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  • Katharina Cibbini

    von Klaus Martin Kopitz
    Katharina Cibbini, angebliches Porträt, bezeichnet "A. Moosbrugger"
    Namen:
    Katharina Cibbini
    Geburtsname: Katharina Koželuch
    Varianten: Katharina Cibbini-Koželuch
    Lebensdaten:
    geb. vor in Wien,
    gest. in Reichstadt, Böhmen (heute Zákupy, Tschechien),

    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Klavierpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Meine Sonaten spielt sie am vorzüglichsten in Wien.“


    Beethoven über Katharina Cibbini im Frühjahr 1823 zu dem jungen Darmstädter Musiker Louis Schlösser

    (in: Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen, hg. von Klaus Martin Kopitz und Rainer Cadenbach unter Mitarbeit von Oliver Korte und Nancy Tanneberger, München 2009, Bd. 2, S. 809).


    Profil

    Katharina Cibbini war neben Dorothea von Ertmann die bedeutendste Wiener Pianistin ihrer Zeit, die über eine äußerst virtuose Technik verfügte und von den Zeitgenossen mit Ignaz Moscheles (1794–1870) verglichen wurde. Von Bedeutung ist sie daneben für die Biografie Beethovens, mit dem sie befreundet war. Als Komponistin schuf sie hauptsächlich Werke für Klavier, die noch auf ihre Wiederentdeckung warten. 1831 wurde sie Kammerfrau von Prinzessin Maria Anna von Savoyen (1803–1884), die 1835 Kaiserin von Österreich wurde.

    Sie ist die Widmungsempfängerin von Ignaz Moscheles’ „Grande Sonate“ Es-Dur op. 47 für Klavier zu vier Händen (1819), von Edmund von Lannoys „Trois Grandes Marches“ op. 8 für Klavier zu vier Händen (1820) sowie von Leopoldine Blahetkas „Variations brillantes et Rondeau Polonaise“ op. 2 für Klavier und Orchester (1823).

    Orte und Länder

    Katharina Cibbini wirkte vor allem in Wien.

    Biografie

    Katharina Cibbini war die älteste Tochter des k. k. Hofkompositeurs, Kammerkapellmeisters und Musikverlegers Leopold Koželuch (1747–1818) und wurde am 20. Februar 1785 im Wiener Stephansdom auf die Namen Catharina Maria Leopoldina getauft. Ihre Mutter war die Advokatentochter Maria Apollonia Koželuch geb. von Allstern (Michaela Krucsay, Katharina Cibbini-Koželuch. Musikerin und Mäzenin, Strasshof u. a. 2008, S. 28). Die Eltern trennten sich einige Jahre später, und nach mehreren Unterhaltsprozessen erhielt Leopold Koželuch 1796 das alleinige Sorgerecht für seine Kinder.


    Koželuch unterrichtete seine Tochter wahrscheinlich selbst. Nach einem Brief, den er um 1798 an Robert Birchall (um 1760–1819) in London schrieb, wollte er mit der damals 13-Jährigen sogar eine Reise nach England unternehmen:


    „I am inconsolable that I can not at present profit by that time occasion for I have wished for a long time to see England, but I hope in about two years I shall be better able, tell Mr. Taylor that I make him my Compliments, and that I can not have permission, but I hope to obtain it in two years, I shall bring over my Daughter who is now 13 years old, she plays the piano Forte in the first style and is so perfect in singing, as she has a fine voice“. (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Sign. 355/52-2; zit. nach Krucsay, a. a. O., S. 43.)


    Als weiterer Lehrer Katharina Koželuchs wird Muzio Clementi (1752–1832) genannt, was aber zweifelhaft ist (Ebd., S. 45–50).


    Ihr erster nachweisbarer Auftritt erfolgte im Frühjahr 1805 im Hause des Großhändlers Joseph von Würth mit dem C-Dur-Klavierkonzert ihres Vaters. Der Wiener Korrespondent der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ bemerkt: „Fräulein Kozeluch, die Tochter des bekannten Kapellmeisters, trug ein Konzert ihres Vaters mit vieler Gewandtheit, Fertigkeit und Kunst vor; nur mit der Komposition (C dur) war man nicht zufrieden: sie steht hinter den vortrefflichen Mozartschen, Eberlschen und Beethovenschen Werken dieser Art weit zurück.“ (Allgemeine musikalische Zeitung, Jg. 7, Nr. 29 vom 17. April 1805, Sp. 470.)


    Erneut trat sie am 25. Dezember 1806 im Prager Nationaltheater mit einem Klavierkonzert des Prager Juristen Johann Nepomuk Kanka (1772–1865) auf, der offenbar mit ihrem Vater befreundet war. Der Prager Korrespondent der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ sah darin durchgehend eine Imitation Mozarts und verriss das Werk mit den Worten: „Es ist mir unbegreiflich, wie unser würdiger Veteran Kozeluch sich entschliessen konnte, seine Tochter, die mit Mozart und Beethoven vertraut ist, zu so etwas herzugeben.“ Dagegen wurde das Spiel der nunmehr 21-Jährigen gelobt: „Dem. Kozeluch spielte mit imponirender Fertigkeit, und bewies bey mehrern Stellen, dass es ihr an innigem Ausdruck, an musikalischer Seele, nicht fehle; nur dann und wann behandelt sie die Accentuation etwas zu leichtsinnig. So ist es ihr z. B. geläufig, bey ganzen, langen, aus Triolen bestehenden Passagen jedesmal den Accent auf die 3te Note zu werfen, und dadurch den Glanz ihres Vortrags zu trüben. Trotz dieses Versehens – dessen Unangenehmes durch den Klang eines schlechten, tonarmen Instruments unter ihren Händen noch gesteigert wurde – konnte mit ihrem Spiele jedermann, vorzüglich aber der Komponist zufrieden seyn, dessen Werk nur durch ihre Kunst vor einem gänzlichen Falle bewahrt wurde.“ (Allgemeine musikalische Zeitung, Jg. 9, Nr. 19 vom 4. Februar 1807, Sp. 291–299, hier Sp. 295.)


    Bemerkenswert ist der Hinweis auf Katharina Koželuchs Vertrautheit mit Mozart und Beethoven, wobei nicht ganz klar wird, ob die Komponisten oder nur deren Werke gemeint sind.


    Anerkennend äußerte sich über sie auch der Komponist und Musikschriftsteller Johann Friedrich Reichardt (1752–1814), der sie bei dem Bankier Joseph Henikstein (1768–1838) traf – vermutlich im Rahmen eines Liebhaberkonzerts, wie sie Henikstein in seinem Haus veranstaltete. Reichardt schreibt am 25. Februar 1809 in einem Brief aus Wien: „An Kozeluchs feiner, gebildeter Tochter habe ich [zu]letzt auch in dem lieben Hennigsteinschen Hause eine sehr schöne geschmackvolle Klavierspielerin kennen gelernt.“ (Johann Friedrich Reichardt, Vertraute Briefe geschrieben auf einer Reise nach Wien und den Oesterreichischen Staaten zu Ende des Jahres 1808 und zu Anfang 1809, Amsterdam 1810, Bd. 1, S. 444.)


    Am 12. November 1809 heiratete sie den aus Südtirol stammenden Hof- und Gerichtsadvokaten Anton Cibbini (1774–1836). Einer der Trauzeugen war Joseph von Henikstein (St. Stephan, Traubuch 1809, fol. 191 und St. Augustin, Traubuch 1809, fol. 38; zit. nach Krucsay, a. a. O., S. 50). Das Paar bekam zwei Kinder, Maria (geb. 1813) und Mathilde (geb. 1817), und wohnte in der Dorotheergasse Nr. 1107, wo sich auch die Anwaltskanzlei Cibbinis befand (Krucsay, a. a. O., S. 55f.).


    Die Konzerttätigkeit Katharina Cibbinis ist bisher kaum erforscht. Erwähnenswert ist, dass sie während des Wiener Kongresses am 25. Januar 1815 im Rittersaal der Hofburg in einem Konzert zum Geburtstag der russischen Zarin Elisabetha Alexejewna (1779–1826) auftrat. Sie spielte hier mit dem Geiger Joseph Mayseder (1789–1863) Variationen für Violine und Klavier von Mayseder (Allgemeine musikalische Zeitung, Jg. 17, Nr. 7 vom 15. Februar 1815, Sp. 122).


    Daneben war sie eine gefragte Klavierpädagogin. Ihre bedeutendste Schülerin war die hochbegabte Leopoldine Blahetka (1809–1885). Deren Vater Leopold Blahetka erzählt in einer Kurzbiografie seiner Tochter: „ganz vorzüglich einflußreich war das unübertreffliche Spiel der Frau von Cibbini-Kozeluch, welche in verschiedenen Perioden bedeutende Compositionen mit der Kleinen einstudierte, u. nach welcher sich das Spiel derselben hauptsächlich modelte.“ (Elisabeth Rössl, Leopoldine Blahetka. Eine Pianistin und Komponistin der Biedermeierzeit, in: Biographische Beiträge zum Musikleben Wiens im 19. und frühen 20. Jahrhundert, hg. von Friedrich C. Heller, Wien 1992, S. 111–213, hier S. 172.)


    Nach dem Tode von Leopold Koželuch, der am 7. Mai 1818 an den Folgen der Gicht starb, bemühte sich Katharina Cibbini um die Herausgabe von nachgelassenen Werken ihres Vaters, so bei Robert Birchall, dem sie deswegen am 16. Dezember 1818 einen ausführlichen Brief schrieb (Krucsay, a. a. O., S. 38, 44 und 54).


    Den Höhepunkt ihrer Karriere als Pianistin markiert ihr Auftritt in dem Konzert, das am 17. Januar 1819 im Universitätssaal zugunsten der Witwen- und Waisenanstalt der juristischen Fakultät stattfand. Sie spielte hier den überaus virtuosen Solopart der „Variations brillantes“ C-Dur op. 6 über das französische Lied „La sentinelle“ für Klavier und Orchester von Jan Hugo Václav Voříšek (1791–1825), die in dem Konzert zur Uraufführung gelangten.


    Ein Rezensent bemerkte: „Es ist aber Herrn Worzischek und uns Glück zu wünschen, dass seine Arbeit in die Hände der Frau Cibbini-Kozeluch gerieth, die das ganze Publicum durch die Präcision ihres Vortrages in den schwierigsten Passagen, durch Gefühl, reinen Geschmack und bewundernswürdige Fertigkeit entzückte. Einstimmiger, rauschender Beyfall bedeckte die letzten Accorde der Schlusspolonaise und Ref. erkennt mit Vergnügen, dass nach Herrn Moscheles Niemand in Wien das Hammerclavier so behandle, wie Frau Cibbini-Kozeluch; ihr Ton, ihr Anschlag, des Künstlers sicherster Prüfstein, beurkunden schon allein in ihr die hohe Meisterinn.“ (Allgemeine musikalische Zeitung mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat, Jg. 3, Nr. 6 vom 20. Januar 1819, Sp. 44f.). An anderer Stelle heißt es: „Die großen Bravour-Variationen für das Pianoforte mit Orchesterbegleitung von Hrn. J. H. Worzischek sind eine höchst brillante Composition, welche den früheren Arbeiten dieses sehr talentvollen jungen Tonsetzers würdig zur Seite stehen, aber nur für wenige besondere Lieblinge der Muse geschrieben; denn selbst hier in Wien dürfte die Zahl derjenigen sehr klein seyn, welche diese ungeheuren Schwierigkeiten zu überwinden im Stande sind. Frau v. Cibbini setzte durch die Art und Weise, wie sie ihre Aufgabe löste, heute auch jene in Erstaunen, welche mit ihrem Genius schon vertrauter sind; und der allgemeine Ausspruch der Kenner ging dahin, daß diese Künstlerinn zu den seltensten Erscheinungen unserer Zeit gehöre. Der rauschendste Beyfall wurde ihr nach jeder Variation zu Theil.“ (Wiener allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens, Jg. 12, Nr. 9 vom 21. Januar 1819.) Der Wiener Korrespondent der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ brachte es auf den Punkt: „Hrn. Worczischeck’s äusserst schwere Composition dürfte vielleicht hier in Wien – ihn selbst nicht ausgenommen – nebst Hrn. Moscheles wol Niemand vollkommener ausführen, als Mad. Cibbini Kozeluch; ihr gebührt unstreitig unter unsern vorzüglichsten Klavierspielerinnen der erste Rang.“ (Allgemeine musikalische Zeitung, Jg. 21, Nr. 8 vom 24. Februar 1819, Sp. 127.)


    Im selben Konzert erklang im Anschluss und als letzter Programmpunkt Beethovens 7. Symphonie A-Dur op. 92, „von dem Componisten selbst dirigirt und, wie immer, mit jauchzendem Beyfall gekrönt.“ (Ebd.)


    Spätestens in diesen Jahren dürfte Katharina Cibbini bereits zum engeren Freundeskreis Beethovens gehört haben. Der junge Musiker Louis Schlösser (1800–1886), der Beethoven im Frühjahr 1823 häufig besuchte, schreibt in seinen Erinnerungen, dass ihn Beethoven einmal fragte, ob er seine Schottischen Lieder kenne und „mit Vergnügen“ hörte, „dass ich sie erst vor kurzem bei Frau von Cibbini spielen und singen gehört habe. ‚Gehen Sie nur oft dahin‘, sagte er, ‚da hören Sie gute Musik, sagen Sie nur, ich schickte Sie. Meine Sonaten spielt sie am vorzüglichsten in Wien.‘ (Man versicherte mir sogar, dass er dieser Dame seine Klavierkompositionen immer am ersten zu spielen gegeben habe).“ (Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen, hg. von Klaus Martin Kopitz und Rainer Cadenbach unter Mitarbeit von Oliver Korte und Nancy Tanneberger, München 2009, Bd. 2, S. 809.)


    Auf eine enge freundschaftliche Beziehung beider deutet auch eine Notiz von Beethovens Schüler Carl Czerny (1791–1857) in seinen „Anecdoten und Notizen über Beethoven“: „Einst machte die Pianistin Madame Cibbini dem Beethoven die Bemerkung daß er der Einzige sey, der nichts Unbedeutendes oder Schwaches geschrieben. ‚Den Teufel auch!‘ erwiederte er, ‚gar Manches möchte ich gerne zurücknehmen, wenn ich könnte!‘ (Ebd., Bd. 1, S. 218.)


    Am 11. September 1825 war sie unter den wenigen Gästen, die im Hotel „Zum wilden Mann“ der privaten Uraufführung von Beethovens a-Moll-Quartett op. 132 beiwohnten. Der Geiger Ignaz Schuppanzigh (1776–1830) schrieb anschließend in Beethovens Konversationsheft: „Die Cibbini war heute ganz weg, sie hat kein Aug von ihm [Beethoven] verwendet, warum nicht? sie ist nicht übel.“ (Ludwig van Beethovens Konversationshefte, Bd. 8, hg. von Karl-Heinz Köhler und Grita Herre, Leipzig 1981, S. 130.) Beethovens Neffe notierte: „Die Cibbini kam mir beynahe vor, wie eine Bachantin, als das Quartett gespielt wurde, so gefiel es ihr.“ (Ebd., S. 141.) Anwesend waren außerdem Sir George Smart (1776–1867) aus London sowie der Pariser Verleger Maurice Schlesinger (1798–1871), der einige Tage später zu Beethoven bemerkte: „Man hat mir gesagt Sie hätten die Cibbini einmahl heirathen wollen ist das wahr?“ (Ebd., S. 164.) Falls Beethoven eine solche Absicht gehabt haben sollte, so vermutlich vor 1809, ehe sie Anton Cibbini heiratete.


    Ende 1830 traf sie wahrscheinlich mit Frédéric Chopin (1810–1849) zusammen, der am 1. Dezember 1830 aus Wien an seine Familie über einen geplanten Besuch bei der Gräfin Rosalia Rzewuska geb. Fürstin Lubomirska (1788–1865) schreibt: „Bei ihr soll ich jene berühmte Frau Cibbini treffen, für die Moscheles die vierhändige Sonate [op. 47] geschrieben hat.“ (Fryderyk Chopin, Briefe, hg. von Krystyna Kobylańska, Berlin 1983, S. 103.)


    Katharina Cibbini befand sich zu dieser Zeit in großen familiären Schwierigkeiten, da ihr Mann 1829/30 mehrere Schlaganfälle erlitt, die eine rapide Verschlechterung seines Geisteszustandes mit sich brachten. Außerdem war er hoch verschuldet, was dazu führte, dass er vorübergehend untertauchte und sich außerhalb Wiens versteckte (Krucsay, a. a. O., S. 56f.). Schließlich sah sie sich gezwungen, am 1. September 1831 um die Entmündigung ihres Gatten zu ersuchen (Ebd., S. 57f.). Er wurde kurz darauf im Klosterspital der Barmherzigen Brüder untergebracht und starb am 5. Dezember 1836 in Brünn (Ebd., S. 59f.).


    Zu Katharina Cibbinis Schülerinnen zählte Erzherzogin Sophie von Österreich (1805–1872), der sie 1828 ihre „Deux divertissements brillants“ op. 3 widmete (Ebd., S. 68f). Auch zu anderen Angehörigen des Kaiserhauses hatte sie offenbar gute Beziehungen. So erhielt sie schließlich am 14. Januar 1831 – mit einem Jahresgehalt von 1200 Gulden – eine Anstellung als Erste Kammerfrau von Prinzessin Maria Anna von Savoyen (1803–1884), die mit Kronprinz Ferdinand I. (1793–1875) verheiratet war und 1835 Kaiserin von Österreich wurde (Ebd., S. 70). Diese Stellung behielt sie anscheinend bis zu ihrem Tode.


    Damit war zwar ein Abschied vom öffentlichen Musikleben verbunden, doch musizierte sie mit dem Kaiserpaar häufig in deren Gemächern. Der Historiker Karl E. Vehse schreibt: „Einen großen Stand bei dem immer kränklichen Kaiser hatte deren [Kaiserin Maria Annas] erste Kammerfrau, Frau Catherine Cibbini, sowohl durch ihr Pianofortespiel, da Ferdinand die Musik sehr liebte und selbst ziemlich fertig spielte, als hauptsächlich bei seinen epileptischen Zufällen, wo niemand ihn so gut abzuwarten wusste, als sie.“ (Karl E. Vehse, Geschichte der deutschen Höfe seit der Revolution, Bd. 16, zweite Abtheilung: Geschichte des östreichischen Hofs und Adels und der östreichischen Diplomatie, zehnter Theil, Hamburg 1852, S. 161.)


    Eine gewisse Rolle spielte sie noch in der Biografie Clara Schumanns (1819–1896), der sie 1838 zu dem Ehrentitel einer k. k. Kammervirtuosin verhalf (Krucsay, a. a. O., S. 73f.). Nicht von Erfolg gekrönt waren hingegen die Bemühungen von Robert Schumann (1810–1856), mit Hilfe Catharina Cibbinis seine „Neue Zeitschrift für Musik“ in Wien zu etablieren, was durch die strikten österreichischen Zensurbestimmungen sehr erschwert wurde. Als es ihm endlich gelang, sie am 10. November 1838 besuchen zu können, musste er enttäuscht feststellen: „leider weiß sie nur sehr wenig von mir“ (Robert Schumann, Tagebücher, hg. von Gerd Nauhaus, Bd. 2, Leipzig 1987, S. 81). Die Hoffnung, sie ein zweites Mal zu treffen, zerschlug sich, wie aus Schumanns beleidigter Notiz vom 20. März 1839 hervorgeht: „Die Cibbini nicht wieder gesehen, die alberne Frau“ (Ebd., S. 89).


    Während der Revolution von 1848 stellte sie sich klar auf die Seite der Monarchie und wurde somit zu einem Symbol der Reaktion und Gegenstand zahlreicher Karikaturen, Schmähschriften und anonymer Flugblätter (Krucsay, a. a. O., S. 78–117).

    Würdigung

    Catharina Cibbini war eine der schillerndsten Musikerpersönlichkeiten der Wiener Klassik wie auch des Biedermeier und des Vormärz. Zu ihrem Bekannten- und Freundeskreis gehörten Beethoven, Chopin, Moscheles, Clara Schumann sowie Mitglieder des österreichischen Kaiserhauses. Ihr kompositorisches Schaffen, das überwiegend aus „Salonmusik“ besteht, scheint dagegen kaum Beachtung gefunden zu haben und ist heute völlig vergessen. Das Trio op. 10 ist jedoch schon wegen der ungewöhnlichen Besetzung – zwei Klaviere und ein Violoncello – durchaus bemerkenswert.

    Rezeption

    Bislang ist nicht bekannt, ob und in welcher Weise die Werke Katharina Cibbinis von ihren Zeitgenossen rezipiert wurden.

    Werkverzeichnis

    Werke ohne Opuszahl


    Variations für Klavier, Wien um 1822.


    Divertissement für Klavier, Wien 1822.


    Polonaise für Klavier, Wien 1822.


    XXV Valses… für Klavier, Wien um 1822.


    Polonaise für Klavier, Wien 1825.


    Première fantaisie für Klavier, Wien 1825.


    Impromptu in Es-Dur für Klavier, Wien o. J.


    Werke mit Opuszahl


    Introduction et variations brillantes sur un thème de Caraffa für Klavier op. 2, Wien 1828.


    Deux divertissements brillants et d’un style élégant… sur des motifs favoris… für Klavier op. 3, Wien 1828.


    Marche et Trio für Klavier op. 4, Wien o. J.


    Introduction et variations in Es-Dur für Klavier op. 5, Wien 1830.


    Six Valses für Klavier op. 6, [Wien 1830], Neuaufl. hrsg. v. Isolde Weiermüller-Backes, Certosa Verlag 2010.


    Impromptu sur un thème de Mad. Clary di Zentner für Klavier op. 7, Wien o. J.


    Introduction et polonaise für Klavier op. 8, Wien 1833.


    Seize valses für Klavier op. 9, Wien 1833.


    La rimembranza. Grand trio concertant sur des motifs favoris pour deux pianos et violoncello op. 10, Wien 1834.

    Repertoire

    Eine vollständige Repertoireliste ist nach derzeitigem Forschungsstand nicht möglich, belegt sind folgende Werke:


    Leopold Koželuch, Klavierkonzert C-Dur


    Johann Nepomuk Kanka, Klavierkonzert


    Joseph Mayseder, Variationen für Violine und Klavier


    Jan Hugo Václav Voříšek, „Variations brillantes“ C-Dur op. 6 über das französische Lied „La sentinelle“ für Klavier und Orchester

    Quellen

    Literatur


    Johann Friedrich Reichardt, Vertraute Briefe geschrieben auf einer Reise nach Wien und den Oesterreichischen Staaten zu Ende des Jahres 1808 und zu Anfang 1809, Amsterdam: Industrie-Comptoir 1810


    Karl E. Vehse, Geschichte der deutschen Höfe seit der Revolution, Bd. 16, zweite Abtheilung: Geschichte des östreichischen Hofs und Adels und der östreichischen Diplomatie, zehnter Theil, Hamburg: Hoffmann & Campe 1852


    Ludwig van Beethovens Konversationshefte, Bd. 8, hg. von Karl-Heinz Köhler und Grita Herre, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik 1981, S. 130


    Fryderyk Chopin, Briefe, hg. von Krystyna Kobylańska, Berlin: Henschelverlag 1983


    Robert Schumann, Tagebücher, hg. von Gerd Nauhaus, Bd. 2, Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Musik 1987


    Elisabeth Rössl, Leopoldine Blahetka. Eine Pianistin und Komponistin der Biedermeierzeit, in: Biographische Beiträge zum Musikleben Wiens im 19. und frühen 20. Jahrhundert, hg. von Friedrich C. Heller, Wien: Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs 1992, S. 111–213


    Christa Flamm, Leopold Koželuch. Biographie und stilkritische Untersuchung der Sonaten für Klavier, Violine und Violoncello nebst einem Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Klaviertrios, 3 Bde., Diss. masch., Wien 1996


    Michaela Krucsay, „Auf die Cibbini hoffe ich wie auf einen Engel“. Zwischen Kunst und Kaiserhof, in: „Ein unerschöpflicher Reichthum an Ideen…“. Komponistinnen zur Zeit Mozarts, hg. von Elena Ostleitner und Gabriele Dorffner (= Frauentöne, Bd. 6), Strasshof-Wien-Bad Aibling: Vier-Viertel-Verlag 2006, S. 53–62


    Michaela Krucsay,
Katharina Cibbini-Koželuch. Musikerin und Mäzenin (= Frauentöne, Bd. 7), Strasshof-Wien-Bad Aibling: Vier-Viertel-Verlag 2008


    Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen, hg. von Klaus Martin Kopitz und Rainer Cadenbach unter Mitarbeit von Oliver Korte und Nancy Tanneberger, München: Henle 2009


    Michaela Krucsay, Katharina Cibbini-Koželuch. Ein Leben zwischen Musik und Macht, in: Frauen hör- und sichtbar machen. 20 Jahre „Frau und Musik“ an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, hg. von Sarah Chaker, Wien: Universität für Musik und darstellende Kunst 2010, S. 165–178

    Forschung

    Um die Erforschung von Katharina Cibbinis Biografie hat sich insbesondere Michaela Krucsay verdient gemacht, die in ihrer Monografie grundlegende Daten ermittelt bzw. korrigiert und ergänzt hat.

    Forschungsbedarf

    Wenig ist bislang noch immer über Katharina Cibbinis eigentliche künstlerische Tätigkeit bekannt. Die Konzerte, in denen sie auftrat, sollten vollständig ermittelt und mit den einschlägigen Besprechungen dokumentiert werden. Darüber hinaus ist eine Sichtung und vergleichende Wertung ihres musikalischen Schaffens anzustreben.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 84968486
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 133853276
    Library of Congress (LCCN): n80093245
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Klaus Martin Kopitz


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 29.07.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Klaus Martin Kopitz, Artikel „Katharina Cibbini“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 29.7.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Katharina_Cibbini