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    von Silke Wenzel
    Namen:
    Isabella Dulcken
    Ehename: Isabella Sarah Braun
    Lebensdaten:
    geb. in London, England
    gest. in München, Deutschland

    Die Lebensdaten wurden von Anja Herold ermittelt (vgl. Herold 2012); die genauen Sterbedaten sind nicht bekannt.
    Tätigkeitsfelder:
    Concertina-Spielerin
    Charakterisierender Satz:

    Die jüngere Schwester, Isabella, spielt auf dem Conzertina (eine verbesserte Art Melodikon) mit einer solchen vollendeten Meisterschaft, wie wir es auf diesem Instrument überhaupt nicht für möglich gehalten hätten. Sie weiss nicht nur alle Nüancen des vollendetsten Gesanges von der höchsten Kraft bis zum weichsten Piano auf ihrem kleinen Instrumente wiederzugeben, sondern sie führt auch die schwierigsten Läufe und Passagen mit einer Reinheit und Sicherheit aus, welche selbst auf der Violine nicht vollkommener erreicht werden könnte.“ („Süddeutsche Musik-Zeitung“ vom 10. Oktober 1853, S. 164)


    Profil

    Die Concertina-Spielerin Isabella Dulcken gilt bis heute als eine der großen Virtuosinnen auf ihrem Instrument, ein sechs- bis achteckiges Handzuginstrument, das – anders als das Akkordeon – auf beiden Seiten über einzeln anspielbare Töne verfügt. Es wurde daher häufig als Melodieinstrument mit Klavierbegleitung eingesetzt. Ausgebildet von Giulio Regondi bereiste Isabella Dulcken ab dem Alter von zwölf Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester, der Pianistin Sophie Dulcken, nahezu alle Musikmetropolen Europas und löste überall Begeisterung aus. Lediglich in Deutschland galt die Concertina als ein nicht konzertwürdiges Instrument, das seinen Platz im Salon und nicht im Konzertsaal habe.

    Orte und Länder

    Isabella Dulcken wurde in London geboren. Von 1848 bis 1854 lebte sie überwiegend als reisende Musikerin und konzertierte in Deutschland, Russland, Österreich, Ungarn, Polen, den Niederlanden, Belgien und Frankreich; 1854 ließ sie sich in Paris nieder. Im Jahr 1865 heiratete Isabella Dulcken Johann Otto Philipp Braun und lebte mit ihrem Mann zunächst in Augsburg, ab 1882 in München.

    Biografie

    Isabella Dulcken wurde am 15. Mai 1836 als Tochter von Auguste Dulcken, geb. Burghaagen, und Heinrich bzw. Henry Dulcken in London geboren und wuchs in einem musikalischen Umfeld auf. Ihr Vater war Komponist, Musiklehrer und Organist, ihre Tante Louise Dulcken eine international angesehene Pianistin und Musikpädagogin (zur Herkunft vgl. Herold 2012). Bereits früh wurde sie auf einem neuen, zu dieser Zeit weitgehend unbekannten Instrument ausgebildet: der Concertina. Ihr Lehrer, der Gitarrist und Concertina-Spieler Giulio Regondi (1822-1872), hatte das Instrument vor allem in England, aber auch in anderen Ländern bekannt gemacht und galt weithin als dessen Meister.


    Bereits im Alter von elf Jahren, 1848, unternahm Isabella Dulcken gemeinsam mit ihrer ein Jahr älteren Schwester, der Pianistin Sophie Dulcken, eine Konzertreise durch Deutschland, bei der die Geschwister u. a. in Frankfurt a. M. auftraten (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 8. Februar 1848, S. 72). Im Mai 1850 spielte sie – wiederum gemeinsam mit Sophie Dulcken – in einem Privatkonzert einer Mrs. Bethel in deren Salon am Bryanstone Square in London. Die „Musical World“ schrieb über das Konzert und das Spiel von Isabella Dulcken: „The matinée took place, by permisson of Mrs. Bethel, at her residence, in Bryanstone-square. A select and elegant audience assembled. Madlle. Sophie Dulcken, the young pianiste, possesses all the requisites for a first-rate executant [...]. The younger of the two sisters, Madlle. Isabella Dulcken, although but thirteen years of age, showed that her time had been well spent in forming a talent of a peculiar kind. Her perfect and elegant style of execution on the concertina reflects much credit on her master, Signor Giulio Regondi. When heard so to such advantage as on this occasion, it is no wonder that the concertina finds many proselytes.“ („Die Matinée fand mit der Erlaubnis von Frau Bethel in ihrem Domizil in Bryanstone Square statt. Ein auserlesenes und elegantes Publikum versammelte sich dort. Fräulein Sophie Dulcken, die junge Pianistin, verfügt über alle Voraussetzungen für eine ausübende Künstlerin ersten Ranges […]. Die jüngere der beiden Schwestern, Fräulein Isabella Dulcken, zeigte trotz ihrer erst dreizehn Jahre, dass sie ihre Zeit ordentlich damit verbracht hatte, ein Talent von besonderer Art zu bilden. Ihr perfekter und eleganter Ausführungsstil an der Concertina trägt zum hohen Ansehen ihres Meisters, Signor Giulio Regondi, bei. Wenn die Concertina so vorteilhaft zu hören ist wie bei dieser Gelegenheit, ist es kein Wunder, dass sich viele zu ihr bekehren lassen.“; „The Musical World“ vom 18. Mai 1850, S. 312)


    In den folgenden Jahren lebten Isabella und Sophie Dulcken als reisende Musikerinnen und konzertierten in Deutschland, Polen, Russland, Österreich, Ungarn, Belgien, den Niederlanden und in Frankreich. Isabella Dulcken wurde dabei eine große Virtuosität und Musikalität auf ihrem Instrument zugesprochen. Ein Großteil ihres Repertoires bestand aus Opernfantasien und so genannten „Salonstücken“ von Giulio Regondi und Richard Blagrove. Über ein Konzert im Kärnthnerthor-Theater in Wien am 12. Dezember 1851 notierte die „Neue Zeitschrift für Musik: „Die Geschwister Dulckens aus London gaben am 12ten December im Kärnthnerthor-Theater ein Concert, in welchem besonders Frl. Isabella Dulckens durch ihre Virtuosität auf dem Melophon (eine vervollkommnete Zieh-Harmonika) die Wiener enthusiasmirte.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 3. Januar 1851, S. 7 [die Concertina wurde hier vermutlich versehentlich mit einem Melophon verwechselt; Anm. der Autorin]). Von Wien aus reisten Isabella und Sophie Dulcken weiter nach Prag, wo sie drei eigene Konzerte veranstalteten und in mehreren Privathäusern auftraten. Der dortige Korrespondent der „Neuen Zeitschrift für Musik“ berichtete: „Zuerst nenne ich die Schwestern Sophie und Isabella Dulken, welche sich hier dreimal öffentlich und in einigen vornehmen Privatzirkeln mit großem Beifalle hören ließen. Sophie, die Pianistin, 16 Jahre alt, hat eine äußerst deutliche Technik, glänzt mehr in Allegro als in Adagio, und bedarf um Künstlerin ersten Ranges zu werden, noch einer ruhigen Selbstbeherrschung. Isabella, die jüngere, 13 Jahre alt, behandelt das Melophon mit einer Fertigkeit, Grazie und mit so viel Gefühl im Ausdrucke, daß sie Auge und Ohr des Zuhörers für sich gewinnen muß: gewiß steht diesem höchst begabten und liebenswürdigen Schwesternpaar noch eine schöne, künstlerische Zukunft bevor.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 23. Mai 1851, S. 224) Am 17. und 20. September 1851 traten Sophie und Isabella Dulcken im Weimarer Hoftheater jeweils im Anschluss an das Lustspiel „Der Liebesbrief“ auf. Dabei spielte Isabella Dulcken im ersten Konzert „Introduktion und Variationen über ein östreichisches Lied“, für Concertina komponiert von ihrem Lehrer Giulio Regondi, und eine Fantasie über Gaetano Donizettis „Linda di Chamounix“ von Richard Blagrove, im zweiten Konzert waren es eine Fantasie über Donizettis „Don Pasquale“ wiederum von Richard Blagrove sowie „Motive“ aus Giacomo Meyerbeers „Robert le diable“ von Giulio Regondi (vgl. Theaterzettel des Weimarer Hoftheaters vom 17. und 20. September 1851). Die „Neue Zeitschrift für Musik vermerkte: „Dahin ist vor Allem die liebenswürdige Erscheinung der Schwestern Dulken aus London zu rechnen, deren sicheres, geschmackvolles und selbstständiges Spiel sich zweimal im Theater den ungetheiltesten Beifall des Publikums errang.“ („Neue Zeitschrift für Musik“ vom 24. Oktober 1851, S. 177)


    Trotz der Begeisterung, die Isabella Dulcken mit ihrem Instrument auslöste, mehrten sich vor allem im deutschsprachigen Raum die Stimmen, die der Concertina einen Platz im Konzertrepertoire absprachen. So schrieb z. B. ein Rezensent über das Leipziger Abonnentenkonzert vom 12. Oktober 1851, in dem Isabella und Sophie Dulcken aufgetreten waren: „Die jüngere Schwester der Pianistin, Fräul. Isabella Dulcken, zeigte uns ihr Talent auf einem neuen Instrument, der Concertina (der von Rigondi vervollkommneten Ziehharmonica). Die sehr junge Künstlerin entlockte ihrem Instrumente überraschend schöne Töne und behandelte es mit sehr bedeutender Virtuosität und feinem musikalischem Sinne. Uns scheint aber die Concertina mehr in den Salon, als in den Gewandhaussaal zu passen, da dieser für die ernste Kunst, nicht aber für eine wenn auch graziöse Tändelei der Ort sein soll. Es trifft diese Bemerkung allerdings keinesweges das Fräul. Dulcken, da ihre Leistungen den beifälligen Hervorruf des Publikums durchaus verdienten.“ („Rheinische Musikzeitung“ vom 1. November 1851, S. 558) Giacomo Meyerbeer, unter dessen Leitung die Geschwister am 10. Dezember 1851 bei einem Berliner Hofkonzert mitwirkten, notierte in seinem Tagebuch: „Das Hofkonzert ... fiel sehr gut aus [...] Die beiden Kinder Demoiselles Dülken spielten auf dem neuen Instrumente, Concertina genannt (ein vervollkommnetes Akkordeon) und dem Pianoforte ausgezeichnet schön.“ (Tagebucheintrag vom 10. Dezember 1851, zit. n. Meyerbeer 1999, S. 469)


    1852 folgte eine erste Konzertreise durch Polen, Estland, Russland und Rumänien, wo Sophie und Isabella Dulcken u. a. in Dorpat (heute Tartu), Sankt Petersburg, Gattschina, Moskau, Nischni-Nowgorod und Kronstadt (heute Brasov) konzertierten (vgl. Herold 2012). Nach einer zweiten zehnmonatigen Tournee durch Polen und Russland 1853 traten Sophie und Isabella Dulcken im Oktober 1853 in Mainz auf und begeisterten dort ihr Publikum, wie die „Süddeutsche Musik-Zeitung“ meldete: „Ich spreche [...] von einem liebenswürdigen Schwesternpaar, den beiden Frl. Sophie und Isabella Dulcken aus London, welche von den Anstrengungen einer zehnmonatigen Kunstreise in Polen und Russland eine kurze Zeit hier ausruhten, um sich dann von hier aus direkt nach Paris zu begeben; von dort wollen sie sich nach Belgien und Holland wenden, wo wir ihrem Auftreten im Voraus den schönsten Erfolg versprechen zu können glauben. [...] Die jüngere Schwester, Isabella, spielt auf dem Conzertina (eine verbesserte Art Melodikon) mit einer solchen vollendeten Meisterschaft, wie wir es auf diesem Instrument überhaupt nicht für möglich gehalten hätten. Sie weiss nicht nur alle Nüancen des vollendetsten Gesanges von der höchsten Kraft bis zum weichsten Piano auf ihrem kleinen Instrumente wiederzugeben, sondern sie führt auch die schwierigsten Läufe und Passagen mit einer Reinheit und Sicherheit aus, welche selbst auf der Violine nicht vollkommener erreicht werden könnte.“ („Süddeutsche Musik-Zeitung“ vom 10. Oktober 1853, S. 164) Tatsächlich reisten Isabella und Sophie Dulcken weiter nach Brüssel, wo die beiden Musikerinnen wiederum in Privathäusern spielten und eigene Konzerte gaben: „[aus Brüssel:] Die Geschwister Sophie und Isabella Dulcken finden in den Soireen wo sie sich hören lassen, so viel Liebe und Beifall, dass das öffentliche Concert, welches sie angekündigt haben, sehr viele Theilnahme finden wird. Isabella wird unter andern eine grosse Fantasie über ‚Robert der Teufel’ spielen.“ („Neue Berliner Musikzeitung“ vom 28. Dezember 1853, S. 351)


    In Paris, wo Isabella und Sophie Dulcken ab Januar 1854 lebten, begeisterte Isabella Dulcken gemeinsam mit ihrer Schwester von Beginn an das Publikum. Über das erste große Konzert, das die Geschwister im Théâtre Italien veranstalteten, berichtete die Zeitschrift „Le Ménestrel“: „A la représentation extraordinaire donnée mercredi dernier au Théâtre-Italien, les deux jeunes virtuoses Dulcken ont obtenu un succès d’enthousiasme qui s’est traduit par trois rappels successifs. Cette nouvelle ovation place ces deux jeunes sœurs, aussi intéressantes par leur talent que par la grâce de leur personne, au rang des artistes qui seront les plus recherchés cet hiver dans nos salons.“ („Bei dem Sonderkonzert, das am Mittwoch im Théâtre Italien stattfand, haben die beiden jungen Virtuosinnen Dulcken einen begeisterten Erfolg erlebt, der sich u. a. in drei aufeinanderfolgenden Hervorrufen manifestierte. Diese wiederholten Ovationen erheben die beiden jungen Schwestern, die sowohl mit ihrem Talent als auch mit ihrer Anmut begeistern, in den Rang von Künstlerinnen, die diesen Winter in unseren Salons überaus gefragt sein werden.“; „Le Ménestrel“ vom 29. Januar 1854, S. 4) Im März 1854 traten Isabelle und Sophie Dulcken in der „Société des concerts des Jeunes Artistes“ auf. Dabei spielte Isabella Dulcken die Fantasie über Melodien aus Giacomo Meyerbeers „Robert le Diable“ ihres Lehrers Giulio Regondi, und die „Revue et Gazette musicale de Paris“ berichtete: „Mlle Isabella Dulcken a été charmante de mélodie et d’expression sur son instrument exceptionel la Concertina, en disant un mélange des airs de Robert le Diable fort bien disposés en fantaisie.“ („Mlle Isabella Dulcken war auf ihrem ungewöhnlichen Instrument, der Concertina, erfüllt von melodischer und ausdrucksstarker Anmut, während sie eine hervorragend konzipierte Fantasie über Themen aus ‚Robert le diable’ spielte.“; „Revue et Gazette Musicale“ vom 12. März 1854, S. 84) Wenige Tage später traten die Schwestern nach einer Aufführung der Opéra Comique „Pepito“ von Jacques Offenbach auf, gemeinsam mit Offenbach selbst und dem Sänger Gustav Hippolyte Roger, wiederum mit großem Erfolg: „[...] vers neuf heures, mardi dernier, la plus élégante société de Paris était-elle à la recherche de l’ancien 19, passage Saulnier [...]. En entrant, vous receviez un programme mentionnant pour 1re partie: pas de prologue; pour 2e partie, un concert par Roger, Offenbach et les sœurs Dulcken (grand succès!), pour 3e partie, la reprise [...] de ‚Pepito’“ („[...] gegen neun Uhr am vergangenen Dienstag war die eleganteste Gesellschaft von Paris auf der Suche nach der alten Nr. 19 in der Passage Saulnier [...]. Eintretend, erwartete sie ein Programm, das für den 1. Teil vorsah: keinen Prolog, für den 2. Teil ein Konzert mit Roger, Offenbach und den Schwestern Dulcken (großer Erfolg!), für den 3. Teil die Reprise [...] von ‚Pepito’“; „Le Ménestrel“ vom 2. April 1854, S. 2). Im Dezember 1854 meldete die „Neue Zeitschrift für Musik“, dass sich Isabella und Sophie Dulcken dauerhaft in Paris niedergelassen hatten (vgl. „Neue Zeitschrift für Musik“ vom 15. Dezember 1854, S. 274).


    Im Januar 1855 konzertierten die Geschwister in der Bretagne, wo sie in Le Mans, Laval, Rennes und Nantes auftraten. „Le Ménestrel“ erstellte einen Pressespiegel der Konzertreise und zitierte u. a. die Zeitungen „Courier de Nantes“ und die „Union bretonne“. Erste schrieb über Isabella und Sophie Dulcken: „Ni l’une ni l’autre [des] sœurs ne sont un mécanisme organisé. Dans leur exécution comme dans leur physionomie, le sentiment, l’âme, le goût qui conduisent leurs doigts se reflètent continuellement. Vive ou précipitée, gaie ou mélancolique, leur phrase musicale est toujours l’écho de ce qu’elles sentent: et ce qu’elles sentent est toujours l’expression de la vérité. Voilà leur secret pour plaire et charmer: voilà pourquoi Isabella se fait écouter et applaudir sur cet instrument ingrat et exceptionnel“ („Weder die eine noch die andere Schwester ist ein mechanischer Organismus. Ihre Ausführung wie auch ihre Physionomie spiegeln ununterbrochen das Gefühl, die Seele und den Geschmack, die ihre Finger leiten. Lebhaft oder überstürzend, fröhlich oder melancholisch, ihre musikalische Phrase ist stets ein Echo dessen, was sie fühlen: und das, was sie fühlen, ist immer wahrhaftig. Darin liegt ihr Geheimnis, zu gefallen und zu bezaubern: dies ist der Grund, warum man Isabella auf ihrem undankbaren und außergewöhnlichen Instrument zuhört und ihr applaudiert“; „Courier de Nantes“, zit n. „Le Ménestrel“ vom 4. Februar 1855, S. 3). Und die „Union Bretonne“ rezensierte nicht nur das Konzert, sondern sprach die Geschwister endgültig von ihrem Status als „Wunderkinder“ frei: „Elles sont charmantes dans leur fraîcheur et leurs sourires de jeunesses, ces deux jolies sœurs. Quand elles vous arrivent en se tenant par la main et que, pour saluer toute cette assemblée attentive, elles s’inclinent avec une simplicité empreinte d’une grâce adorable, vous voilà séduits à première vue. Nul ne saurait résister à ce charme: d’ailleurs il est si naïvement imposé que personne n’essaie de s’y soustraire. Mlle Sophie Dulken, l’ainée, est pianiste. C’est un talent sérieux et ferme, ce qui n’exclut certainement ni l’élégance, ni l’expression. Artiste d’une valeur acquise et tout-à-fait digne du grand empressement dont on l’entoure, Mlle Sophie Dulken met dans son exécution autant d’énergie que de finesse, d’ampleur dans l’ensemble que de délicatesse dans les détails. [...] Quant à sa sœur Isabella, à cette mignonne et rieuse Isabella, elle s’est assurée, avec ce ‚concertina’ dont elle joue à ravir, les sympathies que son charmant visage et son frais sourire avaient conquises dès l’abord. Elle a eu un immense succès, et il n’est pas un des morceaux qu’elle a interprétés qui n’ait été couvert des plus bruyants applaudissements, que dis-je? des plus retentissantes explosions de bravos.’“ („Sie sind bezaubernd in ihrer Frische und mit ihrem jugendlichen Lächeln, die beiden hübschen Schwestern. Wenn sie auftreten, eine die andere an der Hand haltend, um das erwartungsvolle Publikum zu begrüßen, verbeugen sie sich mit eindrucksvoller Natürlichkeit und mit einer reizenden Anmut, so dass man von ersten Moment an angetan ist. Nichts könnte diesem Charme widerstehen: gleichzeitig kommt er so unschuldig daher, dass niemand sich ihm entziehen kann. Mlle. Sophie Dulken, die ältere, ist Pianistin. Sie besitzt ein ernsthaftes und konzentriertes Talent, was sicherlich weder Eleganz noch Ausdrucksstärke ausschließt. Als jene sichere Künstlerin, die sich der großen Begeisterung, die an sie herangetragen wird, absolut würdig erweist, legt Mlle. Sophie Dulken in ihre Ausführung ebenso viel Energie wie Feinsinn, Weite im Gesamten wie Feinheit im Detail. [...] Was ihre Schwester betrifft, diese süße und lächelnde Isabella, sie hat sich mit ihrer Concertina, die sie bezaubernd spielt, weitaus mehr Sympathien gesichert, als zuvor mit ihrem reizenden Gesicht und ihrem frischen Lächeln. Sie hatte enormen Erfolg, und es gab kein einziges Stück, das sie vortrug, das nicht mit lautem Beifall bedacht worden wäre, was sage ich, mit schallenden Bravoexplosionen.“; „Union bretonne“, zit. n. „Le Ménestrel“ vom 4. Februar 1855, S. 3) Nachdem sich Sophie Dulcken im Sommer 1857 verlobt hatte, konzertierte Isabella Dulcken eine zeitlang ohne ihre Schwester und trat z. B. im Oktober 1857 nochmals in Frankfurt a. M. auf (vgl. „Süddeutsche Musik-Zeitung“ vom 4. Januar 1858, S. 2)


    Im Juli 1864 heiratete Isabella Dulcken den Chefredakteur der „Allgemeinen Zeitung“ in Augsburg Johann Philipp Otto Braun (1824-1900), den sie bereits während dessen Aufenthalt in Paris in den Jahren 1850 bis 1855 kennen gelernt hatte, und ließ sich mit ihrem Mann in Augsburg nieder; ab 1882 lebte das Ehepaar in München. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, die beide früh verstarben: ein Sohn Heinrich Alfred (1865-vor 1894) und eine Tochter Sophie Ottilie Friederike Isabella (1872-1894) (vgl. Weltrich 1904; Herold 2012).


    Isabella Dulcken starb 1899 in München und wurde auf dem Urnenfriedhof in Jena beigesetzt (vgl. Weltrich 1904).

    Würdigung

    Isabella Dulcken trug mit ihrer Virtuosität und Musikalität wesentlich dazu bei, die Concertina als Instrument in Europa bekannt zu machen. Dabei kämpfte sie vor allem in den ersten Jahren gegen das Vorurteil an, dass die Concertina ausschließlich dem Salon vorbehalten sei. Der Musikjournalist und -kritiker Henri Blanchard schrieb 1853 in der „Revue et Gazette musicale“ über Isabella Dulcken und ihr Instrument: „Isabelle chante de ses dix doigts sur la concertina d’une manière expressive: elle nuance on ne peut mieux son exécution, et semble par l’animation de son regard et la molle pression dont elle caresse l’interprète de sa pensée musicale, une fille de l’air que se berce capricieusement dans la brise harmonieuse.“ („Isabelle singt mit ihren zehn Fingern auf der Concertina äußerst ausdrucksstark: sie schattiert ihre Ausführung, wie man es nicht besser machen könnte, und erscheint mit der Bewegung ihres Blickes und dem weichen Druck, mit dem sie das Instrument ihrer musikalischen Gedanken streichelt, wie eine Akrobatin, die sich kapriziös im harmonischen Lüftchen wiegt.“; Blanchard 1853)

    Repertoire

    Eine Repertoire-Liste von Isabella Dulcken kann derzeit aufgrund fehlender Forschungen nicht erstellt werden. Zu den von ihr aufgeführten Werken gehörten vor allem Salonstücke sowie Opern-Fantasien von Giulio Regondi und Richard Blagrove, darunter Fantasien über Gaetano Donizettis „Linda di Chamounix“ und dessen „Don Pasquale“, für die Concertina komponiert von Richard Blagrove, sowie „Introduktion und Variationen über ein östreichisches Lied“ und Fantasien über Motive aus Meyerbeers „Robert le diable“ von Giulio Regondi.

    Quellen

    Dokumente


    Theaterzettel des Weimarer Hoftheaters vom 17. und 20. September 1851, Thüringer Hauptstaatsarchiv, digital veröffentlicht unter http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00005950?jumpback=true&maximized=true&page=/008921.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048206; http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00027554?jumpback=true&maximized=true&page=/008920.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048207



    Literatur


    Atlas, Allan W. Ladies in the Wheatstone Ledgers: The Gendered Concertina in Victorian England, 1835-1870 (= Royal Musical Association Research Chronicle 39). London: Royal Musical Association 2006.


    Blanchard, Henri. Isabelle et Sophie. In: Revue et Gazette Musicale de Paris vom 23. Oktober 1853, S. 374.


    Herold, Anja: Artikel „Dulcken, Familie“. In: Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker Institut, hg. v. Freia Hoffmann, http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 5. Dezember 2012).


    Meyerbeer, Giacomo: Briefwechsel und Tagebücher, hg. und kom. von Sabine Henze-Döring unter Mitarbeit von Hans Moeller, Bd. 5: 1849-1852, Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1999.


    Weltrich, Richard: Artikel „Braun, Johann Philipp Otto“. In: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog Bd. 6 (1904) (vorh. in wbis – world biographical information system).



    Zeitungsartikel und Konzertrezensionen


    Le Ménestrel vom 29. Januar 1854, S. 4.

    Le Ménestrel vom 2. April 1854, S. 2.

    Le Ménestrel vom 4. Februar 1855, S. 3.


    Neue Berliner Musikzeitung vom 28. Dezember 1853, S. 351.


    Neue Zeitschrift für Musik vom 8. Februar 1848, S. 72.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 3. Januar 1851, S. 7.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 23. Mai 1851, S. 224.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 24. Oktober 1851, S. 177.

    Neue Zeitschrift für Musik vom 15. Dezember 1854, S. 274.


    Revue et Gazette Musicale vom 12. März 1854, S. 84.


    Rheinische Musikzeitung vom 1. November 1851, S. 558.


    Süddeutsche Musik-Zeitung vom 10. Oktober 1853, S. 164.

    Süddeutsche Musik-Zeitung vom 4. Januar 1858, S. 2.


    The Musical World vom 18. Mai 1850, S. 312.


    Links

    http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php?page=dulcken-familie (Stand: 5. Dezember 2012).

    Das Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie-Drinker-Instituts stellt einen lexikalischen Artikel über Isabella Dulcken von Anja Herold online zur Verfügung.


    http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00005950?jumpback=true&maximized=true&page=/008921.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048206; http://archive.thulb.uni-jena.de/ThHStAW/receive/ThHStAW_archivesource_00027554?jumpback=true&maximized=true&page=/008920.tif&derivate=ThHStAW_derivate_00048207

    Das digitale Archiv des Thüringischen Hauptstaatsarchivs stellt zwei Konzertprogramme von Sophie und Isabelle Dulcken online zur Verfügung.

    Forschung

    Allan W. Atlas hat in seiner Arbeit über „Ladies in the Wheatstone Ledgers: The Gendered Concertina in Victorian England, 1835-1870“ (Atlas 2006) auch die Rolle von Isabella Dulcken eingehend dargestellt.

    Forschungsbedarf

    Der Forschungsbedarf zu Isabella Dulcken umfasst ihre Biografie sowie ihre künstlerischen Tätigkeiten und Kontakte.

    Normdaten

    Virtual International Authority File (VIAF): 77175527
    Deutsche Nationalbibliothek (GND): 121588955

    Autor/innen

    Silke Wenzel


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Regina Back


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Isabella Dulcken“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom ...
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Isabella_Dulcken