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  • Jelena Gnessina

    von Marina Lobanova
    Jelena Fabianowna Gnessina
    Namen:
    Jelena Gnessina (orig.: Елена Фабиановна Гнесина)
    Lebensdaten:
    geb. in Rostow am Don, Russland
    gest. in Moskau, Russland

    Das Geburtsdatum ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen; zuweilen findet sich das von offiziellen Dokumenten abweichende Geburtsdatum: 20. (18.) Mai 1872.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Kammermusikerin, Klavierbegleiterin, Pädagogin, Komponistin
    Charakterisierender Satz:

    «К ученикам она относилась с исключительной требовательностью, настойчивостью. От ее опытного слуха не ускользала ни одна мелочью Она никогда не считалась со временем, когда речь шла о достижении художественных результатов. Она воспитывала своих учеников по фортепианному классу в лучших традициях русской пианистической школы»


    „Sie behandelte ihre Schüler extrem anspruchsvoll und nachdrücklich. Ihrem feinen Gehör entging keine Einzelheit. Es war für sie egal, wie viel Zeit sie brauchte, wenn es sich um künstlerische Ergebnisse handelte. Sie unterrichtete ihre Klavierschüler nach besten Traditionen der russischen pianistischen Schule.“


    (Aram Chatschaturjan. „E. F. Gnesina“. In: Elena Fabianovna Gnesina. Vospominanija sovremennikov (Elena Fabianovna Gnessina. Erinnerungen von Zeitgenossen). Hg. von M. Ė. Rittich. Moskau 1982, S. 79.)


    Profil

    Jelena Fabianowna Gnessina war Mitbegründerin einer der bedeutendsten Musikschulen und Konservatorien Russlands bzw. der Sowjetunion und hatte mit ihrer Lehrmethode großen Einfluss auf die Musikpädagogik.

    Biografie

    Jelena Fabianowna Gnessina wurde am 30. (18.) Mai 1874 (anders lautend 1872) als zweites von insgesamt 12 Kindern in Rostow am Don geboren. Ihr Vater, Fabian Ossipowitsch Gnessin, war Rabbiner, die Mutter, Bella Issajewna Gnessina, geb. Fletsinger, studierte Klavier bei Stanisław Moniuszko und hatte eine schöne Stimme. Ihre musikalische Karriere gab sie zugunsten der Familie auf. Sieben der Kinder der Eheleute Gnessin wurden professionelle Musiker: Jewgenia (nach der Heirat: Sawina-Gnessina, 1870–1940), Jelena, Jelisaweta (nach der Heirat: Witatschek-Gnessina, 1879–1953), Olga (nach der Heirat: Alexandrowa-Gnessina, 1881–1963), Maria (vermutlich 1874 oder später–1918), Michail (1883–1957) und Grigori (1885–1937).


    Anfänglich erhielten die Geschwister in Rostow am Don Unterricht von Hauslehrern, später zog die Familie zur Fortsetzung der Ausbildung nach Moskau. Die älteste Schwester Jelena Gnessinas, Jewgenia, begann als Vierzehnjährige ihr Studium am Moskauer Konservatorium; 1886 kam Jelena Gnessina nach Moskau, wo sie ebenfalls am Konservatorium Klavier studierte. Ihre Lehrer waren Eduard Leopoldowitsch Langer, Wassili Iljitsch Safonow (1852–1918), Ferruccio Busoni und Pawel Juljewitsch Schloezer, der Onkel der zukünftigen Frau Alexander Skrjabins, Tatjana Fjodorowna Schloezer. Etwas später traten auch die jüngeren Schwestern Maria und Jelisaweta ins Moskauer Konservatorium ein. Zu den Lehrern von Jewgenia und Jelena gehörten weiterhin Nikolaj Dmitrijewitsch Kaschkin, Anton Stepanowitsch Arenski, Sergei Iwanowitsch Tanejew, der Jewgenia Gnessina in Komposition unterrichtete. Unter ihren Mitschülern waren Alexander Borissowitsch Goldenweiser, Nikolai Karlowitsch Medtner, Reingold Morizewitsch Glier, Alexander Tichonowitsch Gretschaninow sowie Sergej Wassiljewitsch Rachmaninow und Alexander Nikolajewitsch Skrjabin. Mit letzteren beiden blieben die Geschwister Gnessin auch nach Beendigung ihrer Ausbildung am Konservatorium befreundet.


    Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1891 hatte die Familie mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Unterstützung erhielt Jelena Gnessina durch die Dozenten des Konservatoriums, die ihr eine Stelle als Musiklehrerin am Moskauer Arssenjew-Gymnasium vermittelten. 1893 schloss sie das Konservatorium mit der Silbermedaille ab und begann ihre Konzerttätigkeit als Pianistin, Kammermusikerin und Klavierbegleiterin der berühmten Sänger Leonid Witaljewitsch Sobinow und Pawel Akinfijewitsch Chochlow. Jewgenia Gnessina verdiente ihren Lebensunterhalt, indem sie einen literatur- und theaterliebenden Kreis um den jungen Kaufmannssohn Konstantin Sergejewitsch Alexejew und den zukünftigen berühmten Theaterregisseur, Schauspieler und Begründer des Moskauer Künstlerischen Theaters, Konstantin Stanislawski, in Musiktheorie unterrichtete.


    Bald trafen die Schwestern die Entscheidung, eine eigene Musikschule zu gründen. Bei ihrem Vorhaben halfen ihnen wiederum ihre Konservatoriumslehrer, indem sie für die entsprechenden behördlichen Genehmigungen sorgten. Am 15. Februar 1895 wurde mit Unterstützung des Mäzens Alexander Pawlowitsch Kawerin in Moskau die „Fachschule der Schwestern Je. und M. Gnessin“ („Училище сестёр Е. и М. Гнесиных“) eröffnet. („Je“ stand für Jelena und Jewgenia, „M“ für Maria).


    Bei der Gründung und Verwaltung des Familienunternehmens zeigte Jelena Gnessina eine außerordentlich große Willensstärke, Durchsetzungskraft und große organisatorische Fähigkeiten. Sie wirkte von Anfang an als geschickte Managerin der Schule.

    1901 kam nach ihrem Konservatoriumsabschluss auch Jelisaweta Gnessina hinzu, die eine Violine-Klasse leitete. Zu den ersten Absolventen der Gnessin Fachschule gehörte die jüngste der Gnessin-Schwestern, Olga, die bei Jelena Gnessina Klavier studierte und nach ihrem Abschluss ebenfalls an der Fachschule zu unterrichten begann. Neben Klavier und Violine wurden auch Musiktheorie, Chorgesang und Chorleitung sowie kammermusikalisches Spiel von den Schwestern unterrichtet. Jelena Gnessina unterrichtete Klavier, Klaviermethodik sowie Chorgesang; Jewgenia unterrichtete Klavier und Gehörbildung, Jelisaweta leitete die Klassen für Violine und Kammermusik, später unterrichtete sie auch Gehörbildung.

    Bald genoss die Schule einen exzellenten Ruf, so dass die Schwestern den wachsenden Bedarf alleine nicht mehr bewältigen konnten. Sie versuchten daher, führende professionelle Dozenten zu gewinnen. Zu den ersten Mitarbeitern der Gnessin-Schule gehörten die Komponisten Reingold Morizewitsch Glier, Alexander Tichonowitsch Gretschaninow sowie die Schülerin von Alexander Skrjabin, die Pianistin Jelena Alexandrowna Bekman-Schtscherbina. 1902 mieteten die Gnessins ein kleines Haus auf dem Sobatschja plotschschadka im Zentrum Moskaus, in dem fortan über ein halbes Jahrhundert lang die Schule untergebracht war.


    Die Gnessin-Musikschule vereinte die Atmosphäre eines gemütlichen Privathauses mit der einer streng geregelten und höchst effizienten Musikanstalt. Die Schüler und Schülerinnen genossen eine strenge, wenngleich auch liebevolle Erziehung, die geprägt war von Verantwortung, Disziplin und Ordnung. Die Fachschule wurde zu einem wichtigen Zentrum des kulturellen Lebens Moskaus und die Konzerte, in denen die Schüler und Schülerinnen der Gnessin Schule auftraten, wurden zum Anziehungspunkt der Moskauer „Intelligentsia“. Unglücklicherweise fiel das Haus - wie andere historische Denkmäler Moskaus auch – den städtebaulichen Maßnahmen der Nachkriegszeit zum Opfer.


    Trotz des Verlustes der früh verstorbenen Maria Gnessina (1917) wurde der Unterricht in den Jahren nach der Oktoberrevolution fortgesetzt. 1919 wurde die Schule in eine staatliche Musikfachschule („Государственная музыкальная школа“) und 1925 schließlich in das „Staatliche Gnessin-Musiktechnikum“ („Государственный музыкальный техникум имени Гнесиных“) umgewandelt. Ein Teil dieser Schule wirkte als Kindermusikschule fort.

    1923 begann auch der Bruder Jelena Gnessins, Michail Fabianowitsch Gnessin, an der Musikfachschule zu unterrichten. Er hatte ein Kompositionsstudium absolviert und war einer der besten Schüler von Anatoli Konstantinowitsch Ljadow und Nikolaj Andrejewitsch Rimski-Korsakow. Einer seiner engsten Freunde war der Komponist Wsewolod Meyerhold. Michail Gnessin war nicht nur ein ausgezeichneter Pädagoge, sondern hatte auch sehr gute organisatorische Fähigkeiten. An der Gnessin Schule baute er eine Abteilung für Komposition und Musiktheorie auf und führte das Fach „Freie Komposition“ ein, das er neben Harmonielehre unterrichtete. Später gründete er eine Musikfachschule und war Mitbegründer des Don-Konservatoriums in Rostow am Don. Außerdem gehörte er zu den führenden Mitgliedern der ASM (Assoziation Zeitgenössischer Musik) und der Jüdischen Musikgesellschaft.


    In den 1920er Jahren gelang es Jelena Gnessin, die Schule vor den ideologischen Angriffen und Verfolgungen der sogenannten „proletarischen Musi¬ker" zu bewahren. Insbesondere mussten sich die Gnessins gegen die Anfeindungen der Vertreter der RAPM [Rossijskaja associacija proletarskich muzykantov = Russische Assoziation Proletarischer Musiker] und Prokoll [Proizvodstvennyj kollektiv studentov Moskovskoj konservatorii = Produktionskollektiv der Studenten am Moskauer Konservatorium] zur Wehr setzen, die ihnen vorwarfen, „apolitische“, „volksfeindliche“ und „formalistische“ Tendenzen zu unterstützen. So nahmen sie die professionellen Fähigkeiten und gründliche Fachausbildung der Lehrer zum Anlass, die Musikschule als „ideologisch feindlich“ einzustufen, und denunzierten Michail Gnessin. Als einer von wenigen Tonkünstlern leistete er in den 1930er Jahren heftigen Widerstand gegen die „proletarischen Musiker" und wurde schließlich Opfer der ideologischen Hetzjagd im „Kampf gegen den Forma-lismus". Zur selben Zeit wurde Michail Gnessin von den „proletarischen Musikern“ als „Zionist“ und „Antisemit“ angegriffen. (vgl. Marina Lobanova. Michail Gnessin und die „proletarischen Musiker“ [aus der Geschichte einer Konfrontation]. In: „Samuel“ Goldenberg und „Schmulye“. Jüdisches und Antisemitisches in der russischen Musikkultur [= studia slavica musicologica, Bd. 27], hg. von E. Kuhn, J. Nemtsov und A. Wehrmeyer. Berlin 2003, S. 105–118)

    Mit außerordentlicher Durchsetzungskraft konnte sich Jelena Gnessina der Übergriffe seitens der offiziellen Ideologen erwehren und verweigerte den „proletarischen Musikern“ jeglichen Zugang zu ihrer Schule, der unweigerlich eine Zerstörung ihrer Schule bedeutet hätte. (vgl. Pavel Kozlov. Elena Fabianovna. In: Elena Fabianovna Gnesina. Vospomi¬nanija sovremennikov (Elena Fabianovna Gnessina. Erinnerungen von Zeitgenossen), hg. von M. Ė. Rittich. Moskau 1982, S. 95).


    Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg brachte neue schwere Verluste für die Familie Gnessin: 1937 wurde Grigori Gnessin, der in Leningrad als Sänger und Autor von Radiosendungen tätig war, verhaftet und erschossen und im Jahr 1940 verstarb die ältere Schwester Jewgenia Fabianowna Gnessina.

    Im Oktober 1941 wurde der Musikunterricht an der Musikfachschule – wie an allen anderen Lehranstalten Moskaus – aufgrund des Krieges eingestellt und die Gnessin-Geschwister wurden nach Swerdlowsk (heute Ekaterinburg) und Joschkar-Ola (die heutige Hauptstadt der autonomen Republik Mari) evakuiert. Jelena Gnessina ging als Letzte der Geschwister nach Kasan (in der heutigen Republik Tatarstan, ca. 800 km von Moskau entfernt), wo sie an der dortigen Musikschule unterrichtete. Entgegen offizieller Verordnungen nahmen die in Moskau verbliebenen Lehrer der Gnessin Schule ab dem 17. November 1941 den Musikunterricht wieder auf und am 21. Januar 1942 kehrte auch Jelena Fabianowna Gnessina wieder nach Moskau zurück. Ihre organisatorischen Fähigkeiten waren in der schwierigen Zeit des Krieges gefragter denn je; neben dem Unterricht kümmerte sie sich um die alltägliche Versorgung der Lehrer und Schüler. Ab 1942 konnte sogar ein weiteres Schulgebäude errichtet und entgegen allseitigem Widerstand im Jahr 1944 die Gründung einer zweiten Moskauer Hochschule für Musik durchgesetzt werden („Musikpädagogisches Gnessins-Institut“, seit 1992 „Russische Gnessins-Musikakademie“).

    Jelena Gnessina, die ab 1943 den Professoren-Titel trug, wurde erste Direktorin des Instituts, das sie bis 1953 leitete. Es gelang ihr, die schlimmsten Folgen des seitens des Staates geführten „Kampfes gegen den Kosmopolitismus“, der die Familie Gnessin in besonderer Härte traf, zu verhindern. Als die Schule 1953 von der Schließung bedroht war, gab Jelena Gnessina ihre Funktion als Direktorin des Gnessins-Instituts auf und setzte ihren ehemaligen Schüler, den Dirigenten Juri Wladimirowitsch Muromzew (1908-1975), dessen Nationalität und Parteizugehörigkeit keine behördlichen Zweifel aufkommen ließen, als Direktor ein. Sie selbst wirkte von 1953 bis 1967 als künstlerische Leiterin des Instituts weiter; zwischen 1944 und 1958 leitete sie als Professorin den Lehrstuhl für Klavier.


    Seit Mitte der 1950er Jahre litt sie an schweren Krankheiten, infolge dessen sie sich nur noch im Rollstuhl oder mit Krücken bewegen konnte. Trotz allem behielt sie bis zuletzt ihren Tatendrang. Jelena Gnessina starb am 4. Juni 1967 und wurde auf dem Nowodewitschje Friedhof neben ihren Schwestern und dem Bruder Michail begraben.

    Würdigung

    Jelena Gnessina war eine herausragende Pianistin, Vertreterin der berühmten russischen Pianisten-Schule und eine der bedeutendsten russischen Klavierprofessorinnen.

    Dank ihrer organisatorischen Fähigkeiten und durch die Unterstützung ihrer Schwestern und des Bruders entstand ein ganzer Komplex musikalischer Ausbildungsstätten: ein Institut, eine Musikfachschule mit vierjähriger Ausbildung, eine Kindermusikschule mit siebenjähriger Ausbildung sowie eine spezielle Musikfachschule mit zehnjähriger Ausbildung und Abiturabschluss.


    Besonderen Wert legte sie auf eine konsequente frühkindliche Ausbildung, die technische Vervollkommnung sowie künstlerische Reifung sicherten. Zu diesen Zwecken verfasste Jelena Gnessina etliche pädagogische Lehrstücke für Klavier, die bis heute zu den Standardwerken der russischen pianistischen Fachliteratur gehörten.

    mehr zu Würdigung weniger zu Würdigung

    Jelena Gnessina gilt als Inbegriff moralischer Integrität und höchster Professionalität; sie bewahrte trotz aller politisch-ideologischen Umstände eine größtmögliche Unab-hängigkeit vom Regime. Besonderen Wert legte Jelena Gnessina auf die ästhetische und ethische Erziehung ihrer Schüler, darin unterschied sich ihre Musikfachschule von anderen Musikanstalten. Die Ausbildung in nicht-musikalischen Fächern an der speziellen Musikfachschule mit zehnjährigen Schulgang gehörten zu den besten Schulgängen Moskaus; der Abiturabschluss an jener Schule ließ Absolventen die Wahl zwischen einer weiteren Ausbildung an den erstklassigsten Konservatorien des Landes, im Gnessin-Institut oder an der Universität.


    Jelena Gnessinas Klaviermethodik prägte die professionelle Musikausbildung für Kinder und beeinflusste im besonderen Maße das Standardwerk der sowjetischen (russischen) Klavierausbildung, die „Schule des Klavierspiels“ [Škola fortepiannoj igry] von Alexander Alexandrowitsch Nikolajew, einem Schüler Jelena Gnessinas. (vgl. Aleksandr Nikolaev. Vsja eё žizn‘ kak trudovoj podvig [Ihr ganzes Leben war eine Arbeitsheldentat]. In: Elena Fabianovna Gnesina. Vospomi¬nanija sovremennikov (Elena Fabianovna Gnessina. Erinnerungen von Zeitgenossen), hg. von M. Ė. Rittich. Moskau 1982, S. 105)

    Rezeption

    Alle Mitarbeiter der Gnessin Schulen waren von den pädagogischen Fähigkeiten und der Überzeugungskraft Jelena Gnessinas fasziniert. Die Musikwissenschaftlerin Margarita Rittich beschrieb ihr Treffen im Jahre 1939 folgendermaßen:

    «[…] я оказалась перед высокой (как мне показалось) и поистине царственной дамой, шедшей мне навстречу. Голова ее в ореоле седых волос посажена гордо. Вся осанка правильна и красива, как бывает только у людей артистического мира. Она шла мне навстречу, радушно протянув руку, удивительно мягкую, нежную в своем прикосновении»

    ([…] ich sah eine große (so erschien mir) und echt majestätische Dame, die zu mir kam. Ihr stolz gehaltener Kopf war umgeben von einem Nimbus aus grauen Haaren. Die ganze Haltung war perfekt und schön, was nur Menschen der Kunstwelt eigen ist. Sie näherte sich mir und steckte mir freundlich ihre Hand entgegen, die meine erstaunlich mild und zart berührte“ (vgl. Margarita Rittich. O nastavnike i druge (Von der Lehrerin und Freundin). In: Elena Fabianovna Gnesina. Vospomi¬nanija sovremennikov (Elena Fabianovna Gnessina. Erinnerungen von Zeitgenossen). Hg. von M. Ė. Rittich. Moskau 1982, S. 17).

    Das Lebenswerk der Jelena Gnessina wurde von den bedeutendsten Musikern des Landes hoch geschätzt und eifrig unterstützt.

    Ihr zu Ehren ist 2004 ein Denkmal von Alexander Burganow eingeweiht worden, das vor dem Konzertsaal der Russischen Gnessins-Musikakademie steht.

    Quellen

    Klavierlehrwerke:


    Fortepiannaja azbuka [Das Klavier-ABC]


    Malen’kie ėtjudy dlja načinajuščich v četyrёch tetradjach [Kleine Etüden für Anfänger in vier Heften]

    Podgotovitel’nye upražnenija k različnym vidam fortepiannoj techniki [Vorbereitungsübungen zu verschiedenen Arten der Klaviertechnik]


    Tri p’esy [Drei Stücke]


    Miniatjury (11 programmnych p’es) [Miniaturen (11 programmatische Stücke)]


    Malen’kie p’esy [Kleine Stücke]


    Tema i šest‘ malen’kich variacij [Das Thema und sechs kleine Variationen]


    P’eski-kartinki [Kleine Stücke-Bilder]


    Miniatjury (9 p’es) [Miniaturen (9 Stücke)]


    Pervye šagi [Erste Schritte]


    Al’bom detskich p’es [Album der Kinderstücke]



    Lehrbuch für Gehörbildung:


    Muzykal’nye diktanty [Musikalische Diktate]. 1958. Diktant: so ist es auf russisch



    Schriften von Jelena Gnessina:


    Iz moich vospominanij [Aus meinen Erinnerungen]. In: Sovetskaja muzyka 1964, Nr. 5, S. 44-52.


    Ja čuvstvuju sebja objazannoj… [Ich fühle mich verpflichtet]. In: Muzykal’naja akademija 1998, Nr. 3-4, Bd. 1, S. 129-140.


    „Ja privykla žit‘ dolgo….“ Vospominanija. Pis’ma. Vystuplenija [„Ich bin daran gewöhnt, lang zu leben…“ Erinnerungen. Briefe. Auftritte]. Hg. von Vladimir V. Tropp. Moskau 2008.



    Sekundärliteratur:


    Agin, Michail Surenovič (Hg.): Vokal’nyj fakul‘tet RAM im. Gnesinych [Vokalfakultät an der Russischen Gnessins-Musikakademie]. Moskau 2001.

    Bulatova, Lina: Pedagogičeskie principy E. F. Gnesinoj [Pädagogische Prinzipien Je. F. Gnessinas]. Moskau 1976. Zweite, erweiterte Auflage: Tvorčeskoe nasledie E. F. Gnesinoj [Das schöpferische Erbe E. F. Gnessinas]. Moskau 1999.

    Dies. und Rittich, Margarita Ėduardovna, Širinjan, Rusanna Karpovna (Hg.): 50 let Rossijskoj akademii muzyki imeni Gnesinych. Stat’i. Vospominanija. Očerki [50 Jahre der Russischen Gnessins-Musikakademie. Aufsätze. Erinnerungen. Essays]. Magnitogorsk 1995.


    Dies.: Elena Fabianovna Gnesina. Vydajuščijsja dejatel’ otečestvennogo fortepiannogo iskusstva (Elena Fabianovna Gnessina. Eine herausragende Persönlichkeit der russischen Klavierkunst). Dissertation. Moskau 1994.


    Chatschaturjan, Aram: „E. F. Gnesina“. In: Elena Fabianovna Gnesina. Vospomi¬nanija sovremennikov (Elena Fabianovna Gnessina. Erinnerungen von Zeitgenossen). Hg. von M. Ė. Rittich. Moskau 1982


    Egorov, Boris Michajlovič: Fakul’tet narodnych instrumentov RAM im. Gnesinych [Fakultät für Volsinstrumente an der Russischen Gnessins-Musikakademie]. Moskau 2000.


    Ferman, Valentin Ėduardovič, Jurovskij, Aleksandr Naumovič, Kozlov, Pavel Gennad‘evič, Rjabkova, Lidija Ivanovna, Rozenšil’d, Konstantin Konstantinovič (Hg.): Pjat’desjat let Gosudarstvennogo muzykal’nogo učilišča imeni Gnesinych. 1895-1945 (50 Jah¬re Gnessins-Musikfachschule. 1895–1945. Moskau/Leningrad 1945.


    Gosudarstvennyj muzykal’no-pedagogičeskij institut imeni Gnesinych [Das Staatliche musikpädagogische Gnessins-Institut]. Moskau 1966; 2. Aufl. Moskau 1970.


    Lobanova, Marina: Artikel „Russland. III. Von der Oktoberrevolution bis zur Gegenwart“. In: MGG, Sachteil, Bd. 8, S. 718–742.


    Dies.: Artikel „Gnessin“ (Familie). In: MGG, Personenteil, Bd. 7, S. 1165–1167.


    Dies. und Kuhn Ernst (Hg.): „Ästhet, Protestler, Regimeopfer: das Schaffen von Alexander Lokschin im politisch-kulturellen Kontext der Sowjetzeit“. In: Ein unbekanntes Genie: Der Symphoniker Alexander Lokschin. Monographien -- Zeugnisse – Würdigungen. Berlin 2002.


    Dies.: „Samuel“ Goldenberg und „Schmulye“. Jüdisches und Antisemitisches in der russischen Musikkultur (= studia slavica musicologica, Bd. 27). Hg. von Ernst Kuhn, Jascha Nemtsov und Andreas Wehrmeyer. Berlin 2003, 163–186;


    Dies.: Schostakowitsch und die Folgen. Russische Musik zwischen Anpassung und Protest (= Schostakowitsch-Studien, Bd. 6). Hg. von Ernst Kuhn, Jascha Nemtsov und Andreas Wehrmeyer. Berlin 2003, S. 81–109.


    Dies.: Michail Gnessin und die „proletarischen Musiker“ (aus der Geschichte einer Konfrontation). In: „Samuel“ Goldenberg und „Schmulye“. Jüdisches und Antisemitisches in der russischen Musikkultur (= studia slavica musicologica, Bd. 27). Hg. von Ernst Kuhn, Jascha Nemtsov und Andreas Wehrmeyer. Berlin 2003, S. 105–118.


    Muzykal’noe učilišče E. i M. Gnesinych [Die Musikfachschule von E. und M. Gnessins]. Moskau 1905.


    Rittich, Margarita Ėduardovna: Elena Fabianovna Gnesina. Vospomi¬nanija sovremennikov (Jelena Fabianowna Gnessina. Erinnerungen von Zeitgenossen). Moskau 1982; 2. Aufl. Moskau 2003.


    Dies.: Istorija muzykal’nych učebnych zavedenij imeni Gnesinych (Die Geschichte der Gnessins-Musiklehranstalten). Moskau 1981.


    Rossijskaja akademija muzyki imeni Gnesinych [Die Russische Gnessins-Musikakademie]. Moskau 2001; engl.: Russian Gnessins‘ Academy of Music. Moscow 2001


    Rotštejn, Feliks Adol‘fovič, Šuvalov, N. I. (Vornamen unbekannt), Vladimirskij, Boris Davydovič. (Hg.): Sorok let Moskovskogo gosudarstvennogo muzykal’nogo technikuma im. Gnesinych. 1895–-1935 (40 Jahre des Staatlichen Gnessin-Musiktechnikums in Moskau. 1895–1935). Moskau 1935.


    Tropp, Vladimir Vladimirovič (Hg.): Gnesinskij istoričeskij sbornik. K 60-letiju RAM im. Gnesinych. Zapiski Memorial’nogo Muzejaßkvartiry El. F. Gnesinoj [Gnessins‘ historische Sammlung. Zum 60. Jahrestag der Russischen Gnessins-Musikakademie. Schriften des Je. F. Gnessina-Memorial-Museums], Moskau 2004.


    Ders. (Hg.): Imeni Gnesinych: Muzykal’noe obrazovanie Rossii kak semejnaja missija [Im Namen Gnessins: die Musikausbildung Russlands als Mission einer Familie]. In: Licejskoe i gimnazičeskoe obrazovanie 2002, Nr. 3, S. 31–37.


    Ders.: Istočnik tepla, muzyki, sveta [Eine Quelle der Wärme, der Musik und des Lichts]. In: Mir muzeja 1998, Nr. 5, S. 24–31.


    Ders.: Dom Gnesinych (Das Gnessin-Haus). In: Muzykal’naja žizn’ 1994, H. 11/12, S. 20–23.


    Za tridcat’ let. 1895–1925 (30 Jahre. 1895–1925). Moskau 1925.



    Links:

    Russische Gnessin Musikakademie

    Postanschrift: Russland, Moskau, 121069, Powarskaja-Straße 30/36;

    Tel.: 007 495 6916200

    www.gnesin-academy.ru


    Jelena Gnessina-Memorial-Museum

    www.museum.ru/M1145

    Forschung

    In den letzten Jahren erschienen Publikationen, die das Leben und Schaffen von Jelena Gnessina sowie die Geschichte ihrer Lehranstalten beleuchten.

    Auf Initiative von Margarita Eduardowna Rittich (1910-1994) wurde am 25.02.1970 das Jelena Gnessina Memorial Museum eröffnet, das heute von Vladimir Vladimirovič Tropp geleitet wird.

    Website: www.museum.ru

    Forschungsbedarf

    Eine systematische Erforschung des umfangreichen Quellenmaterials, das im Familienarchiv der Gnessins liegt, steht noch aus. Die wichtigsten Materialien, Dokumente usw. zum Leben und Schaffen von Jelena Fabianovna Gnessina sowie zur Geschichte der Gnessin-Musikschulen befinden sich im Jelena Gnessina Memorial Museum. Dort ist eine Forschungsreihe geplant, die die zahlreichen Materialien zum Leben und Werk Jelena Gnessina im Kontext des kulturellen Lebens in Russland und der Sowjetunion aufarbeiten soll.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 2760985
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 130041726
    Library of Congress (LCCN): nr91038569
    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Marina Lobanova


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Ellen Freyberg
    Zuerst eingegeben am 06.04.2011


    Empfohlene Zitierweise

    Marina Lobanova, Artikel „Jelena Gnessina“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 6.4.2011.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Jelena_Gnessina