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  • Ilona Eibenschütz

    von Silke Wenzel
    Die Pianistin Ilona Eibenschütz. Fotografie
    Namen:
    Ilona Eibenschütz
    Ehename: Ilona Derenburg
    Varianten: Ilona Deerenburg
    Lebensdaten:
    geb. in Budapest, Österreich-Ungarn (heute Ungarn)
    gest. in London, England

    In einigen Publikationen wird das Jahr 1873 als Geburtsjahr angegeben.
    Tätigkeitsfelder:
    Pianistin, Solistin, Kammermusikerin
    Charakterisierender Satz:

    „For her, music was not a profession, it was a truth, and was the foundation of her whole life and being.“ („Für sie war Musik kein Beruf, sondern eine Wahrheit und die Grundlage ihres gesamten Lebens und Seins.“; Andrew Perceval-Maxwell 1967; zit. n. Rountree 1994, S. 17)


    Profil

    Ilona Eibenschütz war – abgesehen von ihrer Zeit als so genanntes „Wunderkind“ – lediglich 13 Jahre als Pianistin in der Öffentlichkeit präsent. Trotzdem blieb sie bis zu ihrem Tod im Alter von 94 Jahren dem englischen Publikum im Gedächtnis. Zu ihrem 94. Geburtstag erschien in der „ London Times” ein längerer Artikel über die Pianistin, in dem Henry Raynor die Besonderheiten ihres musikalischen Lebens wie folgt zusammenfasste: „There can be few living pianists who, at the age of six, played piano duets with Liszt, who at 13 became a pupil of Clara Schumann , were introduced to Brahms and became his fried, disciple and champion. This is the probably unique distinction of Miss Ilona Eibenschütz.” („Es wird nur wenige lebende PianistInnen geben, die im Alter von sechs Jahren Klavierduette mit Liszt spielten, mit 13 SchülerIn von Clara Schumann wurden, bei Brahms eingeführt und sein(e) Freund(in), Schüler(in) und Meister(in) wurden. Dies ist möglicherweise die einzigartige Besonderheit von Miss Ilona Eibenschütz.“ Raynor 1967).


    Ilona Eibenschütz wurde in Pest in eine Musiker-Familie geboren und bereits mit sechs Jahren für ihre pianistische Ausbildung nach Wien geschickt. Sie absolvierte das Wiener Konservatorium und setzte anschließend ihre Studien bei Clara Schumann in Frankfurt a. M. fort. In dieser Zeit lernte sie Johannes Brahms kennen und freundete sich mit ihm an. Nach Abschluss ihres Frankfurter Studiums etablierte sie sich rasch als Solopianistin und Kammermusikerin im öffentlichen Musikleben Deutschlands und Englands. Sie trat regelmäßig in den Londoner „Popular Concerts“ auf und musizierte gemeinsam mit den Violinisten Wilma Neruda und Joseph Joachim sowie mit dem Cellisten Alfredo Piatti. Ilona Eibenschütz galt als herausragende Brahms-Interpretin. Im Jahr 1894 spielte sie u. a. die englische Erstaufführung der Brahms’schen Klavierstücke op. 118 und op. 119. Nach ihrer Heirat mit dem Aktienhändler Carl Derenburg 1902 zog sie sich aus dem öffentlichen Konzertleben zurück.

    Orte und Länder

    Ilona Eibenschütz wurde in Pest (heute Budapest) geboren. Bereits im Alter von sechs Jahren wurde sie nach Wien geschickt, um dort ihre pianistische Ausbildung zu erhalten. Von 1886 bis 1890 studierte sie bei Clara Schumann in Frankfurt a. M. Wo sie in der Zeit nach ihrem Frankfurter Studium ihren Wohnsitz hatte, ist bislang ungeklärt. Sie konzertierte regelmäßig in London und verbrachte die Sommermonate in Ischl. Im Deutsch-Österreichischen Künstler- und Schriftsteller-Lexikon von 1902 wird ihr Wohnort mit „Opernring 23“ in Wien angegeben. Im Jahr 1902 heiratete sie Carl Derenburg (auch Deerenburg) und ließ sich mit ihrem Mann in London nieder, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

    Neben Österreich-Ungarn, Deutschland und England, unternahm Ilona Eibenschütz auch Tourneen durch Belgien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen und Russland.

    Biografie

    Ilona Eibenschütz wurde am 8. Mai 1872 in Pest als neuntes Kind einer Musiker-Familie geboren. Die Namen der Eltern sind bislang unbekannt, der Vater war vermutlich Opernsänger. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt Ilona Eibenschütz im Alter von viereinhalb Jahren von ihrem Cousin, dem Pianisten Albert Eibenschütz, und anschließend – noch in Pest – von dem Pianisten Carl Marek. Im Alter von sechs Jahren wurde sie nach Wien geschickt, um am Wiener Konservatorium mit Unterstützung eines kaiserlichen Stipendiums ihre pianistische Ausbildung bei dem Pianisten und Professor für Klavier Hans Schmitt fortzusetzen. Im Jahr 1878, also zu Beginn ihrer Wiener Ausbildung, trat sie erstmals öffentlich auf und wurde rasch von Publikum und Presse zum „Wunderkind“ ernannt, das u. a. mit Franz Liszt Duette musiziert haben soll (Raynor 1967). Mit neun Jahren spielte sie das Klavierkonzert d-Moll KV 466 von Wolfgang Amadeus Mozart gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern (Rountree 1994, S. 14). Noch als Kind konzertierte Ilona Eibenschütz u. a. in Österreich-Ungarn, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen und Russland und wurde in den jeweiligen Königshäusern herumgereicht. Sie trat vor der dänischen Königin in Kopenhagen auf, vor dem russischen Kaiserpaar in Gatschina und vor Franz Josef I. in Wien (Ehrlich 1893, S. 94). Am 17. und 19. Oktober 1883 trat sie in zwei Konzerten im Rigaer Interims-Theater u. a. mit der ersten Satz von Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzert a-Moll op. 85 sowie mit Werken von Frédéric Chopin, Anton Rubinstein, Franz Schubert und Ludwig Schytte auf. Im Alter von 12 Jahren schloss sie ihre Ausbildung am Wiener Konservatorium ab.


    Von 1886 bis 1890 setzte Ilona Eibenschütz ihr Klavierstudium bei Clara Schumann am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt a. M. fort und erhielt dort zudem Unterricht in Kontrapunkt bei Iwan Knorr. In einem Interview mit Eva Ducat beschrieb Ilona Eibenschütz ihre Studienzeit bei Clara Schumann wie folgt: „Frau Schumann was a strict, almost a stern teacher. She cared nothing for fireworks played faster than ever before. [...] Her first insistence was that every note must be clear, but clear with a full, warm tone, carrying a touch which made every melody ring out like a song. To achieve this was the labour of the artist.“ („Frau Schumann war eine genaue, fast strenge Lehrerin. Sie hielt nichts von Feuerwerken, schneller gespielt als je zuvor. […] Ihr erstes Anliegen war, dass jeder Ton klar sein muss, aber klar mit einem vollen, warmen Klang. Sie förderte einen Anschlag, der in jeder Melodie ein Lied zum Erklingen brachte.”; Ilona Eibenschütz, zit. n. Rountree 1994, S. 15)


    Ab 1889 – gegen Ende ihres Frankfurter Studiums – nahm Ilona Eibenschütz ihre Konzerttätigkeit wieder auf. Sie konzertierte in Leipzig, Köln und Wien und debütierte am 7. November 1890 mit dem Philharmonischen Orchester Berlin unter der Leitung von Gustav F. Kogel mit Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54. Über einen Auftritt in Utrecht – ebenfalls mit Schumanns Klavierkonzert – schrieb Theodor Wilhelm Engelmann, der Ehemann der Clara Schumann-Schülerin Emma Brandes , am 22. Dezember 1890 an Clara Schumann: „Es war uns eine wahre Freude, Fräulein Eibenschütz kennen zu lernen. Wie selten begegnet man einem so außerordentlichen und dabei so wohlgepflegten Talent. Und wie wohlthuend berührt die frische frohe kindliche Natürlichkeit ihres Wesens. Das Concert hat sie sehr schön gespielt und bei Musikern wie beim großen Publicum einen wirklichen Erfolg davon getragen. Das A=Moll=Concert [von Robert Schumann] spielte sie technisch tadellos, mit großer Ruhe und bewunderswerther Kraft und in einer edlen Auffassung …“ (Litzmann 1902-1908, Bd. III, S. 532).


    Im Jahr 1891 folgte ihr Londoner Debüt in einem der „Monday Popular Concerts“ in der St. James’s Hall, bei dem Ilona Eibenschütz Schumanns „Études Symphoniques“ und gemeinsam mit Alfredo Piatti die Sonate für Violoncello A-Dur von Ludwig van Beethoven spielte. Ilona Eibenschütz etablierte sich rasch im englischen Musikleben als Pianistin und Kammermusikerin, wie u. a. der Jahresbericht des Hoch’schen Konservatoriums von 1891/92 bemerkte: Ilona Eibenschütz habe „nach erfolgreichen Konzertreisen in Deutschland und Holland ganz außerordentliche Triumphe in England gefeiert.“ (zit. n. Cahn 1979, S. 358). Sie konzertierte regelmäßig in den „Popular Concerts“ in London und trat dort mit so bekannten Musikerinnen und Musikern wie den Violinisten Joseph Joachim und Wilma Neruda sowie dem Cellisten Alfredo Piatti auf. Über einen Auftritt bei den Monday Popular Concerts 1892 schrieb die London Times: „She [Ilona Eibenschütz] played Beethoven’s ‚Waldstein’ sonata with brilliancy, accuracy, intelligence, and, what is better than all, a strongly marked individuality of style, unmarred by exaggeration of any kind.” („Sie spielte Beethovens ‚Waldstein’-Sonate glanzvoll, präzise, intelligent und – was besser ist als all das – mit deutlich hervortretender Individualität im Stil, ohne jegliche Art von Übertreibung.“; The Times London vom 16. Februar 1892, S. 5)


    Während ihrer Frankfurter Studienzeit bei Clara Schumann machte Ilona Eibenschütz die Bekanntschaft von Johannes Brahms, der von der jungen Pianistin und ihrem Spiel begeistert war. Max Kalbeck, Freund und Biograf von Johannes Brahms, schrieb über Ilona Eibenschütz: „Zur vorzüglichen Brahms-Interpretin bildete sich Ilona Eibenschütz […], die Tochter einer mit musikalischem Talent gesegneten Wiener Familie, in Ischl weiter. Aus der hohen Schule Klara Schumanns hervorgegangen, verband sie die anerzogene klassische Form des Ausdrucks mit der Lebhaftigkeit ihres angeborenen Temperaments und bezauberte überdies alles mit ihrer reizenden Natürlichkeit. Trotz und dank ihrer Jugend, die sich gerade zur Blüte voller Mädchenschönheit entfaltete, war sie bald eine in Wien und London renommierte, ebenso gern gesehene wie gehörte Pianistin. Sie wusste Brahms mit seinem eigenen g-moll-Quartett zu fangen, das sie wie keine ihrer Kolleginnen spielte, und Brahms weihte sie in die Geheimnisse seiner letzten Klavierstücke ein.“ (Kalbeck IV, S. 176f.) Zwischen den beiden Künstlern entstand eine Freundschaft, die bis zum Tod von Johannes Brahms 1897 anhielt. Ab dem Jahr 1891 trafen sich beide jährlich in Ischl, wo sowohl die Familie Eibenschütz als auch Johannes Brahms die Sommermonate verbrachten. In einem Interview der BBC im Jahr 1952 erzählte Ilona Eibenschütz über die gemeinsame musikalische Arbeit mit Johannes Brahms in Ischl: „In 1891, when I was 18 years old, I was with my family in Ischl. Brahms came to Ischl already in May. […] One afternoon Brahms paid me a visit, it was a great moment for me and I felt very happy. In 1893 one day after dinner, Brahms said: ‚O, I want to play you, well, a few exercises which I have just composed’ and then began to play all the Klavierstücke op. 118 and 119. He played with heart and soul, forgetting everything around him. His playing was grand and noble. It was of course the most wonderful thing for me to hear these pieces as nobody yet knew anything about them.” („Im Jahr 1891, als ich 18 Jahre alt war, war ich mit meiner Familie in Ischl. Brahms kam immer im Mai nach Ischl. […] Eines Nachmittags stattete Brahms mir einen Besuch ab, es war ein großer Moment für mich und ich war sehr glücklich. Eines Tages im Jahr 1893 sagte Brahms nach dem Abendessen zu mir; ‚Ich würde Dir gerne ein paar Etüden vorspielen, die ich gerade komponiert habe’ und er begann, alle Klavierstücke op. 118 und op. 119 zu spielen. Er spielte mit Herz und Seele und vergaß dabei alles um sich herum. Sein Spiel war groß und edel. Das war natürlich etwas Wunderbares für mich, diese Stücke zu einem Zeitpunkt zu hören, als noch niemand sie kannte.“ Interview BBC 1952, hier zitiert nach http://www.darvas.de/brahms_text.pdf, o. S.)

    Ilona Eibenschütz galt als herausragende Brahms-Interpretin. Sie spielte 1894 die Londoner Erstaufführung der Klavierstücke op. 118 und op. 119, führte regelmäßig seine Kammermusikwerke auf und traf ihn nochmals 1896, ein Jahr vor seinem Tod, in Ischl.


    Im Jahr 1902 heiratete Ilona Eibenschütz den Frankfurter Aktienhändler Carl Derenburg, der sich in London niedergelassen hatte, nahm seinen Nachnamen an und zog sich kurze Zeit später aus dem öffentlichen Konzertleben zurück. Das Ehepaar bezog in London ein Haus am Hyde Park Square. Auch als Carl Derenburg 1927 starb, lehnte sie es ab, in den Konzertsaal zurückzukehren. Ihre Kommilitonin der Frankfurter Studienzeit, Mathilde Verne, schrieb in ihrer Autobiografie: „Ilona Eibenschütz (now Mrs. Derenburg) also had a great career; I always admired her beautiful playing – at any rate, she is certainly not lacking in temperament and warmth, and I so much regret that she has given up playing in public.” („Ilona Eibenschütz [jetzt Frau Derenburg] machte auch eine große Karriere; ich bewunderte immer ihr wunderschönes Spiel – jedenfalls fehlte es ihr nicht an Temperament [und Wärme], und ich bedauere es sehr, daß sie das öffentliche Spielen aufgegeben hat.“; Verne 1936, S. 39; Übersetzung: Verne 1996, S. 167f.)


    Nur in einigen wenigen, seltenen Fällen, trat die Pianistin nach ihrer Heirat nochmals an die Öffentlichkeit; über ihr Privatleben ist nichts bekannt. In den Jahren 1902 und 1903 entstanden einige Aufnahmen für die BBC sowie für die „Gramophone and Typewriter Company“, darunter Aufnahmen mit Werken von Johannes Brahms, Robert Schumann und Domenico Scarlatti. Im Jahr 1926 schrieb Ilona Derenburg, geb. Eibenschütz, einen Beitrag für die „Musical Times“ unter dem Titel „My Recollection of Brahms“ (Eibenschütz 1926); 1952 produzierte sie eine Wortsendung „Reminiscences of Brahms“ für die BBC und spielte nochmals mehrere Klavierwerke von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann und Johannes Brahms ein. Im gleichen Jahr zeigte sie sich ein letztes Mal der Öffentlichkeit: Bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Amadeus Quartett übernahm sie den Klavierpart des Klavierquintetts von Johannes Brahms (Raynor 1967).


    Ilona Derenburg, geb. Eibenschütz, starb am 21. Mai 1967 im Alter von 94 oder 95 Jahren in London.


    Während der NS-Zeit wurde Ilona Eibenschütz aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in Deutschland in das diffamierende „Lexikon der Juden in der Musik“ aufgenommen, das die NSDAP unter der Schriftleitung von Theo Stengel und Herbert Gerigk 1940 herausbrachte. Darin wurde sie für tot erklärt.

    Würdigung

    Die Clara Schumann-Schülerin Adelina de Lara beschrieb in ihren Memoiren „Finale“ das erste Zusammentreffen mit der älteren Kommilitonin im Haus von Clara Schumann folgendermaßen: „’Bist du zum Unterricht gekommen?’ Vielleicht sah Ilona Eibenschütz, die eine der größten ungarischen Pianistinnen der [18]neunziger Jahre werden sollte, meine plötzliche Niedergeschlagenheit. Als ich sie anschaute, lächelte sie, und ich sah, daß sie schön war: schmal mit wunderschönen Augen und langen, dicken Wimpern. Sie war älter als ich, und obwohl sie nur wenig Englisch sprach, schafften wir es, uns zu verständigen. [...] Als sie mit mir redete, verließ mich mein Gefühl von Einsamkeit, und ich war sehr von ihr beeindruckt. Sie war so intelligent und lebhaft.“ (de Lara 1996 [1955], S. 216)


    Ilona Eibenschütz war im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts eine in Deutschland und England anerkannte Pianistin, die mit Musikerinnen und Musikern wie Wilma Neruda, Joseph Joachim und Alfredo Piatti gemeinsam musizierte und von Johannes Brahms bis zu seinem Tod als Freundin und Interpretin seiner Werke geschätzt wurde. In einer Musikkritik vom 21. Januar 1891, erschienen in „The World“ hatte George Bernard Shaw ihr Londoner Debut äußerst plastisch beschrieben: „[…] when she touched the first chord of Schumann’s Etudes Symphoniques, the hand lay so evenly and sensitively on it, and the tone came so richly, that I at once perceived that I was wasting my sympathies.”(„[…] als sie den ersten Akkord von Schumanns Etudes Symphoniques spielte, lag ihre Hand derart gleichmäßig und empfindsam auf der Tastatur und der Klang war so reichhaltig, dass ich sofort wahrnahm, dass ihr meine Sympathie zuflog.“; Laurence 1981, II, S. 247)


    Die letzte Aufnahme von Ilona Eibenschütz ist eine Privataufnahme aus dem Jahr 1962, die Robert Anderson erstellt hat. Sein Bericht über den ersten Eindruck, den die Pianistin auf ihn machte, zeigt, dass sie auch im Alter von ihrer Lebendigkeit nichts verloren hatte: „Ilona Eibenschütz was 88 when I met her. I had taught one of her grandsons and he knew I would be fascinated by her. He had outlined her career, but I was not prepared for the tiny ball of fire and energy which came into the room and immediately sat me down on the sofa with her. A torrent of talk began, with words tumbling over each other, her eyes flashing with vitality and fun. Bent with age, she yet had a mind of quicksilver, darting unpredictably over her musical experiences and contacts. The more enthralled I became, the more she wanted to show me: letters from Clara Schumann, books she loved, music she was studying.” („Ilona Eibenschütz war 88 Jahre alt, als ich sie traf. Ich hatte einen ihrer Enkel unterrichtet und er wusste, dass ich von ihr fasziniert sein würde. Er hatte ihre Karriere skizziert, aber ich war dennoch nicht auf diesen kleinen, energiegeladenen Feuerball vorbereitet, der in den Raum kam und mich sofort mit ihr gemeinsam auf das Sofa setzte. Es begann ein Wortschwall, in dem Wörter übereinander taumelten, ihre Augen blitzten vor Lebendigkeit und Freude. Gebückt vom Alter, hatte sie immer noch einen Verstand aus Quecksilber, Funken sprühend über ihre musikalischen Erfahrungen und Kontakte. Je begeisterter ich wurde, um so mehr wollte sie mir zeigen: Briefe von Clara Schumann, Bücher, die sie liebte, Musik, an der sie arbeitete.“; Robert Anderson, zit. n. de Vries 1996, S. 386)


    Bei der Beerdigung von Ilona Derenburg, geb. Eibenschütz, beschrieb einer ihrer Freunde, der Priester Andrew Perceval-Maxwell, ihr Verhältnis zur Musik mit den Worten: „For her, music was not a profession, it was a truth, and was the foundation of her whole life and being.“ („Für sie war Musik kein Beruf, sondern eine Wahrheit und die Grundlage ihres gesamten Lebens und Seins.“; Andrew Perceval-Maxwell 1967; zit. n. Rountree 1994, S. 17)

    Rezeption

    Eine Rezeption der künstlerischen Tätigkeiten von Ilona Eibenschütz findet heute fast nur in Zusammenhang mit Forschungen über Johannes Brahms und Clara Schumann statt. Lediglich Kathleen Rountree verfasste 1994 einen vierseitigen Artikel, der die kurze Karriere von Ilona Eibenschütz etwas näher beleuchtete (Rountree 1994). Claudia de Vries hat ihr Spiel anhand ihrer Aufnahmen untersucht, im Wesentlichen allerdings, um Erkenntnisse über die Clara Schumann-Schule zu gewinnen.

    Werkverzeichnis

    Aufnahmen


    Beethoven, Ludwig van. Sonate für Klavier op. 109 (1950).


    Brahms, Johannes. Walzer für Klavier zu 4 Hd. op. 39 Nr. 2 (1903).

    Brahms, Johannes. Walzer für Klavier zu 4 Hd. op. 39 Nr. 15 (1903 und 1962).

    Brahms, Johannes. Fantasie für Klavier op. 116 Nr. 5 (1952).

    Brahms, Johannes. Klavierstücke op. 118 Nr. 3 (1902 und 1903).


    Scarlatti, Domenico. Presto G-Dur K14 (1902 und 1903).

    Scarlatti, Domenico. Presto E-Dur K20 (1902 und 1903).


    Schumann, Robert. Carnaval op. 9 (1950).

    Schumann, Robert. Romanze op. 28 Nr. 2 (1950).



    Radiosendung


    Ilona Eibenschütz. Reminiscences of Brahms. Wortsendung für die BBC, aufgezeichnet am 10. Oktober 1952, gesendet am 30. Oktober 1952.


    Schriften


    Ilona Eibenschütz. My Recollection of Brahms. In: „The Musical Times” vom 1. Juli 1926, S. 598f.

    Repertoire

    Eine Repertoireliste lässt sich aufgrund fehlender Informationen zur Zeit nicht erstellen. Nachgewiesen sind bislang die Aufführungen bzw. Aufnahmen der folgenden Werke:


    Bach, Johann Sebastian. Konzert für zwei Klaviere (keine nähere Spezifizierung möglich).


    Beethoven, Ludwig van. Sonate f-Moll op. 57 („Appassionata“).

    Beethoven, Ludwig van. Sonate E-Dur op. 109.

    Beethoven, Ludwig van. Sonate c-Moll op. 111.


    Brahms, Johannes. Klavierquartett g-Moll op. 25.

    Brahms, Johannes. Walzer für Klavier zu 4 Hd. op. 39 Nr. 2, Nr. 15. Brahms, Johannes. Fantasie für Klavier op. 116 Nr. 5.

    Brahms, Johannes. Klavierstücke op. 118.

    Brahms, Johannes. Klavierstücke op. 119.


    Chopin, Frédéric. Klavierkonzert f-Moll op. 21.

    Chopin, Frédéric. Scherzo h-Moll op. 20.

    Chopin, Frédéric. Nocturne (keine Präzisierung möglich).

    Chopin, Frédéric. Berceuse (keine Präzisierung möglich).


    Grieg, Edward. Austras Danse.

    Grieg, Edward. Klavierkonzert a-Moll op. 16.


    Hummel, Johann Nepomuk. Klavierkonzert a-Moll op. 85.


    Liszt, Franz. Die Nachtigall.

    Liszt, Franz/Paganini. La Campanella.

    Liszt, Franz. Rhapsodie Nr. 12.


    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Capriccio (keine Präzisierung möglich).

    Mendelssohn Bartholdy, Felix. Sonate D-Dur für Violoncello und Klavier op. 58.


    Rubinstein, Anton. Romanze (keine Präzisierung möglich).


    Scarlatti, Domenico. Presto G-Dur K 14.

    Scarlatti, Domenico. Presto E-Dur K 20.


    Schubert, Franz. Impromptu Es-Dur.


    Schumann, Robert. Carnaval op. 9.

    Schumann, Robert. Etudes Symphoniques op. 13.

    Schumann, Robert. Romanze op. 28 Nr. 2.

    Schumann, Robert. Klavierkonzert a-Moll op. 54.

    Schumann, Robert. Novellette (keine Präzisierung möglich).

    Schumann, Robert. Klaviertrio d-Moll op. 63.


    Schytte, Ludwig. Vogelgezwitscher.

    Quellen

    Quellen


    Conversations with Ilona Derenburg. Interview with Eva Ducat. Unveröffentlichtes Typoskript. International Piano Archives at Maryland.


    Gregor Benko. Notes on Ilona Eibenschütz.



    Literatur


    Artikel „Eibenschütz, Ilona“. In: Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon. Moritz Rudolph (Hg.). 1890 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Eibenschütz, Ilona“. In: Deutsch-Österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Hermann Cl. Kosel (Hg.). Bd. 1. 1902 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Eibenschütz, Ilona“. In: Große jüdische National-Biographie. Salomon Wininger (Hg.). Bd. 2. 1927 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Eibenschütz, Ilona“. In: Musiklexikon. Hugo Riemann (Hg.). Bearb. von Alfred Einstein. 11. Auflage. 1929 [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Eibenschütz, Ilona“. In: Das Lexikon der Juden in der Musik. Mit einem Titelverzeichnis jüdischer Werke. Zusammengestellt im Auftrag der Reichsleitung der NSDAP, auf Grund behördlicher, parteiamtlich geprüfter Unterlagen (= Veröffentlichungen des Instituts der NSDAP. zur Erforschung der Judenfrage Bd. 2). Stengel, Theo; Gerigk, Herbert (Hg.). Berlin: Hahnefeld Verlag, 1941 (einschlägiges Nazilexikon mit dem Ziel der Verfolgung). [verfügbar in wbis: world biographical information system].


    Artikel „Eibenschütz, Ilona“. In: Lexikon der Frau. Bd. I. Zürich: Encyclios Verlag AG, 1954, Sp. 893.


    Cahn, Peter. Das Hoch’sche Konservatorium 1878-1978. Frankfurt a. M.: Verlag Waldemar Kramer, 1979.


    Clara Schumann – Johannes Brahms. Briefe aus den Jahren 1853-1896. Im Auftrag von Marie Schumann herausgegeben von Berthold Litzmann. Zwei Bände. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1927.


    De Vries, Claudia. Die Pianistin Clara Wieck-Schumann. Interpretation im Spannungsfeld von Tradition und Individualität (= Schumann Forschungen Bd. 5). Mainz, London u. a.: Schott, 1996.


    Ehrlich, Albert Payne (Hg.). Berühmte Klavierspieler der Vergangenheit und Gegenwart. Eine Sammlung von 116 Biographien und 114 Portraits. Leipzig: Verlag von A. H. Payne, 1893.


    Kalbeck, Max. Johannes Brahms. 4 Bände. Berlin: Deutsche Brahms-Gesellschaft, 1904-1914.


    Lara, Adelina de. Finale [Memoiren]. In collaboration with Clare H-Abrahall. London: Burke Publishing Co Ltd, 1955.


    Lara, Adelina de. „Gebt mir die Ruhe und Abgeschiedenheit der BBC”. In: Monica Stegmann/Eva Rieger. Frauen mit Flügel. Lebensberichte berühmter Pianistinnen von Clara Schumann bis Clara Haskil. Frankfurt a. M.: Insel-Verlag, 1996, S. 195-243. [Auswahl aus ihren Memoiren „Finale“ in deutscher Übersetzung.]


    Laurence, Dan H. (Ed.). Shaw’s Music. The Complete Musical Criticism of Bernard Shaw. 3 Vol. Second revised edition. London: The Bodley Head, 1981.


    Litzmann, Berthold. Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen. 3 Bände. Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1909.


    Muck, Peter. Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester: Darstellung in Dokumenten. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Ur- und Erstaufführungen. Tutzing: Schneider, 1982.


    Raynor, Henry. She played duets with Liszt. In: The Times London vom 6. Mai 1967, S. 7.


    Rountree, Kathleen. The Short-Lived Career of Ilona Eibenschütz. In: The American Music Teacher. April/Mai 1994. S. 14-17.


    Verne, Mathilde. Chords of Remembrance [Autobiografie], London: Hutchinson & Co, 1936.


    Verne, Mathilde. Das Unterrichten ist ein untrennbarer Teil meines Wesens. In: Frauen mit Flügeln. Lebensberichte berühmter Pianistinnen. Von Clara Schumann bis Clara Haskil. Monica Steegmann/Eva Rieger (Hg.). Frankfurt a. M., Leipzig: Insel-Verlag, 1996. S. 147-194. [Auswahl aus Mathilde Vernes Memoiren „Chords of Remembrance“ in deutscher Übersetzung]



    Konzertkritiken und Zeitungsartikel


    The World vom 21. Januar 1891 (von George Bernard Shaw).

    The World vom 18. Februar 1891 (von George Bernard Shaw).

    The World vom 18. März 1891 (von George Bernard Shaw).

    The World vom 29. März 1893 (von George Bernard Shaw).

    The World vom 31. Januar 1894 (von George Bernard Shaw).

    The World vom 28. Februar 1894 (von George Bernard Shaw).


    The Times London vom 16. Februar 1892, S. 5.

    The Times London vom 17. März 1893, S. 10.

    The Times London vom 20. März 1893, S. 10.

    The Times London vom 23. Januar 1894. S. 4.

    The Times London vom 13. Februar 1894, S. 10.

    The Times London vom 27. Februar 1894, S. 5.

    The Times London vom 15. Januar 1897, S. 6.

    The Times London vom 10. März 1897, S. 6.

    The Times London vom 19. Februar 1900, S. 14.

    The Times London vom 6. Mai 1967, S. 7.



    Tonträger


    Pupils of Clara Schumann. Performed by Fanny Davies, Ilona Eibenschutz, and Adelina de Lara, piano; Ernest Ansermet, conductor, and Royal Philharmonic Society Orchestra. East Sussex, England: Pearl CLA 1000 (GEMM 291-GEMM 299), 1986.



    Links


    http://www.bl.uk/collections/sound-archive/cat.html

    Der Katalog des „British Library Sound Archive“ enthält 16 Einträge mit Aufnahmen von Ilona Eibenschütz.


    http://www.darvas.de/brahms_text.pdf

    János Darvas hat Ilona Eibenschütz in einem Film über Johannes Brahms („Wären da nicht die Frauen“. Dr. Brahms. Johannes Brahms) mehrfach zu Wort kommen lassen. Das Filmskript steht im Internet zur Verfügung.

    Forschung

    Abgesehen von wenigen zeitgenössischen Lexikonartikeln hat sich bislang m. W. lediglich Kathleen Rountree in einem vierseitigen Artikel mit der Biografie von Ilona Eibenschütz auseinandergesetzt. Claudia De Vries hat sich 1996 in ihrer Arbeit über Clara Schumann auch den pianistischen Stil von Ilona Eibenschütz untersucht.


    Etliche Dokumente zu Ilona Eibenschütz werden in den „International Piano Archives“ der „University of Maryland“ (IPAM) aufbewahrt. Darunter befinden sich ein unveröffentlichtes Interview, das Eva Ducat mit ihr geführt hat, die Originale der Aufnahmen, die Ilona Eibenschütz 1903 für die „Gramophone and Typewriter Company“ eingespielt hat sowie Erinnerungen von Gregor Benko. Eine erste Auswertung des Bestandes im IPAM hat Kathleen Rountree vorgenommen (Rountree 1994).

    Das „British Library Sound Archive“ in London enthält mehrere Aufnahmen von Ilona Eibenschütz aus den Jahren 1902, 1903, 1950, 1952 und 1962, darunter auch eine Wortsendung von ihr mit dem Titel „Reminiscences of Brahms“ von 1952.

    Einige Briefe von Ilona Eibenschütz werden in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt.

    Forschungsbedarf

    Über das Leben von Ilona Eibenschütz und ihre künstlerischen Tätigkeiten ist bislang wenig bekannt. Die zahlreichen Hinweise, z. B. über ihre internationale Konzerttätigkeit als so genanntes „Wunderkind“, wären zu verifizieren und mit konkreten Inhalten zu füllen. Auch ist ihr intensives Verhältnis zu Johannes Brahms zwar bekannt, jedoch kaum erforscht.

    Im privaten Bereich wären vor allem die Verwandschaftsverhältnisse zur Künstlerfamilie Eibenschütz näher zu klären, die u. a. den Dirigenten Sigmund Eibenschütz (ein Bruder von Ilona Eibenschütz), den Dirigenten José Eibenschütz und den Pianisten Albert Eibenschütz mit einschloss.

    Normdaten

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    Wikipedia-Personensuche

    Autor/innen

    Silke Wenzel, Die Grundseite wurde im Dezember 2007 verfasst.


    Bearbeitungsstand

    Redaktion: Nicole K. Strohmann
    Zuerst eingegeben am 31.12.2007


    Empfohlene Zitierweise

    Silke Wenzel, Artikel „Ilona Eibenschütz“, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 31.12.2007.
    URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/artikel/Ilona_Eibenschütz