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  • Jenny Blauhuth

    von Silke Wenzel
    Namen:
    Jenny Blauhuth
    Varianten: Jenny Blauhut, Jenny Elisabeth Jenny Blauhuth, Jenny Elisabeth Jenny Blauhut
    Lebensdaten:
    geb. in Leipzig, Deutschland
    gest. nach

    Sterbedatum und Sterbeort von Jenny Blauhuth sind bislang nicht bekannt. Vermutlich nach 1921.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    „Talentvoll u. fleißig. Sie absolvirte den einfachen u. doppelten Contrapunct, die einfache und Doppelfuge. Zuletzt versuchte sie sich auch in der freien Composition. Wohlgelungene Präludien und Fugen, desgleichen eine Sonate für Clavier machen der jungen Dame alle Ehre.“


    (Wilhelm Rust im Zeugnis Clara Blauhuths vom 30. März 1885, Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 3. Zeugnisse)


    Profil

    Die Pianistin, Komponistin und Musikpädagogin Jenny Blauhuth stammte aus einer Leipziger Kaufmannsfamilie. Sie wurde zunächst am bekannten Zschocherschen Musikinstitut in Leipzig in Klavier ausgebildet und studierte von 1882 bis 1885 am Leipziger Konservatorium Klavier bei Carl Reinecke und Johannes Weidenbach sowie Musiktheorie und Komposition bei Wilhelm Rust.

    Nach Beendigung ihres Studiums wurde sie als Klavierlehrerin an das Großherzogliche Konservatorium in Karlsruhe berufen, kehrte jedoch bereits nach zwei Jahren nach Leipzig zurück. Dort ließ sie sich privat als Musikpädagogin nieder und war 1921 Vorsitzende des Vereins Leipziger Musiklehrerinnen.

    Orte und Länder

    Jenny Blauhuth wurde 1862 in Leipzig geboren und studierte am dortigen Konservatorium Klavier. Ab 1885 arbeitete sie als Klavierlehrerin am Großherzoglichen Konservatorium für Musik in Karlsruhe, kehrte jedoch bereits 1887 nach Leipzig zurück und ließ sich dort als Musikpädagogin nieder. Im Jahr 1921 lebte Jenny Blauhuth nach wie vor in Leipzig.

    Biografie

    Jenny Blauhuth wurde am 30. April 1862 in Leipzig als Tochter von Ferdinand Blauhuth, einem Leipziger Kaufmann, geboren. Ihre erste musikalische Ausbildung in Klavier und Musiktheorie erhielt sie von 1871 bis 1882 am renommierten Zschocherschen Musikinstitut in Leipzig. Von April 1882 bis März 1885 studierte Jenny Blauhuth am Leipziger Königlichen Konservatorium der Musik Klavier bei Carl Reinecke und Johannes Weidenbach sowie Musiktheorie bzw. Komposition bei Wilhelm Rust (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 1. Inskriptionsregister, A I. 2. Inskriptionen und A I. 3. Zeugnisse, Jenny Blauhuth). Dabei trat sie regelmäßig in den so genannten „Abendunterhaltungen“ und in anderen Konzertveranstaltungen des Konservatoriums als Pianistin auf. (Ihre Schwester Clara Blauhuth studierte zwischen 1879 und 1885 ebenfalls am Leipziger Konservatorium Klavier. Die Benennung „Frl. Blauhuth“ ist daher nicht eindeutig zuzuweisen; im Folgenden sind nur eindeutige Auftritte Jenny Blauhuths benannt.) In den öffentlichen Hauptprüfungen, die in der Regel im Leipziger Gewandhaus unter Anwesenheit der Presse stattfanden, spielte Jenny Blauhuth im ersten Jahr, am 16. April 1883, den ersten Satz aus Ludwig van Beethovens Klavierkonzert C-Dur (op. 15) (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A. III. 1 Konzertprogramme) und wurde vom Rezensenten des „Musikalischen Wochenblatts“ für ihren „accuraten und fliessenden Vortrag“ gelobt („Musikalisches Wochenblatt vom 26. April 1883, S. 228f.; vgl. auch „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 4. Mai 1883, S. 214). Ein Jahr später, am 5. Mai 1884, spielte sie Felix Mendelssohn Bartholdys „Serenade und Allegro giojoso“ D-Dur (op. 43) und gab bei ihrer letzten Prüfung am 29. April 1885 Ludwig van Beethovens Klavierkonzert G-Dur (op. 58) mit den Kadenzen von Clara Schumann (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A. III. 1 Konzertprogramme). Bereits am 30. März 1885 hatte Jenny Blauhuth vom Leipziger Konservatorium das „Lehrer-Zeugniss“ erhalten. Darin schrieb Johannes Weidenbach über ihr Klavierstudium: „Frl. B. war sehr fleißig und strebsam und erwarb sich einen recht anerkennenswerthen Grad technischer wie musikalischer Leistungsfähigkeit“, und Carl Reinecke urteilte: „Frl. Blauhuth ist eine tüchtige, namentlich auch musikalische Spielerin geworden.“ Als zuletzt studierte Werke werden genannt: Joseph Gabriel Rheinbergers Violinsonate Es-Dur (op. 77), Ludwig van Beethovens Klavierkonzert G-Dur und seine Variationen c-Moll (WoO 80), ein Nocturne G-Dur von Frédéric Chopin, Philipp Scharwenkas Novelette f-Moll (op. 22) sowie Präludien und Fugen aus Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“. Auch Jenny Blauhuths musiktheoretische und kompositorische Fähigkeiten – die sie auch später unter Beweis stellte (s. u.) – wurden hervorgehoben. Wilhelm Rust schrieb in ihrem Zeugnis: „Talentvoll u. fleißig. Sie absolvirte den einfachen u. doppelten Contrapunct, die einfache und Doppelfuge. Zuletzt versuchte sie sich auch in der freien Composition. Wohlgelungene Präludien und Fugen, desgleichen eine Sonate für Clavier machen der jungen Dame alle Ehre.“ (alle Zitate: Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 3. Zeugnisse, Jenny Blauhuth)


    Nach Beendigung ihres Studiums in Leipzig folgte Jenny Blauhuth zunächst einem Ruf an das Großherzogliche Konservatorium für Musik in Karlsruhe und arbeitete dort von 1885 bis 1887 als Klavierlehrerin (vgl. Morsch 1893, S. 58). Im Jahr 1887 kehrte sie nach Leipzig zurück und nahm ergänzend zu ihrem Klavierstudium Privatunterricht in Gesang bei der Leipziger Sängerin Marie Unger-Haupt. Parallel konnte sie sich privat als Musikpädagogin etablieren und blieb in den folgenden Jahrzehnten als Klavier- und Gesangslehrerin im Leipziger Musikleben präsent. Noch 1910 lebte sie in der Albertstr. 52 und inserierte in Fachzeitschriften als „Musikpädagogin (Klavier und Gesang)“ (vgl. z. B. „Musikalisches Wochenblatt“ 1910, S. 455). Zudem war sie 1921 Vorsitzende des Vereins Leipziger Musiklehrerinnen (vgl. „Musikpädagogische Blätter“ 1921, S. 16 und S. 104).


    Ab dem Jahr 1887 erschienen mehrere Klavierkompositionen von Jenny Blauhuth in den Verlagen Alfred Dörffel (Leipzig) und Ries & Erler (Berlin), darunter das „Lied ohne Worte“ op. 1, die Serenata op. 2 sowie das Fantasiestück „Frühlingserwachen“ op. 3. Bereits Ende der 1880er Jahre wurde Jenny Blauhuth als Komponistin angesehen: Im Jahr 1888 wurde sie von Alfred Michaelis in dessen Lexikon „Frauen als schaffende Tonkünstler“ aufgenommen, und die Musikschriftstellerin Anna Morsch widmete ihr 1893 in ihrem Buch „Deutschlands Tonkünstlerinnen“ ebenfalls einen eigenen Artikel im Abschnitt „Komponistinnen und Musikschriftstellerinnen“ (vgl. Michaelis 1888; Morsch 1893). Mit Drucken ihrer Werke war Jenny Blauhuth zudem bei der Leipziger Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914 vertreten. Ausgestellt wurden Klavierstücke (5 Hefte) und Lieder (3 Hefte), beides erschienen bei D. F. Tiefenbach in Leipzig (vgl. Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik 1914, S. 40). Auf weitere Kompositionen, darunter auch mehrere Lieder, wies Anna Morsch hin: „Eine Anzahl Lieder und weitere Klavierstücke harren des Druckes und es wäre zu wünschen, daß die begabte Autorin sie bald der Öffentlichkeit übergäbe.“ (Morsch 1893, S. 59) Neben Kompositionen ist auch eine Edition von Jenny Blauhuth bekannt: 1908 erschien bei Tiefenbach in Leipzig eine von ihr revidierte Ausgabe von Ludwig van Beethovens Präludium f-moll (op. 29) (vgl. Beethovenjahrbuch 2 [1909], S. 358).


    Der weitere Lebensweg von Jenny Blauhuth sowie Sterbedatum und -ort sind bislang nicht bekannt.

    Würdigung

    Jenny Blauhuth erhielt am Zschocherschen Institut in Leipzig sowie am dortigen Konservatorium eine hervorragende musikalische Ausbildung und ließ sich ab 1887 als Musikpädagogin in Leipzig nieder. Sie konnte sich in diesem Beruf über mehrere Jahrzehnte behaupten und verdiente damit vermutlich selbständig ihren Lebensunterhalt.

    Rezeption

    Eine Rezeption der Tätigkeiten Jenny Blauhuths findet derzeit (Februar 2009) nicht statt (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Werkverzeichnis

    Kompositionen


    Die Kompositionen von Jenny Blauhuth werden in zeitgenössischen Publikationen erwähnt, sind jedoch bislang in den internationalen Bibliothekskatalogen nicht nachzuweisen.


    Präludien und Fugen (Studienarbeit)


    Sonate für Klavier (Studienarbeit)


    Lied ohne Worte für Klavier, op. 1 (Leipzig: Dörffel, 1887)


    Serenata für Klavier, op. 2 (Leipzig: Dörffel, vor 1888)


    Frühlingserwachen (Phantasiestück) für Klavier, op. 3 (Leipzig: Dörffel, vor 1888; 3. Auflage Leipzig: Tiefenbach, o. J.)


    Lieder (Titel unbekannt; Leipzig: Tiefenbach, o. J., vor 1914)


    Anna Morsch erwähnt weitere ungedruckte Lieder und Klavierstücke (Morsch 1893, S. 58).



    Editionen


    Beethoven, Ludwig van. Präludium f-Moll, op. 29, rev. von J. Blauhuth. Leipzig: Tiefenbach, ca. 1908.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Jenny Blauhuth kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Zu den von ihr gespielten Werken gehörten u. a.:


    Bach, Johann Sebastian. Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier, BWV 846-893 (keine Präzisierung möglich)

    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert C-Dur op. 15

    Beethoven, Ludwig van. Klavierkonzert G-Dur, op. 58

    Beethoven, Ludwig van. 32 Variationen c-Moll, WoO 80

    Chopin, Frédéric. Nocturne G-Dur (keine Präzisierung möglich)

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Serenade und Allegro giojoso D-Dur für Klavier und Orchester, op. 43.

    Rheinberger, Joseph Gabriel. Sonate Es-Dur für Violine und Klavier, op. 77.

    Scharwenka, Philipp. Novelette f-Moll für Klavier, op. 22

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Sign. A I. 1. Inskriptionsregister, A I. 2. Inskriptionen und A I. 3. Zeugnisse, Jenny Blauhuth



    Literatur


    Beethovenjahrbuch 2 (1909). Theodor von Frimmel (Hg.). München und Leipzig: Georg Müller, 1909.


    Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik: Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig, 1914.


    Elson, Arthur. Women’s Work in Music. Boston: L. C. Page & Company, 1903.


    Michaelis, Alfred. Frauen als schaffende Tonkünstler. Ein biographisches Lexikon. Leipzig: A. Michaelis, 1888.


    Morsch, Anna. Deutschlands Tonkünstlerinnen. Biographische Skizzen aus der Gegenwart. Berlin: Stern & Ollendorff, 1893.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Musikalisches Wochenblatt vom 26. April 1883, S. 228f.

    Musikalisches Wochenblatt 42 (1910), S. 455.

    Musikpädagogische Blätter, 1921, S. 16 und 104.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 4. Mai 1883, S. 214.


    Links


    http://www.hofmeister.rhul.ac.uk

    Die Datenbank Hofmeister XIX, in der die Hofmeisterschen Musikalienkataloge des 19. Jahrhunderts erfasst sind, verzeichnet den Druck von Jenny Blauhuths „Lied ohne Worte“ op. 1.

    Forschung

    Jenny Blauhuths jüngere Schwester Clara Blauhuth (geb. am 5. Mai 1865) studierte ebenfalls am Leipziger Konservatorium Klavier bei Salomon Jadassohn. Sie war dort vom 18. April 1879 bis zum 30. Juni 1885 eingeschrieben. Über ihren Lebensweg nach dem Studium ist nichts bekannt.


    Zu Jenny Blauhuth liegen derzeit (Februar 2009) keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Jenny Blauhuth umfasst sowohl ihre Biografie als auch alle ihre Tätigkeitsbereiche.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 48768267
    Library of Congress (LCCN): no00028469

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 29. April 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 20.05.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Jenny Blauhuth“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 20.5.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Jenny_Blauhuth