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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Jenny Adler
    Lebensdaten:
    geb. in Hamburg, Deutschland
    gest. unbekannt

    Sterbedatum, -jahr und -ort von Jenny Adler sind derzeit nicht bekannt.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Musikpädagogin
    Charakterisierender Satz:

    „[...] in dem Vortrage der Improvisation über das französische Volkslied ‚La belle Griseldis‘ für 2 Klaviere von Reinecke [haben wir] eine vorzügliche Leistung zu verzeichnen. Das Stück wurde von Fräul. Clara Blauhuth aus Leipzig und Fräul. Jenny Adler aus Hamburg wirklich ganz vollendet schön zum Vortrag gebracht. Die Damen behandelten eine jede ihre Stimme mit [...] Reinheit und Klarheit“.


    („Musikalisches Centralblatt“, Jg. 3 [1883], S. 111)


    Profil

    Jenny Adler studierte von 1880 bis 1885 Klavier bei Salomon Jadassohn am Leipziger Konservatorium der Musik und erhielt während ihres Studiums zweimal ein so genanntes „Lehrer-Zeugniss“. Soweit bislang ersichtlich, trat sie nach Beendigung ihres Studiums nicht mehr öffentlich auf.

    Orte und Länder

    Jenny Adler wurde in Hamburg geboren und erhielt am dortigen Konservatorium ihre erste musikalische Ausbildung. Von 1880 bis 1885 studierte sie am Leipziger Konservatorium der Musik.

    Biografie

    Jenny Adler wurde am 20. November 1863 als Tochter von Elkan Adler, einem Kaufmann, und seiner Frau in Hamburg geboren. Sie erhielt am Hamburger Konservatorium ihre erste musikalische Ausbildung und wurde dabei in Klavier, Gesang und Musiktheorie unterrichtet. Zu ihren Hamburger Lehrern gehörten der Pianist Karl von Holten, der bei Ignaz Moscheles in Leipzig studiert hatte, der Sänger Ludwig Prohaska und der Komponist und Musiktheoretiker Karl Grädener (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. A I. 2. Inskriptionen, Matrikelnummer 3270: Jenny Adler).


    Vom 20. Oktober 1880 bis Ostern 1885 studierte Jenny Adler Klavier bei Salomon Jadassohn am Leipziger Konservatorium der Musik und wurde außerdem von Julius Lammers in Musiktheorie und Komposition und von Carl Reinecke in Ensemblespiel unterrichtet; zusätzlich hörte sie Vorträge über Musikgeschichte und -ästhetik bei Oscar Paul. Während ihrer Studienzeit erhielt Jenny Adler zweimal ein Lehrer-Zeugnis des Leipziger Konservatoriums: am 4. November 1882 und am 25. März 1885. Im ersten Zeugnis schrieb Salomon Jadassohn über seine Klavierstudentin, sie habe „ausgezeichnete Anlagen“ und sei in „Fleiß und Fortschritten vorzüglich“. Im zweiten Zeugnis vermerkte er: „Sehr fleißig, trefflich begabt“ und notierte als Studieninhalte die Klavierkonzerte f-moll (op. 21) von Frédéric Chopin und g-Moll (op. 58) von Ignaz Moscheles. Das Klavierkonzert g-Moll von Ignaz Moscheles spielte Jenny Adler auch in der öffentlichen Hauptprüfung des Konservatoriums am 24. März 1885, und die „Neue Zeitschrift für Musik“ urteilte: „Fräul. Jenny Adler aus Hamburg befriedigte im Ganzen genommen mit dem Vortrage des Gmoll-Concertes (erster Satz) für Pianoforte von Moscheles. Trotz einiger Uebereilungen im Tempo erhielt sie dennoch recht wohlwollenden Beifall.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 24. April 1885, S. 183; vgl. auch „Musikalisches Wochenblatt“ 16 [1885], S. 268) Auch Julius Lammers als Lehrer im Fach Musiktheorie und Komposition zeigte sich zufrieden. Im Zeugnis von 1882 schrieb er, Jenny Adler sei „sehr fleißig und strebsam“ und habe „vorzügliche Fortschritte gemacht“, und 1885 hieß es: „Frl. A. zeigte im Ganzen ein gutes Streben, und hat sich dieselbe im Laufe der Zeit mannigfache Kenntnisse u. Fertigkeiten in der Theorie erworben“ (alle Zeugniszitate: Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. A I. 3. Zeugnisse, Matrikelnummer 3270: Jenny Adler).


    Auch abseits der üblichen Hauptprüfungen trat Jenny Adler während ihres Studiums öffentlich auf. Dabei bildete sie mehrmals gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Clara Blauhuth ein Klavierduo, das häufiger Kompositionen von Lehrenden des Leipziger Konservatoriums aufführte. So spielten die beiden z. B. im Februar 1881 bei einer der Abendunterhaltungen des Konservatoriums Salomon Jadassohns „Ballettmusik in sechs Kanons für Klavier zu vier Händen“ (vgl. „Musikalisches Wochenblatt“ vom 17. Februar 1881, S. 96) und gaben am 16. September 1881 die „12 Walzer für Pianoforte zu 4 Händen“ von Alois Reckendorf, wiederum in einer der Abendunterhaltungen des Konservatoriums (vgl. Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. A III. 1.4 Abendunterhaltungen). Auch traten sie bei einem der Jubiläumskonzerte, die 1883 zum 40-jährigen Bestehen des Leipziger Konservatoriums im Gewandhaus stattfanden, gemeinsam auf. Dabei spielten sie die „Improvisata für 2 Pianoforte’s über ein französisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert“ (über „La belle Griseldis“) von Carl Reinecke (vgl. Kneschke 1893, S. 49). Das „Musicalische Centralblatt“ schrieb über die Ausführung: „[...] in dem Vortrage der Improvisation über das französische Volkslied ‚La belle Griseldis‘ für 2 Klaviere von Reinecke [haben wir] eine vorzügliche Leistung zu verzeichnen. Das Stück wurde von Fräul. Clara Blauhuth aus Leipzig und Fräul. Jenny Adler aus Hamburg wirklich ganz vollendet schön zum Vortrag gebracht. Die Damen behandelten eine jede ihre Stimme mit [...] Reinheit und Klarheit“ („Musikalisches Centralblatt“ 3 [1883], S. 111).

    Soweit bislang ersichtlich trat Jenny Adler nach ihrem Studium nicht mehr öffentlich auf. Ihr weiterer Lebensweg ist unbekannt.

    Würdigung

    Eine Würdigung der Tätigkeiten von Jenny Adler ist erst nach weiteren Forschungen möglich.

    Rezeption

    Die Tätigkeiten Jenny Adlers werden derzeit nicht rezipiert (zur zeitgenössischen Rezeption vgl. Biografie).

    Repertoire

    Eine Repertoireliste von Jenny Adler kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Zu den von ihr einstudierten Werken gehören die Klavierkonzerte f-moll (op. 21) von Frédéric Chopin und g-Moll (op. 58) von Ignaz Moscheles sowie mehrere Werke für zwei Klaviere bzw. Klavier vierhändig, darunter zwei Werke von Lehrenden des Leipziger Konservatoriums: die „12 Walzer für Pianoforte zu 4 Händen“ von Alois Reckendorf und Carl Reineckes „La belle Griseldis. Improvisata für 2 Pianoforte’s über ein französisches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert“.

    Quellen

    Dokumente


    Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Matrikelnummer 3270: Jenny Adler. A I. 1. Inskriptionsregister; A I. 2. Inskriptionen; A I. 3. Zeugnisse.


    Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. A III. 1.4. „Abendunterhaltungen im Königl. Conservatorium der Musik, welche in der Zeit vom: 1ten Januar 1877 – 9. März 1883 abgehalten worden sind“.



    Literatur


    Kneschke, Emil. Das Königliche Konservatorium der Musik zu Leipzig. 1843-1893. Leipzig, New York: Internationale Verlags- und Kunstanstalt, 1893.



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    Neue Zeitschrift für Musik vom 24. April 1885, S. 183.


    Musikalisches Centralblatt 3 (1883), S. 111.


    Musikalisches Wochenblatt 12 (1881), S. 96.

    Musikalisches Wochenblatt 16 (1885), S. 268.

    Forschung

    Zu Jenny Adler liegen keine weiteren Forschungsinformationen vor.

    Forschungsbedarf

    Biografie und Tätigkeiten von Jenny Adler wären besonders im Hinblick auf Lebenswege von Frauen im Musikleben des 19. Jahrhunderts in Deutschland interessant, ein Thema, das sich anhand der vergleichsweise vollständig erhaltenen Unterlagen des Leipziger Konservatoriums bearbeiten ließe. Vgl. hierzu z. B. die Artikel Clara Blauhuth, Jenny Blauhuth, Dora Schirmacher, Geraldine Morgan und Doris Böhme.

    Autor/innen

    Silke Wenzel, 4. November 2009


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back
    Zuerst eingegeben am 09.11.2009


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Jenny Adler“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 9.11.2009.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Jenny_Adler