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  • Johanna Senfter

    von Ellen Freyberg
    Johanna Senfter
    Namen:
    Johanna Senfter
    Lebensdaten:
    geb. in Oppenheim am Rhein, Deutschland
    gest. in Oppenheim, Deutschland
    Tätigkeitsfelder:
    Komponistin, Chor- und Orchesterleiterin, Pianistin, Violinistin, Pädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „Fräulein Senfter besitzt ganz außerordentliche Begabung für Komposition und hat demnach bei sehr großem Fleiße überraschend gute Resultate in der Komposition erzielt. Von ihren zahlreichen Kompositionen kam bei den letzten öffentlichen Prüfungen am 23. März 1909 eine Sonate […] für Violine und Pianoforte mit bestem Erfolg zur Aufführung.

    Professor Dr. Max Reger“


    (Zeugnis ihres Lehrers Max Reger aus dem Jahr 1909, in: Kottmann, 1999, S. 10)


    Profil

    Johanna Senfter war eine sehr vielseitige Komponistin, deren Werke stark geprägt sind von der Musik Johann Sebastian Bachs, Johannes Brahms’ und ihres Lehrers Max Reger, mit dem sie auch nach ihrem Studium ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Nach dem Tod Regers im Jahr 1916 entwickelte sie ihren spätromantischen Kompositionsstil weiter und näherte sich zuweilen den Grenzen der Tonalität, ohne diese jedoch zu überschreiten. Auch als künstlerische Leiterin der beiden Oppenheimer Musikvereine standen die Werke ihrer Vorbilder Bach, Brahms und Reger im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Nach dem zweiten Weltkrieg zog sie sich fast völlig aus dem öffentlichen Musikleben zurück, komponierte aber bis an ihr Lebensende weiter.

    Orte und Länder

    Johanna Senfter wuchs im rheinland-pfälzischen Oppenheim auf und verbrachte ihre Schul- und Studienjahre in Frankfurt am Main. Ab 1908 ging sie für ein Jahr nach Leipzig, um am dortigen Konservatorium bei Max Reger zu studieren und kehrte anschließend nach Oppenheim zurück, wo sie fortan ihren Lebensmittelpunkt hatte.

    Biografie

    Johanna Senfter wurde am 27. November 1879 in Oppenheim am Rhein geboren. Sie war die jüngste von insgesamt 6 Kindern einer sehr wohlhabenden Familie. Ihr Onkel, der Oppenheimer Apotheker Carl Koch, war 1824 durch die Erfindung der industriellen Herstellung des fiebersenkenden Mittels Chinin zu großem Ansehen und Wohlstand gelangt. Den Oppenheimern ist bis heute der Name „Millionensenfter“ ein Begriff.

    Ihre musikliebende Mutter Elise Senfter förderte schon sehr früh das musikalische Talent ihrer jüngsten Tochter durch frühzeitigen Unterricht auf dem Klavier und der Violine.


    Nach einer schweren Diphterie-Erkrankung wurde sie mit 13 Jahren auf das Mädchenpensionat „Frielingshaus“ nach Frankfurt am Main geschickt. Ab ihrem 16. Lebensjahr, 1895, begann sie parallel zu ihrer Ausbildung im Mädchenpensionat ein Studium am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt. Sie erhielt Unterricht in den Fächern Orgel, Violine (bei Adolf Rebner), Klavier (bei Carl Friedberg). Kompositionsunterricht erhielt sie bei Iwan Knorr, einem Freund Tschaikowskis und Brahms‘, bei dem sie sich intensiv mit der Musik Johann Sebastian Bachs beschäftigte. Alles in allem erhielt sie eine grundsolide Ausbildung, die ganz in der Tradition der konservativen spätromantischen Musikvorstellung verankert war. 1903 schloss sie das Studium ab und kehrte ins heimatliche Elternhaus zurück. Ab 1907 nahm sie Privatstunden bei Max Reger, der ihre große kompositorische Begabung erkannte und den Eltern nahelegte, ihrer Tochter weiterführende Studien zu ermöglichen:

    „Sehr geehrter Herr!

    Ihr Fräulein Tochter ist nun geraume Zeit meine Schülerin gewesen, hat in dieser Zeit solch außerordentliche Fortschritte gemacht, daß es geradezu eine Pflicht der Notwendigkeit ist, die Ausbildung Ihrer Tochter ganz zu vollenden. Ich kann Ihnen also in Anbetracht der ausgezeihneten musikalisch-kompositorischen Begabung Ihrer Fräulein Tochter nur folgenden Rat erteilen, daß [sie] am kommenden 1. Oktober in meine […] Kompositionsklasse am hiesigen königlichen Konservatorium der Musik eintritt und da noch ein Jahr meinen Unterricht genießt. Wie gesagt: in Anbetracht der außerordentlichen Begabung Ihrer Fräulein Tochter wäre es eine Sünde, die Begabung nicht voll und ganz zur Entwicklung zu bringen. […]

    Mit höflicher Empfehlung Ihr ergebenster Professor Max Reger“

    (Brief Max Regers an den Vater Johanna Senfters, in: Kottmann, 1999, S. 8f.)


    Im Oktober 1908 setzte Johanna Senfter ihr Kompositionsstudium am Königlichen Konservatorium in Leipzig fort und schloss es 1909 ab. Für ihre Sonate G-Dur op.6 (1909) erhielt sie 1910 den Arthur-Nikisch-Preis, eine Auszeichnung für die beste Komposition des Jahres 1909. Max Reger bescheinigte ihr im Abschlusszeugnis ihre außergewöhnlichen Fortschritte:

    „Fräulein Senfter besitzt ganz außerordentliche Begabung für Komposition und hat demnach bei sehr großem Fleiße überraschend gute Resultate in der Komposition erzielt. Von ihren zahlreichen Kompositionen kam bei den letzten Prüfungen am 23. März 1909 eine Sonate […] für Violine und Pianoforte mit bestem Erfolge zur Aufführung. Professor Dr. Max Reger“ (vgl. Kottmann, 1999, S. 10)

    Nach dem Ende ihres Studiums kehrte sie zu ihrer Familie nach Oppenheim zurück und arbeitete als freie Komponistin. Dank der wohlsituierten Familie konnte sie sich ganz dem Komponieren widmen brauchte sich um einen Broterwerb nicht zu kümmern. Zu ihrem Lehrer, den sie sehr verehrte, hielt sie auch nach dem Ende ihres Studiums engen Kontakt, woraus schließlich eine freundschaftliche Beziehung zwischen den Familien Reger und Senfter erwuchs. Auf Einladung der Familie Senfter verbrachte Reger mit seiner Familie mehrere Wochen auf dem Oppenheimer Familiensitz, dem sogenannten „Sparrhof“, und genoss die anregende musikalische Atmosphäre im Hause der Gastgeber. Die Familie besaß mehrere Celli, Geigen, ein Harmonium und zwei FIügel. Besonderes Gefallen fand Reger aber an der Walcker-Orgel der nahegelegenen Katharinenkirche, auf der er oft improvisierte. Die Freundschaft zwischen den Familien gedieh soweit, dass beide Familien sogar eine vierwöchige gemeinsame „Sommerfrische“ in Bayern verbrachten.


    Reger schätze die Arbeit seiner ehemaligen Schülerin sehr und versuchte seinen Einfluss geltend zu machen, um die Kompositionen Johanna Senfters bekannt zu machen. Mit dem Tod Regers im Jahr 1916 verlor sie daher nicht nur eine wichtige künstlerische Bezugsperson, sondern auch einen Protegé ihrer Werke.

    Ihre tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit, die sie ihm gegenüber empfand, drückte sie in einem 1916 veröffentlichten Nachruf an den „Meister“ aus:

    „Lautes Lob war ihm äußerst unangenehm. […] Sehr oft hatte ich Gelegenheit, sein überaus bescheidenes, selbstloses Wesen zu bewundern. […] Jetzt heißt’s: zehren von den großen Anregungen und Genüssen, die mir Meister Reger verschafft hat. Wir Zurückgebliebenen haben einen großen Verlust erlitten. In inniger Dankbarkeit und Verehrung wird er mir stets treu im Gedächtnis bleiben und das Schöne, Gute, das ich von ihm empfangen habe, wird jedenfalls in mir weiterwirken.“ (vgl. Kottmann, 1999, S. 12)

    Nicht nur der Tod zweier ihr sehr nahestehender Personen – einige Monate vor Reger verstarb auch ihre Mutter –, sondern auch die Wirren des ersten Weltkrieges und der Nachkriegsjahre trugen dazu bei, dass sich Johanna Senfter mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog. Sie brach alle Kontakte zur Außenwelt ab und lebte allein mit ihrer fünfzehn Jahre älteren Schwester Sophie auf dem familiären Gutsbesitz.

    Die Inflation und die damit einhergehende Auflösung des Familienvermögens zwangen sie schließlich, ihre Isolation aufzugeben und sich fortan an der Finanzierung des Lebensunterhalts zu beteiligen.


    1921 gründete sie mit Oppenheimer Bürgern einen Musikverein, mit dem sie in den folgenden sieben Jahren zahlreiche eigene Werke zur Aufführung brachte. Dafür suchte die Kontakt zu Künstlern der Region Mainz, Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt und versuchte, sie für ihre Aufführungen zu gewinnen. 1923 gründete sie einen weiteren Verein, die Bach-Vereinigung. Unter ihrer Leitung wurden in der Oppenheimer Katharinenkirche und im Musiksaal des „Sparrhofs“ vor allem Werke von Bach (insbesondere die Kantaten) und Reger sowie eigene Werke aufgeführt. Die Konzerte waren ein Magnet für die kunstliebende Gesellschaft der Region. Bis 1932 hatte die Bach-Vereinigung Bestand und wurde schließlich aufgelöst, da im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung eine zunehmende Beeinflussung der Vereinsarbeit stattfand.


    Die Arbeit als Leiterin der Vereine scheint sich positiv auf ihre kompositorische Arbeit ausgewirkt zu haben, denn in den 20er Jahren war sie produktiv wie nie zuvor. Möglicherweise beflügelte sie das zunehmende Interesse an ihrer Arbeit und die Unterstützung der durch die Vereinsarbeit gewonnenen Kontakte. Zu den Förderern ihres kompositorischen Schaffens gehörten u.a. der Bratschist und Dirigent Michael Balling, der als Generaldirektor in Darmstadt bis zu seinem Tod im Jahr 1925 zahlreiche Werke von Johanna Senfter zur Aufführung brachte, und der Komponist Hans Fleischer, der zeitweilig ihr Schüler gewesen war und zeitlebens ihr engster Vertrauter blieb. Er war es auch, der den Kontakt zu dem Luxemburger Generalmusikdirektor Hans Herwig herstellte und dessen Interesse für die Kompositionen Johanna Senfters weckte. Herwig setzte daraufhin ihre Werke auf seine Programme und führte eine Reihe ihrer Sinfonien zum ersten Mal auf. Mit seinem jähen tragischen Tod, ausgerechnet bei der Generalprobe zur 9. Sinfonie Johanna Senfters, endete eine produktive Zusammenarbeit zwischen den beiden Künstlern.

    Trotz der wachsenden Kriegshysterie der Nationalsozialisten und der schwierigen Bedingungen während des zweiten Weltkrieges komponierte sie weiter und hatte im Gegensatz zu vielen anderen Komponistinnen und Komponisten das Glück, dass ihre Werke gelegentlich zur Aufführung gelangten.


    Umso schwieriger gestaltete sich die Nachkriegszeit, in der kaum jemand Interesse an spätromantisch gefärbter und in deutscher Tradition stehender Musik hatte. Sie entsprach nicht mehr dem Zeitgeist und wurde als suspekt empfunden. Zudem wurden in ihrem vom Krieg verschonten Oppenheimer Familienanwesen ausgebombte Familien einquartiert, die dem – wenngleich auch entbehrungsreichen, so doch ruhigen Komponistinnen-Dasein nun ein Ende bereiteten. Um über die Runden zu kommen, musste sie Unterrichtsstunden geben. In einem Brief vom September 1946 schilderte sie ihrem engsten Vertrauten Hans Fleischer die Situation:

    „Wenn ich die [Klavier- und Geigenschüler] nicht hätte und die vielen Laufereien, ging es zur Not noch, aber so kann ich unmöglich zum Schreiben kommen. Da können sie sich denken, dass mein musikalisches Schaffen ganz in den Hintergrund getreten ist. Nur sonntags benutze ich die Ruhe und schreibe auf, was mir trotz allem im Kopf herumspukt.“ (vgl. Kottmann, 1999, S. 21f.)


    Wesentlich einschneidender dürfte allerdings die Affäre um ihre 1933 entstandene 6. Sinfonie gewesen sein. Ein Musikkritiker einer Zeitung machte nach dem Krieg publik, dass sie in diesem Werk das Horst-Wessel-Lied als Kontrapunkt zu dem ebenfalls verwendeten Choral „Wachet auf ruft uns die Stimme“ zitiert hatte, was ihre Werke für weitere Aufführungen nun vollends disqualifizierte, auch wenn diese nationalsozialistische Anbiederung wohl die einzige geblieben ist. Johanna Senfter, die sich stets aus der Politik herausgehalten hatte, hat sich selbst zu diesen Vorwürfen des Kritikers nie geäußert. (vgl. Kottmann, 1999, S. 28a)


    Mit Einkünften aus ihrer kompositorischen Arbeit konnte sie also nach dem Krieg nicht mehr rechnen, wie sie selbst nicht ohne Verbitterung konstatierte: „Gebührenpflichtige Aufführungen habe ich keine und der Verband [Deutscher Tonsetzer] wird sich beherrschen, Werke von Frauen, die ja bekanntlich nur Minderwertiges zuwege bringen, aufzuführen. Außerdem sind meine Arbeiten schwer zugänglich und werden sicher nicht als voll anerkannt.[…] Ich bin halt dazu ersehen, hauptsächlich durch meine unglückliche Natur, in Verborgenheit weiter zu schreiben.“ (vgl. Kottmann, 1999, S. 29)


    Das andauernde Desinteresse an ihrer Arbeit führten dazu, dass sie sich ganz aus der Öffentlichkeit zurückzog und einsam ihre letzten Lebensjahre in Oppenheim verbrachte.

    Die ganze Tragweite ihrer Verbitterung und Resignation kommt in einem Brief an ihren Freund Hans Fleischer vom 4. April 1953 zum Ausdruck:

    „Lieber Herr Fleischer, das Leben hat gar kein Fünkchen Reiz für mich übrig gelassen. Gewiß habe ich abgeschlossen, und zwar in der schönsten und fruchtbarsten Arbeitskraft, also nicht aus Überzeugung, sondern nur dem unerbittlichen, entsetzlichen Zwange zufolge, der mir auferlegt wurde. Wie ich litt und noch leide, kann ich niemandem sagen, und will auch Ihnen kein weiteres Klagelied singen. Nur das eine noch: daß wenn ich keine Frau wäre, ich’s leichter hätte.“ (Kottmann, 1999, S. 30f.)


    Am 11. August 1961 starb Johanna Senfter nach kurzer Krankheit im Alter von 81 Jahren in Oppenheim.

    Würdigung

    Das kompositorische Schaffen Johanna Senfter wurde durch Johann Sebastian Bach und Max Reger stark beeinflusst. Als Kompositionsschülerin Regers war sie zwar der Musik ihres Lehrers verpflichtet, es ist ihr jedoch gelungen, aus dem epigonalen Umkreis ihres Lehrers herauszutreten und eine eigenständige Tonsprache zu entwickeln. Als Leiterin zweier Musikvereine in ihrer Heimatstadt Oppenheim hat sie dafür gesorgt, dass die Werke ihres Lehrers Max Regers im rheinischen Raum an Bekanntheit gewonnen haben. Zudem hat sie einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Bachpflege geleistet, indem sie die Kantaten Johann Sebastian Bachs aufgeführt hat.

    Ihr langjähriger engster Vertraute Hans Fleischer unternahm 1960 in den Mitteilungen des Max-Reger-Instituts den Versuch, das Interesse der Öffentlichkeit für das Schaffen seiner ehemaligen Lehrerin zu wecken. In seinem Artikel würdigte er die Musik Johanna Senfters folgendermaßen:

    „Das Bemerkenswerteste an der Senfterschen Musik ist ihre Ursprünglichkeit und Eigenständigkeit. In ihren Frühwerken fußt sie harmonisch wohl auf Reger, aber nicht anders als etwa Reger auf Brahms, Brahms auf Beethoven, Beethoven auf Haydn fußt. Die außerordentliche melodische Erfindungskraft, der Aufbau, die Gestaltung ihrer Werke sind durchaus eigen, die Verdichtung des thematischen Materials

    im Durchführungsteil ihrer Sonaten und Symphonien ist von einer Konzentriertheit, die höchste Bewunderung erheischt. Die kontrapunktische Meisterschaft ist bei ihr niemals Selbstzweck, sondern steht stets im Dienst des geistig-seelischen Gehalts.“

    Rezeption

    Bis zum Ende des Krieges, insbesondere aber in den 20er und 30er Jahren sind ihre Werke im Rheinland-pfälzischen Raum verhältnismäßig häufig aufgeführt worden. Mit dem Bruch mit der Vergangenheit und dem ästhetischen Neuanfang nach dem zweiten Weltkrieg waren die aus der Tradition der deutschen Vokalpolyphonie Bachs, Brahms‘ und Regers heraus entstandenen Werke Johanna Senfters obsolet geworden. An Aufführungen war nicht mehr zu denken, so dass die Komponistin in Vergessenheit geriet. Das änderte auch der Beitrag ihres langjährigen Vertrauten Hans Fleischer in den Mitteilugen des Max-Reger-Instituts aus dem Jahr 1960 nicht. Seit den 90er Jahren lässt sich jedoch ein wachsendes Interesse an den Werken vergessener Komponistinnen und Komponisten jenseits der Avantgarde erkennen. Die 1993 entstandene Magisterarbeit von Christiane Meier beschäftigte sich erstmals ausführlich mit dem Schaffen der Komponistin und hat das Interesse des Mainzer Schott Verlags geweckt, der seitdem die Werke Johanna Senfters nach und nach herausgibt. Dies hat dazu geführt, dass eine jüngere, unbefangene Generation von Musikerinnen und Musikern sich den Werken Johanna Senfters widmen, wie die Pianistin Monica Gutmann oder andere. Mit dem Cellisten Michael Gareis, dem Klarinettisten Stephan Landgrebe und dem Pianisten Raimar Ulbrich erschien 1999 beim Label Colosseum eine CD mit Kammermusik (siehe Diskografie). Die Magisterarbeit von Christiane Meier bildete auch die Grundlage der einstündigen Runkfunksendung von Johanna Kottmann, die 1999 im SWR2 lief. (Aus dem Skript der Sendung wurden die Originalzitate entnommen.)

    Die 2002 vorgelegte Dissertation über das Orgellied im 20. Jahrhundert von Rolf Schönstedt enthält ein Kapitel über die entsprechenden Werke Johanna Senfters. Mit der Aufführung der 4. Symphonie B-Dur am 14.10.2011 wurde von den Jenaer Philharmonikern unter Othmar Mága ein weiterer Schritt getan, um ihre Kompositionen der Vergessenheit zu entreißen.

    Werkverzeichnis

    Die Manuskripte befinden sich in der Bibliothek der Staatlichen Hochschule für Musik, Köln.

    Ein Werkverzeichnis existiert bisher noch nicht, die folgende Werkauswahl listet Jürgen Schaarwächter (2006) auf:


    Vokalmusik

    mehrere Sololieder (nicht näher benannt)


    Werke für Chor und Orchester

    „Die Nonne“ nach Ludwig Uhland für Frauenchor und Orchester op. 12


    „Gebet“ nach Friedrich Hebbel für gem. Chor und Orchester op. 19


    „Weihnachtskantilene“ nach einem Text von Matthias Claudius für Solo, gem. Chor und Orchester op. 31


    „Heilige Nacht“ nach einem Text von Elisabeth Lamby für gem. Chor und Orchester op. 36


    „Ein Traum“ nach einem Text von Carl Spitteler für hohe Stimme, Männerchor und Orchester op. 55


    3 Gesänge für mittlere Stimme und Streichquartett op. 56b


    „Das Licht scheint“ für Chor, Orchester und Orgel op. 62


    „Ora pro nobis“ für hohen Bass, kl. Chor, 2 Fl., 2 Klar., Va., Hf. und Org. op. 69


    3 Gesänge für Alt, Fl., Klar., 2 Fg., Va., Vc., Kb. und Pk op. 72


    „Trost“ für Sopran, hohen Bass, und Orchester op. 99


    „Chor der Toten“ für Chor und Streichorchester op. 114


    Kammermusik

    Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 op. 7

    Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 2 op. 21

    Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 3 op. 47

    Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 4 op. 87


    Streichtrio op. 54


    Trio für Violine, Viola und Klarinette op. 96


    Trio für Klarinette, Horn und Klavier op. 103



    Streichquartett Nr. 1 d-Moll op. 4 (1907/08)

    Streichquartett Nr. 2 fis-Moll op. 28

    Streichquartett Nr. 3 e-Moll op. 46

    Streichquartett Nr. 4 B-Dur op. 64

    Streichquartett Nr. 5 c-Moll op. 115


    Klavierquartett Nr. 1 e-Moll op. 11

    Klavierquartett Nr. 2 d-Moll op. 112


    Quintett für Flöte und Streichquartett op. 52


    Klarinettenquintett op. 119


    Sextett für Fl., Ob., Hr, V., Va. und Vc. op. 44


    Sonate für Viole und Klavier Nr. 1 G-Dur op. 6 (1909)

    Sonate für Viole und Klavier Nr. 2 d-Moll op. 17

    Sonate für Viole und Klavier Nr. 3 A-Dur op. 26

    Sonate für Viole und Klavier Nr. 4 g-Moll op. 32

    Sonate für Viole und Klavier Nr. 5 D-Dur op. 68

    Sonate für Viole und Klavier Nr. 6 C-Dur op. 80

    Sonate für Viole und Klavier Nr. 7 F-Dur op. 108

    Kleine Sonate op. 133


    Sonate für Viola und Klavier Nr. 1 f-Moll op. 41

    Sonate für Viola und Klavier Nr. 2 F-Dur op. 101


    Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 A-Dur op. 10

    Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 Es-Dur op. 79


    Sonate für Klarinette, Viola, Harfe und Klavier op. 37


    Sonate für 2 Klaviere g-Moll op. 39

    Sonate für Klarinette und Klavier A-Dur op. 57


    Veränderungen für Streichquartett Des-Dur op. 63

    Zehn alte Tänze für 2 Violinen op. 91


    Veränderungen für Viola und Klavier op. 94


    Duo für Klavier und Viola op. 127


    Orchesterwerke

    Symphonie Nr. 1 F-Dur op. 22

    Symphonie Nr. 2 d-Moll op. 27

    Symphonie Nr. 3 A-Dur op. 43

    Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 50

    Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 67

    Symphonie Nr. 6 Es-Dur op. 74

    Symphonie Nr. 7 f-Moll op. 84

    Symphonie Nr. 8 Es-Dur op. 107

    Symphonie Nr. 9 op. 117


    Sonate für 2 Violinen und Orchester a-Moll op. 23

    Sonate für 2 Violinen und kl. Orchester c-Moll op. 40


    Violinkonzert Nr. 1 e-Moll op. 1

    Violinkonzert Nr. 2 d-Moll op. 35

    Violinkonzert Nr. 3 h-Moll op. 71


    Klavierkonzert g-Moll op. 90


    Konzert für Flöte, Oboe, Horn, Streichorchester op. 98


    Violoncellokonzert h-Moll op. 105


    Violakonzert op. 121


    Konzert für Flöte, Klarinette, Horn, Harfe und Orchester op. 123


    Werke für Soloinstrument

    Fantasie und Fuge für Orgel op. 30a


    Veränderungen über den Choral Morgenglanz der Ewigkeit für Orgel op. 66

    Veränderungen über eine eigene Weise für Klavier op. 38


    Sonate für Violine Nr. 1 g-Moll op. 61

    Sonate für Violine Nr. 2 und 3 op. 89


    Weitere nicht näher benannte Klavier- und Orgelwerke



    Rolf Schönstedt nennt in seiner 2002 vorgelegten Dissertation folgende Orgellieder:

    Choralvorspiele aus op. 70 (10 Choralvorspiele)

    Geistliches Klavierlied „Wenn der Herr“ für tiefe Stimme und Klavier op. 33a (1917)

    Orgellied „Zur Ruh, zur Ruh ihr müden Glieder“ nach einem Text von Justinus Kerner für Alt mit Orgel op. 34/2 (1917?)



    Bisher bei Schott veröffentlichte Werke und Werksammlungen:

    Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 50, Schott Music.


    Konzert für Klavier und Orchester op. 90 (1938)

    Schott Music.


    Konzert c-Moll für 2 Violinen und Streichorchester op. 40 (1930), hg. von Wolfgang Birtel [Erstausgabe] Schott Music.


    Quintett B-Dur für Klarinette und Streichquartett

    op. 119 (1950), hg. von Wolfgang Birtel, [Erstausgabe] Schott Music.


    Sonate A-Dur für Klarinette (in A) und Klavier op. 57, hg. von Günter Matthes, Schott Music.


    Sonate Es-Dur für Violoncello und Klavier op. 79, hg. von Günter Matthes, Schott Music.


    5 Stücke für Violine und Klavier op. 100, hg. von Friedemann Eichhorn und Wolfgang Birtel, Schott Music


    Sonate g-Moll für Violine op. 61, hg. von Christoph Schmidt, Schott Music.


    Sonate A-Dur für Violine und Klavier op. 26, hg. von Wolfgang Birtel, Schott Music.


    Zehn alte Tänze für 2 Violinen op. 91, hg. von Wolfgang Birtel, Schott Music.


    Sonate g-Moll für Violine und Klavier op. 32, hg. von Wolfgang Birtel, Schott Music.


    Ausgewählte Werke für Klavier, hg. von Christiane Maier, Schott Music.


    Tonstück E-Dur für Flöte, Klarinette in A, 4 Hörner und 2 Fagotte op. 60, hg. von Christiane Maier [Erstausgabe 1930]


    10 Choralvorspiele für Orgel op. 70, hg. von Arndt

    Brünner, Schott Music.


    Variationen über den Choral "Morgenglanz der Ewigkeit" für Orgel op. 66, hg, von Johannes Geffert, Schott Music.


    Kleines leichtes Trio (Klaviertrio) op. 134, hg. von Wolfgang Birtel, Schott Music.


    6 kleine Stücke für Anfänger für Klavier o. op. (1898/1903), hg. von Christiane Maier, Schott Music.


    Vogelweise g-Moll für Klavier o. op. hg. von Christiane Maier. Schott Music.

    Quellen

    Sekundärliteratur (chronologisch)

    Nagel, W.: „Johanna Senfter“. In: Neue Musikzeitung 36 1915, S. 245f.


    Fleischer, Hans: „Johanna Senfter“. In: Mitteilungen des Max-Reger-Instituts Bonn, hg. von Ottmar Schreiber, H. 1 1960, S. 28f.


    Maier, Christiane: Untersuchungen zur Biographie und zum Klavierwerk von Johanna Senfter. Magisterarbeit Johannes Gutenberg Universität Mainz 1993.


    dies.: „Johanna Senfter – Eine Oppenheimer Komponistin – Biographische Notizen zu Max Regers Meisterschülerin“. In: Oppenheimer Hefte Nr. 7., hg vom Oppenheimer Geschichtsverein, 1993, S. 2–39.


    Kottmann, Franziska: „Wäre ich eine Frau, hätte ich’s leichter“ – Erinnerungen an die Oppenheimer Komponistin Johanna Senfter. Sendung des SWR vom 7.8.1999, Skript.


    Schönstedt, Rolf: Kapitel „Johanna Senfter“. In: ders.: Das Orgellied – eine neue Gattung an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Diss., Chemnitz 2002, S. 254–258.


    Birtel, Wolfgang: „Johanna Senfter: Sonate (Konzert) für zwei Violinen und Streichorchester c-Moll, op. 40 – Original und Bearbeitung“. In: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte. 80, 2006, S. 3–11.


    Schaarwächter, Jürgen, „Johanna Senfter“. In: Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil Bd. 5 2.Aufl. Kassel 2006.



    Diskografie

    Johanna Senfter. Werke für Klavier, gespielt von Monica Gutmann, Wergo 1996 (WER 8264-2)


    Johanna Senfter. Sonate für Klarinette und Klavier op. 57 und Sonate für Violoncello und Klavier op. 79, Stephan Landgrebe (Klarinette), Michael Gareis (Cello), Reimar Ulrich (Klavier), Colosseum 1999.


    Links

    http://www.schott-musik.de/shop/persons/az/johanna-senfter/


    Kurzbiographie und Werkliste:

    http://www.klassika.info/Komponisten/Senfter/index.html


    Wikipedia-Artikel

    http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_Senfter


    Kurzportrait auf der Website der Familie Senfter/Koch:

    http://www.ck-wein.de/Weingut-Info/Familie/Johanna_Senfter_Komponistin/johanna_senfter_komponistin.html


    Rezension der Notenausgabe des Konzerts für 2 Violinen und Streichorchester c-Moll op. 40:

    http://www.dasorchester.de/de_DE/journal/issues/showarticle,21727.html


    Film

    „Hört und spielt meine Musik, dann versteht ihr mich“ – Die Komponistin Johanna Senfter

    Film von Ulrike Westernacher, Deutschland 1995 (ZDF)


    Die Komponistin Johanna Senfter (1879-1961) ist heute nahezu unbekannt. DieTochter aus wohlhabend-großbürgerlichem Hause entwickelte ihr Können schon früh über den standesgemäßen Klavier- und Gesangsunterricht hinaus und begann mit 16 Jahren 1895 das Musikstudium am renommierten Frankfurter Hoch’schen Konservatorium. Erste Kompositionsversuche folgen sowie ein weiterführender Unterricht bei Max Reger, der sie in ihrer stilistischen Eigenständigkeit bestärkte. Jahre reger Kompositions- und Konzerttätigkeit wie die spätere Gründung eines Musikvereins banden sie an die Heimatstadt Oppenheim. Einer größeren Hörerschaft verschloss sich die sehr zurückgezogen arbeitende und publikumsscheue, so dass sie nach ihrem Tod 1961 in Vergessenheit geriet.


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    Forschung

    Mit der Aufgabe einer einseitig auf die avantgardistische Moderne fokussierten Rezeptionshaltung ab den späten 80er Jahren des 20. Jahrhundert wurde es möglich, mit einer gewissen Unbefangenheit jene Werke zu betrachten, die lange Zeit im Abseits des Interesses standen..

    Die 1993 entstandene Magisterarbeit von Christiane Maier befasste sich erstmalig ausführlich mit der Biographie und dem Klavierwerk von Johanna Senfter und hatte den positiven Effekt, dass die Werke der Komponistin wieder mehr rezipiert worden sind.

    Forschungsbedarf

    Eine komplette Erschließung und weitere analytische Forschungen ihrer Werke sowie deren Rezeption stehen noch aus. Insbesondere ist das kompositorische Spannungsverhältnis zwischen den Werkes ihres Lehrers Max Reger und ihrem eigenen Schaffen von Interesse. Zu untersuchen wäre darüber hinaus auch, wie weit die in der 6. Sinfonie zu beobachtende ideologische Verstrickung mit dem Gedankengut der Nazis tatsächlich reichte.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 15035739
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 12954650X
    Library of Congress (LCCN): n94054767
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Ellen Freyberg

    Übersetzung: David Babcock


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 22.10.2011
    Zuletzt bearbeitet am 03.07.2014


    Empfohlene Zitierweise

    Ellen Freyberg, Artikel „Johanna Senfter“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 3.7.2014
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Johanna_Senfter