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  • Katharine Eggar

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Katharine Eggar
    Lebensdaten:
    geb. in London, England
    gest. in , England

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Musikwissenschaftlerin
    Charakterisierender Satz:

    „One of the most memorable performances at the chamber concert on November 18, at Queen’s Hall, was that of the Lento and Allegro giusto from a Pianoforte quintet (MS.) by Miss Katharine Eggar. In the slow movement is shown ability to invent and develop melody, in the Allegro is apparent a lively sense of contrast, and both sections are full of promise of greater achievement. The composer took part in a praiseworthy rendering.“


    „Eine der denkwürdigsten Vorstellungen beim Kammerkonzert am 18. November in der Queen’s Hall war die des Lento und Allegro giusto aus einem Klavierquintett (MS.) von Fräulein Katharine Eggar. Im langsamen Satz zeigt sich ihre Fähigkeit, eine Melodie zu erfinden und zu entwickeln, im Allegro wird ein lebhafter Sinn für Kontraste offenbart, und beide Teile sind voll von Versprechen größerer Errungenschaften. Die Komponistin beteiligte sich an einer lobenswerten Aufführung.“


    („The Musical Times“ vom 1. Dezember 1907)


    Profil

    Die Pianistin, Komponistin und Musikwissenschaftlerin Katharine Eggar konnte sich nach ihrem Studium im britischen Musikleben etablieren. Ihr kompositorisches Werk umfasst Lieder, Klavier- und Kammermusik und wurde – obwohl von der Musikkritik begeistert rezensiert – nur zu einem kleinen Teil in Londoner Musikverlagen gedruckt, u.a. in den Verlagen Stainer & Bell, Augener und Chappell & Co. Im Jahr 1911 gründete Katharine Eggar gemeinsam mit der Komponistin und Musikwissenschaftlerin Marion Scott und der Sängerin Gertrude Eaton die „Society of Women Musicians“, in der sie sich in den folgenden Jahrzehnten intensiv engagierte. Ab ca. 1920 wandte sich Katharine Eggar zudem der Musikwissenschaft zu. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassten neurophysiologische und musikpsychologische Fragen, ältere Musikgeschichte, insbesondere aus dem Umfeld William Shakespeares, sowie aktuelle britische Komponistinnen und Komponisten. Von 1920 bis 1960 veröffentlichte sie zu diesen Themenbereichen zahlreiche Artikel, u. a. in der „Musical Times“, den „Proceedings of the Musical Association“ und der Zeitschrift „Music & Letters“.

    Orte und Länder

    Katharine Eggar wurde in London geboren. Sie studierte an der dortigen Royal Academy of Music sowie vermutlich am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin und am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel und kehrte anschließend nach London zurück. Das Zentrum ihres Wirkens blieb London.

    Biografie

    Katharine Eggar wurde am 5. Januar 1874 in London geboren. Über ihre Herkunft und ihre erste musikalische Ausbildung ist nichts Näheres bekannt. Sie absolvierte zunächst ein Studium im Fach Klavier an der Royal Academy of Music, das sie im Studienjahr 1894/5 „as performer and teacher“ abschloss (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Februar 1895, S. 73). Anschließend setzte sie ihr Klavierstudium bei Karl Klindworth in Berlin – vermutlich am Klindworth-Scharwenka Konservatorium –, bei Arthur de Greef am Conservatoire Royal de Musique de Bruxelles sowie nochmals an der Royal Academy of Music in London bei Edward Dannreuther fort (vgl. „The Times“ vom 19. August 1961, S. 10).


    Während ihres Klavierstudiums und danach lassen sich bislang nur wenige Konzerte belegen. Ab 1900 bis mindestens 1915 trat Katharine Eggar regelmäßig in den Chamber Concerts in Reading (Grafschaft Birkshire) auf, die das Geschwisterpaar Evelin und Stella Fife, Violinistin und Violoncellistin, in der dortigen Town Hall veranstalteten. In diesem Rahmen spielte sie am 12. Februar 1900 gemeinsam mit dem Geiger Mr. Elderhorst, der Geigerin Eveline Fife, der Bratscherin Dorothee Blunt und dem Violoncellisten William Edward Whitehouse das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann sowie als Solostücke Johannes Brahms’ Intermezzo für Klavier Es-Dur op. 117 Nr. 1 und dessen Rhapsodie g-Moll op. 79 Nr. 2 (vgl. „The Musical Times“ vom 1. März 1900, S. 196). In nahezu gleicher Besetzung – Alfred Hobday hatte den Violapart übernommen – spielte sie dort im Januar/Februar 1902 das Klavierquintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms sowie mehrere Solostücke und Klaviertrios, u. a. gemeinsam mit Eveline und Stella Fife (vgl. „The Musical Times“ vom 1. März 1902, S. 196). Am 17. November 1913 wurde hier auch ihr eigenes Klavierquintett aufgeführt (s. unten), das sie gemeinsam mit Hans Wessely (Violine), Evelin Fife (Violine), Dorothy Jones (Viola) und William Edward Whitehouse (Violoncello) spielte (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1913, S. 828). Im Januar 1915 gaben Katharine Eggar, die Violoncellistin Stella Five und der Sänger Denis Byndon-Ayres ein Kammermusikkonzert mit einem der Violoncellokonzerte von Camille Saint-Saëns, mehreren Klavierstücken von Alexander Konstantinowitsch Glasunow und „Six Chansons à Danser“ für Singstimme und Klavier von Alfred Bruneau, wie die „Musical Times“ berichtete: „Reading. An excellent chamber concert was given at the Town Hall on January 16 by Miss Stella Fife (violoncello), Miss Katharine Eggar (pianoforte), and Mr. D. Byndon-Ayres (vocalist). The Violoncello concerto of Saint-Saëns, a set of Variations for pianoforte by Glazounov, three Elizabethan Pastoral songs by Dr. A. H. Brewer, and ‚Dance songs’ by Bruneau were the chief features of an interesting programme.“ („Reading. Ein herausragendes Kammerkonzert wurde am 16. Januar im Rathaus von Fräulein Stella Fife (Violoncello), Fräulein Katharine Eggar (Klavier) und Herrn D. Byndon-Ayres (Sänger) gegeben. Das Cellokonzert von Saint-Saëns, eine Reihe von Variationen für Klavier von Glasunow, drei elisabethanische Pastoral-Lieder von Dr. A. H. Brewer und ‚Tanzlieder’ von Bruneau waren die hauptsächlichen Besonderheiten eines interessanten Programms.“; „The Musical Times“ vom 1. Februar 1915, S. 113)


    Im Dezember 1905 wurde in der Londoner Steinway Hall Katharine Eggars Klaviertrio im Rahmen eines Konzertes aufgeführt, das die Sängerin Emile D’Oisly und der Sänger Marcus Thomson veranstalteten. Der Geiger Rowsby Woof und die Violoncellistin Stella Fife spielten gemeinsam mit Katharine Eggar die Uraufführung des Trios. Der Rezensent der „Times“ ließ keinen Zweifel daran, dass er Katharine Eggar für eine begabte Komponistin hielt, der es jedoch an fundierter Ausbildung fehle: „They [die Sänger] were assisted by Misses Katharine Eggar, Stella Fife, and Mr. Rowsby Woof [...] in the first performance in London of a trio for pianoforte, violin, and violoncello composed by Miss Eggar. The composer evidently has ideas, but she needs further training to enable her to express them to the best advantage, to prevent her music from sounding less interesting than it probably really is. The third movement in one of the simpler forms was the most successful, but, a good deal of the music had some character.“ („Ihnen [den Sängern] standen die Fräulein Katharine Eggar, Stella Fife und Herr Rowsby Woof […] in der Londoner Erstaufführung eines Trios für Klavier, Violine und Violoncello, komponiert von Fräulein Eggar, zur Seite. Die Komponistin hat augenscheinlich Ideen, doch braucht sie weitere Schulung, die es ihr ermöglicht, diese sehr vorteilhaft auszudrücken, um ihre Musik davor zu bewahren, weniger interessant zu klingen als sie wahrscheinlich wirklich ist. Der dritte Satz, einer simpleren Form folgend, war der erfolgreichste, doch ein großer Anteil der Musik hatte so manch Eigenwilliges.“; „The Times“ vom 14. Dezember 1905, S. 11)


    Im Alter von 30 Jahren nahm Katharine Eggar ein Zweitstudium im Fach Komposition auf und studierte von 1906 bis 1909 bei Frederick Corder an der Royal Academy of Music (RAM) in London. Noch während ihrer Studienzeit begeisterte Katharine Eggar die Rezensenten der „Musical Times“. So hieß es z. B. über die Aufführung von zwei Sätzen aus ihrem Klavierquintett d-Moll im Rahmen eines Studierendenkonzertes der RAM am 18. November 1907 in der Londoner Queen’s Hall: „One of the most memorable performances at the chamber concert on November 18, at Queen’s Hall, was that of the Lento and Allegro giusto from a Pianoforte quintet (MS.) by Miss Katharine Eggar. In the slow movement is shown ability to invent and develop melody, in the Allegro is apparent a lively sense of contrast, and both sections are full of promise of greater achievement. The composer took part in a praiseworthy rendering.“ („Eine der denkwürdigsten Aufführungen beim Kammerkonzert am 18. November in der Queen’s Hall war die des Lento und Allegro giusto aus einem Klavierquintett (MS.) von Fräulein Katharine Eggar. Im langsamen Satz zeigt sich ihre Fähigkeit, eine Melodie zu erfinden und zu entwickeln, im Allegro wird ein lebhafter Sinn für Kontraste offenbart, und beide Teile sind voll von Versprechen größerer Errungenschaften. Die Komponistin beteiligte sich an einer lobenswerten Aufführung.“; „The Musical Times“ vom 1. Dezember 1907) Auch im darauffolgenden Studierendenkonzert am 19. Februar 1908 präsentierte Katharine Eggar eine weitere ihrer Kompositionen, eine Suite für Violoncello und Klavier, die sie gemeinsam mit dem Violoncellisten B. Walton O’Donnell spielte, und die „Musical Times“ bescheinigte der Komposition, ein Hinweis auf „earnest thought and much feeling“ zu sein („... ernsthafte Gedanken und viel Gefühl“; „The Musical Times“ vom 1. März 1908, S. 181). Beim Studierendenkonzert ein Jahr später, wiederum in der Queen’s Hall, wurde von ihr „a pleasing trio“ für Frauenstimmen und Klavier mit dem Titel „May Wind“ aufgeführt, gesungen von Alice Baxter, Dora Gascoigne und Mary Davies und von ihr selbst am Klavier begleitet (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juli 1909, S. 469).


    Am 11. Juni 1908 – noch während ihrer Studienzeit – veranstaltete Katharine Eggar ein Konzert mit ausschließlich eigenen Kompositionen in der Londoner Æolian Hall. Auf dem Programm standen das Klavierquintett d-Moll, die Suite für Violoncello und Klavier, fünf Charakterstücke über nordische Götter für Klavier, mehrere Lieder für Singstimme und Klavier sowie das Lied „My soul is an enchanted boat“ für Singstimme, Streichquartett und Klavier. Der Rezensent der „Musical Times“ zeigte sich mehr als begeistert von der jungen Komponistin: „Miss Katherine Eggar, who gave a concert of her own compositions on June 11 at Æolian Hall, is undoubtedly gifted to an unususal degree. For the last two years she has been studying at the Royal Academy of Music, and her Quintet in D minor for pianoforte and strings is music that stirs the imagination of the listener and at the same time excites the esteem of the musicians. The first movement is instinct with earnest feeling expressed in melodious and coherent terms; the presto is full of life and gaiety; the slow movement, commenced in an original manner by an unaccompanied quasi recitative for the violoncello, is extremely dignified; while the finale, in Rondo form, is vigorous and exhilarating and full of character. The work, excellently rendered by the composer at the pianoforte, supported by the Wessely Quartet, was most cordially received. A suite for violoncello and pianoforte, comprising five short movements, proved attractive, the string part being tastefully played by Mr. Herbert Withers, with Miss Eggar at the pianoforte. A series of five pianoforte solos illustrating poems on the Norse gods, which proved to be full of fancy and bright ideas, was effectively played by Mr. Claude Pollard. Miss Eggar also submitted half-a dozen songs which were admirably sung by Mr. Frederick Ranalow, who was the soloist in a poetical setting for voice, with accompaniment for string quartet and pianoforte, of Shelley’s ‚My soul is an enchanted boat.’ The vocal part of these works is not always so grateful to the voice as it might be, but the accentuation of the words is excellent, and the music contains many proofs of refined feeling and independence of thought.“ („Fräulein Katherine Eggar, die am 11. Juni in der Æolian Hall ein Konzert mit eigenen Kompositionen gab, ist zweifellos in einem ungewöhnlichen Maße begabt. Die letzten zwei Jahre hat sie an der Royal Academy of Music studiert und ihr Quintett in d-Moll für Klavier und Streicher ist Musik, die die Fantasie der Hörer bewegt und gleichzeitig die Hochachtung der Musiker erweckt. Der erste Satz ist erfüllt von aufrichtigem Gefühl, das in melodiöser und schlüssiger Form ausgedrückt wird; das Presto ist voller Leben und Heiterkeit; der langsame Satz, der in origineller Art und Weise mit einem unbegleiteten Quasi-Rezitativ des Violoncellos beginnt, ist außerordentlich gediegen; während das Finale in Rondoform energisch, berauschend und charaktervoll ist. Das Werk, das hervorragend durch die Komponistin am Klavier, unterstützt durch das Wessely Quartett, wiedergegeben wurde, wurde äußerst herzlich aufgenommen. Eine Suite für Violoncello und Klavier, bestehend aus fünf kurzen Sätzen, erwies sich als anziehend, die Streicherpartie wurde von Herrn Herbert Withers geschmackvoll gespielt, Fräulein Eggar spielte Klavier. Eine Reihe von fünf Klaviersoli, die Gedichte über die altnordischen Götter darstellen und die erwiesen, dass sie voller Fantasie und genialer Ideen sind, wurde von Herrn Claude Pollard effektvoll gespielt. Fräulein Eggar legte auch ein halbes Dutzend Lieder vor, die bewundernswert von Herrn Frederick Ranalow, der auch Solist in einer poetischen Fassung von Shelleys ‚My soul is an enchanted boat’ für Singstimme mit Begleitung durch Streichquartett und Klavier war, gesungen wurden. Die Vokalpartie dieser Werke ist nicht immer so dankbar für die Stimme, wie sie sein könnte, doch die Akzentuierung des Textes ist exzellent und die Musik beinhaltet viele Beweise von kultiviertem Gefühl und gedanklicher Unabhängigkeit.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1908, S. 468) Darüber hinaus wurden Katharine Eggars Kompositionen in die Programme der bekannten Londoner Konzertreihen aufgenommen. So erklang das Klavierquintett d-Moll bereits wenige Wochen nach der Uraufführung ein weiteres Mal im Rahmen der bekannten Konzertreihe „Thomas Dunhill Chamber Concerts“ in der Londoner Steinway Hall (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Februar 1908, S. 103), und vier ihrer Charakterstücke für Klavier wurden im Juni 1908 im Rahmen eines Konzertes der Society of British Composers aufgeführt. Die „Times“ schrieb über das Ziel der Konzerte und über Katharine Eggars Kompositionen: „The quiet and unobtrusive work of this society deserves all praise. One of its most attractive features is the series of musical evenings for which the society’s members and friends meet from time to time at Messrs. Novello’s premises, 160, Wardour-street. [...] Four characteristic piano pieces by Miss Katharina Egger were played by Mr. C. F. Pollard. Each contains a definite musical idea tersely expressed without elaboration, though the one called ‚Thor, the Thunderer’, which was longer than the others, showed that the composer is able to develop her ideas in logical sequence.“ („Die ruhige und dezente Arbeit dieser Gesellschaft verdient jedes Lob. Eines ihrer attraktivsten Merkmale ist die Reihe von musikalischen Abenden, für die sich die Mitglieder und Freunde der Gesellschaft ab und zu in den Geschäftsräumen der Herren Novello, 160, Wardour-street treffen. […] Vier charakteristische Klavierstücke von Fräulein Katharina Egger wurden von Herrn C. F. Pollard gespielt. Jedes davon enthält eine eindeutige, prägnant ausgedrückte, jedoch nicht ausgearbeitete musikalische Idee, obgleich das Stück mit dem Titel ‚Thor, the Thunderer’, das länger als die anderen war, zeigte, dass die Komponistin in der Lage ist, ihre Ideen in einem logischen Ablauf zu entwickeln.“; „The Times“ vom 20. Juni 1908, S. 15)


    Auch nach ihrem Studium blieb Katharine Eggar als Komponistin im Londoner Musikleben präsent. So wurde z. B. im März 1912 ihr Flötenstück „An Idyll“ in einem Konzert des „Patron’s Fund“ von der Flötistin Edith Penville aufgeführt. Der „Patron’s Fund“ setzte sich besonders für neue britische Komponisten ein: „Miss Edith Penville’s flute playing is already so well known that we need say no more than that she showed her usual skill and neat technique in Chaminade’s tiresome Concertino and in a graceful and fantastic Idyll by Miss Katharine Eggar, which is written imaginatively as well as with appreciation of the possibilites of the instrument.“ („Fräulein Edith Penvilles Flötenspiel ist mittlerweile so bekannt, dass wir nicht mehr sagen müssen, als dass sie ihre gewohnte Fähigkeit und akkurate Technik in Chaminades ermüdendem Concertino und in einem anmutigen und fantastischen Idyll von Fräulein Katharine Eggar zeigte, das einfallsreich geschrieben ist und die Möglichkeiten des Instruments voll ausschöpft. .“; „The Times“ vom 12. März 1912, S. 10) Am 20. Mai 1920 wurde ihr Lied „My soul is an enchanted boat“ für Gesang, Klavier und Streichquartett in das Konzertprogramm der Royal Philharmonic Society aufgenommen (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juli 1920, S. 462). 1914 war Katharine Eggar zudem bei der Leipziger Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik im „Haus der Frau“ mit ihren Kompositionen vertreten. Ausgestellt wurden, wie dem Katalog zu entnehmen ist, „Idyll für Flöte und Klavier“ (Rudall, Carte & Co., London), „Sketches for Pianoforte, 2 Hefte“, „Songs with Pianoforte“ (Charels Avison Ltd. Agenets: Breitkopf & Härtel, London), die „Sonata for Violoncello und Klavier (Manuskript)“ und das „Quintett (Manuskript)“ (vgl. Die Frau im Buchgewerbe 1914, S. 65).


    Im Jahr 1911 gründete Katharine Eggar gemeinsam mit der Sängerin Gertrude Eaton und der Musikwissenschaftlerin und Komponistin Marion Scott die „Society of Women Musicians“, die bis 1972, also weit über ihren Tod hinaus, Bestand hatte. Zu den 37 Gründungsmitgliedern der Organisation zählten u. a. die Komponistinnen Rebecca Clarke und Ethel Barns, die Pianistin Anne Mukle, die Cellistin May Mukle sowie die Komponistin Liza Lehmann, die auch die erste Präsidentin der Gesellschaft wurde. Die „Society of Women Musicians“ konnte sich innerhalb kürzester Zeit im Londoner Musikleben etablieren: nach nur einem Jahr hatte sie 152 weibliche und 20 männliche Mitglieder. Die Organisation richtete eine Bibliothek ein und initiierte private und öffentliche Konzerte mit Werken von Komponistinnen sowie Vorträge und Kongresse. Bereits im ersten Jahr wurde ein eigener Chor gegründet, die Gründung eines Orchesters folgte im Jahr 1913. Auf diese Weise hatte die „Society of Women Musicians“ aus sich selbst heraus die Möglichkeit, neue Werke von Mitgliedern aufzuführen (zur Gründung der Society of Women Musicians vgl. auch den Artikel Marion Scott). In ihrer Eröffnungsrede strich Katharine Eggar die Bedeutung einer solchen Gesellschaft heraus, wie die „Musical Times“ berichtete: „[...] she [K. Eggar] pointed out that there was one branch of creative art in which women had no past as they had in literature or painting, but, she believed, a tremendous future, namely that of musical composition; and she trusted that the Society might be the means of stimulating the imaginations of women to loftier flights in that atmosphere than they had at present attempted.“ („[…] sie [K. Eggar] wies darauf hin, dass es einen Zweig kreativer Kunst gab, in dem Frauen keine Vergangenheit wie in der Literatur oder Malerei hatten, dafür jedoch, meinte sie, eine gewaltige Zukunft, nämlich in der musikalischen Komposition; und sie glaubte, die Gesellschaft könnte das Mittel sein, den Einfallsreichtum von Frauen in dieser Atmosphäre zu höheren Flügen zu animieren, als sie es gegenwärtig versuchten.“; „The Musical Times“ vom 1. August 1911, S. 536; zur Gründung der Society of Women Musicians und der Rolle Katharine Eggars vgl. auch Gillett 2000, S. 219–220; Blevins 2008, S. 12–14) In den folgenden Jahrzehnten hielt Katharine Eggar im Rahmen von Vorlesungsreihen der „Society of Women Musicians“ mehrfach Vorträge und war bei den Konzerten regelmäßig sowohl als Pianistin als auch als Komponistin vertreten. Auch über die „Society of Women Musicians“ hinaus engagierte sich Katharine Eggar für die berufliche Gleichstellung von Frauen. So notierte z. B. die „Musical Times“ im April 1920, dass Katherine Eggar zur Vizepräsidentin des „Efficiency Club for Business and Professional Women“ gewählt worden ist (vgl. „The Musical Times“ vom 1. April 1920, S. 280).


    Spätestens ab 1920 wandte sich Katharine Eggar verstärkt der Musikwissenschaft als Disziplin zu und veröffentlichte zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften wie z. B. „Music & Letters“, den „Proceedings of the Musical Association“ und der „Musical Times“. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehörten neurophysiologische und musikpsychologische Fragen, wie z. B. „The Subconscious Mind and the Musical Faculty“, „Emotion and Morals in Greek Music“ oder „The Musical Condition of Man“, aktuelle britische Komponisten wie z. B. „Herbert Howells on Modern Composition“ und „The Piano Pieces of Arnold Bax“ sowie besonders ältere Musikgeschichte, darunter Arbeiten über William Byrds „The Battel“, „The Blackfriars Plays and Their Music: 1576-1610“ und „The Spinet of King Henri III: A Musical Ghost Story“. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Forschungen, der auch in den literaturwissenschaftlichen Bereich hineinragte, war auf William Shakespeare gerichtet. Mehr als 30 Jahre lang forschte Katharine Eggar über Edward de Vere, den 17. Earl of Oxford, in der festen Überzeugung, dass er der eigentliche Verfasser der Werke von William Shakespeare sei. Ihre Buchveröffentlichung, die sie plante, konnte sie nicht mehr fertigstellen (vgl. Blevins 2008, S. 18). Auch innerhalb der Musikwissenschaft engagierte sich Katharine Eggar in zahlreichen Verbänden, u. a. in der Royal Musical Association, deren Beirat sie von ca. 1940 bis 1960 angehörte (vgl. „The Times“ vom 19. August 1961, S. 10).


    Katharine Eggar starb am 15. August 1961 in England.

    Würdigung

    Katharine Eggar war mehr als sechzig Jahre lang im britischen Musikleben als Musikerin, Komponistin, Musikpolitikerin und Musikwissenschaftlerin präsent. Sie engagierte sich in zahlreichen Verbänden u. a. für eine berufliche Gleichstellung von Frauen, für aktuelle britische Komponistinnen und Komponisten und für wissenschaftliche Forschungen. Bis ins hohe Alter blieb sie dabei überaus agil und präsent, wie nicht zuletzt im Nachruf der Londoner „Times“ hervorgehoben wurde: „The announcement of the death on Tuesday of Miss Katharine E. Eggar, musician and scholar, stated that she was in her eighty-eighth year. It is true that to musicians even of the older generation she seemed always to have been on the scene before they came on it, yet when she red a paper on music of the Elizabethan theatre to the Royal Music Association a few month ago apart from the weakness of her voice her vigour, bodily and mental, was unabated. Born in London on January 5, 1874, she became a pioneer of women’s place in composition and scholarship. She was a founder member of the Society of Women Musicians, which has just celebrated its jubilee, a member of the Royal Musical Association for more than 30 years, and a member of its council for more than 20.“ („Die Todesanzeige von Fräulein Katharine E. Eggar, Musikerin und Wissenschaftlerin, gab am Dienstag an, dass sie sich in ihrem 88. Lebensjahr befand. Tatsächlich schien es Musikern, selbst jenen der älteren Generation, immer, also ob sie schon lange vor ihnen auf der Bühne gewesen war, doch als sie vor wenigen Monaten vor der Royal Music Association einen Artikel über Musik des elisabethanischen Theaters vorlas, war ihre körperliche und mentale Lebenskraft abgesehen von der Schwäche ihrer Stimme unvermindert. Am 5. Januar 1874 in London geboren, wurde sie eine Pionierin bezüglich der Rolle von Frauen in Komposition und Wissenschaft. Sie war ein Gründungsmitglied der „Society of Women Musicians“, die gerade ihr Jubiläum gefeiert hat, ein Mitglied der „Royal Musical Association“ mehr als 30 Jahre lang und über 20 Jahre lang ein Mitglied in deren Beirat.“; „The Times“ vom 19. August 1961, S. 10)

    Werkverzeichnis

    Das vorläufige Werkverzeichnis von Katharine Emily Eggar wurde unter Mithilfe von Maj-Britt Peters auf der Grundlage von Pazdírek 1904ff., Fuller 1995 und digitaler Bibliothekskataloge, insbesondere des britischen Verbundkatalogs Copac, sowie auf der Grundlage zeitgenössischer Presseberichte erstellt. Fehlende Angaben zu Verlagen und Erscheinungsdaten konnten nicht ermittelt werden.



    Werke für Sologesang


    Wolfram’s Dirge ("If thou wilt ease thy Heart of Love"). Song für Gesang und Klavier mit Cello obligato. Text von Thomas Lovell Beddoes. Brighton: J. & W. Chester, 1906.


    Purple Moors. Lied für eine Singstimme mit Klavierbegleitung (UA 1908); keine Druckfassung belegt.


    May Wind. Für drei Singstimmen und Klavier (UA 1909); keine Druckfassung belegt.


    My Soul Is An Enchanted Boat. Für Gesang, Klavier und Streichquartett, o. O., o. J.


    Curtsey to the Moon. Song. Text von H. Taylor. London: Chappell & Co, 1909.

    Remember me, my dear. Song. Text aus Forbes "Cantus, Songs and Fancies" (1682). London: Chappell & Co, 1909.


    The Holly Bough and Mistletoe. A Christmas Carol. Text von W. E. Grogan. Brighton: J. & W. Chester, 1909.


    A fairy barcarole ("A lake and a fairy boat"). Song. Text von Thomas Hood. London, ca. 1920.


    Red clover ("Robin, atilt on the apple tree"). Song. London, ca. 1920.



    Klavierwerke


    Norse Gods. Charakterstücke für Klavier, Druckfassung nicht belegt.

    Darin: “Thor, the Thunderer”.


    Two Sketches. Für Klavier. Brighton: J. & W. Chester, 1906.

    1. “The Old Castle” – 2. “The Wishing Well”.


    Tarantella. Für Klavier. London: Stainer & Bell, 1914.


    Moonrise. Für Klavier. London: Augener, 1935.


    Duets for fun. Eight short pianoforte duets for a child and a pianist. London: Stainer & Bell, ca. 1934.


    The Sun in Springtime. Für Klavier. London: Augener, 1935.



    Kammermusik


    Klaviertrio (UA 1905). Druckfassung nicht belegt.


    Klavierquintett d-Moll (UA 1908). Druckfassung nicht belegt.


    Suite für Violoncello und Klavier (UA 1908). Druckfassung nicht belegt.


    Sonata for Violoncello und Klavier. Druckfassung nicht belegt.


    Rhapsodic Impression. Für Violine, Viola und Klavier (UA 7. Juli 1928, Society of Women Musicians). Druckfassung nicht belegt.


    Idyll. Für Flöte und Klavier. London & Dublin: Rudall, Carte & Co, 1910.

    Streichquartett (1931). Druckfassung nicht belegt.



    Arrangements


    Lachrymae. Pavane. Arrangement für Violoncello und Klavier basierend auf der Ayre von John Dowland, Original von William Byrd. London: Stainer & Bell, 1923.



    Schriften


    The Subconscious Mind and the Musical Faculty. In: Proceedings of the Musical Association, 47 (1920/21), S. 23–38.


    The Piano Pieces of Arnold Bax. In: Music Student, November 1921, S. 67.


    Herbert Howells on Modern Composition. In: The Music Teacher 16 (1923), S. 214.


    Basque and English Folk-Dance Traditions, in: The Musical Times vom 1. Juli 1927, S. 609–611.


    Leaves from the Mother-Tree of Guernika: Some Notes of the Basque Folk Dance Festival of 1927. In: Music & Letters 8 (1927), S. 448–457.


    Mr. Bird’s [Byrd’s] Battell. In: The Musical Times vom 1. Januar 1929, S. 46–48; 53.


    Scientists and Musicians. In: The Musical Times vom 1. März 1929, S. 219–220.


    Emotion and Morals in Greek Music. In: Music & Letters 11 (1930), S. 124–127.


    What is Left to Us of Greek Music? In: The Musical Times vom 1. Juni 1930, S. 513–515.


    The Spinet of King Henri III: A Musical Ghost Story. In: The Musical Times vom 1. September 1931, S. 792–796.


    The Seventeenth Earl of Oxford as Musician, Poet, and Controller of the Queen’s Revels. In: Proceedings of the Musical Association 61 (1934/35), S. 39–59.


    The purpose and objects of the Society of Women Musicians. In: Hinrichsen’s musical year book 1945-46, S. 297–300.


    The Musical Condition of Man. In: Proceedings of the Musical Association 73 (1946/47), S. 13–23.


    Shakespeare in his true colours. An essay attributing the authorship of the works of Shakespeare to Edward de Vere, 17th Earl of Oxford [supporting the Oxford theory of authorship]. London: R. Ridgill Trout, 1951 und Letchworth, 1951.


    Shakespeare as Musician. In: The Musical Times vom 1. September 1958, S. 480–481.


    Lord Oxford and His Servants. In: Shakespearean Authorship Review, Frühjahr 1959, Pag. nicht bekannt.


    The Blackfriars Plays and Their Music: 1576–1610. In: Proceedings of the Musical Association 87 (1960/61), S. 57–68.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Katharine Eggar kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind – abgesehen von eigenen Kompositionen – Aufführungen der folgenden Werke


    Brahms, Johannes. Intermezzo Es-Dur op. 117 Nr. 1

    Brahms, Johannes. Rhapsodie g-Moll op. 79 Nr. 2

    Brahms, Johannes. Klavierquintett f-Moll op. 34


    Bruneau, Alfred. Six Chansons à Danser für Singstimme und Klavier


    Glasunow, Alexander Konstantinowitsch. Mehrere Klavierstücke (ohne Präzisierung)


    Saint-Saëns, Camille. Violoncellokonzert (keine Präzisierung möglich)


    Schumann, Robert. Klavierquintett Es-Dur op. 44

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Eggar, Katharine E.“. In: A Dictionary of Modern Music and Musicians, hg. v. Arthur Eaglefield Hull, 1924 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Blevins, Pamela. Ivor Gurney & Marion Scott: Song of Pain and Beauty. Woodbridge: The Boydell Press, 2008.


    Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik: Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig, 1914.


    Fuller, Sophie. Artikel „Eggar, Katharine E.“. In: The new Grove Dictionary of Women Composers, hg. v. Julie Anne Sadie. London: Macmillan, 1995, S. 157.


    Gillett, Paula. Musical Women in England, 1870–1914. „Encroaching on all Man’s Privileges“. New York: St. Martin’s Press, 2000.



    Zeitungsartikel und -rezensionen


    The Musical Times vom 1. Februar 1895, S. 73.

    The Musical Times vom 1. März 1900, S. 196.

    The Musical Times vom 1. März 1902, S. 196.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1907.

    The Musical Times vom 1. Februar 1908, S. 103.

    The Musical Times vom 1. März 1908, S. 181.

    The Musical Times vom 1. Juli 1908, S. 468.

    The Musical Times vom 1. Juli 1909, S. 469.

    The Musical Times vom 1. August 1911, S. 536.

    The Musical Times vom 1. Dezember 1913, S. 828.

    The Musical Times vom 1. Februar 1915, S. 113.

    The Musical Times vom 1. April 1920, S. 280.

    The Musical Times vom 1. Juli 1920, S. 462.


    The Times vom 14. Dezember 1905, S. 11.

    The Times vom 20. Juni 1908, S. 15.

    The Times vom 12. März 1912, S. 10.

    The Times vom 19. August 1961, S. 10.



    Links


    http://www.aim25.ac.uk/cgi-bin/vcdf/detail?coll_id=1763&inst_id=14&nv1=browse&nv2=person (Stand: 15. September 2012)

    Die Senate House Library der University of London verfügt über einen Teilnachlass von Katharine Emily Eggar, ihre Forschungen zu William Shakespeare betreffend.


    http://www.aim25.ac.uk/cgi-bin/vcdf/detail?coll_id=5708&inst_id=25&nv1=browse&nv2=person (Stand: 15. September 2012)

    Der Nachlass der “Society of Women Musicians” im Archiv des Royal College of Music enthält auch zahlreiche Dokumente zu Katharine Emily Eggar.

    Forschung

    Ein Teilnachlass von Katharine Emily Eggar wurde 1962 der Senate House Library der University of London übergeben. Er umfasst ihre Forschungen zu Edward de Vere und William Shakespeare, darunter auch Notizen und Manuskripte für ihr geplantes Buch. Siehe http://www.aim25.ac.uk/cgi-bin/vcdf/detail?coll_id=1763&inst_id=14&nv1=browse&nv2=person (Stand: 15. September 2012)


    Der Nachlass der „Society of Women Musicians“ im Archiv des Royal College of Music enthält auch zahlreiche Dokumente zu Katharine Emily Eggar. Siehe

    http://www.aim25.ac.uk/cgi-bin/vcdf/detail?coll_id=5708&inst_id=25&nv1=browse&nv2=person (Stand: 15. September 2012)

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Katharine Eggar umfasst ihre Biografie, ihre Tätigkeiten sowie Kompositionen und Schriften.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 31882750
    Library of Congress (LCCN): nr94043887
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 25.09.2012


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Katharine Eggar“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 25.9.2012.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Katharine_Eggar