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  • Kate Chaplin

    von Silke Wenzel
    Das Chaplin-Trio im Jahr 1902. Eigenhändig signierte Fotografie von E. Bieber (Berlin, Hamburg)
    Namen:
    Kate Chaplin
    Geburtsname: Kate Chaplin
    Lebensdaten:
    geb. in London, England
    gest. nach
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin, Bratscherin, Viola d’amore-Spielerin

    Profil

    Die Geigerin Kate Chaplin wurde von Adolphe Pollitzer an der Royal Academy of Music in London und von Eugène Ysaÿe am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel ausgebildet. Bereits während ihres Studiums trat sie öffentlich in London auf und blieb mehr als fünfzig Jahre lang im englischen Musikleben vorwiegend als Kammermusikerin präsent; eine Karriere als Solistin scheint sie nicht angestrebt zu haben. 1889 gründete sie gemeinsam mit ihren beiden Schwestern, der Pianistin und Cembalistin Nellie Chaplin und der Violoncellistin und Gambistin Mabel Chaplin, das Chaplin-Trio, das in den folgenden Jahrzehnten bis 1932 Bestand hatte. Nachdem sich das Ensemble in den Anfangsjahren auf das klassisch-romantische Kammermusik-Repertoire beschränkt hatte, wandte es sich um 1900 mehr und mehr der älteren Musik zu und gehörte auf diesem Gebiet rasch zu den Pionieren der alten Musik. Das Chaplin-Trio veranstaltete zahlreiche Konzerte mit alter Musik, in das es auch historische Tänze mit einbezog. Kate Chaplin erarbeitete sich das Spiel auf einer Viola d’amore und erhielt hierin Unterricht von dem Geiger und Geigenbauer George Saint-George, der auch ihr siebensaitiges Instrument mit dem Beinamen „The Dragon“ 1899 gefertigt hatte.

    Orte und Länder

    Kate Chaplin wurde in London geboren und erhielt dort ihre erste musikalische Ausbildung. Nach einem Studium an der Royal Academy of Music in London und am Conservatoire Royal de Musique in Brüssel (1892 bis 1894) kehrte sie nach London zurück und etablierte sich im dortigen Musikleben als Geigerin und Viola d’amore-Spielerin.

    Biografie

    Kate Chaplin wurde am 3. Juli 1865 in London geboren. Sie war die mittlere von drei Schwestern, die sich gemeinsam als professionelle Musikerinnen etablieren konnten: Nellie Chaplin (geb. 1857) als Pianistin, Kate Chaplin selbst als Geigerin und die jüngste, Mabel Chaplin (geb. 1870), als Violoncellistin. Über die Herkunft der Schwestern ist nichts bekannt.

    Ihren ersten Violinunterricht erhielt Kate Chaplin von der Londoner Geigerin Dunbar Perkins. Anschließend studierte sie mit einem Stipendium Violine an der Londoner Royal Academy of Music bei Adolphe Pollitzer, dem späteren Direktor der Academy. Bereits ab 1882 trat Kate Chaplin als Geigerin in verschiedenen Londoner Konzerten auf. So wirkte sie z. B. im Mai 1882 bei einem Konzert der „Musical Artists’ Society“ mit, und trat im Oktober 1884 bei einem Konzert einer Miss Woodhatch in der Londoner Princes’s Hall als Sologeigerin auf (vgl. „The Times“ vom 17. Mai 1882, S. 1; vom 21. Oktober 1884, S. 1). Gemeinsam mit ihrer Schwester Nellie Chaplin gab sie im Mai 1886 „ein Jahreskonzert“ im Londoner Athenæum (vgl. „The Times“ vom 19. Mai 1886, S. 1). Ab 1892 bis ca. 1894 setzte Kate Chaplin ihr Studium in Brüssel bei Eugène Ysaÿe fort und kehrte anschließend nach London zurück.

    In den folgenden Jahrzehnten blieb Kate Chaplin im Londoner Musikleben präsent. Den Rezensionen zufolge trat sie jedoch vorwiegend als Mitwirkende in Konzerten auf, ohne selbst solistisch hervorgetreten zu sein. So spielte sie z. B. 1894 bei einem Konzert der Pianistin Edith Greenop in der Londoner Queen’s Hall, und die Presse notierte lapidar: „She was assisted by Miss Kate Chaplin, who played violin solos with much success.“ („Sie wurde von Miss Kate Chaplin unterstützt, die Geigensoli mit großem Erfolg spielte.“; „The Times“ vom 26. April 1894, S. 12)


    Bereits im Jahr 1889 war jedoch das „Chaplin-Trio“ gegründet worden, das unter diesem Namen mehr als vierzig Jahre lang im britischen Musikleben Bestand hatte und dem – neben Kate Chaplin – ihre beiden Schwestern Nellie Chaplin (Klavier) und Mabel Chaplin (Violoncello) angehörten. Die Konzertprogramme des Ensembles waren in der Regel derart angelegt, dass sich die Mitglieder jeweils auch als Solistinnen profilieren konnten. In den Anfängen wurde das Trio von der Konzertagentur eines Mr. W. B. Healey in London vertreten (vgl. z. B. „The Musical Times“ vom 1. August 1889, S. 455), wurde jedoch erst ab Ende der 1890er-Jahre in einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen und von der Presse regelmäßig rezensiert.

    In den ersten Jahren seines Bestehens wandte sich das Chaplin-Trio vor allem dem klassisch-romantischen Repertoire sowie aktuellen Werken zu. So gab das Ensemble z. B. im Juni 1894 ein eigenes Konzert in der Londoner Queen’s Hall gemeinsam mit der Geigerin Anna Lang und der Bratscherin Rosabel Watson, bei dem u. a. das Klaviertrio c-Moll op. 27 von Eduard Schütt und eines der beiden Klavierquintette von Antonín Dvorák auf dem Programm standen (vgl. „The Musical Times“ vom 1. Juni 1894, S. 361). Das Konzertprogramm am 21. April 1898 umfasste u. a. Peter I. Tschaikowskys Klaviertrio a-Moll op. 50 „à la mémoire d’un grand artiste“ sowie Solostücke der einzelnen Mitglieder des Ensembles. Dabei spielte Kate Chaplin Max Bruchs 2. Violinkonzert d-Moll op. 44. Die „Times“ rezensierte: „Though the three sisters Chaplin only appeared together once at their excellent little concert in St. James’s-hall yesterday afternoon, when they essayed Tschaikowsky’s beautiful but very elaborate and difficult trio, op. 50 [...], each of them played with a full measure of success a solo or a group of solos. [...] Miss Kate Chaplin, the violinist, was heard to very considerable advantage in Bruch’s second concerto in D minor. [...] A large audience listened with obviously pleasurable attention.“ („Auch wenn die drei Chaplin Geschwister bei ihrem Konzert gestern Nachmittag in der St. James’s Hall nur ein einziges Mal gemeinsam auftraten – als sie sich an Tschaikowskys schönem, aber sehr ausgefeiltem und schwierigen Trio op. 50 versuchten – [...], so spielte jede von ihnen mit viel Erfolg eines oder mehrere Solostücke. [...] Miss Kate Chaplin, die Geigerin, war bemerkenswert vorteilhaft in Bruchs zweitem Konzert d-Moll zu hören. [...] Ein großes Publikum hörte mit offensichtlich vergnüglicher Aufmerksamkeit zu.“ „The Times“ vom 22. April 1898, S. 8; vgl. a. „The Musical Times“ vom 1. Mai 1898, S. 337f.) Weitere Konzerte des Ensembles fanden im Frühjahr und Sommer 1899 wiederum in der Londoner Steinway Hall statt (vgl. Ankündigung, in „The Times“ vom 3. Mai 1899, S. 1). Im letzten Konzert dieser Reihe, am 8. Juni 1899, spielte das Ensemble Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio c-Moll op. 60 sowie wiederum mehrere Solostücke: „The Chaplin Trio concluded its series of chamber concerts at the Steinway Hall, on the 8th ult., when a refined and finished interpretation was given of Mendelssohn’s Pianoforte Trio in C minor (Op. 60), and solos were rendered with a neatness that testified to the individual accomplishments of the Misses Nellie, Kate, and Mabel Chaplin, who form the trio party.“ („Das Chaplin Trio beschloss seine Reihe mit Kammermusikkonzerten in der Steinway Hall am 8. vergangenen Monats mit einer feinsinnigen und vollkommenen Interpretation von Mendelssohns Klaviertrio c-Moll (op. 60), und Solostücke wurden mit einer derartigen Präzision wiedergegeben, dass die individuellen Fähigkeiten der Damen Nellie, Kate und Mabel Chaplin, aus denen sich das Trio zusammensetzt, bestätigten.“; „The Musical Times“ vom 1. Juli 1899, S. 472) Bei einem Konzert des Trios im Februar 1900 übernahm Kate Chaplin den Violinpartpart in der englischen Erstaufführung des Klaviertrios e-Moll von Eduard Behm und in Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviertrio E-Dur KV 542 und spielte zudem eine der beiden Violinsonaten g-Moll Georg Friedrich Händels, „which she played with such excellent effect that she had to give an encore“ („... die sie mit einer derart exzellenten Wirkung spielte, dass sie eine Zugabe geben musste“; „The Times“ vom 24. Februar 1900, S. 3). In der Rezension eines Konzerts, das das Chaplin Trio im Mai 1902 gemeinsam mit dem russischen Sänger Louis Arens in der Londoner St. James’s Hall gab, ging der Rezensent auch auf das Zusammenspiel des Ensembles ein: „The Chaplin Trio [...] have long since made a name for themselves as intelligent and interesting players, and their performance of Brahms’s trio in E flat yesterday was thoroughly neat and finished. The effects of continuous practice are very evident in their playing, and their ensemble was excellent.“ („Die Mitglieder des Chaplin Trios [...] haben sich bereits vor langer Zeit einen Namen als intelligente und interessante Spielerinnen gemacht, und ihre gestrige Aufführung von Brahms’ Trio Es-Dur [op. 40] war durch und durch genau und vollkommen. Die Wirkungen kontinuierlicher Arbeit sind in ihrem Spiel offensichtlich und ihr Ensemblespiel war exzellent.“; „The Times“ vom 17. Mai 1902, S. 13) In weiteren Konzerten standen u. a. Eduard Schütts „Fünf Episoden für Klaviertrio“ op. 72 sowie Klaviertrios von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven auf dem Programm (vgl. z. B. „The Times“ vom 13. November 1905, S. 15).


    Im Jahr 1905 begründete das Chaplin-Trio, das häufiger in wechselnder Besetzung zum Quartett erweitert wurde, in der Londoner Steinway-Hall eine Konzertreihe für Kinder, die allgemein auf großes Interesse stieß. Das Programm bestand im Wesentlichen aus populären Werken: Joseph Haydns Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3, dem so genannten „Kaiserquartett“, einem Satz aus Johann Sebastian Bachs Konzert für drei Cembali d-Moll BWV 1063, mehreren Stücken aus Johannes Brahms’ „Ungarischen Tänzen“ und einem Trio von Carl Bohm (möglicherweise das Klaviertrio G-Dur op. 330 Nr. 2 „Die Forelle“). Publikum und Presse zeigten sich begeistert: „It should be recorded here, I think, that the Chaplin Quartet have organized a series of admirable concerts intended for the especial benefit of children and young students. Already two concerts have been given in Steinway Hall before crowded and very appreciative audiences. It is an excellent and most worthy idea, this of bringing up the children in the way they should go. It will help to form their musical minds, it will arouse any latent interest they may have in matters musical because nothing in the programmes is above their heads, and by way of stimulating their critical faculties, a prize has been offered by a lady well known in Society for the best essay on the second concert [...]. The concerts deserve every encouragement.“ („Es sollte an dieser Stelle festgehalten werden, dass das Chaplin Quartett eine Reihe mit wunderbaren Konzerten veranstaltet hat, die für die speziellen Bedürfnisse von Kindern und jungen Schülerinnen und Schülern gedacht sind. Zwei Konzerte wurden bereits in der Steinway Hall vor einem zahlreichen und sehr aufmerksamen Publikum gegeben. Es ist eine exzellente und sehr wertvolle Idee, die Kinder auf diese Weise auf jenen Weg zu bringen, den sie gehen sollten. Es wird sie dabei unterstützen, ihr musikalisches Verständnis zu formen, es wird jegliches latentes Interesse, das sie vielleicht für musikalische Belange haben, fördern, denn nichts im Programm geht über ihre Köpfe hinweg, und um ihre kritischen Fähigkeiten zu schulen, wurde von einer bekannten Dame ein Preis für den besten Essay über das zweite Konzert ausgelobt [...]. Die Konzerte verdienen alle Unterstützung.“; „The Strad“, Jg. 16 [1905/06], S. 7) Ebenso begeistert reagierte die „Times“: „The idea of giving concerts especially intended for children and young students is one that deserves all the encouragement it can get; and a large audience was present at the second of a series organized by the Misses Chaplin, in Steinway-hall, on Saturday.“ („Die Idee, Konzerte speziell für Kinder und Schüler zu veranstalten verdient alle Unterstützung, die sie erhalten kann; und ein großes Publikum war am Samstag beim zweiten Konzert der Serie, die die Chaplin-Damen in der Steinway-Hall organisiert haben, anwesend.“; „The Times“ vom 10. April 1905, S. 7) Ab Herbst 1905 wurden die Kinder- und Jugendkonzerte jeweils unter ein bestimmtes Motto gestellt und mit einer kurzen Einführung versehen, die von Nellie Holland gegeben wurde. So stand z. B. im Oktober 1905 Ludwig van Beethoven im Zentrum der Veranstaltung: „The second series of those excellent little concerts known as ‚Popular concerts for children and young students’ was begun on Saturday afternoon at the Steinway-hall [...]. As before, a short lecture headed the programme, on this occasion the subject being Beethoven, Miss Nellie Holland giving a few facts about the composer’s life and work [...].“ („Die zweite Serie dieser hervorragenden kleinen Konzerte, bekannt als ‚Popular concerts for children and young students’, fand am Samstag Nachmittag in der Steinway-Hall statt [...]. Wie beim letzten Mal, wurde dem Programm ein kleiner Vortrag vorangestellt, diesmal über Beethoven. Miss Nellie Holland gab einige Informationen über das Leben des Komponisten und sein Werk [...]. “; „The Times“ vom 17. Oktober 1905, S. 7) Ein weiteres Kinderkonzert im Februar 1908 war russischer Musik gewidmet. Mitbeteiligt waren Sir Henry Wood als Pianist und seine Frau als Sängerin. Das Chaplin Trio spielte Elegie und Scherzo aus dem Klaviertrio d-Moll op. 32 von Anton Arensky, und Kate Chaplin trat solistisch mit César Cuis „Berceuse“ für Violine und Klavier op. 20 Nr. 8 auf (vgl. „The Times“ vom 24. Februar 1908, S. 4).


    Neben dem klassisch-romantischen Repertoire rückte zunehmend ältere Musik in das Blickfeld des Ensembles. Im Mai 1906 stellten Kate Chaplin und ihre Schwestern Nellie und Mabel Chaplin ein Konzertprogramm zusammen, das Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Henry Purcell, Antoine Forqueray, Marin Marais, William Boyce und Domencio Scarlatti umfasste: „A delightful old-world concert was given on Thursday afternoon in the Broadwood Rooms by the Chaplin Trio, which included Bach’s concerto in C minor for two harpsichords (accompanied by a string quartet), a sonata by Purcell for violin and piano, two solos for the violoncello by Forqueray and Marais, and three movements of a string quartet by Boyce. This quartet was inserted at the last moment in place of a concerto for oboe by Handel, but it was so lovely that we never felt for a moment that we were losing anything in the exchange; it was played, too, with just the right feeling, quite simply and straightforwardly, like everything else that these players gave us, and without the slightest pose or attempt at archaism [...].“ („Ein vergnügliches Alte-Musik-Konzert wurde vom Chaplin Trio am Donnerstag Nachmittag in den Broadwood Room gegeben, das Bachs Konzert c-Moll für zwei Cembali [mit Streichquartett-Begleitung], eine Sonate von Purcell für Violine und Klavier, zwei Soli für Violoncello von Forqueray und Marais und drei Sätze eines Streichquartetts von Boyce umfasste. Dieses Quartett wurde im letzten Moment an die Stelle eines Oboenkonzertes von Händel gesetzt, aber es war so reizvoll, dass wir keine Sekunde lang etwas vermissten; auch wurde es mit genau dem richtigen Gefühl gespielt, sehr schlicht und direkt, wie alles andere, das die Musikerinnen spielten, und ohne die geringste Pose oder einem Hang zu Archaismen [...].“; „The Times“ vom 19. Mai 1906, S. 19) In den folgenden Jahren war es vor allem Nellie Chaplin, die sich mehr und mehr auf alte Musik konzentrierte und von den Schwestern Kate und Mabel Chaplin darin unterstützt wurde. So spielte Kate Chaplin z. B. Ende Februar 1908 bei einem der Konzerte ihrer Schwester in der Londoner „Company of Musicians“ die Sonate für Violine solo von Henry Purcell (vgl. „The Times“ vom 2. März 1908, S. 3).

    Um das Jahr 1910 begann das Ensemble zudem auch öffentlich auf alten Instrumenten zu spielen. Der Geiger und Geigenbauer George Saint-George fertigte für Kate Chaplin 1899 eine siebensaitige Viola d’amore an, die bis heute unter dem Namen „The Dragon“ bekannt ist, und unterrichtete sie an diesem Instrument (vgl. Hall 1924). Auch die Violoncellistin des Trios, Mabel Chaplin, spezialisierte sich auf das Spiel mit einer Viola da gamba. Im November 1911 trat Kate Chaplin – im Rahmen eines Konzertes von Nellie Chaplin – in der Halle des Londoner „University College“ mit einem Solostück für Viola d’amore auf (vgl. „The Times“ vom 27. November 1911, S. 10), und auch bei einem gemeinsamen Konzert des Chaplin Trios im November 1912 in der Londoner Aeolian Hall spielte Kate Chaplin die Viola d’amore. Auf dem Programm standen u. a. Johann Sebastian Bachs Tripelkonzert für Cembali d-Moll BWV 1063 und Henry Purcells „Nymphs and shephers, come away“ (vgl. „The Times“ vom 11. November 1912, S. 12). Zwei Jahre später, im Oktober 1913, hatte das Chaplin Trio bereits eine Reihe von Musikerinnen und Musikern mit alten Instrumenten um sich versammelt und ergänzte die Rekonstruktion alter Musik mit historischen Tänzen. Unter der Überschrift „Seventeenth Century Music and Dances“ berichtete die „Times“ Ende Oktober 1913:

    „Miss Nellie Chaplin gave at the Æolian Hall yesterday afternoon a long programme [...] of ancient music and dance. [...] To travel back into the past is a delightful exercise when taken under the safe guidance of Andrew Lang or Austin Dobson – or, in another sphere, of Miss Chaplin. For she has soaked herself in its music just as they in its literature, and is at every moment speaking from real knowledge. This is clear both from her assured manner of playing and from her certain ear for good music, as exhibited in the choice of programme. It is within the mark to say that in the first half of the programme there was no piece which was not well worth hearing. [...] The ‚Irish Ho-Hoane,’ on the viola d’amore, was extraordinarily beautiful.“ („Miss Nellie Chaplin gab gestern Nachmittag in der Æolian Hall ein langes Konzert alter Musik und Tanz. [...] In der Zeit zurück zu reisen ist eine vergnügliche Übung, wenn man sich unter der sicheren Führung von Andrew Lang oder Austin Dobson befindet – oder, auf eine andere Weise, unter jener von Miss Chaplin. Denn sie ist ebenso in diese Musik eingetaucht wie jene in die Literatur, und jeder Moment zeugt von wirklicher Kenntnis. Das zeigt sich sowohl in ihrer sicheren Art des Spiels als auch in ihrem sicheren Gehör für gute Musik, das von der Programmauswahl bewiesen wurde. Man kann sagen, dass in der gesamten ersten Hälfte des Programms kein einziges Stück war, das nicht absolut hörenswert gewesen wäre. [...] Das ‚Irish Ho-Hoane’ auf der Viola d’amore war außerordentlich schön.“; „The Times“ vom 30. Oktober 1913, S. 11) Wenige Wochen später, Ende November 1913 war das Chaplin-Trio beteiligt an einer historischen Aufführung von Molières „Les Femmes Savantes“ in englischer Sprache im Globe Theatre in London in einer Inszenierung von Mesley Down und Henry Seaton. Dabei spielte das Ensemble gemeinsam mit weiteren Musikerinnen und Musikern die Zwischenaktmusik und Kate Chaplin übernahm den Part der Viola d’amore (vgl. „The Times“ vom 29. November 1913, S. 6). In den folgenden zwei Jahrzehnten behielt das Chaplin-Trio diese Spezialisierung bei. So berichtete die „Times“ im Oktober 1925 von einem Konzert des Trios in der Londoner Grotrian Hall und nahm dabei auch die Spielweise des Ensembles unter die Lupe: „The Chaplin Trio. Every interpreter of old music has certain problems to solve in presenting it under modern conditions [...]. Miss Kate Chaplin and Miss Mabel Chaplin, in playing solos on the viola d’amore and viola da gamba [...], comprised by using a modern bow and holding it in the modern manner, and in the case of the viola d’amore tucking it under the chin in the modern posture instead of holding it between the knees. The musical effect especially in the matter of phrasing, is undoubtedly better than when the older fashions are faithfully observed, as was seen in a group of short pieces for viola d’amore, in which there was some beautifully clean playing [...].“ („The Chaplin Trio. Jede/r Interpret/in alter Musik hat bestimmte Probleme zu lösen, wenn er/sie unter modernen Bedingungen spielt [...]. Miss Kate Chaplin und Miss Mabel Chaplin erstaunten mit ihrer Verwendung eines modernen Bogens in moderner Haltung und – im Fall der Viola d’amore – durch die moderne Haltung unter dem Kinn, anstatt sie zwischen den Knien zu spielen. Die musikalische Wirkung, besonders in der Phrasierung, war jedoch zweifellos besser als wenn die alten Formen sorgfältig eingehalten werden, wie man an einer Reihe kleiner Stücke für Viola d’amore sehen konnte, in der man ein wunderbar reines Spiel hören konnte [...].“; „The Times“ vom 19. Oktober 1925, S. 18) Auch die BBC interessierte sich schließlich für das Ensembe und sendete u. a. am 17. August 1927 ein Konzert mit Kompositionen von Thomas Arne sowie am 13. September 1929 ein Konzert des Chaplin-Trios mit historischen Instrumenten (vgl. „The Times“ vom 17. August 1927, S. 8; vom 13. September 1929, S. 8).


    Nach dem Tod der Pianistin und Cembalistin Nellie Chaplin um das Jahr 1930 setzten Kate und Mabel Chaplin ab 1932 das Trio gemeinsam mit der Cembalistin Margaret Hodsdon fort. Über das erste Konzert in neuer Besetzung hieß es in der „Times“: „The Chaplin Trio: The Misses Kate and Mabel Chaplin have been able to reconstitute their trio for the performance of old music by the acquisition of Miss Margaret Hodsdon as harpsichordist. [...]. An attractive programme given on Saturday in the appropriate surroundings of Crosby Hall at Chelsea showed that the two string players with Miss Hodsdon are well able to carry on the tradition which their sister enabled them to form. Two ‚Sonatas à trois’ by the French composers, Lœueillet and Barrière, were admirably played on the viola d’amore, bass viole, and harpsichord. [...] Miss Kate Chaplin, who is equally at her ease with viola d’amore and violin, chose Bach’s sonata in A for the latter with harpsichord. All this was very pleasant to listen to, and the Bach gave us one work by a master to relieve the sameness of the journeymen composers.“ („The Chaplin Trio: Die Damen Kate and Mabel Chaplin konnten ihr Trio für die Aufführung alter Musik wiederbeleben, indem sie Miss Margaret Hodsdon als Cembalistin gewannen. [...] Ein interessantes Programm, das am Samstag in einem angemessenen Rahmen in der Crosby Hall in Chelsea gegeben wurde, zeigte, dass die beiden Streicher mit Miss Hodsdon sehr gut in der Lange sind, die Tradition, die sie mit ihrer Schwester ausgeformt hatten, fortzuführen. Zwei Triosonaten der französischen Komponisten Lœueillet und Barrière wurden wunderbar auf der Viola d’amore, der Basse-Viole und dem Cembalo gespielt. [...] Miss Kate Chaplin, die gleichermaßen auf der Viola d’amore wie auf der Geige zu Hause ist, wählte Bachs Sonate in A auf letzterem mit Cembalo. All dies war nett zu hören, und mit dem Bach wurde uns das Werk eines Meisters gegeben, das uns von der Gleichförmigkeit der Handwerksgesellen erlöste.“; „The Times“ vom 14. November 1932, S. 10) Dennoch scheint das Chaplin-Trio in dieser Besetzung nicht weiter konzertiert zu haben oder wurde zumindest nicht mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen.


    Der weitere Lebensweg von Kate Chaplin ist unbekannt.

    Würdigung

    In den mehr als fünfzig Jahren, die Kate Chaplin als Geigerin, Viola d’amore Spielerin und Kammermusikerin in London wirkte, prägte sie zweifelsohne das Konzertleben der Stadt mit. Dabei gehörten ihre Konzerte mit alter Musik und historischen Tänzen, die sie gemeinsam mit dem Chaplin-Trio initiierte, zur ersten Generation historischer Aufführungspraxis in England, deren Errungenschaften bis in die heutige Aufführungspraxis älterer Musik hineinragen.

    Rezeption

    Die Pionierleistungen auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis wurden bislang nahezu ausschließlich Arnold Dolmetsch zugeschrieben, der 1914 ein Zentrum für alte Musik in Haslemere gründete und es gemeinsam mit seiner Frau Mabel Dolmetsch (historischen Tanz) und seiner Tochter Helen Dolmetsch (Gambe) führte. Kate Chaplin und das Chaplin-Trio, dessen Konzerte wesentlich zur Entwicklung und Verbreitung älterer Musik und historischen Tänzen sowie zur Spielpraxis alter Instrumente beitrugen, finden in diesem Zusammenhang bislang keine Erwähnung.

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste Kate Chaplins kann aufgrund fehlender Forschungen derzeit nicht erstellt werden. Nachgewiesen sind Aufführungen der folgenden Werke:



    Arensky, Anton. Klaviertrio d-Moll op. 32.


    Bach, Johann Sebastian. Konzert für 2 Cembali, Streicher und b.c. c-Moll (keine Präzisierung möglich).

    Bach, Johann Sebastian. Konzert für 3 für Cembali, Streicher und b.c. d-Moll BWV 1063.

    Bach, Johann Sebastian. Konzert für Cembalo, Streicher und b.c. f-Moll BWV 1056.

    Bach, Johann Sebastian. Sonate für Violine und b.c. (keine Präzisierung möglich).


    Barrière, Jean Baptiste. Sonate à Trois (keine Präzisierung möglich).


    Behm, Eduard. Klaviertrio e-Moll (englische Erstaufführung).


    Bohm, Carl. Klaviertrio (keine Präzisierung möglich).


    Brahms, Johannes. Klaviertrio Es-Dur op. 40.


    Bruch, Max. 2. Violinkonzert d-Moll op. 44.


    Cui, César: Berceuse für Violine und Klavier op. 20 Nr. 8.


    Dvorák, Antonín. Klavierquintett (keine Präzisierung möglich).


    Händel, Georg Friedrich. Violinsonate g-Moll aus op. 1 (keine Präzisierung möglich).


    Haydn, Joseph: Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3 („Kaiserquartett“).


    Loeillet, Jean Baptiste. Sonate à Trois (keine Präzisierung möglich).


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klaviertrio c-Moll op. 60.


    Mozart, Wolfgang Amadeus. Klaviertrio E-Dur KV 542.


    Purcell, Henry. „Nymphs and shephers, come away“

    Purcell, Henry. Sonate für Violine und B.c. (keine Präzisierung möglich).


    Schütt, Eduard. Fünf Episoden für Klaviertrio op. 72.

    Schütt, Eduard. Klaviertrio c-Moll op. 27.


    The Irisch Ho-Hoane (für Viola d’amore).


    Tschaikowsky, Peter I. Klaviertrio a-Moll op. 50 „à la mémoire d’un grand artiste“.


    Wolstenholme, William: Stücke für Viola und Klavier.

    Quellen

    Literatur


    Artikel „Chaplin, Kate“. In: J. Warriner: National portrait gallery of British musicians, 1896 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Chaplin“. In: J.D. Brown/S.S. Stratton: British musical biography, 1897 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Chaplin, Kate“. In: A. E. Hull: A dictionary of modern music and musicians, 1924 (vorh. in wbis – world biographical information system).


    Artikel „Chaplin, Kate“. In: Lexikon der Frau. Zürich: Encyclios Verlag, 1954, Bd. 1, Sp. 613.



    Zeitschriften und Konzertrezensionen


    The Musical Times vom 1. August 1889, S. 455.

    The Musical Times vom 1. Juni 1894, S. 361.

    The Musical Times“ vom 1. Mai 1898, S. 337f.

    The Musical Times vom 1. Juli 1899, S. 472.


    The Strad, Jg. 16 (1905/06), S. 7.


    The Times vom 17. Mai 1882, S. 1.

    The Times vom 21. Oktober 1884, S. 1.

    The Times vom 19. Mai 1886, S. 1.

    The Times vom 26. April 1894, S. 12.

    The Times vom 22. April 1898, S. 8.

    The Times vom 3. Mai 1899, S. 1.

    The Times vom 24. Februar 1900, S. 3.

    The Times vom 17. Mai 1902, S. 13.

    The Times vom 13. November 1905, S. 15.

    The Times vom 10. April 1905, S. 7.

    The Times vom 17. Oktober 1905, S. 7.)

    The Times vom 24. Februar 1908, S. 4.

    The Times vom 19. Mai 1906, S. 19.

    The Times vom 2. März 1908, S. 3.

    The Times vom 27. November 1911, S. 10.

    The Times vom 11. November 1912, S. 12.

    The Times vom 30. Oktober 1913, S. 11.

    The Times vom 29. November 1913, S. 6.

    The Times vom 19. Oktober 1925, S. 18.

    The Times vom 17. August 1927, S. 8.

    The Times vom 13. September 1929, S. 8.

    The Times vom 14. November 1932, S. 10.



    Links


    http://www.concertprogrammes.org.uk, Stand: 11. Juni 2012

    Die britische „Concert Programmes Database“ verzeichnet mehrere Konzertauftritte von Kate Chaplin und dem Chaplin-Trio.

    Forschung

    Zu Kate Chaplin liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Kate Chaplin umfasst ihre Biographie sowie ihre Tätigkeiten. Vor allem ihr Engagement für die historische Aufführungspraxis in England sowie ihre Aktivitäten im Umkreis des Zentrums für alte Musik könnten einer näheren Betrachtung unterzogen werden.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 05.12.2017


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Kate Chaplin“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 5.12.2017.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Kate_Chaplin