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  • Josepha (von) Auernhammer

    von Melanie Unseld
    Namen:
    Josepha (von) Auernhammer
    Ehename: Josepha (von) Bessenig
    Varianten: Josepha (von) Aurnhammer, Josepha (von) Auerhammer, Josepha (von) Auerhahn, Josepha (von) Bösenhönig, Josepha (von) Pößkönig, Josepha (von) Barbara Auernhammer, Josepha (von) Barbara Bessenig, Josepha (von) Barbara Aurnhammer, Josepha (von) Barbara Auerhammer, Josepha (von) Barbara Auerhahn, Josepha (von) Barbara Bösenhönig, Josepha (von) Barbara Pößkönig
    Lebensdaten:
    geb. in Wien, Österreich
    gest. in Wien, Österreich
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Komponistin, Pädagogin, Klavierlehrerin, Konzertveranstalterin, Verlagsassistentin
    Charakterisierender Satz:

    „[…] sie hat mir ihren Plan (als ein geheimnüss) entdeckt, der ist noch 2 oder 3 Jahr rechtschaffen zu studiren, und dann nach Paris zu gehen, und Metier davon zu machen. – denn sie sagt, ich bin nicht schön; o contraire hässlich. einen kanzley Helden mit 3 oder 400 gulden mag ich nicht heurathen, und keinen andern bekomme ich nicht; mithin bleib ich lieber so, und will von meine [sic] talent leben. und da hat sie recht; sie bat mich also ihr beyzustehen, um ihren Plan ausführen zu können“ (Wolfgang A. Mozart über Josepha Auernhammer (1781), in: Mozart-Briefe, Bd. 3, S. 135).


    Profil

    Als Pianistin war sie eine viel geachtete und gern gehörte Virtuosin auf verschiedenen Wiener Bühnen. Durch ihre Begegnung mit Wolfgang A. Mozart sind vor allem ihre Tätigkeiten der 1780er und 1790er Jahre überliefert. Sie war seine (Meister-)Schülerin und half ihm bei der Drucklegung mehrerer seiner Werke. Als Komponistin musste sie sich mit dem Vorwurf der „Überproduktivität“ auseinandersetzen. Sie war auch als Klavierlehrerin tätig, u.a. unterrichtete sie ihre Tochter, die ihrerseits Lehrerin von der Sängerin Henriette Sonntag war.

    Orte und Länder

    Obwohl Josepha Auernhammer Anfang der 1780er Jahre eine Konzertreise nach Paris plante, scheint sie – soweit bis heute bekannt – nie oder nur selten ihre Geburtsstadt Wien verlassen zu haben.

    Biografie

    Am 25. September 1758 wurde Josepha Auernhammer in Wien getauft. Dass sie adeliger Abstammung war, ist inzwischen widerlegt. Sie erhielt ab etwa 1778 Musikunterricht bei Georg Friedrich Richter und Leopold Anton Koželuch, ab spätestens 1782 (wenn nicht 1781) auch bei Wolfgang Amadeus Mozart. Im November 1781 hatte sie bereits die Drucklegung von Mozarts sechs Violin-Sonaten überwacht, eine Edition, die ihr gewidmet ist. Ab 1782 sind mehrere gemeinsame pianistische Auftritte mit Mozart verbürgt. Aus welchen Gründen sie 1782 aus ihrem Elternhaus auszog, ist nicht weiter bekannt, sicher ist, dass Mozart ihr Kost und Logis bei Baronin von Waldstätten vermittelte.

    Ab 1785 konzertierte sie regelmäßig mit eigenen Akademien in Wien (Burgtheater, Kärntnertortheater u.a.). Weiterhin war sie Wiener Verlegern bei diversen Drucklegungen von Klavierwerken behilflich, im Jahr 1785 etwa widmete ihr der Wiener Verleger Torricella aus diesem Grund den Druck von Mozarts KV 265.

    Am 23. Mai 1786 heiratete sie – entgegen ihren ursprünglichen Plänen – Johann Bessenig; ihr Ehemann scheint ihrer künstlerischen Karriere nicht im Wege gestanden zu haben, sie trat weiterhin auf (unter ihrem Mädchennamen).

    Josepha Auernhammer gebar in den folgenden Jahren drei Kinder, zwei davon überlebten das erste Lebensjahr: Marianna Clara, genannt Anna, geboren am 13. Dezember 1786 (später verh. Czegka, Sängerin und Gesangspädagogin) und Carolus Josephus, geboren am 11. Februar 1797 (gestorben 1820 oder 1837).

    Etwa ab 1788 war sie als Klavierlehrerin tätig. Außerdem widmete sie sich nun auch der Komposition und veröffentlichte z.B. im Jahr 1792 „6 Variationen auf die Aria ‚Der Vogelfänger bin ich ja’“. Ab 1804 sind gemeinsame Auftritte mit ihrer Tochter Anna verbürgt. Am 31. Januar 1820 starb Josepha Auernhammer in Wien.

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    Josepha Barbara Auernhammer wurde am 25. September 1758 als Tochter des Wirtschaftsrates Johann Michael Auernhammer in Wien getauft. Dass sie frühzeitig eine gründliche musikalische, vor allem pianistische Ausbildung erhielt, ist anzunehmen, belegt sind ihre Studien allerdings erst ab etwa 1778 (Unterricht bei Friedrich Richter Richter und Leopold Anton Koželuch). Wolfgang Amadeus Mozart lernte sie kennen, als dieser sich 1781 in Wien niederließ; die Familie Auernhammer gehörte zum weiteren Bekanntenkreis der Familie Mozart, und Vater Leopold drängte den Sohn, den Kontakt zur Familie Auernhammer für das weitere Fortkommen zu nutzen. Tatsächlich berichtete dieser bereits in seinen ersten Wiener Wochen von regelmäßigen Besuchen bei Familie Auernhammer, allerdings noch nicht vom Unterricht für die Tochter des Hauses. Spätestens ab 1782 jedoch erhielt Josepha Auernhammer dann bei Mozart Unterricht (s. Mozart-Briefe).

    Im November 1781 hatte sie bereits die Drucklegung von Mozarts sechs Violin-Sonaten KV 296 und KV 376-380 überwacht, eine Edition, die ihr gewidmet ist. Sie kümmerte sich auch in der Folgezeit um die Drucklegung anderer Werke Mozarts, Gerber berichtete 1790 in seinem Artikel über Mozart von „eine[r] ziemliche[n] Anzahl veriirter Arietten fürs Klavier […], deren Stich eine gewisse Madam Aurenhammer zu Wien besorgen soll.“ (Gerber, Ernst Ludwig: Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, Teil 1, 1790, zit. nach Deutsches Biographisches Archiv, Microfiche-Edition)

    Aus Mozarts Feder stammen auch die oftmals kolportierten Beschreibungen über Josepha Auernhammers Aussehen: „die freulle ist ein scheusal!“ (Mozart-Briefe, Bd. 3, S. 135) und „wenn ein Maler den Teufel recht natürlich Malen wollte, so müste er zu ihrem gesicht zuflucht nehmen. – sie ist dick wie eine bauerdirne; schwizt also daß man speien möchte; und geht so bloß – daß man ordentlich lesen kann.“ (Mozart-Briefe, Bd. 3, S. 151). Letzterer Satz bezieht sich auf ihre Offenherzigkeit, mit der sie – nach Mozarts Schilderung – diesem begegnet sei: Mozart schilderte seinem Vater ausführlich, dass sie sich in ihn verliebt habe: „in der ganzen stadt sagt man das wir uns heyrathen, und man verwundert sich nur über mich, daß ich so ein gesicht nehmen mag. sie sagte mir daß wenn so was zu ihr gesagt würde, sie allzeit dazugelacht habe; ich weis aber von einer gewissen Person daß sie es bejahet habe, mit dem zusatz, daß wir alsdann zusamm Reisen werden. […] sie ist nichts als eine verliebte Närrin“ (Mozart-Briefe, Bd. 3, S. 152).

    Mozarts Situation war freilich komplexer als es diese Zeilen suggerieren, denn sicherlich spielen an diesem Punkt mehrere Faktoren eine Rolle. Sicher ist: wir kennen zu diesem Punkt nur die Aussage Mozarts seinem Vater gegenüber. Bedenkenswert aber sind dazu zwei Aspekte: Josepha Auernhammer hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den für eine Frau des 18. Jahrhunderts durchaus ungewöhnlichen Plan, ihre künstlerischen Fähigkeiten zum Brotberuf zu machen. Die mehrfach erwähnten Reisen sind in diesem Zusammenhang als Konzertreisen zu interpretieren. Auernhammer wird damit als durchaus energische und selbstbewusste Person erkennbar. Ob es tatsächlich zu Annäherungsversuchen kam, ist ungewiss, bekannt sind nur die eben zitierten Aussagen Mozarts. Doch dieser war just in der Situation, die Sorgen seines Vaters gegenüber dem freizügigen Umgang mit den Töchtern der Familie Weber zu zerstreuen. Insofern lassen sich die Zeilen auch als Versuch Mozarts lesen, den Vater vom eigentlichen Gegenstand der Liebe abzulenken, Josepha Auernhammer als hässliche „Närrin“ darzustellen, um später die offenbar hübsche Constanze Weber (ohne berufliche Ambitionen) in um so besseres Licht rücken zu können. Diese Überlegungen seien in den Raum gestellt, nicht zuletzt auch um jener inadäquaten Häme entgegenzutreten, mit der Historiker oftmals die Hässlichkeit Josepha Auernhammers in den Vordergrund rücken und dabei die offenbar hohe künstlerische Kompetenz der Auernhammer, die auch Mozart wahrnahm, förderte und für sich selbst zu nutzen verstand, vergessen.

    Für die hohe Wertschätzung Mozarts seiner Schülerin gegenüber sprechen mehrere Tatsachen: Mozart erteilte Josepha Auernhammer Klavierunterricht, wobei sie offenbar als eine Art Meisterschülerin zu ihm kam: sie „spiellt […] zum entzücken“, berichtete er seinem Vater, wobei ihr aber noch „der Wahre feine, singende geschmack im Cantabile“ abgehe und sie „verzupft alles“ (Mozart-Briefe, Bd. 3, S. 135). Dass Mozart bald zusammen mit seiner Schülerin öffentlich auftrat (u.a. am 26. Mai 1782 mit dem Konzert für zwei Klaviere KV 365), spricht für schnelle Fortschritte der Schülerin. Außerdem veranstaltete Josepha Auernhammer mehrere eigene Akademien, bei denen Mozart – als Zeichen künstlerischer Verbundenheit und Kollegialität – nachweislich mindestens einmal, am 3. November 1782 im Kärtnertortheater, mitwirkte. Schließlich ist der Bericht von Maximilian Stadler zu erwähnen, in dem von einem gemeinsamen Auftritt beim Verleger Artaria die Rede ist: Im November 1781 erschienen bei Artaria Mozarts sechs Violinsonaten KV 296 und 376-380, deren Drucklegung Josepha Auernhammer besorgt hatte. Stadler begleitete Mozart zur Probe, zu der der Verleger „den ersten Abdruck mit[brachte], die Auernhammer spiele das Fortepiano, Mozart begleitete statt auf der Violine auf einem zweiten nebenstehenden Fortepiano, ich war ganz entzückt über das Spiel des Meisters und der Schülerin, ich habe niemals mehr in meinem Leben so unvergleichlich vortragen gehört.“ (zit. nach Deutsch 1958, S. 14). Mozart komponierte darüber hinaus seine Sonate für zwei Klaviere KV 448 für Josepha Auernhammer, aus deren Virtuosität auch abzulesen ist, über welche pianistischen Fähigkeiten sie verfügte (Leopold 2005, S. 535-537).

    Dass Josepha Auernhammer professionelle Pläne hatte, geht aus einem Bericht Mozarts hervor, den er seinem Vater im Juni 1781 übermittelt: „sie hat mir ihren Plan (als ein geheimnüss) entdeckt, der ist noch 2 oder 3 Jahr rechtschaffen zu studiren, und dann nach Paris zu gehen, und Metier davon zu machen. – denn sie sagt, ich bin nicht schön; o contraire hässlich. einen kanzley Helden mit 3 oder 400 gulden mag ich nicht heurathen, und keinen andern bekomme ich nicht; mithin bleib ich lieber so, und will von meine talent leben. und da hat sie recht; sie bat mich also ihr beyzustehen, um ihren Plan ausführen zu können“ (Mozart-Briefe, Bd. 3, S. 135, vgl. dazu Unseld 2006).

    Aus welchen Gründen Josepha Auernhammer 1782 aus ihrem Elternhaus auszog, ist nicht weiter bekannt, sicher ist, dass Mozart ihr Kost und Logis bei Baronin Waldstätten vermittelte.

    Ab 1785 konzertierte sie regelmäßig mit eigenen Akademien in Wien (Burgtheater, Kärntnertortheater u.a.). Weiterhin war sie Wiener Verlegern bei diversen Drucklegungen von Klavierwerken behilflich, im Jahr 1785 etwa widmete ihr der Wiener Verleger Torricella aus diesem Grund den Druck von Mozarts KV 265.

    Am 23. Mai 1786 heiratete sie – entgegen ihren ursprünglichen Plänen – den Magistratsrat Johann Bessenig; ihr Ehemann scheint ihrer künstlerischen Karriere jedoch nicht im Wege gestanden zu haben, sie trat weiterhin auf (unter ihrem Mädchennamen).

    Josepha Auernhammer gebar in den folgenden Jahren drei Kinder, zwei davon überlebten das erste Lebensjahr: Die erste Tochter, als Marianne Clara Pößkönig (statt Bessenig) in das Taufregister eingetragen, kam am 13. Dezember 1786 zur Welt, die zweite Tochter, Marianne Barbara Clara, am 15. August 1788. Der Sohn Carolus Josephus wurde am 11. Februar 1797 geboren und starb entweder 1820 oder 1837.

    Zu Weihnachten 1788 trat sie in dem von Antonio Salieri geleiteten Konzert „zu Gunsten der Witwen und Waisen der Tonkünstler-Societät“ im Burgtheater auf. Auch ihre Tätigkeit als Klavierlehrerin wird ab dieser Zeit mehrfach erwähnt. Als Komponistin trat sie ab den 1790er Jahren in Erscheinung, sie publizierte vorwiegend Klaviervariationen. In der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ von 1799 wird allerdings Kritik an der Produktivität der Komponistin geübt – als Frau gestand man ihr (anders als die Rolle der Pianistin und Pädagogin) diese Seite der Professionalität nicht zu: „Das 63ste Werk? – Ey, ey, das ist für den äussern Beruf einer Dame, auch von noch so vielem innern Berufe zu den Musenkünsten, etwas viel!“ Man unterstellte ihr Ruhmsucht, denn auch wenn eine Komponistin so viel komponiere, sei das „Ausstellen so vieler Werke“ für eine Frau unschicklich. Auch das Werturteil über ihre „Dix Variations“ fiel herablassend aus: „Das Publikum, das Wiener wenigstens, muss es doch der Mad. Aurnhammer verdanken, dass sie so viel zu seinem Vergnügen und seiner Unterhaltung beyzutragen bemüht gewesen ist. Auch diese Variationen lassen sich ganz angenehm spielen und hören, und die dritte kann der linken Hand einige Uebung geben. Künstliche Anlage und Verwickelung des Thema’s ist eben nicht darin, indess gut vorgetragen, wie Mad. A. sie wie ungleich andere Sachen gewiss vorträgt, werden sie dennoch gefallen. Seite 11. muss der Bass unter dem versetzten verminderten Septimenakkord nicht ges sondern g haben, welches sicher ein Stichfehler seyn wird.“ (AMZ, 30.10.1799, S. 90-91)

    Bis 1806 gab Josepha Auernhammer weiterhin regelmäßig Akademien im Burg- oder Kärntnertortheater, bei denen sie fast immer Mozart-Werke zur Aufführung brachte. Sie zählte – zusammen mit Maria Theresia Paradis – zu den bekanntesten Klaviervirtuosinnen in Wien. Eduard Hanslick erwähnte sie in seiner „Geschichte des Concertwesens in Wien“ bezeichnenderweise nicht im Kapitel über Dilettanten, sondern unter den Virtuosen – ein Zeichen dafür, dass man Josepha Auernhammer als professionelle Künstlerin wahrnahm.

    In ihren letzten Jahren fand Josepha Auernhammer als Pianistin keine günstige Aufnahme mehr bei der Kritik. Die „Wiener allgemeine musikalische Zeitung“ schrieb 1813, dass sie mit ihrer Interpretation nicht auf der Höhe der Zeit sei: Sie zeige in ihrem „Vortrag, daß der veredelte Zeitgeschmack auf ihr Spiel wenig Einfluß genommen habe. Dieses ist wohl fertig, und sicher, wie man es von einer so lange geübten Klavierspielerinn erwarten kann; allein ohne Licht und Schatten, ohne Nüanze, blos schulgerecht, mithin der genialischen Komposition nicht entsprechend.“ (WamZ, 27.3.1813, S. 191f.) Das hier besprochene Konzert war eine Akademie, die Josepha Auernhammer am 21. März 1813 zusammen mit ihrer Tochter Anna veranstaltet hatte. Diese war als Sängerin für einige Jahre am Hoftheater unter ihrem Künstlernamen Aue(r)nheim engagiert und von der Kritik als Sängerin von „mittelmäßigem Werth“ (ebda.) bezeichnet. Anna Auernheim, verheiratete Czegka, trat später auch als Pädagogin in Erscheinung. Nach ihrem Umzug (Heirat?) nach Prag unterrichtete sie am dortigen Konservatorium, wo auch die berühmte Sängerin Henriette Sonntag zu ihren Schülerinnen zählte.

    Am 31. Januar 1820 starb Josepha Auernhammer in Wien.

    Würdigung

    Josepha Auernhammer war eine vielseitig begabte Musikerin, die offenbar mit gutem organisatorischen Talent und Geschick weit mehr als nur eine pianistische Karriere verfolgte: Neben ihren mehrfach beschriebenen pianistischen Fähigkeiten (immerhin ist Mozart nach kürzester Zeit zusammen mit ihr aufgetreten, was als seine Wertschätzung ihres Spiels interpretiert werden kann), kümmerte sie sich um die Drucklegung mehrerer Werke – zumindest von Mozart und ihrer eigenen, womöglich aber auch von anderen KomponistInnen. Darüber hinaus unterrichtete sie, und gilt in dieser Linie als Bindeglied zwischen Mozart und Henriette Sonntag. Ihre Kompositionen – Klavierwerke nach dem Zeitgeschmack – wurden gedruckt und mehrfach rezensiert, wobei sie sich an dieser Stelle dem Vorurteil ausgesetzt sah, dass sich eine (zumal verheiratete) Frau nicht derart öffentlich darstellen solle.

    Wie Josepha Auernhammer mit dieser Kritik umging, ist nicht bekannt, allerdings spricht aus dem Mozart-Brief (von 1781), in dem sie sich als professionelle Musikerin sieht, ein starkes persönliches wie künstlerisches Selbstbewusstsein.

    Rezeption

    Zu Lebzeiten eine geschätzte und bekannte Pianistin in Wien, ihre Kompositionen fanden in Wien und andernorts Verleger. Der Nachwelt blieb sie vor allem als Zeitgenossin und Schülerin Mozarts in Erinnerung.

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    Quellen zur zeitgenössische Rezeption lassen einen Unterschied zwischen der Pianistin und der Komponistin erkennen: Während erstere vor allem in ihren frühen Jahren durchweg lobend erwähnt wird, erfährt Josepha Auernhammer als Komponistin diejenigen Vorbehalte, denen komponierende Frauen um 1800 gängigerweise ausgesetzt waren (vgl. Rezension aus der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ von 1799, vgl. dazu auch Unseld 2006).

    Gerber erwähnt in seinem Lexikon von 1790 ihre Verdienste um die Drucklegung der Mozart’schen Werke, nach ihrem Tod jedoch wurde Josepha Auernhammer als vielseitige Künstlerin rasch vergessen. Allenfalls als kuriose Randnotiz zum Leben Wolfgang A. Mozarts blieb sie im historischen Gedächtnis (vor allem wurde immer wieder ihr offenbar unvorteilhaftes Äußeres, das Mozart in seinen Briefen eloquent beschrieb, referiert).

    Werkverzeichnis

    Vorbemerkung: Josepha Auernhammer komponierte (soweit heute bekannt) vorwiegend für ihr eigenes Instrument, das Klavier. Sie schrieb dabei vor allem in dem um 1800 vielgepflegten Genre der Klaviervariation. Die folgende Liste ist unvollständig. Da eine Rezension von 1799 von Auernhammers „63ten Werk“ spricht, muss von erheblichen Lücken in der bislang eruierten Werkliste ausgegangen werden.


    Klavier

    2 Klavier-Sonaten

    Six menuets pour le clavecin

    Klaviervariationen:

    6 Variationen über „Nel cor più non mi sento“ (G. Paisiello: La Molinara), Speyer 1791

    6 Variationen über „Der Vogelfänger bin ich ja (W.A. Mozart: Die Zauberflöte), Offenbach 1792, 1793

    8 Variationen über den Kontretanz (S. Viganò: La figlia mal custodita), Wien 1794

    6 Variationen über „La stessa, la stessissima“ (A. Salieri), Wien 1799

    6 Variationen für Pianoforte, Wien 1801

    6 Variationen über einen Marsch (L. Cherubini: Les deux jorunées), Wien 1803

    6 Variationen über ein ungarisches Thema, Wien 1810

    10 Variationen über ein Thema aus dem Ballet „Les folies amoureuses“ (o.J.)

    10 Variationen op. 63, dédiées à Madame de Brown (o.J.)


    Kammermusik

    „Pace caro mio sposo“, Duo varié

    Sonate C-Dur für Klavier und Violine


    Lieder

    6 deutsche Lieder beim Klavier zu singen, Wien 1790 [Textdichter unbekannt]

    Repertoire

    Hierzu stehen Forschungen noch aus. Sicher ist, dass Josepha Auernhammer etliche Werke ihres Lehrers Wolfgang A. Mozart aufgeführt hat (so u.a. die für sie komponierte Sonate für 2 Klaviere KV 448), darüber hinaus ist sie, wie Rezensionen zeigen, häufig auch mit eigenen Werken aufgetreten.

    Quellen

    In folgenden Publikationen sind Rezensionen zu Josepha Auernhammer als Komponistin und als Pianistin erschienen (Liste unvollständig!):


    · Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 22 Leipzig, 2. Juni 1813

    · Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 5 Leipzig, 30. Oktober 1799, S. 90f.

    · Berlinische Musikalische Zeitung Nr. 32, 1. Jg. 1805, S. 128

    · Hanslick, Geschichte des Conzertwesens in Wien (Wien 1869)

    · Wiener Allgemeine Musikalische Zeitung Nr. 13, 27. März 1813, S. 191-192


    Weitere Quellen:

    Eitner, Robert. Bibliographie der Musiksammelwerke des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Berlin 1877.

    Gerber, Ernst Ludwig. Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, Teil 1, 1790 (verwendete Ausg.: Deutsches Biographisches Archiv. Microfiche-Edition. Berhard Fabian (Hg.). München/New York/London/Paris).

    Bessenig, Josepha Barbara. Handschriftliche Biographie in der Handschriftlichen Biographiensammlung (Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien).

    Mendel, Hermann, Reißmann, August: Musikalisches Conversationslexikon, 11. Bände. Berlin: Oppenheim 1870-1878.

    Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, 7 Bde., Kassel: Bärenreiter-Verlag 1962.

    Schilling, Gustav. Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Oder Universal-Lexicon der Tonkunst. 6 Bde. Stuttgart 1835-1838.

    Schönfeld, Johann Ferdinand von. Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag, Faks.-Nachdr. d. Ausg. Wien 1796 / mit Nachw. u. Reg. von Otto Biba. Wien 1796.


    Sekundärliteratur:

    Angermüller, Rudolph. „an die Auernhamer bitte kein kompliment“. In: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum, 30. Jg. Doppelheft 3/4. Sept. 1982. S. 8-14.

    Deutsch, Otto Erich. „Das Fräulein von Auernhammer“. In: Mozart-Jahrbuch 1958, Salzburg 1959. S. 12-17.

    Hirasawa, Hiroko. Josepha Barbara von Auernhammer. Schülerin Mozarts, Pianistin, Komponistin. Wien, Phil. Dipl. Universität Wien 1993 (masch.).

    Leopold, Silke (Hg.). Mozart-Handbuch. Kassel/Stuttgart: Bärenreiter/Metzler 2005.

    Link, Dorothea. The National Court Theatre in Mozart’s Vienna: Sources and Documents 1783-1792. Oxford: Clarendon Press 1998.

    Mercado, Mario R. „Mozart through his piano students“. In: Eighteenth-Century Music in Theory and Practice. Essays in Honor of Alfred Mann. Mary Ann Parker (Hg.). Stuyvesant, NY: Pendragon Press 1994, S. 205-226.

    Unseld, Melanie. „Studiren […] und Metier davon zu machen“. Mozarts Schülerinnen Josepha Auernhammer und Babette Ployer. Vortrag (Symposion „Ein unerschöpflicher Reichthum an Ideen“. Komponistinnen zur Zeit Mozarts und heute, 18.-20. November 2005 Wien, Druck in Vorb.).

    Unseld, Melanie. Mozarts Frauen. Begegnungen in Musik und Liebe. Reinbek: Rowohlt 2005.

    Weinmann, Alexander. Verlagsverzeichnis Giovanni Cappi bis A.O. Witzendorf. Wien: Universal Edition 1967.


    Aktuelle Lexikon-Artikel:

    „Auernhammer [Aurnhammer, Aurenhammer], Josepha Barbara“. In: New Grove Dictionary of Music and Musicians. Hg. von Stanley Sadie, 2. Aufl. London: Macmillian Publishers 2001, Bd. 2, S. 166-167 [Rudolph Angermüller/Michael Lorenz].

    „Auernhammer, Josepha Barbara von“. In: Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Aufl. Hg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 1, Sp. 1162-1163 [Theophil Antonicek].


    CD-Einspielungen:

    Variationen über „Ein Vogelfänger bin ich ja“ (Wolfgang A. Mozart), auf: „Hofkomponistinnen in Europa (2): Cembalo solo. Cembalo: Fine Zimmermann, Cybele Records

    Variationen über ein ungarisches Thema, auf: Klaviermusik von Komponistinnen, Judith Pfeiffer (Klavier), Klassik Center Kassel


    Anm. zur Bibliographie: Wie bei allen Musikerinnen, die mit Wolfgang A. Mozart in Kontakt kamen, finden sich auch über Josepha Auernhammer Hinweise und diverse mehr oder weniger aussagekräftige Informationen in der Mozart-Literatur. Da diese zu umfangreich ist, hier dokumentiert zu werden, sei lediglich auf diesen Umstand verwiesen, verbunden mit dem Hinweis, ggf. dort nachzuschlagen.

    Forschung

    Handschriftliche Biographie (Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien)

    Forschungsbedarf

    Josepha Auernhammer kann als besonders interessantes Beispiel einer vielseitig begabten und aktiven Musikerin der Wiener Klassik angesehen werden. Gleichwohl gehören viele Aspekte zu Leben und künstlerischer Arbeit Josepha Auernhammers noch zu den Forschungsdesideraten. Einige Punkte seien hierzu beispielhaft angesprochen:

    · Möglichkeiten der musikalischen Ausbildung und Entfaltung von Frauen (Wien, 1780er Jahre)

    · Mozart als Lehrer (und Förderer) Wiener Pianistinnen. Dieser Punkt ist insofern aufschlussreich, als Mozart in Josepha Auernhammer offenbar eine ähnliche Künstlerin gesehen hat wie in seiner Schwester (vgl. dazu erste Ansätze in Unseld 2006). In der Familienkorrespondenz ist mehrfach von entsprechenden Vergleichen die Rede. Interessant bleibt dies im Blick auf Nannerl Mozart, da Josepha Auernhammer just zu jener Zeit eine professionelle Künstlerinnenlaufbahn einschlug (unterstützt von ihrem Lehrer Mozart), als Nannerl Mozart in Salzburg keine berufliche Perspektive mehr sah.

    · Das Repertoire

    · Ihr kompositorisches Werk

    · Rezeption der Pianistin und Komponistin Josepha Auernhammer

    · Kontakte und Tätigkeiten im Zusammenhang mit Wiener Verlegern

    · Tätigkeit und Wirken ihrer Tochter, Anna Czegka (Lehrerin von Henriette Sonntag)

    Zu den zahlreichen Falschüberlieferungen in Bezug auf Josepha Auernhammer gehört der Hinweis auf ihre adelige Herkunft und eine reiche Erbschaft. Lohnend wäre in diesem Zusammenhang die Aufarbeitung aller Fehlinformationen bzw. auch deren Funktion im Kontext von Musikgeschichtsschreibung über weibliche Künstler.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 20561710
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 122364821
    Library of Congress (LCCN): n92096638
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Melanie Unseld


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 07.03.2006


    Empfohlene Zitierweise

    Melanie Unseld, Artikel „Josepha (von) Auernhammer“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 7.3.2006.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Josepha_(von)_Auernhammer