiren integrierte Hector Berlioz einen Brief, vom 19. Dezember 1864 an eine Mme F***, in dem er die Atmosphäre im Haus Damcke folgendermaßen beschrieb: „Wenn ich nicht ganz so leidend bin und mir nur die Gesellschaft von ein paar Freunden fehlt, besuche ich eine benachbarte Familie, die von Monsieur Damcke, einem sehr verdienstvollen deutschen Komponisten und gelehrten Professor, dessen Frau von einer engelhaften Güte ist; zwei Herzen aus Gold. Je nachdem, welcher Stimmung ich bin, plaudern wir oder machen Musik; oder aber man schiebt ein großes Sofa vor das Feuer, wo ich dann den ganzen Abend lang liegen bleibe, stumm in meine bitteren Grübeleien versunken.“ (Berlioz 2007, S. 616) Stephen Heller widmete Louise Damcke u. a. seine „Vier Phantasie-Stücke“ op. 99 aus dem Jahr 1861, die „Deux Morceaux pour un album“ op. 110 von 1863, „Deux Impromptus“ op. 129 von 1872 sowie das erste der „Trois Feuillets d’album“ op. 157/1 von 1884 (vgl. Eigeldinger 1881, S. 234). Während der Kriegszeit 1870/71 ließ sich das Ehepaar Damcke gemeinsam mit Stephen Heller in der Nähe von Lugano in der Schweiz nieder, wo sie u. a. auf das Musikerpaar Marie und Alfred Jaëll trafen (vgl. Eigeldinger 1881, S. 232).


    Zwischen 1862 und den 1890er Jahren erschienen mehrere Kompositionen Louise Damckes in verschiedenen Verlagen, darunter zwei Nocturnes für Klavier bei Kistner in Leipzig und Ashdown in London sowie mehrere Salonstücke, eine Zigeuner-Caprice für Klavier und Sechs kleine Klavierstücke bei A. Brauer in Dresden.


    Auch nach dem Tod ihres Mannes 1875 blieb Louise Damcke als Förderin und Vertraute von Musikerinnen und Musikern im internationalen Musikleben präsent. Als der Pianist und Dirigent Sir Charles Hallé im Sommer 1885 nach Paris kam, gehörte er ebenfalls zu den Gästen des Hauses Louise Damckes. Nach seiner Abreise schrieb ihm Stephen Heller am 30. September 1885: „Ton séjour a été une vraie joie pour moi; l’amitié, l’affection et la satisfaction de l’artiste ont également trouvé leur compte. Tout ce que tu nous as fait entendre, à moi et à madame D[amcke] reste dans nos souvenirs comme une des plus parfaites manifestations d’un art accompli. Mme D[amcke] en parle à tout le monde.“ („Dein Aufenthalt war eine wahrhaftige Freude für mich; Freundschaft, Begeisterung und künstlerische Befriedigung, allem wurde gleichermaßen Rechnung getragen. Alles was Du uns zu hören gabst, mir und Mme D[amcke], bleibt uns als eine der perfektesten Darstellungen einer vollendeten Kunst in Erinnerung. Mme D[amcke] erzählt Allen davon.“; zit. n. Eigeldinger 1981, S. 273f.)


    Louise Damcke starb am 8. Juni 1897 in Paris (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juli 1897, S. 482).

    Würdigung

    Obwohl Louise Damcke ihr Leben in erster Linie an der Seite ihres Mannes verbrachte, wurde sie von den Zeitgenossen als eigenständige Musikerin und Komponistin wahrgenommen. So hieß es z. B. 1873 im von Hermann Mendel und August Reissmann herausgegebenen „Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften“: „Auch die Gattin D.[amckes]’s, eine geborene v. Feyglin, ist eine treffliche Pianistin und geschmackvolle Componistin von Klaviersachen und Liedern.“ (Mendel 1873, S. 62) Im Jahr 1888 widmete ihr Alfred Michaelis einen eigenen Artikel in seinem Lexikon „Frauen als schaffende Tonkünstler“ (Michaelis, 1888). Noch deutlicher bestimmte ein Nachruf in der „Musical Times“ die Bedeutung Louise Damckes: „Madame Damcke died in Paris, on the 8th ult. at the age of seventy. An excellent pianist, a former pupil of Henselt, Madame Damcke had, during the lifetime of her husband, one of the most artistic salons in the French capital. Berlioz, Rubinstein, and Stephen Heller were intimate friends of the house, and all the most noted men in the musical world took part in its réunions. Even to the last her house remained an important musical centre. She was a sister-in-law of the celebrated Servais, and consequently the aunt of the composer Franz Servais.“ (Madame Damcke starb im Alter von siebzig Jahren am 8. vergangenen Monats in Paris. Als eine hervorragende Pianistin und ehemalige Schülerin von Henselt, führte Madame Damcke zu Lebzeiten ihres Mannes einen der künstlerischsten Salons in der französischen Hauptstadt. Berlioz, Rubinstein und Stephen Heller waren enge Freunde des Hauses und die bekanntesten Menschen der Musikwelt nahmen an den Treffen teil. Selbst bis zuletzt blieb ihr Haus ein wichtiges musikalisches Zentrum. Sie war eine Schwägerin des bekannten Servais und folglich die Tante des Komponisten Franz Servais.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1897, S. 482)

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Louise Damckes werden derzeit nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. den Abschnitt „Biografie“).

    Werkverzeichnis

    Von Louise Damcke sind nur wenige Kompositionen bekannt. Die Werkliste wurde nach der Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts aufbereitet sind, nach Michaelis 1888 sowie nach Pazdírek 1904ff. zusammengestellt. Die Zählung der Opera weist Lücken auf:


    Nocturne für Klavier op. 1, Leipzig: Kistner, Mai 1862; auch: London: E. Ashdown, 1862.


    Nocturne Nr. 2 für Klavier op. 2, London: E. Ashdown, 1890.


    Zigeuner-Caprice für Klavier op. 5, Dresden: A. Brauer, o. J.


    Sechs kleine Klavierstücke op. 6, Dresden: A. Brauer, o. J.


    Mehrere Salonstücke, Dresden, A. Brauer


    Lieder (erwähnt in Mendel 1873, S. 62; keine näheren Angaben bekannt)

    Quellen

    Literatur:


    Artikel „Damcke, Berthold“. In: Hermann Mendel; August Reissman (Hg.), Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Dritter Band. Berlin: Verlag von Robert Oppenheim, 1873. S. 61f.


    Berlioz, Hector. Memoiren. Neu übersetzt von Dagmar Kreher, hg. und kommentiert von Frank Heidlberger, Kassel etc.: Bärenreiter, 2007.


    Bibesco, Prince Alexandre. Berthold Damcke. Etude biographique et musicale. Paris: Alphonse Lemerre, 1894.

    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Haine, Malou. Franz Servais et Franz Liszt: une amitié filiale. Liège: Mardage, 1996.


    Eigeldinger, Jean-Jacques. Stephen Heller. Lettres d’un musicien romantique à Paris. Paris: Flammerion, 1881.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.



    Links:

    www.hofmeister.rhul.ac.uk (Stand: 20. Januar 2011)

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Musikalienkataloge des XIX. Jahrhunderts systematisiert sind, enthält einen Eintrag zu Kompositionen Louise Damckes.

    Forschung

    Zu Louise Damcke liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Louise Damcke umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie die künstlerischen Kontakte und das kompositorische Schaffen.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 10115554

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 16.04.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Louise Damcke“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 16.4.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Louise_Damcke