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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Laura Barker
    Ehename: Laura Wilson Taylor
    Lebensdaten:
    geb. in Thirkleby, Yorkshire, England,
    gest. in Coleshill, Buckinghamshire, England,

    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Violinistin, Pianistin, Musiklehrerin
    Charakterisierender Satz:

    „Like everything we have seen from the pen of its accomplished authoress – who, though an amateur, knows more of the art than many professors of name and standing, not to speak of her sprightly fancy, a quality which it does not belong to teaching or professional status to give – the ‚Sprite Polka’ demands that consideration due to performances in which there is no evidence of vulgar idea, or common-place treatment. It could not be described more properly than by Miss Barker in her own title-page being really a brilliant phantasy, and not merely distinguished by a Ph. instead of an F, but by real thoughts instead of emptiness.“


    „Wie alles, was wir aus der Feder dieser versierten Autorin gesehen haben – die, obwohl sie eine Amateurin ist, mehr von Kunst versteht als viele Professoren von Rang und Namen, ganz zu schweigen von ihrer sprühenden Erfindungsgabe, einer Fähigkeit, die nicht an das Lehren oder einen professionellen Status gebunden ist, – verlangt die ‚Sprite Polka’ eine Art von Betrachtung, die an Interpretationen gebunden bleibt, denen vulgäre Gedanken oder Plattitüden fern sind. Sie könnte nicht besser beschrieben werden als von Miss Barker selbst auf ihrem Titelblatt, sie ist eine wirkliche ‚brilliant phantasy’ und unterscheidet sich nicht nur durch ein Ph. anstelle eines F., sondern durch wirkliche Gedanken anstelle leerer Phrasen.“


    („The Musical World“ vom 5. April 1851, S. 213)


    Profil

    Die Komponistin, Pianistin und Violinistin Laura Barker erhielt von ihren Eltern eine fundierte, breitgefächerte Ausbildung, die auch Unterricht in Violine und Klavier umfasste. Anschließend studierte sie privat Komposition und vermutlich auch Klavier bei Philip Cipriani Potter, der ab 1832 Direktor der Royal Academy of Music in London war. Trotz ihrer herausragenden Ausbildung trat Laura Barker – der derzeitigen Quellenlage zufolge – nicht öffentlich auf, sondern musizierte ausschließlich in häuslichem Rahmen. Sie konnte sich jedoch bereits früh als Komponistin und Musikpädagogin im englischen Musikleben etablieren: zwischen 1837 und 1885 erschienen Lieder, Klavierwerke und Kammermusik von ihr in verschiedenen englischen Verlagen. Zudem schrieb sie mehrere Bühnenmusiken, u. a. zu Werken von William Shakespeare und ihrem Mann Tom Taylor. Bis zu ihrer Heirat 1855 unterrichtete Laura Barker als Musiklehrerin an der Blindenschule in York. Die Publikationsdaten ihrer Kompositionen lassen erkennen, dass sie sich während ihrer Ehe weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte.

    Orte und Länder

    Laura Barker wurde in Thirkleby, in der englischen Grafschaft Yorkshire geboren und wuchs dort auf; zeitweise unterrichtete sie an der Blindenschule in York. Nach ihrer Heirat ließ sich Laura Barker gemeinsam mit ihrem Mann in London nieder und zog nach dessen Tod 1880 in den Londoner Vorort Coleshill, nahe Amersham (Buckinghamshire).

    Biografie

    Laura Barker wurde 1819 als Laura Wilson Barker in Thirkleby, Yorkshire, geboren. Sie war die sechste Tochter des Vikars Thomas Barker, einem Amateurmusiker und -maler, und seiner Frau (Name unbekannt). Ihren ersten musikalischen Unterricht in Violine und Klavier erhielt Laura Barker von ihren Eltern und studierte anschließend privat Komposition und vermutlich auch Klavier bei dem Komponisten und Pianisten Philip Cipriani Potter, der ab 1822 an der Royal Academy of Music in London Klavier unterrichtete und 1832 die Leitung der Academy übernahm.


    Als Jugendliche erlebte Laura Barker im Haus ihrer Eltern zahlreiche Musikerinnen und Musiker, mit denen die Familie in Verbindung stand, darunter Niccolò Paganini, mit dem Laura Barker gemeinsam musizierte, und Louis Spohr. In ihren Erinnerungen an die beiden Geiger, die die Tochter Lucy A. Taylor 1939 veröffentlichte, berichtete Laura Barker: „My father followed Paganini to his concerts at Leeds, Hulle, etc., and made his acquaintance. He (my father) took the rest of his family to Paganini’s concerts at York. I was little more than a child at the time (thirteen years old), but had already some knowledge of the violin and took notes in writing of what Paganini played, and especially of the exquisite variations on ‚Nel cor più’, which I think impressed me more than any of his other wonderful pieces. [...] Later in 1832 we again met Paganini in London, and found him just as kind and courteous as before. He came over to Hampstead with his little son Achillino, to spend the day with us at my uncle General Perronet Thompson’s house, and was most genial and kind, playing both on the violin and guitar to us, and even condescending, by his own proposal, to extemporize a duet with me (the subject was Rossini’s ‚Di tanti palpiti’). I played the pianoforte and he the violin. He laughed heartily to hear my imitations of some of his extraordinary feats on the violin.“ („Mein Vater reiste zu Paganinis Konzerten in Leeds, Hulle etc. und machte dessen Bekanntschaft. Zu den Paganini-Konzerten in York nahm er die ganze Familie mit. Ich war zu dieser Zeit fast noch ein Kind (13 Jahre alt), aber ich hatte schon einige Erfahrung mit der Geige und notierte, was Paganini spielte, und besonders die herrlichen Variationen über ‚Nel cor più’, die mich, glaube ich, mehr beeindruckten als jedes seiner anderen wunderbaren Stücke. [...] Später im Jahr 1832 trafen wir Paganini in London wieder und erlebten ihn ebenso freundlich und höflich wie zuvor. Er kam herüber nach Hampstead mit seinem kleinen Sohn Achillino, um den Tag mit uns im Haus meines Onkels, General Perronet Thompson zu verbringen. Er war so liebenswürdig und freundlich, spielte sowohl Violine als auch Gitarre für uns, und war sogar so freundlich, auf seinen eigenen Vorschlag hin, mit mir ein Duett zu improvisieren (das Thema war Rossinis ‚Di tanti palpiti’). Ich spielte Klavier und er Geige. Er lachte herzhaft, als er hörte, wie ich einige seiner außergewöhnlichen Geigen-Kunststücke imitierte.“; Pulver 1939, S. 579) Wenige Jahre später lernte Laura Barker auch den Komponisten und Geiger Louis Spohr kennen: „It was on the occasion of the Norwich Festival in 1839 that we had the pleasure of making the personal acquaintance of Spohr. My father took me and two of my sisters to this interesting meeting, which was a memorable one in our quiet country lives. We met the great man at the house of Mr. Marshall, the Mayor of Norwich [...]. He was very kind and always seemed not only willing but glad to be of help to anyone. He was always ready to help me with my violin, and kindly chose a bow for me; and when I became possessed of my splendid Stradivarius he was much interested in it and marked the places on my string-gauge of the thickness of strings required for the instrument.“ („Beim Norwich Festival 1839 hatten wir die Freude, Spohr persönlich kennenzulernen. Mein Vater nahm mich und zwei meiner Schwestern mit zu diesem interessanten Treffen, das ein erinnerungswürdiger Moment in unserem ruhigen Leben auf dem Land war. Wir trafen diesen großartigen Mann im Haus von Mr. Marshall, dem Bürgermeister von Norwich [...]. Er war sehr freundlich und schien stets nicht nur willens, sondern sogar darüber glücklich zu sein, wenn er jemandem helfen konnte. Er war immer bereit, mir mit meiner Geige zu helfen, und suchte freundlicherweise einen Bogen für mich aus; und als ich Besitzerin meiner wunderbaren Stradivari-Geige wurde, war er daran sehr interessiert und markierte die Stellen auf meinem Saitenmaß mit der Saitenstärke, die das Instrument benötigte.“; Pulver 1939, S. 580)


    Wie es scheint, wurde Laura Barker von ihrer Familie ermutigt zu komponieren. So schickte der Vater z. B. bereits 1836 eine ihrer Kompositionen an Louis Spohr (vgl. Pulver 1939, S. 580). Aus dem Jahr 1837 sind „Seven Romances for voice and guitar bekannt (vgl. Grove 1954), 1847 veröffentlichte Laura Barker ein Album mit sechs Liedern für eine Singstimme und Klavier, und ein Jahr später folgte der fünfstimmige Glee, ein traditioneller englischer Chorsatz, „Can a Bosom so gentle remain“ nach einem Text von William Shenstone, der im Londoner „Sacred Music Warehouse“ verlegt wurde (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1848). In den folgenden Jahren wurden Laura Barkers Kompositionen von Publikum und Presse begeistert aufgenommen; zahlreiche ihrer Kompositionen basieren dabei auf Texten des Schriftstellers Alfred Tennyson. Im November 1850 gab die Sängerin Miss Dolby in einer ihrer Soireen die Uraufführung von Laura Barkers Kantate „Œnone“ nach Versen von Alfred Tennyson. Die Zeitung „The Athenaeum“ rezensierte: „Miss Dolby’s Soirées. – These are among the most interesting meetings for chamber-music given in London or elsewhere: – Miss Dolby showing an enterprise in presenting new music which corporate bodies of greater resources and pretensions might do well to emulate. At her second Soirée was performed a Pianoforte Trio by M. Silas [...]. Another novelty introduced was a very fine setting of some words from Tennyson’s ‚Œnone’ in the form of a Cantata, by Miss Laura Barker. This would be a remarkably impassioned composition, whoever had written it. It commences with a recitative and a grand cantabile, – closing with an agitato brilliantly accompanied. The leading phrase of this stretto might perhaps be re-considered for the purpose of adding force and feature to the passage; but the working up of the movement is forcible, brilliant, exciting and unborrowed.“ („Miss Dolby’s Soireen. – Diese gehören zu den interessantesten Kammermusik-Abenden, die in London und anderswo gegeben werden: – Miss Dolby zeigt ein Engagement, das, was die Aufführung neuer Musik angeht, von Menschen mit besseren Möglichkeiten und hohen Ansprüchen gut nachgeahmt werden könnte. Bei ihrer zweiten Soiree wurde ein Klaviertrio von M. Silas aufgeführt [...]. Eine weitere Neuheit war eine sehr schöne Vertonung einiger Verse aus Tennysons ‚Œnone’ in Form einer Kantate von Miss Laura Barker. Dies wäre stets eine bemerkenswert leidenschaftliche Komposition, unabhängig davon, wer sie vertont hätte. Sie beginnt mit einem Rezitativ und einem großen Cantabile und schließt mit einem Agitato mit bravouröser Begleitung. Die führende Melodie dieses Stretto könnte im Hinblick auf Kraft und Charakterschärfe nochmals überarbeitet werden; aber die Ausarbeitung des Satzes ist, so wie sie jetzt ist, kräftig, brillant, aufregend und originell.“; „The Athenaeum“ vom 30. November 1850, S. 1256) Wenige Wochen später trat dieselbe Sängerin erneut mit einer Vertonung Laura Barkers in den Mr. Lindsay Slopers’s Soireen in den Londoner „New Beethoven-rooms“ auf. Neben der Kantate “Ida, Ida!” nach einem Gedicht von Alfred Tennyson sang sie zwei Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy: „Miss Dolby sang two beautiful songs of Mendelssohn [...]; besides a recitative and air, founded upon Alfrd Tennyson’s fine poem, ‚Ida, Ida!’ by Miss Laura Barker, which evinces a dramatic expression, a depth of feeling, and a taste for harmony, that we cannot remember to have recognized in any other lady composer.“ („Miss Dolby sang zwei wunderschöne Lieder von Mendelssohn [...]; zudem ein Rezitativ mit Arie, basierend auf Alfred Tennyson’s schönem Gedicht ‚Ida, Ida!’, vertont von Laura Barker, die eine dramatische Ausdruckskraft, eine Tiefe der Empfindung und ein Gefühl für Harmonien erkennen lässt, wie wir uns nicht erinnern können, es jemals bei einer anderen Komponistin festgestellt zu haben.“; „The London Times“ vom 29. Januar 1851, S. 7)


    Ebenfalls 1851 erschien die „Sprite Polka“, eine „Brilliant Phantasy“ für Klavier im Londoner Verlag Wessel & Co, die in „The Musical World“ ausführlich besprochen wurde: „Like everything we have seen from the pen of its accomplished authoress – who, though an amateur, knows more of the art than many professors of name and standing, not to speak of her sprightly fancy, a quality which it does not belong to teaching or professional status to give – the ‚Sprite Polka’ demands that consideration due to performances in which there is no evidence of vulgar idea, or common-place treatment. It could not be described more properly than by Miss Barker in her own title-page being really a brilliant phantasy, and not merely distinguished by a Ph. instead of an F, but by real thoughts instead of emptiness. [...] The ‚Sprite Polka’ is not addressed to mean fingers, but requires a deliberate command of the key-board, in all its compass. [...] The ‚Sprite Polka’ is dedicated, in words of graceful and sincere compliment, to Mr. Cipriani Potter, from whose experienced teaching Miss Laura Barker has derived her knowledge of the art of composition, and, we believe, her proficiency on the pianoforte.“ („Wie alles, was wir aus der Feder dieser versierten Autorin gesehen haben – die, obwohl sie eine Amateurin ist, mehr von Kunst versteht als viele Professoren von Rang und Namen, ganz zu schweigen von ihrer sprühenden Erfindungsgabe, einer Fähigkeit, die nicht an das Lehren oder einen professionellen Status gebunden ist, – verlangt die ‚Sprite Polka’ eine Art der Annäherung, die an Interpretationen gebunden bleibt, denen vulgäre Gedanken oder Plattitüden fern sind. Sie könnte nicht besser beschrieben werden als von Miss Barker selbst auf ihrem Titelblatt, sie ist eine wirkliche ‚brilliant phantasy’ und unterscheidet sich nicht nur durch ein „Ph.“ anstelle eines „F.“, sondern durch wirkliche Gedanken anstelle leerer Phrasen. [...] Die ‚Sprite Polka’ ist nicht für durchschnittliche Finger komponiert, sondern verlangt eine bewusste Kontrolle über den gesamten Tonumfang eines Klaviers. [...] Die ‚Sprite Polka’ ist mit dankbaren und ernsten Worten Mr. Cipriani Potter gewidmet, von dessen erfahrenem Unterricht Miss Laura Barker ihr Können in der Kunst der Komposition erhalten hat, und, soweit wir wissen, ihre Fähigkeiten auf dem Klavier.“; „The Musical World“ vom 5. April 1851, S. 213)


    Vermutlich ab Mitte der 1840er Jahre bis zu ihrer Heirat im Jahr 1855 unterrichtete Laura Barker an der Blindenschule in York das Fach Musik (vgl. Grove 1954). Am 19. Juni 1855 heiratete sie den Schriftsteller Tom Taylor (1817-1880) und ließ sich mit ihrem Mann in London nieder. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: die Tochter Lucy wurde 1857, der Sohn Wycliffe 1859 geboren. Nach ihrer Heirat nannte sich Laura Barker „Mrs. Tom Taylor“ oder auch „Laura Wilson Taylor“. Ihr Mann erbte von seinem Großvater William Flower die bereits erwähnte Tom Taylor-Stradivarius, die Laura Barker von da an zeitlebens spielte. In London veranstaltete das Ehepaar regelmäßig musikalische Soireen, an denen u. a. die Schriftsteller Charles Reade und Alfred Tennyson und die Shakespeare-Interpretin Ellen Terry teilnahmen; auch reisende Musikerinnen und Musiker waren dort zu Gast, z. B. die Pianistin Clara Schumann, die Sängerin Amalie Joachim und deren Mann, der Geiger Joseph Joachim, wie u. a. aus Briefen hervorgeht, die der Stradivari-Geige als Dokumente beiliegen (vgl. http://www.joshuabell.com/biography, Stand: 28.7.2011; Artikel Grove 1954).


    Während ihrer Ehe erschienen nur wenige Kompositionen von Laura Barker, darunter 1865 die Harmonisierung von Volksliedern für die Sammlung „Ballads and songs of Brittany“, die ihr Mann Tom Taylor zusammenstellte und die in zahlreichen Auflagen eine weite Verbreitung erfuhr („Ballads and songs of Brittany“ by Tom Taylor. Translated from the Barsaz Breiz of Vicomte Hersant [!] de Villemarquel, with some of the original melodies harmonized by Mrs. Tom Taylor. London/Cambridge: Macmillan and Co, 1865). 1871 verfasste Laura Barker die Bühnenmusik zu einem der historischen Dramen ihres Mannes, „Joan of Arc“, das am 10. April 1871 im Queen’s Theatre London uraufgeführt wurde, und 1880 folgte die Bühnenmusik zu William Shakespeare „As You Like It“ in der Inszenierung einer Miss Litton (14. April 1880 „Imperial Theatre“ London) (vgl. „The Times“ vom 13. Juli 1880, S. 8).


    Erst nach dem Tod ihres Mannes, 1880, veröffentlichte Laura Barker weitere Kompositionen, darunter die „Songs of Youth“, die 1884 bei Stanley Lucas, Weber & Co. in London erschienen. In der „Musical Times“ schrieb ein Rezensent: „This volume of Songs is a welcome contribution to the high-class vocal music of the day. With the exception of No. 1, ‚The Owls,’ the words of which are by the composer, the poetry is not selected from the works of any living author; but all the subjects are well chosen, and admirably adapted for musical setting. ‚Mariana’s Song,’ from Shakespeare’s ‚Measure for Measure,’ and the Dirge, ‚Yes, thou may’st sigh,’ from Scott’s ‚Fair Maid of Perth,’ are excellent compositions; but all will fully repay that earnest study which they demand both from the vocalist and the pianist.“ („Dieser Band mit Liedern ist ein willkommener Beitrag zur heutigen erstklassigen Vokalmusik. Mit Ausnahme von Nr. 1 ‚The Owls’, deren Text von der Komponistin ist, stammen die Texte von heute nicht mehr lebenden Autoren; aber alle Themen sind gut ausgewählt und bewundernswert für eine Vertonung eingerichtet. ‚Mariana’s Song’ aus Shakespeares ‚Measure to Measure’ und das Klagelied ‚Yes, thou may’st sigh’ aus Scotts ‚Fair Maid of Perth’ sind hervorragende Kompositionen; alle werden das ernste Studium, das sie sowohl dem Sänger als auch dem Pianisten abverlangen, vollständig vergelten.“; „The Musical Times“ vom 1. September 1884, S. 533) 1899 überarbeitete Laura Barker für das Hovingham Music Festival ihre Komposition „A Prophecy“ für Chor und Orchester nach einem Text von John Keats, die sie bereits 1850 geschrieben hatte, und die zusammen mit Johannes Brahms’ „Schicksalslied“ op. 54 in Hovingham aufgeführt wurde: „The other choral works were Brahms’s ‚Song of Destiny’ and a setting of a poem by Keats, ‚A Prophecy,’ by Mrs. Tom Taylor (Laura W. Barker), a Yorkshire lady, who for many years has been known as an amateur of far more than ordinary ability. The chorus was written as far back as 1850, but the orchestration was revised for this, its first performance. It is pleasant, tuneful music, and when it is remembered what average English music was half-a-century ago it is evident that the composer was by no means behind her times.“ („Das andere Chorwerk war Brahms’ ‚Schicksalslied’ und eine Vertonung von einem Gedicht von Keats, ‚A Prophecy’ von Mrs. Tom Taylor [Laura W. Barker], eine Dame aus Yorkshire, die seit vielen Jahren als eine Amateurin von weitaus mehr als den üblichen Fähigkeiten bekannt ist. Der Chor wurde bereits 1850 geschrieben, aber die Orchesterbegleitung war für diese erste Aufführung überarbeitet worden. Es ist eine hübsche, melodienreiche Musik, und wenn man sich erinnert, was durchschnittliche, englische Musik vor einem halben Jahrhundert war, wird deutlich, dass die Komponistin in keiner Weise ihrer Zeit hinterherhinkte.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1899, S. 546)


    Laura Barker starb am 22. Mai 1905 in Coleshill, Buckinghamshire.

    Würdigung

    Die Kompositionen Laura Barkers und ihre Tätigkeiten können erst nach weiteren Forschungen angemessen gewürdigt werden.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Laura Barkers werden derzeit nicht rezipiert. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Abschnitt „Biografie“.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Das vorläufige Verzeichnis der Kompositionen von Laura Barker wurde nach zeitgenössischen Rezensionen, nach der Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts aufbereitet sind, sowie nach Pazdírek 1904ff. zusammengestellt. Der Artikel über Laura Barker in Grove 1954 verweist zudem auf weitere Werkgattungen, von denen sich derzeit keine Spur finden lässt: Gesangsduette, Madrigale sowie Streichquartette und andere Kammermusik (vgl. Grove 1954).


    Seven Romances, für eine Singstimme und Gitarre, 1836.


    Six Songs, London, 1847.


    „Can a Bosom so gentle remain“ (Text: Shenstone). Glee for Five Voices, composed and dedicated to Vincent Novello, by Miss Laura W. Barker. London: Sacred Music Warehouse, 1848 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1848)


    „A prophesy“ for Choir and Orchestra, 1850, UA 1899 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. August 1899, S. 546)


    „Œnone“. Cantata after a Text by Alfred Tennyson, UA London 1850.


    „Ida, Ida!“ (Text: Alfred Tennyson). Song for Voice and Piano , UA London 1851 (vgl. „The Times“ vom 29. Januar 1851)


    “The Sprite Polka”. Brilliant Phantasy for Piano. London: Wessel & Co, 1851.


    Six Songs for Voice and Piano. London: Ashdown, 1852.

    1. To daffodils – 2. Home of my youth – 3. The song of the yellow-hammer – 4. Lullaby – 5 .The rose – 6. The miller’s daughter (Alfred Tennyson)


    „Sleep Gentle Lady“, for Choir. London: Curwen, o. J.


    „ Country Walk”. Sonata for Piano and Violin. London 1860.


    „Ballads and songs of Brittany”, by Tom Taylor. Translated from the Barsaz Breiz of Vicomte Hersant [!] de Villemarquel, with some of the original melodies harmonized by Mrs. Tom Taylor. London/Cambridge: Macmillan and Co, 1865 (zahlreiche weitere Auflagen).


    „Ask me no more„, Song for Voice and Piano, adapted to the poetry of Alfred Tennyson. London: Chappell & Co., 1867.


    Overture and Entr’acte zu Tom Taylors historischem Drama „Joan of Arc“, UA Queen’s Theatre London, 10. April 1871.


    Bühnenmusik zu William Shakespeare’s „As You Like It“, UA Imperial Theatre London, 14. April 1880.


    „Songs of Youth“. Songs for Voice and Piano . London: Stanley Lucas, Weber and Co., 1884.

    The Owls (Laura Barker) – Mariana’s Song (William Shakespeare) – Yes, thou may’st sigh (Walter Scott)


    „A First Summer Song” (P. MacKaye). Song for Voice and Piano, Amersham, o. J.



    Gedichte


    Laura Barker schrieb zahlreiche Gedichte, die bislang unbekannt sind. Im Jahr 2008 wurde eines ihrer Notizbücher mit Gedichten in London verkauft (s. Forschungsinformationen).


    Home thoughts and home scenes, in original poems by Jean Ingelow, Dora Greenwell, Mrs. Tom Taylor, the Hon. Mrs. Norton, Amelia B. Edwards, Jennett Humphreys, and the author of „John Halifax, gentleman“. And pictures by A. B. Houghton, engraved by the Brothers Dalziel. London, 1865.

    Repertoire

    Laura Barker musizierte nach derzeitigem Forschungsstand ausschließlich in privatem Rahmen; über ihr Repertoire ist nichts bekannt.

    Quellen

    Sekundärliteratur


    Artikel „Taylor, Mrs. Tom“. In: A critical dictionary of English literature. S. A. Allibone (Hg.). 3 Bde. (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Barker, Laura Wilson“. In: A handbook of musical biography. D. Baptie (Hg.). 2. Aufl. 1887 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Taylor, Mrs. Tom“. In: British musical biography. J. D. Brown, S. S. Stratton (Hg.). 1897 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Barker (Laura Wilson)“. In: Women composers. Otto Ebel (Hg.). 3. Aufl. 1913 (verfügbar in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Taylor, Mrs. Tom (Laura W. Barker)“. In: Grove’s Dictionary of Music and Musicians. 5th edition. Edited by Eric Blom. London: Macmillan & Co LTD, 1954, Vol. 5, S. 326f.


    Artikel „Taylor, Laura“. In: Instrumentalistinnenlexikon, hg. v. Freia Hofmann, online-Lexikon: http://www.sophie-drinker-institut.de (Stand: 5. Februar 2011)


    Cherry, Deborah. Painting Women. Victorian Women Artists. London: Routledge, 1993 (darin u. a.: Laura W. Barker mit ihrem Sohn Wycliffe 1859, gezeichnet von ihrer Schwester Luciette Barker).


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Pazdírek, Franz (Hg.). Universalhandbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker, Wien: Pazdírek & Co, 1904-1910.


    Pulver, Jeffrey. Personal Contacts with Paganini and Spohr. In: „The Musical Times“ vom August 1939, S. 579f.



    Konzertrezensionen und Zeitschriftenartikel


    The Athenaeum vom 30. November 1850, S. 1256.


    The Musical Times vom 1. April 1848.

    The Musical Times vom 1. September 1884, S. 533.

    The Musical Times vom 1. August 1899, S. 546


    The Musical World vom 5. April 1851, S. 213.


    The Times vom 29. Januar 1851, S. 7.

    The Times vom 13. Juli 1880, S. 8.



    Links


    http://composers-classical-music.com/b/BarkerLauraWilson.htm

    Die Website Composers of Classical Music enthält auch einen Kurzeintrag zu Laura Wilson Barker.


    http://www.kalliope-portal.de (Stand: 28. Juli 2011)

    Der Verbundkatalog Nachlässe und Autographen (Deutschland) verzeichnet zwei Briefe Laura Barkers: einen an Louis Spohr vom 27. März 1840, einen an Ignaz von Döllinger vom 4. November 1874.


    http://www.cozio.com/Instrument.aspx?id=541 (Stand: 28. Juli 2011)

    Die Site „Cozio.com“, die der Identifikation wertvoller Saiteninstrumente dient, enthält auch einen Eintrag zur so genannten „Tom Taylor-Stradivari“, die sich ab 1839 im Besitz von Laura Barker befand und von 1987 bis 2001 dem Geiger Joshua Bell gehörte.

    Forschung

    Im Oktober 2008 stand eines von Laura Barkers Notizbüchern mit Gedichten bei einem Londoner Antiquar, Michael Silverman, zum Verkauf (vgl. http://www.ilab.org/db/book841_12686.html, Stand: 24. Oktober 2008). Die Beschreibung lautete: „Poetical Notebook of Laura Wilson Barker, of Thirkleby, [Yorkshire] (Inscription to verso of front free endpaper: ‚Laura Wilson Barker, Sep. 1852. Thirkleby’). c.75 poems (fair copies) written in ink in her neat hand in a 4to. roan album [paper watermarked 1850], 170 pages + a few blanks, mainly Thirkleby, but also York, Ambleside, Keswick, London, &c., the poems dated 1846-54, some wear to spine & covers, but in very good condition. Inoffensive rhyming verse, of the period, written by an educated young lady, with much talk of love & nature. The author apparently became a governess or private tutor. Titles include ‚The dejected husbandman’, ‚Song of the Violet’, ‚Lament (To the river Lodore in the Glen of Watendlath)’, ‚Lines addressed by his tutor to J. G. E. on his leaving Cambridge’, ‚A Valentine to Miss E.J.’, ‚Reveillée (Written & set to music for the Apollo Glee Society of Sheffield)’, ‚Anthem for our Heroes’ (dated December 1854 & no doubt inspired by the Crimean War; Tennyson’s ‚Charge of the Light Brigade’ was written, & published, in the same month). ‚Lines on G-- W--’ (‚My love is tall, and fresh, & fair...’), dated May 18, 1845, is followed immediately by ‚To G-- W-- on his marriage’ (‚Farewell Georgie, farewell dearest...’), dated January 16, 1846. The weather is sometimes noted: thus, ‚Christmas day (bitter cold) Mond. eveng. Thirkleby – 1848’, ‚Grisedale Bridge – Patterdale. Nov. 15. 1851. (owls hooting – fall of snow)’, ‚Dec. 1. (severe frost) 1851’, ‚Beech Cottage, Ambleside. Dec. 19. 1851. frid. aftern. Thick fogs – never light.’“


    Der Verbundkatalog Nachlässe und Autographen (Deutschland) verzeichnet zwei Briefe Laura Barkers: einen an Louis Spohr vom 27. März 1840, einen an Ignaz von Döllinger vom 4. November 1874 (s. „Links“).


    Im Jahr 1939 veröffentlichte die Tochter Laura Barker’s, Lucy A. Taylor, Erinnerungen an ihre Mutter sowie Auszüge aus deren Tagebüchern, Niccolò Paganini und Louis Spohr betreffend. Vgl.: Pulver, Jeffrey. Personal Contacts with Paganini and Spohr. In: „The Musical Times“ vom August 1939, S. 579f. Das Buch ist derzeit nicht aufzufinden.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Laura Barker umfasst ihre Biografie, ihre Kompositionen sowie ihre Tätigkeiten.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 64748078
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 116057483

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 02.02.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Laura Barker“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 2.2.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Laura_Barker