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  • Julie von Pfeilschifter

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin und Komponistin Julie von Pfeilschifter. Fotografie von G. Markwort, o. D.
    Namen:
    Julie von Pfeilschifter
    Lebensdaten:
    geb. in Mannheim, Deutschland
    gest. in Wiesbaden, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Pianistin, Klavierpädagogin, Musiklehrerin
    Charakterisierender Satz:

    „Ihre Lieder, die nach dem landläufigen Ausdruck dem Hörer beim ersten Male ‚ins Ohr fallen‘, und die dabei doch so ganz die individuelle Färbung bewahren, sind an Innigkeit des Gefühls und an Wohllaut des Klangs ein Reichtum von echter, aus dem Herzen strömender Lyrik. Das fließt alles so leicht, so anmutig dahin, das kommt so einfach natürlich und selbstverständlich und dabei doch so abgerundet und fest in sich zusammengeschlossen, daß man das Feindurchdachte, das Bewußtschaffende, des Aufbaues ganz darüber vergißt.“


    (Minna von Konarski über die Lieder von Julie von Pfeilschifter. In: „Wiesbadener Zeitung“ vom 5. Oktober 1908)


    Profil

    Die Pianistin und Komponistin Julie von Pfeilschifter nahm mit 16 Jahren eine Stelle als Klavier- bzw. Musiklehrerin in einem Pensionat an und arbeitete und konzertierte anschließend in verschiedenen Städten Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz. Nach dem deutsch-französischen Krieg kehrte sie ca. 1872 nach Deutschland zurück und erhielt eine Anstellung als Klavierlehrerin im Fürstenhaus der Komponistin Julie von Waldburg-Wurzach – zunächst auf Schloss Kißleg in Württemberg, anschließend in Salzburg. Im Jahr 1881 ließ sich Julie von Pfeilschifter in Wiesbaden nieder. In der darauf folgenden Zeit erschienen mehrere Lieder von ihr in Leipziger und Mainzer Verlagen. Zu ihren größten künstlerischen Erfolgen zählte die Aufführung dreier Tanz-Divertissements am Wiesbadener Hoftheater in der Choreografie von Annetta Balbo (Aufführungsdaten unbekannt).


    Obwohl ihr Umfeld, darunter Julie von Waldburg-Wurzach und deren Halbschwester, die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, sie ideell und aktiv unterstützte, war der Alltag von Julie von Pfeilschifter permanent von finanziellen Sorgen begleitet. Ihr Lebensweg ist ein sozialgeschichtlich beeindruckendes Beispiel für eine Musikerin, die am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchte, ihren Lebensunterhalt allein zu bestreiten.

    Orte und Länder

    Julie von Pfeilschifter wurde in Mannheim geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in Mannheim, Würzburg, Aschaffenburg, Mainz und Darmstadt und wechselte auch in späteren Jahren häufig den Wohnort. Sie begann ihre ersten Unterrichts- und Konzertjahre in Frankfurt a. M. und Pforzheim, zog dann nach Lyon in Frankreich, kam von dort gegen Ende des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 nach Genf und fand schließlich eine Anstellung auf Schloss Kißleg in Württemberg bei der Komponistin und Fürstin Julie von Waldburg-Wurzach. Von dort aus zog sie gemeinsam mit deren Familie nach Salzburg und versuchte, nachdem ihre dortige Stelle beendet war, kurzzeitig in Karlsruhe Fuß zu fassen. Im Jahr 1881 ließ sich Julie von Pfeilschifter dauerhaft in Wiesbaden nieder und arbeitete dort als Komponistin und Musiklehrerin.

    Biografie

    Julie von Pfeilschifter wurde am 15. April 1840 in Mannheim geboren. Ihr Vater, Johann Baptist von Pfeilschifter, war ein konservativer, katholischer Publizist, die Mutter stammte aus der Familie eines mecklenburgischen Hofrats. Julie von Pfeilschifter wurde vom Vater in den allgemeinbildenden Fächern unterrichtet und besuchte lediglich im Alter von neun Jahren für einige Monate die Klosterschule der englischen Fräulein in Aschaffenburg. Ab dem Alter von sieben Jahren erhielt sie Musikunterricht in Klavier, Gesang und Theorie, der jedoch aufgrund der häufigen Ortswechsel der Familie nur unregelmäßig blieb, denn während ihrer Kindheit lebte die Familie u. a. in Mannheim, Würzburg, Aschaffenburg, Mainz und Darmstadt.


    In Darmstadt erhielt Julie von Pfeilschifter Musikunterricht von einem dortigen Konzertmeister A. Müller und trat am 17. Mai 1855 – mit 15 Jahren – erstmals öffentlich in einem Konzert des Mozart-Vereins in Bessungen bei Darmstadt auf. Weitere Konzerte folgten, bei denen sie u. a. in den Großherzoglichen Hofkonzerten in Darmstadt unter der Leitung von Louis Schindelmeisser (ab 1853/54 Hofkapellmeister in Darmstadt) sowie in Heidelberg, Mainz, Gießen und Würzburg spielte – Näheres über diese Konzerte ist bislang nicht bekannt. Gleichzeitig nahm sie ein privates Klavierstudium bei August Buhl in Frankfurt a. M. auf, das sie jedoch nach kürzester Zeit aus finanziellen Gründen abbrach.


    Im Alter von 16 Jahren löste sich Julie von Pfeilschifter aus dem Elternhaus, zog über zweieinhalb Jahrzehnte, zwischen 1856 und 1881, von Stadt zu Stadt und finanzierte ihren Lebensunterhalt durch Klavierunterricht und Konzerte. Genaue Jahresangaben ihrer Aufenthalte in dieser Zeit sind bislang nur vereinzelt möglich, auch biografische und künstlerische Ereignisse lassen sich bis 1881 kaum rekonstruieren. Julie von Pfeilschifter nahm zunächst eine Stelle als Musiklehrerin in einem Pensionat an, vermutlich in Frankfurt am Main und lebte anschließend in Pforzheim, wo sie u. a. in den Konzerten des Violinisten Jean Becker auftrat. Ca. 1869/70 zog sie für zwei Jahre nach Lyon, wo ein Bruder ihres Vaters lebte, ging anschließend nach Genf und kehrte ca. 1872 nach Deutschland zurück. Vermutlich auf eine Empfehlung des damaligen Leiters des Frankfurter Hoch’schen Konservatoriums Joachim Raff (1822-1882) hin erhielt sie eine Anstellung als Klavierlehrerin im Fürstenhaus von Julie von Waldburg-Wurzach auf Schloß Kißleg in Württemberg. Dort übernahm Julie von Pfeilschifter den Unterricht der Komtessen und folgte der Familie Waldburg-Wurzach einige Zeit später nach Salzburg. Julie von Waldburg-Wurzach, selbst Komponistin, war eine Halbschwester der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Die Kontakte Julie von Pfeilschifters zu beiden Frauen blieben bis zu deren Tod bestehen.


    Im Jahr 1881 ließ sich Julie von Pfeilschifter – nach einem kurzen Aufenthalt in Karlsruhe – dauerhaft in Wiesbaden nieder. Sie arbeitete als Klavierlehrerin und Komponistin und fand nach und nach Anerkennung. Mehrere ihrer Lieder wurden bei C. F. Kahnt und Robert Rühle in Leipzig sowie bei Carl Ebling in Mainz gedruckt, darunter zwei Liedersammlungen und einige Konzertlieder (vgl. Michaelis 1888, S. 33). Dabei vertonte Julie von Pfeilschifter u. a. Texte von Heinrich Heine (z. B. „Das ist ein Brausen und Heulen“) und Oscar von Redwitz sowie Gedichte aus ihrem Umfeld, wie z. B. „Gebrochen“ des Wiesbadener Unternehmers Chr. Glücklich. Mehrere ihrer Lieder tragen zudem Widmungen. So schrieb sie z. B. das Heine-Lied „Es blasen die blauen Husaren“ dem Komponisten und Dirigenten Ferdinand Möhring (1816-1887) zu, und das Lied „Gebrochen“ ist dem Wiesbadener Intendanten Curt von Mutzenbecher gewidmet. Im Jahr 1909 wurde das Lied „Ewig will ich Dein gehören“ von einem Berliner Kapellmeister H. Baarz für Cornet à piston-Solo arrangiert und am 7. November 1909 bei einem großen „Militär-Streich-Konzert“ gemeinsam mit Werken u. a. von Giacomo Meyerbeer, Johann Strauß und Giuseppe Verdi im Berliner Tiergarten aufgeführt (vgl. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 428/1460). H. Baarz schrieb am nächsten Tag an Julie von Pfeilschifter: „Hiermit löse ich mein Versprechen ein und überreiche Ihnen 2 Programme, welche Ihre Composition ‚Ewig will ich Dein gehören‘, enthalten. Das Lied habe ich in ‚Es-Dur‘ gesetzt und ist dasselbe in dieser Lage, nach meiner Meinung, vorzüglich. Ich bemerke aufrichtig, dass das Publikum nach jedem Vortrag enthusiasmiert war und ich mich zur Wiederholung entschliessen musste.“ (Brief von H. Baarz an Julie von Pfeilschifter vom 8. November 1909, Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 428/1460) Das letzte bekannte Lied von Julie von Pfeilschifter ist das Kriegslied „Herzvolk Europas“ (Textdichter unbekannt), das 1914 im Verlag Carl Ebeling in Mainz erschien.

    Die Wiesbadener Schriftstellerin und Journalistin Minna von Konarski schrieb über die Lieder Julie von Pfeilschifters: „Das fließt alles so leicht, so anmutig dahin, das kommt so einfach natürlich und selbstverständlich und dabei doch so abgerundet und fest in sich zusammengeschlossen, daß man das Feindurchdachte, das Bewußtschaffende, des Aufbaues ganz darüber vergißt. Und worin liegt das Geheimnis dieser Wirkung? In der musterhaften Vereinigung von süß einschmeichelnder Melodik […] mit den Eigenschaften, die wir modernen, am Geist Wagners herangereiften Menschen heute von jedem musikalischen Kunstwerk verlangen: eigenartige Harmonisierung, äußerst originelle Modulation und intimste Verwebung des musikalischen Ausdrucks mit dem Wort.“ (Konarski 1908; vgl. auch Jansa 1911)


    Zu den größten Erfolgen Julie von Pfeilschifters zählten die Kompositionen dreier Tanz-Divertissements, die vor 1888 mehrfach im Wiesbadener Hoftheater aufgeführt wurden (in Michaelis 1888 bereits erwähnt). Hierzu gehörten „Agnete. Phantastische Szene für Gesang und Tanz“ nach der „Meerkönigin“ von Robert Músiol (1846-1903), „Der Vöglein Morgengruß“, ebenfalls nach einem Text von Robert Músiol, sowie „Fortuna, genannt Frühling“. Die Tanz-Divertissements wurden von der Wiesbadener Ballettmeisterin Annetta Balbo choreografiert und an insgesamt 24 Abenden gespielt. Der Weimarer Hoforganist Alexander Wilhelm Gottschalg (1827-1908) schrieb an Julie von Pfeilschifter über eines der Ballette: „Die ‚Agnete‘ hat mir gewaltig imponiert. Es verdient dieselbe sicherlich gedruckt zu werden. Unter Ihren komponierenden Kolleginnen würde ich Ihnen unbedingt eine römische Eins – cum laude erteilen.“ (zit. n. Julie von Pfeilschifter 1905, S. 25). Auch in späteren Jahren hielt Julie von Pfeilschifter noch Kontakt zum Wiesbadener Hoftheater. So zählte z. B. der Intendant der Königlichen Schauspiele Wiesbaden, Kurt von Mutzenbecher, zu ihren Förderern; der Briefwechsel ist im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden erhalten (Sign. 428/1460).


    Obwohl Julie von Pfeilschifter regelmäßig unterrichtete und ihren Kompositionen Anerkennung entgegengebracht wurde, gelang es ihr nicht, ihr Leben selbständig zu finanzieren. Am 5. Oktober 1908 veröffentlichte die „Wiesbadener Zeitung“ einen größeren Artikel über Julie von Pfeilschifter, den die Schriftstellerin und Journalistin Minna von Konarski verfasst hatte (vgl. von Konarski 1908). Einen Tag später erschien an gleicher Stelle ein offizieller Spendenaufruf, in dem es hieß: „Unserer beliebten Tonkünstlerin Julie von Pfeilschifter, Komponistin herrlicher Lieder, gelang es in den letzten Jahren trotz heißen Bemühens nicht mehr, die zu ihrem Lebensunterhalt notwendigen Mittel durch Musikunterricht aufzubringen. In ihrem vorgeschrittenen Alter von nahezu 70 Jahren bedarf sie deshalb dringend der Hilfe ihrer Mitmenschen. Edelmütige Kunst- und Menschenfreunde werden gebeten, zu einer Ehrengabe für die Künstlerin freundlichst beizusteuern.“ (s. Zeitungsausschnitt in: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 428/1460) Unterzeichnet wurde der Aufruf u. a. vom Wiesbadener Ehepaar Minna und Hermann von Konarski, Marie von Ebner-Eschenbach aus Wien, Julie von Waldburg-Wurzach, Marie von Waldburg Wurzach und dem Wiesbadener Intendanten der Königl. Schauspiele Dr. Kurt v. Mutzenbecher.


    Julie von Pfeilschifter starb am 19. Mai 1918 in Wiesbaden.

    Würdigung

    Eine angemessene Würdigung der Tätigkeiten Julie von Pfeilschifters wird erst nach weiteren Forschungen möglich sein. Fest steht, dass Julie von Pfeilschifter am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Komponistin anerkannt war. Hierfür sprechen nicht nur mehrere Artikel in zeitgenössischen Lexika, sondern auch ihre Teilnahme an der „Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik“, die 1914 in Leipzig veranstaltet wurde. Dort wurden mehrere Kompositionen von ihr im „Haus der Frau“ ausgestellt, darunter vor allem die bei C. F. Kahnt in Leipzig erschienenen Liedersammlungen und Einzellieder (vgl. Die Frau im Buchgewerbe 1914, S. 52f.).

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Julie von Pfeilschifters werden bislang nicht rezipiert.

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Das vorläufige Verzeichnis basiert größtenteils auf Michaelis 1888, Julie von Pfeilschifter 1905, S. 31f. und Pazdírek 1904ff. Viele Angaben sind unvollständig, die Kompositionen sind nicht datiert. Der Verbleib der Manuskripte ist, mit einer Ausnahme, bislang unbekannt. Einige wenige Kompositionen tragen Opuszahlen. Die vollständigen Namen der Textdichter sind bislang nur teilweise bekannt.



    Liedersammlungen und Einzellieder


    Fünf Lieder, nach Texten von Heinrich Heine, Oscar von Redwitz, A. Valenta (Leipzig: C. F. Kahnt Nachf.)

    1. Gute Nacht – 2. Der erste Kuß – 3. Es muß was Wunderbares sein – 4. Es blasen die blauen Husaren – 5. Laß mich vor Dir niedersinken


    Drei Lieder, nach Texten von Oscar von Redwitz, Heinrich Heine, A. Valenta (Leipzig: C. F. Kahnt Nachf.)

    1. Eh’ du von hinnen ziehst – 2. Es hat die warme Frühlingsnacht – 3. Wer einmal recht empfunden


    Ewig will ich Dein gehören. Konzertlied, op. 9 (Leipzig: A. Michaelis)

    Wiegenlied aus „Agnete“. Text: Robert Músiol (Leipzig: C. F. Kahnt)

    Stör’ nicht den Schlummer des Kindes. Text: E. Stelter, op. 22 (Leipzig: C. F. Kahnt)

    Heimatlos. Text: H. v. Götzendorf (Leipzig: C. F. Kahnt)

    Mein Eiland. Text: B. v. B., op. 20 (Leipzig: C. F. Kahnt)

    Sei mein für immer. Konzertlied (Leipzig: Klemm)

    Nun freue dich o Welt. Text: Schulte vom Brühl (Leizpig: C. F. Kahnt)

    Hab’ ein Röslein Dir gebrochen. Text: Julius Wolf (Leipzig: Rühle & Wendling)

    Gebrochen. Text: Chr. Glücklich (Manuskript, Hessisches Hauptstaatsarchiv, Sign.: 428/1460)

    Lerche und Wegwurm. Konzertlied (Manuskript).

    Schmetterling. Walzerlied, op. 25 (Leipzig: Robert Rühle)

    Komm zu mir. Text: Betty Schott (Mainz: Carl Ebling).

    Der verliebte Kutscher. Ein lustig Lied. Text: Ludwig Pfau/Adolf Wernicke (Mainz: Carl Ebling).

    Das ist ein Brausen und Heulen. Text: Heinrich Heine (Manuskript).

    Herzvolk Europas. Kriegslied (Mainz: Carl Ebeling, ca. 1914)



    Bühnenwerke


    Agnete. Phantastische Szene für Gesang und Tanz. Nach Robert Músiols „Meerkönigin“. UA: Hoftheater Wiesbaden.


    Der Vögleins Morgengruß. Tanz-Divertissement. Text: Robert Músiol. UA: Hoftheater Wiesbaden (auch bearbeitet für Klavier)


    Fortuna, genannt Frühling. Tanz-Divertissement. UA: Hoftheater Wiesbaden



    Klavierstücke


    Alicen-Walzer für Klavier (Leipzig: Klemm)

    Repertoire

    Über das pianistische Repertoire von Julie von Pfeilschifter ist bislang nichts bekannt.

    Quellen

    Quellen im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW)


    Bestand Staatstheater Wiesbaden (428). Privatkorrespondenz des Intendanten Kurt von Mutzenbecher. HHStAW Abt. 428 Nr. 399. Band 2: 1904-1906. Darin: Notenblätter […] zu „Es blasen die blauen Husaren“ von Julie von Pfeilschifter (Drucke); „Ein Künstlerleben“, Biografie der Komponistin Julie von Pfeilschifter, [1905], (Druckschrift).


    Bestand Staatstheater Wiesbaden (428). Persönliche Unterlagen Kurt von Mutzenbechers in seiner Eigenschaft als Theaterintendant. HHStAW Abt. 428 Nr. 1460. Band 2. 1906-1909. Darin: Schriftwechsel mit der Komponistin Julie von Pfeilschifter, mit Mutzenbecher gewidmeter Komposition sowie mit Abbildung der Komponistin


    Bestand Preußisches Regierungspräsidium Wiesbaden (405). 1.9.1 Armen-, Wohlfahrts- und Fürsorgewesen. 1893-1918. Unterstützung für die Musiklehrerin Julie von Pfeilschifter zu Wiesbaden. HHStAW Abt. 405 Nr. 2890.



    Literatur


    Artikel „Pfeilschifter, Julie v.“. In: Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Alfred Michaelis. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Artikel „Pfeilschifter, J. v.“. In: Franz Pazdírek (Hg.). Universal-Handbuch der Musikliteratur aller Zeiten und Völker. I. Teil. Band 8. Wien: Pazdírek & Co., 1904ff. S. 306.


    Artikel „Pfeilschifter, Julie von“. In: Deutsche Tonkünstler in Wort und Bild. Friedrich Jansa (Hg.). 2. Ausgabe. 1911 (verfügbar in wbis – word biographical information system).


    Artikel „Pfeilschifter, Julie v.“. In: Nassauische Biografie. Otto Renkhoff (Hg.). 2. vollst. überarb. Auflage. Wiesbaden: Historische Kommission für Nassau, 1992


    Artikel „Pfeilschifter, Julie von“. In: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon. Paul Frank (Hg.). 12. Auflage, bearb. v. Wilhelm Altmann. 1926 (verfügbar in wbis – word biographical information system).


    Artikel „Pfeilschifter, Julie von“. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie. Walther Killy (Hg.). Bd. 7. 1998 (verfügbar in wbis – word biographical information system).


    Artikel „Pfeilschifter, Julie von“. In: International Encyclopedia of women composers. Aaron I. Cohen (Hg.). New York: Bowker, 1981.


    Herrmann, Albert. Gräber berühmter Personen auf den Wiesbadener Friedhöfen. 1928 (verfügbar in wbis – word biographical information system).


    Ebel, Otto. Women Composers: A Biographical Handbook of Woman’s Work in Music. Brooklyn, N. Y.: Chandler-Ebel Music & Co, 1913.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. 3. Aufl. Boston: L. C. Page & Co., 1908.


    Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik. Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig: Verlag des deutschen Buchgewerbe-Vereins, 1914.


    Julie von Pfeilschifter. Ein Künstlerleben. Der Künstlerin zum 50jährigen Jubiläum gewidmet von ihren Gönnern und Freunden. Mainz: Verlag Karl Eblig, o. J. [1905].


    Konarski, Minna von. Julie von Pfeilschifter. In: Wiesbadener Zeitung vom 5. Oktober 1908, Zeitungsausschnitt o. P. (Hessisches Hauptstaatsarchiv Abt. 428 Nr. 1460. Band 2).


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart, gesammelt und hrsg. von Anna Morsch. Verlag von Stern und Ollendorff, Berlin 1893.

    Forschung

    Fast alle bislang bekannten Publikationen über Julie von Pfeilschifter, darunter besonders die Schrift „Julie von Pfeilschifter. Ein Künstlerleben“ von 1905, wurden von ihr selbst bzw. aus ihrem Freundeskreis heraus initiiert. Sie sind von der Darstellung mangelnder Möglichkeiten zu einer beruflichen Entwicklung angesichts eines lieblosen Elternhauses, unverständiger Mäzene und fehlender finanzieller Mittel in einem hohen Maße durchdrungen. Nur sehr wenige bislang aufgefundene Quellen spiegeln die musikalischen Tätigkeiten Julie von Pfeilschifters von neutraler Seite, so dass zur Zeit kaum ein wissenschaftlich geklärtes Bild von ihrem Beitrag zum Musikleben ihrer Zeit zu gewinne ist. Rezensionen ihrer Konzerte waren nicht aufzufinden.


    Bislang hat es den Anschein, dass Julie von Pfeilschifter in ihren späteren Lebensjahren einem deutsch-konservativen Umfeld nahestand. In Artikeln über ihre Kompositionen fehlt nur selten der Name Richard Wagners, und der Spendenaufruf vom Okober 1908 wurde auch von dem Dirigenten, Komponisten, Hochschulprofessor und selbsterklärten Antisemiten Max von Schillings unterzeichnet, der zu dieser Zeit in München wirkte und ebenfalls zu den Förderern Julie von Pfeilschifters zählte. Auch die Komposition des Kriegslieds „Herzvolk Europas“ weist in diese Richtung.


    Eine Sichtung der z. Zt. (Juni 2008) publizierten Dokumente Marie von Ebner-Eschenbachs ergab keine weiteren Hinweise.


    Die Akte über Julie von Pfeilschifter beim Armen-, Wohlfahrts- und Fürsorgewesen (vgl. Bestand Preußisches Regierungspräsidium Wiesbaden [405]. 1.9.1 Armen-, Wohlfahrts- und Fürsorgewesen. 1893-1918. Unterstützung für die Musiklehrerin Julie von Pfeilschifter zu Wiesbaden. HHStAW Abt. 405 Nr. 2890) umfasst mehr als 100, teils beidseitig beschriftete Blatt (Auskunft des Hessischen Hauptstaatsarchivs vom 19. Mai 2008). Sie wurde für den vorliegenden Artikel nicht ausgewertet.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Julie von Pfeilschifter umfasst alle ihre Tätigkeitsbereiche. Über ihre Schülerinnen und Schüler der Wiesbadener Zeit ist bislang ebenso wenig bekannt, wie über die Rezeption ihrer Konzerte und Kompositionen. Ihre Verbindungen zum Bühnentanz, die anhand verschiedener Kompositionen deutlich werden, sind bislang ungeklärt. Der Verbleib ihrer Kompositionen ist weitestgehend unbekannt.


    Sozialgeschichtlich könnten Forschungen zu Julie von Pfeilschifter besonders mit Blick auf die finanziellen Lebensbedingungen alleinstehender Musikerinnen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergiebig sein (s. „Forschungsinformationen“).

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 10631118
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 117742384

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 6. Juni 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 17.06.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Julie von Pfeilschifter“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 17.6.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Julie_von_Pfeilschifter