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  • Jenny Clauss

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Jenny Clauss
    Ehename: Jenny Pernet
    Varianten: Jenny Claus
    Lebensdaten:
    geb. in Besançon, Frankreich
    gest. nach

    Die genauen Lebensdaten von Jenny Clauss sind nicht bekannt. Sie wurde ca. 1844 in Besançon geboren und starb nach 1881, vermutlich in den USA. Spätestens ab 1873 wählte sie für ihren Nachnamen die internationale Schreibweise Jenny Claus.
    Tätigkeitsfelder:
    Violinistin
    Charakterisierender Satz:

    „Les caractères principaux du jeu de la charmante violoniste [Jenny Clauss] sont une grande légèreté, la justesse la plus correcte, un maniement remarquable de l’archet, beaucoup de puissance dans l’expression, puis, pour compléter ces brillantes qualités, une excellente organisation musicale, une âme sentant profondément.“ („La France musicale“ 1868, S. 195)


    „Die Haupteigenschaften im Spiel der charmanten Geigerin [Jenny Clauss] sind eine große Leichtigkeit, eine sehr präzise Genauigkeit, ein bemerkenswerter Umgang mit dem Bogen, sehr viel Ausdruckskraft und schließlich, um diese brillanten Fähigkeiten abzurunden, ein herausragendes musikalisches Verständnis und eine tief empfindende Seele.“


    („La France musicale“ 1868, S. 195)


    Profil

    Die Geigerin Jenny Clauss trat bereits als Kind gemeinsam mit ihren drei Schwestern im Streich- bzw. Klavierquartett auf. Ab Anfang der 1860er Jahre studierte sie Violine bei Charles Dancla am Pariser Conservatoire de la Musique und konnte sich anschließend im internationalen Musikleben als Kammermusikerin und Solistin etablieren. Dabei war sie Mitbegründerin mehrerer Damenensembles, in denen sie meist den Part der zweiten Violine übernahm. Zu den von ihr mitbegründeten Ensembles gehörten das „Quatuor Féminin“ 1865/66 mit Catarine Lebouys (1. Violine), Fanny Clauss (Viola) und Hélène de Katow bzw. Eliza de Try (Violoncello). Mehrere Jahre lang konzertierte Jenny Clauss zudem gemeinsam mit ihrer Schwester Fanny Clauss im Violinduo, bis diese 1869 heiratete. Danach konnte sich Jenny Clauss auch als Solistin etablieren. Von 1873 bis 1876 bereiste sie Australien, Java, China, Japan und die USA und feierte dabei besonders in Australien herausragende Triumphe. Ende des Jahres 1876 heiratete sie in den USA und zog sich vom Konzertpodium zurück.

    Orte und Länder

    Jenny Clauss wurde in Besançon geboren. Ab Anfang der 1860er Jahre studierte sie Violine am Pariser Conservatoire de la Musique und blieb bis 1872 in Paris. Während dieser Zeit unternahm sie Konzertreisen, die sie in mehrere Städte Frankreichs, der Schweiz, Portugals und Italiens führten, u. a. nach Lille, Tours, Lissabon, Florenz und Genf. Von 1873 bis 1876 bereiste Jenny Clauss als Geigerin Australien, China, Japan und die USA. Ende des Jahres 1876 heiratete sie in den USA, vermutlich in Kalifornien; ein vereinzelter Auftritt ist 1881 in New York belegt.

    Biografie

    Jenny Clauss wurde ca. 1844 in Besançon als Tochter eines Orchesterdirigenten Clauss (Vorname konnte nicht ermittelt werden) und seiner Frau geboren; die Familie stammte aus Belgien. Vermutlich erhielt Jenny Clauss gemeinsam mit ihren drei Schwestern Marie, Fanny und Cécile ihre erste musikalische Ausbildung in häuslichem Rahmen. Ab dem Alter von ca. zwölf Jahren trat sie gemeinsam mit ihren Geschwistern öffentlich auf und konzertierte mit ihnen bis mindestens 1861 im Streichquartett, teils auch im Klavierquartett. Eine Altersreihenfolge der vier Geschwister lässt sich allerdings nur schwer festlegen; die Presserezensionen sind bis zum letzten gemeinsamen Auftritt widersprüchlich. Vergleichsweise glaubwürdig wirkt eine Darstellung der „Presse littéraire“ von 1861. Demnach war Marie die älteste der Geschwister (geb. ca. 1842), gefolgt von Jenny (geb. ca. 1844), Fanny (geb. 1846) und Cécile (geb. ca. 1848) (vgl. „La Presse Littéraire“ vom 5. Februar 1861, S. 45).


    Von ca. 1860 bis mindestens 1863 studierte Jenny Clauss das Fach Violine bei Charles Dancla am Pariser Conservatoire de la Musique und wurde bei den Prüfungswettbewerben im Sommer 1862 und 1863 jeweils mit einer Belobigung ausgezeichnet; 1862 widmete Charles Dancla seine fünfte Fantasie über Bellinis „La Sonnambula“ für Violine solo seiner Schülerin Jenny Clauss (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. August 1862, S. 251; vom 9. November 1862, S. 365; „Le Ménestrel“ vom 2. August 1863, S. 279).


    Noch vor Beginn ihres Studiums lassen sich mehrere Auftritte von Jenny Clauss belegen. So spielte sie z. B. im Sommer 1857 gemeinsam mit ihren Geschwistern in Genf. Die „Neue Zeitschrift für Musik“ berichtete zwar von dem Konzert, zeigte sich jedoch wenig begeistert: „Die vier Mädchen, im Alter von 8 bis 14 Jahren, spielen Quartette von Haydn und auch Quintette, bei denen dann der Herr Papa den ‚Wunderkindern’ zuhilfe kommt. Auf uns, die wir ein abgesagter Feind alles Wunderkindthums sind, hat es einen peinlichen Eindruck gemacht, die vier Mädchen haspeln und raspeln zu sehen und zu hören, und die Curiosität ist am Ende das Einzige, was wir erwähnen könnten.“ („Neue Zeitschrift für Musik, 1857, Bd. 2, S. 21; vgl auch Hoffmann 2010).

    Ende des Jahres 1857 zog die Familie nach Paris. Dort wurden die Geschwister tatsächlich zunächst in den Salons als kuriose Attraktion gehandelt, als solche jedoch auch begeistert aufgenommen. Die Zeitschrift „Le Ménestrel“ berichtete im Januar 1858 von einer privaten Soirée, in der Jenny Clauss mit ihren Geschwistern und ihrem Vater aufgetreten war: „Nous avons assisté, cette semaine, à une soirée musicale qui offrait un double intérêt. Une gracieuse maîtresse de maison, Mme Du F***, avait réuni, rue de la Madeleine, une nombreuse société dans ses brillants salons, et là nous avons applaudi à l’exécution de plusieurs quatuors interprétés par quatre jeunes sœurs, sous la direction de leur père: M. Clauss nous a amené à Paris, il y a trois mois, cet orchestre en miniature: le premier violon a treize ans, les deuxièmes comptent onze et huit ans, et le violoncelle ne dépasse pas la première cheville de son instrument. Tout cela gazouille à ravir, et nous savons que plusieurs salons se préparent à imiter Madame Du F***. Au point de vue de l’art, c’est déjà satisfaisant; comme chose curieuse, c’est tout simplement miraculeux.“ („Wir haben diese Woche einer musikalischen Soirée beigewohnt, die doppeltes Interesse weckte. Eine charmante Hausdame, Mme Du F***, hatte bei sich in der Rue de la Madeleine eine zahlreiche Gesellschaft in ihrem wunderbaren Salon versammelt, und dort haben wir mehreren Streichquartetten Beifall gezollt, die von vier jungen Schwestern unter Leitung ihres Vaters interpretiert wurden. M. Clauss hat uns vor drei Monaten dieses Miniaturorchester nach Paris gebracht: die erste Geige ist dreizehn Jahre alt, die beiden zweiten sind elf und acht Jahre alt, und das Violoncello überragt kaum den ersten Wirbel seines Instruments. Das alles zwitschert hinreißend, und wir wissen, dass sich mehrere Salons darauf vorbereiten, es Madame Du F*** nachzumachen. Vom Künstlerischen aus betrachtet ist es schon recht zufriedenstellend, als Kuriosität ist es bezaubernd.“; „Le Ménestrel“ vom 31. Januar 1858, S. 4) Im November 1860 wirkte das Ensemble bei einem Abend der Pianistin Castel (Vorname konnte nicht ermittelt werden), einer Schülerin Friedrich Kalkbrenners, im Saal des Théâtre-Molière mit und trat dabei u. a. mit Charles Gounods „Méditation sur le prélude de Bach“ auf, wie „Le Ménestrel“ berichtete: „Mlle Castel, élève de Kalkbrenner, a donné mercredi dernier une soirée musicale et dramatique dans la salle du Théâtre-Molière. De nombreux applaudissements ont été décernés à la jeune bénéficiaire, ainsi qu’à l’intéréssante famille Clauss, composée de quatre jeunes filles qui ont exécuté avec beaucoup d’ensemble la méditation de Gounod sur le prélude de Bach.“ („Mlle. Castel, eine Schülerin von Kalkbrenner, hat letzten Mittwoch eine musikalische und dramatische Soirée im Saal des Théâtre-Molière gegeben. Großer Beifall wurde der jungen Begünstigten zu Teil, ebenso wie der interessanten Familie Clauss, die aus vier jungen Mädchen besteht, die mit einem sehr guten Zusammenspiel die Méditation von Gounod über ein Prélude von Bach ausführten.“; „Le Ménestrel“ vom 25. November 1860, S. 415)


    Trotz dieses eher problematischen Beginns der künstlerischen Laufbahn gelang den Geschwistern der Übergang zu einem Kammermusikensemble, das sich im Musikleben etablieren konnte, und mindestens zweien unter ihnen, Fanny und Jenny Clauss, auch der Übergang zu einer erfolgreichen Karriere als Solistin. Am 24. Januar 1861 gaben die Geschwister erstmals ein eigenes Konzert in den Pariser Salons Pleyel-Wolff. Jenny und Fanny Clauss spielten dabei u. a. Stücke von Jacques Pierre Joseph Rode und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie mehrere „Symphonies concertantes“ für zwei Violinen von Charles Dancla, ihrem Lehrer, und Delphin Alard. Die „Revue et Gazette musicale de Paris“ rezensierte: „Les quatre sœurs Clauss ont déjà du talent; et, la semaine dernière, dans les salons Pleyel-Wolff, on a vivement applaudi ce très-gracieux quator. Mlles Jenny et Fanny ont exécuté des morceaux de Rode, de Mendelssohn et plusieurs belles symphonies concertantes pour deux violons, d’Alard et de Charles Dancla, avec une justesse, un aplomb et un sentiment musical qui, malgré quelques inégalités, font espérer qu’elles retrouveront peut-être un jour les succès de Teresa et de Maria Milanollo.“ („Die vier Schwestern Clauss haben bereits jetzt schon Talent und in der letzten Woche, in den Salons Pleyel-Wolff, hat man diesem sehr anmutigen Quartett lebhaft applaudiert. Mlles. Jenny und Fanny haben Stücke von Rode und Mendelssohn sowie mehrere hübsche konzertante Symphonien für zwei Violinen von Alard und Charles Dancla gespielt, mit einer Genauigkeit, einer Ausgewogenheit und einer Musikalität, dass man, trotz mancher Unregelmäßigkeiten, hoffen kann, dass sie eines Tages den Erfolg von Teresa und Maria Milanollo erreichen.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. Februar 1861, S. 34) Explizit thematisierte der Rezensent im weiteren den genannten Übergang: „Cette soirée, où tant de jeunesse disposait à la bienveillance, eût pu satisfaire les dilettanti exigeants; il y avait là, en effet, plus que d’heureuses dispositions: il y avait des résultats très-satisfaisants. Dirigées par des maîtres experts dans l’art de deviner les aptitudes et de développer les intélligences, ces jeunes filles justifieront, sans aucun doute, les espérances qu’elles on fait naître.“ („Dieser Abend, an dem sich soviel Jugend dem Wohlwollen auslieferte, hätte die überdrehten Dilettanti befriedigen können; es gab dort tatsächlich mehr als eine gute Veranlagung zu sehen, es gab überaus zufriedenstellende Ergebnisse zu hören. Angeleitet von Lehrern, die in der Lage sind, die Stärken herauszufinden und die Talente zu fördern, werden diese jungen Mädchen ohne Zweifel die Hoffnungen erfüllen, die sie geweckt haben.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 3. Februar 1861, S. 34) Auch „La Presse Littéraire“ schrieb über das „inzwischen sehr reale Talent“ der „sehr jungen Musikerinnen“ und zeigte sich begeistert von dem Konzert: „Jeudi, 24, une foule nombreuse et élégante se pressait dans les salons de MM Pleyel et Wolff et venait applaudir le talent, très-réel déjà, de toutes jeunes musiciennes, les quatre sœurs Clauss. Ces charmantes et très-intéressantes jeunes artistes, dont l’aînée pent avoir dix-sept ans et la plus jeune douze, se jouent des difficultés les plus ardues et exécutent avec un brio et un sentiment qui font honneur à leur père, l’un de nos meilleurs professeurs, les morceaux les plus brillants et les plus compliqués. L’aînée, Mlle Marie Clauss, pianiste habile, chante aussi avec goût et possède une voix qui va à l’âme. [...] Le violon est l’instrument de deux d’entre elles, qui promettent de se montrer les dignes émules des Milanollo et des Ferni. [...] Le public, ému et ravi d’un bout à l’autre du concert, a prodigué à ces jeunes virtuoses des applaudissements qui ont dû leur paraître bien doux.“ („Donnerstag, den 24., drängte eine zahlreiche und elegante Menge in die Salons der Herren Pleyel und Wolff und war gekommen, um dem inzwischen sehr realen Talent der sehr jungen Musikerinnen, den vier Schwestern Clauss, zu applaudieren. Die charmanten und sehr interessanten jungen Künsterlerinnen, von denen die Älteste ungefähr siebzehn und die jüngste zwölf Jahre alt ist, überwinden die größten Schwierigkeiten und spielen mit einem Feuer und einer Sensibilität, die ihrem Vater, einem unserer besten Lehrer, alle Ehre machen, die virtuosesten und kompliziertesten Stücke. Die Älteste, Mlle. Marie Clauss, eine fähige Pianistin, singt mit gutem Stil und besitzt eine Stimme, die die Seele berührt. [...] Die Geige ist das Instrument der beiden mittleren unter ihnen, die sich als würdige Nacheiferer der Milanollo- und Ferni-Schwestern zeigten. [...] Das Publikum, von Anfang bis Ende des Konzertes bewegt und begeistert, bedachte die jungen Virtuosinnen mit einem Beifall, der ihnen sehr süß erscheinen musste.“; „La Presse Littéraire“ vom 5. Februar 1861, S. 45) Nach diesem Konzert reisten Marie, Fanny, Jenny und Cécile Clauss mit ihrem Vater weiter nach Genf, wo sie drei Kammermusikkonzerte gaben (vgl. „La Revue et Gazette Musicale de Paris“ vom 13. Februar 1861, S. 14).


    Im Laufe des Jahres 1861 kam es zu einem Familiendrama, das anhand der derzeit vorhandenen Quellen nicht genau rekonstruiert werden kann. Dabei kamen die Violoncellistin Cécile Clauss sowie vermutlich auch der Vater ums Leben. In „Le Ménestrel“ hieß es Mitte Januar 1862, die Familie sei Opfer eines „drame intime“, eines Familiendramas, geworden („Le Ménestrel“ vom 19. Januar 1862, S. 63). Aus diesem Anlass fand am 22. Januar 1862 ein Benefizkonzert für die Familie in den Salons Pleyel-Wolff statt, an dem u. a. der Pianist Théodore Ritter, der Geiger Charles Dancla, der Violoncellist Sebastian Lée sowie mehrere Sängerinnen und Sänger mitwirkten. Charles Dancla, als Lehrer der Schwestern, schrieb hierfür eigens eine „symphonie concertante“ (vgl. ebd.; s. a. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 19. Januar 1862, S. 22). Mitte des Jahres 1862 deutete die „Revue et Gazette musicale“ anlässlich der Konservatoriums-Wettbewerbe nochmals das Familiendrama an: „Dans ce concours de violon figuraient deux jenes filles miraculeusement échappées à une affreuse catastrophe. Une troisième sœur, qui jouait du violoncelle, avait péri sur-le-champ, frappée de la main d’un père qui s’était fait justice en se frappant lui-même. Jenny et Fanny Clauss ont été préservées, et l’aînée, qui annonce des dispositions, a mérité un second accessit.“ („An diesem Wettbewerb beteiligten sich zwei junge Mädchen [Fanny und Jenny Clauss], die gerade noch einmal auf wunderbare Weise einer schrecklichen Katastrophe entkommen sind. Eine dritte Schwester, die Violoncello spielte, kam dabei ums Leben, erschlagen von der Hand eines Vaters, der Gerechtigkeit übte, indem er sich selbst erschlug. Jenny und Fanny Clauss wurden bewahrt, und die ältere, die Talent erkennen lässt, hat eine zweite Belobigung verdient.“; „Revue et Gazette musicale“ vom 3. August 1862, S. 251)


    In den folgenden eineinhalb Jahren traten die Schwestern teils zu dritt auf, teils konzertierten Jenny und Fanny Clauss als Violinduo; im Laufe des Jahres 1863 zog sich Marie Clauss aus dem öffentlichen Musikleben zurück. Im Juli 1862 sangen bzw. spielten Jenny, Marie und Fanny Clauss im Kasino von Enghien-les-Bains nahe Paris (vgl. „Le Figaro“ vom 24. Juli 1862, S. 6) und gaben im Januar 1863 nochmals ein eigenes Konzert in den Pariser Salons Pleyel-Wolff, an dem auch Marie Sabatier-Blot, ein Sänger namens M. Marc und der Violoncellist Sebastian Lee teilnahmen. Jenny Clauss spielte dabei u. a. eine „Symphonie pour deux violons et violoncelle“ von Charles Dancla gemeinsam mit Fanny Clauss und Sebastian Lee sowie eine „Symphonie“ für zwei Violinen und Klavier mit Fanny und Marie Clauss. Ferner führte sie die ihr gewidmete „Fantaisie sur des motifs de ‚La sonnambula’ de Bellini“ ihres Lehrers Charles Dancla auf und spielte gemeinsam mit der Pianistin Marie Sabatier Blot eine Sonate für Violine und Klavier von Joseph Haydn (vgl. „Journal des débats“ vom 15. Januar 1863, S. 2; „Revue et Gazette musicale de Paris“ 1863, S. 28). Mit einem eigenen Konzert präsentierten sich Jenny und Fanny Clauss im März 1864 in den Pariser Salons Pleyel-Wolff. Dabei spielte Jenny Clauss eine „Fantaisie sur la ‚Fille du régiment de Donizetti’“ von Delphin Alard, eine „Symphonie“ für zwei Violinen von Charles Dancla, gemeinsam mit Fanny Clauss, sowie ein „Concerto“ für Violine und Klavier des Pianisten und Komponisten M. D. Lafuente. Die „Revue et Gazette musicale de Paris“ berichtete: „A la soirée qu’elles ont donnée, cette semaine, dans les salons Pleyel-Wolff, avec le pianiste Lafuente, les deux sœurs Clauss, s’emparant de vive force des sympathies de l’auditoire, ont d’ailleurs fait preuve d’une habileté peu commune. Elles ont de l’ampleur et de la noblesse. Il serait difficile d’exprimer une préférence sur le mérite de chacune d’elles; leur jeu est à peu près le même, et lorsqu’après avoir entendu Mlle Fanny dans une fantaisie de Vieuxtemps, et Mlle Jenny, dans la fantaisie d’Alard sur la Fille du régiment, on les voit aux prises ensemble dans une symphonie de Dancla, pour deux violons, il faut absolument se contenter de leur décerner une part égale de bravos, sans chercher à qui donner la palme. M. Lafuente est un pianiste de bonne race [...]. Dans un concerto de sa composition, qu’il a joué avec Mlle Jenny Clauss, il a tout d’abord conquis la bienveillance générale [...].“ („Bei dem Abend, den sie diese Woche mit dem Pianisten Lafuente in den Salons Pleyel-Wolff gaben, haben die beiden Schwestern Clauss ungewöhnliche künstlerische Fähigkeiten gezeigt und konnten damit die Sympathien des Publikums im Sturm erobern. Sie haben Größe und Noblesse. Es wäre schwierig, einer von beiden die größeren Verdienste zuzuschreiben; ihr Spiel ist ungefähr gleich, und nachdem man Mlle. Fanny in einer ‚Fantaisie’ von Vieuxtemps, und Mlle. Jenny in einer ‚Fantaisie’ von Alard über ‚La fille du régiment’ sowie gemeinsam in einer Symphonie von Dancla für zwei Violinen gehört hatte, muss man sich damit zufrieden geben, die Bravorufe zu gleichen Teilen beiden zuzugestehen, ohne danach zu suchen, wem die Palme gebührt. M. Lafuente ist ein guter Pianist [...]. Mit einem von ihm komponierten Konzert, das er gemeinsam mit Jenny Clauss aufführte, erhielt er das allgemeine Wohlwollen.“; „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 20. März 1864, S. 93) Am 3. Januar 1865 traten Jenny und Fanny Clauss in einem Konzert der Société Philharmonique in Le Mans auf (vgl. „La Revue-Programme“ vom 6. Januar 1865, S. 2) und konzertierten im April 1865 in Lissabon (vgl. „Le Ménestrel“ vom 30. April 1865, S. 174). Auch in späteren Jahren traten die beiden häufiger als Violinduo auf, so z. B. im April 1868 bei einem Konzert einer Mme. Comettant in Versailles, u. a. an der Seite der Geigerin Marie Tayau und der Harfenistin Besse Dularzes: „Citons parmi la pléiade d’artistes qu’on rencontre chez Mme Comettant, trois autres jeunes violonistes, les sœurs Clauss, – une seule âme en deux violons; – Mlle Tayau, l’élève affectionnée d’Alard, et une jeune harpiste de quinze ans, Mlle Besse Dularzes.“ („Nennen wir unter der Pleiade von Künstlern, die man bei Mme. Comettant trifft, drei weitere junge Geigerinnen, die Schwestern Clauss – eine Seele in zwei Geigen –, Mlle. Tayau, Lieblingsschülerin von Alard, und eine junge Harfenistin von fünfzehn Jahren, Mlle. Besse Dularzes“; „Le Menestrel“ vom 12. April 1868, S. 159). Im Sommer 1868 schrieb „La France musicale“ zusammenfassend über Jenny Clauss und die vergangene Saison: „Au moment où chacun se hâte de quitter Paris, afin de gagner les bains de mer ou les eaux, nous devons signaler le départ, pour la côte normande, de Mlle Jenny Claus, dont l’archet a obtenu tant d’applaudissements cet hiver. Les caractères principaux du jeu de la charmante violoniste sont une grand légèreté, la justesse la plus correcte, un maniement remarquable de l’archet, beaucoup de puissance dans l’expression, puis, pour compléter ces brillantes qualités, une excellente organisation musicale, une âme sentant profondément.“ („In jenen Moment, wo jeder sich beeilt, Paris zu verlassen, um das Meer oder die Seebäder zu erreichen, notieren wir die Abfahrt von Mlle. Jenny Clauss, deren Bogen in diesem Winter soviel Beifall erhalten hat, an die Küste der Normandie. Die prinzipiellen Eigenschaften im Spiel der charmanten Geigerin sind eine große Leichtigkeit, eine sehr präzise Genauigkeit, ein bemerkenswerter Umgang mit dem Bogen, sehr viel Ausdruckskraft und schließlich, um diese brillanten Fähigkeiten abzurunden, ein herausragendes musikalisches Verständnis und eine tief empfindende Seele.“; „La France musicale“ 1868, S. 195)


    Ende des Jahres 1865 gründeten Jenny und Fanny Clauss gemeinsam mit Catarina Lebouys (Violine 1) und der Violoncellistin Hélène de Katow unter dem Namen „Quatour Féminin“ ein Damenstreichquartett, in dem Jenny Clauss den Part der zweiten Violine und Fanny Clauss den der Bratsche übernahm. Ergänzend kam die Pianistin Marie-Louise Mongin, eine Schülerin von Louise Farrenc, hinzu. In Frankreich berichteten die Musikzeitschriften regelmäßig von der Entwicklung des neuen Streichquartetts. So schrieb z. B. die Zeitschrift „Le Ménestrel“: „C’est le jeudi 18 janvier que doit avoir lieu, à la salle Herz, l’inauguration du quatuor féminin d’instruments à cordes, composé comme suit: Mlle Lebouys, premier violon; Mlle Jenny Clauss, second violon; Mlle Fanny Clauss, alto, et Mlle Hélène de Katow, violoncelle; pianiste, Mlle Mongin. Inutile de faire ressortir l’intérêt spécial qui s’attache à cette innovation dont le succès est assuré.“ („Am 18. Januar wird in der Salle Herz das Debüt des Damenstreichquartetts stattfinden, das sich wie folgt zusammensetzt: Mlle. Lebouys, erste Violine, Mlle. Jenny Clauss, zweite Violine, Mlle. Fanny Clauss, Viola und Mlle. Hélène de Katow, Violoncello, die Pianistin ist Mlle. Mongin. Überflüssig das besondere Interesse zu betonen, das dieser Innovation entgegengebracht wird, deren Erfolg gesichert ist.“; „Le Ménestrel“ vom 13. Januar 1866, S. 47; vgl. auch „Le Guide musical“ vom 4. Januar 1866, S. 6) Auch international war ein Damenstreichquartett eine Meldung wert. In den „Signalen für die musikalische Welt“ hieß es: „Paris. Am 18. Jan. wird im Saale Herz das erste Concert eines Damen-Streich-Quartetts stattfinden, in welchem deutsche Kammermusik zu Gehör kommen soll. Fräulein Lebonge [recte Lebouys] spielt die erste, Fräulein Jenny Clauß die zweite Violine, Fräulein Fanny Clauß die Viola und Fräulein de Catow das Violoncell.“ („Signale für die musikalische Welt“ vom Januar 1866, S. 104; vgl. auch „Le Foyer Canadien“, Jg. 4 [1866], S. 134f.; „The Reader. A Review of literature, science, and art“, Jg. 4, 1866, S. 48) Am 11. Januar 1866 trat das Streichquartett erstmals im Salon des Fotografen Antoine-René Trinquart auf und spielte dabei gemeinsam mit der Pianistin Marie-Louise Mongin ein Klavierquintett von Luigi Boccherini: „Le quatuor féminin de M. Norblin a fait ses débuts cette semaine par un quintette de Boccherini. [...] Ces dames ont fait preuve de verve et même d’ensemble; avec le temps et les répétitions, les détails gagneront en justesse et en pureté d’exécution. C’est, au résumé, une piquante tentative qui prouve, de plus, combien la musique de chambre prend racine en France. Le photographe Trinquart, qui avait ouvert ses salons à là première audition des quatuors féminins, a reproduit très-exactement, sur une petite carte photographique, les quatre gracieuses exécutantes armées de leurs instruments et de leurs archets.“ („Das ,Quatuor Féminin‘ von M. Norblin hat diese Woche sein Debüt mit einem Quintett von Boccherini gegeben. [...] Die Damen bewiesen Schwung und sogar ein gutes Miteinander; mit der Zeit und weiteren Proben werden die Details an Genauigkeit und Reinheit in der Ausführung gewinnen. Insgesamt ist es ein reizvoller Versuch, der einmal mehr beweist, wie sehr sich die Kammermusik in Frankreich etabliert. Der Fotograf Trinquart, der seinen Salon für das erste Konzert des Quatuor Féminin geöffnet hat, hat die graziösen Ausführenden mit ihren Instrumenten und Bögen auf einer kleinen fotografischen Karte festgehalten.“; „Le Ménestrel“ vom 20. Januar 1866, S. 55 [Vermutlich handelt es sich bei der erwähnten Fotografie um jene, die der spätere Sohn von Fanny Clauss, Pierre Prins, in einem Buch über seinen Vater, den Maler gleichen Namens, veröffentlichte und dort fälschlich als Streichquartett der vier Geschwister Clauss, aber mit der korrekten Jahreszahl 1865, ausgewiesen hatte. In der Tat sind Instrumente und Bögen ein wichtiger Teil des Bildes. Siehe „Material“, vgl. a. Prins 1949, S. 25]). Auch die Zeitschrift „Le Foyer“ berichtete über das Konzert: „Ces réunions musicales d’un genre tout nouveau ne manqueront pas d’exciter l’intérêt du public et d’offrir un grand attrait aux amateurs. Cette première épreuve nous a permis d’apprécier le mérite des jeunes artistes qui vont être soumises à la critique et au jugement du public, espérons qu’ils triompheront au champ de bataille et qu’elles confirmeront les éloges que nous sommes prêts à leur donner.“ („Diese Konzerte ganz neuer Art werden das Interesse des Publikums nicht verfehlen und eine große Attraktion für Musikliebhaber darstellen. Der erste Versuch erlaubt uns, die Verdienste der jungen Künstlerinnen wertzuschätzen, die sich der Kritik und dem Urteil des Publikums aussetzen, hoffen wir, dass sie auf dem Schlachtfeld triumphieren werden und dass sie die Elogen, die wir ihnen zu Teil werden lassen, bestätigen werden.“; „Le Foyer“ vom 18. Januar 1866, S. 7) Das für den 18. Januar 1866 anvisierte öffentliche Konzert des Ensembles fand allerdings nicht mehr statt (vgl. „Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 21. Januar 1866, S. 22), und die Violoncellistin Hélène de Katow wurde anschließend teils durch Eliza de Try, teils durch eine Violoncellistin namens Douard ersetzt. So konzertierte das Ensemble z. B. im April 1866 mit Eliza de Try bei einem Konzert der Gesangsprofessorin Célina de la Pommeraye (vgl. „La Revue et Gazette musicale de Paris“ vom 15. April 1866, S. 114). Im Winter 1866/67 unternahm Jenny Clauss gemeinsam mit dem „Quatuor Féminin“ in der Besetzung mit Marie Sabatier-Blot als Pianistin und Mlle. Douard als Violoncellistin eine Tournee durch mehrere französische und italienische Städte, darunter Tours, Lille, Bordeaux und Florenz. Über einen Auftritt in Tours berichtete „Le Ménestrel“: „Quatre jeunes filles [...] se sont fait entendre la semaine dernière à la Société philharmonique de Tours. Le ‚quatuor féminin’, composé de Mlles Clauss sœurs, Blot et Douard, a été sympathiquement accueilli du public tourangeau. Je n’en suis nullement surpris. Ces quatre jeunes filles ont du métier et du talent; elles ont beaucoup répété, elles aiment passionnément leur art. On les attend à Lille, à Bordeaux, à Florence! Nous les prions de penser à Paris quand elles auront le temps.“ („Vier junge Mädchen haben sich letzte Woche in der Société philharmonique de Tours hören lassen. Das ‚Quatuor Féminin’, das sich aus den Schwestern Clauss, Blot und Douard zusammensetzt, wurde vom Publikum in Tours herzlich empfangen. Ich bin keineswegs überrascht. Diese vier jungen Mädchen haben Handwerk und Talent, sie haben sehr viel geprobt, sie lieben ihre Kunst leidenschaftlich. Man erwartet sie in Lille, Bordeaux und sogar Florenz! Wir bitten sie Paris nicht zu vergessen, sobald sie die Zeit haben werden.“; „Le Ménestrel“ vom 27. Januar 1867, S. 69) Im März 1867 spielte das Klavierquartett mit Eliza de Try als Violoncellistin bei einem Konzert des Violoncellisten M. Norblin in Paris: „M. Norblin [...] nous a donné à son concert, quelques morceaux de choix [...]. A ce même concert, nous avons applaudi le quatuor féminin qui fait décidément son chemin dans le monde: Mlles Clauss sœurs, Blot et de Try.“ („M. Norbelin [...] hat bei seinem Konzert einige Stücke eigener Wahl gegeben [...]. Im gleichen Konzert haben wir auch dem ,Quatuor Féminin‘ applaudiert, das mit Sicherheit seinen Weg in der Welt gehen wird: Die Schwestern Mlles. Clauss, Mlle. Blot und Mlle. de Try.“; „Le Ménestrel“ vom 24. März 1867, S. 132). Bis wann das „Quatuor Féminin“ als Streichquartett bzw. Klavierquartett bestand, ist bislang unbekannt.


    Nach der Heirat ihrer Schwester Fanny Clauss 1869 konnte sich Jenny Clauss auch als Solistin im internationalen Musikleben behaupten. So gab sie z. B. am 6. März 1870 ein eigenes Konzert in der Pariser Salle Erard gemeinsam mit dem Pianisten Gennaro Perelli (vgl. „Le Ménestrel“ vom 27. Februar 1870, S. 104) und trat im Sommer 1871 mehrfach in London auf, u. a. in den „Promenade Concerts“ in Covent Garden, wo sie am 19. August 1871 „Ballade et Polonaise“ (op. 38) von Henri Vieuxtemps spielte (vgl. „The Musical Times“ vom 1. September 1871, S. 203 f.).


    Von Frühjahr 1873 bis Sommer 1875 unternahm Jenny Clauss gemeinsam mit der Sängerin Jeanne Rekel und dem Pianisten Joseph Rekel von Sydney aus eine zweijährige Tournee durch Australien, Neuseeland, das französische Neu-Kaledonien und Tasmanien. Bis Frühjahr 1874 konzertierte Jenny Clauss dabei mit ihren beiden Begleitern u. a. in Sydney, Brisbane, Melbourne, Noumea, Hobart, Adelaide und weiteren Städten und nahm innerhalb kürzester Zeit das australische Publikum für sich ein. In den größeren australischen Zeitungen sind für diesen Zeitraum mehr als 400 Erwähnungen von Jenny Clauss nachzuweisen, darunter über 220 redaktionelle Artikel (vgl. http://www.trove.nla.gov.au, Stand: 15. November 2010). Die australische und angloamerikanische Presse legte sich dabei auf die Namensschreibweise „Jenny Claus“ fest. Über ein Konzert im Victoria Theatre in Sydney, bei dem Jenny Clauss u. a. eine Fantasie über „La Figlia del Regimento“ spielte, schrieb der „Sydney Morning Herald“ im Juni 1873: „Jenny Claus, the accomplished violinist, whose playing is characterised by vigour of style and purity, as well as brillancy and elegance, charmed her audience. The solo from ‚La Figlia del Regimento’ especially, was received with enthusiastic plaudite. Mademoiselle Rekel sang with admirable skill and effect severals songs, which met with warm appreciation at the hands of the audience. And M. Rekel’s instrumentation on the pianoforte and the vocalisation of Mr. Farley contributed greatly to the success of the entertainment.“ („Jenny Claus, die herausragende Geigerin, deren Spiel ebenso von stilistischer Genauigkeit und Reinheit wie von Brillanz und Eleganz geprägt ist, begeisterte ihr Publikum. Besonders das Solo aus ‚La Figlia del Regimento’ wurde mit enthusiastischem Beifall bedacht. Mademoiselle Rekel sang mit bewunderswertem Können und großer Wirkung mehrere Lieder, die mit herzlicher Zuneigung in die Hände der Zuhörer übergingen. Und Mr. Rekel’s Klavierbegleitung und der Gesang von Mr. Farely trugen großartig zum Erfolg der Unterhaltung bei.“; „The Sydney Morning Herals“ vom 2. Juni 1873, S. 4)

    Auch die vier Konzerte, die Jenny Clauss im Oktober 1873 im Prince of Wales Opera House in Melbourne gab, wurden begeistert aufgenommen. Auf dem Programm des ersten der vier Konzerte standen Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op. 64), eine „Fantaisie sur des Motifs de ‚Martha’ de Flotow“ von Hubert Léonard, eine „Berceuse“ von Henri Reber und eine „Tarantelle“ von Charles Dancla; als Zugabe spielte Jenny Clauss das bekannte Lied „The Last Rose of Summer“. Die Zeitung „The Argus“ schilderte ihren Erfolg: „The event of last night at the Opera-house was the first public appearance in this city of Mademoiselle Jenny Claus a violinist of the high school – an artist par excellence. The name of this young lady has been known in musical circles here for some months past. She comes from Paris and is a pupil of Vieuxtemps. If that master had been present last night he would have felt proud of his pupil and of himself too. [...] Mademoiselle Claus is petite in figure, she has a most pleasing appearance, and a genial and winning manner. Thus much was evident as soon as she appeared on the stage and in accordance with a very kindly custom amongst the audience she was welcomed with most cordial applause. The few introductory bars to the Mendelssohn concerto for the violin were played on the piano by M. Rekel. [...] At every pause made by the player the audience broke in with a storm of applause and thus encouraged, Mdlle Claus gave the finest performance of this elegant and elaborate composition that has ever been heard here. Difficulties do not exist for great artists and Mdlle Claus in this sense is truly great. The tone she produces is pure and even from the most delicate pianissimo to the loudest forte. Her fingers fall with such unerring precision upon the strings, that every note is cut out with crystal sharpness of contour; duration and intonation go together, whether the succession of notes be rapid or slow. [...] On each appearance Mademoiselle Claus was recalled again and again, amidst applause that was truly enthusiastic nor was she suffered to quit the scene until she had played something fresh to her delighted audience. After the Mendelssohn concerto she played a quaint and dreamy little berceuse by Reber, and after the fantasia by Léonard, from ‚Martha’, she played as an encore a brilliant tarantelle by Dancla. The selection from ‚Martha’ charmed the audience beyond measure, and when she had finished playing, with pure simplicity and pathos ‚The Last Rose of Summer’, there was such an outburst of applause as has not been heard in the Opera-house since the first night ‚Mosé in Egitto’ was produced [...]. We predict for Mademoiselle Claus larger and larger audiences each time she may appear here in public.“ („Das gestrige Ereignis im Opernhaus war der erste öffentliche Auftritt von Mademoiselle Jenny Claus in dieser Stadt, einer Geigerin der hohen Schule – einer Künstlerin par excellence. Der Name dieser jungen Dame wurde in den vergangenen Monaten in Musikkreisen bekannt. Sie kommt aus Paris und ist eine Schülerin von Vieuxtemps. Wenn dieser Meister letzte Nacht anwesend gewesen wäre, wäre er auf seine Schülerin und auch auf sich selbst stolz gewesen. [...] Mademoiselle Claus ist vergleichsweise klein, ist eine erfreuliche Erscheinung und hat eine kluge und gewinnende Art. Dies alles wurde um so deutlicher, sobald sie auf der Bühne erschien, und in Verbindung mit einer sehr netten Gewohnheit des Publikums wurde sie mit herzlichem Applaus empfangen. Die ersten einleitenden Takte des Mendelssohn-Konzertes wurden auf dem Klavier von M. Rekel gespielt. [...] Bei jeder Pause, die die Spieler machten, brach das Publikum mit stürmischem Applaus ein, und auf diese Weise ermutigt, gab Mdlle. Claus die wunderbarste Aufführung dieser eleganten und ausgearbeiteten Komposition, die jemals hier gehört wurde. Schwierigkeiten gibt es für große Künstler nicht, und in diesem Sinne ist Mdlle. Claus wirklich großartig. Ihr Ton ist rein und dies sogar vom feinsten Pianissimo bis zum lautesten Forte. Ihre Finger fallen mit einer derart unbeirrbaren Präzision auf die Seiten, dass jede Note mit kristallklarer Schärfe umrissen wird; Dauer und Intonation sind auf einander abgestimmt, egal ob die Töne schnell oder langsam aufeinander folgen. [...] Bei jedem Auftritt wurde Mademoiselle Claus wieder und wieder hervorgerufen, mitten in einen Applaus hinein, der wahrhaft enthusiastisch war, und sie durfte die Bühne nicht verlassen, ohne für ihr begeistertes Publikum etwas Erfrischendes gespielt zu haben. Nach dem Mendelssohnschen Konzert spielte sie eine malerische und verträumte kleine ‚Berceuse’ von Reber, und nach einer Fantasie von Léonard aus ‚Martha’ als Zugabe eine brillante Tarantelle von Dancla. Die Auswahl aus ‚Martha’ begeisterte das Publikum über alle Maßen, und als sie anschließend mit klarer Einfachheit und Pathos ‚The Last Rose of Summer’ spielte, tobte ein orkanartiger Applaus, der in diesem Opernhaus seit der Premiere von ‚Moses in Ägypten’ nicht mehr gehört worden war. Wir sagen Mademoiselle Claus ein Publikum voraus, das mit jedem ihrer öffentlichen Auftritte größer und größer werden wird.“; „The Argus“, Melbourne, vom 4. Oktober 1873, S. 6)

    Ebenso wie in Sydney und Melbourne wurde Jenny Clauss im Herbst 1873 in Adelaide begeistert aufgenommen. Die Zeitung „South Australian Register“ berichtete über ein Konzert, das Jenny Clauss, Jeanne Rekel und Joseph Rekel Anfang November 1873 in den White’s Rooms gaben: „The Claus and Rekel Company. The attendance at White’s Rooms on Tuesday evening to hear the first concert given by the above artists was but small. We venture to predict that before they leave the audiences will be very much larger. The great excellence of the performances will be certain to produce this result. [...] Mdlle. Jenny Claus has gained a high reputation as a violinist in the other colonies, yet we think that those who heard her in White’s Room must have found their anticipations more than realized. [...] the light of intellect beams from her thoughtful countenance, and as her ‚flying fingers kiss the strings’ of the instrument the audience seem almost to feel that the music in the inspiration of the moment rather than the result of a life’s study and a life’s practice. And this feeling is confirmed by the circumstance that she plays entirely from memory. The performances of Mademoiselle Claus embrace many distinctive excellencies. Her bowing is of itself a study for a young violinist. Her tones are full and resonant; her harmonies clear and decisive ; her style vigorous, and at times almost masculine in its impulsiveness. [...] The artist was recalled at the close of every one of her performances, and on one occasion the encore was so decisive that compliance was unavoidable. The accomplished lady therupon substituted Dancla’s ‚Tarantella,’ which also encited a storm of applause.“ („Die Claus und Rekel Company. Der Empfang in den White’s Rooms am Dienstag Abend, wo die genannten Künstler zu hören waren, war eher klein. Wir wagen jedoch vorherzusagen, dass bei ihrem letzten Konzert hier das Publikum sehr viel größer sein wird. Die herausragende Exzellenz der Auftritte wird dafür sorgen. [...] Mdlle. Jenny Claus hat in den anderen Kolonien einen wunderbaren Ruf als Violinistin errungen, und wir meinen, dass die Erwartungen jener, die sie in White’s Room gehört haben, mehr als erfüllt wurden. [...] ihr wacher Intellekt strahlt aus ihrer wohlüberlegten Haltung heraus, und wenn ihre ‚fliegenden Finger die Seiten des Instruments küssen’, scheint das Publikum die Musik eher als eine Inspiration des Augenblicks zu spüren, denn als Resultat von lebenslangem Studium und lebenslanger Praxis. Und dieses Gefühl wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass sie alles auswendig spielt. Die Interpretationen von Mademoiselle Claus umfassen viele herausragende Eigenschaften. Ihre Bogenführung ist für sich genommen ein Vorbild für einen jungen Geiger. Ihr Ton ist klangvoll; ihre Harmonien sind klar und entschieden; ihr Stil ist kräftig und manchmal sogar männlich in seiner Impulsivität. [...] Die Künstlerin wurde nach jedem ihrer Stücke nochmals hervorgerufen, und bei einer Gelegenheit wurde eine Wiederholung als Zugabe unumgänglich. Die Künstlerin ersetzte das vorangegangene Stück durch eine Tarantelle von Dancla, was wiederum einen stürmischen Applaus hervorrief.“; „South Australian Register“, Adelaide, vom 5. November 1873, S. 5)

    Von April bis September 1874 lebte Jenny Clauss im französischen Neu-Kaledonien und kehrte anschließend nach Melbourne zurück. Zu den Höhepunkten ihrer Australientournee gehörten zweifellos mehrere Konzerte, die sie gemeinsam mit der zu dieser Zeit überaus bekannten Pianistin Arabella Goddard im September 1874 in Melbourne gab (vgl. z. B. „The Argus“ vom 14. September 1874, S. 6). Beim letzten dieser Konzerte spielte Jenny Clauss gemeinsam mit Arabella Goddard und einem Violoncellisten namens Montague Ludwig van Beethovens Klaviertrio c-Moll (op. 1 Nr. 3), eine Fantasie über Motive aus „Wilhelm Tell“ für Violine und Klavier von Osborn und Charles de Bériot, ein Notturno von Heinrich Wilhelm Ernst (verm. op. 25 Nr. 2) sowie die Tarantelle von Charles Dancla. Die Zeitung „The Argus“ berichtete: „In the concerts this week at the Town-hall, Madame Arabella Goddard has had associated with her a young artist of brilliant talent as a violinist – Mademoiselle Jenny Claus – whose performances, at all times admirable, were never more successful in concerted music than they were on the occasions of which we are now speaking. Speaking of the instrumental portion of the programme, the first number was the Beethoven trio in C minor, performed by Madame Arabella Goddard, Mademoiselle Jenny Claus, and Mr. Montague, on the pianoforte, violin, and violoncello respectively [...]. It was very noticeable in this performance that all the players were possessed of the spirit of the music – the composition seemed to ‚go’ of itself. Accent, emphasis, rhythm, tempo, were all perfect, and it may be safely said of this Beethoven trio that it was the most complete and satisfactory performance of its kind that has ever taken place in Melbourne, and looking at the names concerned, it is very doubtful if the general effect will ever be improved upon. [...] The next concerted piece was a duet for piano and violin, played by Madame Arabella Goddard and Mademoiselle Jenny Claus. It was the composition of Osborn and De Beriot, the subjects being taken from the opera ‚William Tell.’ [...] Mademoiselle Jenny Claus played her part in this performance ‚con amore’. It was most effective – it was beautiful to hear the leading strains of well-known numbers given out with the power and feeling which only an artist can impart on an instrument to passages written for the voice. [...] There was a storm of applause when this – the last of the duets we shall hear between Madame Goddard and Mademoiselle Claus – was finished, and the audience were not satisfied with merely recalling the players, but they insisted upon a repetition of the work [...]. Mademoiselle Claus received the compliment of a great encore for her elegant performance of a notturno by Ernst – heard for the first time in Melbourne. [...] In reply to the re-demand Mademoiselle Claus played a ‚Tarantelle’ by Dancla – a pretty thing to hear, and a great opportunity for the display of the performer’s admirable skill. She left the platform with many pretty compliments from the audience in the shape of bouquets in her hands, and with the whole house ringing with applause.“ („In den Konzerten in dieser Woche in der Town-Hall trat Madame Arabella Goddard mit einer jungen Künstlerin auf, die ein brillantes Talent als Geigerin hat – Mademoiselle Jenny Claus – deren Auftritte, die immer bewunderswert sind, in der Kammermusik niemals erfolgreicher waren als bei der Gelegenheit, von der wir jetzt sprechen. Im instrumentalen Teil des Programms war die erste Nummer das Beethovensche Trio c-Moll, ausgeführt von Madame Arabelle Goddard, Mademoiselle Jenny Claus und Mr. Montague am Klavier, der Geige bzw. dem Violoncello. [...] Es war in dieser Aufführung sehr zu bemerken, wie sehr alle Spieler vom Geist der Musik durchdrungen waren – das Werk schien wie von selbst zu laufen. Akzente, Emphase, Rhythmus, Tempo, alles war perfekt, und man kann sicherlich sagen, dass es die vollkommenste und befriedigendste Aufführung dieses Beethoven-Trios war, die jemals in Melbourne stattgefunden hat, und wenn man die Namen der Beteiligten ansieht, ist es auch sehr zweifelhaft, ob diese Wirkung jemals übertroffen werden wird. [...] Das nächste Kammermusik-Stück war ein Duo für Klavier und Violine von Madame Arabella Goddard und Mademoiselle Jenny Claus. Es war eine Komposition von Osborn und De Beriot, deren Themen der Oper ‚Wilhelm Tell’ entnommen waren. [...] Mademoiselle Jenny Claus spielte ihren Part in dieser Aufführung ‚con amore’. Es war sehr wirkungsvoll, es war wundervoll, die wesentlichen Melodien bekannter Nummern mit einer Kraft und einem Gefühl zu hören, wie nur ein Künstler vokale Passagen mit seinem Instrument vermitteln kann. [...] Ein stürmischer Applaus tobte los, als dieses Duett, das letzte von Madame Goddard und Mademoiselle Claus, beendet war, und das Publikum gab sich nicht mit einem mehrfachen Hervorrufen der Spielerinnen zufrieden, sondern bestand auf einer Wiederholung des Stückes. [...] Mademoiselle Claus erhielt nochmals das Kompliment einer Wiederholung für ihre elegante Ausführung eines Notturno von Ernst, das zum ersten Mal in Melbourne gehört wurde. [...] Als Antwort spielte Mademoiselle Claus eine Tarantelle von Dancla – ein nett zu hörendes Stück und eine großartige Gelegenheit für die Künstlerin, ihre wunderbaren Fähigkeiten zu zeigen. Sie verließ die Bühne mit vielen freundlichen Komplimenten vom Publikum in Form von Sträußen in den Händen und mit einem ganzen Haus voll Applaus.“; „The Argus“ vom 21. September 1874, S. 7)


    Jenny Clauss blieb bis Ende Januar 1875 in Melbourne und bereiste anschließend nochmals Brisbane, Hobart in Tasmanien, Melbourne und Sydney. Im Juni 1875 verließ sie Australien und reiste über Java, China und Japan nach San Francisco (vgl. auch „The Sydney Morning Herald“ vom 18. September 1876, S. 8). Während dieser Reise trat sie im Oktober und November 1875 in mehreren Konzerten in Shanghai auf und verließ im März 1876 Yokohama in Richtung San Francisco, wie „The Sydney Morning Herald“ berichtete (vgl. z. B. „The Sydney Morning Herald“ vom 9. Dezember 1875, S. 9; vom 22. März 1876, S. 6). Im Juni 1876 meldete schließlich „The Brisbane Courier“, dass aus San Francisco begeisterte Berichte über Konzerte von Jenny Clauss in Melbourne eingetroffen seien („Highly favorable accounts of Jenny Claus’ performances in San Francisco have been received in Melbourne.“; „The Brisbane Courier“ vom 9. Juni 1876, S. 3).

    Am 12. September 1876 kam Jenny Clauss wieder in Sydney an (vgl. „The Argus“ vom 12. September 1876, S. 5), jedoch nur, um in Melbourne Ende September und Anfang Oktober drei große Konzerte zu geben, mit denen sie sich aus dem Konzertleben verabschiedete, um – vermutlich in San Francisco – zu heiraten. Auf dem Programm ihrer Abschiedskonzerte, die sie u. a. gemeinsam mit dem Pianisten Mr. Buddee und dem Violoncellisten A. Montague gab, standen u. a. Ludwig van Beethovens Klaviertrio B-Dur (op. 97), Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio d-Moll (op. 49), eine der Violinsonaten von Georg Friedrich Händel sowie mehrere Fantasien von Henri Vieuxtemps und Hubert Léonard. Am 20. Oktober 1876 verließ Jenny Clauss Australien von Sydney aus in Richtung San Francisco mit der „City of New York“ (vgl. „The Mercury“, Hobart, vom 27. Oktober 1876, S. 4). Nicht ohne Trauer schrieb die Melbourner Zeitung „The Argus“ am 1. November 1876: „Mademoiselle Janny Claus, a violinist of distinguished merit, who, on a former visit here, achieved a great popularity, returned to Melbourne from San Francisco, and gave three farewell concerts on the 30th September, and the 3rd and 7th of October. [...] Mdlle. Claus was assisted by Mr. Buddee, pianist; Signor Giammons, flautist; Mr. A. Montague, violoncellist; Mrs. Cutter, contralto; Signor Luisetti, baritone; and Signor Zelman, pianiste and conductor. A rare sonata by Handel, the Beethoven trio in B flat, No. 11; the Mendelssohn trio in D minor; and fantasiae by Vieuxtemps, Leonard, and others, gave Mdlle. Claus ample opportunity for the display of a talent which never shone more brightly than when she took, as she did on this occasion, farewell to her artist life. Mdlle. Claus left shortly after for Honolulu [recte: San Francisco] via Sydney, where she will become Madame Pernet.“ („Mademoiselle Jenny Claus, eine Violonistin mit hohen Verdiensten, die bei einem früheren Besuch hier eine große Popularität erreichte, kam von San Francisco aus nach Melbourne und gab dort am 30. September und am 3. und 7. Oktober drei Abschiedskonzerte. [...] Dabei wurde Mdlle. Claus von dem Pianisten Mr. Buddee, dem Flötisten Signor Giammons, dem Violoncellisten A. Montague, der Altistin Mrs. Cutter, dem Bariton Signor Luisetti und Signor Zelman, einem Pianisten und Dirigenten, unterstützt. Eine seltene Sonate von Händel, Beethovens Trio B-Dur, Nr. 11, Mendelssohns Trio d-Moll und Fantasien von Vieuxtemps, Leonard und anderen gaben Mdlle. Claus reichlich Gelegenheit, ihr Talent zu beweisen, das niemals strahlender erschien als bei dieser Gelegenheit, bei der sie von ihrem Leben als Künstlerin Abschied nahm. Mdlle. Claus reiste kurze Zeit später über Sydney nach Honolulu [recte San Francisco], wo sie Madame Pernet werden wird.“; „The Argus“ vom 1. November 1876, S. 2; vgl. auch „South Australian Register“ vom 30. September 1876, S. 5; „The Sydney Morning Herald“ vom 18. September 1876, S. 8)


    Nach ihrer Heirat kehrte Jenny Clauss 1881 unter ihrem Mädchennamen, aber mit der Anrede einer verheirateten Frau, kurzzeitig auf das Konzertpodium zurück. Eine Notiz, die am 20. August 1881 in „The Musical Critic and Trade Review“ erschien, verwies auch darauf, dass Jenny Clauss nach wie vor im internationalen Musikleben verankert war und u. a. von dem niederländisch-deutschen Geiger August Wilhelmij unterstützt wurde: „Madame Jenny Claus, a classical violinist, who has lately arrived in San Francisco from Japan, intends making her first appearance in New York in the fall. This gifted lady is warmly endorsed by Wilhelmj, who has presented her lately with one of his best violins.“ („Madame Jenny Claus, eine klassische Violinistin, die kürzlich aus Japan in San Francisco angekommen ist, wird im Herbst in New York debütieren. Die begabte Dame wird von Wilhelmj wärmstens unterstützt, der ihr jüngst eine seiner besten Geigen geschenkt hat.“; „The Musical Critic and Trade Review vom 20. August 1881, S. 17). Gemeinsam mit Constantin Sternberg gab Jenny Claus tatsächlich am 13. Oktober 1881 eine Soirée mit geladenen Gästen in der New Yorker Steinway Hall. Auf dem Programm standen u. a. Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op. 64), eine der Violinsonaten A-Dur von Georg Friedrich Händel und die „Fantaisie sur des Motifs de Faust de Charles Gounod“ (o. op.) von Henri Vieuxtemps (vgl. „The Critic“, Jg. 1, 1881, S. 328). Weitere Auftritte von Jenny Clauss sind nicht nachzuweisen.


    Der weitere Lebensweg von Jenny Claus ist derzeit unbekannt.

    Würdigung

    Die Geigerin Jenny Clauss war von mindestens 1857 – noch als so genanntes „Wunderkind“ – bis ca. 1876 im internationalen Musikleben präsent. Bereits im Kindesalter trat sie mit ihren drei Schwestern, Marie Clauss, Fanny Clauss und Cécile Clauss im Streichquartett auf. Obwohl die vier Mädchen zu dieser Zeit noch als Kuriosität bestaunt wurden, nahmen sie dennoch eine vorbildhafte Rolle für nachfolgende Damenensembles in der Kammermusik ein. In den Jahren 1865/66 gehörte Jenny Clauss zu den Mitbegründerinnen des „Quator Féminin“, eines Streichquartettes, das neben Jenny Clauss als zweiter Violine aus der Geigerin Catarina Lebouys (1. Violine), Fanny Clauss (Viola) und Hélène de Katow (Violoncello) bestand. Gleichzeitig konnte sich Jenny Clauss auch als Solistin etablieren. Ihre Welttournee in den Jahren 1873 bis 1876, während der sie in Australien, Neuseeland, Java, China, Japan und den USA auftrat, wurde ein großer Erfolg. Nach ihrer Heirat 1876/77 zog sich Jenny Clauss weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten von Jenny Clauss werden derzeit nicht rezipiert. Zur zeitgenössischen Rezeption vgl. „Biografie“. In mehreren Publikationen der Kunstgeschichte wird Jenny Clauss mit ihrer Schwester Fanny Clauss verwechselt; letztere stand 1868/69 Modell für die stehende Figur in Edouard Manets Gemälde „Le balcon“.

    Repertoire

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Jenny Clauss kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Den Zeitungsrezensionen zufolge umfasste ihr Repertoire u. a. das Violinkonzert e-Moll (op. 64) von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie ein Violinkonzert eines Pianisten und Komponisten M. Lafuente. Ihrer Ausbildung innerhalb der französisch-belgischen Violinschule entsprechend trat Jenny Clauss zudem häufig mit brillanten Werken auf, darunter zahlreiche Opernfantasien und „Symphonies concertantes“, teils für Violine solo, teils für zwei Streichinstrumente oder für Violine und Klavier. Hierzu gehörten Kompositionen von Hubert Léonard, Charles Dancla, Delphin Alard, Charles de Bériot, Henri Vieuxtemps und Henri Reber. Gleichzeitig beteiligte sie sich häufig an der Aufführung kammermusikalischer Werke, die zu dieser Zeit als „deutsches Repertoire“ bezeichnet wurden, darunter Streichquartette, Klaviertrios und -quartette sowie Violinsonaten u. a. von Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy. Belegt sind Aufführungen der folgenden Werke:


    Alard, Delphin. Fantaisie sur la „Fille du régiment de Donizetti“, o. op.

    Alard, Delphin/Dancla, Charles. Symphonies concertantes für zwei Violinen


    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio B-Dur, op. 97

    Beethoven, Ludwig van. Klaviertrio c-Moll, op. 1 Nr. 3


    Bériot, Charles de/Osborn. Fantaisie sur des Motifs de „Wilhelm Tell“, o. op.


    Dancla, Charles. Fantaise No. 5 sur „La Sonnambula“ de Bellini für Violine solo (Jenny Clauss gewidmet)

    Dancla, Charles. Symphonie pour deux violons et violoncelle (keine Präzisierung)

    Dancla, Charles. Tarantelle


    Ernst, Heinrich Wilhelm. Notturno (verm. op. 25 Nr. 2)


    Gounod, Charles. Méditation sur le prélude de Bach, o. op.


    Händel, Georg Friedrich. Sonate für Violine und Klavier A-Dur (keine Präzisierung möglich)


    Haydn, Joseph. Sonate für Violine und Klavier (keine Präzisierung möglich)

    Haydn, Joseph. Streichquartette (keine Präzisierung möglich)


    Lafuente, M. D. Konzert für Violine und Klavier (heute unbekannt)


    Léonard, Hubert. Fantaisie sur des Motifs de „Martha“ de Flotow, o. op.


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Klaviertrio d-Moll, op. 49

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Konzert für Violine und Orchester e-Moll, op. 64


    Reber, Henri. Berceuse, op. 15


    Vieuxtemps, Henri. Ballade et Polonaise op. 38

    Vieuxtemps, Henri. Fantaisie sur des Motifs de „Faust“ de Charles Gounod, o. op.

    Quellen

    Literatur


    Brisbane, Katharine. Entertaining Australia: an illustrated history. Sidney: Currency Press, 1991.


    Hoffmann, Freia. Artikel „Prins-Clauss, Fanny“. In: Lexikon Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Online-Lexikon, hg. von Freia Hoffmann: http://www.sophie-drinker-institut.de (Stand: 3. November 2010)


    Orchard, William Arundel. Music in Australia: more than 150 years of development, 1952.


    Prins, Pierre (jun.): Pierre Prins et l’époque impressionniste: sa vie, son œuvre (1838-1913). Paris: Floury, 1949.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Journal des débats vom 15. Januar 1863, S. 2.


    La France musicale 1868, S. 195.


    La Presse Littéraire vom 5. Februar 1861, S. 45.


    Le Foyer Canadien, Jg. 4 (1866), S. 134f.


    Le Foyer vom 18. Januar 1866, S. 7.


    Le Guide musical vom 4. Januar 1866, S. 6.


    Le Ménestrel vom 31. Januar 1858, S. 4.

    Le Ménestrel vom 25. November 1860, S. 415.

    Le Ménestrel vom 19. Januar 1862, S. 63.

    Le Ménestrel vom 2. August 1863, S. 279.

    Le Ménestrel vom 13. Januar 1866, S. 47.

    Le Ménestrel vom 20. Januar 1866, S. 55.

    Le Ménestrel vom 27. Januar 1867, S. 69.

    Le Ménestrel vom 24. März 1867, S. 132.

    Le Ménestrel vom 12. April 1868, S. 159.

    Le Ménestrel vom 27. Februar 1870, S. 104.


    Neue Zeitschrift für Musik, 1857, Bd. 2, S. 21.


    Revue et Gazette musicale de Paris vom 3. Februar 1861, S. 34.

    Revue et Gazette Musicale de Paris vom 13. Februar 1861, S. 14.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 19. Januar 1862, S. 22.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 3. August 1862, S. 251.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 9. November 1862, S. 365.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 20. März 1864, S. 93.

    Revue et Gazette musicale de Paris vom 21. Januar 1866, S. 22.


    Signale für die musikalische Welt vom Januar 1866, S. 104.


    South Australian Register vom 5. November 1873, S. 5.

    South Australian Register vom 30. September 1876, S. 5.


    The Argus vom 4. Oktober 1873, S. 6.

    The Argus vom 14. September 1874, S. 6.

    The Argus vom 21. September 1874, S. 7.

    The Argus vom 12. September 1876, S. 5.

    The Argus vom 1. November 1876, S. 2.


    The Brisbane Courier vom 9. Juni 1876, S. 3.


    The Critic, Jg. 1, 1881, S. 328.


    The Mercury vom 27. Oktober 1876, S. 4.


    The Musical Critic and Trade Review vom 20. August 1881, S. 17.


    The Musical Times vom 1. September 1871, S. 203f.


    The Reader. A Review of literature, science, and art, Jg. 4, 1866, S. 48.


    The Sydney Morning Herald vom 2. Juni 1873, S. 4.

    The Sydney Morning Herald vom 22. März 1876, S. 6.

    The Sydney Morning Herald vom 9. Dezember 1875, S. 9.

    The Sydney Morning Herald vom 18. September 1876, S. 8.



    Links


    http://www.trove.nla.gov.au (Stand: 15. November 2010)

    Die Internetseite zu digitalisierten Quellen Australiens stellt u. a. zahlreiche Zeitungsartikel zu Jenny Clauss (unter dem Namen Jenny Claus) zur Verfügung sowie eine Visitenkarte mit ihrem Foto.

    Forschung

    In den größeren australischen Zeitungen, die mittlerweile größtenteils online veröffentlicht sind (http://www.trove.nla.gov.au, Stand: 15. November 2010), finden sich über 400 Einträge zu Jenny Clauss, darunter zahlreiche Konzertankündigungen und ca. 220 redaktionelle Artikel. Mit diesem Material könnte die Australientournee von Jenny Clauss näher untersucht werden, auch vor dem Hintergrund, dass verschiedene Musikerinnen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts Konzertreisen durch Australien unternahmen, darunter z. B. die Pianistinnen Arabella Goddard und Adelina de Lara sowie die Violoncellistinnen May Mukle und Eugenie Stoltz-Premyslav.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Jenny Clauss umfasst ihre Biografie sowie ihre Tätigkeiten. Besonders interessant könnte dabei ihre Rolle als Mitbegründerin mehrerer Damenensembles in den 1850er und 1860er Jahren in Frankreich sein sowie ihre Welttournee durch Australien, Java, China, Japan und die USA.

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 16.12.2010


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Jenny Clauss“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 16.12.2010.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Jenny_Clauss