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  • Lena Horne

    von Lena Haselmann
    Namen:
    Lena Horne
    Lebensdaten:
    geb. in New York, NY
    gest. in New York, NY
    Tätigkeitsfelder:
    Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin, Bürgerrechtlerin
    Charakterisierender Satz:

    „Her pride in her heritage and her refusal to compromise herself, combined with an innate ability to project elegance, grace, and dignity, have made her a legendary figure. Some observers consider her most important role to be that of a catalyst in the elevation of African Americans in the performing arts.”


    „Ihr Stolz auf ihre Herkunft und ihre Weigerung, sich zu kompromittieren, haben Sie, verbunden mit der ihr eigenen Eleganz, Grazie und Würde, zu einer legendären Figur werden lassen. Einige Beobachter bewerten ihre Funktion als Katalysator für die Angelegenheiten der Afroamerikaner als ihre wichtigste Rolle.“ (Übersetzung: Lena Haselmann)


    (Joyce Harrison. Black Biography. In: Contemporary Musicians (online abrufbar unter: www.enotes.com/ contemporary-musicians/horne-lena-biography). Michigan, 2004)


    Profil

    Lena Horne darf als erste schwarze Künstlerin gelten, die sich jenseits des Jazz weltweit einen Namen als Sängerin gemacht hat. Aus der Revue des legendären Cotton Club hervorgegangen, hat sie ihr Repertoire früh und konsequent in alle Richtungen der Popularmusik ihrer Zeit erweitert. Nach ersten Auftritten am Broadway erfolgte der Ruf nach Hollywood, wo man mit der schwarzen Künstlerin jedoch selten mehr anzufangen wusste, als sie in eigener Person, als Lena Horne, zu besetzen und mit ein oder zwei Songs zu betrauen. Ihr starkes bürgerrechtliches und feministisches Engagement führte zeitweise zu Auftrittsverbot und Karrierestop, wovon sie sich jedoch nie beugen oder entmutigen ließ. Lena Horne focht ihren Kampf bis zu Ende durch und wurde so zu einer einzigartigen Wegbereiterin einer über jedwede Rassenschranken hinweg globalen Weltmusik.

    Orte und Länder

    Lena Horne wurde in Brooklyn, New York geboren. Noch als Teenager hatte sie ihre ersten Auftritte am Broadway und im Cotton Club. Anfang der 1940er Jahre bot man ihr einen Vertrag beim Film in Hollywood an, wo sie für einige Jahre als Schauspielerin aktiv war, bevor sie sich wieder nahezu vollständig dem Gesang zuwandte. Von da an bereiste sie die Welt auf zahlreichen Tourneen.

    Biografie

    Lena Horne wurde am 30. Juni 1917 in Brooklyn, New York, als einzige Tochter eines gemischtrassigen Elternpaars geboren. Ihr Vater arbeitete für eine New Yorker Regierungsbehörde, war aber in erster Linie professioneller Kartenspieler und verließ die Familie, als die Tochter drei Jahre alt war. Ihre Mutter tourte als Schauspielerin in einer afroamerikanischen Theatertruppe durch die Staaten, so dass das Kind zumeist von den Großeltern erzogen wurde. Zweijährig meldete ihre Großmutter sie als jüngstes Mitglied bei der „National Association For The Advancement Of Colored People“ (NAACP) an. Kurz darauf erlebte sie in Philadelphia ihren ersten Bühnenauftritt in „Madame X“. Ihre Mutter zog für einige Monate nach Kuba, wo sie zum zweiten Mal heiratete. Nach ihrer Rückkehr nahm sie ihre Tochter wieder zu sich und lebte mit ihr in Brooklyn, dann in der Bronx, schließlich in Harlem.


    Lena Horne besuchte die Girls High School in Brooklyn, die sie 1933 verließ, um sechzehnjährig Tänzerin in der Chorus Line des berühmten „Cotton Club“ zu werden, einem Etablissement, in dem zwar fast ausschließlich Afroamerikaner auftraten, diese jedoch als Zuschauer nicht zugelassen waren. Sie hörte Count Basie, Duke Ellington oder Billie Holiday, mit der sie sich anfreundete. Erstes Aufsehen erregte sie, als sie für eine kranke Kollegin einsprang. Daraufhin fing sie an, regelmäßig Gesangsunterricht zu nehmen. 1934 tanzte sie in der Revue „Dance With Your Gods“ am Broadway und ging im folgenden Jahr mit „Noble Sissle’s Orchestra“ auf Tournee, wo sie sowohl mit einer Stepptanz-Nummer als auch erstmalig als Sängerin in Erscheinung trat. Decca Records veröffentlichte 1936 „That’s What Love Did To Me“ und „I Take You Both“, die ersten erhaltenen Aufnahmen der Sängerin Lena Horne.


    Um dem Druck und dem allgegenwärtigen Rassismus des Showgeschäfts zu entkommen, heiratete sie 1937 den Lokalpolitiker Louis J. Jones und zog mit ihm nach Pittsburgh. Im selben Jahr wurde ihre Tochter Gail geboren. Finanzielle Probleme zwangen sie jedoch bald, wieder auf Arbeitssuche zu gehen. Sie versuchte sich mit zunächst mäßigem Erfolg beim Film, so 1938 in dem in nur zehn Drehtagen fertiggestellten „The Duke Is Tops“ (später in „The Bronze Venus“ umbenannt). Zurück in New York fiel sie in der Broadway-Revue „Blackbirds Of 1939“ auf. Kurz nach der Geburt ihres Sohnes Edward ging sie im Winter 1940/41 mit der „Charlie Barnet Band“ als erste schwarze Sängerin mit einer ansonsten komplett weißen Band auf Tournee durch Amerika, ein Anstoß erregendes Novum. Das kraftraubende Tourleben missfiel ihr jedoch und so schaute sie sich bald wieder nach Nachtclub-Engagements in Manhattan um. Kurz nach der Trennung von Louis Jones (die Scheidung erfolgte erst 1944) verhalf ihr der Impresario John Hammond zu einem beträchtlichen Karriereschub: Sie wurde zum umjubelten Star des Cafés „Society Downtown“. Dort begegnete sie dem berühmten schwarzen Schauspieler und Sänger Paul Robeson, der in ihr das Bewusstsein für ihre Herkunft und Rasse schärfte und die Notwendigkeit von bürgerrechtlichem Engagement vermittelte. Ebenso wichtig war die Begegnung mit ihrem späteren Mentor Billy Strayhorn, der ihr außerordentliches Talent erkannte und förderte.


    Einer größeren Öffentlichkeit wurde sie bekannt, als sie Dinah Shore in der NBC Radio Jazz Serie „The Chamber Music Society Of Lower Basin Street“ ersetzte. 1941 nahm sie ihre erste Schallplatte als Solokünstlerin auf: „Moanin’ Low“, auf der sie bereits ihre große Bandbreite von Jazz-Songs über Soulstücke bis hin zu Schlagern der Zeit unter Beweis stellte. Zahlreiche Auftritte führten sie in vor allem von schwarzen Künstlern bespielte Theater wie das „Apollo“ in Harlem oder das „Howard“ in Washington, DC. Mögen ihre Wurzeln auch im Swing und Jazz liegen, erweiterte sie ihr Repertoire von nun an ständig in alle musikalischen Richtungen.


    Im Rahmen eines Gastengagements in Kalifornien wurde sie von Talentscouts der Filmstudios entdeckt und erhielt daraufhin bei MGM den bis dato höchst dotierten und erstmalig unbefristeten Vertrag einer afroamerikanischen Künstlerin überhaupt. Zu den Vertragsverhandlungen hatte sie einen Vertreter der NAACP mitgebracht, der ihr helfen sollte, ihre Ansprüche durchzusetzen, nämlich in erster Linie keine schwarzen Klischeerollen spielen zu müssen. Außerdem lehnte sie das Ansinnen der Filmbosse ab, als Lateinamerikanerin vermarktet zu werden. Trotz des beginnenden Ruhms musste sie sich nach wie vor Prädikate wie „chocolate chanteuse“ gefallen lassen, und noch 1942 wurden ihr Zimmer in Hotels verweigert, in denen sie als Entertainerin auftrat. Zu Partys lud man sie nur ein, wenn sie für die Unterhaltung der anderen Gäste sorgte. In den meisten Filmen, die sie in dieser Zeit drehte, setzten die Studiochefs sie nur als Sängerin ein, die ein oder zwei Songs darzubieten hatte. „Dieses ewig gleiche Bild von Lena, immer elegant angezogen, während des Gesangs leger an eine Marmorsäule gelehnt, wurde zum Klischee. Nur ihre Fähigkeit, rätselhaft zu erscheinen, bewahrte sie davor, vollkommen denunziert zu werden in diesen austauschbaren Sequenzen.“ (s. James Haskins und Kathleen Benson. Lena: A Personal And Professional Biography Of Lena Horne. New York, 1984, S. 56)


    Ihre nächsten Auftritte in New York allerdings, nun im „Savoy Plaza Nightclub“, gestalteten sich zur triumphalen Rückkehr. Und nachdem sie schon mit der Verfilmung des Musicals von Cole Porter „Panama Hattie“ einen beachtlichen Erfolg verbucht hatte, machte sie 1943 der Film (und insbesondere der Titelsong) „Stormy Weather“, eine fiktive Filmbiografie des legendären schwarzen Tänzers Bill „Bojangles“ Robinson, endgültig zum Weltstar. Trotzdem wurden die Filme, in denen sie mitwirkte, stets in zwei Fassungen herausgebracht, denn ihre Szenen mussten für Aufführungen in konservativen US-Staaten herausgeschnitten werden, und daher setzte man sie von vorneherein fast nur in Einzelszenen ein. Selbst aus dem Film „Cabin In The Sky”, in dem ausschließlich schwarze Schauspieler vor der Kamera standen, entfernte man ihre „Ain’t it the truth“-Nummer, weil eine sinnliche Schwarze in einem Schaumbad nicht zumutbar erschien.


    Wenige Monate später erregte sie Aufsehen, als sie sich bei einem Konzert zur moralischen Unterstützung und Unterhaltung der US-Truppen in Arkansas weigerte, vor einem Publikum aufzutreten, in dem deutsche Kriegsgefangene vor afroamerikanischen GIs platziert wurden. Diesen Kampf um nicht-separierte Auditorien sollte sie von da an auch bei ihren Konzerten in den USA ausfechten. Sie wurde zum beliebtesten Pin-Up schwarzer amerikanischer GIs, und 1944 zierte sie als erste Schwarze die Titelseite des „Motion Picture Magazine“. Triumphale Debüts in London und Paris folgten, vermittelt von ihrem neuen, weißen Manager Ralph Harris. Zunehmend empfand sie in dieser Zeit die Diskrepanz zwischen weltweiter Akklamation und rassistischer Erniedrigung als unerträglich.


    Im Sommer 1947 heiratete sie den Dirigenten und Filmmusik-Arrangeur Lennie Hayton. Da dieser jedoch ein Weißer war, hielten beide die Ehe bis 1950 geheim. Nach dem Bekanntwerden ihrer Verbindung sah sich das Paar einer Flut von Beschimpfungen und Gewaltandrohungen ausgesetzt. Dreißig Jahre später gestand Horne in einem Interview mit der amerikanischen Zeitschrift „Ebony“, dass sie den einflussreichen Hayton zunächst nur ihrer Karriere wegen geheiratet und erst viel später wirklich zu lieben gelernt hatte (s. „Ebony“. Ausgabe Mai - 1980). 1947 trat sie außerdem höchst erfolgreich im Casino Club in London auf.


    Da der für die Filmstudios verbindliche „Production code“ gemischt-rassige Beziehungen verbot, wurde Lena Horne 1951 Ava Gardner für die Verfilmung von Jerome Kerns Musical „Show Boat“ vorgezogen, obgleich der Komponist wiederholt für sie plädiert hatte. Ohnehin musste sie sich in dieser Zeit vieler Anfeindungen auch von schwarzen Kleindarstellern erwehren, die ihr Eintreten für Gleichberechtigung als eine Gefährdung des Studiofriedens und damit ihrer Jobs betrachteten. Nachdem sie innerhalb eines Jahres in sieben größeren Filmen aufgetreten war, sollte sie in den restlichen Jahren ihrer Karriere nur mehr für insgesamt sieben weitere Filmen vor der Kamera stehen, wohingegen ihre Songs immer wieder für Soundtracks benutzt wurden. Eine schwarze Schauspielerin, die jenseits des Charakterfachs jugendliche Heldinnen und Liebhaberinnen spielte, war zu dieser Zeit noch undenkbar.


    Enttäuscht von Hollywood nahm sie wieder vermehrt Nachtclub-Engagements an und fand Anerkennung als eine der großen Entertainerinnen Amerikas, was bis dato nur schwarzen Jazz-Sängerinnen wie Ella Fitzgerald, Billie Holiday oder Sarah Vaughan gelungen war. Stets ausverkaufte Shows im „Sands Hotel“ in Las Vegas, im „Coconut Grove“ in Los Angeles und in Europa etablierten ihren Ruf, in eine Liga mit Frank Sinatra, Dean Martin oder Bing Crosby zu gehören. Nach einer ausgedehnten Skandinavientournee trat sie 1952 in London auf, wo ihre Bandmitglieder jedoch nicht als Musiker, sondern nur als Begleiter geführt wurden, um Proteste zu verhindern. Ihr Album „Lena Horne: Live At The Waldorf-Astoria“ (1957) wurde für RCA zur bestverkauften Schallplatte einer weiblichen Sängerin überhaupt. Ihr Repertoire in dieser Zeit umfasste sowohl Jazz-Songs von Fats Waller, George Gershwin oder Duke Ellington sowie Pop- und Musicalsongs aller wichtigen Songwriter der Epoche: von Richard Rodgers bis zu Noel Coward.


    In den 1950er Jahren setzte man sie wegen ihrer Mitgliedschaft im „Hollywood Independent Citizens Committee“, im „Joint Anti-Fascist Committee“ sowie weiteren bürgerrechtlichen Vereinigungen und vor allem ihrer Freundschaft mit Paul Robeson wegen für einige Jahre auf eine schwarze Liste, was einem Arbeitsverbot entsprach. Ihre Karriere kam in diesen Jahren fast zum Erliegen, nicht einmal einen Plattenvertrag hatte sie mehr. Sie finanzierte ihren Lebensunterhalt daher mit Engagements in Nachtclubs und durch Konzerte in Europa. Dabei trat sie vor allem in England, aber auch auf dem Kontinent auf und ging mehrfach auf Tournee durch Skandinavien.


    Erst 1954 gelang es ihr, ihren Namen von der Liste entfernen zu lassen und ihren Vertrag mit RCA zu erneuern. 1957 war sie in Harold Arlens Musical „Jamaica“ in 558 Vorstellungen am Broadway zu sehen und bald gerngesehener Gast in allen großen Fernsehshows Amerikas, wie der „Ed Sullivan Show“ oder der „Dean Martin Show“. Seit den Anfängen des neuen Mediums war Lena Horne auf dem Bildschirm in zahlreichen Episoden aller Formate präsent, selbst in der „Muppet Show“ oder der „Sesamstraße“. Ein „Porgy and Bess“-Album, aufgenommen zusammen mit Harry Belafonte, missfiel ihr derart, dass sie sein Erscheinen zu verhindern versuchte, was jedoch nicht gelang. Es erreichte im Gegenteil die Top 15 der amerikanischen „Billboard Charts“. 1963 nahm sie neben Martin Luther King jr. am Marsch auf Washington teil und engagierte sich verstärkt für das „National Council for Negro Women“. Sie erweiterte ihr Repertoire um politisch ambitionierte Songs, wie Bob Dylans „Blowin’ In The Wind“ oder Jule Stynes „Now!“, welches eigens für sie geschrieben wurde. Die Ankunft der Beatles in Amerika veränderte die US-amerikanische Musik-Szene grundlegend und machte es für die klassischen Entertainer zunehmend schwerer, ihr Publikum zu finden. Lena Horne hatte hingegen keine Berührungsängste und nahm auch Songs von John Lennon und Paul McCartney in ihre Programme auf. 1964 folgen erfolgreiche Auftritte in Europa, unter anderem im Londoner Palladium.


    1969 produzierte man ihr erstes eigenes TV-Special: „Monsanto Night Presents Lena Horne“, und ein Jahr darauf folgte ein weiteres zusammen mit Harry Belafonte als „Harry und Lena” für ABC.


    Anfang der 1970er Jahre starben innerhalb weniger Monate ihr Vater, ihr Sohn „Teddie“ im Alter von nur 29 Jahren sowie ihr Mann. Schwere Depressionen waren die Folge, so dass sich die Veröffentlichung ihres neuen Pop-Rock-Albums „Nature’s Baby“ um Monate verzögerte. Erst 1972 gab sie wieder Konzerte und kehrte ins Aufnahmestudio zurück. 1975 erschien die LP „Lena and Michel“, eine Zusammenarbeit mit dem französischen Jazz-Komponisten Michel Legrand.


    Neun Jahre nach dem Western „Death Of A Gunfighter“ drehte sie 1978 mit „The Wiz“ ihren letzten regulären Film. Regie führte dabei ihr Schwiegersohn, Oscarpreisträger Sidney Lumet. Hiernach wirkte sie nur noch in dem Dokumentarfilm, „That’s Entertainment III“ als Präsentatorin mit. Zwei Jahre später begann sie eine Abschiedstournee, verwarf jedoch bereits ein Jahr später ihre Entscheidung und unterschrieb 63-jährig den Vertrag für eine One-Woman-Show am Broadway: „Lena Horne: The Lady And Her Music“, wofür sie einen Tony und zwei Grammys erhielt. Nach 333 ausverkauften Vorstellungen in New York folgten Aufführungsserien in England, Kanada und Schweden, in Deutschland trat sie unter anderem in Berlin, Stuttgart und Frankfurt auf. Bis heute hält sie den Rekord für die erfolgreichste Solo-Show am Broadway. 1985 verabschiedet sie sich von ihrem englischen Publikum in London.


    1988 spielte sie gemeinsam mit Joe Williams und dem anderen großen schwarzen Pop-Entertainer des 20. Jahrhunderts, Sammy Davis jr., das Album „The Men In My Life” ein. 1989 erhielt sie einen Grammy für ihr Lebenswerk, was aber zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht vollendet war: Mit Frank Sinatra sang sie „Embraceable You“ auf seinem Millionen-Album „Duets II“ und 1995 erhielt sie für ihr Live-Album „An Evening With Lena Horne“ ihren vierten Grammy. 1998 folgte „Being Myself“, das die Top Ten der Jazz-Charts erreichte. Ein Jahr darauf veranstaltete die Avery Fisher Hall eine große Tribute-Show, und zur Jahrtausendwende lud Sir Simon Rattle Lena Horne ein, bei seinem „Classic Ellington“ Album mitzuwirken, wofür sie drei Songs ihres Mentors Billy Strayhorn aufnahm. Danach zog sie sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück und lebte bis zu ihrem Tod an der Upper East Side in New York.


    2003 lehnte sie es ab, dass Janet Jackson die Hauptrolle in einer geplanten Verfilmung ihres Lebens spielte. Drei Jahre später gab ihre ehemalige Plattenfirma Blue Note seltene und bisher unveröffentlichten Aufnahmen als „Seasons Of A Life” heraus.


    Und im Jahr 2007 erlebte das ihrem Leben gewidmete Musical „Stormy Weather” seine Uraufführung am Pasadena Playhouse. Leslie Uggams spielte darin die Hauptrolle der Lena Horne.


    Lena Horne starb am 9. Mai 2010 in New York City.

    Würdigung

    Lena Horne darf als erste schwarze Künstlerin gelten, die außerhalb der reinen Jazzmusik als Popsängerin und Entertainerin neben weißen Kollegen Welterfolg erlangt hat.


    Wenngleich sie sich selbst nicht als Jazz-Sängerin betrachtete, arbeitete sie immer wieder mit bedeutenden Jazz-Musikern zusammen und hat so nicht nur Rassenschranken überwunden, sondern auch an der Erweiterung von Genregrenzen mitgewirkt.


    Darüber hinaus kann ihre Rolle als Vorkämpferin für die Rechte und Anerkennung schwarzer Künstler im Showgeschäft gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Kein männlicher Kollege hat sich auf eine ähnlich mutige und dezidiert kämpferische Weise als Wegbereiter für Generationen späterer afroamerikanischer Sänger und Schauspieler verdient gemacht.



    Auszeichnungen


    1980 Drama Desk Award

    1980 Tony Award

    1980 Ehrendokotorat der Howard University

    1981 2 Grammys für „Lena Horne: The Lady And Her Music“

    (Bester Pop-Gesang und Beste Gesamtaufnahme)

    1984 Kennedy Center Honors For Lifetime Achievement

    1987 ASCAP Pied Piper Award

    1989 Grammy für ihr Lebenswerk

    1994 Sammy Cahn Lifetime Achievement Award

    1995 Grammy für „An Evening With Lena Horne” (Bester

    Jazz-Gesang)

    1998 Ehrendoktorat der Yale University

    1999 NAACP Image Award

    2006 Martin Luther King jr. International Civil Rights Inductee

    Rezeption

    Besonders ihre Rolle als Wegbereiterin für schwarze Künstler im Show Geschäft wird heute allgemein als singulär gewürdigt. Darüber hinaus hat sie mit ihrem Pop und Jazz verschmelzenden Gesangsstil und mit der Öffnung des Repertoires jenseits starrer Genregrenzen Generationen nachfolgender Künstler und Künstlerinnen beeinflusst. Dazu gehören u.a. auch Dionne Warwick, Diana Ross oder Stevie Wonder.

    Werkverzeichnis

    Autobiografie


    Horne, Lena, und Schickel, Richard (Hg.). Lena. Lena. New York, 1966



    Diskografie

    (Nach dem Erscheinungsjahr folgt die Angabe des damaligen Plattenlabels.)


    1. „Moanin' Low” (1948; Victor Musical Smart Set)


    2. „It's Love” (1955; RCA)


    3. „Stormy Weather” (1956; RCA)


    4. „At the Waldorf Astoria” (1957; RCA)


    5. „Jamaica“ [Gesamtaufnahme] (1957; RCA)


    6. „Give the Lady What She Wants” (1958; RCA)


    7. „Porgy & Bess” (1959; RCA)


    8. „Songs by Burke and Van Heusen” (1960; RCA)


    9. „At the Sands” (1961; RCA)


    10. „Lena on the Blue Side” (1962; RCA)


    11. „Lovely & Alive” (1963; RCA)


    12. „Lena Goes Latin” (1963; Charter)


    13. „Sings Your Requests” (1963; Charter)


    14. „Here's Lena Now!” (1964; 20th Century)


    15. „Feelin' Good” (1965; UA)


    16. „Lena in Hollywood” (1966; UA)


    17. „Merry from Lena” (1966; UA)


    18. „Soul” (1966; UA)


    19. ”Lena & Gabor” (1970; Skye)


    20. „Nature's Baby” (1971; Buddah)


    21. „Lena and Michel” (1975; RCA)


    22. „Lena: A New Album” (1976; RCA)


    23. „Lena Horne: The Lady and Her Music” (1981; Qwest)


    24. „The Men in My Life” (1988; Three Cherries)


    25. „We'll Be Together Again (1994; Blue Note)


    26. „An Evening with Lena Horne” (1995; Blue Note)


    27. „Being Myself” (1998; Blue Note)


    28. „Seasons of a Life” (2005; Blue Note; aufgenommen

    1999)



    Filmografie

    (Nach der Jahreszahl folgt die jeweilige Rollenbezeichnung.)


    1. „The Dukes Is Tops” - 1938 (Ethel Andrews)


    2. „Panama Hattie” - 1942 (Lena Horne)


    3. „Boogie-Woogie Dream“ 1943 (Lena Horne)


    4. „Cabin In The Sky” - 1943 (Georgia Brown)


    5. „Thousands Cheer” -1943 (Lena Horne)


    6. „Stormy Weather” - 1943 (Selina Rogers)


    7. „I Dood It” - 1943 (Lena Horne)


    8. „Swing Fever” -1944 (Lena Horne)


    9. „Two Girls And A Sailor” - 1944 (Lena Horne)


    10. „Broadway Rhythm” - 1944 (Fernway de la Fer)


    11. „Ziegfeld Follies” -1946 (Lena Horne)


    12. „Till The Clouds Roll By” - 1946 (Julie la Verne)


    13. ”Words and Music” 1948 (Lena Horne)


    14. ”Duchess Of Idaho” - 1950 (Lena Horne)


    15. ”Meet Me In Las Vegas” 1956 (Lena Horne)


    16. ”Death Of A Gunfighter” - 1969 (Claire Quintana)


    17. ”The Wiz” 1978 (Glinda the Good)


    18. ”That's Entertainment III” - 1994 (Lena Horne)



    TV-Auftritte


    1. „The Masters Behind The Musicals” (2004 ) (Video)


    2. „Then I'll Be Free To Travel Home” (2001) (Video)


    3. „American Masters” (2 Episoden, 1996-1999)


    4. „The Rosie O'Donnell Show” (2 Episoden, 1997-1998)


    5. „An Evening With Lena Horne” (1994)


    6. „Sinatra Duets” (1994)


    7. „A Century Of Women” (1994)


    8. „The 36th Annual Grammy Awards” (1994)


    9. „That's Entertainment! III: Behind The Screen” (1994)

    (Video)


    10. ”Aretha Franklin: Duets” (1993)


    11. „The American Film Institute Salute To Elizabeth Taylor”

    (1993)


    12. „The 65th Annual Academy Awards” (1993)


    13. „A Different World” (1 Episode, 1993)


    14. „Reading Rainbow” (1 Episode, 1991)


    15. „Victor Borge Birthday Gala” (1990) (Video)


    16. „Ebony / Jet Showcase” (1 episode, 1988)


    17. „Carnegie Hall: The Grand Reopening” (1987)


    18. „Beyond Therapy” (1987)


    19. „The 8th Annual Black Achievement Awards” (1987)


    20. „Brown Sugar” (1986)


    21. „The Cosby Show” (1 Episode,1985)


    22. „The 37th Annual Tony Awards” (1983)


    23. „The Tonight Show Starring Johnny Carson” (2 Episoden,

    1965-1982)


    24. „The 36th Annual Tony Awards” (1982)


    25. „Night of 100 Stars” (1982)


    26. „The 35th Annual Tony Awards” (1981)


    27. „Song by Song” (1 Episode, 1979)


    28. „America Salutes Richard Rodgers: The Sound Of His

    Music” (1976)


    29. „The Muppet Show” (1 Episode, 1976)


    30. „Flip” (4 Episoden, 1970-1974)


    31. „Sesame Street” (1 Episode, 1973)


    32. „The Bruce Forsyth Show” (1 Episode, 1973)


    33. „Keep U.S. Beautiful” (1973)


    34. „Sanford and Son” (1 Episode, 1973)


    35. „Film Night” (1 Episode, 1971)


    36. „The Kraft Music Hall” (2 Episoden, 1969-1970)


    37. „The Engelbert Humperdinck Show” (2 Episoden, 1970)


    38. „Rowan & Martin's Laugh-In” (4 Episoden, 1968-1969)


    39. „The London Palladium Show” (1 Episode, 1969)


    40. „The Dean Martin Show” (5 Episoden, 1967-1969)


    41. „The Hollywood Palace” (1 Episode, 1967)


    42. „The Merv Griffin Show” (1 Episode, 1967)


    43. „The Andy Williams Show” (1 Episode, 1966)


    44. „The Perry Como Show” (7 Episoden, 1958-1966)


    45. „The Mike Douglas Show” (1 Episode, 1966)


    46. „The Bell Telephone Hour” (2 Episoden, 1965)


    47. „Now” (1965) (Stimme)


    48. „Lena” (1964)


    49. „Freedom Spectacular” (1964)


    50. „The Twentieth Century” (1 Episode, 1964)


    51. „The Judy Garland Show” (1 Episode, 1963)


    52. „The Jack Paar Program” (1 Episode, 1963)


    53. „Password” (2 Episoden, 1963)


    54. „At This Very Moment” (1962)


    55. „The DuPont Show Of The Week” (1961)


    56. „Val Parnell's Sunday Night At The London Palladium” (1

    Episode, 1959)


    57. „The Steve Allen Show” (1 Episode, 1958)


    58. „What's My Line?” (2 Episoden, 1953-1958)


    59. „The Ed Sullivan Show” (3 Episoden, 1951-1957)


    60. „The Frank Sinatra Show” (1 Episode, 1957)


    61. „Music 55” (1 Episode, 1955)


    62. „A.N.T.A. - Album of 1955” (1955)


    63. „Your Show Of Shows” (2 Episoden, 1951-1953)


    64. „The Colgate Comedy Hour” (1 Episode, 1951)

    Quellen

    Biografien und Sekundärliteratur:


    Dahl, Linda. Stormy Weather, The Music And Lives Of A Century Of Jazzwomen. London, 1984


    Gavin III, James. Stormy Weather: The Life Of Lena Horne, New York, 2009


    Greenberg, Helen und Moss, Carlton. In Person: Lena Horne. New York, 1950


    Howard, Brett. Lena Horne: Singer And Actress. Cambridge, 1991


    Haskins, James und Benson, Kathleen. Lena: A Personal and Professional Biography of Lena Horne. New York, 1984


    Lumet Buckley, Gail. The Hornes: An American Family.

    New York, 1986



    Interviews und Zeitungsartikel (Auswahl):


    Brozan, Nadine. Born In A Trunk: The Story Of The Hornes. In: The New York Times, 20. Juni 1986


    Gavin, John. A Legend Lays Bare Her Hurt. In: The New York Times, 5. Juni 1994


    Holden, Stephen. A Serenade For The Ultimate Sophisticated Lady. In: The New York Times, 25. Juni 1997


    Lauderdale, Beverley. The Lady Loves The Blues. In: Biography, 1998


    Pierce, Ponchitta. Lady Attitude. In: Modern Maturity. Januar / Februar, 2000


    Pierce, Ponchitta. Lena At 51. in: Ebony, Juli 1968


    Roberts, Fletcher. The Voice And The Spirit Of Lena Horne. In: The New York Times, 24. November 1996


    Simon, John. Lena Horne: Actress, Singer, Activist - And A Walking Self-contradiction. In: The New York Times. 20. Juli 2009


    (Eine umfassendere Übersicht über aktuelle Zeitungsartikel zu Lena Horne bietet die Webseite encyclopedia.com (siehe unter Links).



    DVDs:


    „Incomparable comparable: Lena Horne”. DVD, 2004


    „An Evening With Lena Horne”. DVD, 2006



    Links:


    www.lena-horne.com

    (Webseite zu Lena Horne)

    Stand: 21.4.2010


    us.imdb.com

    (Verzeichnis und Spezifierung sämtlicher Filme und TV-Auftritte)

    Stand: 21.4.2010


    www.encyclopedia.com/topic/Lena_Horne.aspx

    (Verzeichnis aktueller und älterer Zeitungs- und Online-Artikel zu Lena Horne)

    Stand: 21.4.2010


    www.pbs.org/wnet/americanmasters/episodes/lena-horne/about-the-performer/487/

    (Lena Hornes Seite bei „American Masters“)

    Stand: 21.4.2010

    Forschung

    Es sind einige wichtige Biografien zu Lena Horne erschienen, die sich sowohl mit ihrem musikalischen Werdegang als auch mit ihrer Rolle als Ikone der Schwarzenbewegung befassen. Darüber hinaus sind ausführliche Autobiografien von Lena Horne selbst sowie von ihrer Tochter Gail Lumet verlegt worden.

    Forschungsbedarf

    Eine dezidierte, genreübergreifende Untersuchung und Bewertung der Situation einer Frau, in den 1920er bis 1940er Jahren als Sängerin in Jazz, Pop oder Klassik Karriere zu machen, damit all jener erheblichen Widrigkeiten und Demütigungen, denen sich auch Lena Horne ausgesetzt sah, wäre spannend und wünschenswert.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 44453548
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 124137148
    Library of Congress (LCCN): n81082528
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Lena Haselmann, 28. September 2010


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 02.11.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Lena Haselmann, Artikel „Lena Horne“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 2.11.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Lena_Horne