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  • Leonora Jackson

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Leonora Jackson
    Ehename: Leonora Jackson McKim
    Lebensdaten:
    geb. in Boston, USA
    gest. um in ,

    Das Geburtsjahr von Leonora Jackson wird in den Quellen unterschiedlich angegeben (1878, 1879, 1880). Selbst jene beiden Institutionen, die Teile ihres Nachlasses aufbewahren – die Library of Congress in Washington und die Library of Maryland History – benennen unterschiedliche Geburtsjahre (1878 bzw. 1880). Genaues Todesdatum und Sterbeort sind bislang unbekannt.
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Schriftstellerin, Kunstmäzenin, Kunst- und Musikförderin
    Charakterisierender Satz:

    „Eine ungewöhnlich frühzeitige Virtuosität! Feuer und Bravour, schöner großer Ton, Empfindung.“

    (Joseph Joachim über seine Schülerin Leonora Jackson, UdK-Archiv Best. 1, Nr. 5151, zit. n. Prante 1999, S. 71)


    Profil

    Leonora Jackson wird meist in eine Reihe mit den großen amerikanischen Violinistinnen der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gestellt, darunter Maud Powell und Geraldine Morgan. Nach ihrem Studium am Pariser Conservatoire sowie u. a. bei Joseph Joachim an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin unternahm sie größere Konzerttourneen durch Europa und die USA.

    Mit ihrer Heirat im Jahr 1915 zog Leonora Jackson sich aus dem öffentlichen Musikleben zurück; gemeinsam mit ihrem Mann war sie jedoch als Kunstmäzenin und Musikförderin im öffentlichen Leben, vor allem in Washington D.C., präsent. Verschiedene Stiftungen und Stipendien belegen das soziale Engagement des Ehepaares und haben bis heute Bestand.

    Orte und Länder

    Leonora Jackson wurde in Boston geboren und zog als Kind mit ihren Eltern nach Chicago. Bereits im Alter von 12 oder 13 Jahren wurde sie am Pariser Conservatoire aufgenommen und studierte anschließend von 1893 bis 1896 an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin. Zwischen 1896 und 1906 unternahm sie größere Konzertreisen durch Europa – vor allem durch Deutschland, England, Frankreich, Schweden und die Schweiz – sowie zwei Tourneen durch die USA. In dieser Zeit hatte sie ihren Wohnsitz abwechselnd in London, Chicago und New York. Im Jahr 1935 wird ihr Wohnsitz mit Washington D.C. angegeben, wo sie vermutlich auch bis zu ihrem Tod 1969 blieb.

    Biografie

    Die amerikanische Violinistin Leonora Jackson wurde am 20. Februar 1878, 1879 oder 1880 in Boston geboren. Bereits in ihrer Kindheit zog sie mit den Eltern nach Chicago, wo sie bis zu ihrem Studium aufwuchs. Die Mutter war eine bekannte Gesangslehrerin in Chicago und sorgte früh für eine möglichst fundierte musikalische Ausbildung ihrer Tochter. Mit sieben Jahren begann Leonora Jackson Violine zu spielen und absolvierte bereits 1891 – sie war ungefähr 12 Jahre alt – eine Aufnahmeprüfung am Pariser Conservatoire; unter den 165 Bewerberinnen und Bewerbern des Jahrgangs nahm sie den zweiten Platz ein (vgl. Prante 1999, S. 70). Vermutlich ermöglichte ihr ein Mr. George Vanderbilt durch finanzielle Hilfe das Auslandsstudium.


    Leonora Jackson studierte zwei Jahre lang am Pariser Conservatoire –ihre Lehrer sind bislang leider nicht zu ermitteln –, bevor sie im Sommersemester 1893 ein Studium an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin aufnahm. Dort wurde sie in den Jahren 1893 bis 1895 von Joseph Joachim und Karl Markees, im Studienjahr 1895/1896 von Joseph Joachim und Carl Halir unterrichtet. Bereits nach ihrem ersten Studienjahr bescheinigte ihr Joseph Joachim, dass sie, wenn sie ihr Studium fortsetze, eine Geigerin ersten Ranges werden würde (Gamba 1898, S. 346, vgl. Prante 1999, S. 70). Dieses Urteil bestätigte sich mit dem Gewinn des Mendelssohn-Preises am 30. September 1897. Leonora Jackson spielte das Konzert für Violine und Orchester g-Moll von Max Bruch und Joseph Joachim vermerkte: „Eine ungewöhnlich frühzeitige Virtuosität! Feuer und Bravour, schöner großer Ton, Empfindung“ (UdK-Archiv Best. 1, Nr. 5151, zit. n. Prante 1999, S. 71).


    Bereits am 17. Oktober 1896 hatte Leonora Jackson ihr Debütkonzert mit dem Berliner Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Joseph Joachim gegeben. Auf dem Programm standen Henri Wienawskis Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 d-Moll, Johannes Brahms’ Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 sowie Heinrich W. Ernsts „Ungarische Melodien“ op. 22 Nr. 4. Zwischen 1896 und 1898 unternahm Leonora Jackson mehrere Konzertreisen durch Deutschland, bei denen sie u. a. am 13. Februar 1897 ein weiteres Mal mit dem Philharmonischen Orchester Berlin konzertierte und im Herbst 1898 ein Konzert mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter Arthur Nikisch gab (vgl. NZfM vom 21.9.1898, S. 3; s. a. Prante 1999, S. 71).

    Im Jahr 1898 folgte das Debüt in der Londoner Queen’s Hall, dem sich eine Tournee durch Großbritannien anschloss.

    Anschließend ließ sich Leonora Jackson vermutlich in London nieder – ein Straßburger Konzertprogramm vom November 1899 verzeichnet London als ihren Wohnort. Im gleichen Jahr folgte eine Tournee durch Europa, darunter England, die Schweiz und Deutschland sowie Frankreich mit einem Debüt in Paris im April 1899. Ein weiterer Höhepunkt des Jahres war ein Konzert am 17. Juli vor Victoria I., die die Violinistin mit dem „Victorian Star“ auszeichnete (vgl. Who’s who in the Lyceum 1906).


    Um das Jahr 1900 kehrte Leonora Jackson in die USA zurück und debütierte dort – wie es scheint, nicht sonderlich erfolgreich – mit dem Violinkonzert von Johannes Brahms. Sie unternahm eine größere Konzertreise durch Nordamerika mit nicht weniger als 160 Konzerten in einem Jahr (vgl. Jackson 1901). Weitere Tourneen durch England und Deutschland (1902-1905) sowie nochmals durch die USA (1905-1906) schlossen sich an. Eindrücke dieser Tourneen sind in ihren Tagebüchern festgehalten, die bislang nicht ausgewertet wurden (vgl. Forschungsinformationen). Bis 1909 lebte sie abwechselnd in New York, Chicago und London.


    Leonora Jackson heiratete am 12. Oktober 1915 den Arzt, Philosophen und Organisten Dr. William Duncan McKim (1855-1935). (In einigen Publikationen wird diese Heirat auch auf das Jahr 1907 datiert, die Angabe 1915 wird u. a. vom „McKim Fund“ genannt und ist daher vermutlich zuverlässiger.) Mit ihrer Heirat brach sie ihre Solokarriere ab, blieb aber dennoch auf musikalischem und literarischem Gebiet aktiv. Zwischen 1920 und 1925 erstand sie ein 1714 erbautes Stradivari-Instrument, das heute nach ihr benannt ist („Leonora-Jackson-Stradivari“) und sich seit 1999 im Besitz von William R. Sloan befindet. Ferner befinden sich Manuskripte ihrer literarischen Arbeiten, darunter zahlreiche Kurzgeschichten, in der Library of Congress in Washington.


    Das Ehepaar ließ sich in Washington D.C. nieder, wo Leonora Jackson auch 1959 noch lebte. Sie und ihr Mann W. Duncan McKim gehörten zu den bekanntesten Kunstmäzenen, die in ihrem Haus Konzerte veranstalteten und eine große Kunstsammlung besaßen. Nach dem Tod William Duncan McKims 1935 wurde die Sammlung größtenteils der „Simthsonian Institution“ und der „Maryland Historical Society“ übergeben.

    Leonora Jackson starb im Jahr 1969. Aus ihrem Nachlass wurde 1970 eine Stiftung in der „Library of Congress“ (Washington) eingerichtet, der „McKim Fund“, der bis heute junge Komponistinnen unterstützt. Auch verschiedene kleinere Stipendien in den USA tragen bis heute die Namen des Ehepaares.

    Würdigung

    Eine Würdigung von Leonora Jackson ist bislang nicht möglich, da über biografische Fakten hinaus nur wenig über ihre Tätigkeiten bekannt ist. Aufschluss darüber könnten ihre Tagebücher geben (vgl. Forschungsinformationen). Als Kunst- und Musikmäzene sind die Namen von Leonora Jackson und ihr Mann jedoch bis heute im öffentlichen Leben der USA präsent.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Leonora Jackson als Violinistin, Schriftstellerin und Mäzenin wurden bislang kaum rezipiert.

    Werkverzeichnis

    Ein Verzeichnis der literarischen Arbeiten von Leonora Jackson befindet sich im Online-Findbuch der Library of Congress (s. Links). Über mögliche Kompositionen ist bislang nichts bekannt.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste lässt sich aufgrund fehlender Informationen zur Zeit nicht erstellen. Nachgewiesen sind bislang die Aufführungen folgender Werke:


    Brahms, Johannes:

    Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77


    Bruch, Max:

    Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 26


    Ernst, Heinrich W.:

    „Ungarische Melodien“ op. 22 Nr. 4


    Wieniawski, Henri:

    Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 d-Moll op. 2

    Quellen

    Quellen


    Archiv der Universität der Künste Berlin (UdK-Achiv) Berlin, Best. 1 (Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung, Specialia), Nr. 5150 (1896) und Nr. 5151 (1897).


    Library of Congress Washington. Music Division. McKim (Leonora Jackson and William Duncan McKim) Collection (Online-Findbuch, S. „Links).


    Library of Maryland History. Maryland Historical Society. Manuscript Collections. Jackson (McKim), Leonora. Papers. MS 1780.



    Literatur


    Artikel “Jackson, Leonora”. In: Who’s who in the Lyceum, 1906 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel “Jackson, Leonora”. In: Who’s Who in America, 1908-1909 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Jackson, Leonora“. In: Grove’s dictionary of music and musicians, American Supplement, 1920 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel “McKim, Leonora Jackson”. In: American women: the official who’s who, 1935 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel “McKim, Leonora Jackson”. In: Who’s who in the South and Southwest. 6th ed., 1959 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Gamba [Vorname konnte nicht ermittelt werden]. „Miss Leonora Jackson”. In: The Strad, Vol. 9 (3/1898), S. 345-347.


    Henderson, B. [Vorname konnte nicht ermittelt werden]: Women violinists. in: The Strad. Vol. 18 (6/1907), S. 54-46.


    Jackson, Leonora. Leonora Jackson, the famous violinist, grand tour, season 1901-1902. Chicago: Thayer & Jackson 1901.


    Lahee, Henry C. Famous Violinists of To-day and Yesterday. Boston: The Page Company Publishers, 1899, 10. Auflage 1916.


    Prante, Inka. Die Schülerinnen Joseph Joachims. Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin. Unveröffentliches Typoskript, 1999.


    Roth, Henry. Women and the violin. In: The Strad. Vol. 83 (3/1973), S. 551-563.


    Shaffer, Karen A. / Greenwood, Neva Garner. Maud Powell. Pioneer American Violinist. Ames (Iowa): Iowa State University Press, 1988.


    Wasielewki, Wilhelm Joseph von. Die Violine und ihre Meister. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1927.



    Konzertkritiken


    Allgemeine Musikzeitung vom 23.10.1896, S. 604.

    Allgemeine Musikzeitung vom 19.2.1897, S. 117.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 10.11.1897, S. 496.



    Links

    http://www.loc.gov/performingarts/encyclopedia/collections/mckim.html

    Die „Performing Arts Encyclopedia“ der Library of Congress hält eine Beschreibung des „McKim Fund“ sowie ein Online-Findbuch bereit.


    http://lcweb2.loc.gov/service/music/eadxmlmusic/eadpdfmusic/mu2005.wp.0053.pdf

    Das Findbuch der „McKim Fund Collection“ in der Library of Congress ist als pdf-Dokument im www verfügbar.


    http://www.mdhs.org/library/Mss/pedleyJ.html

    Die “Library of Maryland History” der “Maryland Historical Society” verfügt über einen größeren privaten Bestand des Nachlasses von Leonora Jackson.

    Forschung

    1970 wurde aus dem Nachlass von Leonora Jackson und ihrem Mann W. Duncan McKim der “McKim Fund” (Leonora Jackson and W. Duncan McKim) in der Library of Congress, Washington, gegründet. Die Stiftung unterstützt Komposition und Aufführung neuer Werke für Violine. Ihr ist die “McKim Fund Collection” angeschlossen, die u. a. persönliche Dokumente und Briefe, Konzertprogramme, Konzertplakate, Presseausschnitte und Fotografien von Leonora Jackson enthält. Ferner befindet sich dort ihre Musikbibliothek mit den von ihr verwendeten Notenausgaben. Die Sammlung umfasst zudem die Manuskripte des literarischen Werkes von Leonora Jackson, darunter Kurzgeschichten, Dramen und Lyrik. (s. das Online-Findbuch unter “Links”)


    Ein weiterer großer Bestand des Nachlasses befindet sich in der “Library of Maryland Historiy” der “Maryland Historical Society”. Dieser Bestand umfasst u. a. Notizbücher, Tagebücher (u. a. über ihre Europatourneen) sowie Kritiken und Presseausschnitte.


    Die Quellen über Leonora Jackson’s Studienzeit an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin hat Inka Prante eingesehen und teilweise ausgewertet (vgl. Prante 1999).

    Forschungsbedarf

    Trotz der in allen Überlieferungen unbestrittenen Bedeutung der amerikanischen Violinistin und Mäzenin für das Musikleben am Ende des 19. und im 20. Jahrhundert sind ihr Leben und ihre Arbeit m. W. bislang nicht näher betrachtet worden. Dies ist umso erstaunlicher, als sie durch die von ihr und ihrem Mann initiierte Stiftung bis heute junge Künstlerinnen und Künstler fördert. Eine wissenschaftliche Sichtung der beiden Nachlassbestände und insbesondere ihrer Tagebücher würde sicherlich Interessantes über das Leben von Leonora Jackson, über das Musikleben ihrer Zeit, über ihre Studienzeit in Paris und Berlin, über ihre Tätigkeiten als Kunst- und Musikmäzenin sowie über ihre literarischen Arbeiten ans Licht bringen. Darüber hinaus würden diese Dokumente sicherlich einen fundierten Einblick in das Reise-Leben einer Musikerin in dieser Zeit geben.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 78204325
    Library of Congress (LCCN): n2006034602
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, Die Grundseite wurde im April 2007 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 20.04.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Leonora Jackson“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 20.4.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Leonora_Jackson